IDAHO: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus der Liste der bekannten Krankheiten. Seitdem feiern Lesben und Schwule den International Day Against Homophobia (IDAHO), den internationalen Tag gegen Homophobie. Während sich manche Menschen vor Spinnen ängstigen (Arachnophobie), fürchten Homophobie geschädigte Menschen die gleichgeschlechtlichen Verhaltensweise von Lesben und Schwulen. Kurz gesagt: Sie haben Angst vor Homosexuellen.

Die Ablehnung und Angst dehnt sich im übrigen auch auf Crossdresser und Transgender aus, die durch extravaganten und geschlechterverwischenden Kleidungsstil auffallen.  Dabei reagieren die meisten Menschen nach dem gleichen Muster. Was nicht in ihr Weltbild passt, wird abgelehnt und pauschalisiert in eine Ecke der Meinungsbildung gedrängt, die meist von Vorurteilen geprägt ist. Mangelnde Bereitschaft der Auseinandersetzung, fehlendes Wissen um Vorurteile und Klischees zu entkräften, schürt die Glut der Angst.

Transgender wird demnach immer noch als „F64.9 Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet“ bei der WHO eingestuft. Demnach, haben Männer mit einem Hang zum gesellschaftlich unüblichen Kleidungsstil eine Störung der Geschlechtsidentität und sind krank. Wie einfach man sich die Welt doch machen kann.

In Deutschland hat der 17.5. noch eine zusätzliche Bedeutung, denn es lässt parallelen zum Paragraphen 175 des deutschen Strafgesetzbuches zu, das bis zm 11. Juni 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Bis 1994 verurteilte man rund 140.000 Männer nach dem Gesetz 1, 1935 verschärften die Nationalsozialisten die drohende Höchststrafe auf 5 Jahren, außerdem erweiterte man den Paragraphen  um den Tatbestand „unzüchtiger“ Handlungen und erstellte damit einen Freifahrtschein für eine „Reinigung“ vom unerwünschten.

Am 17. Mai 2011 haben einige Frauen aus München anlässlich des IDAHO ein „Kiss-In“ ins Leben gerufen, zu dem sich beispielsweise per Facebook anmelden kann.

Der Grund für das Kiss-In ist einfach: Auch in der Millionenstadt München gibt es viele lesbische/bi/queere Frauen, denen es sehr schwer fällt, sich in den verschiedensten Lebenssituationen zu outen, ihre Liebste an der Hand zu halten oder einfach zu küssen. Zudem finden sie ihre Lebens- und Liebensweise fast nie positiv in der Öffentlichkeit repräsentiert. Wir wollen mit dieser Aktion für einen kurzen, aber einprägsamen Moment lesbischem Sein und Begehren mitten in der Stadt zu dem Raum und der Selbstverständlichkeit verhelfen, die ihm gebührt!

2010 fand so ein Kiss-In bereits auf internationaler Ebene statt und wurde in einem Video-Zusammenschnitt festgehalten. Wer sich in München am 17. seine Liebe beweisen will, erhält dazu Gelegenheit. In Jena gibt es dazu ebenfalls am dem 15. Mai einige informative Veranstaltungen, die sich dem Tag und seiner Bedeutung widmen. Spread the Words!

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Einzelnachweise
  1. Wikipedia-Artikel zum §175, abgerufen am 11.05.2011 – http://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175[]
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

Ich sehe keine Homos oder Heteros – Ich sehe nur Menschen, die sich lieben und beschlossen haben, gemeinsam durchs Leben zu gehen.

Und wenn der „Hang zum gesell­schaft­lich unüb­li­chen Klei­dungs­stil“ eine Krankheit ist, dann sollte die WHO auch alle Subkulturen als chronisch krank einstufen. Das wäre nur konsequent.

Toriah
Toriah (@guest_15152)
Vor 10 Jahre

Und passend zum Thema will Uganda Homosexualtität nun unter Todesstrafe stellen:
Bei der Recherche im Internet bin ich auch noch über das hier gestolpert: und in dem Fall auch noch auf das Youtube-Video zum Spiel, was aber dank unserer Reports umgehend gelöscht wurde.
Es ist wirklich erschreckend, wie feindlich die Gesellschaft weltweit immer noch uns Lesben und Schwulen gegenüber ist. In Anbetracht dessen, was da gerade in Uganda passiert, habe ich eben noch zu meiner Freundin gesagt: „Was haben wir für ein Glück, hier leben zu dürfen…“ In 83 Ländern weltweit ist Homosexualität ein Straftatbestand. Das muss man sich mal vorstellen… !? Selbst in einer -wie man meinen sollte- ach so aufgeklärten Gesellschaft wie unserer ist das immer noch ein großes Thema, werden Schwule und Lesben immer noch Opfer von Gewalt und Hass.
(In diesem Zusammenhang muss ich auch nochmal betonen, wie gut und unkompliziert unsere schwarze Szene damit umgeht. Ich zumindest habe in den vergangenen 25 Jahren noch nicht einmal irgendetwas negatives erlebt.)
Daran kann sich der „Rest“ mal ein Beispiel nehmen…

Karnstein
Karnstein (@karnstein)
Vor 10 Jahre

Eine lesbische Studienkollegin zeigte mir mal ein altes Bio-Buch aus den 1950ern(?) in denen die verschiedenen Gründe für und Abstufungen der Krankheit Homosexualität aufgeführt waren. Da gab es die drei oder vier Kategorien, von denen nur eine nicht heilbar war (die homoxesuell geborenen) – die meisten waren aufgrund von Erlebnis XYZ verleitet und/oder gezwungen oder sonstwas worden.
Sie schien mir aber nicht sehr traurig darüber dass für sie und ihre Freundin also wohl leider Hopfen und Malz verloren ist :D

Aber es stimmt schon, hier in Deutschland hat man es wohl wirklich noch vergleichsweise gut als Homosexueller (so weit ich es sagen kann), also auch was die staatliche Seite angeht – ich denke da ist etwa in den USA noch weit mehr Ablehnung vorhanden. Schwule Außenminister und Bürgermeister – das ist schon was…

Ich persönlich fasse es eigentlich meist als Kompliment auf, wenn Leute mich für schwul halten, da die meisten damit doch Attribute wie Gepflegtheit verbinden. Wie eine andere Studiuenkollegin mal meinte „Ich kann garnicht glauben, dass du nicht mindestens bi bist!“ :)
Tja, ich schätze ich kann schon reichlich tuntig sein für ’ne Hete – bin ich jetzt auch krank? Obwohl…das bin ich vermutlich als Goth ohnehin…

Toriah
Toriah (@guest_15159)
Vor 10 Jahre

Was soll ich da sagen? Als lesbische, der schwarzen Szene angehörige, mit rasierten Seiten und Rangers rumlaufende, freischaffende Künstlerin, die zudem auch noch einen ausländischen Nachnamen hat, bin ich ja quasi aussätzig ;) *danielledax’pariahpfeif* ;)

Schatten
Schatten (@guest_15160)
Vor 10 Jahre

 Karnstein
Werde auch hin und wieder für schwul gehalten (schließe die Fälle in denen es beleidigend gemeint ist mal aus ;)), Ich glaub in einer Szene, in der Männer sich schminken ist das nix seltenes ;D
Letztens wurde mir indirekt mitgeteilt, ich sähe feminin aus, hab das auch irgendwie als schmeicheln aufgefasst :)

tobikult
tobikult (@tobikult)
Vor 10 Jahre

Ich habe ja eine Menge Vorurteile, aber Geschlechter, sexuelle Vorlieben, Kleidungsstile und Hautfarben gehören zum Glück nicht dazu. Ich bin mir aber bewusst, wie schwer es ist, Vorurteile oder Inferenzen abzulegen bzw. zu ändern. Dein Artikel greift für mich eine Fragestellung auf, mit der ich noch nicht ganz fertig bin: Welche Lebensbereiche sollen Institutionen regeln? In mir regt sich schon massiver Widerstand bei Aktionen wie jüngst das „Burka-Verbot“ in Frankreich. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob nicht irgendwann die Farbe Schwarz auf dem Index landet und ich und mein Kleiderschrank kriminalisiert werden? Ob gesetzliches Verbot oder Stigmatisierung als Krankheit, solche Interventionen erzeugen zu viel individuelles Leid, als dass sie legitim sein könnten.

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

Schon heftig wenn man bedenkt daß erst seit 1990 Homosexualität nicht mehr als Krankheit gilt … ganz zu schweigen von dem was in manchen Ländern vorgeht. Da wird einem übel.
Die Natur hat eben Menschen geschaffen die homo oder bi, oder a, oder trans oder sonstwas sind, da wird die Natur schon recht haben – zumindest ist das meine Auffassung. Ich kann darin also nichts abnormales sehen, denn abnormal sind wenn dann die Leute die sich von sowas bedroht fühlen. Vielleicht fehlts da auch an Charakterstärke, wenn man sich vom blosen Anders-Sein so angegriffen fühlt.

Vielleicht sind aber wir alle hier auch kollektiv krank in der Birne, ich bin neben den schwarzen Klamotten nämlich auch keine Hete :D

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

Nachtrag: ich hatte da noch was in der Entwürfe-Halde meines Blogs: https://aristidessteele.wordpress.com/2011/05/14/two-spirits/

Passt wohl ganz gut zum Thema :)

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 9 Jahre

„The bravest choice you can make, is to be yourself“ – ein Satz aus dem Two Spirit Trailer der sich bei mir eingegraben hat. Oberflächlich betrachtet mag er trivial klingen, aber manchmal ist das gar keine einfache Sache. Ich finde auch daß Selbtsbetrug eine Sache ist die sehr viel Schaden anrichten kann. Wenn aber die Gesellschaft so saudumm-verbohrt ist steht man zwischen der Entscheidung sich anzupassen und da Schaden zu erleiden oder man selbst sein und den Hass der ach so netten Gesellschaft in Kauf zu nehmen. Ist eine schwierige Entscheidung.
Nein, man muss andersartige nicht lieben, man kann anderer Meinung sein und denen ihren Platz lassen, man muss sich deswegen nicht damit befassen wenn mans nicht mag, aber gewalttätig zu reagieren zeugt für mich mehr von Intelligenzgraden a la „Brot kann schimmeln – was kannst du?“

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