Blitzkids - Ashes to Ashes

New Romantics: Die bizarre Schönheit der Nostalgie

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Blitzkids - Ashes to AshesHeute musste ich darüber nachdenken, ob ich bei meinem letzten Tagebucheintrag zu meiner Reise nach London nicht einen falschen Blickwinkel eingeschlagen hatte. Ich stellte darin wehmütig fest, das von dem Glamour, den die Subkulturen der frühen 80er in der britischen Metropole versprühten, nichts mehr übrig geblieben war und das meine Nostalgie an der völlig anderen Realität die in London herrschte, zerschellte. In Soho versuchte ich beispielsweise das Gefühl von damals aufzuschnappen, als ich an der Ecke Dean und Meard Street das alte Bordell vorstellte, in dessen Keller das Billys, der legendäre Vorläufer des Blitz, seine Pforten öffnete. Dabei, so stellte ich fest, war ich gar nicht auf der Suche nach Orten, sondern nach Menschen, die es so nicht mehr gab, weil das Damals einfach nicht mehr existierte. Die Weisheit, die in mir aufkeimte, erscheint mir so trivial, dass ich fast ein wenig ziere, sie aufzuschreiben: Das Lebensgefühl von damals war untrennbar mit den Zeiten verbunden, in denen sie erlebt wurden und mit den Hintergründen derer, die sie durchlebten, verknüpft. Diese Konstellation ist nicht wiederholbar, nicht reproduzierbar und nicht zu ersetzten. 

Zuhause angelangt habe ich mich wieder in den alten Videos verloren, die als subkulturelles Überbleibsel von einer Zeit erzählen, die uns zwar nostalgisch großartig erscheint, im Grunde aber viel schrecklicher war, als wir sie uns vorstellen. Graham Smiths „We can be Heroes“ habe ich dann gleich nochmal gelesen, die alten Berichte in meinem Archiv durchwühlt und mir gedacht, daraus eine kleine Geschichte zu schreiben über die New Romantics, die nur damals so sein konnten, wie sie waren.

1978. Großbritannien war mitten in einer katastrophalen wirtschaftlichen Rezession. Die Inflation stieg unaufhaltsam und Arbeitslosigkeit machte sich breit, weil die britische Industrie den Anschluss an seine europäischen Nachbarn verlor. Das Land war geprägt von Entlassungen und wochenlangen Streiks. England war krank. „The sick man of Europe“ titelten die Zeitungen und der Jugend von damals wurde mit auf den Weg gegeben, dass es sich nicht lohnen würde, in eine blühende Zukunft zu investieren. Die Punks waren die Stimme der wütenden Kinder und das herausgebrüllte „No Future!“ der Sex Pistols deckte sich mit dem emotionalen Zustand derer, die sich in immer größerer Zahl auf und vor den Punk-Bühnen einen Ausgleich ihrer trostlosen Situation verschafften.

In der Nacht war London ein anderes Land. Bei Tag wirkte grimmig, hager und erschöpft – zerrissen von Streiks und dem Kampf um die Existenz – und die Menschen waren intolerant, denn irgendwie steckte jeder in Schwierigkeiten. Es war der strengen, monochromen Welt des zweiten Weltkriegs näher, als dem kosmopolitischen und zuversichtlichen Land, das sich heute mehr denn je zutraut, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. In der Nacht verwandelten die New Romantics, die ein bisschen so wirkten als würden sie auf dem Deck der untergehenden Titanic ihrem Ende entgegentanzten, die Stadt in eine goldene und glitzernde Metropole. In verlassenen Kinos, in unbewohnten gregorianischen Villen, unter schimmeligen Brückenbogen der Bahn und in stillgelegten Clubs und Bordellen feierten die Aufgerüschten ihren gefühlten Untergang. Die Blase, die sich bildete, war erstaunlich. Ein kreativer Strudel, der nicht nur einige der berühmtesten Bands der 80er hervorbringen sollte, sondern auch die Welt der Mode nachhaltige beeinflusste.

Davon wusste man damals natürlich nichts. Das Vakuum, in dem man aufwuchs, war zu mächtig. Mit dem Punk, der seit einiger Zeit sein Unwesen trieb, sollte sich das ändern. Das war das Feuerwerk aus aufgestautem Frust und Wut einer Jugend, die in beschissenen Zeiten geboren wurde und unter dem Ausschluss jedes Genusses in ihrer Jugendlichkeit stagnierten. Auf der Suche nach dem gelobten Land pilgerte man damals aus den Randbezirken der Stadt nach Soho, denn dort versprachen Legenden verwinkelte Gassen mit abgedunkelte Räumen, in denen Künstler, Huren und Gangster zur neuesten Musik tanzten. 

Doch im Winter 1978 muss davon wenig zu spüren gewesen sein. Soho war eher ein Treffpunkt verstohlener männlicher Gestalten in fleckigen Hosen, die heimlich Sex Shops besuchten, die noch nicht einmal Sex verkaufen konnten. Soho war ein Ort des Nachtlebens ohne Leben, ein schäbiger Schatten seiner Selbst. Doch genau hier sollte sie stattfinden, die erste „Bowies Night“, die sich Steve Strange und sein Freund Rusty Egan ausdachten, um für sich und ihre Freunde einen glamourösen Hafen in der tristen Welt zu schaffen. David Bowie war so eine Art Vorbild, als es in der Figur des „Ziggy Stardust“ die Musik- und vor allem die Modewelt auf den Kopf stellte und Anlass genug, ihm eine Party zu widmen. Strange verkaufte zu diesem Zeitpunkt noch trendige Klamotten im PX in Covent Garden und konnte so sich und die „Bowies Night“ angemessen promoten. So suchten dann auch unzählige Aliens einem Dienstag Abend den Weg durch die Dean Street, die durch den Streik der Müllabfuhr in einem erbärmlichen Zustand war, um zum Keller unter dem Bordell „Golden Girl“ zu gelangen. 

In den nächsten Monaten versammelte sich dort immer wieder die Menschen, die im gerade aufkeimenden Jahrzehnt zu so etwas wie prägenden Pop-Ikonen werden sollten. Boy George (Culture Club), Siobhan Fahey (Banarama, Shakespeare Sisters), Jeremy Healy (Haysi Fantayzee), Midge Ure (Ultravox), Gary Kemp (Spandau Ballet), Sade Adu (Sade), Tony James (Sigue Sigue Sputnik) und natürlich Visage, die Band die Steve Strange später gründen sollte.

In dem stickigen Keller des Bordells schwebte eine berauschende Luft. Wohltuende, königlich glamouröse Schwaden jugendlicher Begierde, die sie mit der Musik von Roxy und Kraftwerk vermischten und in eine fremde und andere Wirklichkeit transportierten, die sicher nicht im elenden England zu dieser Zeit lag. Es war aber nicht nur eine Wirklichkeitsflucht, sondern die Jugendlichen mit ihrem extravagantem Aussehen waren zähe Kinder mit Ambitionen und Ideen, die mindesten so groß waren, wie ihre Frisuren. Steve Stranges Idee, einen toten Club für eine Nacht mit einer Gruppe gleichgesinnter Menschen zu füllen, die etwas ganz eigenes aus sich machten war die Vorlage für viele weitere Discotheken, die dem Beispiel folgten und Londons Nachtleben das Leben einhauchten, das man verzweifelt auf seinen schmutzigen Straßen suchte. 

Das diese kurze Phase der britischen Subkultur ein Blick in die Zukunft war, erschien damals so utopisch wie die Aussicht auf ein besseres Leben. Doch im Prinzip war das die nostradamische Prophezeiung dessen, was die 80er letztendlich hervorbrachten. MTV, Designer-Labels, Street Fashion, geschlechtliche Befreiung und der Beginn des Weg vom Star-Kult zur Individualisierung seiner Selbst.

Das Billys, der kleine Kellerclub unter dem Bordell, wurde schnell zu klein. Das „Blitz“ sollte eröffnet werden. In einer zwielichtigen alten Weinbar in Covent Garden, die noch im Style des zweiten Weltkriegs dekoriert war, mit Gasmasken und Fotos von Winston Churchill an den Wänden. Die folgenden Zeiten sind Legenden und Geschichten, die man sich schmunzelnd erzählt. Vom Türsteher Steve Strange, des als gutartiger Tyrann die Verrückten und Aufgebrezelten unter den Wartenden herauspickte um ihnen Einlass zu gewähren. Oder von Boy George, der als Garderoben Mädchen nicht nur den neuesten Tratsch zu Ohren bekam, sondern auch die Styles des Gäste als erster sah, bevor sich die Jugend von Rusty hinter den Plattentellern beschallen ließ.

Das Blitz und seine Menschen sollten die 80er prägen – nicht nur mit Musik. Tanz, Design, Mode, Schriftstellerei oder Fotografie, kein Aspekt der britischen Kultur blieb unberührt. Und das von einer zusammengewürfelten Bande von Studenten, Friseuren, Verkäuferinnen und arbeitslosen Schönlingen. Die Discothek verschwand irgendwann und auch die so farbenfrohe Jugendkultur war bald im Rad der Geschichte verschwunden. Thatcher entmachtete die Gewerkschaften und sorgte für eine stetige Privatisierung der Wirtschaft, was letztendlich zu ersten Lichtblicken auf dem Arbeitsmarkt führte. „Der kranke Mann“ war auf dem Weg der Besserung. 

Es ist genau diese Mischung, die Platz für Punk und auch für die New Romantics frei machte. Es war so ein bisschen wie auf der Titanic, die bereits mit dem Eisberg kollidiert war und auf dessen Promenadedeck die Kapelle Musik spielte, um die Passagiere zu beruhigen. Die Jugendlichen dieser Szene wären die Menschen gewesen, die auf dem sich neigenden Deck dazu getanzt hätten. Umwerfend gut aussehend, gut gelaunt und ausgelassen. In den Jahren nach dem Blitz sollte es keine weitere Subkultur mehr geben, die den drohenden sozialen und wirtschaftlichen Untergang und die aussichtslose persönliche Zukunft so glamourös und gut aussehend feierte, wie die New Romantics. 

Es ist fast schon vermessen, 2017 auf Tauchfahrt zu gehen und zu hoffen, dass noch irgendwo zu finden. Wir sind eben Nostalgiker, rede ich mir ein, wir suchen nach Träumen und Vorstellungen die unser Leben vermeintlich bereichert hätten. Dabei verdrängen wir die Tatsache, dass es sich „damals“ sicher völlig anders angefühlt hätte, wie heute. Wie viele der Mittelalterleute, die heutzutage zu tausenden Märkte und Lager besiedeln, sich Schwerter umschnallen und in voller Rüstung und Ornat auf einander losgehen hätten schon gerne im Mittelalter gelebt? Nostalgie ist aber auch wichtig für unsere Identität, der Blick in die Vergangenheit zeigt unsere Wurzeln und erklärt, wo wir heute stehen. Nostalgie zeigt bei klarem Blick aber auch, dass unsere Gegenwart rosiger geworden ist und wir uns noch freier entfalten können. Auch daran sind die Kids von damals irgendwie schuld. Und das ist gut so, auch wenn das die vielen Leute, die sich heute im New Romantic Style zurechtmachen, zu nichts brandneuem mehr machen.

Nostalgie korrigiert das seelische und emotionale Ungleichgewicht. Wir Menschen sind stets bemüht uns durch das ständige zurechtlegen von Erinnerungen und Geschichten aus der Vergangenheit zur einer möglichst erfolgreichen und glücklichen Biografie zu verhelfen. Wer würde sich schon gerne im hohen Alter hinsetzen und zugeben, ein Leben voller Enttäuschungen und Peinlichkeiten geführt zu haben? Das Erinnern an die New Romantics, an die 80er, die Musik und die schönen Erinnerung an unsere eigene unbeschwerte Jugend und Vergangenheit hilft uns aus so manch depressiver Stimmung.  Nostalgie hat möglicherweise einen therapeutischen Effekt, auch wenn sie die Wirklichkeit und damalige Realität deutlich verzerrt. Nostalgie kann glücklich machen. Wie bei vielen Dingen, kommt es aber auch hier auf die Dosis an. Zuviel Nostalgie macht uns zu Nostalgikern und versperrt den Blick für die Schönheit des Jetzt. Mitunter verbraucht der ständige Kampf, alte Zeiten wieder herzustellen die Kraft, in der Gegenwart ein glückliches Leben zu führen. „Weil früher ja alles besser war.“ Nostalgiker haben einen eingeschränkten Horizont und schützen sich davor, neue Dinge um sie herum anzunehmen und Entwicklung zu akzeptieren oder sogar zu begrüßen. Diesen Kampf für die Gothic-Szene seit Jahren, in dem Bilder und Erlebnisse von „damals“ zur multimedial nachschlagbaren Bibel werden auf die man korrigierend zeigt, wenn der Szene-Nachwuchs mit der nächsten Unmöglichkeit um die Ecke biegt.

So sitzen die nostalgischen Faltenbälge auf dem Mäuerchen des AGRA-Laufsteg und erheben den moralischen Zeigfinger gegen die, die vorüberschreiten und ihrer ganz eigene Interpretation von „Gothic“ abliefern, nur um sich selbst ein bisschen besser zu fühlen und sicher nicht der Peinlichkeit stellen müssen, mit Mitte 40 immer noch so aussehen zu wollen, wie mit 18. So kommt es dann auch, dass die vorbeischreitenden Engel, Orks, Gummipuppen, Pferdeköpfe, Pastel-Gothics, Cyber-Raver, Neo Romantiker und Ritter mit ihrer fast schon jugendlichen Unbeschwertheit, ihrem grenzenlosen Selbstbewusstsein, der faltenfreien Haut und der üppigen Haarpracht uns belächeln, was für traurige Gestalten doch sind.  Praktisch, dass wir Gothics sind und Traurigkeit unser zweiter Vorname lautet – lasst uns einfach da sitzen, wir wollen uns doch auch nur ein bisschen besser fühlen.

 

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Robert, Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Robert wurde 1974 in Mönchengladbach geboren und beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Julius
Julius
Vor einigen Jahren sah ich mal im TV einen älteren Schwulen, der etwas betreten erzählte, dass er sich im Grunde nach den Zeiten sehnt, in denen Homosexualität noch kriminalisiert wurde. Nicht etwa wegen einem wie auch immer gearteten Kick durch die Gefahr entdeckt zu werden, sondern deshalb, weil es intimer war, verschworener, nicht so öffentlich…vielleicht auch subkultureller. Ich glaube nicht, dass man angesichts der Begleitrisiken dabei von Verklärung sprechen kann. Seine Nostalgie beinhaltet ja alles Schlechte gleichermaßen wie das Gute. Ihm wiegt lediglich der Verlust von etwas Einzigartigem schwerer als die Erleichterungen, die ihm mit dem Fortschritt zuteil wurden. Wenn… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Tja, das ist schon eine seltsame Sache mit der „Nostalgie“ und dem Verklären. Meist wird hier die Adoleszenz nochmals möglichst ruhmreich zurückgeschmachtet. In – natürlich – „heimeliger“ Stimmung und relativ milden Farben (auch wenn diese lächerlicherweise in Sepia ausfallen dürften…) ausgemalt und weichgezeichnet. So wird aus der durchaus wirtschaftlich/politisch/gesellschaftlich/etc. schalen Epoche am Ende „die gute alte Zeit“. Kannten unsere Vorfahren auch schon. In jeglicher absurden Phase einer verschobenen Erinnerung. Scheint wirklich die persönliche Konstitution mit eine Rolle zu spielen. Oder: ja doch, „früher“ war auch ich im Verve der Jugend „abenteuerlicher“ eingestellt und für so manch einen Sch*** zu haben,… Mehr lesen »
Victor von Void
Was ich besonders interessant finde, ist, dass einerseits gerade die New Romantics mit ihren Kostümen (denn es ist nichts anderes, siehe Videos) nostalgisch verklärt werden, während heutige Outfit-Auswüchse, die sich im Prinzip nicht davon unterscheiden, verteufelt werden. Das ist meiner Meinung nach auch die größte Falle der Nostalgie: die erzeugt Doppelstandards. Dinge, die man in der Rückschau toll und wunderschön findet, gesteht man aktuellen Entwicklungen nicht zu, findet sie lächerlich oder klischeehaft. Letztendlich sprechen wir hier auch über ein Luxusproblem: es geht uns (der Allgemeinheit) im Großen und Ganzen so gut, dass wir gar nicht mehr genötigt sind, aus irgendetwas… Mehr lesen »
Gabrielle
Gabrielle
Ich denke, man muss hier einfach klar trennen. Und zwar zwischen Realität und Realitätsflucht. Zumindest bei mir ist es so, dass es die schöne und unbeschwerte Jugend nicht gab, denn sie war geprägt von Aggression und Gewalt, einem Zuhause, von dem man sich besser fernhielt. Als Kind hatte ich meine Tagträume und als Jugendliche ebnete mir die Musik den Weg zum Glück. Mit Musik konnte ich abtauchen, in eine Welt, die es sonst nicht gab. Sie bestand aus Phantasie, Romantik und Liebe. Natürlich war in diesen Glücksmomenten meine Jugend unbeschwert. Wenn ich mich heute lächelnd zurückerinnere, wie ich das Poster… Mehr lesen »
Daniel
@ T.S. Nostalgie kann im schlimmsten Fall dummdöselige Rührseligkeit hervorrufen, das ja. Im besten Fall kann sie aber auch denjenigen dazu veranlassen, die Vergangenheit durch künstlerische Tätigkeit wieder aufleben und etwas neues entstehen lassen. Wie viele Musiker verschreiben sich beispielsweise den alten Synthie-Klängen, weil diese nachwievor eine Faszination auf sie ausüben? Dabei muss es nicht kopiergenau geschehen, sondern mit den heutigen technischen Mitteln vermengt werden. Beispielsweise bin ich bei der holländischen Band The Father And The Sun hängengeblieben, die eine wunderbare EP herausgebracht haben. Und der Song „Dad“ ist für mich das perfekte Zusammenspiel aus Nostalgie und Innovation. Von daher… Mehr lesen »
Mourant
Mourant
Letztendlich sprechen wir hier auch über ein Luxusproblem: es geht uns (der Allgemeinheit) im Großen und Ganzen so gut, dass wir gar nicht mehr genötigt sind, aus irgendetwas auszubrechen oder gegen etwas zu rebellieren. Es gibt aktuell keine große Jugend-/Subkultur, die erst in den letzten 3, 4 Jahren entstanden ist und als Grundgemeinsamkeit die Rebellion gegen bestehende Verhältnisse beinhaltet, im Gegenteil: die Jugend heute scheint mit jedem Jahr stromlinienförmiger und angepaßter zu werden, was sich auch in den bestehenden Subkulturen niederschlägt. Auf diese fehlende Aufregung reagieren viele mit Nostalgie, man nimmt sich aufregendere Zeiten zum Vorbild. In einer Welt, in… Mehr lesen »
Bereneth
Bereneth
Danke für diesen klugen und schönen Artikel! Was mich als bisher „stille Leserin“ motiviert, nun tatsächlich einmal einen Kommentar abzugeben ist das, was ich an der Schwarzen Szene so liebe und was gleichzeitig die kollektive Illusion aller „schwarzen Geister“ zu sein scheint: in der Szene so sein zu dürfen, wie ich wirklich bin. Das ist es, was für mich das Herz der Szene ausmacht: verwundbar und sonderbar sein zu dürfen. Nicht nur funktionieren zu müssen. Ich kann wunderbar funktionieren. Aber die Szene ist für mich ein Ort, an dem ich es nicht muss. Vielleicht bin ich jünger als jene Nostalgiker*innen,… Mehr lesen »
Julius
Julius
Danke für dein Interesse, Gabrielle. :) Wie schon erwähnt wurde, steuert niemand gezielt seine Nostalgie an. Das sind Gefühle, die einen in bestimmten Augenblicken übermannen und der Umstand, dass sie weltweit nahezu gleichförmig auftreten, legt den Schluß nahe, dass sie einen bestimmten Zweck erfüllen. Es scheint von wissenschaftlicher Seite her so zu sein, dass Nostalgie uns Trost spendet und uns erdet, Zuversicht schafft in Zeiten von Krisen, Unsicherheiten, großen Umwälzungen wie z.B dem Ende eines Lebensabschnittes. Der Körper besitzt diverse Selbstheilungskräfte und ich würde die Nostalgie als solche verorten. Gegen leichte Depressionen scheint sie zu wirken, schwere angeblich verschlimmern. Letzteres… Mehr lesen »