Festgequatscht statt Festival – mein WGT-Rückblick bei Boneshaker Radio

Wer Spontis kennt, weiß: Eigentlich beobachte ich die Szene am liebsten aus dem Hintergrund und überlasse das Reden den anderen. Für die Juni-Ausgabe von Boneshaker Radio – dem Magazin für Gothic Rock, Post Punk, Cold Wave und mehr im „Schwarzen Kanal“ auf Lokalradio Rostock (LOHRO) – habe ich eine Ausnahme gemacht und mich ans Telefon gesetzt. Gemeinsam mit Moderator Marv habe ich das mittlerweile 33. Wave-Gotik-Treffen noch einmal Revue passieren lassen.

Marv Brown
Marv Brown vom Boneshaker Radio

Wie es dazu kam, ist selbst eine kleine WGT-Geschichte: Kennengelernt haben Marv und ich uns erst auf dem Treffen, vor dem Pressecontainer auf dem Agra-Gelände. Aus einem kurzen Hallo wurde ein gutes Dreiviertelstündchen, und über die Tage verteilt sind wir uns noch mehrfach über den Weg gelaufen und haben uns festgequatscht. Die Idee, daraus eine gemeinsame Radiosendung zu machen – und künftige Ausgaben hier auf spontis.de anzukündigen –, stammt von ihm. Diese Ankündigung ist also gewissermaßen der erste Beweis dafür, dass aus einer zufälligen WGT-Begegnung manchmal mehr wird.

Ein roter Faden des Gesprächs war das, was das WGT für mich von anderen Festivals unterscheidet – und das fängt schon beim Namen an: „Das Wave-Gotik-Treffen heißt nämlich Wave-Gotik-Treffen und nicht Wave-Gotik-Festival. Das Treffen von Gleichgesinnten steht eigentlich immer im Vordergrund.“ Wie sehr das stimmt, merkt man spätestens auf dem Dark-Markt, wo ich eigentlich Kleidung suchen wollte: „Du kommst ja keine zehn Meter weit, ohne zu quatschen – und dann stehst du da zwischen den Klamotten und vergisst, dass sie überhaupt um dich herum sind.“

Den vielleicht schönsten Satz des Abends steuerte allerdings Marv bei: „Das Wave-Gotik-Treffen ist das, was passiert, während man gerade dabei ist, Pläne zu machen.“ Recht hat er – Empathy Test, Mika Eternal und das Kinn habe ich allesamt verpasst, und auch das gehört für mich inzwischen dazu.

Umso mehr habe ich die Konzerte genossen, die geklappt haben. Das schönste Wiedersehen war Anja Huwe von X-Mal Deutschland, in die ich Ende der Achtziger „halb über Kopf verschossen“ war: „Ich musste mir jetzt endlich nach dreißig, vierzig Jahren dieses Konzert ansehen und gucken, ob sie es noch kann. Und tatsächlich – sie kann es noch.“ Daneben kamen Frustration, Rosa Crux, Euroshima und Electric Litany zur Sprache, dazu der DDR-Abend im Parkschlösschen und das inzwischen 13. Spontis-Family-Treffen hinter der Moritzbastei.

Wir haben außerdem über den dezentralen Charakter des Festivals gesprochen – darüber, wie das Parkschlösschen mitten im Grünen, der Volkspalast in der Industriebrache und der Felsenkeller im Zentrum dem WGT seinen ganz eigenen Reiz geben. Und über den Preis, den man als Szene-Mensch dafür zahlt: Am Montag hatte ich erst einmal keine Stimme mehr, weil man als „introvertierter Mensch“ eben nicht darauf vorbereitet ist, wenn beim Treffen 150 Leute auf einen zuströmen.

Musikalisch haben wir in unserer gemeinsamen Playlist noch einmal einige Bands des WGT gespielt und Songs ausgesucht, die uns besonders beeindrucken.

Die Sendung ist bereits live im „Schwarzen Kanal“ auf Lokalradio Rostock gelaufen. Wer sie verpasst hat, kann sich die Originalsendung herunterladen – allerdings nur sieben Tage lang:

Boneshaker-Sendung herunterladen (Download nur 7 Tage verfügbar)

Robert

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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