Bloodlust – Vampire als Sex-Objekt

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Es wurde gewählt. Sämtliche Medien sind gefüllt mit Wahlanalysen und Vorhersagen, Kommentaren und Artikel. Auf der Suche nach ein bisschen Ablenkung bin ich über den aktuellen amerikanischen Playboy gestolpert, wer jetzt an das denkt, an was ich denken würde, wenn ich das hier lesen täte, ist ein schlimmer Schelm. Anyway, zurück zum Playboy. Bloodlust! Why the Undead are Hot again heißt es da auf dem Titel des Hochglanzmagazins.

Der Playboy geht der durchaus interessanten Frage nach, was Vampire so aufregend macht. Ist es die Faszination des Toten oder dem Stadium zwischen beiden Welten? Vampire sind ja eigentlich Untote, Abraham „Bram“ StokersRoman Dracula hieß im Original des 19. Jahrhunderts The Un-Dead, heute würde man sie wohl Zombies nennen. Es sind vielleicht auch die übermenschlichen Kräfte, die einem Vampir zugeschrieben werden, übermenschliche Kräfte, Verwandlungskunst und Telepathie um nur einige zu nennen. Superman war ja auch schon ein Frauenschwarm, warum also nicht auch Dracula?

Frauen wird es enttäuschen, denn Vampire gelten als Seelenlose Wesen und das ist dann doch der Kern der eigentlichen Sache, der Sache mit der Liebe. Die Romantik gebietet, das nur Wesen mit Seele wirklich lieben können. Aber merke: Lust und Begierde hat nicht immer etwas mit Liebe zu tun. Es sind auch die äußeren Werte, die attraktiv und aufregend machen. Die ersten Vampire wurden meist als englische Adlige beschrieben1. Sie lebten ein Leben in Reichtum uns Schönheit, in Dekadenz und Überfluss alles das, wovon Frauen immer geträumt haben und das was auch Gothics, insbesondere Schwarz-Romantiker bis heute fasziniert.

Klingt jetzt alles nach eine Männer-Domäne, ist aber nicht so. Countess Mircalla Karnstein2 ist 1872 der erste weibliche Roman-Vampir, in dem sie aber als lesbisch beschrieben wird. Kurios. Als Abraham Stoker seinen Bestseller Dracula im Jahre 1897 veröffentlicht, mischt er all diese Zutaten zu dem bis heute bekannten Meisterwerk. The Bookman rezensiert : „A summary of the book would shock and disgust; but we must own that, though here and there in the course of the Tale we hurried over things with repulsion, we read nearly the whole thing with rapt attention.3 Die Faszination mit dem Lesen nicht aufhören zu können, obwohl es auf den ersten Blick und mit ethischem Sachverstand abstoßend und widerlich erscheint gepaart mit dem Wunsch mit den Protagonisten zu tauschen, wenigstens temporär.

playboy bitesIn der Folgezeit der Geschichte wird das Bild des Vampirs immer weiter verfeinert. Für Sie und Ihn. Während SIE immer vom Vampirmeister als solches fasziniert ist und sich genau wie Lucy Westenra im Mondlicht dem Blutdurst Dracula’s hingeben möchte, möchte ER am liebsten nochmal mit den 3 weiblichen Vampiren in den Ring steigen, die Jonathan Harker schon so gekonnt bearbeiteten. Die Verfilmungen der jüngsten Vergangenheit haben also nicht umsonst eine große Portion Erotik mit an Bord. Die Bösen sind zwar böse, aber dafür aufregend, anrüchig, erotisch und mysteriös und verwandeln sich nur im Ernstfall in etwas häßliches. Als letzte Entwicklung sind die Guten Vampire anzusehen, die bei Blade oder auch in der Serie Buffy zu sehen sind, offenbar um auch den letzten für die Vampire zu begeistern. Der Playboy resümiert:

It’s not suprising, then, that vampires have captured the attention of some as love Objects. The Once monstrous creature has been transformed in books and film into one with great possibilities as the ideal partner. Truly, for the vampire Lover, Love sucks.

Ja so kann man das sehen. Mit wäre ein Vampir als Partner viel zu anstrengend, es reicht mir völlig eine gute Vampirgeschichte aufzuschlagen oder einzuschalten um mich in der viktorianischen Schönheit und Ästhetik zu verlieren. Bei Kerzenschein, Räucherstäbchen und einer großen Tasse heißem Tee.

(Bildquellen: Playboy USA)

Einzelnachweise

  1. Siehe: John Polidori, The Vampyre, 1819 und James Malcom Rymer, Varney the Vampyre, 1874[]
  2. Aus Joseph Sheridan Le Fanu’s Vampirgeschichte Carmilla[]
  3. Aus dem Buch: Hollywood Gothic, The tangled Web of Dracula from Novel to stage to screen von David J. Skal[]
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Karnstein
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Hey, genau mein Thema… ^^

Vorweg ein paar kleinere Kritiken:
Es stimmt zwar, dass Stoker seinen Roman lange Zeit „The Un-Dead“ nannte (vorher „The Dead Un-Dead“), aber publiziert wurde das Buch bereits als „Dracula“, es war meines Wissens nie unter anderem Namen erhältlich.
Und der afro-karibische Zombie hat natürlich einiges gemeinsam mit dem ursprünglichen Volksmythos des Vampirs, aber durch Polidoris „The Vampyre“ (1819), LeFanus „Carmilla“ (1872) und ähnliche Verarbeitungen in der Gothic-Literatur des 19. Jahrhunderts hatte sich doch zu Stokers Zeiten schon eine gewisse morbide Erotik als festes Element der Vampir-Literatur etabliert. Das schreibst du ja im Prinzip schon selbst, aber genau deshalb würde ich Dracula nicht mit einem Zombie gleichsetzen wollen.
Desweiteren würde ich die Sache mit dem Fehlen der Seele auch nur bedingt unterschreiben wollen. Wer Carmillas (bzw. Mircallas) homoerotische Annäherungsversuche an die Hauptprotagonistin liest, der wird zugeben müssen, dass sie nur so strotz vor liebevoller, romantischer Hingabe.

Auffallend an „Dracula“ ist jedoch, dass der Vampirismus nur in der mystischen, altmodischen Fremde mit Erotik verknüpft ist (besonders als Draculas Bräute Harker bearbeiten, aber auch später als Van Helsing sie pfält), während in der steifen, viktorianischen Heimat der Protagonisten im Gegenteil eine klinische, völlig unerotische Sterilität vorherrscht, obwohl die gleichen Symbole von Penetration, Leben und Tod verwendet werden.

Wenn man dann bedenkt, dass Polidoris Lord Ruthven vor allem auf Reisen in Italien und Griechenland aktiv ist, LeFanus Mircalla Karnstein in einem zauberhaften Wald Österreichs (wie auch „Count Wampyr“ in Stokers frühen Entwürfen), während doch die Hauptprotagonisten immer Engländer sind …
dann fragt man sich schon, ob die prüde viktorianische Gesellschaft hier nicht einfach ihre eigene unterdrückte Sexualität auf das verheißungsvolle Unbekannte projiziert hat.

Was bleibt ist so oder so eine Figur, die sich immer am Rande von Tod und Liebe/Erotik bewegt; in einem Graubereich zwischen der absoluten Erfüllung und Vernichtung.
Kein Wunder also, dass Vampire bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.

Orphi Eulenforst
Editor

Ich kann mit den alten Vampiren absolut nichts anfangen. Nosferatu geht gar nicht und auch die alten Verfilmungen von Dracula mit Bela Lugosi oder Christopher Lee sind mir in der Tat eine Spur zu seelenlos. Die von Anne Rice gezeichneten Vampire oder die Neuverfilmung „Bram Stoker’s Dracula“ haben da schon eine ganz andere Atmosphäre. Meine Favoriten sind und blieben diese beiden:

Ist mir auch völlig egal, ob die eine Seele haben. ;-)