Der kleine Nazi – Der Engel grüßt den lieben Gott

Die Geschenke sind verteilt, das Weihnachtsessen hat alle satt und zufrieden gemacht. Die ganze Familie sitzt zusammen, man redet angeregt und seufzt im Kollektiv, wenn Opa wieder anfängt von früher zu erzählen. Wie wenig sie zu essen hatten, wie kalt es gewesen ist und wie froh man war, wenn das Christkind einen Schokoriegel brachte. Der allgegenwärtige Krieg, die Angst vor der Gestapo, von den polternden Schritten der SS, die aus dem Nachbarhaus wieder eine jüdische Familie verschleppte. Als Oma anfängt zu weinen, werden die Kinder in Wohnzimmer geschickt oder gehen freiwillig, „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ ist spannender als die Geschichten der Großeltern.

Was passieren kann, wenn Vergangenheit verdrängt wird, zeigt der Kurzfilm „Der kleine Nazi“ von Petra Lüschow, der auf satirische Weise ein Weihnachten inszeniert, bei dem Verdrängung oder Beschönigung zur schallenden Ohrfeige wird. Wie lange haben wir noch Augenzeugen, die uns erzählen können wie es wirklich war? Warum gibt es nur gute Geschichten, in denen man half einen Juden zu verstecken oder zu befreien? Wo sind die Geschichten von falschen Idealen, von der Angst dagegen zu sein und von der Macht der Masse?

Lüschow verwendet die Satire um schmerzhafte Prozesse der Verdrängung leichter zugänglich zu machen, wie sie in einem Interview mit on3.de verriet. Ihr Kurzfilm überspitzt die Situation, geht aber gleichzeitig den Schritt, nicht nur den guten Seiten eine Plattform zu bieten, sondern vor allem für die schlechten Seiten der Vergangenheit die Sinne zu öffnen. Dem Blog des San Francisco Jewish Film Festival beschreibt sie ihre Inspiration zu dem Kurzfilm:  „I think a lot of the children and grandchildren of the followers and perpetrators of the Nazi regime are still struggling with the emotional heritage and emotional responsibility. They can’t see why they should feel responsible for something former generations have done. They want to be good, they don’t know why they feel guilty or ashamed. This can be followed by new rejection and enmeshment, sometimes new resentment. Many of my generation and even younger people tend to make up stories about their grandparents in which they appear as people who were against Hitler, who helped Jewish people and other people persecuted by the Nazis.

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Auf bizarre Art und Weise lässt sich der Film auch auf das gewünschte Verbot der NPD spiegeln. Verbieten was stört und verdrängen was schmerzt, anstatt Beweggründe zu erfahren um sie zum Anlass zu nehmen, es besser zu machen. Gute Kunst provoziert Reaktionen und sollte zum Nachdenken anregen, vor allem dann, wenn der Künstler seine Intention beschreibt: „Ein sehr deutsches Thema, und die Reaktionen auf den Film fallen sehr unterschiedlich und, wie Lüschow selbst sagt, sehr lustig aus. „Es geht um den Umgang der Nachfolgegenerationen mit dem Thema“, sagt sie. „Die Geschichte hat einen ernsten Hintergrund. Die Leute haben auf den Film mit Erleichterung und Öffnung reagiert, und viele haben angefangen, eigene Geschichten zu dem Thema zu erzählen. Über Scham und Schuld.“ („Sie kann gut reden„, Porträt der Regisseurin und Autorin Petra Lüschow in der TAZ vom 17.11.2010)

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Cargo
Cargo (@guest_16741)
Vor 10 Jahre

Der Film zeigt natürlich auch, dass Antisemitismus unterschwellig in der Gesellschaft vorhanden ist. Der Vater sagt anfangs über Freund der Tochter, „außerdem ist er auch noch behindert oder so“. Die Stelle wo sie ihn erwischt fand ich eigentlich am besten in diesem Film.

Marcus
Marcus (@guest_16742)
Vor 10 Jahre

@Cargo: Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass es einen unterschwelligen Antisemitismus in der Gesellschaft gibt. Hast Du diesbezüglich irgendwelche Erfahrungen gemacht? Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Film dies ausdrücken wollte. Ich sehe hier eher ganz allgemein Berührungsängste und Skepsis gegenüber allem Fremden.

@Robert: Danke für diesen Film. Ich finde es schade, dass Kurzfilmen im Programm der Fernsehsender kaum Platz eingeräumt wird und man viele dieser kleinen Kunstwerke nur zufällig zu sehen bekommt. Aber auch im Kino bekommt man diese einzig auf Filmfestivals zu sehen. Warum werden Kurzfilme eigentlich nicht ganz allgemein als Vorfilme gezeigt? Würde das einen Kinobesuch nicht aufwerten?

Death Disco
Death Disco (@guest_16744)
Vor 10 Jahre

Ich habe eigent­lich nicht den Ein­druck, dass es einen unter­schwel­li­gen Anti­se­mi­tis­mus in der Gesell­schaft gibt.

Stimmt, die Abneigung richtet sich nämlich gegen alles Fremdartige. Fremdartige, denen man das Fremde auch ansieht. Du würdest Bauklötzer staunen, wärst du in meiner Wohngegend zu Besuch. Sogar Polen, die selbst nur zugezogen, aber sesshaft geworden sind, lästern hier ganz offen über Schwarze oder Leute, die ihnen äußerlich türkisch erscheinen (Marrokaner, Kurden etc.).

Auffällig ist dabei natürlich das Alter: ab 40 aufwärts. Ob nun der nette, besser verdienende Herr im Anzug oder der bierbäuchige Rentner, der immer in Unterhemd und Jogging-Hose vorm Haus spazieren geht – das nimmt sich nix. Die mögen aus unterschiedlichen Schichten stammen – aber wenn es um Fremde geht, denken sie alle gleich.

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 10 Jahre

Der Film zeigt natürlich auch, dass Antisemitismus unterschwellig in der Gesellschaft vorhanden ist.

Dieses derart zu unterstellen halte ich auch für vermessen. Man sollte der deutschen Gesellschaft schon zu gute halten, dass diese im Allgemeinen über solche braunen Betonköpfe oder Verschwörungstheorie-Verwirrte schmunzelt, wenn besagte wieder einmal die Phrasen einer jüdischen Weltmanipulation absondern.

Zudem benötigt die Gesellschaft auch keinen Antisemitismus mehr, um ihre Verachtung bzw. Skepsis gassi-führen zu können. Das Judentum hat als Sündenbock und Opferlamm ausgedient und darf sich nun auf der Ersatzbank ausruhen und ein wenig das Treiben der jungen Nachfolger beobachten. Wie hier schon erwähnt, lässt man sich zur Skepsis bzw. zu Berührungsängsten mit allem Fremden gleichermaßen hinreißen.
Doch da muss man in Deutschland nicht allzu stolz drauf sein, oder jene Mentalität zum Patent anmelden. Das ist einfach allzu menschlich und man muss sich nur umschauen. Die Schweiz, Italien, Skandinavien oder USA…egal wo, Fremdenfeindlichkeit bildet einen Standard in der westlichen Welt. Allein Tradition und Religion vermag dieses in anderen Regionen zu brechen, zumindest oberflächlich.

Davon mal abgesehen verachtet der Tarifarbeiter unterschwellig den Niedriglohnsklaven. Der Niedriglohnarbeiter »lobt« den Hartz-4-Schmarotzer, auch wenn dieses recht offensichtlich geschied. Und der noch willige ALG-II-Bezieher besitzt den Staat und den Arbeitsmarkt als Feindbild. Und alle zusammen hegen und pflegen die Ausländerfeindlichkeit. Wodurch auch der Gutmensch die Intoleranz attackiert und umgekehrt. Sowie im Osten noch immer der kapitalistisch versnobte Wessi und im Westen noch immer der arbeitsfaule hinterwäldlerische Ossi eine gute Basis für Pauschalverachtung bietet. Wer bitte benötigt dann noch den Antisemitismus als Relikt vergangener Zeit, wenn man doch Argumentativ im 21ten Jahrhundert angekommen ist.

Der Vater sagt anfangs über Freund der Tochter, »außerdem ist er auch noch behindert oder so«. Die Stelle wo sie ihn erwischt fand ich eigentlich am besten in diesem Film.

Diese Szene war durchaus raffiniert gemacht und ich muss sagen, dass diese nicht nur die beste ist, sondern die einzig wirklich gute. Alles Nachfolgende ist zu überdreht. Natürlich soll es eine Überspitzung darstellen, aber es wirkt auf mich zu künstlich, zu gestellt und damit zu surreal steril. Vor allem jene Albernheit mit der Faustfeuerwaffe. Die Botschaft hätte für mich im gesetzten, weiterhin unterschwelligen Ton (wie eben jenes »auch«) besser funktioniert.

Auch wenn ich dem Inhalt eher gelassen gegenüberstehe. Mich beispielsweise interessiert eine solche Vergangenheitsaufbereitung nicht. Zumindest nicht persönlich familiär. Da nun einmal nur ich als Individuum meine Taten zu verantworten habe und nicht den Schatten oder das Licht meiner Ahnen weiter trage. Zwar höre ich zu, aber ich frage nicht nach.
Viele Oberhäupter von Staat und Religion, egal ob hier oder anderswo, hatten Anteil an der Vertuschung so mancher Verbrechen und Anteil an neuer Identität so mancher Fadenzieher. Da lasse ich mir nicht ankreiden, dass es mich nicht interessiert, wie oft in meiner Familie damals die Fahne gehisst worden war. Im Grunde nützt es ohnehin keinem mehr. Weder dem damaligen Leid, noch dem Blut, noch dem Tod.

Was nicht heißen soll, dass es nicht weiterhin sachliches Thema an den Schulen bleiben soll. Doch einzig und allein dort gehört es noch hin, in den Unterricht und in die Ausstellung. Es gehört nicht mehr in mein persönliches Schuldbewusstsein. Sondern nur noch in die Verantwortung, aus jener Geschichte der Weltgeschichte seine Lehre gezogen zu haben. Dass viele daraus allerdings nur die geistige Leere ziehen, würde auch mein schlechtes Gewissen und meine Vergangenheitsaufbereitung nicht wettmachen.

lästern hier ganz offen über Schwarze oder Leute, die ihnen äußerlich türkisch erscheinen (Marrokaner, Kurden etc.)

Wie ich letztens erfuhr, fällt sogar der Cubaner unter jenes Beuteschema. Und wenn dem so ist, dann sollten sich auch lieber schon Portugiesen oder Brasilianer ein »Nicht türkisch« auf die Stirn kleben, um einer unerfreulichen Verwechslung zu entgehen. Es geht eben nichts über ein einfaches Weltbild: Dunkler Teint, dunkle Haare, dunkle Augen und dennoch im Phänotyp irgendwie europäisch = Türke.

Wo sind die Geschichten von falschen Idealen, von der Angst dagegen zu sein und von der Macht der Masse?

Sie sind dort, wo sie hingehören. Bei den interessierten und nicht bei den gleichgültigen Zuhörern. Und die interessierten tratschen es zumeist nicht weiter. Die damalige Zeit war ohnehin zu abstrakt für unser heutiges Weltbild. Wir sind von der heutigen Zeit anders geprägt. Zu anders, als dass wir uns erdreisten könnten, zu glauben, uns in das Damals hineinversetzen zu können.

Vielleicht fehlen die Geschichten auch deshalb, weil man sie nie losgelöst erzählen kann. Es gibt kein reines Gut, kein reines Böse. Beides ist in den Leben und den Geschichten eingewoben. Und jenachdem was man hören will, oder besser gesagt: wie man es hören will, überwiegt das eine oder das andere.
Zudem wurde vielen auch nicht ruhig zugehört. Wie oft schon wurde nur darauf gelauert, dem anderen endlich eine Vorwurf entgegen werfen zu können. Wegen Verrat, Feigheit, Mitläuferschaft oder Ideallosigkeit. Doch wieviel Ideal braucht man, um bei der Wahl zwischen Überzeugung und Todesurteil das letzteres zu bevorzugen. Für diese Entscheidung wäre ich in meiner Überzeugung plötzlich recht flexibel, das gebe ich zu.
Ich vermag es auch nicht zu sagen, welche Rolle ich damals gespielt hätte. Aber ich hüte mich, mit inbrünstiger Überzeugung ein: »Natürlich wäre ich dagegen gewesen und hätte aufbegehrt.« in den Raum zu schmettern. Weiß man es? Nein. Man kann es nicht. Aber man entehrt mit jener halsbrecherischen Behauptung alljene postum, die aufgrund von Richtigkeit und Konsequenz ihrer Ideale nicht nur theoretisch den Tod gefunden hatten.

Wie gut die Maschinerie einer Staatspropaganda funktioniert, wenn man als Kind schon ein Teil davon ist, erfuhr ich in meinem ehemaligen Heimatland. Und jene Propaganda zog bei uns noch nicht einmal durch die Wohnung, ganz im Gegenteil. Aber dennoch, rückblickend plapperte ich in ehrlicher Überzeugung Phrase durch die Schulklasse, ich hegte Gedanken und pflegte Pseudowissen über sogenannte geschichtliche Fakten, die aus heutiger Sicht schon nicht mal mehr parallel zur Wirklichkeit gelegt worden waren. Natürlich war ich damals noch klein, formbar und blöde im Schädel…heutzutage ließ zumindest das »formbar« nach. Vielleicht hätte ich dann auch als Halbstarker revoltiert. Aber eben nur vielleicht. Kein weiß um seine Charakterzüge in kaum denkbaren Situationen.

Was ich damit sagen will ist, dass ein »Damals waren ja alle dabei« den Vorwurf im Unterton streichen sollte. Es gibt immer ein Warum, fern von Gleichgültigkeit gegenüber bzw. Sympathie mit dem System. Denn wie sehr darf jemand kritisiert werden, der mitmachte, nur um zu schützen? Und sei es nur sein eigenes Leben.
Davon mal abgesehen sind auch Ethik und Moral sehr relativ…sei es Medizin, sei es Staate, sei es Religion, sei es Gesellschaft.

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 10 Jahre

Die Ausländer sind an allem Schuld.« — klingt einfach, griffig und wirkt auf den ein oder anderen sicher logisch.

In der Tat. Ich vertrete die Ansicht, dass im menschlichen Sozialgefüge ein »Wir gegen« noch immer leichter zu erreichen ist, als ein »Wir für« Und noch einfacher erreicht man den Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft mit dem Aufbau eines »gegen uns« Am besten mit einem greifbaren und argumentativ konstruierten »Die gegen uns«

Hat man mit dieser These erst einmal ein solides Rudel um sich geschart und bilden sich innerhalb jener formellen Gruppe schon formale Züge, so kann anschließend begonnen werden, das gewünschte »Wir gegen die«-Gefühl zu injizieren. Ich schätze, so entsteht so ziemlich jeder politisch-orientierte Radikalismus.

Man appelliert an die niedrigen Instinkte und urzeitlich geprägte Wesenszüge und kann damit recht guten Erfolg für sich verbuchen. Zumindest bei denen, die das zulassen und kaum Zeit oder Potenzial für Hinterfragungen besitzen. Denn nicht jeder, der fern von geregeltem Erwerb steht und die deutsche Kulturgeschichte für eine werte Sache hält, wählt automatisch NPD.
Zum Glück sehen viele den Aspekt noch differenzierter und geben sich zumindest Mühe, die Schuldfrage ihrer Situation objektiv zu bewerten bzw. den Lauf der Dinge zu analysieren. Denn geschätzter Maßen ist alles nur ein Zahnrad des ganzen gesellschafts-politischen Apparates. Und nur der kleine Geist glaubt, dass beim Entfernen eines solchen Rades die Maschine besser läuft. Anstatt zu begreifen, dass diese dann erst recht aus dem Takt zu geraten droht.

Gehöre sie wirklich dahin? Sollte es nicht unsere Pflicht sein, Erkenntnisse zu teilen und erlogene Ideale aufzudecken? Und wenn Zuhörer sich gegen das Zuhören wehren, kann das auch an einer falsche Sprache liegen.

Es gibt so viele Rechte und Pflichten, wie man mit dem Thema umgehen sollte. Doch diese werden kaum wahrgenommen.

Dass es an der falschen Sprache liegt, möchte ich bezweifeln. Denn innerhalb der nunmehr über 60 Jahre, übertrieben gesagt: fast schon 70 Jahre, wurden so viele Worte in so vielen Sprachen gebraucht, dass es wohl jeder verstanden hat. Der es zumindest verstehen will und sei dieses auch nur unbewusst gewesen.
Wurde man natürlich vom Elternhaus oder aufgrund sonstiger Prägung zur Taub-Blindheit geformt, kann man noch so viele andere Sprachen erdenken, diese werden nicht funktionieren…

Die wirkliche braune Bande ist dahingehend sprachresistent und wird es auch immer bleiben. Diese haben ihren eigenen Soziolekt, den kein anderer sprechen möchte und in dessen Vokabular auch keine der notwendigen Sinnbilder vertreten sind.
Man muss sich nur einmal anschauen, wie vollmundig die selbst heute noch Thesen vertreten und Phrasen absondern, die schon 1940 so mancher nicht glaubte und als hohlen Populismus entlarvte.

Wenn sich die gesinnungsneutralen Zuhörer gegen das Zuhören wehren, kann es aber auch an einer Übersättigung liegen.
Die heutige Generation, die in der Schule heranwächst, hat nun wirklich nichts mehr mit dem Kriegsgeschehen zu tun. Die einen besitzen Eltern, die zu der Zeit noch nicht in Deutschland lebten und die anderen nahmen nicht einmal die Mauer, als letztes massives Sinnbild der Kriegsfolge, wahr.
Für diese ist der 2te Weltkrieg ebenso abstrakt wie die Schlacht im Teutoburger Wald. Aber von aller Seite wird ihnen in subjektiver Überheblichkeit eingeimpft, dass sie noch immer eine moralische Verantwortung aufrechterhalten müssen.
Eine Verantwortung wofür bzw. weswegen? Weil die Oma oder Uroma, die man nur von alten Fotos her kennt beim BDM gewesen war. Und dieses Wofür oder Weswegen kann man nicht näher bringen, wenn man verstärkt mit der Thematik bombardiert. Damit zerstört man nur den Acker einer Einsicht und wird höchstens noch Trotz ernten.
Die Interessierten haben genügen Quellen der Geschichte oder Kultur, um sich weiter zu informieren. Und bei allen anderen läuft man nicht Gefahr, dass eine Desensibilisierung eintritt.

Dieses Thema gehört in die Objektivität der Geschichte. Schließlich kommt heute jeder klar denkende Mensch auch nicht mehr auf den Gedanken, einen Kreuzzug ins heilige Land zu organisieren. Obwohl kein öffentliches Drama mehr um das Thema gemacht wird. Und man beschimpft auch nicht mehr jeden als Deutschritter des christlichen Schlachtrufs oder fordert von den Maltesern wie Johannitern noch immer die Teilschuld ein.
Nationale Verbrechen innerhalb der Geschichte sollten schon eine Gleichbehandlung erfahren und dürfen nicht ewig nach dahingehender Qualität bewertet werden.

Als Fazit. Wer mit diesem Thema eine geistige Sättigung anstrebt, und dieses geschieht aufgrund der Intensität, provoziert Gleichgültigkeit und Trotz. Und damit schafft man erst recht den Nährboden für Leugner und der Zucht damaliger Ideale und des damaligen Weltbildes.

Für mich gelten das Recht und allmählich auch die Pflicht, mit dem Thema, und allen argumentativen Zweigen, neutral umzugehen. Doch ich sehe innerhalb der Gesellschaft noch immer keine Chance dazu. Wann immer dahingehende Worte fallen, wird sich in Extremen verloren. Werden Emotionen, Verlegenheit, Scham und Schande mit eingestreut. Oder es wird einseitig debattiert, bis hin zu redikaler Verklärung.
Man ist zu sehr damit beschäftigt, seine eigene Funktion innerhalb des nationalen Schuldbewusstseins zu be- bzw. überdenken, dass man übersieht, wie von Außerhalb die Mittäterschaft vom Opa der vom Krieg erzählt ganz gemütlich auf den Enkel übertragen wird, der einfach nur zuhört.
Somit werden wohl noch weitere Generationen unter diesem Damoklesschwert sitzen dürfen. Man ist abgestempelt und wehrt man sich dagegen, so kläfft einen der Gutmensch ein »Scheiß Nazi!« entgegen. Aber das nur am Rande.

Christian Alexander Tietgen
Christian Alexander Tietgen (@guest_16888)
Vor 9 Jahre

Eigentlich ist es ja auch nichts Schlechtes, wenn die Leute heute versuchen, alles anders zu machen als zur Nazizeit. Letztendlich versuchen sie aber nur, auf keinen Fall nationalistisch zu wirken und sich von augenscheinlichen „Nazis“ abzugrenzen. Statt gegen Juden richtet sich der Hass heute gegen Muslime. Viel geändert hat sich also nur oberflächlich betrachtet.

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