Spontis Wochenschau

Wochenschau #4/2019: Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf gejagt

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Die sozialen Netzwerke habe unsere Welt verändert. Sie haben uns verändert. Plötzlich ist es möglich, jederzeit vor einer größeren Anzahl von Leuten seine Meinung kundzutun. Direkt. Ohne Filter und doppelten Boden. Wie in einem Schneeballeffekt springen dann Leute auf diese Meinung auf, verbreiten sie weiter im Netz und heften ihre Sicht der Dinge noch unten dran. Natürlich noch krasser, damit sie in der Masse der Meinungen gehört wird. So entsteht ein Shitstorm. Man möchte meinen, jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf gejagt. “Madonna hat ihre Karriere ruiniert!” – “Für mich ist Madonna gestorben!” Ein einziger Auftritt ruiniert ein popkulturelles und musikalisches Lebenswerk? Respektlos, anmaßend, ausufernd, widerlich finde ich das. Meinung mit Emotionen zu verknüpfen ist nie ein gutes Rezept und manchmal hilft es auch, einfach mal, seine Meinung für sich zu behalten und ein paar Tage später nochmal drüber nachzudenken.

Was die Welt so hört | Zeit

Die Jahresbilanz der Musikindustrie offenbart einige Umbrüche in den Gewohnheiten wie wir Musik konsumieren. Streaming besiegt den Plattenverkauf und Festivals sind auf dem Vormarsch. “Ja, nach dem Kollaps der klassischen Musikindustrie und dem Aufstieg der Streamingkultur ist es für die Mehrzahl der Beteiligten so schwierig wie nie, vom Musizieren zu leben und daraus eine dauerhafte Karriere zu entwickeln. Bis die Einnahmen aus dem Streaming jemals in die Nähe der traditionellen Plattenvertragsprofite geraten, wird es noch lange dauern, falls es jemals geschieht.” Die Globalisierung der Musikindustrie sorgt dann für zusätzliche Konkurrenz aus nahezu allen Ländern dieser Welt. Interessant ist auch, dass Deutschland in Europa eine ganz besondere Stellung einnimmt.

Rückblick auf die “London Edge”, die Fashion-Show für subkulturelle Mode | Altvenger

Das ist völlig an mir vorbeigegangen. Ende Januar fand in London die wohl bekannteste Fashion-Show für subkulturelle Mode statt, die London Edge. Neben vielen Interessanten Accessoires für den modischen Grufti von heute fand sich auch ein (neuer?) Hersteller aus Portugal, der wohl Pikes produziert. “Steelground  focuses on Gothic, Punk, Steampunk, Rockabilly, Pin Up, Mod and Metal fashion styles. The designs are simply breathtaking, however, the pictures on their web site. don’t do them justice; you really need to see the shoes and appreciate not only the style or design, but the quality as well. It’s very difficult to choose among so many different designs; they cover a wide range of styles from Beatnik, Rockabilly, Mod pointed toe shoes, Creepers, Brogue shoes to Gothic pikes, Steel toe cap combat boots, Gothic platform shoes for women and men… the list is almost never ending. Although  models come in two variations, genuine leather and vegan, this brand focuses more on vegan friendly materials.In einem weiteren Artikel auf ihrer Website gibt es noch mehr Informationen dazu.

Goth is not a teenage phase it’s a passion for the dark and beautiful | METRO

Gothic-Porno-Model Zoie Campell erklärt uns, wie sie Gothic wurde und warum sie aus dieser Phase nie wieder rauswachsen wird. Leider erklärt sie uns nicht, warum sie dabei chronisch zu wenig Kleidung trägt und in ihren Instagram-Profil vor dem Spiegel wackelt, wie eine Wackeldackel auf Kopfsteinpflaster. “Finally, one day when I was out shopping with my family, I saw a young, gothic woman for the first time. She was hand in hand with her boyfriend. She was wearing a Tripp brand skirt, combat boots, fishnets, pigtails highlighted with red streaks, a choker and a Type O Negative shirt. My memory of her is so precise because that moment was like an epiphany of self-discovery. It finally understood who I was. She looked over at me very briefly and from then on I couldn’t stop smiling, I knew how I wanted to present myself to the world.”

Das zweitgrößte gotische Kunstwerk nach “Notre-Dame” | Der Standard

Dieser Artikel huldigt mit spitzer Zungen dem Geburtstag des inzwischen 60-jährigen Robert Smith auf sehr gelungene Weise: “Buben weinen nicht: Smith nahm in den darauffolgenden Jahren etliche Kilos zu und vor allem eine stolze Anzahl unsterblicher Platten auf. Alben wie das in Schwaden von Tränengas eingehüllte “Faith” oder das vor autoaggressiver Zerstörungslust berstende “Pornography” festigten “Fatbobs” Ruf. Pornography begann mit der Zeile: “It doesn’t matter if we all die…” Gitarrist Smith wurde zum Herrscher der Gothic-Bewegung ausgerufen, von der er selbst nichts wissen wollte.

Skull-Shaped Beer Steins Were Once Popular Graduation Gifts | Gastro Obscura

Manchmal frage ich mich, warum es solche Artikel nicht aus unserem Lande gibt und wir Amerikanern überlassen, in unserer eigenen obskuren Vergangenheit zu forschen: “It’s the late 1800s in Germany, and you’re graduating with a medical degree. You’ve got your robes, your anatomical sketches and, of course, your trusty skull stein. You grab it by the bone-shaped handle and raise it for a toast, as you and your friends sing, “Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus.” In other words: “Let us rejoice while we are young,” before our bones are buried in the earth. Yes, the skull stein—a hollowed-out model skull that could hold up to half a liter of beer in place of a brain—was all the rage in late-19th and early-20th century Germany, particularly in the central state of Thuringia.

Avengers Endgame – Der absolute Verschleiß | SPEX

Ein ziemlich großartiger Artikel über den neuesten Marvel-Film, der dann doch tätsächlich zusammenfasst, was schon eine ganze Weile auch in meinem Herzen brodelt: “Eine weitere Hollywood-Regel, die Marvel beherrscht, besagt: Wirf das Geld zum Fenster hinaus, aber auf die Straße, wo die Leute es sehen können. Und sehen kann man in Endgame neben den unvermeidlichen CGI-Schlachten vor allem teure Gesichter. Was Marvel hier an Starpower auffährt, ist natürlich kalkuliertes Eventmanagement. Es gibt Weltstars in diesem Film, die tatsächlich kein einziges Wort sagen. Es ist der absolute Verschleiß.” Auf der einen Seite lacht das Nerd-Herz, während es auf der anderen Seite über die Verschwendung großariger Charaktere der Comic-Geschichte trauert.

Wave-Gotik-Treffen treibt Hotel-Preise in die Höhe | Check24

Die knallharte Recherche des Investigativ-Portals “Check24” ergab: “Nach einer Erhebung des Vergleichsportals CHECK24 müssen Übernachtungsgäste während der Veranstaltung vom 7. bis 10. Juni bis zu 59 Prozent mehr für ihre Unterkunft zahlen als üblich. Während eine Übernachtung in Leipzig sonst rund 99 Euro kostet, schlägt sie während des WGT mit etwa 157 Euro zu Buche.” Ehrlich jetzt. Hätte ich überhaupt nicht gedacht

Das Memento mori der Hipster | Zeit

Unter den Hipstern, so nennt man moderne und trendbewusste Mitläufer des Zeitgeistes, ist es in Mode gekommen, sich mit seinem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Man sitzt in einem Szene-Lokal auf dem Boden und spricht über die Planung der eigenen Beerdigung: “Das ist intensiver als ein Stuhlkreis”, sagt Nandzik, das Reden über den Tod “soll auch ein bisschen Rock ‘n’ Roll und Charme haben, sodass es zu einer Lebensrealität passt, in der ich mich bewege”. […] Sie fühlte sich nicht aufgefangen in der herkömmlichen Trauerkultur, auch die Errungenschaften von Hospiz- und Palliativmedizin reichten ihr nicht. Nandzik gehört zu einer Generation, die normalerweise binnen weniger Sekunden alle Informationen im Internet findet – wenn es um andere Dinge geht.”

TIC Club Mülheim schließt zum 29. Juni 2019 seine Pforten | Facebook

Im Dezember 2011 verkündete ich die Eröffnung eines neuen schwarzen Clubs in Mülheim, jetzt muss ich leider von der geplanten Schließung des Clubs berichten. Die Gründe dafür sind vielfältiger als man denkt, wie das ausführliche Statement bei Facebook verrät. “Durch die Wiederbelebung der Gastronomie an der Sandstraße hat sich […] die Parkplatznot […] nun weiter zugespitzt. Zum Tanz in den Mai musstet ihr mit den Gästen von gleich 3 anderen Veranstaltungen um die Parkplätze am Club und sogar in der Umgebung konkurrieren.” Solche Veranstaltungen sind aber wichtig, so der Betreiber, um die Grundversorgung des TIC an den nicht so populären Tagen mitzufinanzieren. “…außerdem [wird] unser Bahnanschluss ab Juli wieder für Wochen komplett und weiträumig lahm gelegt, was nach der Erfahrung der letzten Jahre einen deutlichen Besucherrückgang bedingt, der uns allein schon in Bedrängnis bringen würde.” Neben persönlichen und auch gesundheitlichen Gründen hat dieser Besucherrückgang den Ausschlag gegeben, das TIC zu schließen. Bei Facebook wird derweil heftig über die “wirklichen” Ursachen der Schließung spekuliert. Viele Kommentatoren machen dort den radikalen Programmwechsel seit 2014 für den dauerhaften Besucherrückgang verantwortlich.

Why Do I Dress Like This? Am I Goth? | Jake Munro

YouTuber Jake Munro assoziiert sich gerne mit dem Hashtag #goth, hat aber mit der Subkultur als solches, nichts zu tun. Ihm ist es offensichtlich egal was andere darüber denken, ich finde, wir brauchen bald einen neuen Begriff für unsere Szene smile

WHY DO I DRESS LIKE THIS? AM I GOTH?

The Mighty Boosh | BBC

War eine großartige Comedy-Sendung, die uns leider vorenthalten wurde. Daher behelfen wir uns mit kleinen Schnipseln und lachen trotzdem.

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Nossi
Gast
Nossi

..da fällt mir ein, da hatte letztens dieses Amateurpornsternchen, Liz …irgendwie… so einen Text via faKebook in einigen Goth-Gruppen veröffentlicht, war ganz witzig… Witzisch fand ichs, weil die Dame eigentlich nur -meddäl- hört… naja… ich kopier des mal und füge es hier ein ^^

20. April
Even all these So called GOTH Groups seem to have this “Stereo Type” thing going on. Goth is so much more than I been seeing in these Groups. (At least to me it is) I have decided to post “What I think Goth is” IN All the Goth Groups I am a member of.

Being Goth

I Get a lot of people who ask me about being Goth well here is what i think.
I am someone who likes the darker side of things. i usually listen to death metal and goth music, such as Dismember and Bauhaus and TYPE O NEGATIVE! Marilyn Manson is NOT goth. He’s just…weird.

Real goths are not depressing and suicidal like the posers you see at Hot Topic. AND Suicide Girls

Goths are fun to be around and aren’t afraid to laugh at themselves every so often. we don’t worship Satan and aren’t evil despite what some ignorant people might say.Goths don’t all dress alike either. We do not all wear Black and paint our face white.

Goths like to create their own unique style. Goths are also very intelligent and creative. A lot of us are writers and artists. Goths DON’T envy the popular people. We are what we are because it makes us happy.

Goths would rather stay who they are and be among the so called “freaks” than be like everyone else and be popular. We understand that there are more important things in life than popularity, and usually succeed in life while the popular ones don’t become much of anything.

Although i also happen to be popular i do not let it go to my head just be kewl with me like you would anyone else..

~Liz Vicious~:

Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

Zoie Campell bezeichnet sich auf Instagram als “Blackmetalbarbie”. Dann sollte sie auch keine #Goth verwenden. Das stiftet nur noch mehr Verwirrung. Daneben ist es natürlich schade, dass durch solche Instagram-Stars eine “Verschmälerung” der SchönheitsidealE in Richtung des “Mainstream” stattfindet und sich so dadurch altbekannte (= vom Mainstream akzeptiere) Körpernormen in eine eigentlich alternative Szene einschleichen.

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Ehrlich gesagt sehe ich auf den ersten Blick keinen wirklichen Unterschied zwischen Selbstdarstellern wie Zoie Campell und Freya von It’s Black Friday. (Über-)Schminken tun sich beide sehr ähnlich, so dass man die reale Person dahinter nicht mehr erkennt. Posen tun sie beide ständig und der Klamottenstil unterscheidet sich auch nur darin, dass Freya nicht auch so knallenge Sachen trägt – aber diese längeren, vampiresken Kleider und allgemein körperbetonte Kleidung tragen doch beide. Äußerlich ähneln sie sich insgesamt schon sehr und sie scheinen beide vor allem von der Selbstdarstellung zu leben. Letzteres finde ich sehr befremdlich, diese Selbstinszenierung mit Fokussierung auf das Äußere. Das “Schwarzsein” aber nicht nur Style, sprich Klamotten, Haare und Schminke bedeutet, gerät dabei in den Hintergrund.
Ich mag es auch nicht besonders, wenn sich Menschen derart überschminken, auch wenn das Ergebnis durchaus interessant aussehen kann. Es ist mir einfach zu gekünstelt, zu unnatürlich, zu überladen. Makeup sollte eine Person unterstreichen, nicht völlig verfremden.