Mike Batt - Checker
Mike Batt - Checker | Screenshot aus dem Video

Musikperlen: Liebestanz in der Isolation aus Spandex und Luzifers Engeln (Tauchgang #43)

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Also, das allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen. Auch zu Hause. Heute ist Rememberance Day, Zeit in alten Schätze und Erinnerungen zu stöbern. Kein Grund, Down with the Sickness zu sein. Und da ist es auch überhaupt nicht schlimm, dass Youtube uns einfach HD gestrichen hat, um Bandbreite zu sparen. Kein Grund, gleich vom Weltuntergang zu singen. Schließlich scheint auch im Fernseher die Sonne, während draußen Absoluter Stillstand herrscht. Das Ende der Welt ist das aber noch lange nicht, vielleicht eine ernst gemeinte Warnung. Dancing with Tears in my Eyes.

Grauzone – Ich lieb Sie

Hätte ich damals schon meine Frau kennengelernt, wäre ich wohl in die Schweiz gefahren und hätte die Band Grauzone mit ihrem Song “Ich lieb Sie” für ein exklusives Ständchen zu unserer Hochzeit gebucht. Blöd wäre allerdings gewesen, dass ich erst 8 Jahre alt war und mit Frauen im Grunde genommen noch nichts zu tun gehabt habe. Ich glaube, da habe ich wohl eher noch Lego-Welten entwickelt, einen grauen Pullunder getragen und unter dem Poster von Martin Gore Luftgitarre gespielt. Glücklicherweise brachte uns das Schicksal ja dann doch ein paar Jahrzehnte später zusammen und letztendlich auch vor die Standesbeamtin, doch da kannte ich den Song ja noch nicht mal. So bleibt ein Konstrukt aus Verliebtheit, verschwurbelter Fantasie und verschenkter Jugend die eigentlich nur zwei Schlüsse zulassen. Erstens: das Schicksal hat 30 Jahre gepennt und zweitens: niemand kann schöner Marmelade sagen, als Grauzone.

Mike Batt – Zero Zero Part 3

Tilly Electronics, die semi-erotischen Minimalisten aus Köln, die uns jüngst mit ihrer Synthie-Hymne über den Fahrstuhl-Boy beglückten, haben uns ihren legendären Vater auf sträfliche Weise verschwiegen. Die stylistische Ähnlichkeit mit Mike Batt, einem britischen Musiker und Komponist, ist irgendwo zwischen fatal bis deutlich zu erkennen und selbst musikalische Anleihen dürften dem aufmerksamen Zuhörer nicht entgangen sein. Sind die Kölner Spandex-Fetischisten ein Erbe angetreten? Treten sie in die Fußstapfen lockiger Briten mit Nummern auf der Stirn? Im Kommentarbereich erwarten wir, die Nichtsnutze aus der Musikredaktion, eine Erklärung.

U.K. Vision – Lucifer’s Friend

Okay. Ich habe keine Ahnung, warum dort in dem Video ein völlig deplatzierter Bass-Spieler und ein ebenso verstörend anmutender E-Gitarren Virtuose den Blick auf den super-süßen Sänger der Band U.K. Vision trüben, aber die gehörten wohl tatsächlich zur Band. Ob die dann irgendwie mit den Gah Ga’s verwandt sind, bleibt dann wohl auch ein Rätsel. Da blickt doch keiner mehr durch, wer in den 80ern alles eine Band mit irgendjemanden aus einer Band gründete, der schonmal in einer Band gespielt hat, die so wie eine andere Band klingen.

John Foxx – No One Driving

Schon damals ein Blick in die Zukunft, das war Dennis Leighs Intention während seines musikalischen Schaffens, das er 1985 zu Gunsten seiner Tätigkeit als Grafikdesigner wieder beendete. Glücklicherweise verlor “The Quiet Man” sein Interesse nie vollständig und kehrte Ende der 90er Jahre zurück in die Ohren seiner Zuhörer. Die Aura seiner Musik, einen Blick in die Zukunft zu gewähren, ließ er jedoch in der Vergangenheit zurück.

The Danse Society – Angel

So liebe Leser, es gibt in Sachen Grufi-Mode der 80er noch viel zu lernen, wie diese Hochzeit aus einem alten Video über einen englischen Goth-Club und dem Song “Angel” von The Danse Society beweist. Weiße Socken in Pikes sind cool, blaue Hemden werden schöner mit Netzshirts untendrunter und Bauchfrei kann gut aussehen, wenn man keinen Bauch hat. Auch der Totengräber-Tanz-Mythos muss nochmal aufpoliert werden, den hier wird auch noch hektischen mit den Armen geschubbert und gepumpt. Muss ich mir merken.

Isolation Berlin – Isolation

Okay, keine Perle – weil nicht alt – aber ebenso wertvoll. Vielleicht das einzige Cover von “Isolation” das ich gut finde. Wirklich gelungen.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Alte Pizza
Gast
Alte Pizza

Bis jetzt mochte ich von Joy Division Liedern, die kopiert werden, nur” Love will us tear apart” von den Swans. Das hier hat aber was! Klingt irgendwie zeitlos.

Alte Pizza
Gast
Alte Pizza

Habe gerade gesehen, dass die letztes Jahr hier in Hannover auf dem Fährmannsfest gespielt haben. Gestern haben sie ein Wohnzimmerkonzert bei radioeins gegeben. https://www.radioeins.de/veranstaltungen/konzerte/isolation-berlin.htm

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Ebenfalls ein sehr gelungenes Cover eines Joy Division Klassikers – finde ich sogar einen Tick besser als das Original: https://www.youtube.com/watch?v=rRLx4EwDg4g&frags=pl%2Cwn

Anybody
Gast
Anybody

In the name of Tilly Electronics: This is the son and the many daughters of Anyone from the first liaison with a human, ages ago, when Anyone was a young 2378 years old in your time measurements. Now, that it is public, we might as well embrace the truth. Very proud of you, son!

Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

Ich kenne eine Joy Division Coverversion von “Alive she died“.
“She’s lost Control“, einmal von weiblicher Stimme gesungen, auch sehr schön.

Bibi Blue
Gast
Bibi Blue

Was Joy-Division-Coverversionen angeht, da bin ich wohl zu tief geprägt, überempfindlich und reserviert. Ich traue mich manchmal nicht mal, einen Link anzuklicken. Ich habe es heute doch getan und mir schaudert es. Ich wünschte ich könnte erklären warum, doch es ist schwer. Der Klang transportiert etwas Anderes.
@Tanzfledermaus: Die Version von Deathcamp Project konnte ich genießen.

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Ikon klangen ja in Besetzung mit dem ersten Sänger in den 90ern immer sehr nach Joy Division (in der damaligen Zeit als sich viele Bands eher von Fields und Sisters leiten liessen noch irgendwie mal was anderes) und da bot sich ja eine Coverversion eben auch an..wie auch ne sehr gute Cover-Version von “Ceremony” und ne naja eher mittelprächtige Interpretation von “In A Lonely Place” aber ok. Dieses hier mag ich sehr..

Shock Therapy mit Disorder ist auch ganz gut..ist halt der ST-typische Sound.

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

@Robert: Ja da hast du natürlich irgendwie Recht..die Ecken und Kanten des Originals fehlen beim Ikon-Cover. Ikon waren ja soundmässig ja dann auch schon eher mehr “The Chameleons meets Joy Division (allein durch den Gesang) und ein bisschen Death In June” in Gothic-Ästhetik..vieleicht hier und da auch ein bisschen zu statisch klingend (aber das ist mir bei denen wirklich egal). War mir auch schon immer bewusst..aber ich mochte die Band halt schon immer irgendwie sehr.