Gründer Frosch der lacht

Gothic Friday Dezember: Gothic & Annoying – Typisierung seltsamer Nervzwerge (Elisa)

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Gründer Frosch der lachtJetzt ist die Urheberin des Gothic Friday Themas „Black & Annoying“ selbst an der Reihe und hat ihr persönliches Nervranking aufgestellt, das mit Spezies bevölkert ist, die ihresgleichen suchen und die dann doch schon irgendwie jeder einmal getroffen hat. Sei es in einschlägigen Internetforen, in der heimischen Discothek oder auf dem letzten Konzert. Gebt zu, wenn ihr Euch angesprochen fühlt. Ich bin dann so ein bisschen verstaubtes Inventar, Pippi Gothstrumpf mit einem Hauch des ganz Besonderen.

Sind wir doch mal ehrlich: Haben wir beim Gothic-Friday nicht einfach nur darauf gewartet, dass der Tag kommt, an dem wir nun ganz offiziell motzen dürfen?Nun ist der Tag endlich da und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, daher habe ich mich in einer Typisierung seltsamer Nervzwerge der Szene versucht und werde sie nun vorstellen. Die Reihenfolge sagt nichts über den Platz im Nervranking aus.

Der Kitschbarde

Jeder kennt ihn, vielleicht war man auch selbst mal einer. Oder man ist es und will es nur nicht wahrhaben: der Kitschbarde. Die Gattung Gothologe, die man mit 13 Jahren irgendwie noch spannend findet und die man mit 20 dann doch verdrängt. Meist hält sich der Kitschbarde für einen besonders begabten Dichter, Maler oder Fotografen. Seit dem Siegeszug sozialer Netzwerke meist für alles zusammen. Die Inhalte seiner Werke behandeln meist die Schmerzen, die man des Nachts erdulden muss, während man auf Rosen gebettet mit Dämonen spricht, die aber nicht auftauchen, weil es regnet. Oder so ähnlich. Kommt zur Gattung des Kitschbarden noch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hinzu, gründet er Musikprojekte und nennt sie „Schillers Nachfolger“ oder „Franz‘ Komavision“, was wiederum andere Kitschbarden anlockt. Ein unendlicher Kreislauf.

Doch trotz seiner Nervigkeit und der meist plumpen poetischen Ergüsse, die hoffentlich niemals die kleine Internetforen verlassen werden, in denen sie entstehen, ist der Kitschbarde ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Im Grunde herzensgute Menschen (sofern sie nicht oben genannte Narzissten sind), wie ich bisher immer feststellen durfte. So gut, dass man sich nicht traut ihnen zu sagen, dass die erzwungenen Reime über ewigen Schmerz nicht deshalb besser werden, weil sie bereits 40 Jahre alt sind. Das Gegenteil ist der Fall.

Zeitreisende ohne physikalisches (und leider auch ohne geschichtliches) Know-How

Hachja, der Glanz alter Zeiten. Mächtige Anwesen, aufwändige Mode, große Entdeckungen. Man kann schon zu einem gewissen Grad verstehen, was an vergangenen Zeiten so faszinierend ist.

Aber diese (schlecht!) nachspielen? Klar. Ist ja nicht echt und es ist ja nur Zeitvertreib – und dennoch findet man immer wieder Leute, die im Geschichtsunterricht dann doch gerne mal krank waren und die dennoch mit stolz geschwellter Brust verkünden, wie gerne sie doch im Mittelalter leben würden.
Zugegeben, ich habe es nie geschafft, diesen Menschen länger als 5 Minuten zuzuhören. Allein deshalb, weil ich mich während dieser Gespräche immer gefragt habe, ob der ortsansässige Hufschmied das Gebiss des selbsternannten Ritters auch so toll gerade gerückt hätte. Aber ich will ja nicht zu sehr lästern, ich bin da ja auch kein Experte. Ansonsten schließe ich mich gerne „Eure Mütter“ an:

Die Special-Snowflakes

Für den Einstieg ein kleines Rätsel: Was ist schwarz-gelb gestreift, hat kleine Flügelchen, summt und bestäubt Pflanzen? Was? Ihr denkt an Bienen? Äh, nein? Nur weil es so aussieht und genau das tut, ist es noch lange keine Biene. Es sieht sich eher als Planierraupe, will aber eigentlich gar nicht in eine Schublade gesteckt werden, weil es ja in keine passt.

Ladies und Gentlemen: Die Special-Snowflakes. Es kann gerade nicht individuell genug sein. Schubladen sind für sie so eine Art Super-AIDS der Wahrnehmung. Wer es wagt sie mit „Gothic“ in Verbindung zu bringen, nur weil sie schwarze Kleidung tragen, entsprechende Musik hören und so ziemlich auf jeder größeren Veranstaltung anzutreffen sind und ihre Selfies auf Instagram und tumblr mit #gothstyle #dark und #sexygothicbdsmvictorianpostpunkjoydivisionchick taggen, bekommt einen gesalzenen Post zu lesen. In diesem wird dann nämlich erklärt, dass man zwar hin und wieder ein bisschen Nähe zur Szene pflegt und dort auch viele Freunde hat, dass man selbst aber niemals nicht zu dieser Szene gehört. Glücklicherweise bekommt man das Wesen der kleinen Flöckchen meist nur im Internet in vollem Umfang zu spüren. Umso schöner wenn man dann am Montag sieht, dass sie am Wochenende auf einem Gothic-Festival, einer Gothic-Party und zum Frühshoppen beim Gothic-Flohmarkt waren.

Aber keine Angst, kleine Flocken: Wenn ihr die Gothic-Schublade doof findet, dann stecke ich euch da nicht mehr rein. Ich habe eine ganz große Schublade auf der „nicht Gothic!“ steht. Ist genau das gleiche wie „Gothic“ und „Schubladen sind doof!“, aber doch immerhin ein Anfang, nicht wahr?

Das verstaubte Inventar

Die Urgesteine der Szene. Sie haben noch miterlebt, wie Rozz Williams kleine Kellerclubs füllte, wie das WGT fast gegen die Wand gefahren wurde und sie kennen noch die Kunstgriffe die notwendig waren, um sich einen 10m-Turm aus dem eigenen Haupthaar zu modellieren.

Nur sind unter diesen Urgesteinen irgendwie auch Menschen, bei denen man sich fragt, ob sie vielleicht jeden Tag vom Murmeltier gegrüßt werden. Sie scheinen einfach in einer Endlosspirale festzustecken. Seit 20 Jahren die gleichen Schuhe, die gleiche Friese und immer der gleiche Club mit der gleichen Hood am Wochenende. Selbstverständlich muss man auch vorher immer wieder anderen sagen, dass sie unbedingt zu Party XY kommen müssen, weil dort ja ALLE sind.

Und man erwartet dann aber schon vom DJ, dass er genau die Songs spielt, zu denen man schon vor 20 Jahren übers Parkett wedelte. Nur dass man heute eher leidenschaftslos über die Tanze schlurft, um sich beim nächsten, etwas aktuellerem Hit zu seiner Crowd zu schleichen, bei der man sich dann über neue Dinge wahlweise beschwert oder lustig macht. Um im gleichen Moment gelangweilt an seinem Bier zu nippen.

Wirkt aus der Ferne schon eher so, als wäre diese Variante von „der Szene treu bleiben“ eine ganz schön langweilige Angelegenheit.

Die wirklich ganz besonders Besonderen

In einer Subkultur sein heißt Abgrenzung. Auflehnung. Anders sein. Entsprechend findet man auch unter Gothics eine schier unendliche Anzahl gesellschaftskritischer Geister, die, im Gegensatz zu allen anderen im Mainstream natürlich durchschaut haben, was im Politischen so geht. Vom Aluhütler mit Reichsausweis bis hin zum genderfluiden Twingo-Einhorn mit portablem Safe-Space ist alles dabei. Nicht selten überschneiden diese sich mit den Special-Snowflakes und betonen immer wieder, wie einzigartig sie doch sind. Schlechte Nachrichten Kollegen: das ist weder neu noch irgendwie ungewöhnlich und eure flammenden, politischen Reden in eurer Filterbubble sind auch nur Gratismut.

Pipi Gothstrumpf

Ich mache mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt.“ – Gothstrumpfs sind das genau Gegenteil der Special-Snowflakes. Bei denen ist alles irgendwie „Gothic“. Und wer etwas dagegen sagt, erlebt eine Mischung aus einem kindlichen Tobsuchtsanfall und Midlife-Crisis-Geheule. Technogeballer mit Malletexten? Gothic. Unheilig? Gothic. The dark Tenor? Gothic. Helene Fischer singt ein trauriges Lied oder benutzt in einem Songtext das Wort „Nacht“? Gothic. Alles ist ein Lebensgefühl, nichts hat mit nichts zu tun und seid gefälligst tol(l)erant. Bei dieser verzweifelten Suche nach Anschluss möchte man fast aus Mitleid gar nicht widersprechen – wenn es nicht so unendlich dumm wäre.

Internet-Trittbrettfahrer

Meiner Meinung nach die schlimmste Kategorie. Irgendwelche supercoolen Mitzwanziger, die zuvor alle anderen Kategorien durchlaufen und zu viel VICE gelesen haben. Ihr wisst schon, die Kategorie Menschen, die das ausgelutschte Prinzip der „witzigen“ Kategorien nutzt, um sich supercool über alles lustig zu machen. Himmel, was für ein Arschloch kann man sein?

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Auf der Suche nach dem Szenekern droht die gnadenlose Verwirrung derer, die sich selbst darin verloren haben. Vom Metalhead mit einem Abstecher über das Mittelalter zum Neoromantiker. Im Herzen bleibt das Gesangstalent aber immer ein Punk, der mit einem Bein auf einstürzenden Neubauten steht.

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