Oh my Goth, wie die Zeit vergeht. Ist es wirklich schon 13 Jahre her, dass ich das letzte Mal hier war? Ich fürchte schon. Das erste Mal war ich 2007 beim M’era Luna. Ein Freund hatte mich mitgenommen, relativ spontan und relativ zufällig. Er war schon ein paar Male dort gewesen und meinte, dass es echt klasse wäre. Ich hatte damals noch etwas Angst, weil ich es nicht besonders gut vertrug, wenn derart viele Leute um mich herum waren – so eine Form von Platzangst. Aber er hatte recht: die Menschen hier waren anders. Entspannt und unglaublich freundlich.
Schon als wir in die Nähe des Flughafens in Hildesheim fuhren, kam ein Gefühl des Nachhausekommens auf. Obwohl ich nie zuvor hier gewesen war. Aber allein der Anblick der vielen Schwarzgewandeten, ließ mein Herz höher schlagen. Hier waren sie überall. Liefen meist zu zweit oder in kleineren Grüppchen über das Gelände. Es gab kein Gedränge vor den Bühnen, die Gothics gingen achtsam miteinander um und zeigten sich offen und herzlich. Unangenehme Begegnungen habe ich weder selbst erlebt noch beobachtet. Danach war ich noch oft wiedergekommen und es war immer ein Gefühl, wieder zuhause zu sein. Das M’era Luna wird also immer einen Platz in meiner Schwarzen Seele haben.
Mera Luna 2026: Hitze, Staub und eine Menge Menschen
Aber was ist nach fast 20 Jahren noch von dieser unbeschreiblichen Atmosphäre übrig geblieben? Jetzt schreiben wir das Jahr 2026. Schon im Vorwege wurde angekündigt, dass dieses Wochenende besonders heiß werden würde. Und die Meteorologen sollten recht behalten. Nur, dass es noch heißer wurde, als zuvor prognostiziert. Es war das heißeste, trockenste und staubigste Festival, das ich je erlebt habe. Sicherlich waren meine Frau und ich nicht die einzigen, die glücklich darüber waren, dass die Veranstalter an verschiedenen Orten kostenlose Trinkwasserstellen aufgebaut hatten, die auch massenhaft frequentiert wurden.
Die Hitze war aber nicht das Einzige, was anders war. Auf mich wirkte das Festival viel voller als in den Jahren zuvor. Sooo viele Menschen! Auch wenn es alles Gothics waren und die Farbe schwarz dominierte, haute mich diese Masse um. Am ersten Tag, Freitag, überforderte mich das extrem. Ich bekam Fluchtgedanken. Das war doch nicht mehr mein Festival!?!?
Das M’era Luna hat 2000 seine Premiere gefeiert und hat dann (außer in den Corona-Jahren 2020 und 2021) jedes Jahr stattgefunden. Ungefähr 22.000 – 25.000 Feierwütige haben sich jeweils dort eingefunden, um ihre Lieblingsbands abzufeiern. Wie auch immer das möglich ist, mir kam es jedes Mal so vor, als ob dort deutlich mehr Menschen auf dem Platz waren. Dieses Mal wirkte die Menge an Schwarzgewandeten auf mich gigantisch.
Am Freitag haben wir uns dann auch nur unsere Bändchen geholt, Christian von Asters Lesung angeschaut, das Gelände ein bisschen abgelaufen und einen Burrito gegessen. Die Lesung hat, wie immer bei Christian, enorm viel Spaß gemacht. Der Saal war voll und die Zuschauer richtig gut drauf. Außerdem liebe ich Christians schwarzen, sarkastischen Humor.
Der Samstag startete für uns mit einem ein privaten Schock. Unser Auto wollte nicht so, wie wir. Nachdem wir überprüft hatten, dass es nicht an unserer eigenen Blödheit lag, mussten wir schließlich die gelben Engel rufen. (WERBUNG an:) Der ADAC kam und hat superfreundlich, schnell und kompetent geholfen. Da ist man schon dankbar, wenn einem so etwas passiert (WERBUNG aus). Wir sollten beim Festival allerdings nicht die Einzigen mit einer Autopanne bleiben … Shit Happens.
Trotz der Vorkommnisse und meinem „Respekt“ vor den Menschenmengen, fühlte es sich wieder „familiär“ an – wenn man das bei dieser Masse an Leuten sagen kann. Wieder tauchten wir nach Jahren der M’era Luna-Abstinenz in diese wunderbare Schwarze Welt ein. Auch wenn es mir viel voller schien als bei den anderen M’era Luna Festivals, waren die Menschen hier wieder so … lieb. Lieb? Ja, mir fällt kein besseres Wort dafür ein. Und mit den „lieben“ Leuten meine ich alle. Die Gothics (klar) und die Ordner, die Caterer, die Bändchenausgeber und die Verkäufer (alles auch mit *innen), wirklich alle! Und das bei 27 Grad im Schatten (und schattige Plätzchen gab es nur wenige) am Samstag und trockenen, überwiegend sonnigen 33 Grad am Sonntag. Alle gaben sich Mühe aufeinander zu achten und es wurde auch ein Hilfepasswort ausgegeben, welches man nur zu nennen brauchte, um Hilfe zu bekommen. Und das galt für alle Überforderungen, die man spürte. Das Wort war dieses Jahr „Panama“.
Das Feierverhalten auf dem Campingplatz, durch den man gehen muss, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen, scheint sich verändert zu haben. Alle paar Meter gab es selbsternannte DJs, die Musik auflegten und eigenen Tanzflächen bedienten, Zelte wurden zu Burgen zusammengeschlossen und mit Lichterketten und anderem Zierrat, teilweise recht aufwändig geschmückt. Hinzu kamen viele Schilder mit lustigen Botschaften, Skelette in allen Farben und Formen und aufblasbare Einhörner, Gummipuppen etc.
Alles in Allem wirkte es auf mich ähnlich wie auf gewöhnlichen Rock Festivals der „bunten“ Feiernden, wie dem Hurricane Festival oder bei Rock am Ring.
Mera Luna 2026: Musikalische Gänsehautmomente
Für mich gab es natürlich neben der Stimmung auch ein paar musikalische Highlights. Erinnerungen, die man nicht so schnell, oder vielleicht auch nie, vergessen wird.
Am Samstag waren das für mich In Extremo, die ich vorher noch nicht live gesehen hatte. Sänger Michael Robert Rhein und seine Band gaben wirklich alles. Die Show knallte im buchstäblichen Sinne rein. Es gab einiges an Pyrotechnik zu sehen und zu hören. Es knallte und brannte an allen Ecken. Glücklicherweise hatten sich die Temperaturen zum Abend hin deutlich abgesenkt. Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken, als bei dem Lied „Feine Seele“, welches der Sänger allen kürzlich Verstorbenen widmete, tausende Handys und Feuerzeuge aufleuchteten. Sie verwandelten den Platz vor der Bühne in ein Meer aus tausenden von Sternen.
Den Song bewältigte der Sänger Michael aber nicht allein. Er bekam Unterstützung von Oliver SaTyr, der auch bei der Acoustic Tour von In Extremo mit von der Partie sein wird. Oliver spielte bei dem Lied die Nyckelharpa oder Schlüsselfiedel.
Am Sonntag habe ich mich sehr darüber gefreut, dass Lacrimosa wieder mit Anne Nurmi zusammen aufgetreten sind (sie war schwer erkrankt und konnte bei der letzten Tour nicht dabei sein). Natürlich feierten die Fans die Düster-Metaller ab, wovon Tilo Wolf und Anne Nurmi sichtlich ergriffen waren.
Ach, es gab noch so viel mehr, was ich hier erleben durfte, aber ich gerate ins Schwafeln. Auf jeden Fall sind meine Frau und ich beseelt nach dem Festival nach Hause zurückgefahren. Mit einem bisschen Wehmut im Herzen. Wir werden die vielen schönen schwarzen Seelen vermissen. Aber es wird ein Wiedersehen geben – wieder hier oder an anderen Orten. Das ist ein kleiner Trost.
Welche Festivals oder Konzerte habt Ihr diesen Sommer besucht? Was hat Euch besonders gut gefallen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.
Herzlichst, Euer Gruftlord


