Der Pflock ist immer noch im Durchzug – daran hat sich seit Juli nichts geändert, seine Sturmfrisur hält sich hartnäckig – aber diesen Monat richtet sich der Blick der Kröte auf den Nachbarn: den Wiedergänger. Und dem hat Alana Abendroth für den August wenig Schmeichelhaftes ins Ohr geraunt. Sein Nervenkostüm sei löchrig, heißt es. Der Wiedergänger, der Dinge grundsätzlich wörtlich nimmt, geht sofort zum Kleiderschrank, zieht sein bestes Nervenkostüm heraus und begutachtet es im Licht der Grableuchte. Tatsächlich: Motten. Er ist erleichtert, dass wenigstens die Nähte halten und keine, wie das Orakel es taktvoll formuliert, unrepräsentativen Körperregionen unnötig freigelegt werden.
Statt nun aber zur Nadel zu greifen, befolgt er den letzten Rat des Orakels mit der Gründlichkeit eines Musterschülers: Er soll sich noch ein paar Laufmaschen in die Strümpfe machen. Gesagt, getan. Der Wiedergänger setzt sich auf die Friedhofsmauer, sucht die dicksten Strümpfe aus seinem Fundus und arbeitet sich mit einem angespitzten Fingernagel Masche für Masche durch, bis das Werk vollbracht ist. Der Pflock, der im Vorbeiwehen zusieht, hält das für die konsequenteste Selbstsabotage, die er je gesehen hat, und ist ehrlich beeindruckt – zum ersten Mal seit Wochen von jemand anderem als sich selbst.
Am Ende sitzt der Wiedergänger zufrieden da: das Kostüm löchrig, die Strümpfe ruiniert, das Nervenkostüm nach wie vor lückenhaft – aber alles genau so, wie das Orakel es vorhergesehen hat. Und was vorhergesehen ist, kann ja schließlich nicht schiefgehen.


