Spontis Wochenschau

Wochenschau #2/2019: Klatsch und Tratsch – Ein Grundpfeiler unserer Subkultur?

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Randvoll mit allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Äthers kommt die neueste Wochenschau daher. Neben Reisenberichten, Nachrichten und Bildungsauftrag bleibt auch noch ein wenig Platz für Klatsch und Tratsch – wenn man dann so möchte. Es scheint der urmenschlichste und sozialisierenste Antrieb überhaupt zu sein, über die Anderen zu reden. Auch innerhalb von Subkulturen. Die Bravo lebte davon, der AGRA-Laufsteg wurde dafür erfunden und soziale Netzwerke ermöglichen es endlich jedem, öffentlich zu tratschen, währen YouTube es jedem ermöglicht, sich zum (erfolgreichen) Deppen zu machen. Wenn man dann so möchte. Doch obwohl es jeder macht, scheint es nirgendwo dokumentiert zu sein. Gruftige Musik, morbide Ästhetik, abseitige Interessen – alles das ist fein säuberlich erklärt, aufgeschlüsselt und niedergeschrieben. Aber das wir uns – trotz der vielbeschworenen Toleranz – immer noch so verhalten wie der Durchschnittsbürger, fällt uns offensichtlich nicht auf. Geht das überhaupt? Ich meine, nicht im Klatsch und Tratsch zu versinken, wenn die neuesten Unmöglichkeiten in den Netzwerken erscheinen?

Selfie Harm – Britische Teenager und ihr idealisiertes Selbst | Buisness Insider

Der britische Fotograf Rankin hat britische Teenager im Alter von 13 bis 19 Jahren gebeten, innerhalb von 5 Minuten Porträts, der er von ihnen gemacht hatte, so zu bearbeiten, dass sie Social-Media tauglich aussehen. Das Ergebnis erscheint erschreckend: „Im Zeitalter der Influencer werden wir jeden Tag mit Tausenden von Bildern zwangsernährt. Überarbeitete, sexuelle und mundgerechte Bilder werden schnell und flüchtig aufgetischt. Oftmals hinterlassen sie ein Gefühl von Leere und den Eindruck, nie genug zu sein. Das sind die leeren Kalorien. Die visuellen Kalorien, an denen wir uns überfressen, weil sie da sind. Unser Appetit auf diese Art von Inhalt ist unersättlich. Es ist visueller Zucker und wir sind süchtig. Wenn ihr zu viel davon konsumiert, wird eure psychische Gesundheit ernsthaft beschädigt.

Sternenkinder – Wenn das erste Bild das letzte ist | ZEIT Online

So nennt man Kinder, die bei der Geburt sterben. „Kinder, die den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.“ In einem sehr gefühlvollen Artikel der ZEIT geht es um Katrin Titze, eine Sternenkindfotografin. Ein Beruf, der ein gehöriges Maß an Abstand verlangen muss. „Als Titze den Kreißsaal betritt, ist es drückend warm. Sie sieht einen Mann Ende zwanzig, 1,80 groß, lichte Haare, roter Pullover, an einem Wickeltisch stehen. Darauf liegt ein Neugeborenes unter einer Wärmelampe. Es sieht aus, als würde es schlafen.

ohGr und das PledgeMusic-Desaster: Der Sänger von Skinny Puppy wartet auf 100.000 Dollar | Volt Magazin

Die Crowdfunding-Plattform für Musiker „PledgeMusic“ steht zur Zeit immer wieder in der Kritik, weil Künstler das von Fans gesammelte Geld nicht – oder viel zu spät ausbezahlt bekommen. „Dabei war der Start äußerst vielversprechend. Mehr als 20.000 Dollar wurden binnen weniger Tage eingenommen. Als im Sommer 2018 das Album schließlich im Kasten war und die Files an PledgeMusic übertragen wurden, begannen die Probleme: es folgten keine Zahlungen. Vorbestellte CDs, Vinyl, Booklets, Shirts etc. konnten nicht in Produktion gehen. Die Konsequenz: Am 18. Juli 2018 erschien TrickS lediglich digital und ohGr waren gezwungen, ohne Merch und ohne physische Tonträger ihre bereits gebuchte Tournee anzutreten. Aus finanzieller Sicht ein absolutes Desaster.

Keine langen Haare beim Bund – Gothic-Soldat scheitert vor Gericht | SVZ

Weil er als Soldat keine langen Haare tragen darf, hat sich ein Stabsfeldwebel vor Gericht mit der Bundeswehr auseinandergesetzt. Seine Beschwerde gegen den sogenannten Haar- und Barterlass der Truppe wurde am Donnerstag vom 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig allerdings zurückgewiesen.“ Das Gericht bestätigte aber, dass der Erlass einer Überarbeitung bedürfe, obwohl man sich als Soldat einem gewissen äußerlichen Rahmen zu unterwerfen hätte.

Greenwich – Das Haus, in dem die Zeit gemacht wurde | Eulenforst

Schon so ein bisschen in eigener Sache stelle ich Orphis neuen Blog vor, in dem sie unsere Reisen und Ausflüge dokumentiert und in ganz wunderbarer Weise beschreibt. Wie zum Beispiel unser Besuch im Londoner Stadtteil Greenwich, um die Spuren der Zeit zu suchen: „[…] das Flamsteed-Haus auf einem Hügel in Greenwich, in dem Astronomen viele Jahrzehnte lang den Himmel beobachteten, um das Rätsel um den Längengrad zu lösen. Hier befindet sich auch der Nullmeridian, nach dem die ganze Welt die Zeit ausrichtet. Ich muss zugeben: Sobald es um Längengrade und Breitengrade und um mehr als zwei geschichtliche Zahlen geht, versucht mein Gehirn zu flüchten. Doch keine Angst! Auch Abenteurer kommen in Greenwich auf ihre Kosten. Im Flamsteed-Haus auf einem Hügel gibt es Atmosphäre und Geschichten. Und schon der Weg dorthin durch einen Tunnel unter der Themse hindurch ist echt gruselig.“ Wer möchte, kann sich dort durch die Erlebnisse auf unseren Reisen lesen und einen Kommentar hinterlassen. Ich bin mir sicher, Orphi freut sich darüber.

Warum Tauben den Tod ankündigen und Totenhemden vor Wiedergängern schützen | Schemenkabinett

Hier mag man gerne die Schulbank drücken: Im Schemenkabinett. Stets beschäftigt sich das promovierte Ehepaar mit den tödlichen, spukigen und abseitigen Themen der Natur. Heute lernen wir zum Beispiel, warum Tauben im Grunde dann doch „böse“ Tiere sind: „Das Gurren einer Taube erklingt am Eingang zur aktuellen Sonderausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur. Im schwachen Lichtschein sitzt das Präparat einer Ringeltaube. Ihr Ruf wurde in Mecklenburg als „Tutenfru!“, also Totenfrau, gedeutet. Totenfrauen richteten die Verstorbenen her und wuschen sie. Wenn die Tauben von den Dächern riefen, dass die Totenfrau komme, konnte dies also nichts Gutes bedeuten. Auch das Verhalten anderer Tiere deutete man als Todesvorzeichen […] Die Sonderausstellung „Tutenfru! Über Aberglaube und Tod“ präsentiert verschiedene „abergläubische“ Vorstellungen und Praktiken, die mit Tod und Sterben in Verbindung stehen und zum Teil das Denken und Handeln vieler Menschen bis in die Gegenwart bestimmen.

Whitby Spring: A Tale of Two Festivals | The Blogging Goth

Wer im April nach England reisen möchte, der sollte sich den 12. bis 14. oder den 26. bis 28. des Monats merken und überlegen, ob er nicht nach Whitby fährt, denn dort findet Englands bekanntestes Gothic-Festival, das Whitby Goth Weekend, statt. Ein paar Wochen später findet dann im Whitby Pavilion das Tomorrows Ghosts Festival statt, was schon im Hintergrund für Gesprächsstoff sorgte. Beim bloggenden Grufti gibt es mehr Informationen.

Quinta da Regaleira: Das gotische Paradies | Der schwarze Planet

Shan Dark glänz durch ihren neuesten Reisebericht aus Portugal. Das gotische Paradies, wie sie die Quinta da Regaleira nennt, ist die architektonische Vereinigung von allem, was wir im allgemeinen unter „gruftiger Ästhetik“ zusammenfassen würden, umso lohnenswerter erscheint ein Besuch in Sintra: „Die Quinta da Regaleira ist ein gotisches Paradies – eine andere Welt. Ihr Erbauer António Augusto Carvalho Monteiro wollte mit der Gartenarchitektur eine Art Portal schaffen in die metaphysische, also übersinnliche und in seinem Sinne wohl auch okkulte Welt. Hier ist es nicht nur üppig grün, sondern die düsteren, verwunschenen Gänge, Grotten und symbolbeladenen Ecken versprühen einen mystischen Charme, der mich total verzauberte und die Phantasie beflügelte… Du bist drei Stunden drin und merkst es nicht. Magisch!

Our Religion Is NOT Your Nu-Goth Trashion Accessory | Of Herbs and Altars

Dorian B ist dagegen. Sie findet es schrecklich, das Killstar – der Ausstatter der Nu-Goth Bewegung – mit religösen Symbolen nur so um sich wirft und einfach alles durcheinander schmeißt, was nicht zusammen gehört:

I’m So Sorry | Black Friday

Nach ungewöhnlich lange Abstinenz von der sprichwörtlichen Bildfläche meldet sich Black Friday mit Neuigkeiten zurück. Zur Zeit hält sie sich immer noch in Neuseeland auf und ist offenbar in den Abschiebeprozess deutscher Behörden geraten und wird nun ausgewiesen. Nach der Trennung von Matthias, ihrem deutschen Ehemann, war das nur eine Frage der Zeit. Welche Station sie ihrem bewegten Lebenslauf nun hinzufügt, ist offen.

Mary – Baby Goth | YouTube

Achtung! Extrem verstörender Inhalt smile Das folgende Video der „Künstlerin“ Baby Goth ist eine große Matschepampe, die aus dem Mixer der Unmöglichkeiten entsprungen zu sein scheint. Schmeiß einfach alles, was du je von Goth gehört hast, in einen Mixer, mische Belanglosigkeiten wie „Lolita“, „Sex“, „Gangsta“, „Edgy“ dazu und drücke auf „Smooth as Manson“. Heraus kommt dann so ein Unsinn:

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Ich habe jetzt erstmal nur den ersten Beitrag gelesen, finde aber den Vergleich mit der visuellen Übersättigung/Zwangsernährung, leeren visuellen Kalorien und deren Auswirkungen extrem faszinierend beschrieben! Sehr gut beobachtet und in Worte gefasst… Was aber dem Thema natürlich nichts an seiner Tragik nimmt.

Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

Gedanken zum Thema „Selfie Harm“: Ich denke, heutzutage ist so gut wie jeder mit diesen photoshopmanipulierten Bildern von YouTube, Instagram, Facebook etc. konfrontiert. Man muss sich bloß immer wieder selbst sagen, dass diese Bilder sehr wahrscheinlich inszeniert sind und die „Influencer“ bezahlte Werbeträger der jeweiligen gesponserten Marken sind. Ich für meinen Teil meide Instagram komplett, die Plattform hat noch nie einen Reiz auf mich ausgeübt. Eine Plattform weniger für mich, die mich negativ beeinflussen könnte.

@BlackFriday: Ich habe dieses Video bereits vor einiger Zeit gesehen und ich denke, Freya ist in Neuseeland erst einmal besser aufgehoben, weil es ihre Heimat ist und sie dort mehr Leute aus ihrer Vergangenheit kennt. Vielleicht erdet sie sich dann gedanklich und mit ihrer Zukunft wieder ein. smile Es ist zwar ärgerlich, dass sie nicht mehr in Deutschland bleiben darf, aber so genau blicke ich nicht durch beim „Abschiebungsrecht“ in Deutschland. Ich meine mal gehört zu haben, dass man als Immigrant an einen Ehegatten mit deutscher Staatsangehörigkeit gebunden sein muss, um dauerhaft auch mit Antrag auf die deutsche Staatsangehörigkeit in D bleiben zu dürfen. Ansonsten kann man leider abgeschoben werden, wie Freyas Beispiel ja traurigerweise zeigt. Hoffen wir erst einmal das Beste für sie. smile

@Ofherbsandaltars: Schön, dass ihr auch mal etwas von Dorian B. zeigt, den ich besonders mag. smile Er vertritt eine Meinung zu der Marke „KillStar“, die ich durchaus teile: religiöse/okkulte Symbole oder Randgruppen (in diesem Fall: Hexen) werden bei der KillStar-Mode plakativ eingesetzt, um einen „Schock-Effekt“ bei den „Stinos“ zu erzeugen bzw. um sich mit der Mode monetär zu profilieren, ist KillStar das neue XtraX? Markenmode teuer kaufen statt selbst kreativ werden? Außerdem ziehen einige Slogans wie „witchy and bitchy“ etc. das ganze moderne hellmagische Hexenselbstverständnis wieder in so eine Richtung, als seien alle „Hexen“ grundsätzlich schwarzmagisch eingestellt.