Melissa ist 39 Jahre alt und lebt in London, aufgewachsen ist sie in einer kleinen Stadt in Wiltshire im Süd-Westen Englands. In Devizes, so wie der kleine Ort heißt, ist es kein Zuckerschlecken anders zu sein als die anderen und schon gar nicht, wenn man auch noch so aussieht. Melissa war ein Gothic, jedenfalls würde man sie heute so bezeichnen. Früher gab es noch keinen Begriff und einordnen lassen wollte man sich sowieso nicht. Schwarze Haare, schwarze Klamotten, Schminke, Haarspray und spitze Schuhe waren die Merkmale, an denen man Melissa und ihre Freunde erkannte. In Magazinen fand sie ihre Vorbilder Danielle Dax und Poison Ivy Sie trieben sich auf Friedhöfe rum und hörten Musik nach Punk.
»Es ging eigentlich nie darum in einer Szene zu sein« sagt Melissa heute, »sondern nur darum seine Haare senkrecht zu stellen.« Szenezugehörigkeit war kein gewolltes Phänomen, sondern eine Zuordnung. Vielleicht wird die Szene von damals idealisiert, schöner und allumfassender dargestellt, als sie wirklich war. 1988 verließ sie den kleinen Ort und zog nach London, sie arbeitet als Illustrator und Animateurin und gibt darin auch Unterricht.
Melissa war unbewusster Teil einer Jugendbewegung, die man heute als Gothic bezeichnet, dabei ging es ihr nur um Individualismus und darum, so zu sein wie man wollte. Es ist schwierig, eigene Vergleiche zu einer Szene zu ziehen, die es unter diesem Namen zunächst gar nicht gegeben hat. Gothic ist ein Begriff, der Mitte, eher Ende der 80er Jahre zu finden war und deshalb ist es umso schwieriger sich darin zu definieren. Ich führte ein Interview mit Melissa und war zugegebenermaßen überrascht, wie sie auf meine Frage antwortete. Schön wenn meine Erwartungshaltung über den Haufen geworfen wird und ich etwas neues dazulernen kann. Melissa ist der erste Teil meiner Interviewreihe Schwarze Zeitzeugen. Den ganzen Artikel lesen… »



