Top 10 der außergewöhnlichsten Sänger (1)

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Wer A sagt, muss auch B sagen. Nachdem ich bereits meine Top 10 der außergewöhnlichsten Sängerinnen (Teil 1, Teil 2) zum besten gegeben habe,  ist es nicht verwunderlich, das es mich gereizt hat, auch diese Top 10 zu starten. Bei den männlichen Vertretern der singenden Zunft tue ich mich ein bisschen schwerer, denn hier scheint die Auswahl noch größer.

Da ich bereits bei Sängerinnen betont habe, das es sich um eine rein subjektive Auswahl handelt, möchte ich der Tradition folgen und diese Auswahl gleich mit einschliessen. Ich hatte mir zunächst einen Zettel zurecht gelegt auf dem schnell einige Künstler niedergeschrieben waren, leider deutlich mehr als 10, richtig schwer ist es mir gefallen, eine gewisse Rangordnung hinein zu bringen.  Die Plätze 5-1 folgen in einem neuen Artikel am Freitag oder Samstag.

#10- Peter Gabriel

Der in die Jahre gekommene Engländer hat sich Zeit seines Lebens damit beschäftigt, Innovativ zu sein. Ich würde sagen, das ist ihm gelungen, denn mit seinem Video zum Song  Sledgehammer hat er sich ein Denkmal gesetzt.  Der mittlerweile 59 Jahre alte Vater von 4 Kindern (von 2 Frauen) gründete 1967 mit einigen seiner Mitschülern die Band Genesis, der er bis 1975 treu blieb und den Platz dann für den damals noch unbekannten Phil Collins räumte. Nach einigen Jahren der Selbstererkenntnis  machte er sich mit digitaler Effektforschung für alle Bereiche der Musik einen Namen, von der später auch Phil Collins mit seiner Hitsingle In the Air tonight profitierte. Erst 1983 stellten sich erste große Erfolge ein und Gabriel mauserte sich zu einem einflussreichen Künstler der seinerinnovativen Ader immer treu geblieben ist und uns bis heute mit immer wieder interessanten Stücken beehrt. Die Live-Version seines größten Hits Sledgehammer, ist Paradebeispiel für seine stimmliche Wandelbarkeit und seine gr0ßartige Ausstrahlung.  Es gibt sicher noch einige bessere und interessantere Stücke, vor allem mit anderen namhaften Künstlern, aber dieses hat mich persönlich eine ganze Zeit lang beeindruckt und nimmt einen ganz besonderen Platz in meinen Erinnerungen ein.

#9 – James Hetfield (Metallica)

Als Frontsänger von Metallica hat der 1963 geborene James Hetfield seit der Gründung 1981 so ziemlich alle Höhen und Tiefen einer Musikerkarriere und der persönlichen Entwicklung durchgemacht.  Schon früh interessierte er sich für Musik und erlernte im Alter von 9 Jahren das Klavierspielen, schwenkte zum Schlagzeug, um letztendlich mit der Gitarre seine Passion für den Metal zu entdecken. Der Sänger und Songwriter versucht immer wieder mit seinen Stücken und Texten den Krebstod beider Eltern zu verarbeiten, die aufgrund ihres Glaubens1 medizinische Hilfe ablehnten. Nachdem Kritiker nach den Alben Load und Reload sowie dem äußerst erfolgreichen schwarzen Album den musikalischen Wechsel zum Poprock der Band prognostizierten, belehrten Metallica sie mit ihrem Album St. Anger eines besseren. Während der Arbeit an diesem Album ließ sich Hetfield auch für 11 Monate in eine Alkoholentzugsklinik einweisen um mit seiner langjährigen Alkoholsucht abzuschließen.  Seine Stimme dominiert die Stücke mit kernigen und gefühlvollen Einlagen, die er ebenso beherrscht wie das kanalisieren von Gefühlen und Stimmungen in seinen Gesang. Das Stück Nothing Else Matters zählt zu den besten Balladen Metallicas, wer keine Lust auf ein brilliantes Gitarrensolo hat, schiebe den Regler auf 1:55, da gehts dann richtig los.

#8 -Israel Kamakawiwo’ole

Wahrscheinlich bin ich hier nicht ganz objektiv, muss ich aber auch gar nicht, ist schließlich meine Top 10. Der gebürtige Hawaiianer Israel Kamakawiwo’ole wurde nur 38 Jahre alt, er starb nach mehreren Krankenhausaufenthalten an seiner Fettsucht (343kg Körpergewicht).  Seit seinem 11. Lebensjahr ist musikalisch aktiv und spielte neben seinem Gesang Ukulele in der Band seines Bruders The Sons.  Als Solokünstler wurde er nie über die Landesgrenzen des Inselstaates hinaus berühmt, dafür verehrten ihn die Hawaiianer wie einen Heiligen. Bei seinem Tod 1997 verhängte die Regierung Staatstrauer. Seine Asche übergab man dem Meer, über 10.000 Trauernde gaben ihm das letzte Geleit. Das Medley Somewhere over the Rainbow/What a Wonderful World ist wohl sein populärstes Stück, nicht zuletzt weil es in unzähligen Filmen zur musikalischen Untermalung diente (Founding Forrester, Rendevouz mit Joe Black, 50 erste Dates, Australia, Die Maske) und dürfte den meisten damit bekannt sein, rein akustisch versteht sich. Eine Stimme die wie losgelöst vom Körper wirkt, gepaart mit einer Ukulele, die im massigen Körper zu verschwinden scheint, verzaubert Israel – der sanfte Riese – mit seiner Sanftheit die Ohren seiner Zuhörer. Live-Aufnahmen sind selten, deswegen hier eine Aufzeichnung des Medleys anlässlich seines Todestages 2007.

#7 – Billy Idol

Wie man von einem faulen Schüler (idle) zu einem Idol wird, bleibt wohl das Geheimnis des 1955 in England geborenen Sängers. Nach einem abgebrochenen Studium verschlug es ihn in die Londoner Punkszene, in der auch erste musikalische Erfahrungen sammelte. Als er 1981 in USA wechselte, professionalisierte er sich und sein Auftreten als harter Rocktyp im James-Dean Verschnitt.  Mit einigen erfolgreichen Alben erorberte er Mitte der 80er die Herzen einer bis heute treuen Anhängerschaft. Die 1986 bekannt werdende Sucht nach Heroin mündete in einem Motorradunfall 1990, der ihn für lange Zeit ans Bett fesselte und einer Überdosis 1993, die er nur um ein Haar überlebte. Erst 2001 meldete er sich mit einem Comeback zurück, konnte aber trotz Unterstützung alter Freunde und zahlreichen Auftritten nie recht an seine alten Erfolge anknüpfen. Seine Stimme bleibt aber markant kernig und ist vielleicht die Definition einer männlichen Rockstimme, die immer an der Grenze der Heiserkeit nichts von ihrer Energie verloren hat und seinen Liedern stets eine persönliche Note verleiht. Rebel Yell, ein Hit aus dem Januar 1984 vom gleichnamigen Album ist meiner Meinung nach untrennbar mit ihn verbunden, auf einer MTV unplugged Tour gibt er das Stück mit dem legendären Steve Stevens, der Billy Idol auch in den 80er zu Seite stand, zum Besten.

#6 – Der Graf (Unheilig)

Wie aus dem Nichts erschien 1999 eine Single von einer Band names Unheilig die dann in dem grandiosen Debütalbum Phosphor 2001 mündet. Kurioser Weise lassen sich keine interessante Details über Den Grafen herausfinden. Der Bandname ist wohl aus der ablehnenden Haltung der Gründungsmitglieder gegenüber der christlichen Kirche entstanden, im Song Der Himmel über mir bestärkt er diese Aussage. Der Fleiß mit dem Unheilig seit 2001 in der deutschen Musiklandschaft unterwegs ist, suchst seines Gleichen. Qualitativ gute Alben in kurzer Folge zu Veröffentlichen zeugt nicht nur von musikalischer Leidenschaft, sonder auch von Kreativität und Fleiß. So ist es auch nicht verwunderlich, das sich Unheilig innerhalb kurzer Zeit zum Headliner auf vielen Festival hochgespielt haben. Eindeutiges Merkmal ist die Stimme des Grafen, die zum Menschen und zur Musik passt wie die Faust auf das berühmte Auge. Dunkel, harmonisch und sanft treffen auf Energie und Kraft in einer Stimme, sie vermag es dem Text eines Liedes den Ausdruck zu verleihen, der diesem gebührt. Leider verkauft der Graf seine Stimme an den Höchstbietenden TV-Sender, was seiner Fazination einen gehörigen Zacken aus der Krone bricht.

Einzelnachweise

  1. Er wuchs in einer strengen Christian-Science-Familie auf. Manche Anhänger der Christian Science verzichten auf medizinische Hilfe, weil sie Hilfe und Heilung von Gott erwarten.[]
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Konna
Gast
Konna

Klasse, dass Du nun auch außergewöhnliche Männer listest und der Anfang ist ja schon mal vielversprechend. Der Graf wäre bei mir auch auf jeden Fall dabei gewesen, wahrscheinlich sogar etwas höher. Freue mich auf die nächsten fünf, aber wenn da nicht Sven Friedrich dabei ist, wäre ich ziemlich überrascht. ;)

MysteraXIX
Gast

Ich stimme Konna voll und ganz zu. Für mich ist der Graf in deiner Auswahl meine Nr. 1. Wir ( meine Mim und ich ) durften diesen begnadeten Sänger jetzt bereits mehrfach live erleben und sind jedesmal mit einer Gänsehaut aus seinen Konzeren gegangen. Für 2009 steht der Graf, wie auch schon von dir erwähnt, als Head auf dem Zita-Rock auf unserem Programm. Bevor ich es vergesse… ein großes Lob für deine intensive Arbeit.Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.