9 April

Neulich im virtuellen Postkasten: Möchten Sie ins Fernsehen?

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 201129 Kommentare

Als ich jüngst im Bade­zim­mer stand, um mein 2-stündiges Ritual zum Betre­ten der Öffent­lich­keit zu zele­brie­ren, hatte ich nach dem lackie­ren der Fin­ger­nä­gel etwas Zeit, die E-Mails an mei­nem Rech­ner abzu­ru­fen. Wäh­rend ich so da sitze und lese was andere mir schrei­ben, sticht mir die Nut­zung des Kon­takt­for­mu­lars immer ganz beson­ders ins Auge, vor allem der Absen­der, die »Pic­ture Puz­zle Medien« machte mich stut­zig. Medi­en­puz­zle? Ich unter­bre­che einen typi­schen Tag in meine Gothic-Alltag und öffne ver­wirrt und neu­gie­rig die Nachricht:

Ich möchte einen Themenvorschlag schicken. Mein Name ist Maria F. und ich bin Praktikantin bei der TV-Produktionsfirma "Picture Puzzle Medien". Wir planen eine TV-Reportage für den Sender "Focus TV" Faszination Leben und suchen dafür Gothic-Szenemitglieder, die sich für einige Tage im Gothic-Alltag mit der Kamera begleiten zu lassen und ein paar Fragen zu beantworten. Ich bitte um eine Rückmeldung. (6.4.2011)

Eine TV-Produktionsfirma, die Pic­ture Puz­zle Medien, die mit ver­trau­ens­wür­di­gen und kna­cki­gen Doku­men­ta­tion wirbt, sucht den Kon­takt zu Szene-Mitgliedern für einen Bei­trag im Rah­men der Sen­dung Focus TV. Ist es eben diese Firma, die für das For­mat »Doku« auf ihrer Inter­net­seite wirbt:  »Rum­hän­gen, rebel­lie­ren, ran­da­lie­ren? Auf­pas­sen, Abschlep­pen, Anzei­gen? Pic­ture Puz­zle Medien ist in allen Berei­chen von Doku(soap) und Repor­tage zu Hause.«? Ich ent­schließe mich dazu, eine Ant­wort zu verfassen:

Liebe Frau F.,

vie­len Dank für ihre Anfrage. Ich ent­nehme der Tat­sa­che, dass Sie bereits Szene-Mitglieder anschrei­ben, dass das Kon­zept der Sen­dung bereits steht. Für die Sen­dung »Fas­zi­na­tion Leben« suchen sie Gothic-Szenemitglieder, die sich im »All­tag« mit der Kamera beglei­ten lassen.

Ich komme nicht umhin, ihnen die Frage zu stel­len, wie sie sich einen sol­chen All­tag vor­stel­len? Mehr­stün­dige Exzesse vor dem Spie­gel? Ritu­el­les Sam­meln an bekann­ten Plät­zen? Ja, auch ich neige zur Über­trei­bung, aber ein gebrann­tes Kind scheut das Feuer. Ich denke der All­tag eines Sze­n­e­mit­glie­des unter­schei­det sich nicht groß­ar­tig von ihrem, denn die meis­ten von uns gehen einer gere­gel­ten Arbeit nach, müs­sen Kochen um uns zu ernäh­ren und schla­fen bei Ein­bruch der Dun­kel­heit in ihrem Bett. Viel­leicht ist die Farbe der Bett­wä­sche anders, das will ich nicht abstreiten.

Worum geht es also in ihrem, oder dem durch sie beschrie­be­nen »Dreh­buch«? Wel­che Fra­gen wol­len Sie stellen?

Lei­der offen­ba­ren sie wenig kon­kre­tes, daher wäre es schön, etwas über das geplante Script zu erfah­ren. Wel­che Seite einer Facet­ten­rei­chen Szene wolle Sie zei­gen? Sie wer­den es mir ver­zei­hen müs­sen, aber lei­der sind Sen­dun­gen über Sze­nen, gerade in ihrem Kun­den­kreis, nicht durch gut recher­chierte und vor­ur­teils­freie Hin­ter­gründe auf­ge­fal­len, son­dern eher durch Pole­mik und »Zur-Schau-Stellung« bereit­wil­li­ger Dar­stel­ler. Dabei wer­den Ansätze von Ver­ste­hen, Hin­ter­fra­gen und Begründe zwar manch­mal gestellt, fal­len aber letzt­end­lich am Schneid­tisch der ver­meint­li­chen Quote zum Opfer, oder wer­den in einem völ­lig absur­den Zusam­men­hang aufgegriffen.

Viel­leicht möch­ten sie ja als erste Pro­duk­ti­ons­firma ihren Kun­den einen alter­na­tive Bericht prä­sen­tie­ren? Das Port­fo­lio auf ihrer Seite picturepuzzlemedien.de offen­bart lei­der eine andere Ziel­gruppe, daher bin ich geneigt Ihnen zu unter­stel­len, das sie wie­der einen von die­sen Berich­ten dre­hen wol­len, in dem es eigent­lich um nichts geht, son­dern nur Men­schen zeigt, die ande­res sind als die Ziel­gruppe für die sie senden.

Wie dem auch sein. Ich komme zu einem Ende. Ich werde mir her­aus­neh­men, ihre Nach­richt in mei­nem Blog zu ver­öf­fent­li­chen und den »Szene-Mitgliedern« zur Dis­kus­sion zu stel­len. Sollte sich wider erwar­tend doch her­aus­stel­len, das sie offen und mit Inter­esse an Hin­ter­gründe an die Sache her­an­ge­hen, bin ich gerne bereit ihnen ebenso offen und unvor­ein­ge­nom­men zu begeg­nen. Bis dahin glaube ich wei­ter an meine Vor­ur­teile gegen­über ihrer Pro­duk­ti­ons­firma, wäh­rend sie wei­ter an das Vor­ur­teil glaube, der All­tag von Gothics würde sich von ihrem unterscheiden.

Ich ver­bleibe mit freund­li­chen Gruß

R. Forst

Ob ich eine Ant­wort erhalte, bleibt offen. Wie eure Mei­nung dazu aus­fällt, wird inter­es­sant. Wer tat­säch­li­ches Inter­esse an einer Teil­nahme an die­ser Pro­duk­tion hat, schreibe mir eine Email, ich wer­den die ent­spre­chende Email an euch wei­ter­lei­ten und so die Mög­lich­keit eröff­nen, direkt zu ant­wor­ten. Und nein, ich behalte euer gruf­ti­ges Geheim­nis für mich.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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29 Kommentare

  1. Hört sich ja nicht gerade »seriös« an. Eher, als woll­ten sie eine kleine gestellte, rei­ße­ri­sche »Doku­men­ta­tion« dre­hen, um die Ein­schlat­quo­ten zu erhö­hen und ein paar Vor­ur­teile unter die Leute zu bringen…

  2. Jaja, das Spiel mit dem Feuer…
    Ich weiß schon, warum ich kei­nen Fern­se­her habe ;-)

  3. Ich behaupte, dass deine Absage hier völ­lig rich­tig ist. Sol­che For­mate die­nen in mei­nen Augen doch nur dazu, eine gewisse Sen­sa­ti­ons­lust zu befrie­di­gen und bie­ten dem Zuschauer eine äußerst will­kom­mene Mög­lich­keit, seine Vor­ur­teile wei­ter zu pfle­gen. Zuge­ge­ben: Viel ver­ra­ten über die geplante Doku­men­ta­tion wurde nicht, inso­fern ist die Ein­schät­zung, wie die Sen­dung denn am Schluss aus­sieht, auch sehr vor­ur­teils­be­haf­tet. Aber ich tippe schon dar­auf, dass sich Frau F. nicht noch ein­mal bei dir mel­den wird. ;)

  4. Kann das sein, dass hier eine gewisse Iro­nie mit­schwingt? :-)
    »Als ich jüngst im Bade­zim­mer stand, um mein 2-stündiges Ritual zum Betre­ten der Öffent­lich­keit zu zele­brie­ren, hatte ich nach dem lackie­ren der Fingernägel …« :-)

    Ich schätze, dass die Firma eher jün­gere Leute sucht, die eben kei­nen »nor­ma­len All­tag« haben son­dern sich den Groß­teil des Tages dar­auf kon­zen­trie­ren, Gothics zu sein. Oder eben ältere Leute, die jeg­li­che Anten­nen für das gesunde Maß ver­lo­ren haben und dadurch mög­lichst son­der­lich und rea­li­täts­fremd wir­ken. Eine ordent­li­che Doku­men­ta­tion über die Gothic-Szene kon­zen­triert sich auf die Musik, die Ent­wick­lung der Szene seit den 80ern und even­tu­ell auf Fes­ti­vals und breite (sub)kulturelle Ange­bote wie bei­spiels­weise Lesun­gen, Thea­ter­stü­cke usw.

    Der Ansatz kann es nicht sein, irgend­wen her­aus­zu­pi­cken und ihn im All­tag zu beglei­ten, um eine Szene dar­zu­stel­len. Die Mei­nun­gen, Ein­stel­lun­gen, Vor­lie­ben eines Ein­zel­nen spie­geln nicht den Kern der Schwar­zen Szene wie­der. Selbst wir haben ja wegen der gro­ßen Viel­falt Pro­bleme, die­sen Kern — über die Musik hin­aus — zu benen­nen. Der Gothic Fri­day zeigt, dass die Szene sich nicht in ein Schema pres­sen lässt. Der All­tag der »Gothics« schon gar nicht. Zumal der — wie von Robert beschrie­ben — recht gewöhn­lich sein dürfte. Schule, Stu­dium, Aus­bil­dung, Arbeit, Wäsche waschen, kochen, ein­kau­fen, essen, aufs Klo gehen, Rech­nun­gen bezah­len, schlafen.

    Ich geh jetzt ins Bad, denn ich muss in zwei Stun­den am Gesell­schafts­le­ben teil­neh­men und hab mir noch keine Orna­mente ins Gesicht gemalt und die Fin­ger­nä­gel noch nicht lackiert ;-)

  5. Und ich habe mich schon gewun­dert warum du in der Ein­lei­tung so auf Nägel-lackieren, Bade­zim­mer­or­gien und »Gothic-Alltag« her­um­rei­test :D
    Gran­diose Ant­wort, kann ich da nur sagen — Volle Zustim­mung in allen Punk­ten.
    Haupt­sa­che du machst nicht den glei­chen Feh­ler wie ich damals und lässt dich bela­bern, aber da läufst du offen­bar nicht Gefahr :)

    Ich muss jeden­falls auch gleich unter Men­schen, und ich glaube ich habe heute nicht­mal Lust mich zu schmin­ken — geschweige denn mich zu rasie­ren…
    Sowas…
    Dem­nächst auf RTL: »Gruft-Schrat, der neu­este Trend in der Gothic-Szene. Gothic meets Rübezahl«

  6. Sol­che Din­ger hatte ich auch schon öfters im Post­kas­ten. Und zwar von RTL :D

    Wie ich bereits erwähnte: Wenn man etwas über das Medium ver­brei­ten will, muss man es schon sel­ber tun, damit es einen gewis­sen Anspruch hat. Aber das wür­den nur die wenigs­ten sehen wollen.

  7. Ah, hats Dich also auch mal erwischt ^^ — bei mir flat­terte der­einst eine Anfrage für Taff in den vir­tu­el­len Post­kas­ten, man suche Frauen die kurz vor dem 30sten Geburts­tag stün­den um ihre Geschichte zu erzäh­len. Daß da meh­rere Kli­schees auf ein­mal bedient wer­den woll­ten war ziem­lich klar : Bio­weib­chen wird 30, da MUSS man doch nen Kol­ler schie­ben ^^ — also, ich ver­melde, auch wenn ich manch­mal nicht so aus­sehe, ich lebe noch, hab keine blei­ben­den Schä­den von erhal­ten. Und ne auf­fäl­lige Gruft­tante wie ich hätte einen guten Freak Bonus gegeben.

    Nö Danke, ohne mich.

    Tat­säch­lich war am Ende auch ein Gruft­mä­del dabei. Wie über­ra­schend *hüstel*

    Mal so betrach­tet — die »Berichte« die auf den Pri­va­ten lau­fen, kön­nen eh immer nur in gewisse Rich­tun­gen gehen: zeigt man als Goth einen erschre­ckend nor­ma­len All­tag, so wird spöt­tisch ange­merkt daß hin­ter der frea­ki­gen Fas­sade genauso stink­nor­male Leute sind wie die die sich vor der Glotze berie­seln las­sen. Das Publi­kum darf auf­at­men.
    Oder: die beob­ach­te­ten Sub­jekte sind so durch­ge­knallt daß sich der geneigte Zuschauer mal schön auf­re­gen kann.

    Wahl­weise auch in Ver­bin­dung mit SM-Praktiken, weil Gruf­ties tra­gen ja Lack — und so …

    Die Wahr­heit liegt meist immer irgendwo — daneben.

    Nein, man kann keine Doku über die »Szene« dre­hen, sofern es nicht zufäl­lig eine Musik­doku über Cure und Sioux­sie ist, als Urkeim des gan­zen, heute kann man wenn dann nur Men­schen als sol­che zei­gen die sich irgend­wie zur Szene gehö­rig füh­len, aber ohne schnip­pi­sche Off-Kommentare und geschickte Zusam­men­schnitte des Bild­ma­te­ri­als die die Tat­sa­chen ver­fäl­schen. Die Film­teams an sich mögen auch nette Leute sein, aber das Pro­dukt was gesen­det wird ist von den Machern nach best­mög­lichs­ter Ver­kauf­bar­keit zurecht­ge­schnib­belt.
    Schade daß der Kon­su­ment sich dem Umstand nicht bewusst ist. Oder das unbe­wusst wohl auch oft nicht will.

    Ange­bot regelt halt lei­der die Nach­frage — ein Teufelskreis.

    Der Aus­weg?

    http://musiciam.co.uk/killyourtelevision/index.htm

    Schö­nes Ant­wort­schrei­ben, Robert :)

  8. Bravo bra­vi­simo!!

    Offen­sicht­lich erwischts wirk­lich jeden mal. Ich hatte letz­tens eine Anfrage — ganz seriös über XING — im Post­kastl, ob ich net bei einer ORF-Talkshow mit­ma­chen will. Thema: Leute mit auf­fäl­li­gem Klei­dungs­stil. Ich kenn die Talk­show und meine Reak­tion war auch ein deut­li­ches Danke aber nein Danke.

    Aller­dings würd ich jetzt zu gern die Reak­tion der Medi­en­tante auf Dein Ant­wort­schrei­ben sehen. *eg*

  9. Ein Freund von mir musste vor­hin grin­send als ich ihm den Arti­kel zeigte: »Ach ja, die kenne ich, die machen so Hartz-4-TV« — er ist Fil­me­ma­cher und kennt sich aus in der Fern­seh­bran­che.
    Wenn man irgend­wann mal etwas eini­ger­ma­ßen Aus­sa­ge­kräf­ti­ges über »die Szene« in einer Repor­tage sehen will, da waren wir uns einig, dann muss man das selbst machen. Als pro­fes­sio­nel­ler Doku­men­tar­fil­mer mit Sze­ne­wur­zeln wäre er in mei­nen Augen dafür auch die ein­zig geeig­nete Per­son, aber mal ehr­lich:
    Wer braucht denn so eine Repor­tage? Wem will man denn zei­gen: So ist die Szene wirk­lich?
    Und wenn man das seriös und reprä­sen­ta­tiv rüber­brin­gen wöllte müsste man ohne­hin bei Adam und Eva anfan­gen und alle ein­zel­nen Strö­mun­gen irgend­wie dar­stel­len, damit auch nie­mand sagen kann »der spricht aber nicht für mich« — da müsste das Urge­stein, das 1982 schon im Batcave geses­sen hat und behaup­tet »Gothic ist Musik und Kla­mot­ten — war nie mehr und jeder der was ande­res behaup­tet ist ein Poser« genau so zu Wort kom­men wie die Reif­rock­dame die am liebs­ten nur mög­lichst ori­gi­nale Gothic-Literatur, wie auch der XtraX-Blutengel-Nachwuchsgrufti der einem viel­leicht was über Welt­schmerz erzäh­len will ohne zu wis­sen was das eigent­lich ist.
    Und wenn all diese Stim­men und diverse andere dann viel­leicht nach zwei­ein­halb Stun­den ein halb­wegs reprä­sen­ta­ti­ves Bild der »Gothic-Szene« rüber­ge­bracht haben…
    … dann gibt es IMMER noch jeman­den dem es nicht passt.

    Also pfeif doch was drauf…

  10. Mich ner­ven ja schon die unsäg­li­chen WGT-Berichte der Unter­schich­ten­sen­der jedes Jahr. Lei­der wer­den die doch wie­der irgend­wel­che »Sze­ne­gän­ger« fin­den, die sie in ihrer unse­riö­sen TV-Scheiße ver­wurs­ten kön­nen. Nach dem Motto »15 minu­tes of fame…« und dann wird es wie­der die »Sze­ne­gän­ger« geben, die die Aus­strah­lung in allen Foren ver­kün­den …»ey, in Hartz4-TV kommt heute was über Gruftis«.

    Ich möchte die­sen mit­wir­ken­den »Sze­ne­gän­gern« gerne mal im RL begeg­nen und ihnen mal ein paar mit­tel­al­ter­li­che Rechts­prak­ti­ken ange­dei­hen las­sen. Gothics sind das defi­ni­tiv keine :-(

  11. Nunja, wer weis, wie diese belo­gen wur­den. Viel­leicht waren auch einige in einer finan­zi­el­len Not­lage. Zumin­dest glaube ich, dass diese bei­den Punkte im all­ge­mei­nen Men­schen dazu ver­lei­ten bei »HartzIV-Fernsehen« mitzumachen.

    Aber wo wir schon­mal beim Thema Gruf­ties im TV sind:
    Spooooooonti? Wo bleibt das Finale zum Grufti-Internat? *g*

  12. Bei man­chen bei­trä­gen gibts aber auch keine bis kaum Gage, bei denen wo es wel­che gibt, da mag es für ein­zelne Prot­ago­nis­ten schon auch die finan­zi­elle Not­lage sein, sol­che Geschich­ten habe ich auch schon gehört.
    Pro­blem ist halt daß man mit Ver­trags­un­ter­zeich­nung oft die gesam­ten Rechte an die Pro­duk­ti­ons­firma und Sen­der abgibt, bei man­chen For­ma­ten ver­pflich­tet man sich, sich ans »Dreh­buch« zu hal­ten, weil sonst keine Kohle, und wenns allzu rund und har­mo­nisch läuft, dann wird so lange drang­sa­liert bis den Mit­wir­ken­den mal was raus­rutscht oder gar der Kra­gen platzt. Und was läuft dann spä­ter im Fern­se­hen?
    Dann hält die Zuschau­er­schaft einen für den größ­ten Psy­cho­pa­then der Welt, was bei den Drehs aber wirk­lich abge­gan­gen ist bzw wie die Leute im wirk­li­chen (mit Beto­nung auf »wirk­lich«) Leben aber so sind — egal. Kon­su­ment kriegt das was er sehen will. Na dann basst ja alles ^^

    So gese­hen sind die Medi­en­ty­pen auch arme Würschtln, die müs­sen ja den Laden auch wirt­schaft­lich am Lau­fen hal­ten, und wenn sich Mist gut ver­kauft, pro­du­ziert man halt Mist. Trau­rig aber wahr. Wie ich sagte — ein Teufelskreis.

    Ich wäre auch gespannt auf eine Ant­wort von Puz­zle Pic­tures, auch wenn ich eben­falls annehme daß diese aus­blei­ben wird, es wäre theo­re­tisch gese­hen aber schon inter­es­sant mit den Ver­tre­tern die­ser Berufs­sparte mal bissl quat­schen zu kön­nen — und das ist in dem Fall nicht zynisch-boshaft gemeint son­dern sachlich-neutral.

    Ich warte — und krame sicher­heits­hal­ber inzwi­schen mal das Näh­zeugs vor :D

  13. Dazu fin­det man hier http://fernsehkritik.tv/folge-20/1599/ bei »Hirn zu ver­schen­ken« etwas.
    Soviel ich weis, hat der Fern­seh­kri­ti­ker auch öfters Per­so­nen inter­viewt die bei sowas mit­ge­macht haben und die haben dann erzählt mit wel­chen Metho­den da gear­bei­tet wird. Aller­dings habe ich auf die Stelle nur das gefunden.

    Im allgmei­nen ist FKTV ein gelun­ge­nes For­mat.
    Der Fern­seh­kri­ti­ker selbst war ja auch lange in der Bran­che tätig, aber ihm wurde es dann auch zu bunt. Er pran­gerte dann öffent­lich die GEZ was dem NDR gar nicht passte (ob er sel­ber ging oder »gegan­gen wurde« weis ich nicht) — seit dem macht er FKTV.

  14. Defi­ni­tiv die rich­tige Ant­wort. Diplo­ma­tisch, hin­ter­fra­gend, kri­tisch und nicht ohne einen Anflug von Bis­sig­keit. Eben treu dem Spon­tis. Wobei es ande­rer­seits auch ein­mal inter­es­sant wäre, das Gesicht des Redak­teurs zu sehen, wenn die­ser erfah­ren muss, dass der por­trai­tierte All­tag des ver­meint­li­ches Goth-Quotenbringers ebenso »belang­los« aus­fällt, wie der des Apo­the­kers von nebenan oder der Grund­schul­leh­re­rin von gegen­über.
    Wenn dann der erhoffte Markt­an­teil der Sen­dung vor dem inne­ren Auge unter­geht und sich die­ser zäh­ne­knir­schend fragt, warum er nicht selbst noch ein paar Stereotypen-Momente mit ins Dreh­buch ein­flie­ßen lies.

    Lebt man doch wie jeder andere auch…nun denn, werde ich mich mal aus dem Sarg erhe­ben und meine Skla­vin im Lack­kor­sett von der Kette neh­men, damit sie noch die Fens­ter putzt und auf­wäscht. Schließ­lich kom­men zu mei­nem ver­wil­der­ten Her­ren­haus, mit der Fami­li­en­gruft, heute noch ein paar Jün­ger zu besuch. Um die Fried­hof­beu­te­stü­cke von Ges­tern Nacht auf­zu­tei­len sowie im Tier­heim noch eine schwarze Katze aus­zu­su­chen. Bat mich doch die Grund­schul­leh­re­rin von gegen­über um ein klei­nes Ritual…Doch wie gesagt, der all­täg­li­che Trott. Belang­los und gewöhn­lich, wie nicht anders zu erwarten.

  15. Viel­leicht sollte ich mich da bewer­ben wie ich beim Umkraut jäten unver­ständ­li­che Beschwö­run­gen mur­mel, die Regen­wür­mer um guten Mut­ter­bo­den bitte und bei Voll­mond nackt meine Kräu­ter ernte ;)

    Sehr gute Ant­wort Robert.

    @Guldhan … Köstlich!!!

  16. Hartz-IV-TV ist aber kein schö­ner Aus­druck für den gan­zen TV-Müll. Damit wird doch eini­gen Men­schen, die aus unter­schied­li­chen Grün­den kei­nen Job mehr fin­den, aber durch­aus etwas im Köpf­chen haben und ihre „freien“ Nach­mit­tage nicht vor der Glotze ver­brin­gen, unrecht getan.

    Auch bei der Aus­sicht auf einen seriö­sen Bei­trag wäre ich nicht annäh­rend aus­rei­chend exhi­bi­tio­nis­tisch ver­an­lagt, um mich von einem Kame­ra­team im All­tag beglei­ten zu las­sen. Mich würde schon ein­mal inter­es­sie­ren, wo da die erzäh­lens­werte Geschichte gese­hen wird. Glau­ben die Pro­du­zen­ten wirk­lich, dass Anhän­ger der „schwar­zen Szene“ so kom­plett andere Lebens­ge­wohn­hei­ten haben? Aber mit einem vor­ge­ge­be­nen Skript lässt sich ein gewöhn­li­cher All­tag natür­lich belie­big „auf­mot­zen“. Es muss ja schließ­lich nicht die Wirk­lich­keit gezeigt wer­den. Wer will die schon sehen?

    Es gäbe sicher­lich viele inter­es­sante The­men und Pro­jekte, über die es sich zu berich­ten lohnt. Aber letzt­end­lich ent­schei­det der Kon­su­ment. Und die­ser scheint in der Mehr­heit kein gehalt­vol­les Pro­gramm zu wün­schen. Trau­rig aber wohl wahr.

  17. Ich bin froh, eure Kom­men­tare zu lesen, weil es für euch nichts beson­de­res ist, Gothic zu sein. Ich kenne da ein paar Leute, für die Gothic reine Selbst­dar­stel­lung ist, um zu sagen »Ich bin anders, ich bin bes­ser«, aber das auch allein durch ihre Klei­dung zei­gen. In die­sen Leu­ten steckt kein Funke Per­sön­lich­keit. Ich hab Gothic immer anders ver­stan­den, als diese Leute es ver­su­chen, mir weiszumachen.

  18. Wir könn­ten ja einen eige­nen Film dre­hen. Den Spontis-Gothic-Dokufilm. Dort gibt es dann einen net­ten, wah­ren Ein­blick hin­ter die Kulissen.

    Stof­fel pflanzt Hexen­kräu­ter, Karn­stein macht Musik und dreht Lite­ra­tur­filme, Guld­han sitzt am Dichter-Schreibtisch, shan dark besucht düster-schöne Rei­se­ziele, Mar­cus macht Fotos, Rosa schnei­dert Klei­der, Simone tanzt, Schmet­ter­ding bas­telt Com­pu­ter­schmuck, ASRia­ne­rin (end­lich mal rich­tig geschrie­ben) hilft bei der Tafel, Gra­bes­mond stellt ein Musik-Programm für den DJ-Abend zusam­men und und und… zum Schluss der Doku tref­fen sich alle bei Roberts »Spontis-Family-Picknick« auf dem WGT — in der Sonne + Lachen und Spaß — und gehen anschlie­ßend gut gelaunt zu den jeweils favo­ri­sier­ten Konzerten.

    Das wäre ein Schock für die Medi­en­welt. Das wahre Gesicht der Gruf­tis — und warum opfern die keine Meer­schwein­chen und gucken NICHT depres­siv aus der Wäsche? Das kön­nen keine Gothics sein… ;-)

  19. Vie­len Dank für eure zahl­rei­chen Kom­men­tare, es hat mich sehr gefreut, dass wie­der so eine auf­schluss­rei­che Dis­kus­sion zu Stande gekom­men ist.

    Natür­lich wäre ich froh eine Ant­wort zu erhal­ten, schließe mich der brei­ten Mei­nung aber an und glaube, das da nichts wei­ter kom­men wird, denn es fin­det sich mit Sicher­heit jemand, der zur gewis­sen Art von zur Schau­stel­lung sei­ner All­tags bereit ist.

    Machen wir uns nichts vor und die meis­ten von Euch machen das auch nicht, wo ein Markt für bil­lige Unter­hal­tung ist, wird auch bil­lig bedient. Sol­che Berichte, Arti­kel, Serien und Sen­dun­gen wird es wei­ter­hin geben, so initia­tiv und kri­tisch man auch dar­über berichtet.

    Lei­der ist auch das Fern­se­hen mit Bil­dungs­auf­trag, dass sich durch unsere Gebüh­ren finan­ziert, auch nicht daran inter­es­siert ent­spre­chend hin­ter­gründe Berichte zu pro­du­zie­ren, was ich per­sön­lich für beson­ders schade halte. Und wenn ein jun­ger Fil­me­ma­cher an diese Sen­der her­an­tritt und mit einer fer­ti­gen Doku­men­ta­tion die nicht nur Hin­ter­grund und Infor­ma­tion bie­tet son­dern auch Unter­hal­tung, hat man oft genug über­haupt kein Inter­esse daran, das zu sen­den. (Es gab da mal einen Fall von einem Fil­me­ma­cher, der über Rol­len­spie­ler berich­ten wollte, hatte ich auch hier im Blog)

    Ein, jemand erwähnte es bereits, Teufelskreis.

    Doch all das ist kein Grund zu resi­gnie­ren, denn es ist durch­aus mög­lich eine breite und durch­aus inter­es­sierte Masse zu errei­chen, dazu muss man nur die »Alt­ba­cke­nen Wege« ver­las­sen. Das Inter­net ist immer wie­der Quell sol­cher Underground-Kultur die Filme und Doku­men­ta­tion über Dinge machen, die noch zu kei­nem Sen­der durch­ge­drun­gen sind.

    Und tat­säch­lich würde auch ich einem sol­chen bemüh­ten und talen­tier­ten Fil­me­ma­cher jede Hilfe geben die zur »Wahr­heits­fin­dung« not­wen­dig ist. Orphi hat den Inhalt einer sol­chen Doku­men­ta­tion bereits umris­sen. Ganz rea­lis­tisch gese­hen ist ja auch gar nicht mög­lich die Szene als Gan­zes zu erklä­ren, son­dern ledig­lich ein zeit­ge­mä­ßes Abbild zu erstel­len. Frü­her war frü­her, heute ist heute. Ein all­um­fas­sende Erklä­rung halte ich nach heu­ti­gen Gesichts­punk­ten für schlicht unmöglich.

    Bleibt das Netz, das letzte Refu­gium schwar­zer See­len, die andere auf brei­ter Ebene errei­chen wol­len. Und ja, es geschieht bereits. Nicht nur bei Spon­tis, son­dern auch auf den vie­len ande­ren Blogs, die nicht immer schwarz aus­se­hen, aber schwarz sind.

    Die Szene in der Szene ist bereits da. Und viel­leicht ist es auch bes­ser so, wie es ist. Ich muss nicht von jedem ver­stan­den wer­den, schon gar nicht auf den Kanä­len, die o.g. Firma repräsentiert ;)

  20. @Robert: „…wo ein Markt für bil­lige Unter­hal­tung ist, wird auch bil­lig bedient.“ – Wie wird die Exis­tenz eines sol­chen Mark­tes ermit­telt? Durch Ein­schalt­quo­ten. Und ob diese Aus­wer­tung der Seh­ge­wohn­hei­ten eini­ger Fern­seh­zu­schauer (habe da die Zahl 2000 im Hin­ter­kopf) nun wirk­lich reprä­sen­ta­tiv ist, möchte ich zumin­dest hin­ter­fra­gen. Wer­den hier bei­spiels­weise auch die Men­schen erfasst, wel­che ganz gezielt und sel­ten fernsehen?

    Ich denke fast, dass eine gehalt­volle Doku­men­ta­tion über die schwarze Sub­kul­tur nur von Men­schen, die sich in die­ser Szene zuhause füh­len, gestal­tet wer­den könnte. Zumin­dest müss­ten „Insi­der“ in den Ent­ste­hungs­pro­zess invol­viert sein. Aber wer „braucht“ so eine Doku­men­ta­tion? Muss „Außen­ste­hen­den“ die Szene erklärt wer­den? Wie viele Men­schen gibt es, die es inter­es­siert, was sich hin­ter der Ober­flä­che die­ser Szene ver­birgt? Letzt­end­lich würde sich so eine Doku­men­ta­tion wohl eher die Szene selbst anse­hen. Dies aber sicher­lich mit gro­ßer Freude.

  21. @Marcus: Viel­leicht wäre dies tat­säch­lich für die meis­ten Sen­der unin­ter­es­sant, würde es eine sol­che Doku­men­ta­tion geben. Es geht auch nicht um das brau­chen, son­dern um das Gefühl, das es sowas über­haupt gibt. Etwas, wor­auf man sich beruft, wor­auf man ver­wei­sen kann: »Seht her, so sieht es aus. Wenn ihr wirk­lich ein Stück begrei­fen wollt, dann schaut das.«

    Das feh­lende Inter­esse stört mich nicht, viel­leicht ist das ja auch ganz gut so. Das Gefühl der Exis­tenz eines sol­chen Berich­tes würde mir fast rei­chen :) So könnte man genüss­lich bei der nächs­ten Anfrage dar­auf ver­wei­sen: »Was ist die Gothic-Szene?« — »Haben sie denn nicht die Doku­men­ta­tion –Schwarz ist die rich­tige Dun­kel­heit– gese­hen?« — »Nein!?« — »Dann recher­chie­ren sie bitte, bevor sie Fra­gen stel­len, die sie sich hät­ten selbst beant­wor­ten können.«

    Oder so :)

  22. Die letz­ten Jahre habe ich schon so einige Doku­men­ta­tio­nen gese­hen.
    Sowohl über Emos wie auch über Gothic von den Sen­dern: RTL, RTL2, Pro7, Kin­der­ka­nal, ja ihr lest richtig.

    Wie man sich es natür­lich den­ken kann waren all diese Berichte ent­we­der nur ober­fläch­lich, vol­ler kli­schees oder bei­des.
    Gutes Bei­spiel für die Ober­flach­lich­keit wäre hier­bei Kika mei­ner Mei­nung nach, derer Bericht über Gothic ist noch nicht all­zu­lang her.
    Ein Bei­spiel für Kli­schees hätte ich bei RTL von einem Bericht über die Emo-Scene.

    Die meis­ten Sen­der wol­len zum Teil nur Ein­schalt­quo­ten, intres­sant soll es sein das Leute ein­schal­ten der Rest ist egal.
    Es ist ein­fach die Tiefe und Wahr­heit die in die­sen Berich­ten fehlt.
    Wäre nur mal 1 Sen­der dabei der eine gute Doku­men­ta­tion über Gothic machen wür­den, wäre es zumin­dest mal ein Anfang.

    Der Mensch ist zum Teil dumm gewor­den und glaubt alles was im Fern­sehn kommt, anstatt mal dar­über nach­zu­den­ken und Leute aus die­ser Szene zu befra­gen.
    Viel­leicht soll­ten wir wirk­lich mal selbst eine Doku­men­ta­tion auf die Reihe stellen :-)

    Mit schö­nen Grü­ßen an alle ver­ab­schiede ich mich für die­sen Tag

  23. Eben in einem „schwar­zen“ Forum gelesen:

    Hallo lie­bes Forum und liebe Community,

    Wir, Maxi, Lud­wig & Mathias, sind Stu­den­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­ons– und Medi­en­wis­sen­schaf­ten an der MLU Halle. Als Abschluss unse­res Stu­dium haben wir uns einen Doku­men­tar­film vorgenommen…und hier kommt ihr — viel­leicht, hof­fent­lich ;) — ins Spiel…

    Thema soll im all­ge­mei­nen das WGT sein. Nähere Syn­ap­sis ist aber eher das Spiel mit Iden­ti­tä­ten, Per­sön­lich­keit und den Dis­kre­pan­zen zwi­schen All­tag und Fan­ta­sie, Hobby, ‚Frei­zeit­per­sön­lich­keit’, Vor­ur­teile, Ste­reo­type und das Spiel mit ihnen.

    joa, und dafür suchen wir einen Prot­ago­nis­ten, jeman­den, der Lust hat, sich beglei­ten zu las­sen, uns mit­zu­neh­men, Ein­bli­cke zu geben und bestimmt auch selbst neue Ein­drü­cke zu bekommen.

    Ideal wäre jemand, der ein rela­tiv ‚nor­ma­les’ All­tags­le­ben führt, viel­leicht im Büro arbei­tet, etc…denjenigen wür­den wir gerne ein wenig in sei­ner Rou­tine beglei­ten um danach sozu­sa­gen die Meta­mor­phose beim WGT zu dokumentieren…“

    Warum muss ich jetzt wohl zwangs­läu­fig an Kar­ne­val denken?

  24. Warum kommt nicht ein­mal jemand auf die Idee, die »nähere Syn­ap­sis« einer Doku auf die »Dis­kre­panz zwi­schen All­tag und dahin­ge­hen­der Fan­tasy der ande­ren« zu legen.

    […]Ideal wäre jemand, der ein rela­tiv ‚nor­ma­les’ All­tags­le­ben führt[…]
    Zu schade, ich hätte mich fast bewor­ben. Doch was erwar­ten die? Dass nur jeder 10te nicht im Ser­vice eines Swin­ger­clubs oder im Bestat­tungs­dienst arbei­tet. Oder dass sich die breite Masse nur faul in den Nacht­schat­ten legt?

    Je mehr ich so etwas lese, desto stär­ker zweifle ich an mei­nem Sze­ne­bild. Ist man womög­lich sel­ber der, der zu sehr pro­ji­ziert und sich irrt. Viel­leicht sollte ich dahin­ge­hend noch ein­mal meine Frei­zeit­per­sön­lich­keit fra­gen. Vor­aus­ge­setzt sie rede wie­der mit mir.

  25. @Lord Toxic: »Der Mensch ist zum Teil dumm gewor­den und glaubt alles was im Fern­sehn kommt, anstatt mal dar­über nach­zu­den­ken und Leute aus die­ser Szene zu befra­gen.« Ganz dei­nem Nick nach: Das sollte man so man­chem als Gift in die Venen spritzen.

    @Marcus: Ja, deine Karneval-Gedanken kann ich nach­voll­zie­hen. Den­noch liegt in der Anfrage Poten­tial, viel­leicht sollte man Maxi, Lud­wig und Mathias auch unter­stüt­zen in ihrem Vor­ha­ben und ihre Sicht erwei­tern. Ich denke wenn sich jemand wirk­lich von dem ein­fan­gen las­sen kann, was Gothic in »unse­ren« Augen ist, dann unver­brauchte und Quer­den­kende Stu­den­ten, auch wenn das jetzt viel­leicht ein wenig zu opti­mis­tisch klingt und nicht unbe­dingt zutref­fen mag.

    @Guldhan: Gute Idee :) Das wäre auf jeden Fall etwas, was mich vor die Flim­mer­kiste locken würde, auch wenn ich mir fast sicher bin, das es dort wohl nie­mals zu sein würde. Ich hoffe du hast den Streit mit dei­ner Frei­zeit­per­sön­lich­keit bald beige­legt, seine Mei­nung würde mich interessieren.

  26. Auch put­zig.

    Wenns denn eine objek­tive Doku wäre die man erwar­ten könne, etwa wie damals »Men­schen Haut­nah« mit Erik und Elena — nicht daß ich dann bereit wäre selbst aktiv zu wer­den — nö ;) aber es wäre mal Aus­sicht auf eine gute Doku.

    Die Anfrage klingt aber auch wie­der nach der Masche *guck mal, die sind genauso blöde lang­wei­lige Nor­ma­los wie alle ande­ren auch!*

    Wenn wir für einen Job bunte Ver­klei­dung tra­gen müs­sen, weils eben anders nicht geht, ändert das doch nichts an dem was wir den­ken, füh­len, »wir« sind keine ande­ren Per­so­nen oder legen uns eine »Frei­zeit­per­sön­lich­keit« (was für ein fürch­ter­li­ches Wort, neben­bei bemerkt) zu — auf Ein­zelne mag das zwar zutref­fen, aber die sind doch nicht reprä­sen­ta­tiv *find* und die soll­ten einem eher leid tun wenn da so wenig Selbst­be­wusst­sein da ist daß man mit den Kla­mot­ten gleich noch die Rolle wech­seln muss!

    Ich mein, klar fühl ich mich im Reif­rock anders als in Stras­sen­kla­mot­ten, is ja auch logisch, bei dem Ding muss ich anders manö­vrie­ren *frech grins* — aber mal ernst­haft, ob ich jetzt mit Augen­brau­englatze und löch­ri­ger Super­schlab­ber­hose daheim an der Näh­ma­schine hocke, in Pikes, Bau­haus Shirt und Hosen ein­kau­fen geh oder voll­ge­kalkt in den Düs­ter­schup­pen zum Tan­zen gehe — Rosa bleibt Rosa, mit allen Mei­nun­gen, Ansich­ten, Schrul­lig­kei­ten und so weiter .…

    Warum kann ne Doku nicht mal alle Facet­ten des finstren Lebens zei­gen? Biss­chen mehr Ein­sicht in das was »wir« den­ken, statt sich nur immer drauf zu ver­stei­fen daß wir ja alle auf Lack und Leder ste­hen, ergo unall­täg­li­ches Lie­bes­le­ben haben müs­sen, aus­ge­nom­men unter der Woche, da sit­zen wir im rosa Hemd brav im Büro. Und zum WGT wird mal ordent­lich kar­ne­va­lis­ti­sche Party gemacht samt Rudelshoo­ten. Bevors wie­der ins unspek­ta­ku­läre All­tags­le­ben geht. Klar, für viele Gruf­ties mag das Job-Leben genauso unspek­ta­ku­lär sein wie für Hans Meier nebenan. Das ist ja auch weder ver­werf­lich, noch finde ich daß es Grund ist auf »uns« mit dem Medien-Finger zu zei­gen als angeb­li­cher beweis dafür daß unter der schwar­zen Wochenend-Maske der glei­che Hans Meier sitzt der sich nach Fei­er­abend Talk­shows rein­zieht und fest davon über­zeugt ist daß das die abso­lute Rea­li­tät ist was da gezeigt wird.

    »Anders sein« ist pri­mär eine Kopf­sa­che. Kla­mot­ten und Make-Up ein optio­na­les Aus­drucks­mit­tel die­ses Umstan­des. hab auch schon mit knül­le­bunt ange­zo­ge­nen Hip­pies erst­klas­sig über Gott/h und die Welt phi­lo­so­ge­schwa­felt, schlim­mer noch, ein Hip­pie­mä­del war eine enge und sehr gute Freun­din von mir weil wir ein­fach sowas von auf einer Wel­len­länge waren.

    Nein, ich hock nicht im Büro mit rosa Hemd, ich latsch wenn ich Bock drauf hab im Tour­nü­ren­rock oder im Kor­sett durch die Stadt oder geh so in die Schule. Bin ao auch in die Arbeit gegan­gen wenn ich Bock drauf hatte. Zumin­dest das hat dort aber auch kei­nen gestört. Müsste ich, wäre ich auch zu »Cor­po­rate Goth« Kla­mot­tage für einen Job bereit, aber wenn alles hin­haut kann ich fröh­lich wei­ter rum­spin­nen wie ich mag *g*
    Aber Äusser­lich­kei­ten machen einen nicht zu einem ande­ren Men­schen. DAS sollte man in einer Doku zei­gen. Und nicht hämisch drauf rum­rei­ten daß die ach so schril­len »Gothic-Fans« (noch so ne sau­blöde Bezeich­nung) in »seriö­sen Jobs« dann lächer­lich nor­mal aussehen.

    Zefix, ich gesteh, ich hab mich grad ein wenig auf­ge­regt *lach*

  27. Zu Robert:

    […]Ich hoffe du hast den Streit mit dei¬ner Frei­zeit­per­sön­lich­keit bald beige­legt, seine Mei­nung würde mich interessieren.[…]

    Diese warf mir nur unschöne Bezeich­nun­gen an den Kopf, die ich zur Wah­rung der FSK-Einstufung lie­ber nicht in die­sem Blog zitie­ren möchte. War wohl etwas empört dar­über, dass sie von mir über Jahr­zehnte hin­weg igno­riert wurde.

    Zu Rosa Chalybeia:

    Was für untrue Uto­pien wer­den denn hier ver­brei­tet. Ich bin scho­ckiert. Habe ich doch noch immer die Worte wah­rer Schwarz­kit­tel aus mei­ner ver­gan­ge­nen Foren­zeit im Kopf.
    All die all­tags­ge­knech­te­ten See­len, die sich nicht ent­blö­de­ten in dahin­ge­hend the­ma­ti­sier­ten Kate­go­rien Sätze zu schrei­ben wie: […]Ich arbeite im Pfle­ge­dienst und muss den gan­zen Tag Weiß tra­gen, ihr wisst gar nicht wie sehr ich dar­un­ter leide[…]
    Und der­ar­ti­ges soll­ten in Doku­men­ta­tio­nen wirk­lich ein­mal ver­ar­bei­tet wer­den. Nicht diese Kalt­schnäu­zig­keit, son­dern wirk­lich das phy­si­sche wie psy­chi­sche Leid, dass einen Voll­blut­goth beim Kör­per­kon­takt mit dem unschwar­zen All­tag widerfährt.

    […]Aber Äusser­lich­kei­ten machen einen nicht zu einem ande­ren Men­schen. DAS sollte man in einer Doku zei­gen. Und nicht hämisch drauf rum­rei­ten daß die ach so schril­len »Gothic-Fans« (noch so ne sau­blöde Bezeich­nung) in »seriö­sen Jobs« dann lächer­lich nor­mal aussehen.[…]

    Doch Ernst bei Seite. Dir kann man nichts ande­res als Recht geben. Die Äußer­lich­keit ist Mit­tel zum Zweck. Mal selbst­be­stimmt und mal ange­passt. Das Abbild, aber nicht der Kern. Zwar ist es die­sem unter­wor­fen und wan­del­bar, aber kann nicht grund­le­gend ver­än­dert werden.

    Ich trug wäh­rend mei­ner Aus­bil­dung GaLa-Bau-Grün, als Zivi Hell­bau, zu höhe­ren Anläs­sen Anzug, am Rech­ner Assi-Punk, beim Wald­lauf Turn­schuh­frak­tion, in der Ein­kaufs­pas­sage wohl Neo­nazi und als Dozent trug ich Anstand (Im Sinne gro­ßer Mode­häu­ser mit zumeist zwei Buch­sta­ben und dem Kaufmanns-Und dazwi­schen). Und es brachte mich alles weder um, noch um den Ver­stand. Müsste ich dahin­ge­hend immer eine »Frei­zeit­per­sön­lich­keit« zu Rate zie­hen, so wäre ich ein Fall für die Psy­cho­phar­maka, Dia­gnose: Dis­so­zia­tive Identitätsstörung.

    Und wenn es der Arbeit­ge­ber abver­langt, werfe ich mich eben­falls in »Cor­po­rate Goth« ohne lange dar­über zu dis­ku­tie­ren. Egal ob es für mich däm­lich aus­sieht oder nicht, aber wenn der Erstein­druck gewahrt wer­den muss blei­ben die Hosen eben aus­ser­halb der Stie­feln. Aber wahr­schein­lich sind wir ohne­hin anders. Schon alleine aus der Tat­sa­che her­aus, dass wir der Büro­ar­beit frö­nen. Am Ende noch der rela­tiv normalen…

  28. Da fällt mir was auf was ich ver­drängt habe — die psy­chi­schen Schä­den waren wohl zu groß!
    Da hat mich n Dok­to­rand wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit in der ich einen HiWi Job am Lehr­stuhl Poly­mere Werk­stoffe hatte, doch tat­säch­lich dazu gezwun­gen, PE-Granulat zu sie­ben. Nach­dem ich mit der Rüt­tel­ma­schine fer­tig war, war ich nicht mehr schwarz, son­dern mit wei­ßem Staub über­zo­gen. Über­all.
    Es lies sich zwar ober­fläch­lich leicht aus­klop­fen, aber irgend­wie hatte ich den Ein­druck daß ich für alle auf der Strasse schnee­weiße Kla­mot­ten hatte. Hab mich immer wie­der abge­klopft, aber es half nichts!
    Auch Waschen war erfolg­los, auch wenn meine Mit­men­schen bestä­tig­ten daß alles wie­der schön schwarz war — ich konnte ihnen nicht glau­ben!
    Ich begann zu glau­ben daß der bös­ar­tige Dok­to­rand (der erschre­ckende Ähnlich­keit mit Agent Smith aus »Matrix« hatte) das alles aus vol­lem Bewusst­sein gemacht hat, und daß es womög­lich kein nor­ma­les PE-Granulat war, son­dern irgend ein neu­ar­ti­ges hoch­ge­hei­mes Bleich­mit­tel aus dem Vati­kan das uns Teu­fels­an­be­ter zum Guten bekeh­ren sollte. Womög­lich war da auch Weih­was­ser drin! ja bestimmt, denn als ich das Shirt wie­der trug juckte es mich ganz gräss­lich an den Armen, wir saßen doch eigent­lich nur ganz gemüt­lich nachts bei Ker­zen­schein am Fluß unten in einer lauen Som­mer­nacht. Man bot mir nach den ers­ten Beschwer­den zwar Mückenschreck-Lotion an, aber was soll Insek­ten­schreck denn bitte gegen einen christi­chen Fluch aus­rich­ten?
    Belei­digt zog ich von Dan­nen und ver­schanzte mich sicher­heits­hal­ber in den schwarz­ge­stri­che­nen vier Wänden.

    Ich ver­brannte die ver­fluch­ten Klei­der in einem schwar­zen Ritual bei dem zwei Schmeiß­flie­gen geop­fert wurden.

    Danach wur­den die tra­gi­schen Augen­bli­cke schein­bar von nem ganz harm­lo­sen Tag im Labor ver­drängt wo nach Arbeits­schluß mit den Nor­ma­los vom Lehr­stuhl noch n Kaffe getrun­ken wurde und blöd rum­ge­wit­zelt wurde.

    Kein Wun­der daß das suspekt ist — die obig aus­ge­führte Geschichte muss also unbe­streit­bar die abso­lute Wahr­heit darstellen!

    Huhu Fern­se­hen! Meine tra­gi­sche Geschichte muss unbe­dingt doku­men­ta­risch nach­e­stellt wer­den! Weil ich will irgend­wie ins Fern­se­hen und so …

  29. @Rosa
    Ich glaub, du musst noch an der Stelle mit dem Ritual arbei­ten. Zwei Schmeiß­flie­gen rei­chen da nicht — viel zu harm­los! Da sind die Zuschauer der Daily Soaps, Rea­lity TV Sen­dun­gen und Cas­ting Shows ganz andere Bil­der gewohnt. ;-)

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