Tirami Su

Musikperlen – In Würde zu altern ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört (Tauchgang #42)

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Damals, in den 80ern, hörte ich noch hockend auf dem Wohnzimmerboden den Jugendsender WDR1 und wartete auf den richtigen Augenblick, die Aufnahme zu starten. Mit dem ersten richtigen Job erwischte ich mich dann, wie ich immer wieder zu WDR2, dem Sender für “Erwachsene” umschaltete. Eine Zeit lang machte ich mit Mitte 30 auf Intellektuell und trieb mich auch bei klassischer Musik herum und lauschte ewig langen Radio-Features auf WDR5. Letztendlich landete ich aber neulich bei WDR4, dem Schlagersender. Aus Versehen. Und ja, Lieder aus den 80ern zählt man dort auch zu seinem Portfolio. Früher war es die Hölle, wenn die Eltern Sonntags WDR4 hörten. Und heute? Ich könnte ja in Würde altern und mich damit abfinden, durch die Sender gereicht zu werden um mich dann mit den Moderatoren, die mitgewandert sind, zu Hause zu fühlen. Mach ich aber nicht, denn ich bin ein Mitt-40er-Spät-Rebell. Deswegen habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit wieder WDR1 gehört. Ätsch! Billie Eilish und Tones and I, cool. Aber wegen diesem Mark Forster musste ich jetzt erstmal wieder mit alten Klassikern meinen Puls beruhigen und die Windschutzscheibe von Erbrochenem befreien.

Fad Gadget – Ladyshave

Frank Tovey, der unter dem Namen Fad Gadget zu den Pionieren der englischen New Wave Bewegung gehörte. Bei einem Konzert, traten Depeche Mode als Vorgruppe von Gadget auf, um kurz darauf ihre internationale Karriere zu starten. Frank Tovey, dessen Werke zwar als legendär und wegbereitend gelten, blieb dieser Erfolg verwehrt. Es blieb jedoch der Musik und seiner Heimatstadt London treu, bis er 2002 im Alter von 46 Jahren starb. 1981 veröffentlichte er das Stück “Ladyshave”, bei dem er sich auf der Bühne, vor den Augen eines staunenden Publikums, von Teilen sein Schambehaarung trennte.

Neon – Information of Death

Die italienische Antwort auf die Strömungen des New Wave waren in den frühen 80ern die Band Neon. Ende der 70er in Florenz gegründet, setzten sie 1980 mit ihrer Single “Information of Death” eine elektronischen Anfang der gleich markierte, wo die Reise hingehen sollte und sich deutlich vom späteren Sound italienischer New Wave Bands unterschied. Möglicherweise war das der Grund, warum die Band um Frontmann Marcello Michelotti den Underground quasi nie verlassen hat. Auf dem Gothic Pogo Festival haben sie jedenfalls 2018 geleuchtet. Und die älteren Italiener haben immer noch nicht genug. Ihre Neon-Tour startete 2007 und ist immer noch nicht vorbei.

Tirami Su – Zwei Schritte

Noch bevor Nena ihre Karriere startete, war sie mit ihrer Band “The Stripes” in englischer Sprache unterwegs. 1980 ist sie sogar beim WDR zu Besuch, um ihr Fernsehdebüt zu geben. 1982 ging die junge Hagenerin mit ihrem damaligen Freund Rolf Brendel, dem Drummer der Band, nach West-Berlin, um einer Einladung des Labels CBS zu folgen. Hier gründete man dann die Band, die die neue Deutsche Welle zu dem machte, was sie war.

Natürlich blieben die anderen Musiker von “The Stripes” nicht untätig und entschlossen sich, zusammen mit Sängerin Katja Rschenau, 1984 die Band “Tirami Su” zu gründen. Der Erfolg der ehemaligen Sängerin Nena spornte die Band an, sich auch in Deutsch zu versuchen. Für die Presse war klar, Katja war die neue Nena. Doch das blieb ein Irrtum. Tirami Su verschwand so, wie es gekommen war, lautlos.

Melanie Sanders – Jung und allein

Jung und allein, warum bin ich jung und allein?” Nicht erschrecken, aber Melanie Sanders, die in den 80ern ein Stern am Schlagerhimmel gewesen ist, entwickelt sich mit ihrem Kracher “Jung und Allein” zum Geheimtipp auf jeder Trash-Wave-Tanzfläche. Ob das am stampfenden Minimal-Sound oder am gar nicht so belanglosen Text liegt, darf spekuliert werden. “…überall alles Plastik, das die Wahrheit verdeckt, und sogar die Zukunft hat man versteckt. Die Natur ist ein Video, das Leben nicht echt. Nur Maschinen – ja, denen ist alles recht..” Die Braunschweigerin, die durch einen gewonnenen Talentwettbewerb zu Musik kam, zog sich in den späten 80ern aus dem Buisness zurück und machte die Musik zum Hobby.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Manoman, bei dem Song wundert es mich nicht, dass Melanie “jung und allein” war :-D