Halloween und Allerheiligen. Unser Mitgefühl für gebeutelte Feiertage

Allerheiligen. Das ist der Tag nach Halloween. Kennt man ja, schließlich müssen viele Menschen an diesem Tag nicht arbeiten und Friedhöfe erfreuen sich ungeahnter Beliebtheit. Das ist dieses Jahr völlig anders. Corona hat der Welt Halloween madig gemacht, keine Chance auf Süßigkeiten, die Kinder in gruseligen Kostümen eintreiben, keine feucht-fröhliche Clubnacht mit Vampiren, Werwölfen oder Hexen und auch keine Dekorations-Explosionen aus Spinnweben, Kunstblut, Kürbissen und Gummispinnen. Wofür auch? Darf ja keiner vorbeikommen um zu staunen. Armes Halloween.

Als wäre das noch nicht genug Unglück, fällt Allerheiligen dann auch noch auf einen Sonntag und kann nicht durch einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag auf sich aufmerksam machen. Ohne freien Tag wird sich wohl niemand mit dem christlichen Feiertag beschäftigen. Armes Allerheiligen.

Wir helfen den beiden gebeutelten Feiertagen, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Woher stammt Halloween eigentlich?

Die Iren sind schuld. Die feiern Samhain, eine keltische-heidnische Tradition, schon seit Jahrhunderten und schleppten als Einwanderer im 19. Jahrhundert diese Tradition in die Vereinigten Staaten. Dort kam Halloween so gut an, dass sich das Fest schnell ausbreitete und mittlerweile zu einem wichtigen US-amerikanischen Volksfest mutiert ist.

Nicht ganz ernst gemeint ist diese Grußkarte aus dem Jahr 1904. Die junge Frau erhofft im Spiegel ihren zukünftigen Ehemann prophezeit zu bekommen.

Der Brauch, Kürbisse zu Halloween gruselig auszuhöhlen, stammt übrigens auch aus Irland. Dort lebte eine Sage nach der Hufschmied Jack Oldfield, der durch eine List den Teufel erpresste, niemals seine Seele zu holen. Als Jack dann starb und vor den Himmelstoren um Einlass bat, wies man ihn ab, den Jack war Zeit seines Lebens ein geiziger, trunksüchtige Halunke gewesen. Also schlurfte er runter in die Hölle, um dort seine Seele eine Heimat zu geben. Doch auch hier wies man ihn ab, denn schließlich hatte der Teufel Jack geschworen, niemals seine Seele zu holen. Der Teufel schickte Jack zurück auf den windigen und dunklen Pfad zur Hölle und weil er Mitleid hatte, schenkte er ihm eine glühende Kohle aus dem Höllenfeuer, um ihn den Weg auszuleuchten. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe, die er als Proviant mitgenommen hatte, um letztendlich als verdammte Seele “Jack O’Lantern” mit einer Laterne am Vorabend von Allerheiligen durch die Dunkelheit zu schlurfen.

Das endete in den USA damit, dass verkleidete Kinder von Haus zu Haus ziehen und Süßigkeiten erpressen wollen. “Trick or Treat” meint: Entweder rückst du deine Süßigkeiten freiwillig heraus, oder wir spielen dir einen Streich.

Seit Anfang der 90er Jahre macht sich Halloween auch bei uns breit. Man macht dafür den Golfkrieg verantwortlich, dem 1991 die Karnevalsfeierlichkeiten zum Opfer gefallen sind. Damals war man noch sensibel genug, Leid und Krieg nicht in aufgesetzter Fröhlichkeit zu ertränken. Niemand wollte sich freuen oder feiern. Das stellte die Kanervals-Industrie vor ein großes Problem, denn die Umsätze brachen schlagartig weg. Dieter Tschorn vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie hatte damals angeblich die Idee, den Deutschen Halloween schmackhaft zu machen und so die Kassen zu füllen. Der Plan ging auf.

Ein Gedenktag für Heilige und solche, die es werden sollten

Kommen wir zu Allerheiligen, den wir, so eine gewagte These, auch den Kelten zu verdanken haben. Aber dazu später mehr. Die Christen gedenken an diesem Tagaller ihrer Heiligen, auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden, sowie der vielen Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott

Doch das taten sie nicht immer am 1. November. Papst Gregor IV. legte 835 den Tag, der ursprünglich im Mai stattfand, für die westliche Kirche auf den 1. November. Dieser Feiertag gilt bis heute in vielen europäischen Ländern, außer bei den Niederländern. Die haben den Feiertag 1960 abgeschafft, um die von der Arbeit befreiten umliegenden Nachbarn zum Einkaufen in Holland zu animieren, behaupten jedenfalls spöttische Zungen.

Allerheiligen wird in vielen christlich geprägten Ländern gefeiert. | Granada, 20171101 Romantikerfriedhof Maria Enzersdorf 850 3812 DxO, CC BY-SA 4.0

Direkt mit Allerheiligen verbunden ist auch Allerseelen, der auf den 2. November fällt. Denn nachdem man den Heiligen gedacht hatte, widmete man sich dem undankbaren Rest, der im Fegefeuer schmorte.

Schon den ersten Christen ging es darum, einen Tag den Toten zu widmen – ganz so, wie man es von den Heiden oder Kelten her kannte. Da eindeutige Belege fehlen, behaupte ich unverblümt, dass sich die Christen den keltischen Feiertag zu eigen gemacht haben, um der wichtigen Tradition, den Toten zu gedenken, eben einen christlichen Rahmen zu geben. Ganz nach dem Motto: Kommt zu uns, wir beten auch für die Toten!

Allerheiligen als billige Kopie menschlicher Tradition?

Die Kelten glaubten schon lange vor den Christen, das in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November die Sommergöttin mit dem Todesgott tauscht, denn Sommer bedeutete Leben, Winter häufig den Tod. Man dachte, das an diesem Tag das Jenseits besonders nahe sei und die Seelen der Verstorbenen zum Greifen nah erschienen. So feierte man gemeinsam mit den Toten das Fest der Toten und brachte den Göttern ein Opfer, um sie für den kommenden Winter möglichst gnädig zu stimmen. Die Irischen Kelten haben den Brauch dann abgewandelt, sie zogen sich in dieser Nacht möglichst schrecklich an, damit sie die Toten und Geister die in dieser Nacht ihr Unwesen treiben, von ihnen ablassen würden, weil man sie als ihresgleichen ansah. Die Masken und Kostüme diente also der Abschreckung.

Jetzt kommen die Christen ins Spiel. Die sahen, wie wichtig den Kelten ihre Tradition war und vereinnahmte daher den Feiertag für ihre Zwecke um die Missionierung einfacher zu gestalten. “So einen Feiertag haben wir auch!” Allerheiligen und Allerseelen sind die Ergebnisse dieser geschickten Strategie der Kirche; die Menschen müssen sich nicht umstellen und auch ein verpönter heidnischer Brauch wurde erfolgreich bekämpft.

Machen wir uns nichts vor, Glaube ist etwas sehr Individuelles und persönliches geworden und auch die christliche Kirche bietet mit Allerheiligen und Allerseelen ausreichend Gelegenheit seinen Toten zu gedenken, ganz so wie man sich selbst dabei fühlt. Es muss nicht immer Halloween sein, auch die Stille – die man hierzulande auch unter gesetzlichen Schutz stellt – hat ihren Reiz und erscheint als Zeit für Gedanken um die Ahnen auch nicht ungeeignet. Möglicherweise bietet Corona ja wieder ein wenig Raum dafür, den Toten zu gedenken, die in der Pandemie ihr Leben lassen mussten. Ob christlich, heidnisch, keltisch oder ganz ohne Gott.

Und bevor jemand fragt,

weder Halloween noch Allerheiligen haben für die Gothics eine besondere Bedeutung. In ihrem allgemeinen Interesse für alte Naturreligionen und heidnische Bräuche beschäftigt man sich gerne damit. Allerdings finden wir es cool, wenn alles so schon nach Halloween aussieht, denn das ist unserem natürlichen Lebensraum viel näher. An Halloween deckt der geneigte Grufti seinen Jahresvorrat an morbider Dekoration, die dann im Laufe des Jahres Wohnung, Umfeld oder den Träger selbst schmückt.

Liebe Feiertage. Irgendwann wird alles wieder gut. Klingelnde Kinder, Kunstblut und Spinnweben und an deinem Tag, liebes Halloween, in der Dunkeldisco mit dem Werwolf schwofen. Und auch wenn Allerheiligen wieder bedeutet, einen Tag frei zu haben, finden ihn Millionen von Menschen dich auch wieder ganz toll.

Halloween Artikel
Ein ganzer Haufen von Halloween-Aritkel, die jetzt keinen Abnehmer finden | Photo: Andreas Praefcke, Halloween-Artikel Deutschland 2000s, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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