Spontis Wochenschau

Spontis Wochenschau #03/2013

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In Zeiten wie diesen plätschert das Leben vorbei. Man fühlt sich, als hätte man nichts geschafft, nichts erledigt, nichts bewältigt. Die Zeiger der Uhr bewegen sich unaufhörlich vorwärts, es ist so, als befänden sich die Zeiger in einer fließenden Bewegung. Früher, da hatte ich mal Langeweile und die Zeit ging nicht vorbei. Heute traut man sich ja nicht mehr, nichts zu machen. Oder mal gar nichts zu tun. „Wie gehts Dir?“ – „Mir ist langweilig.“ – „Was? Also ich würde ja…“ Heute streitet man vehement ab, Langeweile zu haben. Es gibt immer was zu erledigen, immer schon wollten man die eine Sache in Angriff nehmen und überhaupt könnte man sich jetzt wieder mehr den anderen Dingen widmen. Sie ist und bleibt negativ behaftet, diese Langeweile. Wer schuld daran ist, klären die Philosophen oder vielleicht Momo. Ich genieße meine gelegentliche Langeweile. In dieser Zeit bin ich unproduktiv, langsam und träge. Ich konsumiere hemmungslos, phantasiere und lasse mich berieseln. Musik, Spiele und gute Filme. Ich spüre förmlich, wie der Akku wieder lädt. Solltet ihr mal versuchen, diese Langeweile. Sie ist nicht negativ, sondern nur fremd.

  • Gina schläft nicht im schwarzen Sarg | lokalkompass.de
    Schade. Ich habe doch tatsächlich gehofft, endlich würden sich wieder Klischees erfüllen. Die Seite lokalkompass.de bietet ambitionierten Autoren eine Plattform, sich über ein Thema auszulassen und über Kommentare mit dem Leser in Kontakt zu treten. Ganz so, wie es auch in Blogs gemacht wird. Daniel Magalski, ein Moderator der Bürger Community, geht mit gutem Beispiel voran und berichtet über Gina (25), eine Anhängerin der Gothic-Szene. „Sie schläft nicht im Sarg, hat keine Fledermäuse als Haustier. Solche Vorurteile gegen die Gothic-Szene gibt es viele. Gina trägt eben gerne Schwarz und viel Metall im Gesicht. Sie ist ein Gothic. Und hinter der dunklen Fassade ein ganz normaler Mensch.“ An dieser Stelle sei die Frage gestattet, warum sich alle immer auf „Normal“ herunterbrechen lassen müssen. Auch dieser Artikel bleibt an der Oberfläche, kein Grund, kein Warum, kein Gefühl. Gina, wer bist du?  „Wenn ich zum Arbeitsamt gehe, nehme ich die Piercings raus“, erzählt sie. Und für den Besuch bei der Oma kämmt die Enkelin die Haare brav über die rasierte Kopfhaut. Gina grinst. Gegen die Piercings hat Oma zwar nichts, die Glatze aber findet sie ziemlich schrecklich. „Ich sehe hart aus für eine Frau“, weiß Gina um ihre Wirkung in der Öffentlichkeit. „Hinter der harten Schale steckt aber ein weicher Kern.“ Und eine Frau mit ganz normalen Zielen.
  • David Bowie: Künstler der farbigen Hitzigkeit | Süddeutsche
    Nach rund 10 Jahren veröffentlicht David Bowie, der hübscheste 66-jährige der Welt, ein neues Album. Für sein Album „The Next Day“ blickt Bowie in seine Vergangenheit. Die Ballade „Where are we now?“ widmet er dem geteilten Berlin. Er singt über die Nächte im Schöneberger Tanzlokal „Dschungel“, über den Mauerfall und sich selbst. „Die Leute in Schöneberg summen es vor sich hin, während sie ihre Wolfgang-Müller-Büchlein über die alte Westberliner Subkultur nach Hause schleppen, die sich in den Buchhandlungen neben den Ausgangskassen stapeln: „Where We Are Now“ von David Bowie, Hymne der aktuellen Alter-Westen-Nostalgie. Ein Taxifahrer, angetan von dieser sagenhaften Aufwertung seiner Jugendzeit, erzählte neulich – wir glitten gerade an der fraglichen Bowie-Iggy-Wohnung in der Hauptstraße vorbei – von Begegnungen mit Bowie und Romy Haag in Charlottenburger Oma-Cafés. Seine Frau war damals Punk, er dagegen Blues-Rocker. Und in welcher Mitte habt ihr euch getroffen, bei Dr. Feelgood?
  • The Macabre Noir Interview | Gothic Tea Society
    Sie ist Selbstdarstellerin und Künstlerin. Macabre Noir, aufgewachsen in ländlicher Umgebung im Westen von Pennsylvania, zeichnet Bilder, malt Gemälde und bastelt Kunstobjekte und Puppen im Tim Burton Stil. Und sie ist Goth. Jedenfalls nach ihrer Definition: „In my opinion, (Goth) it is a state of mind and an appreciation for the darker things in life.  The understanding of things that are misunderstood and often feared by society as a whole.“ Ihre Eltern, ebenfalls künstlerisch aktiv, förderten ihre Tochter. Ihre „Makabere“ Kunst mit der dunkle Attitüde brachte ihr den Spitznamen „Macabre Noir“ ein. Und überhaupt ist ihre Kunst „angry„. Denn das liegt an der restlichen Gesellschaft: „The human race’s inability to accept one and other for differences, flaws, beliefs, and lifestyles.  If we were all born the same, it would be a hella boring world, and I don’t understand why you would want to hurt someone for not being the same as you are.  It’s ridiculous. Also, animal cruelty….I go insanely, blindly, tear filled, angry when I see those awful abuse pictures that get passed around on Facebook.  I can not fathom why anyone would want to torture, abuse, or brutally kill an innocent creature with no understanding of why it is happening to them.  I can’t imagine the fear and confusion.
  • Grusel-Tour in Mexiko: Insel der Zombie-Puppen | Spiegel Online
    Ronny nimmt mir die Worte aus dem Mund. „Und weil wir gerade beim Thema sind: in Mexico gibt es eine Insel, auf der ein alter Mann mal damit begann, Spielzeug-Puppen in die Bäume zu hängen. Das tat er, weil vor dieser Insel einst ein Mädchen tödlich verunglückte und er ihren Geist wohlwollend stimmen wollte.“ Der Artikel selbst liest sich wie ein Drehbuch für den nächsten Horror-Klassiker: „Wie kleine Kinderleichen hängen Hunderte von Puppen an Baumstämmen aufgeknüpft. In den Wipfeln schaukeln sie an Leinen, die quer über die Insel gespannt sind. Manche sind wie Mumien in Spinnennetze eingewoben, einer Babypuppe krabbeln rote Käfer aus den Augenhöhlen heraus. Vielen fehlen Arme oder Beine, einige sehen wie Brandopfer aus: Die Sonne hat ihnen die Gesichter schwarz versengt, die Plastikhaut ist von der Hitze aufgeplatzt und wirft Blasen“ Jetzt mal eben nach Mexiko. Olé!
  • Interview: She Past Away | Otranto-Archive
    Auch mir sind sie aufgefallen. Eigentlich durch ein Kürzel hinter der Ankündigung auf der Seite des WGT. „TR“ sollte doch nicht wirklich bedeuten, dass es sich um eine türkische Band handelt? Gothic, oder besser gesagt Wave nachdem ich ihre Musik gehört hatte, passte für mich nicht mit der Türkei zusammen. Offensichtlich ein Fehler, Vorurteil und Kurzsichtigkeit. Schnell konnte ich mich für die Band begeistern und wollte mehr erfahren. Gut, dass es Karnstein (übrigens völlig losgelöst) ganz ähnlich erging und er bereits ein kleines Interview mit der Band führen konnte. Die wichtigste Frage wurde auch gleich geklärt: Worum geht es überhaupt in den Texten? „Grob gesagt geht es in unseren Texten um Geister, Ungewissheit, Nichtigkeit, religiösen und sozialen Druck und Ausbeutung. Wir versuchen aber nicht direkte Botschaften rüberzubringen sondern kritisieren mehr unsere Lebensumstände.“ Kleiner Hinweis: Auf ihrer Facebook-Seite gibt es alle Texte zum nachlesen.
  • Unwort des Jahres 2012 | Werturteilsfrei
    Die Spannung steigt. Dann die Enttäuschung. Dann Entsetzten gepaart mit Empörung. Tobikult war an der TU Darmstadt unterwegs um bei der Verkündung des Unworts dabei zu sein: „Da hat bei mir erst mal gar nichts geklingelt und so war ich neugierig auf die Begründung der Jury. Die hat das Wort angeblich von Jörg Kachelmann mehrfach gehört, der damit behauptete, dass Frauen, durch gezielte Falschaussagen, Männer hinter Gitter führen könnten. Die Jury findet, das Wort ******* stelle “in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.”  Die anderen beiden Unwörter ********** und ***********  finde ich viel relevanter. Sie drohen, in den alltäglichen Sprachgebrauch vieler Menschen Einzug zu halten, ohne dass eine kritische Überprüfung der Begriffe erfolgt.“ Die Auflösung gibt es nach dem Klick. Und eins sage ich euch: Der Blick in meinen Feed-Reader kommt manchmal einem *********** gleich, ständig nur Nachrichten über die ollen *************! So langsam wird es echt Zeit für meine ***************, die habe ich mir redlich verdient.
  • Kunst auf Israelisch | Everyday is Halloween
    Was braucht man, um in Israel künstlerisch tätig zu sein? Nun, einen Rucksack, ein paar Dosen Sprühfarbe und eine Bushaltestelle. Den Rucksack lässt man dort unbeaufsichtigt stehen, baut eine Kamera in sicherer Entfernung auf und wartet. Den Rest erledigen Jahrzehnte aus Angst, Schrecken und Terrorismus.

  • MDR-Feature über Steampunk | Clockworker
    Irgendwie ein dämlicher Titel der MDR-Sendung. „Aussenseiter Spitzenreiter“? Aber gut, darum soll es nicht gehen. Der MDR hat sich auf die Spuren des Steampunk begeben und besuchte steampunker.de zu Hause. Fazit: Nein, auch Steampunks sind nicht gefährlich. Blöd. Ist denn keine ehemaligen Subkultur mehr rebellisch, gefährlich und provokativ? Hach. Was waren das für Zeiten, als Leser fragte, ob sie vor „Gothics“ Angst haben mussten…

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Axel
Gast
Axel

Da fällt mir ein – es gibt noch eine Band, mit teil-türkischen Wurzeln: The Trial. Besser gesagt kommen deren Mitglieder aus Deutschland, Schweiz und der Türkei. Sind seit 1985 aktiv und sind auch irgendwo zwischen Wave und Alternative anzutreffen.

http://www.thetrial.de
https://www.last.fm/de/music/The+Trial

Werde ich wohl in DF-Ausgabe 25 interviewen. Wird bestimmt interessant.

Death Disco
Gast
Death Disco

Musik macht vor keiner Kultur halt, solange diese einigermaßen westlich geprägt ist.

Kennt jemand Hypo-Depression? Erste und offensichtlich einzige Death-Rock-Combo im Hawaii der 80er. Goth-Gitarren statt Lei-Blumenkränze.

Grabesmond
Gast
Grabesmond

Ach Robert, ich vermiss es auch irgendwie als andere Mitmenschen noch gefragt haben, ob man vor Gothics Angst haben muss. Aber nun sind wir nur mehr „hübsch, lustig oder witzig“ anzuschauen.

Und cool, dass du den Artikel über die Puppeninsel erwähnt hast, ich habe den erst vor ein paar Wochen gelesen und wenn ich im Herbst nach Mexico fliege, versuche ich dorthin einen Abstecher zu machen.

Irmin
Gast
Irmin

Langeweile? Ach, das gepflegte Nichtstun kann doch mal ganz gut tun. Auch wenn ich mich dann schon mal frage, was mit mir falsch läuft, wenn ich sogar zu faul zum Videospielen oder dergleichen bin und mich lieber von einer Serie berieseln lasse…

Deine beiden Artikel über „Goths“, selbsternannt oder nicht, sowie deine Kommentare dazu bestätigen mich einmal mehr in meiner Haltung, mich von meiner Seite aus möglichst gar nicht mit solchen Attributen zu schmücken (und das ist nicht nur auf „Goth“ beschränkt). Gar nicht mal so sehr, weil ich bloß nicht in eine Schublade gesteckt werden will und ja total individuell und so bin – ganz im Gegenteil, ich genieße es sogar, in Schubladen gesteckt zu werden und die Leute dann zu überraschen… ;) Nur sagst du es ja implizit selbst, so ein Attribut ohne weitere, tiefer gehende Erläuterung ist recht nichtssagend. Dann kann ich das in einer Selbstbeschreibung auch gleich weglassen (und jeder kann sich mit Informationen über meine Musikgeschmack, meine Hobbys und dergleichen selbst ein Bild machen). Zudem bin ich auch nicht so wirklich in der Szene drin (denke ich), als dass ich mich so bezeichnen wollen würde.

Die Puppeninsel klingt in der Tat sehenswert, nur nach Mexiko komme ich wohl nicht so bald…

„She Past Away“ ist vielleicht nicht gerade in eines meiner „Hauptgenres“ einzusortieren, aber „exotische“ Sprachen sind für mich immer ein gutes Argument, mir das mal anzuhören. Und das klingt in der Tat richtig gut. Schade nur, dass es das Album offenbar gerade nicht in physischer Form zu kaufen gibt.

Die Kunst auf israelisch ist wohl, wenn man den YouTube-Kommentaren glauben kann, mehr „virales Video auf israelisch“, aber trotzdem ganz witzig. An Bahnhöfen dürfte so etwas auch hierzulande funktionieren (okay, ob der Rucksack dann gleich gesprengt würde, sei mal dahingestellt) ;)