Gefangen im Netz - Internet GM

Gothic Friday September: Gefangen im Netz! (Orphi)

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Dieser Gothic Friday ist eine ganz hervorragende Möglichkeit, einmal kundzutun, wie sehr mir das Internet auf den Zeiger geht. Ich habe schon so oft versucht, der digitalen Welt den Rücken zu kehren, mich in die Ruhe einer natürlichen Welt zurückzuziehen, fernab von Informationsfluten, von Profilneurotikern, von Aluhüten, Verschwörungstheorien, rechten linken und sonst welchen Spinnern und und und… . Sie verkleistern mir das Hirn, klauen mir Zeit, nerven mich und halten mich davon ab, mich zu regenerieren und mich Sachen zu widmen, die mir gut tun. Mein Hirn, das ohnehin in Dauerschleife auf Hochtouren läuft, bekommt durch das Internet ständig Input, was sicher nicht zu meinem Wohlbefinden beiträgt.

Blöderweise ernährt mich das Netz zum größten Teil, denn mein Beruf verlangt mittlerweile eine nahezu permanente Präsenz im Netz, um Informationsfluten entgegen zunehmen und zu sortieren, Informationsfluten zu erzeugen und zu verteilen.

Als ich mich entschied, Journalistin zu werden, gab es noch kein Internet, jedenfalls nicht in dieser Form. Im August 1991 ging die erste Webseite im Hypertext Transfer Protocol (http)online und öffnete das Netz (theoretisch!) für Ottonormalverbraucher. Das war das Jahr, in dem ich Abitur machte. In der Schule hatte ich noch die Programmiersprache BASIC und Turbo Pascal gelernt. Und das war damals eine Innovation. Wir waren die ersten, die Informatikunterricht in der Schule hatten. Omma erzählt von früher… schnell umschwenken …

Heute bin ich acht Stunden auf der Arbeit online, überwache und befülle Profile in sozialen Netzwerken, schreibe Bücher über Online-Marketing-Themen, stehe mit Interviewpartner und Kollegen über WhatsApp oder facebook in Kontakt und selbst meine Freizeit spielt sich teilweise im Netz ab. Ich bin gefangen im Netz – und da hilft es leider auch nicht, wenn ich ständig meine Webseiten oder Profile lösche, wenn es mir zu viel wird. Eingeweihte kennen das: Et iss widda soweit, Orphi hat das Internet gelöscht! wink

Inwiefern lassen sich für euch Internet und euer Schwarzsein vereinbaren? Ist das Internet bezogen auf Letzteres eine Bereicherung? Wenn ja, in welchen Bereichen? Zeigt sie uns! Seht ihr irgendwo Probleme und wenn ja, welche?

Ich bin nicht der Meinung, dass das Internet generell eine Bereicherung für die Szene ist. Es ermöglicht zwar den schnellen Kontakt zwischen Gleichgesinnten und es ist sicher von Vorteil, wenn man Events und Festivals von facebook vor die Nase gelegt bekommt, aber auf der anderen Seite nimmt es der Szene die Seele. Jeder hat Zugang, jeder kann mitmischen und leider kommen dadurch eben auch viele Leute in die Szene, die sich verkleiden und schwarzen Karneval feiern. Ich weiß nicht, ob es Health-Goth, Pastell-Goth, Cyber, Steampunker und zahlreiche optische Verwirrungen und Verirrungen der Fetish-Szene heute auf Szene-Veranstaltungen geben würde, wenn es das Internet nicht geben würde. Wer eine subkulturelle Heimat sucht, findet schnell die Schwarze Szene, auch wenn es nicht 100prozentig passt.

Früher „wuchs“ man in eine kleine, überschaubare Szene und musste einigen kritischen Blicken standhalten, bevor man „mitspielen“ durfte. Wäre man da auf die Idee gekommen, sich neonfarbene Schläuche in die Haare zu basteln und hektisch mit Taschenlampen rumzufummeln, hätte man sicher ziemlich alleine da gestanden und irgendwann seine eigene Gruppe und seine eigene Party ins Leben gerufen. Mir hat das besser gefallen. Und wo welche Partys waren und Konzerte stattfanden, hat man damals auch mitbekommen. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Natürlich hatte ich nicht die Möglichkeiten wie Berliner oder Londoner, aber ich war auch mit Freunden/Bekannten schwarz unterwegs. Nur, um dem Argument vorzugreifen, dass durch das Netz auch endlich die Landbevölkerung Zugang zur Szene hat. Wer will, der findet auch ohne Internet einen Weg in die Subkultur. Ging ja früher auch.

Nutzt ihr Facebook, Whatsapp & Co? Wie wichtig sind sie euch hinsichtlich Kontaktaufnahme und -pflege? Gibt es Verweigerer unter euch, die sich bewusst gegen einen Gebrauch sozialer Medien entscheiden?

Wenn ich könnte, würde ich sämtliche sozialen Netzwerke aus dem PC und dem Smartphone entfernen und durchatmen. Geht aber nicht. Das habe ich ja zu Beginn schon etwas erläutert. Und nein … leider funktioniert es bei mir nicht, den Zugang strikt auf die Arbeitszeit zu begrenzen. Bei mir funktioniert nur „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Solange ich den Mist installiert habe, ist „aus dem Sinn“ für mich unmöglich. So bin ich also fleißiger (!) Facebook- Nutzer und gelegentlicher WhatsApp-Nutzer. Wenn, dann richtig. Selbstverständlich freue ich mich, dass ich mit den Leuten, die nicht in der Nähe wohnen, sehr einfach Kontakt halten kann. Ich weiß, was sie machen, wie ihr Tag war, was sie gegessen haben, auf welchen Partys sie waren, wie sie gerade aussehen und so weiter. Selbst die Freunde in London sind nur einen Klick entfernt. Sehr bequem.

Ehrlich gesagt, fand ich aber die Briefe von früher schöner. Internet nimmt allem die Seele (das schrieb ich schon, aber mir fällt keine passendere Umschreibung ein). Ich habe mich so gefreut, wenn im Briefkasten ein Briefumschlag für mich lag. Damals handelte es sich dabei nicht um Rechnungen oder Werbung, sondern oft um selbstgebastelte Umschläge mit handgeschriebenem Inhalt und verlesenen Fotos. Ich hatte nie das Verlangen, einen Facebook-Post aufzubewahren. Die Briefe von früher hab ich alle noch. Sie haben Tiefe und Bestand, auch wenn die Tinte verblasst. Und eine Stufe moderner geht es ja auch noch ohne Internet: E-Mail schreiben! Auch hier nimmt man sich automatisch mehr Zeit als in den sozialen Medien, in denen man Antworten und Ansichten hinausposaunt, ohne Mühe, ohne Tiefe. Ja, ich mach das auch! Mea Culpa.

Mit dem Siegeszug der sozialen Medien wird häufig eine Verflachung der Diskussionskultur und an Narzissmus grenzende Selbstdarstellung verbunden. Wie seht ihr die Kritikpunkte bezogen auf die Schwarze Szene?

Amazing Graves
Amazing Graves ist Sabrinas Blog mit tollen Grab-Geschichten der Londoner Freidhöfe

Nö, hier stimme ich nicht zu. Die flache Diskussionskultur gab es schon immer. Sie ist vielleicht einfach deutlicher zu sehen im Internet. Für gewöhnlich begegnet man manchen Menschen ja entweder gar nicht, weil sie einem zu unähnlich sind, oder aber auf einer sehr oberflächlichen Ebene, auf der Diskussionen keine Rolle spielen. Das gilt übrigens für Begegnungen mit Mainstreamern und mit Szenegängern. Über die Schriftsprache im Netz werden gewisse „Inhalte“ gefordert. Und da kommt dann schon Mal der eine oder andere Dummdödel ans Licht und Diskussionen verebben im unfruchtbaren Sand.

Selbstdarstellung? Die Szene lebt von der Selbstdarstellung! Wenn schon Internet, dann schöne Bilder und selbstdarstellerische Kunst. Sehe ich gerne, mach ich gerne. Allerdings bin ich nicht sehr talentiert, deshalb lass ich lieber andere für ästhetisches Netz-Ambiente sorgen.

Welche (schwarzen) Internetauftritte verfolgt ihr neben Spontis noch? Wovon handeln diese und wie seid ihr darauf aufmerksam geworden? Welchen Kanälen folgt auf YouTube oder Twitch?

Keine! Ich habe allerdings selber einen Blog, der wegen diverser Buchprojekte (allesamt Webthemen) auf Eis liegt. Er beschäftigt sich mit den sieben großen Parkfriedhöfen in London, die im Viktorianischen Zeitalter entstanden sind, den „Magnificent Seven“. Das ist immerhin ein wenig gruftig. wink

Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Sabrina wurde 1971 in Duisburg geboren und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.

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Julius
Gast
Julius

Bei einigen Passagen musste ich zustimmend nicken. Ich kann nicht mit und kann nicht ohne Internet sein. Mich nervt auch wohl am allermeisten, dass ich diese Abhängigkeit zulasse, den Vorwurf muss ich aber mir selbst machen, nicht dem Internet an sich.

Selbstdarstellung finde ich auch nicht schlimm, mir kommt nur manchmal so vor, als würden immer mehr Menschen nur noch fürs Internet leben bzw. unterstelle ich, dass man im Genuss eines Ereignisses mächtig einbüßt, wenn man nebenher damit beschäftigt ist, alles für sein Publikum im WWW zu dokumentieren. Vermutlich merken das die meisten nicht einmal und dann soll es mir recht sein aber mich stört es, wenn ich mich mit jemandem treffe, es wird ein Selfie zum “Beweis” geschossen und danach pflanzen sich alle Beteiligten vor ihre Smartphones und verfolgen die Reaktionen auf besagtes Selfie oder kommentieren im Sekundentakt eben diese mit Beteuerungen wie viel Spaß man gerade gemeinsam hat…wobei denn? Beim kollektiven Daddeln auf dem Handy?

Es ist SO wohltuend zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die ein Herz für Briefe haben. Klar, alles von E-mail bis Facebook, Whatsapp, etc. ist effektiver als Schneckenpost. Aber Effektivität ist nicht alles im Leben. Die Schnelllebigkeit unserer Zeit nimmt den Dingen die Seele, wie Du es treffenderweise formulierst, es nimmt allem auch einen gewissen Wert. Man muss wirklich nicht jeden Gedankenfurz in den Äther blasen aber die Dauerkommunikation auf allen Kanälen verleitet offenbar schnell dazu. Außerdem geht dem Ganzen eine gewisse Sinnlichkeit ab. Die Haptik von Papier und Federhalter/Füller/etc., die Bewegungen, die man beim Schreiben ausführt, das kratzende Geräusch der Feder auf dem Blatt, der Geruch von Papier und Tinte…so geringfügig einem das erscheinen mag während man schreibt, so sehr machen diese Dinge am Ende den Unterschied.

Freundliche Grüße aus der Nostalgiker-Ecke. smile

PS: Was um alles in der Welt ist ein Health-Goth?

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Wer will, der findet auch ohne Internet einen Weg in die Subkultur. Ging ja früher auch

Mhm, früher vllt. eher noch als heute. Ich kann da allerdings nur aus meiner Erfahrung sprechen: Wenn man nicht mal weiß, dass es eine Schwarze Szene gibt, dann wird man sich zwangsläufig dieser nicht zuwenden, sondern schlicht mit den Leuten zu tun haben, die ähnlich ticken. Oder mit gar keinem, und ein einsamer Wolf sein. Gerade im ländlichen Raum landet man dann eher in der Metal-Ecke, sofern es nix punkiges gibt.

Was die Briefe betrifft, oute ich mich dann auch mal als Jemand aus der “Nostalgiker-Ecke” (kann man Briefe-schreiben echt als Nostalgie bezeichnen? Für mich ist das etwas ganz Normales, wennauch nicht alltäglich).

Auch wenn ich die Schnelligkeit des Internets nicht missen mag, ist es für mich immer noch wichtig, mein Gedankenwirrwarr zu strukturieren und in einem Brieflein zu sammeln. Ohne Getippe und Fingerkrämpfe, bei völliger Stille oder ruhiger Musik. Einfach Abschalten uns sich den Gedankengängen hingeben – auch wenn dies nicht so häufig geschieht, wie ich es mir vornehme.

Und ja, es stimmt: Diese Gedanken, ob nun von sich selbst oder seinem Gegenüber, bewahrt man auf, kann man sich jederzeit hervornehmen, unter heller Morgensonne auf einem Stück Wiese oder bei flackerndem Kerzenschein, und sich in aller Ruhe Erinnerungen und Gedanken hingeben.

Heiko
Gast
Heiko

Orphi Danke für den Link zum Thema Health Goth, das war sehr aufschlussreich zu lesen. Gleichzeitig aber auch seltsam. Ich hab beim Lesen einige male stutzen und seufzen müssen. Ich weiß gar nicht wie ich es jetzt nennen soll…. ja, seltsam passt. Für mein Verständnis sollte sich eine Jugend bzw Subkultur schon irgendwo auf Musik begründen, ob nun Punk, Metal oder Hip Hop. Aber naaaja, wahrscheinlich bin ich auch nur ein verbitterter alter Sack, der das alles nicht mehr versteht wink
Vieleicht bin ich auch engstirning oder begriffsstutzig, aber… wieso wird da eine Subkultur draus, wenn die Sportklamotten schwarz sind, die Hantelbank natürlich auch und es am Ende auch nur wieder darauf hinaus läuft, möglichst protzige Bilder von sich, seinen Muckis und den Sportgeräten auf irgendeiner Seite hochzuladen? Ich mein, ich selbst übe mich in Kampfkunst(und wenn ich den Arsch mal wieder hochkriege, auch bisschen Krafttraining), aber da mach ich doch nicht gleich so nen Buhei draus. Insgesamt fehlt mir bei hier aber der philosophische Anstrich, die eher introvertierte Haltung. Und die ganze Körperoptimierung erinnert mich nicht daran, dass da jemand einfach nur gesund und fit bleiben will, es geht für meinen Geschmack auch in die Richtung, dass alles zwanghaft optimiert werden muss für noch mehr Leistung. Noch optimaler. Noch perfekter. Und wer noch nen körperlichen Makel hat, ob selbst verschuldet oder nicht, der fällt durchs Raster? Ich kapiers nicht.

Tja, zur ländlichen Lage kann ich nur sagen, ich wohne selbst auf dem Dorf, hab aber gute Anbindung an die nächsten Städte, in denen es entsprechende Partys gibt. Das weiteste hier ist aus meiner Sicht Görlitz, mit etwa 50km Entfernung. Letztes Wochenende lief da zum Beispiel im Basta(ein sehr netter alternativer Jugendclub) eine 80er Wave/Pop-Party. Ansonsten sind Singwitz(ca. 30km) und Zittau(ca 20km) sehr gut erreichbar von meiner Warte aus. Ist ja dank Auto kein großes Problem.

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Wenn man jünger ist und aus dem Dorf nicht rauskommt, hilft ja auch das Internet nur wenig weiter. Virtuelle Kontakte sind – finde ich – nicht “die Szene”. Oder ist das mittlerweile ein zweidimensionaler Ersatz, der ausreicht, um sich auszuleben?

Nunja, virtuelle Kontakte helfen schon weiter: Wenn es um dich herum weit und breit keinen anderen Menschen gibt, der eine ähnliche Vorlieben, Denkweise und Musikgeschmack aufweist, dann ist das Netz meines Erachtens nach schon die erste Anlaufstelle, bspw. Foren oder Blogs, wo man Leute antreffen kann, die so drauf sind, man selbst. Dort ist dann zudem einiges an Information bezgl. Schwarze Szene zu finden. Gerade in Punkto Einstieg dürfte das Netz daher heute eine große Hilfe sein (und ja, ich weiß, dass dort auch genügend Stuss verbreitet wird/wurde, beschäftigt man sich jedoch mit der Materie kommt man schnell weiter und erkennt den Schmarrn).

Im Gegensatz zur analogen Realität: Man zeige mir heute auf dem platten Land irgendwo Schwarze/Gruften/Artverwandtes. Ich habe in meinem Leben, bis ich zum Studium in eine Großstadt ging. nie welche gesehen. Und ich bin schon ein wenig in meinem Bundesland herumgekommen.

Ob man die digitalen Kontakte und den dortigen Austausch als Szene bezeichnen kann? In dieser Hinsicht ja, schlicht mangels realer Alternativen. Als “Ersatz” würde ich das daher jetzt nicht zwingend sehen.

Heiko
Gast
Heiko

@Svartur Nott Ja, diese Rolle des Internets habe ich auch kennengelernt für mich, zum eigenen Vorteil, möchte ich doch behaupten. Wenn einen manches am Anfang regelrecht eingeschüchtert hat und ich mir dachte “Eh Heiko, das packste doch nich, du wirst doch wirken wie n verkrampfter Poser”.

Zum Land: jupp. Hier in Eibau(das Dorf in dem ich wohne) wüsste ich jetzt nicht, dass es noch irgendwen gruftigen gibt. Kann mich da als, ich bekenne mich schuldig, Stubenhocker auch irren. Vor allem gibts hier aber erstmal Rentner und einiges an Familien.

Die ersten Schwarzen gesehen habe ich dann in Zittau, der nächstgelegenen Stadt, direkt an der polnischen Grenze. Aber auf dem Dorf? Nö.

Tanzfledermaus
Autor

Ich bin in meiner Freizeit viel in Brandenburg unterwegs, oft auch in sehr dörflichen Ecken und das zu Fuß oder mit den Öffentlichen, da ich kein Auto habe. Und ich hab da schon öfter Leute gesehen, die alternativ bis schwarz unterwegs sind. Das dürften vermutlich aber in ihrem Dorf auch jeweils Vereinzelte bzw. Außenseiter sein. In Cottbus gibt es das “Gladhouse”, wo zumindest früher schwarze Veranstaltungen stattfanden. Wie es da heutzutage mit dem Programm aussieht, weiß ich nicht, aber den Club gibt es noch. Aber bis auf Potsdam wüsste ich sonst in Brandenburg keinen alternativen Club, der für ländliche Szenegänger einen Reiz hätte. Ich muss gestehen, dass ich da in den letzen Jahren aber auch noch nicht weiter nachgeforscht habe – wäre ja relativ leicht, wo es doch das Internet gibt wink

Bei einem meiner ersten WGTs, es muss 1994 oder 1995 gewesen sein, lernte ich eine Clique Brandenburger kennen, die auch recht weit verstreut wohnten und dennoch, ohne Internet, ganz gut vernetzt schienen. Wir hatten dann auch eine Weile Briefkontakt. Überhaupt waren Brieffreundschaften vor den Internet-Zeiten DER Weg, (über)regionale Kontakte zu knüpfen und zu halten. Wenn ich daran denke, welch großer Beliebtheit sich die sogenannten “rosa Seiten” im Zillo erfreuten, die die Kontaktanzeigen enthielten… Das übernimmt heutzutage das Internet, mit größerer Verbreitung und ständig abrufbar. Insofern schon sehr praktisch.

Robert
Webmaster

Wie bereits in meinem Artikel beschrieben, vertrete ich eine andere Sichtweise als meine Frau smile Nichts desto trotz kann ich ihren Gedanken auch etwas abgewinnen, denn das Netz und seine Möglichkeiten hat nicht nur Vorteile. Eben beschriebene Verwässerung, Ausschlachtung und die Unmöglichkeiten würden uns möglicherweise erspart geblieben, hätte es das Netz nicht auf seinen Siegeszug geschafft. Nun ist es aber da, das Internet und wir sollten uns damit auseinandersetzen. Ich beobachte eher einen Trend, dass die Zugänglichkeit wieder schwerer wird, denn die große breite Masse, die Szene und “Schwarz-Sein” in solche Blüten getrieben hat, fordert ihren Tribut. Es formt sich eine Szene IN der Szene, die das Internet zwar nutzt, aber sehr viel kryptischer und “versteckter”, wenngleich es auch dort immer beliebter wird, sich und sein virtuelles Dasein ins echte Leben zu transportieren. Vielleicht um eben wieder eine Wahrhaftigere Bewegung zu formen, so, wie sie vielleicht früher einmal war.

Und natürlich bin auch ich ein Fan von Briefen smile So hat es jede Spontis-Zuschrift, die den Weg in meinen Briefkasten gefunden hat, auf meine Tür, meine Galerie geschafft, wo ich mich immer wieder daran erfreue.