No More – Als der Punk nach Kiel kam

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Als 1978 der Punk nach Kiel kam, ahnte niemand, dass daraus eine der einflussreichsten musikalischen Strömungen werden sollte. Auch Tina Sanudakura und Andy Schwarz wissen noch nicht wo ihre Reise hingeht, als sie sich zu dieser Zeit im einem Proberaum treffen um gemeinsam Musik zu machen. Sie spielten einfach, von “Gothic” oder “Wave” redete sowieso noch niemand. Punk war laut, Punk war neu, Punk war unprofessionell. Und genau das machte ihn so attraktiv für die Beiden. Das Schleswig-Holstein Magazin würzt ein kurzes Porträt über den Kieler Punk mit einigen historischen Aufnahmen die eine kleine Zeitreise erlauben.

Im Sommer 1979 gründen Tina und Andy zusammen mit Christian Darc und Thomas Welz die Band “No More“, ihre ersten Aufnahmen entstehen in einer Waschküche mit angrenzendem Proberaum. 1981 wird der Song “Suicide Commando” veröffentlicht. Es ist der bisher erfolgreichste Song der Band der nach über 30 Jahren immer noch in den Clubs gespielt wird. Der New Musical Express beschreibt den Stil des Stückes damals als “passende deutsche Electro-Mode” vielleicht in Anspielung auf die gleichzeitig aufstrebenden Jungs aus Basildon mit ihrer Band “Depeche Mode”. Die Band geht auf Tour, veröffentlicht einige Alben und spielt sich vor allem in die schwarzen Herzen der mittlerweile aufstrebenden Gothic-Szene. 1986 wurde “No More” aufgelöst, Tina und Andy beschritten mit ihrem Projekt “Nijinsky Style” musikalisch völlig neue Wege.

Womöglich ist es der Kontinuität der Szene geschuldet, dass “Suicide Commando” immer noch zum festen Repertoire eines “Classix”- Abend gehört. Auch eine belgische Band benannte sich 1988 nach dem Stück der ehemaligen Kieler Punk-Band. 2006 veröffentlichten die Beiden ein Compilation-Album mit dem Titel “Remake/Remodel”, auf dem auch erstmals neue Songs zu hören waren. Seit Ende 2008 sind die beiden auch wieder auf Tour, sammelten Inspiration und Bestätigung für ihre musikalischen Wurzeln. 2010 erscheint “Midnight People & Lo-Life Stars” und 2012 das Album “Sisyphus”. Und auch nach 30 Jahren werden sie nicht müde, ihren Hit zum Besten zu geben. Eine Hommage an die eigene Vergangenheit und an die schwarze Szene, die den Song in ihr kollektives Langzeit-Gedächtnis aufgenommen hat.

Grund genug, ein mit alten Aufnahmen gespicktes Video zu produzieren und der Fan-Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Die Aufnahmen aus der Zeche Bochum wurden 1984 aufgenommen und machen ganz nebenbei einen ganz besonderen Habitus deutlich: Gelebte Unterkühltheit. Kein Abfeiern auf der Bühne, keine schwingende Arme, keine Aufforderung zum gemeinschaftlichen Klatschen. Seien wir ehrlich, wird das dem Song nicht irgendwie gerechter?

2013 wollen Tina und Andy dem alten Klassiker eine Kur verpassen, schließlich liegt es in der Natur des Musikers, sich ständig neu zu erfinden. Irgendwie. Und so erscheint “Suicide Commando (v.32.x)” im neuen musikalischen Gewand. Geschmackssache, möchte man meinen. No More pumpen den Song mit Steroiden der Neuzeit auf und garnieren ihn mit ihren aktuellen Einflüssen und Entwicklungen.  Der Song ist tanzbarer geworden und erschließt sich damit einem vielleicht viel jüngeren Publikum. Entscheidet selbst, was euch besser gefällt. Ich persönlich bleibe beim Klassiker, aber womöglich nur, weil er mit Erinnerungen beschwert das Versinken in seinen Klängen erst möglich macht.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Flauers
Gast
Flauers

Die neue Version ist, ganz ehrlich, furchtbar. Könnte in jedem beliebigen Club laufen, wenn ich da an meine wenigen “Ausrutscher” denke. Die Unterkühlheit, die Einfachheit geht völlig verloren, die gerade den Charme ausgemacht haben. Im neuen Gewand wirkt es überladen, zu schnell, zu schrill, zu viel. Reizüberflutung. Genau dem versuche ich sowohl im Alltag als auch in der Musik zu entgehen durch simpel gehaltene Stücke.

Eine Entwicklung, wie ich sie mir im positiven vorgestellt hätte, hat die Band für mich nich durchgemacht. Klingt eher so, als würden die Verantwortlichen blos versuchen, aus ihrer bereits getanen Arbeit erneut Geld zu machen. Sowas ist für mich Faulheit.

Schade. Für mich ist so eben ein Klassiker gestorben. Ich befürchte nämlich, dass vorallem in den mir vertrauten Gefilden die neue Version großen Anklang finden wird und ich nicht mehr in den Genuss des Originals kommen werde …

robertianjim
Gast
robertianjim

Ist wirklich nicht doll, die Version, kann man getrost vergessen. Aber deswegen muss man die Band nicht verteufeln, die sind live nach wie vor ne Bank und habeen auch gute neue Songs.

Ian von Nierenstein
Gast

Danke, Robert!
Ich habe mich soeben verliebt :)
Diese Musik ist so wunderbar!!!
Besser als “Suicide Commando” finde ich persönlich allerdings dies hier:

Guldhan
Autor

Die Neuauflage reiht sich wirklich fast schon in die Belanglosigkeit der Popmusik ein.

Allerdings kann ich die Faszination für das Original ebensowenig verstehen. Gehört dieses Stück doch zu den Titeln, die ich beim ersten Clubkontakt schon nicht mochte.

Für mich braucht ein Titel entweder einen ausdrucksstarken Bass oder dichte dumpfe Atmosphäre. Und nicht so ein uninspiriert wirkendes Futur-Pop-Geklimper. Ich frage mich ohnehin wie der geneigte Gote solch schrille Töne feiern kann… Das ist in meinen Ohren Quietsche-Entchen-Musik und daran kann auch ein gelalltes »Suicide Commando… Suicide, Suicide… Suicide« nichts ändern.

Death Disco
Gast
Death Disco

Kultteil. Sollte man zumindest kennen. Genau wie F242’s “Kampfbereit” (bei YT findet sich nur ‘ne künstlich beschleunigte Version, zu schäbig, um verlinkt zu werden).