Yorick in Weimar

Gothic Friday November – Abgrenzung über Vorliebe? (GM)

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Yorick in WeimarDas Novemberthema des Gothic Friday zum Thema Abgrenzung und Gesellschaftskritik schließt mit einem Beitrag von GM. Nehmt euch einen Moment und lest, wie sie von der Erregung ihres Umfelds mit umgedrehten Kreuzen zum persönlichen Studium des Runen-Alphabets gekommen ist. Und seid gespannt, das Dezember-Thema mit wahrlich besinnlichem Thema steht bereits in den Startlöchern.

Mein Beitrag ließ sich nicht rechtzeitig fertigstellen, weil ich mit mir uneins war. Meine Herangehensweise war wohl zu rational, so kann ich nicht schreiben.

Nun also mit anderer Taktik…

Was war zuerst, die Abgrenzung oder die Vorliebe? Beeinflusste die Abgrenzung meine Vorliebe oder war es meine Vorliebe, die mich in die Abgrenzung führte?

Fest steht, dass ich bereits seit frühester Kindheit Abgrenzung erfuhr, wobei hier das Wort Ausgrenzung wohl eher passen würde. Ausgrenzung aus einer Welt von Neid, Gewalt, Lügen, Sucht und Nichtstun. Ich war anders, viel zu gutmütig, hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, wollte niemals ein solches Leben führen wie die Anderen, die Erwachsenen und die zu Erwachsenen werdenden. Es begann eine Rebellion im Stillen. Meine Oma war mir die Liebste, mit ihr verbrachte ich viel Zeit, wie ich bereits im Februar Thema berichtete, das sich auch gut als Teil einer Abgrenzung herleiten ließe.

Als junge Erwachsene erregte ich mit umgedrehten Kreuzen und Pentagrammen. Später interessierte ich mich für alles Mystische und Okkulte, lernte Alphabete wie zum Beispiel die Runen und das Ogham, las düstere Poesie und Lyrik. Da beschränkte sich die Gesellschaft anderer auf einen kleinen Teil, für Andersseiende war kein Platz.

Und heute? Natürlich grenze ich mich mit meinen Vorlieben ab. Welcher Stino schreibt oder liest schon sinistre Gedichte, mag Tiere, die für den Tod stehen und Friedhöfe, befasst sich mit Okkultismus sowie Mystik, mag alles Düstere und Unheimliche. Und dann wäre da noch die Musik, allein durch sie erfahre ich eine enorme Abgrenzung.

Ich genieße es anders zu sein. Schwarz ist meine Zuflucht, meine Abgrenzung zum banalen Leben. Schwarze Kleidung hat bei mir nicht nur Wohlfühlcharakter, sie ist Schranke und gleichwohl Eingangstor.

Zur Gesellschaftskritik

Im Laufe meines Lebens schuf ich ein für mich gültiges Ideal, das ich größtenteils lebe. Es gibt immer mal Situationen, in denen ich Abstriche machen muss, doch meist kann ich mich an meine eigenen Vorgaben halten.

Im Grunde kritisiere ich den Teil der Gesellschaft, der unbedarft mit den Gütern der Erde umgeht. Das sind Menschen – insbesondere die, von denen ich weiß, dass sie über genügend Geld verfügen und es sich leisten könnten genauer zu schauen, was sie kaufen – die Billigfleisch, Billiggemüse und -obst sowie Billigmilchprodukte und andere Billigdinge wie Kaffee etc. erwerben und sich so auf Kosten anderer (Menschen, Tiere, Natur) bereichern, während sie am Wochenende die Sau rauslassen, den dicken Max spielen oder die Grand Dame mimen. Es ist abscheulich, wenn Menschen sich keine Gedanken machen, woher die konsumierten Produkte stammen. Oder schlimmer noch, sie nehmen in Kauf anderen zu schaden obwohl sie wissen, dass sie mit ihrer Kaufkraft beeinflussen könnten, woher diese Produkte kommen, wie sie produziert werden und ob Mensch oder Tier darunter leiden müssen.

Ob diese Kritik ‘Schwarz’ ist wage ich zu bezweifeln, denn es dürften etliche Schwarze sein, die sich dort einreihen können. Auch ich kann mich nicht ganz davon freisprechen. Mir ist bewusst, dass man nicht immer Rücksicht nehmen oder alles recherchieren kann, aber Ausnahmen lassen sich doch wenigstens auf einen geringen Teil begrenzen.

 

Desillusionierter, eher introvertierter und verplanter, jedoch auch freundlicher und vielseitig interessierter Zeitgenosse mit einer Neigung zu abseitigen Themen, dabei immer offen für ein Gespräch und anfällig für Humor. Musik ist für Ihn Passion, nicht zuletzt deshalb lässt er bei Gelegenheit gerne seine Scheibchen (digital) kreisen. Lassen die Umstände es zu, bietet Spontis ihm die Gnade, seine oftmals unstrukturierten Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben...

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Shan Dark
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OH, eine gleichgestimmte Seele! Wie schön. Ich finde mich jedenfalls in dem, was du schreibst wieder.

Schwarze Kleidung hat bei mir nicht nur Wohlfühlcharakter, sie ist Schranke und gleichwohl Eingangstor.

Das ist gut formuliert, auch wenn ich es nicht auf die Kleidung reduzieren würde bzw. nicht nur an ihr festmachen würde. Gerade im Business ist schwarz als gedeckte Farbe ja recht häufig und hat gar keine Bedeutung und wird auch nicht als Farbe mit Bedeutung von Stinos erkannt. Es ist wohl eher, was man mit der Farbe verbindet und dass sie ein wiederkehrendes, irgendwie ‘angewachsenes’ Element ist.

Das Wort “Stino” habe ich früher übrigens auch immer verwendet. Ist aber irgendwie aus der Mode gekommen… :)