Der Knoblauchzopf hat nachgerechnet, und das Ergebnis gefällt ihm nicht. Arbeit, Freizeit, soziale Kontakte, Alleinsein, Gaming, Internetsurfen: sechs Lebensbereiche, die er laut Alana Abendroths Orakel ausbalancieren soll, statt wie sonst herumzueiern. Das macht vier Stunden pro Bereich, Schlaf nicht eingerechnet. Dazu kommt der kleine Likör, den er Ende Oktober beim Dämon trinken wollte, damit der nicht allein trinken muss. Der hat ihn drei Tage gekostet. Wie man es auch dreht, 24 Stunden sind zu wenig, und irgendwas fällt immer hinten runter. Meistens eine Zehe.
Die Lösung findet er im Gefrierfach. Knoblauch hält sich dort monatelang, weil bei Frost einfach nichts mehr passiert. Der Knoblauchzopf folgert daraus, dass Kälte die Zeit anhält und er nur einen ausreichend großen Ort einfrieren muss, um ein paar Extrastunden herauszuschlagen. Der größte ihm bekannte Ort mit vernünftiger Heizung ist die Hölle. Der Dämon ist sofort dabei, denn nach einem Oktober voller Finsterwesen auf seinem Sofa klingt eine stille, vereiste Unterwelt für ihn nach Urlaub. Zu zweit schleppen sie Kühlakkus durch das Höllentor, drehen Thermostate herunter und lassen nachts die Fenster gekippt. Die Bewohner regt das fürchterlich auf, aber das ist der Dämon gewohnt.
Am 22. November ist es so weit: Die Hölle friert zu. Die Zeit bleibt allerdings nicht stehen. Stattdessen werden schlagartig alle Versprechen fällig, die der Knoblauchzopf in den letzten Jahren mit „Mach ich, wenn die Hölle zufriert“ abgewimmelt hat. Dazu gehören die Steuererklärung, der Keller, der Rückruf bei der Tante und die Grableuchte, der er seit 2019 beim Umzug helfen wollte. Sechs Lebensbereiche hätte er vielleicht noch ausbalanciert, jetzt sind es vierzehn. Er wird sich wohl einen zweiten Zopf flechten müssen. Und was vorhergesehen ist, kann ja schließlich nicht schiefgehen.


