9 Januar

Jetzt helfe ich mir selbst: Tätowierte Augäpfel

Kategorie: Schwarzes Netz, Vernetzt — Jahrgang 2010

Wie ich schon 2008 berich­tete schlei­chen sich immer wie­der neue Trends in die Body-Modification-Szene, wie bei­spiels­weise das Aug­ap­feltat­too. Dabei wird eine ent­spre­chende Farbe mit Hilfe einer Nadel in den Aug­ap­fel gebracht, die dann den sonst wei­ßen Aug­ap­fel dau­er­haft färbt. Das die Ärzte davor war­nen, erhöht nur den Reiz für den laten­ten Kör­per­ver­än­de­rer: „Für den ris­kan­ten Ein­griff fin­det Dr. Böhme deut­li­che Worte: „Wer sein kost­bars­tes Sin­nes­or­gan ris­kiert, um anders­ar­tig aus­zu­se­hen, benö­tigt wahr­schein­lich psy­cho­lo­gi­sche Hilfe.1 Unrecht haben die Ärzte natür­lich nicht, aber Pier­cings, Tattoo’s oder auch Bran­dings fal­len wohl alle unter diese Kategorie.

Doch jetzt mach’ ich es mir selbst, lau­tet die Devise in eini­gen US-Amerikanischen Gefäng­nis­sen. So haben sich die bei­den Prot­ago­nis­ten des Videos selbst hin­ge­setzt und sich die Nadel ins Auge gerammt. Der Drang zu Indi­vi­dua­li­tät kennt offen­bar keine Gren­zen. Wäh­rend man vor 100 Jah­ren mit einer Täto­wie­rung oder einem Ohr­ring schon als Außen­sei­ter galt oder der Punk in den spä­ten 70ern die Klei­der­ord­nung auf den Kopf stellte ist heute viel mehr nötig, um die Leute zu scho­cken und sich von den ande­ren abzu­he­ben, auch wenn es dabei um die Augen geht. Schließ­lich ver­kom­men die so belieb­ten Kon­takt­lin­sen, die sich auch in der schwar­zen Szene gro­ßer Beliebt­heit erfreuen, mit die­sem Trend zum Kindergartenstyling.

Kurios übri­gens, da der Link mit dem das Video dar­ge­stellt wird, auf der Seite einer Tatöwierungsentfernungs-Klink endet. Denn eins ist sicher, eine Laser­be­hand­lung würde hier nicht mehr hel­fen und das Risiko der Erblin­dung nur noch wei­ter stei­gern. Viel­leicht wie­der ein neuer Trend? Ich hatte Augapfel-Tattoss und hab’ sie mir ent­fer­nen las­sen! Echt? Krass!

Update: Nach­dem YouTube das Video ent­fernt hat, ent­schied ich mich für ein ande­res The­men­glei­ches Video, das den Vor­gang aus der Sicht eines pro­fes­sio­nel­len Täto­wie­rers zeigt, der dem Prot­ago­nis­ten Josh, für 1000$ je Auge die Farbe sticht. Ob man in die­sem Zusam­men­hang wirk­lich von pro­fes­sio­nell spre­chen kann, las­sen wir mal dahingestellt.

http://www.dailymotion.com/videox78s3c

(via Mis­ter Honk)

  1. Aus dem Life­style Bereich von T-Online vom 15.08.2008 []

18 Kommentare

  1. Krass aus­se­hen tuts ja schon irgend­wie, aber mir wäre das ne Num­mer zu hart. Tat­toos von Kopf bis Fuß, egal, aber Augentat­too? Nee .

  2. Ich bin ja sonst sehr für Tat­toos, aber man­che Dinge sollte man so las­sen, wie sie sind, um die ein­wand­freie Funk­tion nicht zu gefähr­den, wie eben Aug­äp­fel oder Zungen.

    Für mein irgend­wann geplan­tes Fremen-Kostüm werde ich darum höchs­tens auf Skleral-Kontaktlinsen zurück­grei­fen. ;) Soll schon unan­ge­nehm genug sein.

  3. Oh man, das ist echt krank…
    Ich hab das schon mal bei einem gese­hen, vor einer gan­zen Weile, aber der hat das wenigs­tens beim Täto­wie­rer machen las­sen.
    Wie Ricarda schon gesagt hat, sieht es jedoch irgend­wie inter­es­sant aus…vor allem die roten Augen haben was dämo­ni­sches.
    Aber das ist es nicht wert sein Augen­licht zu riskieren.

  4. Mein Gehirn tut weh…

  5. Tat­toos und Pier­cings okay
    aber das ist wirk­lich Krank zumal mir mein Augen­licht echt zu wich­tig ist.
    @Jessica sooo schlimm sind sie nicht nur beim ers­ten tra­gen, aber du hast dich schnell dran gewöhnt.

  6. Sorry, aber sol­che Leute haben den Schuss nicht gehört. Nichts gegen Tattoo´s, man hat ja auch das Ein oder Andere Bild­chen auf der Haut, aber das ist mir eine gewal­tige Num­mer zu unsinnig.

  7. Finde das in schwarz in Kom­bi­na­tion mit schwar­zen Lin­sen auch sehr stylish.

    Aber egal ob All-Eye-Lense oder Tat­too, dafür ist mir mein Augen­licht zu schade. Brauch die noch etwas länger.

    Tat­tos all­ge­mein find ich eh nicht so klasse und an die Zunge gehört auch nichts dran, außer even­tu­ell Bänd­chen wei­ter trennen.

  8. krank! und was ich mich frage ist, wie kommt man auf die idee? ich mein tat­too ok, das ist nahe­lie­gend — aber wenn es nie­mand gemacht hätte, und ich hätte die idee, also ich würde damit rech­nen dass die seh­fä­hig­keit ein­ge­schränkt wird!

  9. @Ricarda: Ich hätte nie gedacht, das sowas über­haupt mög­lich ist. Ich finde alleine die Idee „Lass es uns pro­bie­ren” schon krass genug.

    @Jessica: Diese Lin­sen kannte ich noch gar nicht, ist das sowas wie eine extra große Kon­takt­linse? Wäre auf jeden­fall eine Alter­na­tive :D

    @Laura: Das sehe ich genau so. Auf meine Sinne möchte ich auch nicht ver­zich­ten, allein schon um all die kran­ken Dinge ande­rer zu sehen. ;)

    @von Karn­stein: Sei froh das bei Dir etwas weh tun kann, bei man­chen Men­schen mit täto­wier­ten Aug­äp­feln sieht das schon wie­der anders aus :)

    @AS: Noch jemand mit Ganz-Augen-Linsen Erfah­rung? Schickt doch mal ein paar Links mit Bil­dern, wäre inter­es­sant das mal the­ma­tisch aufzugreifen.

    @Mysti: So sehe ich das auch, aber wo liegt die Grenze? Tat­too, Pier­cing, gespal­tene Zun­gen, implan­tierte Pier­cings, ange­spitzte Zähne?

    @Moonica: Bänd­chen wei­ter tren­nen? Wie habe ich mir das vorzustellen?

    @tobi: Die Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt. Wer hatte die Idee eigent­lich zuerst? die Ganz­lin­sen­her­stel­ler oder die Tätowierer?

  10. Ich kannte das schon län­ger. Aller­dings ist es in den meis­ten Fäl­len so schlecht gemacht, dass es nicht gut aus­sieht son­dern eher ungleich­mä­ßig ist und grad beim Rot siehts aus als hät­test du ne Bin­de­haut­ent­zün­dung. Ich denke mal schon dass es sich in gewis­sen Sze­ne­krei­sen eta­blie­ren kann, wenn man schaut wie weit man mitt­ler­weile für den Kör­per­kult geht und wie viele ver­meint­li­che Gren­zen über­tre­ten wur­den und noch werden.

  11. Robert,
    du kannst keine Grenze zie­hen. Wo willst du denn anfan­gen? Etwa bei den Natur­völ­kern, die sich unter Trance spitze Gegen­stände quer durch den Kör­per ste­chen? Es liegt schon im Ermes­sen jedes Ein­zel­nen, der sich eine Kör­per­ver­let­zung (mit Genehmigung)zuzieht. Gibt es nicht die­sen tol­len Spruch: „Wer schön sein will, muß lei­den”? Schön sein liegt hier nur in der Ansicht des Betrachters.

  12. @Ricarda: Ich finde der Abstand der Grenz­über­schrei­tun­gen wird immer kür­zer, es ist nur spe­ku­la­tiv wo das noch enden wird. Rein Ästhe­tisch kann ich mich mit den gefärb­ten Aug­äp­feln auch nicht anfreun­den. Mir gefal­len weiße Aug­äp­fel und eine hüb­sche Augen­farbe als Kon­trast immer noch am bes­ten. Kon­takt­lin­sen gehen schon OK, die kön­nen auch ganz hübsch sein.

    @Mysti: Tja, schwie­rig. Mei­ner Mei­nung hört der Spaß dort auf, wo Gefahr für Leib und Leben besteht oder auch für die Sinne. Aber letzt­end­lich hast du schon recht. Schön­heit liegt eben im Auge des Betrachters :)

  13. oh schade, das Video wurde ent­fernt wobei, nein, nicht schade… da müsste sich ja schon beim Zugu­cken alles ver­kramp­fen vor Schmerz.
    ich hab davon irgendwo schon­mal gele­sen. Tat­toos, okay. Kann jeder machen, wie er will. Sieht ja auch in Maßen ganz gut aus. Aber die Aug­äp­fel?! Das ist zu krass. Außer­dem ist das doch total gefähr­lich. Da wäre mir meine eigene Gesund­heit aber viel viel wichtiger!

  14. Vie­len Dank für die Infor­ma­tion und dei­nen Kom­men­tar. Ich habe das Video gegen ein ande­res aus­ge­tauscht und den Bei­trag aktua­li­siert. Und ja, ich stimme Dir zu. Das hat nichts mit Ästhe­tik zu tun, meine Augen­licht ist mir ein­fach zu wich­tig. Aber das muss jeder für sich selbst ent­schei­den, gerade in den USA, da muss ja jeder die Suppe die er sich ein­ge­brockt hat, ja sel­ber auslöffeln.

  15. Naja ein Stück wei­ter ein­schnei­den, Effekt: grö­ßere Beweg­lich­keit für die Zunge

  16. Sowas gibt’s? Du meinst das Bänd­chen unter der Zunge? Muss ich unbe­dingt mal nach Googlen :)

  17. Es ist wirklich…anders. Dass es »krank« ist, möchte ich nicht unbe­dingt sagen. Das hieße ja, dass so einer wie ich die Norm setzt, auf des­sen Grund­lage sol­ches Trei­ben als krank defi­niert wer­den kann. Das fände ich ver­mes­sen. Es sieht für mich nicht son­der­lich ästhe­tisch aus, da Kör­per­schmuck beto­nen und nicht domi­nie­ren sollte. Davon mal abge­se­hen bil­det mein Augen­licht eben­falls ein unver­zicht­bare Grund­lage, somit würde ich der­ar­ti­ges ris­kan­tes nie machen wollen.

    Die Sache ist nur die, dass man die­ses schnell als abar­tig abstem­peln kann, ohne sich bewusst zu sein, was ein der­ar­ti­ger Dang zur Ver­än­de­rung für Wil­len­stärke abver­langt. Denn wie du schon im ande­ren Bei­trag geschrie­ben hast, han­delt man ja ent­ge­gen sei­ner Instinkte. Und wenn man­che schon vor Rou­ti­ne­ope­ra­tio­nen, Tat­to­wie­run­gen oder dem Pier­cen ein flaues Gefühl und einen unter­schwel­li­gen Dang zur Flucht ver­spü­ren, so wäre es ein­mal inter­es­sant zu erfah­ren, was die­je­ni­gen für Gedan­ken haben, die ohne erkenn­ba­ren Nut­zen und völ­lig frei­wil­lig mit dem wich­tigs­ten Sin­nes­or­gan rus­si­sches Rou­lett spie­len. Ich glaube, dazu müs­sen Ebe­nen des Bewusst­seins erreicht wer­den, auf die man fast schon nei­disch wer­den kann.

  18. Ich denke das geht über den Ästhetik-Sinn und die Indi­vi­dua­li­sie­rung weit hin­aus. Ich möchte auch keine Nor­men set­zen, doch das Augen­licht zu ris­kie­ren hat mei­ner Mei­nung nach nichts mit Ästhe­tik zu tun, son­dern ist viel­leicht die Folge eines gestör­ten Selbst­wert­ge­fühls, wer weiß.

    Ich glaube nicht, das dies ein erstre­bens­wer­ter Bewusst­seins­zu­stand sein könnte. Sicher­lich kann man hier den „Kick” her­an­zie­hen, doch legt man es dabei auf ein kurz­fris­ti­ges Erleb­nis an (Bun­geesprin­gen in etwa). Die Gedan­ken dahin­ter würde ich auch gerne ein­mal ken­nen­ler­nen ohne sie jedoch tei­len zu wollen :)

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Trackbacks/Pingbacks/Tweetbacks

  1. Ame­ri­ka­ner lässt sich beide Aug­äp­fel tätowieren…

    Unglaub­lich, wie weit Kör­per­kult gehen kann. Immer wie­der erfährt man von neuen Trends, doch die­ser scheint jede Schmerz­grenze zu über­schrei­ten. Der New Yor­ker Josh Rahn hat sich im Jahre 2008 das Weiße vom Aug­ap­fel blau t.…..