Dokumentation: Skinhead Attitude

Wo wir schonmal beim Thema sind, sagte ich mir und erinnerte mich an die zahlreichen Beiträge die sich um die Skinhead-Kultur drehten oder das Thema zu mindestens tangierten. Es liegt auf der Hand die Problematik allgegenwärtig ist und den eigentlichen Wurzeln nicht gerecht werden können. Doch leider vermögen Artikel immer nur einen Teil der Neugierigen zum umdenken zu bewegen, zu interessieren oder für weitere Recherchen zu begeistern. Das ist wie das lesen in einer Zeitung, macht auch nicht jeder, manch anderer zieht sich seine Informationen lieber aus Hörfunk oder Fernsehen. Was läge da mehr auf der Hand, das Thema noch einmal in audio-visueller Form, also als Video, zu behandeln. Gerade im Hinblick auf die Nazi-Problematik gibt es noch viel zu klären.

Erst gegen Ende der 70er Jahre mit der Krise und der Entstehung der Punkbewegung radikalisieren sich die Street-Kids. Angezogen vom rebellischen, vom provozierenden – eine neue Generation von Skinheads.“ Ein gefundenes Fressen für rechtsextreme Gruppierungen, die den jugendlichen politische Ideologien vermitteln und diese als Instrument der Aufmerksamkeit missbrauchen. Um ihre Ziele durchzusetzen greift man auf Gewalt und Aggressivität zurück und kanalisiert diese unter Parolen die jeder versteht und mitfühlen kann, die Kids aus den einfache Arbeiterschichten lassen sich vom Gedanken „Ausländer Raus!“ leicht anstecken, denn das eigene Zuhause leidet unter der Arbeitslosigkeit der späten 70er.

Die Doku Skinhead Attitude greift genau diese Problematik auf und bringt den Konflikt zwischen dem eigentlichen Skinhead-Gedanken und der Realität auf den Punkt. Der Film von Daniel Schweitzer wurde 2005 als bester Dokumentarfilm gefeiert. Zu recht. Neben zahlreichen Skinheads kommen vor allem die Musikerlegenden Laurel Aitken oder auch Jimmy Pursey von Sham 69 zu Wort, denn Musik ist das grundlegende Element der Skinheads. „Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnen würde…“  Die zahlreichen Szene-Angehörigen die zu Wort kommen verleihen der Doku die Spur Authentizität, für die es wohl den Preis erhalten hat.

Folgt man den Gedankengängen der Protagonisten kann man sich in die Ursprungszeit dieser Bewegung zurückversetzen und nachfühlen, wie aufregend es gewesen sein muss als 13-jähriger nur durch einen anderen Haarschnitt die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zu ziehen. Erst später, als Bands wie Skrewdriver den nationalsozialistischen Gedanken in die Musik bringen kippt die Bewegung. Einfache Parolen für die gebeutelte Arbeiterjugend kommen an. Der latente Hang zur Gewalt verleiht den Nazi-Skins ein breites, negatives Interesse der Gesellschaft, Anfang der 80er sind englische Zeitungen voll damit, Gewalttaten englischer Skinhead’s zu Schlagzeilen zu machen und den ideologischen Unterschied einfach außer Acht zu lassen. Ian Stuart wird zur Galeonsfigur einer politischen Bewegung und lässt sich zusätzlich als Machtinstrument der National Front degradieren. „Ab diesem Zeitpunkt ist für die Skinheads nichts mehr so wie früher.

Zeit die Vergangenheit anzuerkennen und den Skinheads ihre Kultur zurückzugeben, denn aufgepasst: Faschismus verbirgt sich schon lange nicht mehr hinter kahl geschorenen Köpfen sondern hat Einzug in alle Lebensbereiche erhalten. Nazi’s haben längst auch andere Jugendkulturen für sich entdeckt, Zeit das ihr euch umschaut und handelt.“Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.

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Ronny
Ronny (@guest_6407)
Vor 12 Jahre

Sehr guter Film!
Den gibt es auch komplett auf Google Video So wie auch „White Terror“ ebenso von Daniel Schweizer, welcher auch zu empfehlen ist.

tobi
tobi (@guest_6410)
Vor 12 Jahre

ein großartiger film! habe ihn mal auf arte gesehen, und allein schon für die interviews mit dem „godfather of ska“ lohnt er sich – und licht und schatten der skins wird fair beleuchtet.

stoffel
stoffel(@stoffel)
Vor 12 Jahre

Warum zeigen die grossen Sender so einen hervorragenden Film nie zur „Prime Time“? Schade eigentlich, denn so könnte man noch mehr Zuschauer erreichen und vielleicht würde so manches Vorurteil aus dem Weg geräumt.

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 12 Jahre

Und wieder etwas gelernt, denn die Leidenschaft zu SKA und Reagae war mir neu. Ich glaube, damit sich eine Szene so derartig zerteilen, radikalisieren und letztendlich gegenseitig anfeinden kann, muss sie im Kern sehr emotional und anfällig für Idealismus sein und so etwas ist recht selten anzutreffen. Es ist aber schon fast zynisch, dass die traditionellen Szenegänger allmählich ins Kreuzfeuer beider radikalen Ausrichtungen rücken.

Ich traf zum ersten Mal so einen Vertreter auf dem Kolleg. Damals war ich, gebe ich offen zu, irritiert. Vor allem, als der Knabe den Mund aufmachte und diesem ein Wissen sowie Ausdrucksvermögen entströmte, dass mein komplettes Weltbild gegenüber der »Volksdeutschen« zerstört hätte. Wenn dann nicht kurze Zeit später die Erleuchtung gekommen wäre und mich daraufhin gewisse Recherchen in das Proletariat Englands geführt hätten.

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