Ghettoblaster

Musikalisches aus dem Grufti-Briefkasten #4: Der Tod seiner dritten Frau

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Nach einem kleinen Hilfegesuch haben sich einige Mitglieder aus der total coolen und undergroundigen Spontis-Geheim-Gruppe bereit erklärt, ihre Ohren und ihren Geschmack zur Verfügung zu stellen, um einige Neuerscheinungen der Labels, die ihre Musiker immer so fleißig bei Spontis promoten, vorzustellen. Svartur Nott hat sich im November durch die Einsendungen gehört und stellt uns diesmal eine ganz eigene Auswahl vor. Es würde uns freuen, wenn ihr Euch in den Kommentaren beteiligt. Gruftig oder Ungruftig? Geil oder Öde? (Sagt man das heute noch so?) Anyway. (Neudeutsch für „Wie auch immer.“) Svartur beginnt mit ruhigen Klängen aus Dänemark:

Blackie Blue Bird – Ghost River

Das Netlabel afmusic ist aktuell wieder dabei, einige Sachen zu veröffentlichen, darunter auch das aktuelle Album des dänischen Duos Blackie Blue Bird. Diese kommen aus dem beschaulichen Kopenhagen und spielen sehr sanften Dream Pop. In den 12 Songs wird man von der verträumten Stimme der Sängerin Heidi Lindahl hinfortgetragen, welche ihrerseits häufig mit einer Echo- und Reverb-getränkten Gitarre, sowie weiteren Instrumenten – gespielt durch Nils Lassen – begleitet wird.

Von dem auf mein Dachfenster prasselnden Regen begleitet, hörte sich das ganze Album für mich in sich stimmig an. Großartige Abwechslung darf man hier jedoch nicht erwarten, da die Stücke durchgängig sehr ruhig gehalten sind. Allerdings muss man das meiner Meinung nach auch nicht, denn die Musik von Blackie Blue Bird lädt einfach zum Abschalten und runterkommen ein. Und wer will schon nach 5 Minuten wieder aus seinen Gedanken gerissen werden?

Kurz und bündig: Ob nun an einem verregneten Tag, oder zu ruhiger Stund‘ am Abend, wer auf Ethereal/Shoegaze/DreamPop bzw. generell ruhige Musik steht, kann hier jedenfalls bedenkenlos zugreifen.

VA – Join the dark side, we have the music! (10​-​Year Anniversary Compilation)

afmusic - join the dark sideWenn wir schon bei afmusic sind, so haben diese zu ihrem 10-jährigen Jubiläum eine Compilation mit aktuellen Musikprojekten zusammengestellt, auf denen sich bekanntere Acts wie die letztens erwähnten „The Knutz , „The Search„, „Principe Valente„, oder den „Golden Apes“ neben (noch) unbekannten Acts tummeln. Stilistisch werden grob die Bereiche Post Punk/Gothic Rock bzw. Gitarrenwave im Allgemeinen abgedeckt.

Der Opener „Buried“ von den Dänen The Foreign Resort macht als zackige Nummer schon mal Laune. Ihnen folgt aus gleichen Landen (((S))) mit dem ebenfalls rockig-treibenden Track „House“. Song Nr. 3, „The Cave“ wird von The Knutz gestellt und erinnert anfangs sofort an ein Joy-Division Rip-Off und geht – etwas ruhiger im Vergleich – ebenso gut ins Ohr.

Die bereits seit 2002 aktiven Rhombus aus Großbritannien nehmen dann wieder Fahrt auf und präsentieren mit „Timeless And Elegant“ soliden Gothic Rock in Tradition der zweiten Welle. Ob der Titel da Zufall war? Ich finde den kombinierten Gesang von Sängerin & Sänger jedenfalls durchaus ansprechend. Im Midtempo geht es dann weiter mit „Voykova“ der Golden Apes, deren Track ich ebenfalls nicht schlecht finde.

Die Kanadier von The Silence Industry betreten nun mit „(I) Believe“ die Bühne und zeigen uns, dass Gitarrenwave auch etwas uneingängiger sein kann. Im Vergleich zu den Bands ist das Schlagzeug hier definitiv abwechslungsreicher, was den ganzen Track bis dato aus der Compilation herausstechen lässt und ihnen definitiv ein Alleinstellungsmerkmal gibt. Gut so, wie ich finde. An siebter Stelle kommen nun The Transisters ins Spiel und geben ihren Song „Electromagnetic (New)Wave“ zum Besten. Der klingt in meinen Ohren deutlich punkiger als manches vorige Stück. nicht schlecht. Dem folgen dann Shearer mit dem eindeutig energetisch-punkigen „Rapsol’s Dirty Dreams!“. geht ebenfalls gut rein.

Etwas ruhiger und nun auch mit Synthie folgen Supreme Soul mit „House Of Pleasures“: Ganz nett, haut mich allerdings nicht um. Gleiches Spiel mit Smoke Fish und ihrem Titel „We’re gonna have a good time“. Der Remix des Songs „For tomorrow“ von Emerald Park klingt etwas poppiger und erinnert mich irgendwie an gewisse populäre Bands ala Mando-Diao. Keine schlechte Ergänzung, auch wenn ich von der Stimmung her sowas hier nicht unbedingt erwartet hätte.

Mit „Adora“ von The Search wird es nun wieder melancholischer und entsprechend ruhiger. Mir fällt hier auf, dass bei dieser Compilation die Verantwortlichen wirklich auf Stimmungen geachtet haben und dies entsprechend in die Zusammenstellung einfließen ließen. Daumen hoch dafür! Das folgende Live-Piano-Stück „When I Learned To Crawl“ von Principe Valente passt an sich daher nun gut ins Bild, spricht mich wiederum jetzt nicht so an. Dafür macht nun der ruhige, synthetisch-elektronische Instrumentaltrack „Time & Eternity“ von Art Noir einen würdigen Abschluss und hinterlässt  eine beklemmende Stimmung, welche mich sehr an so manches Werk aus dem düster-ambienten Musikbereich erinnert.

Insgesamt eine empfehlenswerte Compilation für geneigte Hörer. In diesem Sinne geht es nun weiter mit…

Days Of Sorrow – Whatever Happens

Das spanische Indie-Label Dead Wax Records, bei denen unter anderem auch bekanntere Acts, wie Remain in Silence, This Cold Night oder auch Farblos tummel(te)n, hat just die Reformierung der Dortmunder Wave-Kapelle Days Of Sorrow genutzt, um mit ihnen die beiden EPs von ‘84 und ‘86 als Compilation auf Bandcamp bzw. als LP wiederzuveröffentlichen.

Dem Einen oder Anderen könnte der Track „Wild World“ bekannt sein, welcher auf diversen Post Punk/Wave-Playlists eines großen Medienportals rumgeistert. Ein gefälliger Song, welchen ich hier gerade für mich wiederentdeckt habe – und es gibt ihn sogar in zwei leicht abweichenden Versionen.

Generell macht das Album einen konsistenten Eindruck, die Sounds und Stimmungen sind abwechslungsreich und je nach Bedarf steht mal der weiche Synthie oder die Wave-Gitarre im Vordergrund. Anspieltipps meinerseits wären neben dem anfangs erwähnten „Wild World“ noch die Tracks „It’s About Time“ & „Youth“.

Beim Track „Don’t Leave Me Drowning“ wurde ich die ganze Zeit an die Briten der Sad Lovers & Giants erinnert, beim Anfang von  „A Thousand Faces“ musste ich dagegen an „A Day“ von den frühen Clan Of Xymox denken. Zufall? Damalige Inspiration? Keine Ahnung, aber vielleicht hört ihr das auch so raus?

Fazit: Wer sowohl die genannten Gruppen, als auch generell Post Punk/Wave mag, kann hier jedenfalls bedenkenlos zuschlagen.

The Soft Moon – Criminal (Remixed)

Soft Moon - CriminalDie Amis von The Soft Moon dürften dem geneigten Hörer schon länger ein Begriff sein. Ihr vor kurzem auf dem aktuellen Longplayer veröffentlichter Track „Like A Father“  machte mich neulich wieder darauf aufmerksam, dass die Jungs in der Masse an Künstlern meiner Meinung nach ziemlich eigenständig geblieben sind und weiterhin fleißig an ihren nicht immer eingängien Soundcollagen arbeiten. Herausgekommen ist nun eine remixte Alternative des aktuellen Albums „Criminal“, welche Spontis vom Label Aufnahme & Wiedergabe nahegelegt wurde.

Der Opener ist gleich ein mit nach und nach einsetzenden, pumpenden Bässen unterlegt- und entsprechend tanzbarer und durchaus gelungener „Imperial Black Unit-Remix von „Like A Father„, welcher zwei eher schwächere Neuinterpretationen folgen. „Young (Lokier Remix)“ kann dann schon eher wieder überzeugen, ebenso „Choke (Craow Remix)“ und „It Kills (Rendered Remix)„. Die restlichen Tracks fanden meine Ohren eher so lala, muss man wahrscheinlich einfach mögen.

Alles in Allem ist das Remix-Album gewöhnungsbedürftig (zumindest für mich), doch hört selbst einfach via BC rein und bildet euch eure Meinung.

Poison Point – Bestiensäule

Ebenfalls von Aufnahme & Wiedergabe veröffentlicht, klingt Poison Point ziemlich monoton (fast schon langweilig), trocken & tanzbar. Das ist das, was von dem Track zunächst bleibt. Ich weiß nicht recht, was ich von der 5-Track EP halten soll, erst Recht, da nur ein Titel via Bandcamp freigegeben ist – hätte ich doch gerne geschaut, was das Projekt noch so zu bieten hat. Jedoch kommt in mir eher der Eindruck auf, dass es stilistisch so wie bei dem Stück „Resigned Commander“ bleibt. Und das haut micht nun echt nicht um, auch wenn ich die Synthie-Sounds durchaus mag. Ein paar andere Tonlagen mehr vom Sänger hätten durchaus mehr Abwechslung und Leben in das Stück gebracht, siehe Boy Harsher mit ihrem (Mittlerweile-)Klassiker „Pain“. Nunja, vielleicht höre ich beizeiten nochmal rein. Bis dahin gibt es andere Projekte, die meine Aufmerksamkeit haben möchten.

Dreadpan – The Death Of My Third Wife

Dreadpan wollten Spontis ihr aktuelles Video zu Gemüte führen, also reingeschaut, zugehört und Meinung gebildet. Ruhigerer, dennoch tanzbarer Elektro, der zumindest mir zusagt. Was mir beim Hören auffällt: Ohne Video wirkt der Track überzeugender als mit – vielleicht, weil Video und Song irgendwie etwas in Kontrast zueinander stehen. Nichtsdestotrotz: Ein guter (akustischer) Eindruck wurde hinterlassen und ich hätte nichts dagegen, sowas mal auf einer Veranstaltung zu hören. Eine angenehme Abwechslung zu den doch eher bescheidenen Elektro-Projekten, welche in den letzten Monaten auf Spontis Aufmerksamkeit wollten.

Ruhiger, nachdenklicher und manchmal etwas verplanter Zeitgenosse, leidenschaftlicher Genießer (vor allem gruftiger) musikalischer Künste, Helferlein für den Gothic Friday 2016,

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Nossi
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Nossi

…zuletzt gehört und (teilweise) für gut befunden:
Whispering Sons – Image (Album) – (bisserl monoton bisserl punkig angehaucht, verzweifelt.. nett)
Creux Lies – euology (Album) (klingen bisschen The Cure wenn diese sich erst vor kurzem gegründet hätten)
The Ghost of Bela Lugosi – Das Vamp (album) – (passt auf jede samhain-fete und vorweihnachtliche Absynthbeseelte Plaudereien) <3
Vacio Negro- st (EP) – (düster und monoton, für mich: geil)
auch nett ist das Album :tears der Griechen Grey Gallows.
Elvis de Sade kommen aus München, ihr Demotape entfaltet jetzt in der dunklen Jahreszeit einen Hauch nostalgischer Melancholie. Merci an die beiden.
Without Emotion aus Frankreich kann man auch mal anhören…
… ich könnt so weitermachen, leider keine Zeit….

und derzeit höre ich on the road immer dies demotape einer unbekannten amerikanischen Band namens House of Breath. 4 songs aus dem Keller. Es rauscht und scheint live aufgenommen, Gothic Rock aber sowas von dark und dynamisch… herrliches Ding, aber nur wenn man nix erwartet…
gestern: Regen, Nebel, saumüde und besagte House of Breath … da pumpert das Herzlein.

Ähnlich dynamaisch ein Projekt aus Neuseeland. The Hex Waves. Nennen ihren Stil Psychedelic doom n Gloom (damit ist offenkundig nicht die Musikrichtung Doom gemeint) oder so… auch live aufgenommen… Funktioniert bei Regen und Nebel, bei einsetzender Dunkelheit und auch bei Rotwein^^

Übrigens bin ich Musiksüchtig, ich brauch ständig neues und unbekanntes, daher hab ich bei faKebook so ne nette kleine Gruppe namens Gothic Underground. Wenn man da etwas schmöckert und scrollt, findet man doch einiges an geilem Zeug. Schaut mal vorbei. Derweil, tadaaaa, geniest das Kekse backen usw.. ^^

Nossi
Gast
Nossi

ach äh, Robert, ist diese kleine Spontis FB `Geheimgruppe‘ eigentlich so ein total geheimer Geheimzirkel- nur für Spontis-Schreiberlinge oder für alles und jeden gedacht?

Robert
Webmaster

@Nossi: So geheim ist die Gruppe nun wieder auch nicht. Darin habe ich Leute versammelt, die für Spontis schreiben, schreiben möchten, schreiben wollen oder geschrieben haben und die ich persönlich kenne. Ich habe sie auf FB eingerichtet, weil die Meisten sich dort nunmal tagtäglich rumtreiben und man so einfach und schnell Themen austauschen und Arbeit übernehmen kann. Eigentlich habe ich mich immer davor gescheut, eine „Spontis-Gruppe“ bei FB einzurichten, die Pflege eines Blogs durchaus mit Arbeit verbunden ist. Eine Gruppe, bei der jeder sich anmelden kann, die dann auch „moderiert“ und sortiert werden will ist mir zu viel Arbeit und – was viel wichtiger ist – bündelt noch mehr Austausch auf FB und lässt alle Leser OHNE soziale Netzwerke außen vor. Das möchte ich nicht so gerne.

Wenn du aber Ideen hast – und vor allem Lust – auch mal etwas zu schreiben, Platten zu rezensieren und Bands auf den „Zahn“ zu fühlen, kannst du Dich gerne bei mir via FB melden, dann sehen wir, wie wir zusammen kommen können.

Markus
Gast
Markus

Black Arcade – Death Is Not A Lover

Leider konnte sich der Künstler bei seinen Folgewerken nicht entscheiden, den wirklich wunderschönen, klassischen Darkwave weiter zu spinnen und setzt nun bevorzugt auf Elektronik.