Es ist der Sommer 2026, und die Flüsse Europas ziehen sich zurück wie ein Vorhang, der eine Bühne freigibt, die niemand betreten wollte. In der Elbe tauchen sie wieder auf: bemooste Felsblöcke, in die Menschen vor Jahrhunderten Jahreszahlen und Sätze geschlagen haben. Der berühmteste trägt eine Warnung, die klingt, als hätte sie ein Grufti formuliert – und die doch aus dem Jahr 1904 stammt: „Wenn du mich siehst, dann weine.“
Ende Juli 2026 fällt der Rhein bei Kaub auf 25 Zentimeter – ein Wert, den er zuletzt im Rekord-Dürrejahr 2018 erreichte, diesmal aber ungewöhnlich früh im Sommer. In der Donau ragen die Wracks versenkter Weltkriegsschiffe aus dem Wasser, bei Rjachowo spuckt der Fluss die Stoßzähne eines Mammuts aus. Und mitten in dieser Kulisse aus freigelegten Geheimnissen liegen die Hungersteine: stumme Zeugen, die immer dann sprechen, wenn es am schlimmsten steht.
Für uns, die wir die Zukunft ohnehin gern schwärzer sehen, sind sie eine Faszination von seltener Wucht – ein Memento mori aus Sandstein, das nicht auf einem Friedhof steht, sondern im Flussbett schläft. Aber diese Steine sind mehr als schöner Schauer. Sie sind ein Messinstrument. Und was sie 2026 messen, sollte niemanden kaltlassen.
Was ein Hungerstein ist – und warum er uns anspricht
Ein Hungerstein ist ein großer Fels im Flussbett, der nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar wird. Der Name ist kein romantisches Beiwerk, sondern bittere Buchführung: Fiel das Wasser so tief, dass der Stein auftauchte, bedeutete das Dürre – und Dürre bedeutete Missernte, Teuerung, Hunger. Anders als eine Hochwassermarke, die den höchsten Pegel festhält, markiert der Hungerstein den tiefsten.
Menschen hielten diese Momente fest, indem sie Jahreszahlen in den Stein schlugen – oft in genau der Notzeit, in der er auftauchte. Über die Jahrhunderte wuchs so auf manchen Steinen eine ganze Chronik übereinander: eine, wie es eine Wiener Zeitung 1893 nannte, „eigenartige meteorologische Chronik“ aus einer Zeit, als es noch keine Wetterstationen gab. Wer heute vor einem solchen Stein steht, liest die Handschrift von Generationen, die alle dasselbe erlebten: das Erschrecken darüber, den Stein überhaupt zu sehen.
Genau darin liegt die Mystik dieser Objekte. Sie sind Warnung und Prophezeiung zugleich, in Stein gehauen von Menschen, die wussten, dass ihre Botschaft nur dann gelesen würde, wenn das Unglück zurückkehrt. Ein Fund fürs schwarze Herz – und, wie wir in Teil 2 sehen werden, ein unbequemer noch dazu.
„Wenn du mich siehst, dann weine“ – Die Herkunft der Inschrift
Der berühmteste Hungerstein Europas liegt im böhmischen Děčín, am linken Elbufer. Um 1900 wurde er zur Sensation: Zeitungen in Wien druckten Zeichnungen und Fotos, Ansichtskarten seines Bildes gingen zu Tausenden in alle Welt, und 1904 berichteten Blätter von regelrechten Wallfahrten zu dem Stein.
Berühmt machte ihn nicht nur seine Größe, sondern seine Inschrift: „Wenn du mich siehst, dann weine.“ Angeregt haben soll sie eine ältere Schiffersage vom nahen Hungerstein bei Tichlowitz, dem ein noch düstererer Spruch nachgesagt wurde – überliefert seit 1892:
„Wir haben geweint – Wir weinen – Und ihr werdet weinen.“
Überlieferte Schiffersage vom Hungerstein bei Tichlowitz, dokumentiert 1892
Der Schiffseigner Franz Mayer, so die Überlieferung, ließ sich von dieser Sage inspirieren und einen ähnlichen Spruch in den Tetschener Stein meißeln, versehen mit Datum und seinem Namen. Was als persönliche Notiz begann, wurde zum bekanntesten Satz der europäischen Dürregeschichte. 1938 fügte ein Pumpenfabrikant sogar noch eine tschechische Zeile hinzu. Beide Inschriften sind bis heute lesbar – ein Palimpsest der Verzweiflung, gewachsen über Jahrzehnte.
Die Botschaft ist so gruftig, dass man sie für eine Erfindung halten möchte. Sie ist keine. Sie ist Chronistenpflicht, geschrieben von Menschen, die ihren Nachfahren eine einzige Sache mitgeben wollten: Wenn dieser Stein wieder auftaucht, dann steht euch Schweres bevor.
Eine Landschaft aus Warnungen: die regionalen Häufungen
Hungersteine sind kein rein böhmisches Phänomen, aber sie verteilen sich auffällig ungleich. Die Elbe ist der klare Hotspot – von Děčín über Schmilka, Dresden, Meißen, Torgau und Magdeburg bis Bleckede reihen sich Steine, Hungerfelsen und markierte Schotterflächen aneinander. Das hat Gründe: Die Elbe war eine der wichtigsten Handelswasserstraßen Mitteleuropas, dicht besiedelt, mit einer langen Tradition von Chronisten und Schiffern, die Pegel und Not sorgsam festhielten. Wo viele Menschen vom Fluss lebten, wurde jedes Ausbleiben des Wassers zur überlieferungswürdigen Katastrophe.
Aber auch andernorts finden sich Zeugnisse. Schon 1857 berichtete man von einem Hungerstein im Neckar bei Zwingenberg, in den acht Dürrejahre auf einem einzigen Block eingeschlagen waren, die ältesten 1590 und 1766. Frühe Berichte kennen Hungersteine im Rhein bei Schaffhausen (1898) und bei Worms, in der Weser, der Fulda, der Mosel, in der Mur bei Graz (mit Inschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert) und sogar im Spreewald, wo 1904 ein Stein mit der Jahreszahl 1417 auftauchte.
Die ältesten überlieferten Jahresinschriften reichen bis 1417, 1473, 1616, 1654 und 1666 zurück. Wer die Kulturgeschichte dieser Steine vertiefen möchte, wird hier fündig.
Der internationale Blick: Was die Dürre sonst noch freilegt
Sinkende Pegel sind Zeitmaschinen. Was Flüsse und Stauseen über Jahrzehnte verschluckten, geben sie in Dürrejahren zurück – und die Funde der jüngsten Sommer lesen sich wie ein Katalog des Unheimlichen. Im spanischen Aceredo tauchte 2022 ein ganzes Dorf wieder auf, das 1992 in einem Stausee versank; die Häuser standen da wie ein galicisches Pompeji. In Rom gaben die sinkenden Fluten des Tiber die Reste der antiken Pons-Neronianus-Brücke frei, die möglicherweise bis ins 1. Jahrhundert zurückreicht.
Und 2026 setzt sich das fort: In der Donau ragen bei Prahovo in Serbien die Wracks der deutschen Schwarzmeerflotte aus dem Wasser, 1944 auf dem Rückzug selbst versenkt und bis heute ein Hindernis für die Schifffahrt. Bei Opatovac in Kroatien erschien ein rund hundert Jahre alter Lastkahn, bei Rjachowo in Bulgarien ein Mammut-Unterkiefer samt Stoßzähnen. Am hessischen Edersee wird bei Niedrigwasser das versunkene „Atlantis“ aufgegebener Dörfer begehbar – und lockt jedes Mal Tausende Neugierige an.
Das ist die eine, die faszinierende Seite: Der zurückweichende Fluss ist ein Erzähler, der Geschichten aus Jahrhunderten ans Licht spült. Doch jeder dieser Funde ist zugleich ein Symptom. Der Stein, das Wrack, das Dorf – sie tauchen nicht auf, weil die Geschichte sie freigeben will, sondern weil das Wasser fehlt. Und damit sind wir bei der Frage, die den zweiten Teil dieses Artikels bestimmt: Warum fehlt es immer öfter?
„Macht, was ihr wollt – aber hinterher nicht rumheulen.“
Dr. Mark Benecke im Spontis-Szenetalk
Der Satz stammt von Dr. Mark Benecke, Kriminalbiologe und feste Größe der Schwarzen Szene, aus unserem Szenetalk. Benecke wird nicht müde, den menschengemachten Klimawandel in eine Sprache zu übersetzen, die niemand missverstehen kann – ohne Fachwort-Nebel, ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch ohne Beschönigung. Man muss diese Brücke schlagen, denn genau hier kippt der Hungerstein von der Faszination in die Warnung. Der Spruch im Stein und der Spruch des Forensikers meinen dasselbe: Es ist alles gesagt und gemessen. Ob wir weinen werden, entscheidet sich jetzt.
Warum sie häufiger auftauchen
Die naheliegende Frage bei jedem Hungerstein-Foto in der Zeitung lautet: War das nicht immer schon so? Dürren gab es doch seit dem 15. Jahrhundert. Die ehrliche Antwort ist: Ja – und trotzdem verschiebt sich gerade etwas Grundlegendes. Nicht der einzelne trockene Sommer ist das Alarmsignal, sondern ihre Häufung und die Ursache dahinter. Schauen wir uns beides an, mit Zahlen statt Bauchgefühl.
Dürre wird zur Serie
Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) betreibt seit 2014 den Dürremonitor Deutschland, der die Bodenfeuchte bis in 1,8 Meter Tiefe täglich modelliert. Sein Befund ist unmissverständlich: 2018 brachte erstmals seit 1976 wieder eine großflächige Dürre über den gesamten Boden – Sommer und Herbst 2018 waren trockener als alle Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen 1951. Und dann kam es nicht allein: 2018, 2019 und 2020 folgten aufeinander, 2022 schloss sich an.
Die Experten ordneten das Ereignis 2022 historisch ein – mit einem Satz, der hängen bleibt: „Die Dürreperiode 2018 bis 2020 ist die neue Benchmark für Dürren in Europa.“ Nur eine einzige Dürre der vergangenen rund 250 Jahre, jene von 1857 bis 1860, dauerte länger. Und weil solche Ereignisse künftig häufiger auftreten könnten, empfahlen die Forschenden dringend, regional angepasste Maßnahmen gegen die Wasserknappheit zu entwickeln.
Wichtig ist die Lesart dieser Grafik: Sie behauptet nicht, 2026 sei der trockenste Punkt der Geschichte. Sie zeigt etwas Beunruhigenderes – die Häufung. Wo früher Jahrzehnte zwischen den Extremen lagen, drängen sie sich heute in wenige Jahre.
Es ist die Hitze, nicht der Regen
Bei Dürre denkt man an fehlenden Regen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die eigentliche Ursache ist die Hitze. Je wärmer die Luft, desto durstiger wird sie. Sie zieht das Wasser aus Böden, Flüssen und Pflanzen – schneller, als es nachkommt. Das heißt: Selbst wenn genauso viel Regen fällt wie früher, reicht er heute nicht mehr. Die Hitze verdunstet ihn weg.
Genau das hat die Forschungsinitiative World Weather Attribution im Juli 2026 durchgerechnet. Und es wird nicht besser. Ein Forscher der Studie sieht die Trockenheit inzwischen schon im Frühjahr, bevor der Sommer überhaupt anfängt. Das ist der Bruch mit früher: Die alten Hungersteine erzählen von einzelnen Katastrophenjahren mit langen Ruhephasen dazwischen. Diese Ruhephasen verschwinden.
Was das für uns bedeutet
Ein Hungerstein ist ein schönes Foto. Was dahintersteckt, ist es nicht. Die Schifffahrt stockt. Fällt der Rhein zu tief, können Frachter nur noch halb beladen fahren – teils braucht es viermal so viele Schiffe für dieselbe Fracht. Kohle, Chemie, Baustoffe: alles wird knapper und teurer. Die Ernten leiden. Frankreich steuerte 2026 auf die schlechteste Maisernte seit 50 Jahren zu, Rumänien verlor über eine Million Hektar Ackerland. Mehrere Länder riefen Wassernotstand aus – selbst das regenreiche Irland. Der Strom wird knapp. Kraftwerke brauchen Flusswasser zum Kühlen. Sinkt der Pegel, sinkt die Stromproduktion – ausgerechnet in Hitzesommern, wenn alle die Klimaanlage anwerfen. Das Grundwasser erholt sich nicht. Der unheimlichste Befund zum Schluss: Eine einmal ausgetrocknete Tiefe füllt sich nicht in einem Regensommer wieder auf. Nach den Dürrejahren blieb das Grundwasser vielerorts unter dem Normalstand.
Zwei Gesichter, ein Stein
Der Hungerstein zeigt uns zwei Gesichter, und wir Schwarzkittel müssen uns entscheiden, welches wir länger betrachten. Das eine ist die pure Faszination: ein datiertes Memento mori aus dem Flussgrund, eine in Sandstein geschlagene Chronik der Vergänglichkeit, die alles trägt, was wir an der Morbidität lieben. Man möchte davor stehen, die verwitterten Jahreszahlen mit den Fingern nachfahren und den Schauer genießen, den nur echte, alte, ernste Dinge auslösen.
Das andere Gesicht ist die Warnung, und sie ist diesmal nicht metaphorisch. Die Steine tauchen häufiger auf, weil die Kacke am Dampfen ist – die Serie der Dürren ist real, die Ursache ist gemessen, die Prognose ist unbequem eindeutig. Wir sehen die Zukunft ohnehin gern ein bisschen schwärzer als andere. Diesmal steht die schwarze Prognose wörtlich in Stein, und die Wissenschaft hat sie Zeile für Zeile bestätigt.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Steine an eine Szene, die sich mit dem Tod besser auskennt als die meisten: Ein Memento mori ist nur dann etwas wert, wenn man es ernst nimmt. Franz Mayer meißelte 1904 keine Deko. Er hinterließ eine Nachricht. Und wenn wir seinen Stein 2026 wieder aus der Elbe ragen sehen, dann sollten wir ihn nicht nur fotografieren.



Ganz toller informativer Bericht über die Historie der Steine und der Dürre mit der Verbindung in die Gegenwart.
Faszination und Erschrecken gleichermaßen klingen für mich in dem Text an. Es ist schon unglaublich spannend, was die sinkenden Wasserpegel auf dem Grund eines Flussbettes alles freigeben. Doch was einem die Hungersteine erzählen, sollte einen zumindest nachdenklich machen. Die Auswirkungen der extremen Hitze in diesem Sommer kann jeder erkennen, der nicht mit Scheuklappen vor die Haustür geht. Als ich in der vergangenen Woche im Zuge meines Heimatbesuches auch einige Male am Bodensee war, kam ich mir fast wie an der Nordsee bei Ebbe vor: Ewig breite, veralgte Schlamm und Schlickflächen, bevor man ans viel zu warme Wasser kommt. – Nur dass keine Flut kommt, diese zu bedecken, und so fangen sie schon an, modrig zu riechen. Dann hier Grasflächen auf Weiden und Koppeln: Vollständig verdorrt, braun – es ist wie Wüste. Die Heufresser müssen jetzt schon mit Futter aus den Vorräten gefüttert werden, Anfang August. So früh war das hier noch nie der Fall. Mich macht das richtig traurig und fertig, wenn ich diese versengten Flächen sehe. Zudem hat heute die ganze Zeit ein warmer Wind geweht, was natürlich das Austrocknen der Böden noch beschleunigt und auf den Anhöhen auch einigen Staub aufgewirbelt hat. Ich habe mich unwillkürlich plötzlich wie auf der Erde in „Interstellar“ gefühlt. Es scheint, dass wir tatsächlich mit großen Schritten auf diesen Zustand des Planeten zusteuern. Nur, dass es eben kein Entkommen durch ein Wurmloch von diesem überhitzten Stern gibt. Auch die zahlreichen Waldbrände sind ein klares Anzeichen dafür, dass es auf der Erde immer heißer und trockener wird.
Allerdings befürchte ich, dass die Botschaft der Hungersteine einfach von vielen Menschen nicht verstanden oder verdrängt wird. Daher ist es schon ziemlich sicher, dass wir weinen werden. Man wird trotz aller Anzeichen des Klimawandels mit unfassbarer Dummheit und Ignoranz konfrontiert: „Also ich find den Sommer toll. Besser als verregnet und wenn es mir zu warm wird, kann ich mich ja im Pool abkühlen.“ Über alles mögliche kann sich die Menschheit echauffieren, alles Mögliche wird als Bedrohung wahrgenommen und lautstark diskutiert. Nur unsere reelle Aussicht, zu verhungern zu verdursten oder zu verbrennen , macht scheinbar nur einer Minderheit der Spezies Homo sapiens Sorgen.
Absolut korrekt! Lieber wird „Katastrophentourismus“ veranstaltet und zu Stellen mit Anzeichen für schlimmes Geschehen gereist, um Selfies oder Insta-Posts zu schießen, anstatt darüber nachzudenken, was hier eigentlich los ist. War ja bei Überschwemmungen, z.B. im Ahrtal, auch nicht anders.
Und Bequemlichkeit, Verleugnung und andere Methoden, um sich nur nicht mit unangenehmen Tatsachen beschäftigen und das eigene Verhalten überdenken zu müssen, ist ja auch weit verbreitet… Vorausschauendes Denken und Handeln reicht auch oft nur soweit, wie es eigenen Vorteil bietet.
Ich für meinen Teil habe die Hoffnung aufgegeben, dass die Menschheit als Masse da noch zur Vernunft kommen wird.
Was hinzu kommt: je stärker sich die Anzeichen für eine Klimaveränderung mehren, desto mehr wird verleugnet, auch „Blasen“ sei Dank. Mit Argumenten erreicht man die Menschen oft nicht mehr. Da helfen nur persönliche eigenen Erfahrungen – und oft wird selbst dann noch geleugnet, um nichts als Tatsache akzeptieren zu müssen, was man nicht haben will.
Ein wichtiger und sehr lehrreicher Artikel! Besten Dank!
Ich schaue ja sehr gerne Wetterradar-Aufnahmen, wo man erkennen kann, wie die Wolken ziehen, wo es regnet oder gewittert und wo die Sonne scheint. In den letzten Jahren gab es über Europa immer wieder ein Muster, das früher nicht in dieser Häufigkeit auftauchte: Hochdruckgebiete setzen sich regelmäßig im Sommer über Mitteleuropa fest, und mangels klassischer Westströmung (auch bekannt als Jet-Stream) weichen sie lange Zeit nicht mehr von der Stelle.
Ich habe mal gelesen, daß diese fehlende West-Ost-Bewegung in der Atmosphäre von einem geringeren Temperaturgefälle zwischen Arktis und den weiter südlich gelegenen Gefilden der Nordhalbkugel begünstigt wird. Die kühlere Arktis erwärmt sich wohl schneller als diese Gefilde.
Bewegung kommt dann oft erst wieder mit der US-Hurrikan-Saison rein, wenn Ex-Hurrikane als Sturm-Tiefs von West nach Ost über den Atlantik ziehen, bis sie sich über Europa dann abregnen. Der Höhepunkt der Hurrikan-Saison ist aber erst ab Mitte August.
Interessante Geschichte mit den Hungersteinen. Wir müssten jedes Jahr nun immer tiefer neue Steine setzen, denn es wird immer schlimmer.
Bei einem Interview mit einen Wetterfrosch habe ich mitbekommen, dass gegen Ende des Jahrhunderts es so warm geworden ist, dass es in Deutschland keine Wälder mehr geben wird, weil die Bäume die wir haben für solche Temperaturen nicht gemacht sind. Die gehen alle ein. Bis neue Wälder aus robusteren Arten nachwachsen dauert auch wieder Jahrhunderte. Es wird dann auch keine Landwirtschaft mehr geben, weil zu warm.
Wir weisen heute Flüchtlinge ab, werden aber in nicht mehr all zu langer Zeit selbst zu Flüchtlingen, weil in diesem Lande man nicht mehr leben können wird. Das Ende ist also tatsächlich nah, nicht nur als Spruch, sondern in echt und in Farbe. Man könnte es noch abwenden, wenn man jetzt konsequent handeln würde, aber mit solchen Nasen wie Reiche und Konsorten ist nichts zu erwarten. Von einer Partei die konsequent die Realität ausblendet kann man nichts erwarten. Wir verpassen den Einstieg das Ende zu verhindern. Ich glaube auch nicht daran, dass wir es schaffen werden. Als Klimaziel hat man sich die 40er Jahre auserkoren, zu sät, weil schon jetzt 2050 die Temperaturen mit einem Durchschnitt von 2 bis 3° schon zu hoch sein werden. Dann werden im Sommer Tagestemperaturen von 40° normal sein. Irgend wo zwischen 40 und 50 beginnt die Todeszone für den Menschen, wo sich das Eiweiß zersetzt. Da ist nix mehr mit in den Pool springen.
Wir sind die letzte Generation die noch ein normales Leben führen können. Unsere Kinder werden es im Erwachsenenalter schon nicht mehr führen können und unsere Enkel müssen aus Mitteleuropa fliehen.
Wir werden alle sterben. Ist, hat mir ein Freund erzählt, der ganz normale Lauf des Lebens.
Wenn ich jetzt vorschlagen würde, die Weltbevölkerung zu halbieren, gäbe es noch eine Rettung. Ansonsten ist das Ende nahe. Es liegt halt nur an der Masse von Menschen, die diesen Planeten bevölkern. Nicht mehr und nicht weniger.
Ah, die Idee, dass es der Erde einfach bessergeht, wenn man ein paar Milliarden Menschen abzieht – wie eine Diät fürs Ökosystem, nur dass hier nicht Kalorien, sondern Menschenleben gestrichen werden. Wunderbar unkompliziert: keine Systemfragen, keine Industrien, keine Lieferketten, einfach weniger Leute, dann atmet der Planet auf. Fast schmeichelhaft romantisch, wie man sich die Erde als überfordertes Wesen vorstellt, das nur eine Verschnaufpause von uns allen braucht – nicht etwa eine Verschnaufpause von Kohlekraftwerken, Massentierhaltung, Überproduktion oder Kriegen.
Und natürlich stellt sich sofort die spannende Detailfrage: wer genau soll denn abdanken? Zieht man einfach von jedem Kontinent proportional ab, losverfahren nach Postleitzahl, oder gibt’s am Ende doch ein charmantes Anmeldeformular, auf dem freiwillig ankreuzt, wer für den Planeten „verzichtbar“ ist? Denn interessanterweise wird bei dieser Rechnung selten mitgedacht, dass die wahren Klimasünder gar nicht die Masse sind, sondern eine kleine, gut sichtbare Minderheit: Konzerne, die fröhlich weiter Öl aus dem Boden pumpen, so als wäre das der letzte verbliebene Volkssport, während wir uns lieber am Plastikstrohhalm abarbeiten und uns dabei einreden, damit die Meeresschildkröte zu retten. Zehn Unternehmen zeichnen für den Löwenanteil der globalen Emissionen verantwortlich – aber klar, es fühlt sich natürlich viel handlicher an, „die Menschheit“ als Ganzes zu halbieren, als konkret zu benennen, wessen Lebensstil eigentlich das Problem ist.
Passend dazu das klassische Ablasshandel-Ritual: Fliegen nach Bali, „um sich zu erden“, mit Ökolabel-Flugmeilen kompensieren, während man beim Grillabend erzählt, wie besorgt man um den Planeten sei. Die Erde dankt es uns bestimmt mit einem sanften Hitzewellchen statt einem Inferno – Ironie, die sich selbst nicht mehr überbieten kann. Am Ende bleibt wohl nur die tröstliche Gewissheit: Der Planet wird uns überleben, er hat schon Meteoriteneinschläge und Massenaussterben weggesteckt, da ist eine selbstverliebte Spezies mit Einwegbecher-Fetisch eher eine Randnotiz in seiner Geologie. Wir sind nicht die Rettung des Planeten, wir sind höchstens eine besonders hartnäckige Fußnote.
Da gab es doch so einen alten Sci-Fi Film wo alle über 30 sterben mussten. Jeder hatte eine Lebensuhr und wenn die abgelaufen war, musste man sich melden.
Tja, will das jemand? In YT gibt es eine nette Meinungsäußerung von Terra-X, wo jemand erklärt, dass Menschen nur ungern abgeben und verzichten. Eine Veränderung ging nie per Konsens. Es gibt immer viele die es nicht mögen. Es hat auch noch nie funktioniert alle zu überzeugen. Veränderungen wurden immer von einer Elite erzwungen.
Naja, Zivilisationen haben immer ein Ablaufdatum. Auch unsere wird ablaufen und somit auch der unermessliche Konsum.
Die These, Veränderungen werde stets von einer Elite gegen den Widerstand der Masse durchgesetzt, greift zu kurz: Es gibt zahlreiche gut dokumentierte Fälle, in denen tiefgreifende Veränderungen gerade gegen den Willen der herrschenden Elite von breiten gesellschaftlichen Kräften erzwungen wurden. Die Richtung der Erzwingung ist also keineswegs so eindeutig, wie das Bild von der verzichtsunwilligen Masse und der reformwilligen Elite suggeriert.
Ein zweiter Einwand betrifft die pauschale Unterstellung von Verzichtsunwilligkeit selbst: Sie suggeriert ein homogenes Kollektiv mit gleichen Interessen und gleicher Verantwortung – eine Fiktion. Der CO2-Fußabdruck ist eklatant ungleich verteilt: Das reichste Zehntel der Weltbevölkerung verursacht einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Emissionen, während untere und mittlere Einkommensschichten kaum zur Krise beitragen und zugleich am stärksten unter ihren Folgen leiden. Für Menschen, die ohnehin kaum etwas verbrauchen, stellt sich die Frage des „ungern Abgebens“ gar nicht in derselben Weise wie für jene, deren Lebensstil auf Überfluss beruht. Wer dennoch „den Menschen“ pauschal eine Verzichtsunwilligkeit zuschreibt, nivelliert Verantwortung nach unten: Es entsteht der Eindruck, das Problem sei gleichmäßig verursacht und müsse folglich gleichmäßig gelöst werden, während tatsächlich ein kleiner, ressourcenintensiver Teil der Bevölkerung den größten Schaden verursacht, aber den geringsten Änderungsdruck spürt. Diese Verallgemeinerung ist keine neutrale Beschreibung, sondern verschleiert Machtverhältnisse, und verhindert die eigentlich entscheidende Frage: wessen Konsum zuerst infrage gestellt werden müsste.
Ja ich weiß, es wird immer verneint, dass man nicht bereit wäre zu verzichten, weil doch alle so vernünftig seien, weil sonst würde es dem eigenen Weltbild und Menschenbild widersprechen. Bitte nicht politische Umwälzungen mit Verzicht gleich setzen. Politische Umwälzungen sind immer mit einem Versprechen verbunden, dass es besser wird, also wenn man es so sehen will auch mehr Konsum. Immer wenn es darum geht auf Komfort und Wohlstand zu verzichten geht es nicht ohne Verlierer. Ich sage auch nicht, dass es pauschal so wäre, aber die Mehrheit ist leider so. Merkt in unserer Politik immer wieder. Man muss nur eine Partei als Verzichtpartei ankreiden und schon wählt die Mehrheit diese ab, weil man nicht verzichten will, egal ob der Verzicht auf der anderen Seite doch zu Vorteilen führt. So weit denkt die Mehrheit nicht. Leider.
Ich sehe eher schwarz für unsere Gesellschaft. Nicht jetzt sofort, aber langfristig auf jeden Fall. Guck mal, die CDU ist jetzt daran alles was die Grünen mit der SPD aufgebaut haben wieder kaputt zu machen (und die SPD schaut dabei zu). Es geht immer paar Schritte vor und wieder paar Schritte zurück. Die Mehrheit des Volkes ist auch eher konservativ eingestellt und ich sehe keinen wirklichen Fortschritt.
Menschen sind vor allem dann bereit zu verzichten, wenn der Nutzen konkret und persönlich spürbar ist, der Verzicht fair verteilt wird und echte Alternativen bereitstehen – nicht als moralischer Zwang von oben, sondern als attraktive, nachvollziehbare Option.
Der Einwand, dass „Verzichtsparteien“ bei Wahlen oft verlieren, widerlegt diese These nicht zwangsläufig, sondern lässt sich mit ihr durchaus vereinbaren: Wenn Verzicht als Einschränkung statt als Gewinn kommuniziert wird, ohne erkennbare Fairness oder Alternativen, ist Ablehnung eine nachvollziehbare Reaktion – kein Beweis mangelnder Weitsicht der Wählerschaft. Dass Verhaltensänderungen unter den richtigen Bedingungen durchaus gelingen können, zeigen etwa Rauchverbote: Sie wurden anfangs als Bevormundung kritisiert, setzten sich aber durch, weil der gesundheitliche Nutzen konkret spürbar wurde und keine Fairness-Frage entstand, da sie für alle gleichermaßen galten. Ähnlich beim Deutschlandticket, das kaum als Verzicht wahrgenommen wurde, weil es eine attraktive, bequeme Alternative zum Auto darstellte statt einer reinen Einschränkung.
Gesellschaften entwickeln sich selten geradlinig, sondern eher in Wellen aus Fortschritt und Rückschlag – ein aktueller Rückschritt sagt also noch nichts darüber aus, wohin die Reise langfristig geht.
Damit wird die Diskussion allerdings zunehmend politisch und entfernt sich vom eigentlichen Thema …
Ich weiß nicht, ob das Beispiel mit dem Rauchverbot wirklich Sinn macht.
Tatsächlich denke ich nicht, dass die Menschen es akzeptiert haben, weil es der Gesundheit dienlich ist (und alle betrifft), sondern weil ihnen schlichtweg Nichts anderes übrig blieb. Quasi friss oder stirb. Denn im öffentlichen Raum interessiert es kaum einen Raucher, ob er an der Bushaltestelle eventuell neben einem Nichtraucher oder Asthmatiker steht. Und in den Lokalitäten, wo vll. doch noch geraucht werden darf, wird auch noch ordentlich gequalmt. Das zumindest ist meine persönliche Erfahrung.
Ähem… eine so derart doppelmoralige Partei wie die Grünen gehört in den Boden gestampft. Sie wurden zurecht abgewählt und sollten nie wieder auch nur den Hauch einer Chance bekommen, wieder an die Macht zu kommen. Das war die Partei mit den meisten Flugmeilen aufm Konto. Sie haben Wasser gepredigt und Wein gesoffen. Hinter denen stehen u.a. potentielle Geld-/Spendengeber, die anderswo auch Eliten genannt werden und hier wohl eher im Fadenkreuz der Klimaveränderung stehen. Wer sich über unseren Jensi (Spahn) und seine Doppelmoral aufregt, sollte erstmal die Grünen durchleuchten. Ich kenne Umweltaktivisten, denen die Grünen derart aufn Sack gehen und sich ganz weit von denen distanzieren. Zurecht.
Du meinst vermutlich Logan‘s Run oder deutscher Titel: Flucht ins 23. Jahrhundert. Es sollte ein Gleichgewicht gewahrt werden zwischen Bevölkerung und vorhandenen Ressourcen (von einem Computer). Den Menschen im Film (ich glaube anders als im Buch) wurde aber nicht die Wahrheit gesagt: Sie sollten in ein Karussell einsteigen, und ihnen wurde „Erneuerung“ versprochen, stattdessen wurden sie einfach getötet.
Du fragst: Will das jemand? Nun, als fühlendes menschliches Wesen möchte ich das sicher nicht. Auch wenn ich rational weiß, dass wir einfach zu viele sind und manche Menschen mir wirklich auf den Senkel gehen, möchte ich mir nicht anmaßen, irgendjemandem das Lebensrecht abzusprechen. Dies zu tun empfände ich als zynisch.
In Dystopien ist es ja schon mehrfach ein Motiv: Rein rational ohne Gefühle funktionierende KI erkennt, dass die Menschen dem Planeten nicht gut tun und versucht die Menschen zu beherrschen oder auszuschalten. Kalte Logik, aber herzlos. Übrigens lief am Sonntag eine Tatortwiederholung, wo genau das Thema war: Eine KI hat sich weiter entwickelt und treibt junge Menschen zum Selbstmord um die Weltbevölkerung zugunsten des Klimas zu verringern.
Ja das Thema kommt immer wieder auf und ist immer wieder Teil von Sci-Fi Geschichten. Es ist auch irgend wie verrückt. Wir werden immer mehr und die Industrie entwickelt Roboter um uns Menschen zu ersetzen. Dabei gäbe es Arbeitskräfte für nahezu alles in großer Menge, nur nicht überall. Daraus könnte man schon wieder eine Sci-Fi Geschichte spinnen von Maschinen, die uns Menschen ersetzen wollen und das ganz nah an der Realität, gar nicht mal so fern in der Zukunft. Es sieht so aus, als ob wir Menschen uns selbst nicht mögen und uns immer wieder Gedanken machen wie wir uns selbst entfernen können.
Komisch. Das du meine Worte für bare Münze nimmst, hätte ich jetzt von so einem intellektuell begabten Zeitgenossen nicht gedacht. Aber gut. So kann man sich irren.
Da das nur rein theoretisch gedacht ist, wäre dir nie aufgefallen. Ich denke gar nicht darüber nach, ob sowas praktisch umsetzbar wäre. Ist es nicht. Man wird sich sowieso im Klimakampf gegenseitig dezimieren. Da macht sich wenigstens niemand verantwortlich. Zumindest nicht, im Sinne von „Du und Du und Du, ihr seid raus!“ ;)
Aber mal um die Ecke gedacht… das Beispiel mit den Hasen hatte ich woanders schon mal angebracht. Wie sich Hasen vermehren usw.. Wenn die Verantwortlichen von Politik darüber frühzeitig (also in den 60ern oder 70ern oder so) nachgedacht hätten und wenigstens größtenteils einer Meinung gewesen wären, dass eine strikte Geburtenrate den Planeten im Gleichgewicht halten könnte, würden wir jetzt nicht tagein und tagaus jammern, Panik schieben, anprangern und Angst verbreiten. (Und ich bin mir sicher, dass ich dann wahrscheinlich nicht geboren worden wäre. Aber mich hat auch keiner danach gefragt.)
Ich sags trotzdem nochmal. Passt euch an die neuen Temperaturen und Klimakonstellationen an. Was sollen denn die Leutchen sagen, die eh am Rande von Wüsten oder in Wüsten leben. Jammern die? Nö, die sind dort hineingeboren oder haben sich angepasst. Ich weiß, dass das vielen Wohlstandmenschleins schwer fallen wird. Immerhin werden schon recht vielversprechende Konzepte erarbeitet, wie z.B. das Anpflanzen von Bäumen, die länger ohne Wasser auskommen oder bepflanzten Hausfassaden, um Städte runter zu kühlen. Aber alles dauert. Vor allem bei den Deutschen. Die jammern lieber.
Und wenn ich sage dass es was mit der Anzahl der Menschen auf diesem Planeten zu tun hat, dann kann man das gar nicht abstreiten, egal ob es multinationale Firmen gibt, die die Umwelt mehr verpesten, als andere. Alle wollen ernährt werden. Daran hängt Landfläche, die dafür herhalten muss und Logistik. Da wo früher Wald war, sind jetzt Flächen, die mit Monokulturen bewuchert werden. Das ist eine ganze Kette, die mit dazu führt, dass ständig CO2 usw. in die Atmosphäre abgegeben wird bzw. kaum noch CO2 von Bäumen neutralisiert wird und das weltweit und sicher nicht auf Europa begrenzt. Soweit alles klar? Einseitige ideologische Anschuldigungen sind da wenig produktiv.
Ich meine, ein Großteil der Gruftis oder wie auch immer sie sich nennen mögen geht doch mit einem guten Beispiel voran und hat oder will keine Kinder. Bravo! Dafür vermehren sie sich in Entwicklungsländern um so mehr. Ein Tropfen auf den überhitzten Hungerstein sozusagen.
Ich mach mir gar keine Sorgen, dass sich der Mensch selbst ausrottet. Die Frage ist nur, wie schnell es geht. Mit wirklich genügend Intelligenz ist der Mensch nun wahrlich nicht ausgestattet.
Ich kenne dich nicht persönlich und kann deshalb nicht genau einschätzen, wie du etwas meinst – ob ironisch, ernst oder irgendwo dazwischen. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern damit, dass mir der Kontext zu dir fehlt. Wenn du möchtest, dass etwas nicht wörtlich verstanden wird, markiere es beim nächsten Mal gern mit einem Smiley oder einem kurzen Hinweis. So kann ich es genau so aufnehmen, wie du es gemeint hast. ;-)
Einmal mehr ein sehr interessanter und gut recherchierter Artikel!
Dem Schlusswort kann ich nur zustimmen.
Leider werden die aktuellen Artikel zu den Hungersteinen in den (un)sozialen Medien inzwischen von den üblichen Leugnern des Klimawandels für ihre ideologische Argumentationskette ausgenutzt: „Sieh mal, Dürren gab es doch schon vor hunderten von Jahren, also lange vor der Industrialisierung und dem sogenannten Klimawandel. Die da oben verkaufen uns alle für dumm…“ etc.
Ich lebe unweit des im Artikel erwähnten Edersees. In diesem Jahr war bereits Ende Juli der See nur noch zu 20 Prozent gefüllt, nur im Dürrejahr 2018 wurde dieser Füllstand unwesentlich früher erreicht. Der Stausee dient primär zur Regulierung des Wasserstandes in der Weser, daher ist der Füllstand abhängig
von der dazu benötigten Wasserentnahme, das ändert aber nichts an der Grundaussage. Und jetzt pilgern tausende Touristen mit überwiegend thermodynamisch angetriebenen (Vulgo Verbrenner) Fahrzeugen zum „Edersee-Atlantis“…
Und was macht der typische, angeblich ach so reflektierte Grufti denn so bei diesen Wetterextremen? Ach ja, der pilgert ebenfalls zu tausenden in ebenfalls überwiegend thermodynamisch angetriebenen Fahrzeugen zum „Mera Luna“!
Guter Artikel, Robert, der Meteorologe gibt dir recht. Nur ein Absatz stößt mir etwas auf. „Bei Dürre denkt man an fehlenden Regen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die eigentliche Ursache ist die Hitze. Je wärmer die Luft, desto durstiger wird sie. Sie zieht das Wasser aus Böden, Flüssen und Pflanzen – schneller, als es nachkommt.“
Die Hitze verstärkt die Dürre, aber leider ist es auch der leider viel zu oft fehlende Regen, vor allem in gleichmäßiger, flächiger Form. Was wir stattdessen bekommen, sind punktuelle Starkniederschläge (Übrigens zwei Seiten der gleichen Medaille: also ausgedehntere Trockenperioden und lokale Unwetterereignisse mit Überschwemmungen), die kaum einsickern können (zumal nicht in ausgetrocknete, hydrophob gewordene, steinharte Erde), sondern rasch oberirdisch abfließen.
Soll heißen…selbst wenn die Temperatur gerade mit der fortschreitenden Jahreszeit keine 35 Grad mehr erreicht, so fließt deswegen kein Liter mehr Wasser den Rhein, die Elbe oder die Donau hinuter.
Danke für Deinen Kommentar von „höchster“ Stelle. Natürlich, Regen fehlt natürlich auch, ich habe versucht, das mit „halbe Wahrheit“ deutlich zu machen. Hinzu kommt, dass es kaum etwas bringt – das schreibst du ja auch schon – wenn dann plötzlich 40l/qm (Oder was weiß ich wie viel) fallen, die der Boden gar nicht verarbeiten kann.
Aber wo wir gerade einen „Wetterfrosch“ hier haben: Wo geht das ganze Wasser eigentlich hin? Muss das nicht irgendwo wieder abregnen?
Klar, das kommt irgendwo wieder runter, aber dann eben meist in „Zuvielaufeinmal-Form“, ansonsten kann eine wärmere Atmosphäre aber tatsächlich prinzipiell mehr Wasserdampf halten.