Bravo #48 - November 1987

Das neue Cure Gefühl

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The Cure werden ja immer als Referenz des Gruftiseins herangezogen, obwohl das natürlich sehr engstirnig ist und nicht unbedingt der Wahrheit wenngleich auch dem damaligen Zeitgeist entspricht. In meiner jüngst erschienen Artikelbetrachtung The Cure – Rabenschwarz und total verrückt wurde euch ja schon näher gebracht, was es mit The Cure aus Sicht der Bravo überhaupt auf sich hat. Skandalöse Geheimnisse wurden gelüftet und auch einige Kommentatoren haben sich dazu hinreißen lassen, ihre “extremen” Ansichten zu publizieren.

Jetzt legt man mehr Wert auf die Fans, die so einem Cure Konzert beiwohnen und dem was da so alles vor der Bühne abgeht. Es stellt sich heraus, das dieser Artikel dann auch noch skandalöser und aufdeckender ist als sein direkter Vorgänger. Wirklich unfassbar, was hier über die Fans dieser nun wirklich großartigen Band geschrieben wird. Neugierig?

Als wären die Toten aus ihren Gräbern gestiegen, um sich zu einem irren Maskenball zu versammeln, so kommt man sich Konzertsaal bei The Cure vor. Und zwar schon, bevor Robert Smith & Co sich überhaupt blicken ließen. Die Fans der Band stehen auf gruselige Aufmachung.

Bravo #48 - November 1987Kalkweiß geschminkte Gesichter, schwarz umränderte Augen, blutrot geschminkte Lippen. Dazu lange Mäntel und Talare, natürlich in tiefstem Schwarz. Lediglich die Kruzifixe, die die Cure-Fans um den Hals tragen, geben einem das beruhigende Gefühl, daß man keinem blutsaugendem Vampir oder anderem Gespenst begegnet ist. Was die Frisur angeht, ist neuerdings der verlängerte Blockhead mit ca. 10 cm langen, senkrecht nach oben getrimmten Haaren angesagt. (damit meint die Bravo den klassischen Flattop, also ausrasierte Seiten zu kurzen und senkrechtem Deckhaar, das man hier länger wachsen lässt und mit Haarspray auftoupiert, Anm.d.Blg.) So düster die Leute aussehen, verglichen mit früheren Cure-Tourneen, scheint sich ihre Stimmung deutlich gebessert zu haben.

Vor Trauer tiefhängende Mundwinkel und Ohren sieht man praktisch nicht mehr. In der Halle wird gekichert und getanzt. Freunde begrüßen sich mit herzlicher Umarmung, statt mit einem Seufzer und regungsloser Miene wie vor drei Jahren zu den härtesten Gruftizeiten. Ähnlich aufgetaut ist Robert und mit ihm seine ganze Truppe. Ihr dröhnendes Lachen hört man schon den ganzen Flur entlang, wenn man sich der Cure-Garderobe nähert. Die Jungs amüsieren sich über Robert, der sich als Stimmenimitator betätigt. In diesem Job ist er übrigens fast genauso stark wie im Schreiben von Songs.

Der Showstart mit Horrortönen aus der Quardroanlage (dessen Funktion ich mir gerade nicht bewusst bin, Anm.d.Blg.) und einem überdimensionalen Mund auf einer Kinoleinwand, der immer den Eindruck erweckt, als würde er im nächsten Augenblick sämtliche Fans in der ersten Reihe verschlingen, kann Angst einflößen. Doch sobald der Vorhang fällt und Robert ins Mikro heult, geht die Post und nicht der Leichenwagen ab. Mit Songs wie “The Kiss”, “Why can’t I be you”, “Love Cats” oder “The Dream” bringen The Cure die Leute auf Tanztempo 180.

Vor Fans, die ihn und vor allem sein Finster-Image von früher richtig ernst und als Vorbild nehmen, hat der Cure-Chef regelrecht Angst. In Amerika und Frankreich tauchten Fans auf, die sich einen Grabstein und den Satz “The Cure for Eternity” (The Cure für die Ewigkeit) auf die Glatze tätowiert hatten. Robert gruselte sich so, daß er nur noch mit dem Rücken zu ihnen spielen konnte.

Er findet, daß gerade er mit seinen zahllosen Macken und Marotten denkbar ungeeignet als Vorbild für jemand anderen ist. Er gilt selbst heute noch in seiner Familie als absoluter Spinner. Den Riesenerfolg von The Cure führt er auf sein unglaubliches Glück zurück. Nicht jeder seltsame Vogel macht Karriere.

Fazit: Die Grufties lachen? Sie umarmen sich zu Begrüßung? Mein Weltbild des Kinderfressenden und schwarz gekleideten Buh-Menschen ist dahin. Selbst die Helden der Szene The Cure lachen ganz ungeniert. Ganz anders als zu den Zeiten als tätowierte Glatzköpfe mit Grabsteinen schmückten um ihren Idolen zu huldigen. Glücklicherweise verschlingt der überdimensionale Mund zuerst den Pressegraben, der ja bekanntlich immer vor der ersten Reihe ist. Mahlzeit!

Tanztempo 180 ist mir ein bisschen suspekt, wenn man damit auf den Puls der (weiblichen) Fans anspielt kann das schon stimmen, für die heute oft genannte Zahl der bpm (Beats per Minute) wohl eher nicht, das klingt dann eher so wie hier in diesem Video bei YouTube (anklicken auf eigene Gefahr). Bei solchen vergleichen und Plattitüden verläuft mir immer der Kajal. Da steige ich doch lieber in meinen Leichenwagen und ab geht die Post!

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Pixella
Gast
Pixella

Ich hab einen ganzen Ordner voll von solchen Berichten über The Cure. Teilweise wirklich sehr schräg.Deinen vorhergegangenen Bericht über The Cure ist auch dabei Ich glaube ich muss auch mal meinen Scanner fit machen.*g*

Pixella
Gast
Pixella

Ist halt nur eine Frage ob man das überhaupt veröffentlichen darf, wegen Copyright und so.