Robert von Spontis

Gothic Friday Oktober – Interview mit einem Goth

2

Shan Dark und Robert haben die Spontis-Family in diesem Monat im Rahmen des Gothic Friday auf die Suche nach Mitgliedern der Schwarzen Szene geschickt, die ein Interview geben wollen. Ich hab mir den Wizard of Goth selber geschnappt und ihn nach einem gemeinsamen Besuch der Schementhemen mit den Fragen konfrontiert, die er vorgegeben hat. Hier also das Interview mit Robert:

Warum trägst Du „schwarz“?

Eine ultimative Antwort gibt es da nicht. Ich fühle mich einfach wohl mit der Farbe. Ob ich damit wirklich etwas ausdrücken möchte, weiß ich gar nicht. Früher als Jugendlicher habe ich die Gruftis in „schwarz“ gesehen und habe das einfach nur cool gefunden. Ich wollte auch so aussehen. Heute fühle ich mich mit der Farbe einfach selbstzufriedener. Ich möchte nicht an dem bunten Gehabe teilnehmen. Wenn man Trends folgt, versucht man, sich einzugliedern. Ich möchte mich abgrenzen und sicher auch Neugier und Nachfragen provozieren.

Hast Du viele „schwarze“ Freunde oder ist dein Umfeld eher „bunt“?

Mein Umfeld ist im Bezug auf Beruf und Familie natürlich bunt. Auch mein Freundeskreis ist überwiegend „bunt“. Insbesondere durch das Internet sind in den letzten Jahren aber auch viele „schwarze“ Bekannte und einige „schwarze“ Freunde hinzugekommen. Das Internet ist hier eine großartige Chance, denn man trifft in der Stadt ja eher selten schwarze Gestalten, die man kennen lernen könnte. Nicht einmal dann, wenn man – wie ich – in einer großen Stadt wohnt.

Wie reagiert Dein „buntes“ Umfeld auf dein schwarzes Outfit?

Verstört, belustigt, neugierig, ablehnend. Es ist mir schon passiert, dass mir Leute auf Feiern mit einer aggressiven Grundhaltung begegnet sind und Fragen gestellt haben, auf die sie eigentlich keine Antworten haben wollten. Sie wollten nur angreifen. Warum trägst du Kampfstiefel? Bist Du Gothic oder was? Fragen, die nur provozieren sollen. Andere Leute kommen offen auf einen zu und sind tatsächlich neugierig, fragen nach Hintergründen und es entstehen nette Gespräche oder Diskussionen. Aber das ist auch ganz gut so. So entsteht von Beginn an eine automatische Selektion der Leute, mit denen ich was anfangen kann.

Besucht Du außerhalb von Festivals oder Konzerten auch andere kulturelle Veranstaltungen mit schwarzem Charakter?

Oh ja, sehr gerne sogar. Die Gemeinsamkeit innerhalb der Schwarzen Szene basierte ursprünglich auf der Musik. Heute sind viele Randbereiche hinzu gekommen – Lesungen, Ausstellungen, Vorträge mit schwarzem Charakter. Wir kommen ja beispielsweise gerade von einer Lesung. Allerdings ist es eher so, dass die meisten Veranstaltungen, die mich interessieren,  nicht explizit als „schwarz“ angekündigt sind. Ich empfinde sie persönlich als „schwarz“. Vielleicht sind sie mystisch oder mittelalterlich oder haben auf andere Weise einen „schwarzen“ Touch.

Siehst Du dich selbst als Goth(ic)?

Ich füge mich oft in dieses Muster, weil es einfacher ist. Der Begriff „Gothic“ ist heute allgemein verständlich. Wenn ich keine Lust habe, mich zu erklären, dann wehre ich mich nicht gegen diese Begrifflichkeit inklusive Klischee. Aber wann ist man „gothisch“? Wenn man sich besonders mystisch fühlt oder magisch oder zauberhaft?

Was würdest Du dir in oder für die schwarze Szene wünschen, damit sie (noch mehr) deinen Vorstellungen entspricht? 

Mehr Mut! Es gibt so viele kreative Menschen in der Szene. Sie schreiben, malen, machen Musik, nähen oder gehen anderen kreativen Leidenschaften nach. Noch immer denken viele, dass die Ergebnisse niemanden interessieren. Das will doch keiner lesen, hören und so weiter. Aber das stimmt nicht. Das Netz ist voll von Menschen, die nach Gleichgesinnten suchen. Ich wünsche mir mehr Mut für die kreativen „Schwarzen“, so dass sie etwas aus ihren Talenten und Leidenschaften machen und damit nicht im stillen Kämmerlein bleiben sondern an die Öffentlichkeit gehen und sie (mit)teilen.

Was stört Dich an/in der Szene?

Falsch verstandene Intoleranz und falsch verstandene Toleranz. Man muss aus Toleranz nicht alles mit in die Szene nehmen. Man sollte aber innerhalb der Szene auch nicht so sehr auf Äußerlichkeiten achten, wie es bei diesen True-Untrue-Diskussionen meist der Fall ist.

Was verstehst Du denn dann unter richtiger Toleranz?

Leben und leben lassen! Man muss sich nicht alles, was neu in die Szene gespült wird, zueigen machen, aber man sollte Splittergruppen und neue Strömungen akzeptieren.

Und was meinst Du mit richtiger Intoleranz?

Es gibt Dinge, Verhaltensweisen, Ansichten, die man für sich selbst als schützenswert erachtet. Die sollten erhalten bleiben. Es geht nicht um die Diskussion, wer dazu gehört und wer nicht. Es geht darum, den Kern zu schützen. Also eher eine inhaltliche Frage als eine des richtigen Outfits.

Ein Blick in die Zukunft: Wirst Du mit 70 Jahren noch immer „schwarz“ tragen?

Ja, ich will mich ja schließlich auch mit 70 wohlfühlen. Vielleicht wird es dann ein dem Alter entsprechendes „Schwarz“ sein. Schwarze Stützstrümpfe oder so…

Avatar
Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Sabrina wurde 1971 in Duisburg geboren und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.

2
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
Foto und Bilder Dateien
 
 
 
Audio und Video Dateien
 
 
 
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich bei:
Melle Noire
Gast
Melle Noire

Noch eine, die einfach ihren
Kerl interviewt hat… Tztztz… ;D

Aber ist sehr schön geworden!
Und das Highlight sind ja mal
eindeutig die schwarzen
Stützstrümpfe mit 70 ! *weglol*…
;D

Dunkle Grüße !
Melle

Tobikult
Autor

Aaahh, der Wizard of Goth! Darf ich meinen Sohn Merlin bei Dir in die Ausbildung schicken?