Historische Geschlechterrollen im Werbespot der 50er

Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?“ Das war die Rolle der Frau vor etwa 50 Jahren, Hausfrau sein, Kinder Haus und Herd hüten. Das war etwas selbstverständliches und formte die Meinung der Gesellschaft. Werbung ist ein Spiegel der Zeit, er zeigt für was man sich begeistert oder begeistern sollte und so wundert es nicht, das Dr. Oetker den Zeitgeist für sich aufgreift und in einem Werbespot das nachzeichnet, was man damals als perfekten Haushalt symbolisierte. Ende der 50er war Deutschland eine heile Welt. Die Schrecken des Krieges hatte man verdrängt, unterdrückt oder totgeschwiegen, niemand wollte mehr an die dunkle Vergangenheit erinnert werden. Man erfreute sich an der Tatsache des Wirtschaftswunders und baute sich seine eigene perfekte Familie.

Ein alter Werbespot für das Backtriebmittel Backin (Backpulver) zeigt überraschend witzig und eindrucksvoll wie man sich das damals so vorstellte mit der perfekten Familie. Heute, ja heute ist alles anders – nur das Backpulver ist seit 1893 unverändert.

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tobi
tobi (@guest_8439)
Vor 12 Jahre

ach, der werbefilm ist alt? ;)

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 12 Jahre

Der Werbespot der Ehrhard-Ära. Zumindest für den Teil, der vom Wirtschaftswunder eingebettet wurde. Die Seite, der dann später vom »Antifaschistischen Schutzwall« vorgeschwärmt wurde und der selbst nach Jahrzehnten noch vom großen roten Bruder sämtliche Technik deportiert wurde, kannte derartiges nur vom Hörensagen oder dem »Schwarzen Kanal«.
Denn dort war die Frau nicht nur Heimchen und Haushaltsangestellte, sondern, so wurde propagiert, neben dem Mann ebenfalls Werktätige zum Aufbau des Sozialismus. Und zu allem Übel wurden die wenigen Hausfrauen in der Zone dazu verdammt, ohne Dr.Oetker backen zu müssen ;)

Aber aus heutiger Sicht wirklich schön zu sehen, wie naiv-idyllisch damals das perfekte Eheglück funktionierte. Vor allem die Botschaft für die Frau, welche so ähnlich lautet wie: »Sei froh, überhaupt den Mann abbekommen zu haben und nun bediene ihn täglich, damit er es sich nicht anders überlegt« Alice Schwarzer hätte an einer solchen Werbebotschaft zur heutigen Zeit ihr helle Freude dran.
Wobei ich es immer wieder belustigend wie erschreckend finde, wie viele »Herren der Schöpfung« sich derartiges wieder wünschen. Und damit meine ich nicht nur die volksdeutschen Querdenker, denen beim Gedanken an die althergebrachte Frauenrolle eine Träne der Rührung emporsteigt. So las ich vor einiger Zeit in einem Blog diverse Artikel zu heutigen Werbebotschaften, die sich erdreisteten die Frau als höchst selbstbewusst darzustellen und in überspitzter Form sogar dem Manne überzuordnen. Und so echauffierte sich der Blogbetreiber darüber, dass in den Werbespots das Gottesgeschenk, der Abkömmling Adams, zum Schoßhündchen und Spielball der Frau degradiert wurde. Über 400 Jahre fortwährende Aufklärung und manche denken immer noch im Sinne des »Defectus Naturae«…

Ich persönlich halte nichts von einer Geschlechterrolle. Und erachte das Gedankengut des Chauvinismus als primitives Egomanengeschwätz. Wohlgemerkt der männliche wie weibliche Chauvinismus. Denn auch letzteres kann ebenso schmalgeistige Charakterzüge annehmen, dass sollte man einmal der Gerechtigkeit halber erwähnen. Einzig beim anatomischen/biologischen Unterschied bin ich Gegner der Gleichmacherei, da diese all zu oft wie eine »Auf-Teufel-komm-raus-Aktion« wirkt.

Noch einmal kurz zur Werbebotschaft:
»[…]Männer, die gern Süßes essen haben einen guten Charakter[…]«
Der polnische Serienmörder Leszek Pękalski ließ sich für seine Geständnisse mit Schokolade bezahlen. Und was Hitler die letzten Tage in seinem Bunker verstärkt zu essen pflegte wird bestimmt auch heute noch als Dr.Oetker Backmischung angeboten. Aber das nur am Rande.

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 12 Jahre

Man kann es, abgesehen von der im Werbespot thematisierten Degradierung, als harmonisches Ideal ansehen. Ein Bild, in dem die Familie noch nicht durch beidseitigen Leistungsdruck zermürbt wurde. Und Schlüsselkinder um Aufmerksamkeit betteln mussten.
Aber ich glaube, dass die Hausfrau heutzutage immer seltener wird. Denn zum einen ist der Übergang in diese Tätigkeit bei den meisten Paaren ohnehin sinnlos. Da man sich heute verstärkt zu der Nachwuchsverweigerung aus Karrieregründen bekennt. Und zum anderen wird es mit nur einem Gehalt etwas schwierig. In den 50´ern mag das anders gewesen sein. Das kann ich momentan nicht beurteilen. Aber es würde nicht gerade zu meinem Traum gehören, wenn man zu zweit nur von einem Standardgehalt leben würde. Außer natürlich es werden über 5.000€ monatlich herangekarrt…aber wer kann das schon von sich sagen.

Unter biologischen Aspekten vertrete ich die klassische Geschlechterrolle und übertrage es auch auf so manche Berufe. Natürlich ist es noch immer ein Armutszeugnis, dass Frauen in den gleichen Berufen, bei gleicher Arbeitsleistung weniger verdienen. Oder wenn Frauen auf Arbeit das Gleiche leisten müssen wie ihre testosteronangereicherten Kollegen, obwohl sich diese nach Feierabend nicht noch um den Haushalt kümmern (wollen oder müssen). Aber ebenso vermesse ist die Debatte, dass Frauen nun pauschal in allen Berufen rumspuken sollen und ich als Arbeitgeber Angst haben muss „Nein“ zu sagen. Jetzt einmal überspitzt gesagt. Aber wenn mir eine Gießerei, ein Stahlwerk oder ein Gerüstbauunternehmen gehören würde, ich würde weiblichen Bewerberinnen absagen. Zudem glaube ich nicht, dass die Frauen, welche für gleiche Chancen bei der Berufswahl demonstrieren, freiwillig in einer Umzugsfirma oder im Bergwerk arbeiten würden.
Genauso wird man ja schon als Chauvinist abgestempelt, wenn man offenkundig fragt, was die Mädels wohl geritten hat, die freiwillig zur Truppe der Erdkröten wollen. Nun gut, Karriere hinter dem Schreibtisch machen. Das wäre ja noch zu verstehen. Aber ich kann mir kein Mädel als Panzergrenadier oder Gebirgsjäger vorstellen. Schon allein aus Gründen des Körperbaues wegen. Denn trotz aller sozialer und gesellschaftlicher Gleichbehandlung, die noch zu wenig in so manchen Köpfen vorhanden ist, sollte man aber nicht vergessen, dass die Biologie sehr wohl zwischen Mann und Frau trennte. Und jene Unterschiede sehr wohl ihre Berechtigung haben. Oder ich irre mich und die Natur wird bald wegen Sexismus und Nötigung vor Gericht gestellt…aber dann wandere ich aus.

orphi
orphi(@orphi)
Editor
Vor 11 Jahre

@Robert
Und ich behaupte, dass man NICHT mit einem Gehalt auskommen kann. Zumindest dann nicht, wenn man – wie Guldhan schrieb – ein normales Durchschnittsgehalt hat. Auch nicht, wenn man dem Konsum auf ein Minimum beschränkt. Schon gar nicht, wenn man ein Kind hat. Du brauchst eine ausreichend große Wohnung in einem einigermaßen guten Wohnumfeld. Auch wenn du dir selber wenig gönnst, willst du deinem Kind zumindest nicht die wichtigsten Sachen verweigern, wie Klamotten in passender Größe, ordentliche Ernährung, kleine Wünsche, kleine Unternehmungen (vielleicht sogar mal das Meer zeigen?) usw. Hinzu kommen tausend andere Sachen, die du nicht bedenken/bezahlen musst, wenn du alleine bist. Vor der Umstellung auf den Euro erschien es – meinem Empfinden nach – noch einigermaßen möglich, mit einem Gehalt auszukommen. Heute ist das schier unmöglich – und es wird mit jedem Tag schlimmer/teurer.

Ich kann es absolut verstehen, wenn Paare aus finanziellen Gründen keine Kinder haben wollen. Mal abgesehen davon ist die „Karriere“ der Frau danach sowieso im Eimer, wenn sie nicht zufällig einen unbefristeten Arbeitsvertrag und einen toleranten Arbeitgeber hat (beides wird immer unwahrscheinlicher). Ja, es gibt Ausnahmen, aber trotz aller Illusionen tritt meist der Regelfall ein.

Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn wir zumindest dann zu den alten Rollenverteilungen zurückkehren KÖNNTEN, wenn wir es wollten. Den Kindern würde das gut tun. Sie brauchen die Mutter, wenn sie klein sind mehr als den Vater – auch das ist von der Natur so vorgegeben und davon weiche ich auch nicht ab. Später ändert sich das und der Vater wird ebenso wichtig – zeitweise sogar wichtiger. Aber Kleinkinder gehören zur Mutter. Und die ist nicht da, weil sie arbeiten MUSS.

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