13 Januar

Top10 der außergewöhnlichsten Sängerinnen (2)

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang 2009

#5 Dolo­res O’Riordan (The Cranberries)

Die 1971 in Irland gebo­rene Sän­ge­rin Dolo­res O’Riordan ist den meis­ten als Front­frau der Band The Cran­ber­ries bekannt. Mit ihrem Album Need to Argue erreich­ten sie in Europa Kult­sta­tus und tra­fen mit ihrer Musik und den Tex­ten Zeit­geist und Welt­an­schau­ung der dama­li­gen Gene­ra­tion ins Schwarze.  Ihre Stimme und die Musik der Iren spielt mit Fol­kein­flüs­sen und dem cha­ris­ma­ti­schen Gesang der 37-jährigen.  Vor allem ihr Song Zom­bie ist in Kraft in der Musik und dem Text nicht mehr zu über­bie­ten. Seit 1994 ist sie mit Don Bur­ton ihrem ehe­ma­li­gen Tour­ma­na­ger ver­hei­ra­tet und hat vier Kin­der. Als im Sep­tem­ber 2003 ihre Schwie­ger­mut­ter schwer erkrankt, trennt sie sich von den Cran­ber­ries um sich um sie zu küm­mern. Kurz dar­auf ver­stirbt die Schwie­ger­mut­ter. Dolo­res O’Riordan ist heute auf Solo­pfa­den unter­wegs, konnte aber bis­lang nicht an die Erfolge, die sie zusam­men mit den Cran­ber­ries fei­ern konnte anknüp­fen. Wie 2008 bekannt wurde, möchte die Band eine EP ver­öf­fent­li­chen und 2009 auf Welt­tour­nee gehen.

YouTube Preview Image

#4 San­dra Nasic (Guano Apes)

Die im schö­nen Göt­tin­gen gebo­rene Sän­ge­rin und ehe­ma­lige Front­frau der Guano Apes ist schon ein Frücht­chen, obo­wohl ihre musi­ka­li­schen Wur­zeln im Punk lie­gen, sieht sie nicht so aus, ein schö­nes Bei­spiel dafür, Men­schen nicht nach ihrer äuße­ren Erschei­nung zu beur­tei­len, aber das nur am Rande. Betrach­tet man sie ganz nüch­tern, sieht sie aus wie das nette Mäd­chen von nebenan das kei­ner Fliege etwas zu Leide tun kann. Mit Sicher­heit ist sie das auch, aber ihre Stimme ver­leiht so man­chen Song eine Form von weib­li­cher Aggres­si­vi­tät die ich bei vie­len ande­ren ener­gie­ge­la­de­nen Sän­ge­rin­nen vermisse.

Sicher, ihre stimm­li­che Dar­bie­tung würde sicher­lich an jeder Gesangs­schule nega­tiv auf­fal­len, aber genau das unter­schei­det sie von gecas­te­ten Stimm­wun­dern, die per­sön­li­che Note, denn nur San­dra Nasic klingt wie San­dra Nasic. Nach dem sie 10 Jahre lang mit den Guano Apes Erfolge fei­erte, machte sie sich auf Solo Pfa­den breit und lieh ihre Stimme an ver­schie­dene Pro­jekte. Ein schö­nes Beip­siel ist ihre Mit­wir­kung bei Apo­ca­lyp­ti­cas Lied Path II. Ihr Solo­al­bum konnte sich bei mir nicht wirk­lich durch­set­zen, es klingt mehr nach aus­pro­bie­ren als nach Stil. Obwohl einige Stü­cke recht gut sind, rei­chen sie für mich über ein Mit­tel­maß nicht hinaus.

YouTube Preview Image

#3 Cyndi Lauper

Als es in den 80er mit der auf­kom­men­den New Wave Bewe­gung bunt wurde, haben sich zwei Gestal­ten durch ihre Prä­senz in mei­nem Gedächt­nis ein­ge­brannt. Boy George würde sicher­lich in gewis­sen Maße als Frau durch­ge­hen, doch ich spre­che mehr von Cyndi Lau­per. Die mitt­ler­weile 56-jährige Sän­ge­rin hat ein gan­zes Kapi­tel weib­lich gepräg­ter Musik geschrie­ben. Obwohl schon seit 1977 musi­ka­lisch aktiv, gelang ihr erst 1983 mit Girls just want to Have fun der kom­mer­zi­elle Durch­bruch. Ihre Stimme klingt auch heute noch wie die einer fre­chen Göre aus dem Ein­wan­de­rer­vier­tel in Queens in dem sie auf­wuchs. Das rauhe in ihrer Stimme gibt dem Aus­druck der Stü­cke das gewisse etwas und ver­leiht ihr auch heute noch ein 20 Jahre jün­ge­res Image.

Ihr Out­fit war schrill und bunt, ein Trend den auch andere Künst­ler die­ser Zeit auf­grif­fen. Madonna ist eine der popu­lä­re­ren. Obwohl sie nie wie­der an die Erfolge aus den 80er anknüp­fen konnte, ist sie auch heute noch musi­ka­lisch aktiv und schafft sich vor allem durch die Viel­zahl ihrer Zusam­men­ar­bei­ten mit den ver­schie­dens­ten Künst­lern ein  Denk­mal — sie setzt sich auch sehr aktiv für die Rechte der Homo­se­xu­el­len ein . Der hier 2007 Live dar­ge­bo­tene Song True Colors stammt aus dem Jahr 1986, die unplug­ged Ver­sion ver­hilft mir zu Gänsehautfeeling.

YouTube Preview Image

#2 Gianna Nannini

Obwohl mir ita­lie­ni­sche Sän­ger von Grund auf suspekt sind, fand ich Gianna Nan­nini immer schon ein­zig­ar­tig. Wenn ich den Begriff Rock­röhre defi­nie­ren sollte, so trifft er auf die 1956 in Siena gebo­rene Rock­sän­ge­rin am ehes­ten zu. Neben einem Abschluss in Phi­lo­so­phie und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft hat sie auch eine beein­dru­ckende musi­ka­li­sche Kar­riere vor­zu­wei­sen. 13 Top Ten Alben, 14 Top Ten Sin­gles, 5 mal Pla­tin und musi­ka­li­sche Denk­mä­ler in Fil­men wie Momo mach­ten sie in Ita­lien unsterb­lich, auch in Deutsch­land fei­erte sie große Erfolge. Die kon­ser­va­ti­ven Ita­lie­ner haben ein gespal­te­nes Ver­hält­nis zu der 52-jährigen Sän­ge­rin, ent­we­der man ver­ehrt sie, oder man hasst sie, nicht zuletzt wegen dem Album­co­ver der CD Cali­for­nia, denn auf dort hält die Frei­heits­sta­tue einen Vibra­tor und keine Fackel. Die Rolle, die sie als Frau ein­nimmt ist unge­wöhn­lich,  bewusst femi­nis­tisch und offen rockt Sie auf der Bühne wie ein Mann und schreit sich dabei die Seele aus dem Leib. Man merkt ihr und ihrem Auf­tre­ten an, das sie sich Zeit ihres Lebens durch­set­zen musste, in der Emma gibt es dazu ein inter­es­san­tes Inter­view. Ich bin über­zeugt, das man vor ihr auch in den nächs­ten Jah­ren noch eini­ges erwar­ten sollte.

YouTube Preview Image

#1 Lacey Mos­ley (Flyleaf)

Als ich Lacey Mos­ley zum ers­ten mal auf einem Live-Mitschnitt als Vor­gruppe eine Korn Kon­zer­tes gese­hen habe ist mir gleich die Kinn­lade vie­ler anwe­sen­der Her­ren auf­ge­fal­len die sich sprich­wört­lich dem Boden näher­ten. Die 28-jährigen Sän­ge­rin wirkt so unschein­bar wie ein Tief­druck­ge­biet und ent­wi­ckelt sich schnell zum Orkan. Zusam­men mit ihrer aus Texas stam­men­den Band Fly­leaf spiel­ten sie sich schnell zum gefei­er­ten Sup­port für popu­lä­rere Bands wie Korn, Def­to­nes oder auch Dis­tur­bed. Ein inter­na­tio­na­ler Erfolg der Band steht kurz bevor. Fly­leaf nennt der Ame­ri­ka­ner im übri­gen die erste leere Seite eines Buches, die für Wid­mun­gen und Wün­sche reser­viert ist.

In ihrem Stück I´m so sick kom­men die Stär­ken der Band und ihrer Sän­ge­rin voll zum tra­gen. Ein unbe­dach­ter Griff zum Laut­stär­ker­reg­ler kann hier schnell zu einer unlieb­sa­men Über­ra­schung mit den Nach­barn füh­ren. Ich liebe das Spiel mit der Stimme, der wech­seln von seich­ten über kraft­vol­len bis hinzu schrei­en­den Pas­sa­gen fas­zi­niert mich — Lacey Mos­ley beherrscht die­sen Wech­sel und ist sich offen­bar ihrem Poten­tial noch nicht ganz bewusst. Als ers­tes stelle ich euch die ori­gi­nale Ver­sion ihrer Debüts­in­gle vor, das so derbe rockt, das mir immer noch die Sprung­ge­lenke jucken. Das zweite Stück Fully Alive stelle zeige ich absicht­lich in der akkus­ti­schen Ver­sion vor, damit deut­lich wird, was ich mit mei­ner Beschrei­bung meine.

YouTube Preview Image

8 Kommentare

  1. Lie­ber Nasic als Basic. ;) Wirk­lich eine schöne Aus­wahl, die du hier prä­sen­tiert hast. (Okay, die Bezeich­nung „schön” würde ich jetzt auf Nina Hagen nicht anwen­den, aber zur Kate­go­rie „außer­ge­wöhn­lich” passt sie natür­lich irgendwie.)

  2. San­dra Nasic vor Amy Lee?
    Und wo ist Mor­gan Lee Lan­der, wenn wir bei „außer­ge­wöhn­lich” sind?

  3. Wie schon erwähnt ist diese Aus­wahl nicht objek­tiv. Ich per­sön­lich sehe Nasic vor Lee und das obwohl Amy Lee offen­sicht­lich bes­ser sin­gen kann. Ich finde San­dra Nasic außer­ge­wöhn­li­cher ;) Von der Band Kit­tie habe ich schon gehört, lei­der noch nie in meine Play­list ein­ge­fügt, wel­che Lie­der kannst du empfehlen?

  4. Bra­ckish ganz weit oben, wenns etwas weni­ger hart sein soll Paper Doll und auch Char­lotte ist nicht zu ver­ach­ten. Ansons­ten ten­diere ich eher zu den älte­ren Sachen von Kit­tie, eigent­lich ist das kom­plette Album „Spit” empfehlenswert.

  5. Ok, da ist jetzt keine dabei gewe­sen, die ich auch unbe­dingt gewählt hätte. Aber komi­scher­weise höre ich sowieso kaum Musik, bei denen Frauen sin­gen, fällt mir gerade so auf. Da müsste ich doch sehr nach­den­ken, um 10 außer­ge­wöhn­li­che zusammenzukriegen. :)

  6. Dolo­res O’Riordan und Cindy Lau­per wären mir auch durch­aus in den Kopf gekom­men. Die ande­ren eher nicht. xD.
    Nun denn :D.

  7. Von all denen die du hier auf­ge­zählt hast finde ich Dolo­res O’Riordan am „geils­ten” Super­ge­niale Stimme :)

  8. @Tears: Vie­len Dank für deine Zusam­men­stel­lung, werde mich am Wochende inten­siv damit befas­sen :)
    @Konna: Du magst also eher die männ­li­chen Sän­ger. Wenn das mal nicht irgend­was über dein Wesen aus­sagt :) Es gibt aber in der Tat auch in mei­ner Musik­samm­lung mehr männ­li­chen Solo­künst­ler als weib­li­che, ob in der Musik­bran­che das­selbe gilt wie im ech­ten Berufs­le­ben?
    @Lordy: Schade das Cyndi Lau­per soviel „Farbe” ver­lo­ren hat, für mich war sie 80er New Wave Sti­li­kone ;)
    @Ecki: Stimmt, wirk­lich eine gute Stimme. Lei­der ist von den Cran­ber­ries seit lan­gem nichts mehr zu hören gewe­sen. Hof­fent­lich ändert sich das die­ses Jahr.

Schreibe einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich)

Hilfe zur Kommentareingabe?

Du kannst folgende xHTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Kommentaren ? Wenn der Haken in der Checkbox gesetzt ist, dann wirst du über neue Kommentare via E-Mail informiert. Der Versand erfolgt nur, wenn du die URL in der Bestätigungs-E-Mail genutzt hast oder schon Abonnent bei Spontis bist.

Ein Bild von Dir? (Avatare): Auf Gravatar.com kann man sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren und ein Bild hochladen, dann erscheint dieses Gravatar hier und in vielen weiteren Blogs.

Spamschutz: Wenn dein Kommentar nicht gleich erscheint, kann es sein das er im Spam-Ordner gelandet ist. Das passiert auch wenn du zuviele Links auf einmal benutzt.

Trackbacks/Pingbacks/Tweetbacks

  1. […] Spon­tis‘ Top 10 der außer­ge­wöhn­lichs­ten Sän­ge­rin­nen (Teil 1, Teil 2). […]

  2. […] muss auch B sagen. Nach­dem ich bereits meine Top 10 der außer­ge­wöhn­lichs­ten Sän­ge­rin­nen (Teil 1, Teil 2) zum bes­ten gege­ben habe,  ist es nicht ver­wun­der­lich, das es mich gereizt hat, auch diese Top 10 […]

  3. […] muss auch B sagen. Nach­dem ich bereits meine Top 10 der außer­ge­wöhn­lichs­ten Sän­ge­rin­nen (Teil 1, Teil 2) zum bes­ten gege­ben habe,  ist es nicht ver­wun­der­lich, das es mich gereizt hat, auch diese Top 10 […]