1 August

Spontis Wochenschau #19/2011

Verfasst von Diskussion: 3 Kommentare

Spontis WochenschauIch könnte jetzt über das Wetter sprechen. Mache ich aber nicht. Ich könnte auch darüber sprechen, wie die gefühlte Geschwindigkeit der Zeit im Sog schicksalhafter Tage zunimmt. Mache ich auch nicht. Ich könnte auch über christliche Taufen zwischen Kollekte und Buffet sprechen. Mache ich auch nicht. Ich spreche lieber über eine Zahl, die wie ein Kilometerzähler im Backend dieses Blogs tickt, so wie im Auto, während man beim beobachten des Kilometerzählers beim erreichen einer bestimmten Zahl einen Augenblick lang inne hält.

Nachdem ich die teuflische Anzahl von 666 Kommentare bereits schon vor Jahren überschritten habe, steht nun das 6.666 Kommentar ins Haus (Wann wird nicht verraten). Angesichts dieser simplen Zahl verblassen die anderen Dinge im Hintergrund für einige Momente in der Belanglosigkeit. Ich lasse dieses Zahl in zutiefst empfundener Dankbarkeit einfach mal im Raum stehen und mache das einzig vernünftige: Weitermachen wie bisher. Interessant, dass kurze Gedanken sich immer wieder vor die Wochenschau schleichen – eine schöne Tradition.

  • S21: Die manipulierte Jugend | Law Blog
    Am Beispiel von Stuttgart 21 wird deutlich: Immer noch fehlt es an Bereitschaft, der Jugend ihre eigenen Meinungen zuzutrauen, wie Udo Vetter vom Law Blog berichtet: „Der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle bewertet den Aufruf mit bemerkenswerten Worten. “Alle Verantwortungsbewussten innerhalb des Widerstands gegen Stuttgart 21 müssen sich von diesem Vorhaben distanzieren“, sagte er. Er hält es für unverantwortlich, Kinder und Jugendliche zur Blockade der Baustelle am Grundwassermanagement (GWM) aufzurufen und sie damit für andere Interessen zu instrumentalisieren. Mir ist nicht ganz klar, was der Polizeipräsident mit “anderen Interessen” meint. Seine Äußerung klingt jedenfalls so, als halte er es grundsätzlich für ausgeschlossen, dass junge Menschen eigene Interessen haben könnten und dafür demonstrieren dürfen.
  • Punk Attittude, werter Leser… | Postpunk
    … ist eine sehenswerte Dokumentation über die Entstehung des Punk-Rock. Da es sich um eine US-Dokumentation handelt, wird dies größtenteils aus eben dieser Perspektive betrachtet, von den Anfängen mit Velvet Underground über MC5 und den Stooges, New York Dolls, etc. und das alles kommentiert von Prominenz wie Jim Jarmusch, Henry Rollins, Thurston Moore. Und irgendwie wird das Ganze getragen von der Diskussion: “Wer hats erfunden?” Dennoch … sehenswert!
  • Anonymous im Radio | Netzpolitik
    Wem immer noch nicht ganz klar sein sollte, was Anonymous ist und was die Aktivisten genau machen, sollte sich ein wenig Zeit nehmen den Radiobeiträgen von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur zu folgen, die bei Netzpolitik zusammengetragen wurden. „Die Bezeichnungen für die Mitglieder von Anonymous sind vielfältig. Sind sie Hacker im klassischen Sinne, Online-Aktivisten oder doch digitale Spaß-Guerilla? Computerjournalist Peter Welchering erläutert im Interview mit Manfred Kloiber, dass die Motivationen jener Anonymen aus sehr unterschiedlichen Richtungen rühren.
  • Wolfgang der Lebenskünstler | berlinfolgen
    Eine Zwickmühle. Ich halte nichts davon Menschen vor die Linse zu zerren der Schicksal die Neugier des Zuschauers befriedigt, doch der Grat zwischen dem darstellen zum Teil anprangerungswürdiger Zustände und dem Lob für die künstlerische Arbeit ist schmal. Wer darauf geht, kann sich verletzen. Ein schönes Beispiel für Lebenskunst: „Wolf­gang Ikert wird 1938 in Ber­lin ge­bo­ren. 1983 in­fi­ziert er sich mit dem HI-Vi­rus. Sein da­ma­li­ger Part­ner stirbt an AIDS. 1999 lernt er sei­nen jet­zi­gen Le­bens­ge­fähr­ten Ro­land Schmid-Pal­e­ski ken­nen. Durch Ro­land, der Ly­ri­ker ist, ver­än­dert sich Wolf­gangs Le­ben. Er wird Fo­to­graf. Das Paar grün­det ei­nen klei­nen Ver­lag na­mens „Zwi­schen­be­rei­che“ und ver­an­stal­tet in der ge­mein­sa­men Alt­bau­wo­hung in Mo­abit ei­nen Ber­li­ner Sa­lon mit Le­sun­gen und Mu­sik.“ Letztendlich bleibt die Einsicht, das Resignation in jeder Phase des Lebens der falsch Weg ist.
  • Inside Haitian Vodou | Nerdcore
    Aud den Seite des Magazins „Life“ gibt es einen interessanten Fotoreport über haitianischen Voodoo. Wahrheit und Mythos, dunkle Zeremonien und Tieropfer, macht euch selbst ein Bild und informiert euch:  „Few religions are as misunderstood and as steeped in often-cartoonish misapprehension as Haitian Vodou. Countless people around the globe, shown images of a ceremony, might confidently say, “Yes, that is Vodou.” But very few, when pressed, could coherently discuss the core tenets of the belief. For photographer Anthony Karen, who has traveled extensively in Haiti over the years, Vodou is at once a fascinating subject and — in a very real sense — the gateway to his vocation.
  • Uns bleiben nur nackte Namen | Opus Mentis
    In einer dreiteiligen Friedhofsreihe widmet sich Guldhan seiner Sicht auf einen Gottesacker, den er mit seiner Kamera besucht um Eindrücke und Augenblicke einzufangen um diese auch in Worte eine Geschichte zu verleihen. Teil 1 – G-Süd, Teil 2 – G – Süd II, Teil 3 – G-Süd Untermhaus. „So bahnte ich mir meinen Weg zu einem Mausoleum alter Tage. Blättriger Putz, der nur noch von Kletterpflanzen gehalten wird. Spröde Scheiben und ein durch und durch passender Anblick innerhalb der grünen Verwilderung. Abgesehen davon, dass mir diese Umgeisterung ein albernes Maß an Überwindung abverlangte. So wie das Monument dort stand. Massiv, alt und thronend. Schweigend, duldend und damit fast schon lauernd. So regte es sofort den unerfreulichen Teil meiner Fantasie an. Und die Tatsache, dass eine innen stehende Statur mich dabei aus dem Schatten und durch die mittlerweile scheibenlose Eingangspforte anstarrte, tat dabei ihr übriges.
  • Wo bist du? Was machst du? | Haascore
    Simone auf der Suche. „Das ganze Leben säumen immer wieder wechselnde Menschen unseren Weg. Manche bleiben eine Weile, manche verschwinden schnell wieder. Einige schaffen es, uns mit irgendetwas für immer in Erinnerung zu bleiben. (…) Aber wie gesagt, manche Menschen verschwinden tatsächlich, tauchen in keinem der vielen Netzwerke auf, lassen sich nicht mal googlen. Wenn man dann noch weg gezogen ist und auch sonst niemanden kennt der noch irgendwie einen Kontakt zu dieser Person haben könnte wird es echt eng.“ Meine Gedanken: Es ist die Suche, die uns antreibt. Wenn wir jemanden suchen, sind wir unermüdlich und voller Energie, wenn ihr ihn finden, wissen wir nicht, was wir sagen sollen und scheuen den Kontakt.
  • Lord I want to thank your my smokin‘ hot wife… | Nerdcore
    Dieses Video ist nicht und gleichzeitig wieder lustig. Die USA gilt als Vorreiter für neue Trends und als Hochburg konservativer Christen. Wie sie die Kirche mit ihrem Glauben jedoch selbst disqualifizieren kann, zeigt diese Predigt eines medienwirksamen Pastors. Aus Mangel an Kirchensteuer gibt es demnächst auch in deutschen Gottesdiensten Werbeeinblendungen?

3 Kommentare

  1. Da testet man einmal die neue Kamera und knipst noch unbeholfen auf städtischem Trauergrün umher und schon landet man wieder in der Wochenschau. Das stimmt einen schon emotional.

    Somit erdreiste ich mich hierbei zur Eigenwerbung und erwähne noch die beiden Hinterlassenschaften des Ostfriedhofs: Teil I sowie Teil II
    Kritik seitens Altveteranen des Objektivs wird entgegengenommen.

  2. Was S21 angeht und die gute Jugend. Die Bahnhofsbauer glauben wohl wieder ein Verschwörungstheorien und verderbliche Einflüsse, die die Jugend in den Abgrund reißen wollen, auf das sie bald lange Haare trägt und vorehelichen Sex hat. Wahrscheinlich steckt der Kommunismus dahinter -.-

  3. @Guldhan: Schön, dass du Dir noch Emotionen bewahrt hast, das ist wichtig, sehr wichtig. Du hast ein gutes Auge für Motive und es macht mir Freude deinen „unbeholfenen“ Versuchen über die virtuelle Schulter zu schauen.

    @Theo: Wahrscheinlich :) Oder aber auch eine Terrorzelle, wer weiß.

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