1986: Duisburger Gruftis im Old Daddy als Statisten beim Tatort

Schimanski - Der TauschSchimanski ist ein Institution. Als er im Juni 1981 als Tatort-Kommissar auf der Bildfläche erschien, schockierte er den bis dahin eher konservativen Zuschauer des Fernsehreihe. Ein Ruhrpott-Rambo aus dem Bilderbuch, denn Schimanski ist laut, vulgär, dem Alkohol verfallen und erhebt die Currywurst zum Grundnahrungsmittel der Duisburger Polizei. Während die einen Schimanski zum lebenden Verfall der deutschen Gesellschaft stilisieren, ist er für andere die Verkörperung der Menschlichkeit. In 29 Folgen formt der Kommissar zudem ein außerordentlich prägendes Bild von Duisburg, das zwischen Malocher-Romantik und ständiger Arbeitslosen-Problematik ein Sündenpfuhl menschlichen Daseins zu sein scheint.
Ich liebe die Serien heute noch. Nicht etwa, weil ich mich mit dem Rüpel-Kommissar identifiziere, sondern weil sie ein authentisches Bild der 80er Jahre vermittelt, dass von der knallbunten Spaßgemeinde befreit, ein düsteres und schmutziges und authentisches Szenario dieser Zeit formt, das von Angst und Hoffnungslosigkeit bestimmt wird.
Eigentlich logisch, dass auch Gruftis hier ein Rolle spielen mussten. Vielleicht eher als Status Quo der damaligen Duisburger Jugendkultur und nicht als Stilmittel, finden sich in einigen Folgen immer wieder Szenen aus dem Duisburger Grufti-Leben. So auch 1986, als die Folge „der Tausch“ ausgestrahlt wird. Denn da ermittelt Schimanskis Partner – und Gegenpol zur seiner Rüpelhaftigkeit – Thanner im Duisburger „Old Daddy“ (heute Kultkeller). Ganz ehrlich: Wenn ich die Szene damals mit dieser Musik kennengelernt hätte, ich hätte sicherlich die Subkultur gewechselt. Keine Ahnung, wer dieses Synthie-Geklimper seinerzeit für angemessen hielt. Im folgenden der 1:30 lange Clip mit Szenen aus besagter Discothek. Ich würde mich über eure Erinnerungen freuen.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Yorick
Yorick (@guest_50488)
Vor 5 Jahre

Es gibt auch abseits von Schimanski interessantes beim Tatort zu entdecken. Ich habe vor einiger Zeit die Folge „Peggy hat Angst“ von 1983 gesehen und bin darüber auf das Lied „Why can the Bodies fly“ von der Band Warning gestoßen, das im Handlungsverlauf eine wichtige Rolle spielt und auch im Abspann nochmal eingespielt wird. In der Folge wird das Lied als moderne Rockmusik angesprochen, für mich klingt es nach frühem Darkwave.

Yorick
Yorick (@guest_50489)
Vor 5 Jahre
caterpillargirl
caterpillargirl (@guest_50490)
Vor 5 Jahre

OH JAAA!!! Kann mich noch sehr gut erinnern, habe den Tatort damals gesehen und weiss noch genau wie elektrisiert ich von diesem Lied war. Habe die ganze Zeit auf den Abspann gewartet um zu erfahren wie das Lied heisst. Da so ein Abspann ja relativ schnell läuft, war das gar nicht so einfach! Gab ja noch kein Internet!

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