Video 1997: Schöner wohnen mit amerikanischen Gothics

Aus der amerikanischen Dokumentation “Sex, Death & Eyeliner” stammt der folgende kurze Clip, der einen Einblick in die Wohnungen von nordamerikanischen Gothics gibt. 1999 erschien der Film auf VHS und wurde lediglich auf einigen Festivals aufgeführt. Seit dem ist er leider in der Versenkung verschwunden und auch auf YouTube findet man nur einige kurze Ausschnitte.

In dem Video, auf das Nancy mich hingewiesen hat, geht es um – soviel nehme ich vorweg – höllisch klischeeüberladene Wohnungseinrichtungen von Gothics, die Ende der 90er Jahre Gothic mindestens genauso ernst genommen haben wir ihr europäischen Vorbilder. Särge, wenn möglich gebrauchte, verschnörkelte Kerzenständer, viktorianische Möbel, übergroße Fledermausflügel und Selbstmord-Gemälde.

Nicht zu vergessenen das Apartment-Haus, das nach und nach mit Vampiren bestückt werden soll, also Leuten, die sich wie Blutsauger fühlen und auch so leben möchten. Ziel ist es, so ihr Rädelsführer, alle anderen Nachbarn so  zu verschrecken, dass sie die verbliebenen Wohnungen freiwillig räumen. Doch die wehren sich mitunter und nagelten dem Vampir auch schon mal Knoblauch an die Haustüre.

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Mein vermeintlicher Spott und Hohn täuscht vermutlich nicht darüber hinweg, dass ich den meisten im Video gezeigten Inneneinrichtungen etwas abgewinnen kann. Und ja, auch die extra Schicht Erdnussbutter, die man in Amerika den Dingen gerne überstreicht, scheint mir zu schmecken. Somit dürfte wohl die Art und Weise der Dekoration in gothischen Wohnungen ein gemeinsamer Nenner sein, wenn ich mich nicht irre. Mit den Särgen stehe ich etwas im Zwiespalt, denn die erfüllen für mich keinen ästhetischen oder funktionalen Zweck, sondern dürften selbst unter Gothics ein Klischee sein, mit dem man sich schmückt. Hier und da habe ich Sarg-Regale gesehen oder wegen mir auch Tische in Sargform.

Ich bezweifle dann auch, dass Gothics darin schlafen, denn Särge sind nicht unbedingt ein Garant für Bequemlichkeit. Zutrauen würde ich das den Amerika-Goths der 1997er allerdings. Die waren offenbar noch ein bisschen härter drauf als wir.

In unserer eigenen Wohnung sind wir mehr in Richtung “Wave” gegangen, haben mit Schwarz/Weiß Kontrasten gearbeitet und würden uns wohl eher in die Postmoderne Ecke der gruftigen Wohnungseinrichtungen stellen. Vor 20 Jahren war übrigens keine Spur von Gothic in meiner Wohnung. In dieser “bunten” Phase meines Lebens saß ich auch einem grell-blauen Sofa, hatte mehrfarbige Bettwäsche und stand sonst auf den typischen Echtholz-Look der Jahrtausendwende. Aber das ist eine andere Geschichte.

Übrigens: Wer im Besitz einer vollständigen Kopie dieser Dokumentation ist und bereit wäre, die mit mir zu teilen, möge sich bei mir melden. Ich wäre sehr dankbar!

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Lady Horrifica
Lady Horrifica (@guest_59359)
3 Monate her

Hallo zusammen :-) .
Ich bin zwar eher die stille Mitleserin aber jetzt wollte ich doch mal was schreiben . Erstmal danke an alle die Spontis möglich machen und am Leben erhalten. Ich habe immer viel Vergnügen beim Lesen und stöbern durch das Archiv und muss gestehen ; ich habe bereits noch das ein oder andere dazugelernt . Man lernt schließlich nie aus.

Zum aktuellen Beitrag:

Ich liebe ja Dokus bzw. Youtube Videos mit Goth Wohnungseinrichtungen. Da findet man schon noch die ein oder andere Inspiration für die eigenen vier Wände.
Wir ( meine Verlobte und ich ) haben uns erst kürzlich einen schönen Wohnzimmertisch in Sargform ( wir lieben Särgen ^^ ) gekauft und warten nun sehnsüchtig darauf das er uns geliefert wird. Auch der ein oder andere Totenkopf und Kerzenhalter ist bei uns zu finden. Generell kann man aber sagen das unsere kleine Wohnung, bis auf genannte Ausnahmen, relativ normal gehalten ist. Wobei normal auch immer Ansichtssache ist , denn nerdiges ( Sci Fi und Horror Fans ) Zeugs steht hier schon rum.
Am liebsten hätte ich ja ein schönes altes, großes Herrenhaus ( bitte mit dem dazugehörigen Personal und das nötige Kleingeld ^^ ) wo man sich dann in Bezug gruftige Accessoires austoben kann… aber das wird wohl eher nix ;-) .
Ich denke es kommt auch nicht so sehr darauf an ob die Wohnung/Haus in jeder Ecke und Ritze dunkelromantische gruftös geschmückt ist … solange die Besitzer die Dunkelheit in ihren Herzen tragen passt es .

Liebe Grüße an alle

Lady Horrifica

Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_59362)
3 Monate her

Ne, liebe Dokumentierte, schön das es euch so gefällt, aber meins wäre es in ein paar Dingen und Ausführungen nicht. Hmmm, tja, bei uns ist es letztendlich ein Mix aus Jagdhütte und Weltreisende Flair geworden. Natürlich mit einigem künstlerisch/handwerklich/kulturell, botanisch und anatomisch Interessanten, welches man so nicht in jeder Wohnung finden würde. Eigentlich empfinde ich es persönlich so, das man ahnen könnte wer drin wohnt, aber man wird nicht komplett in die Gruft geschickt. Verwundert sind wir ein bisschen das man von Erwachsenen meist ungefragt ein positives Feedback fürs Ganze bekommt… oft auch gepaart mit…. dieses oder jenes sei ja hochwertig… und es für Kinder oft ein Spaß bzw Interessantes ist, weil denen die kleinen und großen…. für sie Kuriositäten… sofort aufgefallen, die sie so von Zuhause her nicht kennen.

Spinnenkönigin
Spinnenkönigin (@guest_59372)
3 Monate her

Danke, lieber Robert, für den Beitrag.
Ich interessiere mich sehr für gruftige Wohnkultur und habe auch schon so manchen Schatz bei YouTube und im Internet heben können. Aber das Video, bzw. die Videoschnipsel kannte ich noch nicht.
Die Wohnung von meinem Mann und mir zeichnet sich auch nicht durch schwarze Wände aus. :-) Aber doch- auf den zweiten Blick sieht man, dass zwei dunkle Seelen darin hausen. Einige Totenschädel, Reaperstaturen und Papyrii bevölkern die Räume.
Wer sich etwas in altägyptischer Mythologie auskennt, spürt im Wohnzimmer einen Hauch Jenseits um sich.
Aber, in einem Sarg schlafen ? Das wäre mir zu unbequem. Ich bin eben doch ein gruftiges Weichei. ;-)

Majesty of Holyblood
Majesty of Holyblood (@guest_59376)
3 Monate her

Einen Gruss an euch alle.
Ich fuer meinen Teil, erfuelle gaenzlich das Klischee des im Sarg schlafenden Gruftis.
Wenn mein Fledermaeuschen neben mir im Bett wieder ganze Waelder im Schlaf abholzt, ziehe ich das ‘Ausweichbett’ vor. Natuerlich ausgestattet mit einer bequemen Matratze.
Fuer alle gut sichtbar im Esszimmer aufgestellt, erfuellt er aesthetische, als auch praktische Aspekte. Zum Aufbewahren, als Buffettisch oder einfach nur um ein paar Minuten Ruhe vom hektischen Alltag zu zelebrieren. ^^

Graphiel
Graphiel (@guest_59382)
3 Monate her

Eine gruftige Wohnkultur finde ich in der Tat auch interessant. Manchmal bedauere ich es ja, dass ich bei uns in der Wohnung auch Rücksicht auf meine weit weniger gruftige Freundin nehmen muss, sonst würde ich da vermutlich auch noch viel mehr düstere Farben und Dekorationen verteilen. Ein echter Sarg wäre mir da allerdings ebenfalls zu viel, selbst wenn ich alleine wohnen würde. Ein CD Regal in Sargform wäre beispielsweise schon eher was für mich. Das hätte dann wenigstens noch einen sinnvollen Nutzen. Jedenfalls wohnen wir im vergleich zu den Leuten im Video durchaus relativ schlicht, haben dem ganzen jedoch hier und da ein paar gruftige Akzente verliehen. So brauche also selbst ich mich nicht wie ein Fremdkörper in den heimischen 4 Wänden fühlen. Im Wohnzimmer haben wir neben schwarzen Kerzen auf dem ebenfalls schwarzen Wohnzimmertisch einen Schädel sowie eine Sanduhr als Dekoration auf unserem Wohnzimmerschrank stehen und auch sonst finden sich bei genauerer Betrachtung immer wieder Kleinigkeiten in der Wohnung die so einen kleinen düsteren Touch mitbringen.

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