Rock me Amadeus - FLA - Teaser

Cover, die niemand braucht: Frontline Assembly feat. Jimmy Urine – Rock me Amadeus

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Manchmal frage ich mich, was eine Band veranlasst, ein Cover aufzunehmen. Eine Huldigung an die eigenen musikalischen Einflüsse? Ein Lobgesang auf das Lebenswerk eines Künstlers? Oder ob es bloß der Wunsch ist, auf dem Erfolg eines vielleicht erfolgreicheren Original-Songs zu reiten? Wer sich an einem Cover versucht, hat es nur scheinbar leicht, denn so wie ich das sehe ist es mit einer simplen Kopie, die möglicherweise etwas anders instrumentiert ist, nicht getan.

Die EBM-Pioniere und Post-Industrial Musiker von Front Line Assembly haben sich jüngst an “Rock Me Amadeus” von Falco versucht und sich dazu die vermeintliche Hilfe von einem gewissen Jimmy Urine geholt, der aber – um es vorweg zu nehmen – die Sache eigentlich nur noch schlimmer macht. Zunächst einmal muss ich fragen, was FLA mit Falco verbindet und kann bis auf die Gemeinsamkeit in der Stadt Wien, in der Falco und Lead-Sänger Bill Leeb geboren sind, nichts finden. Trotz intensiver Recherche scheint es, als hätte Front Line Assembly zuviel von ihrem eigenen Mindphaser abbekommen. Der Sound ist weder besser geworden noch wurde er durch eine gelungen Interpretation gekrönt. Wie so etwas geht, hätte man sich zum Beispiel bei Spectra*Paris abgucken können.

Jimmy Urine wird seinem Namen gerecht und liefert eine notdürftige Version des Textes, die so klingt, als würde ein Amerikaner mit einem Zettel vor dem Mikro stehen, von der er hilflos die deutschen Worte abzulesen versucht. Immerhin – bei Refrain “Rock me Amadeus” ist er wieder voll dabei. Ich bin geneigt, Comedy darin zu sehen. So geht es besser.

Als Krönung gibt es dann noch ein Video, das einfach nur besorgniserregend schlecht ist. Es scheint, es wurde nur gemacht, um den Song bei Youtube hochladen zu können. Models die in Zeitlupe rauchen, Fernseher mit Röhrentechnik, Strand mit Sonnencreme und ein Martini, beim die Hälfte danebengeht. Auf dem TV im Video zu sehen: Jimmy Urine als Max Headroom – oder so ähnlich. Was das alles mit “Rock me Amadeus” zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht, da hilft selbst die gelegentlich eingeblendete Büste des Virtuosen nicht.

FRONT LINE ASSEMBLY (Feat. Jimmy Urine) – Rock Me Amadeus

Ich komme nicht wirklich drauf, warum machen Bands nun Cover? Weder Wikipedia noch das Internet bietet auf diese Frage eine Antwort. “Gefragt ist maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand“, schreibt die Zeit und ich bin geneigt ihr zuzustimmen. Bliebe da nicht der Eindruck, dass auch ich manche Cover-Versionen besser finde als das Original, wie zum Beispiel bei Tainted Love (Original|Cover) und letztendlich gibt es schon so viele Cover, das man den Eindruck gewinnt, das die Musik seit den 90ern nur noch aus Remixen, Cover, Sampeln und anderem aufgewärmtem besteht.

Bevor ich jetzt aber mein subjektives Gefühl an die Wand relativiere und dann doch jedes Cover irgendwie entschuldige, bringe ich noch schnell zu Ausdruck, dass weiterhin Cover-Versionen gibt, die die Welt nicht braucht. So wie das von Frontline Assembly und Jimmy Urine.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Fantôme Noir
Gast
Fantôme Noir

Hm… im Gegensatz zu jenem musikalischen Unglück, das Du vorher in dieser Rubrik präsentiert hast (Da-Da-Wurgs), kann ich diesem Video als einer Hommage an die 80er durchaus was abgewinnen. Scheißegal wo und mit wem: da durfte man qualmen, da durfte man saufen, und an Musikvideos mit grellen Farben auf aufeinandergestapelten Röhrenfernsehern kann ich mich durchaus auch erinnern, sei es im Fernsehen oder in der Auslage des lokalen Radio-und Fernsehhändlers, in Endlosschleife vom Video2000-Recorder… Total versemmelt haben sie aber die Frisuren und die Klamotten, da müssen eindeutig mehr Schulterpolster rein. Schulterpolster sind durch nichts zu ersetzen – außer durch größere Schulterpolster! wink
Das Lied selbst war ja seinerzeit als eines der wenigen deutschsprachigen selbst in den USA ganz weit oben auf der Hitliste.
Daher mein Fazit: einerseits Geldmacherei, klar – andererseits aber vielleicht auch gedacht als eine Erinnerung an eine Zeit, wo aus der verklärenden Distanz doch die Welt… vielleicht nicht weniger bescheuert, aber doch anders bescheuert war als heute… sagen wir mal in so einigen Punkten einfacher, verständlicher, und gefühlt ein ganzes Stück weit weniger geldgeil. Und wo man das Gefühl hatte, daß es in der Zukunft besser werden könnte. Heute herrscht zumindest bei mir da das exakt gegenteilige Gefühl vor, wann immer ich Nachrichten sehe…

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Nettes Video… a bissel menento mori geht immer…, nette Musik, netter Gesang. Tut mir jetzt nicht weh…. kommt für mich aber nicht an das Original heran, geschweige denn es gibt einen Wow Effekt bei mir, so wie’s mir bei Apoptygma Berzerk und Major Tom ergangen ist.