Depeche Mode – 101

Mit ihrem Album Music for the Masses lösten sich Depeche Mode von den dunklen und düsteren Klängen des Vorgänger-Albums Black Celebration. Die Songs auf dem neuen Album klangen poppiger und vielfältiger, durch das digitalisieren von Instrumenten wie Gitarre, Akkordeon, Flöte oder auch Klavier verschaffte sich die Band mehr musikalischen Spielraum.  Eine Tour mit 101 Konzerten soll auch in den USA für Erfolg sorgen. Das ehrgeizige Projekt reizte auch Filmemacher D.A. Pennebaker, der sich mit Dokumentationen über Bob Dylan, David Bowie und Jimi Hendrix schon einen Namen machte und einen Konzertfilm über die Tour drehen will.

Mit der 101 Konzerte umfassenden Tournee, markierte Depeche Mode einen Karrierehöhepunkt und bewies eindrucksvoll, das sie auch die Fans in den Staaten für ihre Musik begeistern konnte. Mit dem Album und der Tour schaffte Depeche Mode den kommerziellen Durchbruch in den USA und wandelte sich von der Hallen füllenden Synthie-Band zum waschechten Stadion-Act.

Als die Band den Wunsch äußerte für das letzte Abschlusskonzert ihrer 101-Tour das Pasadena Rosebowl Stadium zu mieten, stießen sie innerhalb des Managements auf Widerstand, niemand wusste ob sie es schaffen würden, die riesige und legendäre  Arena zu füllen. Die Tour durch die USA war bis dahin sehr erfolgreich verlaufen, was dem unermüdlichen Einsatz der College Radios und der eingeschworenen Fangemeinde zu verdanken ist und nicht durch Charterfolge, denn hier waren die Engländer noch lange nicht so angesagt wie in Europa. Dort wo keine Unterstützung durch Radio-Sender stattfand, blieben auch die Besucher aus, in Nashville spielten sie vor 2.000 Fans. Am 18. Juni 1988 kamen 60.453 1 amerikanische Jugendliche zum Konzert einer britischen Synthie-Popband aus England.

Obwohl Pennebaker die Musik der Briten fremd ist und für ihn zu Anfang alles gleich klingt 2, schafft er mit dem Konzertfilm ein Portrait einer Band und ihrer Fans, das sich frei von Klischees und Vorurteilen präsentiert. Wichtiger Bestandteil des Films ist neben zahlreichen Konzertausschnitten eine Gruppe Jugendlicher Fans, die von der Ost- zur Westküste im Bus zum Konzert reisen. Man sieht die Fans beim Tanzen und Einkaufen, bei ihren Familien und bei ihrer Reise im Bus bis letztendlich zum 101. Konzert. Eine sehr frühe Form einer Real-Life Soap, die sich zwar schnell abnutzt aber ein realistisches Bild der Fans von Depeche Mode im Jahre 1988/89 zeichnet.

Auf der DVD befinden sich zwei weitere Songs, die auf der Original VHS nicht erschienen sind, „Somebody“ und „Pleasure Little Treasure“, außerdem ist der Film mit Kommentaren von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Flechter unterlegt. Für die Interviews besucht Pennebaker die drei auch zu Hause.  Selbst drei der mittlerweile nicht mehr Jugendlichen der Bus-Tour konnte man noch ausgraben die erzählen, was aus ihnen geworden ist. Der 1995 ausgestiegene Alan Wilder der im Film so schön vom Einsatz des Keyboards berichtet und das Geheimnis lüftet warum Depeche Mode ohne Drummer tourt möchte nicht mehr von der Partie sein, schade eigentlich. Ebenso schade sind die deutschen Untertitel, die man sich für den Film gespart hat.

Über das Konzert selbst muss ich nicht viele Worte verlieren, vielleicht einige Gedanken warum eben dieses Konzert so legendär ist. Ich Gegensatz zu anderen Bands dieser Zeit beruht der Erfolg von Depeche Mode zu dieser Zeit nicht etwa auf Charterfolge oder ein höllisches Marketing sondern auf der sehr aktiven Fangemeinde und dem Einsatz vieler Radiosender. Während auf vielen anderen Konzerten viel mehr Besucher und Gäste zu sehen sind, handelt es sich beim Großteil der über 60.000 anwesenden um echte Fans, von denen nahezu alle den Titel Everything Counts mitsingen können. Gänsehaut pur.

Inhalt der 2er DVD Box

  • 101 – Der Film
  • Live At The Pasadena Rose Bowl, June 18th 1988:
    1. Master And Servant
    2. Pimpf
    3. Behind The Wheel
    4. Strangelove
    5. Blasphemous Rumours
    6. Stripped
    7. Somebody
    8. Black Celebration
    9. Pleasure Little Treasure
    10. Just Can’t Get Enough
    11. Everything Counts
    12. Never Let Me Down Again
    13. Everything Counts (Music Video)
  • Interviews with DM, Daniel Miller, Jonathan Kessler
  • Interviews with the fans – Where are they now?

Fazit: Der Film und das Konzert lassen wir mal unbewertet, sonst würde die Bewertung sicherlich den Rahmen sprengen. Die DVD Produktion ist gut, obwohl die fehlenden Untertitel sehr sträflich sind und auch von den Interviews und Anekdoten nicht wieder wettgemacht werden können. Die Aufbereitung ist dezent ausgefallen, die Qualität gegenüber der VHS konnte leicht gesteigert werden, die beiden Bonusstücke sorgen dann doch noch für einen gelungenen Abschluss. Depeche Mode Fans sollten zuschlagen, auch wenn sie die VHS bereits ihr eigen nennen können.

Einzelnachweise

  1. Aus der Film und der Biografie Stripped von Jonathan Miller, Seite 256 (bei Google Books) []
  2. Aus einem auf der DVD enthaltenen Interview mit D.A. Pennebaker[]
Robert Forst
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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happy-buddha
happy-buddha (@guest_3878)
Vor 12 Jahre

Was soll man da noch viel dazu sagen.. Eine der genialsten Bands!

Stuffmaker
Stuffmaker (@guest_3880)
Vor 12 Jahre

schööön

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