Wochenschau: Smaller Welt und bigger Interessen – Als wäre Deutsch nicht schwer genug

Ich sollte vielleicht die Wochenschau umbenennen in „Weeksview“, da es in der aktuellen Ausgabe wieder hauptsächlich englischsprachige Links gibt. Warum eigentlich? Zum einen liegt das natürlich daran, dass ich deutschsprachigen Artikeln eher einen vollen Beitrag widme, anstatt sie hier in der Wochenschau unterzubringen, zum anderen liegt es aber vielmehr daran, dass man sich im englischsprachigen Raum – und hier ist vornehmlich Großbritannien und die USA gemeint – mehr mit dieser unserer Subkultur auseinandersetzt und auch wesentlich mehr dazu veröffentlicht wird, als hierzulande. Eigentlich paradox, denn Deutschland wird häufig als „Zentrum der Gothic-Szene“ wahrgenommen und das nicht nur, weil bei uns viele Festivals stattfinden. Allerdings müssen wir akzeptieren, dass wir schon lange nicht mehr lokal denken können, wenn wir über die Szene grübeln, die wir uns zusammengebaut haben. Das Internet hat unsere Welt kleiner und unsere Interessen globaler gemacht – und da ist Englisch nun mal die „gemeinsame“ Sprache. Sowieso ist zumindestens Denglisch schon seit Jahren keine Randerscheinung mehr, sondern längst umgangssprachlich angekommen. Realtalk: Dagegen hilft keine weitere Empörungswelle, sondern ein gesunder Umgang. Safe!

Podcast: Grufties | Cemetery Confessions (Englisch)

Im neuesten Podcast von „Cemetery Confessions“ dreht sich alles um die deutsche Gothic-Szene. Einer dort verlinkten Publikation aus dem Jahre 2005 nach ist Deutschland seit den 90ern „das Zentrum der Gohtic-Subkultur“ geworden. Man hat sich jedenfalls DJ_Cyberpagan ans Mikro geholt und versucht mit ihm gemeinsam zu ergründen, was die Szene in Deutschland ausmacht, wie sie sich entwickelt hat und wo es möglicherweise hingeht. Auch Spontis wird erstaunlicherweise erwähnt: „I know a lot of Amercians have this romantizied view of the german goth szene, becaus they see those big festivals, and they see those physically clothing stores and there is spontis and stuff like that…“ Sind wir damit ein Teil der romantischen Sichtweise auf die Gothic-Subkultur? NICE!

Die weiteren Themen: „Defining Goth through German Fasion“, „Clubbing“, „Goths on Twitch“, „The Music Of Germany“, „Moral Panics and German Culture“ und „German Politics and Goth Ideology“. Lohnt sich!

Glenn Danzig: Warum die heutige Cancel-Culture Punk unmöglich gemacht hätte | Rolling Stone (Englisch)

Cancel-Culture und Political Correctness sind manchmal Maulkörbe für Kunst und Kreativität. Glenn Danzig, der die Band Misfits gründete, ist sogar davon überzeugt, das dieser neue Zeitgeist den Punk – so wie er Ender der 70er Jahre entstand – unmöglich gemacht hätte. „People don’t understand, because everything’s so cancel-culture, woke bullshit nowadays, but you could never have the punk explosion nowadays, because of cancel culture and woke bullshit. You could never have it. It would never have happened. We’re lucky it happened when it did, because it’ll never happen again. You won’t have any of those kinds of bands ever again. Everyone’s so uptight and P.C., it’s just like, “OK, whatever.”

Jenseits der Fledermaushöhle: Zuhause bei den Goths | The Face (Englisch)

Goth ist für jeden ein bisschen anders. Für Hannah Ewens, eine Autorin des Magazins „The Face“, ist Goth: „…das Gegenteil von Subtilität. Es ist Dekadenz und Dunkelheit. Romantik und Subversion. Sanftmut und Fetischismus. Für mich ist Goth wie Nancy, die im 1996 Film „Der Hexenclub“ Schritt für Schritt über die Wasseroberfläche geht und dabei einen langen schwarzen Rock, Pandaaugen und einen schwingenden Rosenkranz trägt. ‚Er hat mich gesegnet, ich kann fühlen, wie er durch meine Adern läuft‘, schreit sie besessen. Es ist nicht Gott oder Satan (beide etwas gruftig), sondern eine imaginäre heidnische Gottheit (sehr gruftig). Es ist der verdrehte Hirnwurm einer Idee, der den Erzähler von Edgar Allan Poes „Das verräterische Herz“ zu Wahnsinn und Mord treibt.“ Für ihren Artikel hat sie einige Goths zu Hause besucht und versucht, „Beyond the Batcave“ zu blicken.

Cyberwear: Gesichtsmaske mit Lüftern, Lautsprechern und RGB-Technik | Caschys Blog

Razer, der Hersteller für Gaming-Hardware, möchte bald eine Gesichtsmaske ins Programm nehmen, die nicht nur nach dem KN95 schützt, sondern zudem noch transparent und beleuchtet ist. Da das alles für den selbst vergebenen Titel „Die schlauste Maske der Welt“ noch nicht reicht, hat man auch Mikrofon und Lautsprecher verbaut, die die eigene Stimme verstärken, damit man sich nicht anhört wie ein Motorradfahrer, der vergessen hat den Helm vor dem Sprechen auszuziehen. Für den Cyber-Goth ist das Ding natürlich die Produkt gewordene Wollmilchsau. Offen bleibt allerdings der Preis für so ein Teil. Wir sind trotzdem gespannt, ob wir 2022 so ein Teil beim WGT erblicken können.

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Ein Nachruf auf die Telefonzelle | KFMW

Ich glaube, ich kann mich noch heute an den Geruch einer Telefonzelle erinnern. Ihr auch? Diese gelben, verglasten Häuschen, die mit Münzfernsprecher und Telefonbuch den Wunsch nach Kommunikation stillen konnten, sind heute nahezu ausgestorben. Mit ihnen geht allerdings auch ein unheimlich Stilprägende Erfindung, die in unzähligen Filme immer wieder zeigte, dass sie mehr war als ein trockenes Plätzchen zum Telefonieren. Irgendwie ein Nachruf auf Telefonzellen, die nahezu vollständig aus der menschlichen Wahrnehmung verschwunden sind.

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Coronation Street – Britische Soap thematisiert Sophie Lancaster | The SUN

Eine der ältesten britischen Seifenopern „Coronation Street“, die bereits seit den 60er Jahren über 10.000 Episoden hervorgebracht hat, verarbeitete jüngst den Tod von Goth Sophie Lancaster, die 2007 wegen ihrer gruftigen Erscheinung das Opfer eines brutalen Überfalls wurde.  Silyia Lancaster, Mutter von Sopie, stand den Produzenten der Serie beratend zur Seite. Ganz ähnlich wie die Lindenstraße werden auch bei Coronation Street immer wieder sozialkritische Themen in die Serie untergebracht, die so Millionen britischer Haushalte als Unterhaltung dienen. Die Reichweite der Serie ist enorm, die Weihnachtsfolge der Serie läuft traditionell in britischen Haushalten und erreicht 1987 einen Spitzenwert von 27 Millionen Zuschauern. Vermutlich braucht es immer erst eine Verarbeitung in seichter Unterhaltung um den Menschen zu vermitteln, was falsch daran ist, Andersartigkeit mit Hass zu begegnen.

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Ben Blutzukker & Snowy Shaw – Metalhead

Ben Blutzukker ist fleißig. Er macht nicht nur Musik, sondern baut auch gleich passende Video mit Klemmbausteinen zusammen. Er selbst tauft es „Brick Metal aus Düsseldorf„, eine abgedrehte Mischung aus mähneschwingender Musik und Kinderspielzeug die zeigt, dass das eine das anderen nicht ausschließt. Musikalisch nicht mein Fall aber mit dickem Leidenschaftsbonus für das, was Ben begeistert. Erwähnte ich auch, dass er auch leidenschaftlich E-Mails schreibt? :-)

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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John Doe
John Doe (@arno-siess)
Vor 5 Monate

Ich glaube, ich kann mich noch heute an den Geruch einer Telefonzelle erinnern. Ihr auch?

Ja, es ist echt schade, daß die fast restlos aus dem Straßenbild verschwunden sind. Ich kann mich an den Geruch, der da häufig vorherrschte in der Tat noch recht gut erinnern. Den vermisse ich aber ehrlich gesagt am wenigsten dabei… ;-)

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von John Doe
Norma Normal
Norma Normal (@guest_60091)
Vor 5 Monate

Eben, wenn Deutschland das Zentrum der heutigen Gothic Szene ist, ist es umso schader (schade, schader, am schadesten), das so wenig in deutschsprachigen Medien darüber zu finden ist (mal abgesehen von den üblichen WGT Berichten). Liegt vielleicht daran, dass es vor der eigenen Haustüre nie so spannend zu sein scheint, wie man es sich woanders ausmalt. 

Was Punk, cancel culture und political correctness angeht, hab ich mir in letzter Zeit auch Gedanken gemacht. Zu seiner Zeit fehlte das Bewusstsein für bestimmte Themen eben, zumindest in der Allgemeinheit. Provokation hatte auch einen anderen Stellenwert und Nutzen. Ich gebe dem Zitat zu Teilen recht. Punk würde dem heutigen Zeitgeist nicht so recht entsprechen und vermutlich auch nicht so erfolgreich werden können. Nur finde es es gut, das man heutzutage vieles mehr hinterfragt und mit gewissen Dingen sensibler umgeht. Alles hat eben seine Zeit. Punk war damals total richtig und wichtig. Aber Kultur entwickelt sich eben. Deshalb haben Musik und Texte aus dieser Zeit ihre Berechtigung und müssen nicht per se gecancelt werden, kommt auf den Einzelfall an. Ein Beispiel, zwar nicht aus dem Punk, aber bezüglich des Textes von ‚Romeos Distress‘ von Christian Death, habe ich neulich irgendwo gelesen, dass es wegen eines Wortes mancherorts nicht mehr gespielt wird. Ich bin mir nicht sicher wie ich dazu stehe. Wenn allerdings ein neuer Song von einer zeitgenössischen Band bestimmte Begriffe beinhaltet, sehe ich da heute keine Legitimation und könnte das nicht gutheißen.
Ich finde das alle mal ein relevantes und spannendes Thema und würde mich interessieren was ihr so denkt?

Und Telefonzellen vermisse ich auch irgendwie, samt Muffgeruch!

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von Norma Normal
Markus
Markus (@markus)
Antwort an  Norma Normal
Vor 5 Monate

So unsinnig umstritten und mißverstanden wie Rozz’s – übrigens stets surreale und deshalb kaum interpretierbare – Lyrics in ‚Romeo’s distress‘ ist auch der Titel ‚Revenge‘ von London After Midnight für die Verwendung eines Samples von Hitlers Rede beim Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg 1935 im Intro des Songs. Es ist ein Problem, daß heute nicht mehr im Kontext gesehen und gedacht, sondern sofort mißtrauisch die Augenbraue hochgezogen und der moralische Zeigefinger erhoben wird, sobald etwas vermeintlich nicht gesellschaftsfähiges, völlig subjektiv als „unkorrekt“ bewertet und eingestuftes auch nur am Horizont auftaucht – ob zu Recht oder Unrecht ist dabei egal, solange man nur direkt sein subjektives Statement über PC loswerden, der Masse offenbaren kann und sich damit auf die vermeintlich richtige Seite stellt, im besten Fall sogar noch den Applaus der Allgemeinheit dafür erhält.

Vielleicht ist es im Zeitalter von Social Media und unerschöpflicher Kommunikationsmöglichkeiten für das eigene Ego wichtiger, daß man sich selbst reden hört als ob man etwas qualitatives vom Stapel läßt. Zumindest ist das meine Hoffnung. Sonst bliebe nämlich nur noch pure Dummheit und mangelnder Intellekt als Erklärung für diese neue Kultur von an den Haaren herbei gezerrter Zensur, Willkür und emotional verursachten, fundamentalistischen Reaktionismus in Form von sogenannten „Shitstorms“ (oh je, wie ich dieses Wort hasse…).

Was die Sensibilisierung breiter Teile der Gesellschaft angeht, stimme ich dir zu. Nur habe ich den fucking Eindruck, wir sind inzwischen übersensibilisiert und nehmen uns deshalb wie selbstverständlich das Recht heraus, auf alles – im Sinne des Wortes – einzuprügeln, was nicht unserer eigenen Vorstellung von correct und richtig entspricht.

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von Markus
Norma Normal
Norma Normal (@guest_60094)
Antwort an  Markus
Vor 5 Monate

Kunst in ihrem (Zeit-)Kontext zu betrachten ist die Voraussetzung um etwas überhaupt zu begreifen, absolut richtig. Und ein guter Song bleibt ein guter Song, nur ermöglicht eine zeitliche Distanz neue Blickwinkel.

Mit der Brechstange seine undifferenzierte Meinung kundzutun ist leider ein unangenehmer Nebeneffekt des ganzen Social Media Zeitalters.
Ich ziehe nur einen anderen Schluss als du: Wenn Menschen ihre Meinungen Anderen einprügeln, bzw. vor die Füße klatschen, hat es eher wenig mit Sensibilität zu tun. Es fehlt ihnen offenkundig daran.

John Doe
John Doe (@arno-siess)
Antwort an  Markus
Vor 5 Monate

„Übersensibilisiert“ trifft es meines Erachten ganz gut.
Ich halte diese sogenannte Cancel Culture mittlerweile für eine nicht gerade kleine Bedrohung unserer Freiheit. Niemand hat in einer Demokratie das Recht, einer anderen Person die Meinungsfreiheit abzusprechen oder zu bestimmen, was gesagt oder geschrieben werden darf.
Der Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 drückt das sehr gut aus:

Die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte: Jeder Bürger kann also frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten Fällen.

Norma Normal
Norma Normal (@guest_60096)
Antwort an  John Doe
Vor 5 Monate

Also mir ging’s eher darum wie sich political correctness auf auf die Kreativität in der Kunst von Subkulturen auswirkt. Vor allem die Frage ob eine Bewegung mit so viel Energie und Einfluss wie der Punk heute möglich wäre.
Inwiefern die Demokratie bedroht ist kann man ja vielleicht ein anderes mal erörtern, denn das schweift bissel ab.

John Doe
John Doe (@arno-siess)
Antwort an  Norma Normal
Vor 5 Monate

Okay, in diesem Kontext gesehen, war es vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus geschossen. :-)

Norma Normal
Norma Normal (@guest_60098)
Antwort an  John Doe
Vor 5 Monate

Alles gut : )

Norma Normal
Norma Normal (@guest_60092)
Vor 5 Monate

PS. Sogar verri nize das Spontis in dem Podcast erwähnt wird!!!

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