Tod Brownings Freaks (1932)

Hans ist Darsteller in einer Show bei einem Zirkus und eigentlich glücklich mit Frieda verlobt. Als die neue Trapezkünstlerin Cleopatra im Zirkus beginnt, verliebt sich Hans unsterblich. Er macht ihr trotz Friedas Warnungen Geschenke, Komplimenten und Höflichkeiten die Cleopatra zwar heuchelnd annimmt, sich aber hinter Hans‘ Rücken über ihn lustig macht, denn Hans ist kleinwüchsig. Für Sie ist das alles nur ein Spiel, bis sie von einer bevorstehenden Erbschaft erfährt, durch die Hans vermögend wird. Zusammen mit ihrem Mann Hercules schmiedet sie einen heimtückischen Plan. Cleopatra und Hans heiraten und schon auf der Hochzeit macht sich Cleopatra über die Freaks des Zirkus lustig, als Hercules versucht Hans zu vergiften um so dem Erbe habhaft zu werden öffnet ihm das die Augen. Er und die anderen Freaks schwören Rache.

Eigentlich sollte das ein Film werden um das Verständnis für Andersartigkeit und Behinderungen zu fördern, doch 1932 erreicht der Film genau das Gegenteil. Regisseur Tod Browning, der selbst mehrere Jahre mit solchen Freaks im Zirkus lebte, war seiner Zeit voraus. Der Film wurde in verschiedenen US-Bundestaaten verboten, in Großbritannien stand er über 30 Jahre lang auf dem Index. Brownings Karriere, die 1931 mit der Verfilmung von Bram Stokers Dracula (mit dem legendären Bela Lugosi in der Hauptrolle) ihren Höhepunkt erreicht hatte, endete abrupt.

Eigentlich wollte er mit diesem Film ein Zeichen für das Verständnis der Andersartigkeit setzen, doch hatte der Film oftmals den gegenteiligen Effekt. Behinderungen galten als Kuriositäten und als moralisch bedenklich. Deshalb verließen viele Zuschauer die Aufführungen, weil ein solcher Film in dieser Zeit gegen die Moralvorstellungen der Besucher verstieß. Doch zeigt der Film, dass nicht zwangsläufig die „Monster“ die Monster sind, sondern auch im schönsten und scheinbar normalsten Menschen ein Monster stecken kann.1

Erst Jahre später erhob man den Film in den Rahmen eines Klassikers, der Motion Picture Guide schrieb: „Bizarrer Kultfilm. So schräg und fremdartig, dass er Jahrzehnte brauchte, um sein Publikum zu finden.“ Prince Randian, der lebende Torso, Johnny Eck, der Junge ohne Unterleib oder Elizabeth Green das Vogelmädchen waren Attraktionen im Zirkus, die anders zu sein in eine neue Dimension trugen und zeigen, wie grausam die Natur sein kann. Menschen, neben denen die eigene Aussenseiterrolle zur Belanglosigkeit verkommt. Den Film, den ich euch nicht vorenthalten möchte, ist in voller Länge im Netz zu finden. Der Film ist sehenswert, nicht weil er kurios ist, sondern intensiv und authentisch inszeniert zeigt, dass auch hinter den schrecklichsten Fassaden fühlende menschliche Wesen stecken können.

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Einzelnachweise

  1. Aus dem Artikel Freaks bei Wikipedia Deutschland[]
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Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 12 Jahre

Ich hatte schon einiges über den Film und auch über dessen Darsteller gelesen, aber nicht gedacht, ihn so schnell sehen zu können. Wirklich ganz großes Kino. Zumal das Groteske den Menschen ja von Jeher fasziniert. So frage ich mich beispielsweise seit einiger Zeit, was wohl in den Köpfen von Abigail und Brittany Hensel vor sich geht.
Erstaunlich finde ich ebenfalls, dass einige Filme der damaligen Zeit so wirkten, als seien ihr ihrer Zeit voraus. So wurde sich in dem Film »M – Eine Stadt sucht ihren Mörder« auch einer Thematik angenommen, die man sich heute in dieser Art gar nicht mehr zu verfilmen traut.

Bei »Freaks« hätte ich das ursprünglich geplante Ende, in dem Hercules unfreiwillig zum Kastraten wird, für besser befunden. Dessen angedeutete Ermordung war mir dagegen allzu plump. Aber interessant, wenn man sich einmal die Wertegänge oder Schicksale der Akteure anschaut. Schon krass, heute würden dort überbezahlte »Stars und Sternen« durch Maske und Technik verändert werden, um mit deren Namen zu werben und damals sammelte man diese Menschen von Jahrmärkten ein; am besten noch mit Aufwandsentschädigung für ihre Besitzer.

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 12 Jahre

[…]für die von der Natur gestraften Darsteller ist es vielleicht die einzige Möglichkeit gewesen, zu Geld und einem halbwegs normalen Leben zu kommen […]
Bei dem, was ich so gelesen hatte, war das auch so. Wobei da dennoch stark feudalistische Zustände herrschten. Krass gesagt waren einige mehr Showsklaven als Akteure. Aber es stimmt, es war deren einzige Möglichkeit am normalen Leben teilzunehmen. Und je nach geistigem Fassungsvermögen machten auch einige Karriere, so zum Beispiel Johnny Eck, der »half boy« des Films. Aber da haben es heute Abigail und Brittany Hensel schon leichter ihren eigenen Weg zu gehen. Wobei sich auch diese bestimmt mit Reaktionen auseinandersetzen durften, die wir nicht einmal erahnen können.

Auch wenn sich, wie du schon sagtest, viel zu vor 100 Jahren änderte. Film und Fernsehen, die Kunst und die Wissenschaft ließ einen abstumpfen, konfrontierten einen schon mit den skurrilsten Dingen und gewöhnten an das Groteske. Sodass die Schockgrenze in ungeahnter Höhe liegt und man belustigt dabei zuschaut, wie sich »physisch normal Geborene« freiwillig einer Metamorphose zum Freak unterziehen -beste Beispiel hierbei das Spielfeld der Bodymodifikation- Und dennoch sieht man die Reportagen über Missgebildete und gafft diese ungläubig an, wie vor 100 Jahren. Wirft all sein Wissen über Biologie über Bord, nur um sich der plumpen Frage hinzugeben: »Wie funktioniert das«

Allerdings habe ich auch Reportagen gesehen, bei er ich mich -aller ethischen Stellungnahmen zum Trotz- fragte, warum diese Gestalten geboren und am Leben gelassen werden mussten. Ein heikles Spektrum der Humanethik, über das man selbst schon allein drei Jahre an der Uni sitzen könnte, aber wenn der Mensch nur Körper ist…muss man diesen dann zumuten zu existieren. Und ich meine damit nicht nur psychische wie physische Defekte, die von der Norm abweichen lassen. Sondern die Unfähigkeit sich halbwegs mitzuteilen oder wahrnehmen zu können.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 7 Jahre

Ein Film, von dem ich nie zuvor gehört habe, der mich aber schon reizen würde aufgrund seiner ursprünglichen Intention (scheinbar „Normale“ sind manchmal eher die „Monster“).
Als Kind schaute ich einmal gemeinsam mit meiner Mutter den „Elefantenmensch“, was mich damals sehr verstört hat. Jahre später sah ich ihn noch einmal und mit anderen Augen. Auch ein sehr betroffen machendes Werk.
Menschen werden wohl nie aufhören, Andersartige anzustarren, abzuwerten, zu verhöhnen oder zu verteufeln. Das machen ja selbst Tiere, die z.B. Albinos ausgrenzen. Fragt sich nur, ob das von unseren Genen her „programmiert“ ist, um sogenannte „Mutationen“ nicht in den Genpool aufzunehmen, oder ob es einfach Angst vor dem Anderen, Unbekannten ist?

Ein übigens ebenfalls empfehlenswerter Film, der trotz einigem Humor auch den Anspruch hat, (körper- und geistig) Behinderte als sympatische Akteure zu zeigen, die ebenso das Recht haben, ihr Leben selbst zu bestimmen, ist der deutsche Film „Verrückt nach Paris“. Der Trailer bei youtube ist aber leider selten blöd zusammen geschnitten und kommentiert… :-(

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