Mera Luna 2018 - Screenshot

Das M’era Luna 2018 im öffentlich-rechtlichen Rundum-Sorglos-Paket des NDR

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Schöner hätte das Wetter am vergangenen Wochenende auf dem Mera Luna 2018 nicht sein können, über 25.000 Fans der schwarzen Szene feierten zu einem recht „bunten“ musikalischen Line-Up aller Genre. Elektronisches von The Prodigy, rockiges von Eisbrecher, mittelalterliches von In Extremo oder dark-waviges vom Clan of Xymox. Und wer nicht dabei gewesen ist, muss sich nicht einmal ärgern, denn der NDR hat mit einem Großaufgebot an Personal und Technik so ziemlich jeden Blickwinkel des Mera Luna eingefangen, im Live-Stream aufbereitet und nun auch in der Mediathek zum Abruf bereit. Endlich mal ein sinnvoller Einsatz der Rundfunkgebühren!

Mein bitterer Beigeschmack

Doch die Jubelschreie über die visuelle Aufbereitung eines verpassten Festivals währt nicht allzu lange. Ein bitterer Beigeschmack ist dann schon dabei. Wo sind wir hingekommen? Von den schwarz gekleideten Spinnern, die einst kritisch beäugt, dann provokativ eingeordnet und letztlich müde belächelt wurde zum multimedialen Fernsehgroßereignis. Das Mera Luna 2018 wird als facettenreiches Spektakel präsentiert, bei dem sich Menschen aller sozialen Schichten endlich mal so zeigen können, wie sie es sich vorstellen. Den Flair einer in sich gekehrten, mysteriösen und undurchschaubaren Subkultur mit der Leidenschaft für morbide Ästhetik haben wir abgelegt. Diesen Eindruck hinterlässt das Rundum-Sorglos-Paket des NDR.

Schwamm drüber!

Ich verurteile nichts. Im Gegenteil. Das Mera Luna ist sicher ein großartiges Festival, dass einen unfassbaren Querschnitt durch das bietet, was sich unter dem schwarzen Schirm mit der Aufschrift „Gothic“ so alles tummelt. Ich würde hier jedoch nicht hinfahren um in meine schwarze Welt einzutauchen, sondern vielmehr um den ein- oder anderen Headliner einmal im Konzert zu erleben. Es ist aber für mich kein Treffen unter Gleichgesinnten, denn mit den Fans vom M’era Luna, die der NDR so eindrucksvoll darstellt, habe ich nicht viel gemeinsam. Muss ich aber auch nicht.

Das persönliche Empfinden steht und fällt mit der Erwartungshaltung. So könnte mein Fazit lauten. Und wenn ich ehrlich bin, so großartig unterscheidet sich das nicht wirklich von der Festival-Kultur der 80er. Da gab es nämlich noch gar keine schwarzen Festival und die Bands, die man sehen wollte, traten zusammen mit angesagteren Indie-Bands in völlig anderen Zusammenhängen auf. Wie 1989 beispielsweise, bei Festival „Rock am See“ in Konstanz. Ein ebenso bunter Haufen.

Einen kleinen Unterschied gab es dann doch. Das Fehlen multimedialer Berichterstattung, allgegenwärtigen Kameras, Facebook und Internet reduzierte die Anzahl der Selbstdarsteller und Kostümierte auf ein erträgliches Maß. Pferde, die nicht sprechen dürfen, gab es damals noch nicht:

Ob das „Morgenross“ wirklich glücklich ist, weiß man nicht: Der Festival-Besucher im Pferdekostüm kann nicht reden. „Nein, darf nicht“, sagt seine Halterin Sue, die für die Frage auch mal kurz die Zügel locker lässt. Der Sinn des Ganzen? Ein Rollenspiel der besonders ausgefallen Sorte: Das Ross gebe durch das eingeschränkte Sichtfeld alle Verantwortung an seine strenge Besitzerin ab. Und das habe eben einen gewissen Reiz, meint Sue. Und nein, Tierquälerei sei das ganz und gar nicht. Das „Morgenross“ begebe sich schließlich rein freiwillig in seine devote Rolle0

Ich bedanke mich jedenfalls für das umfangreiche Videomaterial der Bands, das sich bestens eignet, wieder ein bisschen Fernweh zu bekommen. Und wer weiß, vielleicht fahre ich ja irgendwann nochmal zum M’era Luna um herauszufinden, ob sich meine Einstellung zum Zelten verändert hat und ob Großereignisse immer noch nichts für mich sind. Wart ihr in Hildesheim? Wie war Euer M’era Luna 2018? Würde mich freuen, mir anhand eurer Kommentare ein Bild vom drumherum machen zu können :)

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Rene
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Also wir waren dort und es war für uns wieder ein echt nettes Festival (neben organisatorischen Unschönheiten wie einer einheitlichen Security Schulung was erlaubt ist oder umstrukturierung des Zeltplatzgeländes). Die Frage ist natürlich immer was man daraus macht und welchen Anspruch man hat. Bands die man sehen möchte angucken, Leute die mehr Stinos oder ausgeflippte selbstdarstellende Paradiesvögel sind oder fotografierende „Touristen“ konsequent ignorieren und sein Ding machen, Freunde treffen mit denen man sich vllt auch so treffen würde aber wo Arbeit, Entfernung etc. alle Anstrengungen zunichte machen und so ein Festival wie „Weihnachten“ bei jedem einen festen Platz im Terminkalender hat ;)
Auf dem man auch immer wieder neue und spannende Leute kennen lernt. (Auf dem WGT z.B. eine englische Lady die Tagsüber Bomb Squads der Royal Army unterrichtet und Nachts ihrer Leidenschaft für Burlesque Tanz bzw. Travestie nachgeht)
Also eigentlich alles wie immer. Insofern sind die jeweiligen Festivals auch absolut austauschbar.

Was die mediale Aufarbeitung betrifft… habe ich die NDR Seite mal etwas überflogen und stelle fest das diese so gar nicht mein Festivalerlebnis widerspiegelt…

Von den angebotenen Bands in den Videos haben wir nur Merciful Nuns und Ministry gesehen.
Ansonsten Rabia Sorda, Das Ich, Clan of Xymox, Welle Erdball, Nachtmahr, London after Midnight, The Prodigy, Fabric C, Frozen Plasma, Aesthetic Perfection, Roter Sand und Hocico.

Die Restliche Zeit füllten wir (chronologisch) mit Zelt Aufbau, Wasser holen, 1-2 Bier holen und dabei Bekannte aus England treffen (Die wir auf dem WGT kennengelernt hatten aber auf dem Amphi irgendwie verpasst haben) mit denen wir dann am ersten Abend herumgezogen sind und uns über allerlei Sinn und Unsinn bzw. Musikgeschmack, Bands, das Festivalprogramm oder deutsche und englische Eigenarten unterhalten haben (und vieles vieles mehr). Nach einer kleinen Essensrunde auf dem Mittelaltermarkt auch schon schließlich schlafen.
Fazit des Tages:
Rein zufällig Bekannte treffen nach denen man auf anderen Festivals vergeblich gesucht hat!

Nächster Tag so früh aufstehen das man nach der Dusche und einem kurzen Frühstück die erste angepeilte Band sehen kann. Tanzen Tanzen Tanzen Wasser holen Tanzen Essen holen Tanzen Tanzen Tanzen Wasser nach kippen abschließend einen Met zum aufwärmen und schlafen gehen.
Fazit des Tages:
Nur zu zweit kann man auch Mega viel Spass haben… und wird weniger von der Musik und wie irre tanzen abgehalten ;) (The Prodigy waren der Hammer)

Sonntag… toll absolut kein Handy Empfang… vermutlich zu viele Handys für zu wenig Handy Masten… Scheiss Laune weil man die Freunde so vermutlich nicht treffen wird wie schon auf dem Festival vor 2 Jahren… naja ab zur nächsten Band… juhuu wieder in der Halle da schwitzt man zwar aber wird von der Sonne auch nicht tot gebraten… „komm lass uns hier an die Seite stellen da ist was frei“… nach mindestens 10 Minuten… das „Mädchen“ da rechts im Latex Anzug kenne ich doch!? Oh Unser Kumpel den wir treffen wollten aber telefonisch nicht erreichen konnten… nebst bestem Kumpel der seine halbe Familie (Mutter, Schwester) dabei hat… Band zuende gucken. Raus alle zusammen Eis essen.. und quatschen… wieder in der Halle tanzen tanzen tanzen… Kollegen gehen rüber zur Mainstage wollen da was sehen verabschieden sich wir tanzen tanzen tanzen… ah vor Hocico haben wir noch 2 Stunden ca. Zeit Essen besorgen… ein wenig rumlaufen ein paar Aufnäher gekauft… einen 0,4L Wikingerblut Slush geholt… hmm erfrischend plus Alk… noch einen der Engländer getroffen…
Nach Hocico nochmal etwas im Shop Bereich kramen…
Fazit des Tages:
Ab ins Bett denn der nächste Tag (gestern/heute) wird anstrengend… Zelt abbauen… 250 Km nach Papenburg… Patenkind besuchen, dann 150 km nach Herne zu meinem Papps Technikkram abholen den ich da gelassen hab und 70 km nach Solingen… jetzt hier am schreiben ;)

Natürlich haben wir vieles mehr gesehen und erlebt uns über Dinge gewundert, so wie aufgeregt oder auch schallend gelacht (Dixieklo Autogrammstunde Unheilig durchgehend hier!), aber die Gesamtheit des Ganzen würde dann doch den Rahmen sprengen. Ich denke es kommt halt darauf an was man aus der jeweiligen Situation macht… ok letztes Jahr im Regen Zelt aufbauen und dann regnet es noch rein… da war bei mir der Ofen auch aus… aber das Wetter war gut wir haben ohne übermäßige Hetze alles geschafft was wir wollten.
Wer sich sinnlos besaufen mag und im Zelt liegen oder sich Kostümieren und Ablichten lassen mag oder quasi nen flotten vierer auf der Tanzfläche starten will soll das gerne tun solange er mich oder andere nicht beim tanzen und Musik hören stört. Das gibts aber alles auf jedem Festival irgendwo.
Was für uns das WGT etwas heraushebt ist das man quasi eine Städtetour vollzieht… natürlich das Spontis Treffen… neben anderen Treffen die dann etwas internationaler sind.

Negativ Aufgefallen bei allen 3 Festivals Amphi, Mera und auch WGT ist uns der zunehmend unachtsame Umgang miteinander… Leute die ohne zu schauen durch den jeweiligen Tanzbereich Latschen… nicht auf den Boden schauen ob da evtl Taschen etc. liegen… vllt. mal jmd an tippen um zu signalisieren das sie gerne vorbei möchten… Wir machen das so… kommen in Windeseile durch jede Menge… um tanzen die tanzenden Leute einfach wenn es keinen anderen Weg gibt…
Das scheint aber ein allgemein Gesellschaftliches Problem zu sein das sich wie so vieles andere halt auch in der Szene niederschlägt weil sie sowohl Spiegel als auch Teil derselben darstellt „Wir“ sind ja keine von der Welt losgelösten Geschöpfe die nicht denselben Einflüssen unterliegen würden wie alle anderen auch… nur hier und da evtl etwas anders bzw in anderer Intensität oder Richtung.

Korrektur lesen vernachlässigen wir heute mal weil ich eigentlich ziemlich kaputt bin aber doch einen Zeitnahen Eindruck (den ich ganz subjektiv so empfinde… andere haben sicher anderes Erlebt) abgeben wollte ;)

Lox
Gast
Lox

Hallo und einen dunklen Gruß @all.

Wir waren am Samstag auf dem Mera Luna. Da wir aus der Region kommen haben wir nicht gezeltet.

Was die Bekleidung angeht, hat sich im großen und ganzen wieder einmal „deutlich“ die schwarze Vielfalt gezeigt. Von den Stilen war so ziemlich alles vertreten, von schlicht bis edel. Doch haben auch viele Personen einen höchst emanzipierten Bekleidungsstil gezeigt. Für mich zählen was die Bekleidung angeht, nur zwei Dinge, es sollte einem gefallen und sich wohlgefühlt werden.

Die Begegnungen mit den anderen Besuchern waren freundlich und höflich. Eben so wie es sein sollte. Da möchte ich auch einfach mal danke sagen an die anderen Besucher. Dank der modernen Technik konnten wir unsere zurückgelegte Strecke an dem Tag erfassen, wir beide haben so ziemlich Zwanzig Kilometer, an Strecke zurückgelegt. Dies dürfte nicht verwundern, da das Mera Luna ja auf einem Flugplatz veranstaltet wird. Der Weg vom Parkplatz zum Infield ist halt nicht unbedingt kurz.

Was die Bands angeht können diese wohl mit der Anlage zufrieden gewesen sein. Dieses Jahr war der Sound satt und klar auf der Mainstage. Im letzten Jahr bei den Crüxshadows gab es sehr unschöne Verzerrungen. Der Hauptact The Prodigy hat überzeugt. Doch ja, mir ist klar das für manche The Prodigy keine Gothic-Gruppe ist. Dazu sag ich mal Schwamm drüber, fast alle, wenn wir uns mal aus unseren Cocoons trauen, stampfen doch mal gern, oder ? Bei dem
Song „Firestarter“ drang ein einheitliches Raunen über das Veranstaltungsgelände.

Dies war auch für mich ein schöner Moment, denn ich zähle heute ja auch eher zu den älteren Nachtfaltern, da ist es schon etwas komisch wenn der NDR Gothic als in Artikeln als Jugendkultur bezeichnet. Da schwimmt von meinem befinden immer so ein Hauch mit von „hört auf damit, wenn ihr alt werdet“ auch hier bei Spontis gab es ja schon einen Artikel zu dem Thema alt werden in schwarz, den ich verfolgt habe.

Habt dank für eure Aufmerksamkeit und Zeit, vielleicht begegnen wir und mal auf dem Mera Luna, für 2019 stehen schon ASP und Within Temptation im Line Up.

Wisst ihr worauf ich mich jetzt freue ? Einen schönen Herbst mit euch hier bei Spontis zu verbringen.

Carpe diem, Lox

Ronny Rabe
Gast
Ronny Rabe

Ich mss jetzt auch mal meine Meinung kund tun .

Persönlich war ich nicht auf dem Festival – habe einiges im Fernsehen verfolgt. Und was ich da gesehen habe – hat mir gereicht . Warum spielen bitte zb. Merciful Nuns “ am Mittag vor „Tanzwut , In Extremo etc. “ ??? Kann ich nicht verstehen . Eisbrecher als Headliner am Sonntag kann ich auch nicht nachvollziehen. Muss ich ja auch nicht ,gell .
Auch das es da eine Geisterbahn gegeben haben soll , finde ich eine Entwicklung – die mich null anspricht . ( genauso wenig wie zum 25. WGT und Belantis Park ) .
Auf einigen Fotos die im Netz auf diversen Plattformen zu sehen sind , sieht man halbnackte Frauen ,Menschen in Kostümen! mit blutverschmiertem Gesichtern usw. Vielleicht sehe ich das auch zu engstirnig, aber das was ich sehe , reicht mir um dieser Veranstaltung fern zu bleiben.

Hannes
Gast
Hannes

FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH, laut Wikipedia ein Unternehmen mit 100 Millionen € Jahresumsatz, ist der Veranstalter von M’era Luna und klebt auf dieses Festival Label wie „Gothic“ oder „Darkest Festival on Earth“ etc.
Allein schon diese Voraussetzung reicht eigentlich aus, dass die Erwartung, hier irgendwas wie „pure and true Gothic“ (was auch immer das sein soll) zu finden, sicher entäuscht werden wird.
Dass in den Medien (Fernsehbeiträgen, Photos) in erster Linie und fast ausschließlich Menschen gezeigt werden, die sich, aus was für Gründen auch immer, mit Ihrem Outfit Mühe gegeben oder viele Gedanken dran verschwendet haben ist, denke ich, ihrer aufmerksamkeitsheischenden Logik geschuldet. Minimum 60% (gefühlt geschätzt) der Besucher laufen eben einfach in schwarz, Bandshirt und evtl. etwas Schminke rum.
Klar ist ne Geisterbahn doof; ich finde aber auch Mittelaltermärkte doof. Auf Vorträge zu Voodoo und Schminkworkshops powered by Rossmann kann ich auch verzichten. Für mich am dööfsten war, dass es im Supermarkt, im Gegensatz zu früher, keine frischen Brötchen zum Frühstück gab.
Aber letztlich sind mir all diese Punkte, und es gäbe noch viele, mit Mitte 50 ziemlich gleichgültig. Ich muss nicht alles gut finden, was da so ist.

Aber was ich gut finde ist:
Aus dem Norden locker zu erreichen.
Eine trotz oder wegen der MIschung von Menschen eine völlig entspannte Atmosphäre.
Gerade die Abgeschiedenheit auf dem Flugplatz trägt dazu bei, dass der Kern hier die Musik ist und nicht Stadt oder sonstige Kultur etc.
Es geht darum ein Wochenende mit mir lieben Menschen zu feiern.
Und (Rene sprichts mehrfach an): „Tanzen Tanzen Tanzen“
Persönliche Highlights: Whispering Sons, Clan of Xymox, London after MIdnight (deswegen Prodigy nur zum Teil gesehen) und die Nacheinander-Kombi aus Torul und Frozen Plasma. Ganz ok auch Apoptygma Berzerk und Ministry. Dazu noch das eine und andere. Das ist eine gute Portion Musik für ein Wochenende.
Danaben auch noch viele kleine witzige Begebenheiten, wie sie eben so stattfinden, bei so vielen Menschen auf einem Haufen.

Nun bin ich kein Werbebotschafter für das M’era Luna, aber die gerade beschriebenen Erwartungen werden erfüllt und deswegen bin ich seit Jahren immer wieder gerne da und wahrscheinlich auch nächstes Jahr. Es scheint ja doch ein paar Spontis Leser dorthin zu verschlagen. Wenn’s passt, nächstes Jahr auf ein Bier?

gagates
Gast
gagates

Die letzten Male war’s auch mehr die entspannte Stimmung als das Line-Up (wird ja eh nur geremixt), weshalb ich raufgefahren bin. Letztendlich ist mir auf einem Festival dann die Musik doch wichtiger, insofern glaub ich eher nicht, dass ich so bald wieder rauffahren werde.

T.S.
Gast
T.S.

War ich wirklich mal „Gothic“? Bin ich immer noch bis zu einem gewissen Grad – mehr, oder mehr und mehr freiwillig weniger – in eine „Szene“/“Subkultur“ irgendwie involviert, in der ich mich mal auskannte, wie in meiner Westentasche?
Das muß schon sehr lange her sein, denn, Leute wie diese (die sog. heutige mediokre bausch-und-bogen-„Gothic-Family“, die war damals noch kaum zeugungsfähig, geschweige denn gezeugt… – und überhaupt: die Verwandtschaft kann man sich leider nicht aussuchen, dagegen Freunde sehr wohl…), sprich eine Mischpo…, äh, „bunte“ Mischung aus (wenn auch „nur“) „gefühlten/geschätzten“ 40% (lt. „Hannes“) Selbstdarstellern und sonstigen narzisstischen Egomanen auf kompromisslosem Eventtrip, die hätte ich und viele meiner damaligen „Szenekollegen“ in dieser Form nicht ausgehalten! Und das sage ich als jemand, der sehr wohl wusste, wie man sich „wavig“ (Achtung, ausgestorbener Jargon!) aufstylte…

Anyway, heutzutage könnte man sogar einen Schornsteinfegermeister auf Arbeit als Angehörigen der „Gothic-Szene“ verhökern, ganz zu schweigen von all den Dorfbarbies, die bis ins höhere Erwachsenenalter sich unkoordiniert Farbe auf die Rübe kippen und irgendwo ein „cooles“ spooky tattoo und/oder ein Piercingsteinchen im Riechkolben präsentieren. Hat man dann noch einen heckscheibenfüllenden Aufkleber in Frakturschrift a la „In Extremo“, „Saltatio Mortis“, „Nachtmahr“ und/oder „Unheilig“ auf der Karre, schon ist er perfekt: DER GOTH!
Und ab damit zu undergroundig-wow!-en Medienereignissen wie z.B. dem „M’era Luna“, passt schon, „Mainstream“ sind doch die anderen, gelle…?

Tja, komisch, daß es dann doch noch Leute gibt, die dem noch eines drauf zu setzen vermögen: als Pferde (!), Uniformkasper (die sogar einen waschechten NS-Obermotz blaß wie einen schluderigen HJ-Pimpf ausschauen lassen…), Endzeit-Hulks wie aus späten schlechten „Mad Max“-Filmen, neunzehntelnackerte Gucktmichdochmalalleans, viktorianische Torten und ihre -heber, und was es sonst noch so alles wahrhaft Erschröckliche so gibt. Warum wohl? Weil die Mediengeilheit mit dem Eventvolk durchgeht und absurde Purzelbäume schlägt. Die Generation ICHICHICH macht gerade vor der „Gothic-Szene“ keineswegs halt, im Gegenteil, diese fungiert wie ein Brandbeschleuniger… (und alle haben sich ja so doll lieb untereinander, diese „Goth-Family“…)
Und jetzt spekulieren wir mal so vor uns hin: wieviele von diesen Super-Medien-Goths halten Bauhaus für nichts weiteres als einen Laden wo man so Sachen wie Farbeimer, Bohrmaschinen, Schrauben und Holzlatten bekommt…

A propos Holzlatten: wieviele davon muß man vor der Birne tragen, daß man auf einem (eigentlichen – vielleicht täusche ich mich auch mittlerweile…) „Musikfestival“ ein weiteres „Rahmenprogramm“ braucht, a la Belustigungstschipoka wie z.B. Kirmesrummelkram (Geisterbahn? – gab’s die wirklich? Geht’s noch, genügt ihr euch nicht alle selbst…?), „Fashion“-Gedöns sponsored by…, bei dem man selbstverliebt und megaeitel beiwohnt und so…, etc.
Reichen die vielerorts ach-so-beliebten Mittelalter-Geld-aus-der-Tasche-leiern-Trödel nicht mehr aus? Langweilig geworden?
Demnächst vielleicht noch Schwarzbierbrauen und Schwarzrieslingkeltern für lukullische Goths? Am Ende noch eine zünftige schwarze Wiesngaudi zum Oktoberfest? Solche Ländler-Truppen wie z.B. Nachtmahr passen ja ohnehin mehr in ein grölendes Bierzelt, oans, zwo, gsuffa…

Aber an dieser Stelle halte ich lieber ein mit meinen „Vorschlägen“ – am Ende verschreie ich sowas noch…

Tja, und schon kommen wir (fast zum Schluß) zum eigentlich Unwichtigsten des Ganzen: Musik!
(ach, war da was???).
Aber kein Wunder: neben einigen vollständig abgehalfterten „Szenehelden“ von einst (manchmal ist die „Gnade einer frühen Geburt“ doch von Nutzen, harhar…), meist nur Kapellen, die so ganz nach „upgedatedem“ „Goth“-Massengeschmack gepolt sind. Mediokre Zielgruppenbeschallung, wie am Reissbrett entworfen, für ein Publikum, dem auch nicht wirklich mehr „weh“ getan werden darf!
(Weh tat vor allem mir, daß eine einiges versprechende – und vor allem relativ wohltuend klischeearme – Band wie Whispering Sons dort vor dieser Kulisse wie die berühmten Perlen vor… verbraten wurde)

Bevor ich schliesse, und mir (vielleicht – aber auch nur vielleicht…) weitere Gedanken über meine verbliebene „Goth-Involviertheit“ mache (vielleicht auf einem doch mehr authentischen kleineren Festival, mit Bands und Künstlern, die vielleicht solch einen Massenzirkus nicht provozieren, geschweige gutheissen), möchte ich ausdrücklich betonen, daß ich keineswegs der typische „Früherwarallesbesser“-Vertreter bin (diese Keule könnt ihr beruhigt stecken lassen – schade gell?), natürlich ist Fortschritt vonnöten, aber warum so unsensibel, protzig, fast schon dummdreist sinnentleert und vollkommen entstellend?
Kein Wunder, daß dieses „Goth“-Gebilde wie es sich mittlerweile darstellt, eher belächelt wird, wie Robert bereits ganz richtig festgestellt hat – wenn nicht gar als grenzdebiler Karneval aufgefasst wird. Und das oftmals sogar aus „eigenen Reihen“, wohlgemerkt. Hat sich nämlich was von wegen DIE „Goth-Gemeinde…“

Tanzfledermaus
Autor

T.S. Du sprichst mir aus der Seele. Als ich mir diese beiden Videos von den Festival-Besuchern ansah, gab es vielleicht zwei oder drei Einblendungen von Leuten, die in meinen Augen einfach „normal gruftig“ wirkten, bei denen ich dachte, ja das sind „echte“ Gruftis, die es nicht nötig haben, auf Teufel komm raus bei diesem Wettrüsten der Extravaganzen mitzumachen. Und damit meinte ich nicht etwas Miss Dark Friday, die sich ja offensichtlich vor allem über ihre Medienpräsenz definiert.
Der Rest zum Großteil: Karneval und Selbstdarstellung hoch drei. Was diese Kostümierungen mit Gothic zu tun haben sollen, ist mir schleierhaft. Vieles davon passt eher zu Halloweenparties, Fasching und Karneval.

Tanzfledermaus
Autor

Ach so, meine Bewertung bezog sich übrigens auf die beiden Youtube-Videos „The Beautiful Faces of M’era Luna“ Part 1 und 2, das hier eingebundene Vidro ist ja nur ein kurzer Trailer ;-)

Hannes
Gast
Hannes

Moin nochmnal,
um sich vielleicht ein anderes Bild vom Outfit des Gros der Besucher zu machen, weil das ja besonders relevant zu sein scheint, empfehle ich einen Blick in zwei Konzertmitschnitte (Darkhaus und White Lies) vom letzten Jahr, die ich beide ziemlich cool fand. Es geibt da genügend Kameraschwenks über das Publikum:


(Irgendwo bin ich auch zu sehen, also falls ich jemals ein Alibi bräuchte)
Grüße

Robert P.
Gast
Robert P.

Ich war auch auf dem M’era Luna 2018 und wie auf jedem Festival, bei dem ich mich so rum treibe, hatte es gute und natürlich auch schlechte Seiten.

Alles in allem war es aber ein nettes Festival mit ein paar wenigen sehr guten und ein paar mehr guten und ganzschön vielen ’seltsamen‘ Bands auf abgegrenztem Raum. Letzteres gefällt mir und meiner Frau ganz gut und natürlich sind wir auch zum shoppen hin gefahren.

Ich halte dieses Kostümgemache generell für seltsam. Für mich bedeutet so ein Festival endlich mal kein „Alltagskostüm“ zu tragen. Die Toleanz innerhalb der Szene führt natürlich unweigerlich dazu, dass auch solche Gebaren toleriert werden. Für mich gehören zu den Kostümen aber auch Steampunks und der Mittelalterkram dazu. Ich habe aber auch nie verstanden, was EBM mit Zahnrädern zu tun hat.

Ob ich nächstes Jahr wieder fahren werde? Vermutlich. Die Kostümierten und schlechten Bands können das immernoch sehr ‚gruftige‘ Gefühl wohl nicht kaputt machen. Das Festival ist immernoch sehr gut organisiert und funktioniert einfach. da reichen mir ein paar Bands, die ich mal live sehen will.

T.S.
Gast
T.S.

Bevor ich in Kürze nochmals auf die doch nun etwas Schwung aufnehmende Diskussion eingehe, entspanne ich mich derweil mit einer puren Antwort auf eine eher musik(-stilistisch)bezogene Frage (was mir irgendwie auch besser liegt und steht, als nur permanent den Goth-Szene-Scharfrichter zu geben…):

Nun, Robert P., was hat E.B.M. (namentlich „Electronic Body Music“) eigentlich mit Zahnrädern zu tun? Kurz, was hat ein mechanisches Arbeits- und Transport-/Transmissionsrädchen (mal sehr versimpliziert ausgedrückt) mit Köpern und (elektronischer) Musik zu tun?
Schon seit frühen Tagen der Industrialisierung stand das Zahnrad aufgrund seiner Effektivität sinnbildlich für Fortschritt, technische Präzision, Arbeit, mechanische Vollkommenheit in einem ästhetischen Sinne.
Also im Prinzip und im übertragenen Sinne (inklusive Sinnbildhaftigkeit) gradezu perfekt prädestiniert für ein präzises, nahezu uhrwerkhaftes und maschinelles (oftmals monotones – ohne dies abwertend zu beschreiben, wohlgemerkt!) Klangbild härterer elektronischer Tanzmusik (oftmals mit spezieller „Message“). So lassen sich z.B. in Kraftwerks „Tour de France“ (1983) maschinelle Sounds vernehmen, die gezielt an Zahnradgeräusche eines Fahrrades erinnern sollen, die beim Schalten in einen nächsten Gang entstehen. Dies war der aufgekommenen Radsportbegeisterung Ralf Hütters zuzuschreiben – aber Kraftwerk waren ja bereits immer Technik- und Fortschrittsaffin, wie wir wohl wissen…
Aber nicht nur soundästhetisch bot sich das Zahnrad perfekt als eine Art Metapher an, symbolisiert werden konnte damit der harte, maschinelle Sound der E.B.M. natürlich auch als Artwork, Logo, und in Videos (Hand auf’s Herz, wer z.B. bei „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ von den Krupps nicht an schwere Maschinen, riesige gleichlaufende Zahnräder, auf Metall schlagende Hämmer denkt, nun ja…). Styling der Bandmitglieder sagten ja auch eindeutig etwas aus.
Man sehe sich z.B. mal das Artwork zu „That Total Age“ von Nitzer Ebb an, die Krupps erwähnte ich ja bereits, und diverse andere frühere E.B.M.-Tonträgerhüllen (hervorzuheben auch Laibach – obwohl dies ja nie eine „reine“ E.B.M.-Formation war, man bediente sich nur ab und an dieses Stilmittels).
Und, wie ich finde, passt von daher die Assoziation von Zahnrädern und dem Sound und Ästhetik von E.B.M. perfekt zueinander.
Aaaaaber uffpasse: E.B.M. konnte nicht nur „clean“ und nur bollernd „auf die Zwölf“, sondern hatte auch bisweilen Kontroversen – und nicht selten war Thematik und in den Noise sich steigernde Soundgebilde nicht weit vom eigentlichen/ursprünglichen (Old School-)Industrial entfernt, d.h. die Texte waren nicht selten konträr einer blinden Fortschrittsgläubigkeit und „schönen neuen Welt“ angesiedelt. D.h., das Symbol des Zahnrades konnte auch ganz schnell mal umgekehrt werden, und bekam eine(n) ironische(n) Anstrich/Bedeutung. Vor allem, weil auch das NS-Regime das Zahnrad gerne als Symbol nutzte (z.B. für die „Deutsche Arbeitsfront“ – in Kurzform auch „DAF“ genannt…). So konnten Abbildungen von Zahnrädern in Logos oder Artworks von E.B.M.- oder Industrialbands auch u.a. als Kritik am faschistoid ausgerichteten Futurismus sein, bzw. allgemeiner Ablehnung des Faschismus und/oder auf politische/gesellschaftliche Missstände unserer Gesellschaft hindeuten (z.B. Abbildungen gebrochener/fehlerhafter Zahnräder, an Zahnräder gefesselte Opfer – so z.B. zu sehen bei Laibach und Nocturnal Emissions).

Was jetzt allerdings aufgepappte Zahnräder auf Zylinderhüten und Dekolletés von sog. „Steam Punks“ darstellen sollen, das frag‘ bitte diese Herrschaften direkt…

Tanzfledermaus
Autor

Ich denke mal, dieser Satz von Robert erklärt ganz gut den Unterschied zwischen „früher“ und heute:
„Das Fehlen multimedialer Berichterstattung, allgegenwärtigen Kameras, Facebook und Internet reduzierte die Anzahl der Selbstdarsteller und Kostümierte auf ein erträgliches Maß.“
Da sich immer mehr Menschen heutzutage über ihre Medien-Präsenz definieren und durch diverse online- und andere Medien-Plattformen auch entsprechend Bühne erhalten können, schaukelt sich das alles immer mehr hoch. Selbstverwirklichung und Extravaganz werden zum Lifestyle erhoben und alle Welt soll sehen, was für ein kreatives Kostüm(!) bzw. Outfit man sich da gebastelt hat.

Okay, das war bei den New Romantics auch so, aber die feierten eher in exclusiven Clubs mit Dresscode unter sich, anstatt sich den Medien an den Hals zu werden (Ausnahmen bestätigen die Regel versteht sich).

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Tja, nun sind meine drei Festivals der Saison vorbei. Das WGT, das OWLs n Bats, und das Mera. Mein Favorit? Das OWLs n Bats. Aber zurück zum Thema Mera 2018. Ich fand’s Anfang der 2000er besser. Warum? 1. Noch echte Imbissstände im Infield, keine Dinger unter einheitlichem Dach. 2. Kein Mittelaltermarkt…. dafür zB ein Jahr ein echtes Shisha Zelt… fand ich persönlich viel cooler. 3. Kein Gothic Garden und Gedöns… was soll das? 4. Keine Rossmann Schminktipps, Modenschau etc… was soll das? 5. Keine Jutube Sozialmediatischen Stars… und so viel Filmerei und Knipserei… nervig… ich bin 2 mal als Mann nett gefragt worden ob ein Foto gemacht werden darf… einmal von einer Standbesitzerin… das war nett… und nicht dieses Fotograf geiert auf weibliche Models Zeug. 6. Keine Geisterbahn und Co? Sind wir auf der Kirmes? 7. “ Unser“ alter Eingang und Zeltecke sind jetzt Caravan Platz. Naaaa toll. … Aber es gab bei mir natürlich auch Sachen die mir gefallen haben 2018. 1. Der Woodoo Vortrag… schon 2017 hat mir der Benecke gefallen, der Woodoo Museums Besitzer dies Jahr hat seinen Job auch gut gemacht. 2. Ich persönlich fand die Bandauswahl ganz okay, und die Akustik im Hangar dies Jahr besser als in anderen Jahren. 3. Die Gespräche mit… Fremden ist ein doofes Wort dafür… waren wieder echt gut. 4. Die Klamotte einiger Besucher. Ja, ich mag die „neuen Strömungen“ durchaus. Und auch das Lästern wenn persönlich gesehen was gar nicht geht gehört für mich positiv dazu. (Ich will Bewertungszahlen Schilder)… Nichts desto trotz, ich werde älter, und finde es mittlerweile etwas anstrengender… und Sonntag ist auch noch Heimweh dazu gekommen. Aber man ist jetzt ja groß, muss nicht mehr jeden Sch…einbar einamlig tollen Kram bis zum Montag Mittag mitnehmen, und haut dann einfach Sonntag Nachmittag ab, und liegt Abends wieder im muggeligen Wasserbett. Ob ich 2019 fahre? Zum WGT und Mera vielleicht… zum OWLs n Bats und Autmn Moon schon eher. Ansonsten geht die dunkle Welt auch nicht unter.

strangeplant
Gast
strangeplant

Wenn ich Konzerte besuche sind mir zum Musikgenuss ein entsprechend passendes Ambiente extrem wichtig. Gute Konzerte entwickeln für mich einen gewissen Zauber, der nicht allein durch die Musik, sondern auch durch Nebensächlichkeiten, wie die Nähe/Interaktion zwischen Künstlern und Publikum unter- und miteinander, Licht, Authentizität etc entstehen… Bei Konzerten ab einer bestimmten Größe fehlt mir dieses Feeling. Deswegen reizt mich ein Mera Luna überhaupt nicht.

Was ich bisher hier so gelesen habe, bestätigt mir, dass ich dort finden würde, wonach ich suche.

T.S.
Gast
T.S.

Bevor ich möglicherweise eine (vielleicht sogar vermeidbare, eventuell für den einen oder anderen Mitleser – mal wieder, aufgrund Aktualität – als erwünscht erachtete) Grundsatzdiskussion über den „status quo“ der „Szene“, bzw. der „Festivalkultur“ lostrete, nur einige klärende Worte zum letzen Beitrag von Hannes: Ich muß mir kein anderes Bild vom „Gros der Besucher“ machen, nicht mal durch sowas wie mir vorgehaltene „Beweisvideos“. Natürlich ist mir (wie uns allen) klar, daß das von mir und u.a. von Tanzfledermaus und Ronny Rabe „kritisierte“ Klientel einer zu beobachtenden (schwarzen – Goth?) „Eventkultur“ auch auf Sicht einen gewissen (wenn auch nur prozentuellen – aber nicht zu vernachlässigenden, wohlgemerkt!) optischen Minderheitsfaktor darstellt, zumindest… Wer sich vor eine Bühne stellt und das Konzert einer Band relativ relaxed, musikalisch interessiert, aufmerksam, aktiv, whatever, ganz nach persönlichem „Fan“-Gusto, miterleben möchte, dem sind aufgerüschte eyecatchy Albereien wie z.B. Bausätze von Tierskeletten auf der Schulter, akkurat im Haar drapierte fragile Elfenbeinturm-Accessoires, pedantisch hingetupfte Schnörkel und „sitztmeinhütchenoderstrumpfhalternochgerade“-Eititeitereien nur hinderlich. Wer so geartet auf einem -> Musikfestival einherwandelt, der ist m.E. doch etwas overdressed, bzw. fehl am Platze (es sei denn, es geht demjenigen/derjenigen dann doch nicht um die Musik…), dieser Person steht ein Maskenball, die Helloweenqueen oder ein prime-Plätzchen auf einem Fastnachtsmotivwagen eindeutig besser… (da gehe ich mit Tanzfledermaus vollkommen d’accord)
Und so weltfremd bin ich nun auch nicht, daß ich nicht genau weiß, daß nicht die ganze „Goth“-Szene von Grund auf dekadent verderbt, hohl rollt und verloren ist (an dieser Stelle, lieber mal ein ;-) – bevor mir noch sowas wie im „Amphidamphi“-Thread widerfährt…) , sondern die Medien ganz genau auf diejenigen ihr Objektiv richten, die es ganz genau darauf anlegen…

Aber, und genau jetzt bin ich am Ansatz- und Hebelpunkt angelangt: solange die auch immerhin noch so nennenswerte „Goth“-Szene es sich (weitgehend stillschweigend) gefallen lässt, sich nur über Äusserlichkeiten, manchmal allzu bemühte Phantasie-„Subszenen“ und vielleicht auch lancierte ach-so-„shocking“/“düstere“-Huibuh-Klischeekapellen (die aber musikalisch auch einem Tanzdervampire- und sonstigem billigromantikquatschaffinen Mainstream-Publikum durchaus zusagen können), breitenwirksam und kritiklos darstellen/präsentieren zu lassen, sich hinterher nur „intern“ darüber echauffiert, solange scheint ja alles noch wunderbar ok zu sein… (das Gemaule darüber höre ich mir von Betroffenen immer nur hinterher an, stundenlang bisweilen…)
Aber, wieso in aller Welt, muß man von Fall zu Fall auch als „gestandener“ Goth noch bemüht, aber sehr oft halbherzig den overdressed Szenesuperstar auf einschlägigen Festivals geben, warum muß manchmal mit diesen Eventhanseln und 15 Minutes of Helloween-Melodramatik-Narzissten konkurriert werden? Angst vor vielleicht vor im Verlieren begriffenen inneren (Goth-)Werten, oder verkümmerten die auch bereits endgültig, anbetrachts des Spektakels?

D.h., wieso distanziert man sich nicht direkt (vielleicht sogar schon vor Ort) von Leuten, die solch einen geschwurbelt-gequirlten Sch*** von sich geben, wie von der einen Dame geäusserten, im zu diesem Beitrag einsehbaren Video/Trailer. Herrgott nochmal, wenn ich sowas schon hören muß, „wir“ sind ja alle solche tollen Erfolgsmenschen (Arzt, Banker, eventuell Weltretter…), unter der Woche erkennt uns ja keiner, wir sind ja ganz grenzdebil deppert brav und harmlos, aber zu solch einem Kommerz-Festival können wir mal die Sau rauslassen, guck mal Kameramann, mein Revell-Bausatz-Skelett auf meinem Arm, hihihi und Helau…

Daß man mich nicht falsch verstehe, auch ich bin im „gesetzteren“ Alter, keineswegs subversiv o.ä., muß keine Not leiden, gehe einem „gutbürgerlichen“ Beruf nach, konsumiere auch oft und gerne ohne selbst aufoktroyierte Zeigefingermentalität und verbogene Selbstbeschränkung, aber habe ich das letztendlich nötig, dies so auf eine Art und Weise beinahe schon (verschämt) rechtfertigend von mir zu geben, wenn ich auf ein „Goth“-Festival gehe…? (aber ich würde mich ja ohnedies keinesfalls vollkommen grenzwertig aufgedonnert vor einer Kamera präsentieren…)
D.h., ich bin „Goth“ – oder bin es dann doch nicht…

Was ich über die Jahre und Jahrzehnte aber beobachten musste, ist z.T. eine derartig passive und beinahe schon devote Haltung gegenüber Ausverkäufern und allzu beliebigen Verramschern – ganz zu schweigen von übereifrigen und substanzlosen, durch die „Tür fallenden“ Trittbrettfahrern – der „schwarzen“ oder „Goth“-Szene, die zum Großteil sogar von „intern“ ihren Lauf nahmen, bzw. wahllos animiert wurden, und kritiklos oder aus falsch verstandener „Toleranz“ (die ich an anderen – und wichtigeren – Stellen in der „Szene“ allerdings sehr oft schon angezweifelt habe, in jeglicher Hinsicht…), jeden Pups gewähren liessen, sei er auch noch so fehl am Platze.
Btw., andere noch „überlebende“ (?) Szenen gingen da schon wählerischer vor, sei es aus Selbsterhaltungstrieb, oder um die „Subkultur“ zu wahren. Aber letztendlich liegt mir persönlich auch nichts wirklich daran, allzu krampfhaft um das Weiterbestehen einer Szene/“Subkultur“ zu kämpfen, wenn absehbar ist, daß es mit dieser zu Ende geht…
Oder: meine Weltanschauung, meine kulturellen Interessen, mein Empfinden (nicht nur ästhetischer Natur, sondern allumfassend) ändern sich nicht, auch wenn es keine „äussere Szene“, keine Festivals, und schon gar keinen keinen (öffentlich beschleunigten) „Goth“-Hype mehr geben sollte. Und das ist m.E. das Entscheidende!

BlueLotus
Gast
BlueLotus

Für mich ist das Mera Luna uninteressant, das weiß ich u.a. auch durch die vielen Vlogs. Nur schade, daß Gruppen wie Clan of Cymox u. Das Ich dort auftreten, statt am WGT. In Leipzig hat man wenigstens noch etwas die Möglichkeit dem Kommerz auszuweichen. Wobei ich mir von den Veranstaltern dringend Qualität vor Quantität wünschen würde!! Was nützen mir 200 so lala Bands, dann lieber 20 richtig geile! Und die überfüllten Locations waren echt ein Problem dieses Jahr! Ich hoffe immer noch, daß sich die schwarze Szene wieder gesund schrumpft und die verkleideten Fantasywesen sich einen anderen Spielplatz suchen ;-)

Narcis
Gast
Narcis

Ganz ehrlich, was die Szene braucht ist wieder in den Untergrund zu verschwinden. Diese masslose Offenheit gegenüber allem und jedem kanns doch nicht sein. Eine Subkultur ist per se nach aussen abgeschottet, dort geht man hin, wenn man der Welt, der Oberflächlichkeit, der Ignoranz usw entfliehen will. Jetzt muss man sich mit genau diesen Dingen und Leuten in der Szene herumschlagen. Ich habe absolut nichts gegen diese Paradiesvögel, Wikinger, möchtegern düsteren Instagram-Models, Kawaii, Pastellkinder usw, ich kenn sie ja nicht persönlich, aber ich will mich doch nicht an einer Gruftiveranstaltung mit sowas herumschlagen müssen. Wenn ich an ein Metal Festival gehe, dann läuft da ganz sicher auch kein Techno oder dunkler Schlager (die dann wieder ihr eigenes Klientel anziehen), also warum müssen wir allem und jedem eine Plattform bieten?

Mir gehts hier übrigens nicht darum alles, was kein „echter“ Grufti ist, auszuschliessen. Es gibt ja auch Neulinge oder Szenefremde, die gerne mal eine solche Party besuchen möchten. Mir gehts um Leute und Entwicklungen in der Szene (zB Prodigy. Ich liebe die Band aber hat in der Gruftiszene nix verloren), die die Szene zu etwas machen, bei dem wir uns alle ziemlich einig sind, das sie nicht ist.

papawave
Gast
papawave

Hey Leute, entspannt euch. Das war schon 1986/87 so, dass man sich bei anderen was abgeguckt hat. Damals war ich 15/16 und ohne irgendwelche älteren Waver wäre ich in Sachen schwarze Klamotten und Schnallenschuhe nicht weiter gekommen. Auf die Idee, mir nen Rosenkranz umzuhängen wäre ich leider alleine nicht gekommen. Also: Dankeschön! Deshalb lasse ich die Youtuber influenzen, und freue mich über moderne Technik. Wir haben doch damals auch dem Walkman gehuldigt und uns in den Fussgängerzonen umgeschaut. Ein paar gute Sachen waren für mich bei youtube ab und zu schon mal dabei, hauptsächlich bei Skullgirdle – aber auch bei einigen jüngeren.

Ich war zwar noch nicht auf dem Luna oder auf dem WGT aber dieses Jahr beim NEW WAVE DAY in Oberhausen. Was mir dort gefallen hat, war dass da ziemlich viele Leute in genau meinem Alter waren. Es war nicht zu groß und es gab auch keine Achterbahn mit Wasserrutsche, was mich aber auch nicht gestört hätte, so lange die Damned nebenan spielen ;-) – die sich übrigens mit einem Augenzwinkern als „old wave“ betitelt haben.

Es ist doch so, dass es die Gothics ohne die Waver nicht gäbe. Die Waver gäbe es ohne die Punks nicht und die Punks gäbe es ohne die Skinheads nicht, die es ohne die Mods nicht gegeben hätte usw.
Jede Bewegung hat ihre Weiterentwicklung und das ist gut so. Und die meisten, der bei einer Bewegung mit dabei waren schimpfen auf das, was sich daraus weiterentwickelt hat.

Am Ende ist es doch alles nur Rock´n´Roll, ob es nun Speed- oder Trashmetal oder sonstwie betitelt wird. Schubladendenken eben.

Have fun!

Grüße, usw.

ArminR
Gast
ArminR

@ Robert P.

Ich habe aber auch nie verstanden, was EBM mit Zahnrädern zu tun hat.

In den Anfängen der EBM-Musik ging es um die Symbolik der „Maschinen-Musik“ mit den Maschinen der Industriealisierung. Besonders die Stahlwerke, Pressen, etc. des Ruhrgebiets wurden als „körperliche arbeit“ im Zusammenhang mit der „Maschine“ dargestellt. Es wurde damals viel gesampelt darunter viele Maschinen und Hammer Geräusche. EBM wurde damals über gesampelte Geräusche und Stimmen definiert. Erst dies prägte den EBM Sound.

Musikalisch hervorgehoben durch Die Krupps mit „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“.
Das Zahnrad steht für die Maschine und ohne ein Zahnrad würde eine Maschine stillstehen. Auch der Hammer ist ein Symbol im EBM.

Ich denke das die Definition einer schwarzen Szene nicht mehr vorhanden ist. Über die Jahre sind die Merkmale abhanden gekommen. Damals definierte man sich halt nicht nur über die Musik. Style, Einstellung, etc. gehörten ebenso dazu. Heute Frage ich mich ernsthaft was Mittelalter, Steam Punk oder Cyber Goth überhaupt in dieser Szene zu suchen haben.

Im Endeffekt ist das ein Produkt der Medien die mit sinkenden Verkaufszahlen die Szene künstlich erweitert hat um mehr Verkaufserlöse zu erzielen.

Ich besuche solche Veranstaltungen schon lange nicht mehr weil mein Herz dann blutet! Ich gehe nur noch aufs Amphi (wegen der Nähe) und das auch nur um 99% der Leute auszulachen!
Besonders solche Szene Barbies wie Dark Friday haben doch nichts mit Goth zu tun. So etwas ist eher eine Lachnummer! Ich glaube man muss sich einfach damit abfinden das die Szene meiner Jugend tot ist. Man lebt in seiner eigenen Blase, geniest es Freunde von früher zu treffen oder neue Urgesteine und Verfechter der alten Szene zu finden. Aber die derzeitige Szene ist einfach nur noch eine Lachnummer.

T.S.
Gast
T.S.

Robert, jede(r) so gut wie sie/er kann, insofern es ihr/ihm wichtig und von der Sache her wirklich erhaltenswert erscheint. Ein gewisser Grad an Authentizität ist hierbei genauso notwendig, so wie diese auch notwendigerweise diverse Erscheinungsformen haben kann, gar sollte. D.h. im Klartext, wer seinem Unbill, zugegebenermassen wenig subtil und noch weniger originell mit einem Protestschild oder Transparent Luft machen möchte, es steht ihm frei. Und ist für mein Dafürhalten genauso rechtens, wie der Eventpest sich komplett zu verweigern. Der stille Rückzug stand der ursprünglichen Szene ja ohnedies schon immer gut zu Gesicht, auch wenn offene Gegenwehr von Fall zu Fall manchmal angebrachter gewesen wäre… (und Gelegenheiten dazu gab es fürwahr oft genug, die z.T. „ungesunden“ Vereinnahmungen, Irrlichtereien und Überstülpungen seit den Neunziger Jahren sind uns doch alle noch präsent, oder…? Ich sage z.B. nur mal „Metal“, „Mittelalterklamauk“, Uniformen, Cyber, etc.)
Jetzt möchte ich nicht für ein übertrieben konservatives Bewahren irgendwelcher längst überkommenen „Werte“ aus den ach-so „seligen“ Achtzigern werben, aber ein gewisses fundiertes Umgehen mit einer Art gewachsenen „Szenehistorie“ wäre wünschenswert, vor allem meine ich hiermit diese doch recht unsensibel auftretenden Herr- und Damenschaften, die als allzu Susi-sorgloses Tralala-Eventvolk in der Szene herumwildern, als ginge es wirklich nur um einen reinen Maskenballbohei oder Sehen-und-gesehen-werden-Medienrummel.
Vielmehr sind m.E. eitle Äusserlichkeiten/Optik sowieso mittlerweile total überbewertet, ein „schrilles“ oder overdresstes Outfit/Styling (oder bemühte Sub-Szene-Totgeburten, z.B. „Pastellgoth“, „Steampunk“ oder ähnliche Gehirnverrenkungen) macht noch lange keinen „Goth“ – und machte dies, davon abgesehen, auch noch nie. Schon gar nicht als eine Art nur rein darauf beschränkter Selbstläufer. Grosser – aber leider weit verbreiteter – Irrtum! Ich kenne Leute, die sind schon seit Urzeiten tatsächlicher Bestandteil der Szene (auch als aktive/kreative „Macher“), und fielen noch nie optisch besonders auf.
Zunächst ist einmal ein unverkrampftes und relativ „natürliches“ Auftreten und dementsprechender Umgang mit der Materie von Vorteil, Selbstreflexion und (Selbst-)kritische Erscheinungsformen stellten doch mal bisweilen gewisse Vorzüge der Szene dar.
Und genauso kann das auch immer noch sein, die Szene war doch mal gut in Punkto (kreativer) Abgrenzung, die bis zu einer gewissen Anti-Haltung heranreichte (wenn auch durchaus nicht selten mit dem Schwerpunkt – oder Hang, aus rein individuellen Motivationen, bzw. Motiven heraus tendenziell zu agieren, wohlgemerkt…), warum das nicht immer noch (oder wieder) auch „intern“ praktizieren? Wie schon gesagt, jeder nach Gutdünken und natürlich auch mit Köpfchen und einem gewissen Witz. Das können wir doch immer noch, wenn wir nur wollen, oder?
Und, wem es auch immer darauf ankommt und wichtig ist, nicht im ewiggestrigen „seitdenSistersgabsdochnixgescheitesmehr“-Trott weiter zu mäandern, der kann auch aus eigener Kraft heraus einen Fortschritt und Update anstreben, ohne dem Eventpublikums-Overkill zu verfallen. Man muß sich doch nichts mehr selber beweisen – und gewissen anderen (nämlich denjenigen, über die hier kritisch berichtet wird) schon mal gar nicht…
Hierbei betone ich ausdrücklich, daß ich kein Freund irgendwelcher Codes, Dogmen oder gar uniformierter (Szene-)Gleichmacherei bin, wie schon gesagt: jede(r) wie sie/er kann und mag, aber das bitte mit Sinn und Verstand. Wenn man dies verliert, endet das am Ende tatsächlich noch so, wie schon mehrmals hier auf dieser page befürchtet: die Gesellschaft nimmt die Gothszene nur noch als Verein von harmlosen Freaks und/oder narzisstischen und latent doofen Wichtigtuern ohne besonders ausgeprägten Tiefgang wahr, als leicht vertrottelte und lächerliche Narretei, etc. (und hätte am Ende damit sogar nicht einmal so arg Unrecht…)

Und da ich schon mal beim Stichwort „Gleichmacherei“ bin: Nein, papawave, es ist eben nicht alles „nur Rock’n’Roll“, wozu hat man sich denn einst mal (auch davon) abgegrenzt? Um nun als bräsig-altersmilder Rockist zu enden? Nein, ich persönlich lege immer noch immensen Wert darauf, auch – oder gerade – kulturell immer mal wieder nur zu gerne eine anti-„rock’n’roll“-Haltung mir leisten zu dürfen!

Tanzfledermaus
Autor

„Der stille Rückzug stand der ursprünglichen Szene ja ohnedies schon immer gut zu Gesicht, auch wenn offene Gegenwehr von Fall zu Fall manchmal angebrachter gewesen wäre…

Das gab es doch damals bei der „Cyber-Invasion“ in Form eines Schilds mit der Aufschrift „Halte deine Szene sauber!“. Das sorgte damals ja für einige Toleranz-Diskussionen ;-)