Cass – Ein wahre Geschichte

Durch Zufall habe ich den Film Cass in die Hände bekommen, von dem ich zunächst nicht wusste, wo ich ihn einordnen sollte. Ich hatte zwar schon einige Filme und Dokumentationen über das Phänomen Hooligan gesehen, leider konnte mich bis jetzt keine Überzeugen. Ob es dieser Film besser macht? Den meisten Umsetzungen wie beispielsweise Hooligans mit Elijah Wood leiden unter dem dürftigen Hintergrund der Drehbuchautoren.

Etwas anders sind die Hintergründe dieses Film. Cass verfolgt die Lebensgeschichte des britischen Autoren Cass Pennant, der über seine Leben als Hooligan mehrere Bücher verfasst hat. Pennant wächst im London der 50er Jahre auf, in einer Zeit wo er auch in England wegen seiner Hautfarbe und seiner Herkunft diskriminiert wird. Als  Adoptivkind einer klassischen englischen Familie wächst er zwischen zwei Fronten auf, im Herzen ein Engländer wird er doch von anderen zum Opfer des Rassismus degradiert. Mit der Mitgliedschaft in der ICF (Inter City Firm), einer Hooligan-Gruppierung um den englischen Fußballverein West Ham United, ändert sich sein Leben. Mit Gewalt und Hass verschafft er sich den Respekt, der ihm so lange verwehrt blieb und wird trotz seiner schwarzen Hautfarbe zu einer der Schlüsselfiguren dieser Hooligan-Bande. Als Pennant inhaftiert wird, beginnt er damit seine Erlebnisse aufzuschreiben.

Der Film schafft es, die Bedeutung „Hooligan“ aus Sicht der Anhänger darzustellen ohne dabei die Kameradschaft und vermeintliche Ehre beim Kampf zu heroisieren. In der Reihe der Filme über Hooligans eine erfrischende Ausnahme. Erinnern wie uns an Lexi Alexander’s Film Hooligans von 2005, merken wir schnell das es nicht nur um Action und aufwendige Stunts geht sondern vielmehr um das, was die Beweggründe dieser so verurteilten englischen Jugendkultur sein könnten. Zu Hooligans schreibt das Lexikon des Internationalen Films: „Handwerklich routiniert erzählt, werden die Schlachten als rasante Actionsequenzen inszeniert, wobei der Film mehr und mehr einem tumben Kameradschafts-Pathos verfällt und die sinnfreien Gewalteskalationen nachgerade zu Heldentaten stilisiert. Hooliganismus als Schule der Männlichkeit, noch naiver kann man das Thema kaum angehen.

Gewalt gehört sicherlich zu den Elementen des Films Cass, ist aber nicht sein bestimmendes Element. Vergleicht man ihn direkt mit dem Actionfeuerwerk wirkt diese Darstellung fast langweilig, was durch eine recht unglückliche Synchronisierung ins Deutsche noch verstärkt wird. Doch gerade diese Tatsache verleiht dem Film neben den eingespielten Originalaufnahmen die Authentizität, die nötig sein dürfte um ein anderes Bild darauf zu werfen ohne dabei die Gewalt und Hass gutzuheißen, zu beschönigen oder zu stilisieren. Das verleiht dem Film den nötigen Abstand zur eigentlichen Problematik.

Der Film leidet aber unter den recht dürftigen Schauspielerischen Leistungen der Darsteller und der schwachen, filmischen Umsetzung. Es mangelt zuweilen an der Dynamik, die Thematik dieses Films ist und scheint nur einzelne Fetzen der Buchvorlage bereit zu halten. Der Handlungsstrang wirkt so ein wenig zerbrochen und stellenweise unplausibel. Die Gratwanderung zwischen dem Großbritannien der 50er und 80er, zwischen Rassismus, Hooliganismus, Arbeitslosigkeit und politischer Orientierungslosigkeit scheint dennoch gut zu gelingen, erfordert vielleicht ein wenig Hintergrundwissen.

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Der Film ist bereits 2008 erschienen, wurde aber erst jetzt auch in einer deutschen Version realisiert. Die 2 DVD Ausgabe, die es bei Amazon schon für 15€ gibt hat darüber hinaus noch einiges an Zusatzmaterial zu bieten wie die Dokumentation „Keep off the Gras“ und „Cass Pennant: In his own Words“ . Wer also etwas mehr über Hooligans erfahren möchte um seine Meinung zu ändern oder zu bestärken, dem sei dieser Film ans Herz gelegt, auch wenn zu hohe Erwartungen wohl enttäuscht werden können. Wer mehr über den Film oder den Autor erfahren möchte, sei ein Klick auf die Hinterlegten Links empfohlen.

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