Rezension: The Art Of Darkness – A History Of Goth von John Robb

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John Robb ist sicher einigen von Euch ein Begriff. Sei es als Sänger und Bassist der Band „Membranes„, als Musikjournalist, Autor diverser Bücher zur Musikgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts oder als der Mann, der den Blog „Louder Than War“ betreibt.

Irgendwann im letzten Jahr letztes Jahr bekam ich mit, dass er ein Buch namens „The Art of Darkness: The History of Goth“ herausgebracht hatte. Das klang interessant, das wollte ich haben; ich bekam es aus England geschickt und machte mich (zunächst vergnügt) an die Lektüre. Anschließend bot ich das Buch Robert als Blogmaterial an; nach einer Weile stellte sich heraus, dass Robert in absehbarer Zeit keine Kapazitäten für die Lektüre und Rezension von 500-Seiten-Wälzern haben wird und deshalb lest Ihr jetzt meine Meinung zu „The Art of Darkness“.

John Robb und die Vorgeschichte von Goth

Das erste Kapitel nimmt uns mit in einen britischen Goth-Club der frühen 80er Jahre. Auch, wenn ich nie zu der Zeit an solchen Orten war, hat mich das spontan begeistert, denn: So war das damals. In Deutschland allerdings einige Jahre später und eigentlich ganz anders, aber die Atmosphäre, wie Robb sie beschreibt, wirkt sehr vertraut. Zwar fiel mir bereits hier auf, dass mir der Erzählstil nicht so liegt, aber das ist ja mein Problem.

…gebleichte und gefärbte Haare, gelegentliche Tattoos, eine mit Make-up verschönerte weiße Haut und kunstvoll geschminkte dunkle Lippen, die mit lila oder schwarzem Lippenstift verschmiert waren. Es gab dicken Eyeliner und grelles Rouge, um die Wangenknochen hervorzuheben und zu betonen, Siouxsie/Cleopatra-Kajal-Augen und überall konnte man das Klappern von Kruzifixen, Perlen und Knochenketten hören. Es gab viele Variationen zu vielen Themen – Subgenres innerhalb von Genres, Stile innerhalb von Stilen. Es gab Punks, Gruftis und sogar ein paar von der Regenmantel-Brigade, die immer noch auf der Suche nach ihrer alternativen Lösung waren…

Anschließend macht John Robb uns umfassend mit der Prehistory of Goth bekannt. Wirklich sehr umfassend. Natürlich kann man versuchen, die Wurzeln des Goth bis in die Antike zurückzuverfolgen und es gibt sicher an anderen Stellen im Internet verständige Diskussionen darüber, ob das sinnvoll ist oder nicht. Ich habe dem Abschnitt entnommen, dass John Robb sehr gebildet ist und ich vielleicht eine Kulturbanausin bin. Um es positiv zu betrachten: Man kann hier bestimmt Inspiration finden, sich alte Dinge anzuhören, anzusehen oder zu lesen, die man bis dato noch nicht kannte.

Veteranen erzählen John Robb von damals

Im weiteren Verlauf des Buches kommen allerhand Musiker zu Wort. John Robb hat mit beinahe allen gesprochen, die in der Szene einen Namen haben. Robert Smith, Marc Almond, Nick Cave, Andrew Eldritch, Adam Ant, Johnny Marr, die Liste ist lang, die prominenten Ausnahmen wenige.

Dieser Teil hat mir wirklich sehr gefallen. Oral History oder auch „Veteranen erzählen von damals“ – wie haben die Teilnehmenden ihre Geschichte erlebt, was haben sie für Anekdoten? Das liest sich unterhaltsam und interessant.

Das Format, so schön es auch ist, hat seine Tücken: 30, 40 und mehr Jahre später in der Retrospektive sehen Dinge anders aus als zum Zeitpunkt des Geschehens. Kurzes Blättern in „NME Originals: Goth“ bestätigt mich in dem Eindruck, dass zum Beispiel Andrew Eldritch und Ian Astbury früher mal anders über sich und ihr Tun gesprochen haben. Nun ja.

Die Musik wird nach Bands sortiert in ungefähr zeitlicher Reihenfolge behandelt, das letzte größere Kapitel ist Fields of the Nephilim gewidmet.

Danach wird es etwas hektisch; es werden zwei Kapitel lang sehr viele Musikernamen geradezu abgehaspelt, um bis in die Neuzeit vorzudringen. Dann sind annähernd 500 Seiten voll und es wurde ausschließlich über Musik gesprochen. Es sollte ja die „definitive history of Goth“ werden und Goth ist doch mehr als nur Musik – also schnell noch einige Seiten über kontemporäre Literatur, Film und … war noch was, äh, ach Mode und Moment, Menschen, ja Menschen.

Musik macht natürlich einen wesentlichen Teil unserer Subkultur aus. Aber die Dinge, die hier auf den allerletzten Seiten eilig angesprochen werden – über die, besonders über die (nichtprominenten, nicht-Musiker) Menschen, die die Szene bilden, hätte ich persönlich wirklich gerne mehr gelesen als über gruftikompatible Kulturelemente von ca. Aristophanes bis ins Hochmittelalter.

An einigen Stellen bin ich auch inhaltlich nicht recht mit Robb einverstanden, bitte um Entschuldigung, ich muss meine Steckenpferde ausreiten:

Budgie spent time with Siouxsie and the Banshees“ – das ist zwar nicht falsch. Aber es redet seine Rolle in der Band klein, in der er „Zeit verbracht hat“, indem er 17 Jahre hauptberuflich ihr Schlagzeuger war. Gut, das ist eher ein Augenroller als ein Fehler.

Aber es gibt mehr.

Coils Version von „Tainted Love“ „with Marc Almond on vocals“? Nun. Vielleicht steckt Almond in den synthetisierten Backing Vocals ohne dass es auf dem Plattencover oder im Internet steht und John Robb hat da Geheimwissen. Vielleicht spielt ihm aber auch sein Gedächtnis einen Streich, weil Marc Almond im Musikvideo eine Rolle spielt und auch verschiedentlich für Coil gesungen hat.

Über Nina Hagen erfahren wir, sie sei in Ostberlin geboren und später „nach Hamburg umgezogen“. Das kann man zwar so ausdrücken. Ich kann das aber stark verkürzt finden. Um nicht zu sagen, sinnentstellend. Zwei Sätze mehr hätten es schon sein dürfen.

John Robb scheint zu glauben, Camerata Mediolanense seien in Fribourg von „der Antifa“ attackiert worden, weil ihre Art der Musik als faschistisch betrachtet würde. Ich will die Aktion wirklich nicht rechtfertigen, aber es lässt sich leicht herausfinden, dass nicht die Musik der Anlass war.

Ich hätte gerne einen verlässlichen Chronisten. Wenn ich mit meinem wahrlich nicht enzyklopädischen Wissen schon über gleich drei unzutreffende Behauptungen stolpere, was mag da noch alles verdreht oder falsch sein?

Lektorat? Fehlanzeige!

Apropos stören – die von mir genossene Erstauflage hat ganz offensichtlich kein Lektorat erfahren. Tippfehler en masse, Formatierungsfehler (zwei Seiten vergeigter Schriftsatz an ,einer Stelle) und unglaublich viele Wortwiederholungen, teilweise innerhalb eines Satzes und nicht als Stilelement. Der Vorname von Anja Huwe ist jedes Mal falsch geschrieben (und er kommt 7 oder 8x vor). Da stoße ich mir beim Lesen ständig sozusagen den großen Zeh. So würde man keine Hausaufgabe einreichen, John Robb hat „so“ ein Buch zum kommerziellen Verkauf angeboten. Nicht sehr respektvoll gegenüber der zahlenden Kundschaft.

Their home city had its own post-war narrative and its own radical post-punk and DIY scene built around Ripood Records and Albert Hilsberg’s Zickzack label that had released Einsturzende Neubauten’s debut, Kollaps, which former singer Anje Huwe celebrates.

Gehässigere Menschen als ich :) könnten glauben, John Robb habe während seiner Recherchen erfahren, dass auch Lol Tolhurst an einer History of Goth arbeitete und er hätte es danach eilig gehabt, noch dem Anspruch gerecht zu werden, die erste History geschrieben zu haben. Aber wer ist schon gehässig?

Fazit: Wir haben hier letztlich eine Oral History of Goth Music mit einer erweiterten Prähistorie des Goth und einigen angerissenen Teilen über sonstige szenerelevante Dinge. Und so wichtig Musik auch ist, hatte ich mir von einer „definitive history of Goth“ etwas anderes versprochen. Was vielleicht ein Missverständnis meinerseits war.

Nachdem die Neuauflage nun für unter 20€ zu haben ist, würde ich sagen: Für den Teil „in eigenen Worten“ finde ich das einen angemessenen Preis. Und vielleicht haben andere Menschen ja auch mehr Spaß als ich an der umfangreichen Vorgeschichte. Von den Dingen, die ich oben bemängele, sind hoffentlich auch einige hinwegbearbeitet worden.

„The Art of Darkness“, Manchester University Press, unter ISBN: 978-1-5261-7676-9 als Neuauflage erhältlich (zu erkennen am neuen Cover, einem alten Foto von Siouxsie und Robert Smith). Diese Ausgabe umfasst erstaunliche 200 Seiten mehr als die von mir gelesene erste; ich habe nicht herausfinden können, ob das an Überarbeitungen oder an Großdruck liegt.

Wer ungern auf Englisch liest, kann eine für September angekündigte deutsche Version mit dem Titel „Goth: Die dunkle Seite des Punk“ (Ventil-Verlag, ISBN 978-3-95575-208-8, 32€) abwarten.

Gruft-Orakel Juni 2024: Der Vampir kann nicht mehr fliegen

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Seit Stunden sitzt der Vampir unsicher vor dem Abgrund seines Schlosses, das irgendein windiger Architekt an eine so unmögliche Stelle auf den Berg gebaut hat, dass es nur einen Weg gibt, das Anwesen zu verlassen. Mit ausgestreckten Flügeln in die Dunkelheit der Nacht! Jetzt sitzt der Vampir am Rand seines Balkons und knabbert an den viel zu langen Fingernägeln. Vor einer halben Stunde saß er noch am Frühstückstisch und labte sich an einem Kelch frischen Blutes, als er wie gewohnt das Transsilvanische Tageblatt aufschlug und Alana Abendroths Gruft-Orakel las. Ihm gefror das frische Blut in der Kehle. „Mit Anlauf den großen Sprung wagen„? Hatte man ihm seine Flugfähigkeiten geraubt? Wurde er vom mächtigen Orakel zum Wander-Vampir degradiert? Wir werden es wohl erst im Juli erfahren, wenn möglicherweise ein Nachruf verfasst werden muss.

 

 

 

Millennial Punk – Subkultur in Zeiten der Digitalisierung

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Der Südwestrundfunk hat mit der 4-teiligen Dokumentation „Millennial Punk“ die Subkultur in ihrer Entwicklung seit der Jahrtausendwende unter die Lupe genommen und zeichnet den Weg des Punks ins digitale Zeitalter nach. Was die Dokumentation sehenswert macht, sind vor allem die 69 Protagonist:innen, die sich nicht nur musikalisch dem Punk zuordnen, sondern vor allem auch etwas von ihren Erfahrungen zu berichten haben.

Die vierteilige Serie „Millennial Punk“ beweist in einer kurzweiligen Reise durch ein Vierteljahrhundert Deutschpunk das Gegenteil. Hier geht es im Gegensatz zu den meisten Dokumentationen nicht um die Ursprünge und das „Ende“ des klassischen Punkrock, sondern die Entwicklung der Subkultur in den Nullerjahren.
In der Doku Serie kommen fast siebzig Protagonist*innen der deutschen Punkszene zu Wort und erzählen chronistisch von ihren ersten Berührungspunkten mit der Subkultur und ihrer Vorstellung darüber, was das längst popkulturelle Phänomen Punkrock im neuen Jahrtausend für sie ausmacht. Es geht um das Internet, Politik und Aktivismus.

Es wird deutlich, dass Punk hier mehr als Lebenseinstellung wahrgenommen wird und der Gedanke des Punk durchaus unterschiedlich interpretiert wird. Dabei durchkreuzt die Dokumentation zahlreiche musikalischen Genre und Szenen, die im Gedanken des Punks vereint zu sein scheinen. Allerdings ist das alles sehr gut gemacht, spannend geschnitten und editiert und einfach eine spannende Reise durch die Zeit nach 2000. Dabei werden nicht nur Aktivismus, sondern auch Politik und das Internet im Allgemeinen.

(Das ist nur ein Zusammenschnitt, alle 4 Teile befinden sich hinter den Links weiter unten.)

Es wird deutlich, dass jede Entwicklung, sei sie nun politisch, gesellschaftlich oder popkulturell, im Punk musikalisch aufgegriffen und verarbeitet wurde, ungeachtet einer konkreten Spielweise, sondern eher mit einer gegensätzlichen Haltung. Allerdings gibt es stets ein wiederkehrendes Mantra, das jeder Szene hinter läuft. Mit Ende jeder Dekade wird Szene XYZ für tot erklärt, nur um dann im Humus ihrer eigenen Vergangenheit neu zu erblühen.

  • Folge 1: #THROWBACK – Nostalgie der Nullerjahre (S01/E01)
    Die Digitalisierung steckt zur Jahrtausendwende noch in den Kinderschuhen – viele der heute angesagten Punkbands ebenfalls. Akne Kid Joe, Erection und the Toten Crackhuren im Kofferraum berichten, wie sie damals – teils durch ihre Eltern – Bands wie Die Toten Hosen, WIZO und die Terrorgruppe für sich entdeckt haben. Die alten Helden schwelgen wiederum in Erinnerungen an eine Zeit, in der Punks noch gern gesehene Gäste im Musikfernsehen und bei Nachmittagstalkshows waren. Im Zentrum dieser Folge steht die Frage, wie Millennials zwischen Komasaufen, Tamagotchis und Skateboardfahren zum Punk gekommen sind.
  • Folge 2: #AKTIVISMUS – Die politische DNA von Punk (S01/E02)
    Neben der Musik verbindet Punks eine klare politische Haltung. In dieser Folge diskutieren u. a. die Broilers die Frage, warum Hip Hop für junge Menschen mit Migrationshintergrund attraktiver als Punkrock ist. Birgit und Horst Lohmeyer, deren Scheune 2015 von Neonazis angezündet wurde, berichten von ihrem Kampf gegen Rechts in Mecklenburg-Vorpommern. Der Iuventa-Kapitän Dariush Beigui erzählt von seinen Seenotrettungseinsätzen auf dem Mittelmeer. Tierschutz-Aktivistin Victoria Müller nimmt uns mit in die Ukraine, wo sie zurückgelassene Haustiere rettet. Und ZSK-Sänger Joshi spricht über die Gründung der Jugendinitiative „Kein Bock auf Nazis“.
  • Folge 3: #NEULAND – Die digitale Revolution (S01/E03)
    Egal, ob ICQ, MySpace, Facebook, Instagram oder TikTok: Die Sozialen Medien haben Gleichgesinnte, unabhängig ihrer Wohnorte, zusammengebracht und auch Bands vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet. Die dritte Folge handelt von digitalen Plattformen und Errungenschaften, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. WIZO-Sänger Axel erklärt, warum seine Band sogar von illegalen Downloads profitiert hat. Die Herausgebenden der beiden wichtigsten Punkrock-Fanzines Ox und Plastic Bomb geben Einblicke hinter die Kulissen der Printkrise. Und Schrottgrenze-Sängerin Saskia Lavaux spricht über die Schattenseiten von Social Media und Hass im Netz.
  • Folge 4: #Fortschritt – Neue Genres & Feminismus (S01/E04)
    Die letzte Folge der Reihe steht im Zeichen der Veränderung. Früher war es undenkbar, Punk und Hip Hop zu mögen – inzwischen sind linke Rap-Acts wie die Antilopen Gang und SWISS & die Anderen auch aus dem Line-up großer Punk-Festivals nicht mehr wegzudenken. Rapperin FINNA spricht im Interview über ihre Punksozialisation. »Homo Punk History«-Autor Philipp Meinert und Fat Mike – Sänger der legendären US-Punkband NOFX – beleuchten die queere Seite der Subkultur. Und #punktoo-Aktivistin Ronja Schwikowski wirft, gemeinsam mit Musikerinnen verschiedener Punkbands, einen kritischen Blick auf die sexistischen Strukturen der Punkszene.

Rückblick: Spontis-Treffen auf dem Wave-Gotik-Treffen 2024

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Ein WGT ist stets eine neue Herausforderung, konstante Rituale stellen sich selten ein, gewohnte Abläufe werden stets durchbrochen und ausgiebige Planungen werden nur gemacht, um sie im Strudel des Moments über den Haufen zu werfen. Der Pfingst-Montag ist allerdings ein besonderer Tag. Hier wird pünktlich aufgestanden, zügig geduscht und hastig gefrühstückt und das bereits zum elften mal. Das Spontis-Treffen dürfte der wohl wichtigste Grund für mich sein, nach Leipzig zu fahren – neben den unbezahlbaren Rand-Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und dem unvergleichlichen „IST-Zustand“ der schwarzen Szene, der sich zu Pfingsten in Leipzig abbildet.

Diesmal sind wir mit einem total spießigen Rollkoffer und der Tram zu Spontis-Treffen gekommen, in dieser Konstellation eine Premiere. Den Wagen haben wir in der Nähe des Connewitzer Kreuzes stehen lassen, da der Parkplatz hinter dem Willhelm-Leuschner-Platz einer Baustelle zum Opfer gefallen war. Der Koffer war beladen mit Magazinen, Taschen und Buttons, die wir unter den Anwesenden und Neugierigen kostenlos verteilen wollten. Weisheit des Tages: Rollkoffer funktionieren auf Kopfsteinpflaster und Wiesen nur eingeschränkt.

Was ebenfalls eine Premiere war, ist die Tatsachen, dass Orphi und meine Wenigkeit die ersten auf der Wiese hinter der Moritzbastei gewesen sind. Das ist wohlmöglich einem pünktlichen Personennahverkehr zu verdanken, den wir einfach nicht mehr gewohnt sind. Es dauert aber nicht lange, da näherte sich mit wehender Mähne ein alter Bekannter: Waldemar!

Dann ging alles ganz schnell, denn Pünktlichkeit wird in Grufti-Kreisen offensichtlich großgeschrieben. Von allen Seiten strömten Besucher und Leser heran und vertieften sich alsbald in Begrüßungsritualen. Mein Lieblingsbogenschütze brachte neben Ulli eine ganze Entourage an Begleitern mit, die ich alle noch nicht kannte. Eine Namensflut, die ich höchstwahrscheinlich nicht mehr auf die Reihe kriege. Gruftfrosch und Tanzfledermaus marschierten fast schon fröhlich auf uns zu (könnte auch an der Sonneneinstrahlung gelegen haben) und auch Bibi Blue hatte ein süffisantes Lächeln aufgelegt.

Katharina und Parm vom Schemenkabinett brachten nicht nur Vincent van Grave mit, sondern auch ihre Geschichte von einem Fernsehauftritt, über den ich natürlich an anderer Stelle noch berichten werde. Und wo wir gerade Links setzen, Jule und Marcus vom Pfingstgeflüster haben uns mit ihrer Anwesenheit beglückt, leider hat es nur für ein Besuchsversprechen und einen kurzen Austausch über die kommende Ausgabe gereicht, da erforderten auch schon andere Besucher meine Aufmerksamkeit.

Ich beglückwünschte Ramona, die auch schon zu den Stammgästen gehört, dass es mit ihrem kleinen Kosmetik-Business so gut läuft und fand auch den Besuch von Grevina Patrizia und Thor sten (den ich zunächst gar nicht erkannt hatte) sehr erfreulich und auch über Marco Berg und Gattin Vega Eorann Ardala haben mit ihren Outfits einen bleiben Eindruck hinterlassen (toller Hut!) wie auch Romana und Tobias, die alle zusammen gekommen sind.

Ich begrüßte auch „Darkmar“ und Bernd, über die ich mich immer sehr freue, denn seit unserem gemeinsamen Nachmittag in London kenne ich die Beiden ja etwas näher, ich wünschte, das könnte man mit allen Besuchern des Spontis-Treffens machen. Stichwort Bernd: Der entschuldigte sich für seinen Bruder Roland, der es leider nicht geschafft hat und wir haben uns seine Abwesenheit zunutze gemacht, nicht über ihn zu lästern, sondern zu betonen, wie lange die Beiden schon „dabei“ sind.

Johann van Staal stand diesmal im Schatten seiner Partnerin Katharina, die es jetzt als Keyboarderin bei „Days of Sorrow“ fast zu Weltruhm gebracht hat, war sie doch kurz zuvor noch auf der Bühne der „Dark Affair“, die ganz in der Nähe stattfand, aufgetreten.

Neben Alina Webb, jüngst mit ihrer Familie von Australien (!) in die Nähe von Siegen gezogen ist, hat Froya MacLeod (alias Black Friday) aus Neuseeland den Preis für die weiteste Anreise gewonnen. Mit ihr konnte ich mich auch kurz über ihre geplante Dokumentation austauschen, für die sie auch auf dem Spontis-Treffen einige Bilder gemacht hat.

Besonders gefreut habe ich mich auch über Maren, für die das nicht nur das erste Spontis-Treffen war, sondern auch das erste Wave-Gotik-Treffen im Allgemeinen, über ihre Eindrücke hat sie auch gleich einen ganzen Artikel verfasst. Auch Mondlichtkobold, der sich jüngst durch einige sehr spannenden Kommentare in mein Bewusstsein gedrängt hatte, beglückte uns durch seine Anwesenheit. Erschrocken hat mich Manu, den ich bisher überhaupt noch nicht visuell vor Augen hatte, ziert sein Profilbild doch eine Gitarre. Auch wenn ich zunächst völlig perplex war, mein Gegenüber kaum einordnen konnte, löste Manu das Rätsel umgehend auf. Leider war ich immer noch so überrascht, dass mir seine letzten Kommentare nicht mehr einfielen.

Es gab darüber hinaus noch ein paar wichtige Versprechen, die wir einlösen müssen. Jen und Holger haben wir versprochen, sie auch außerhalb des WGT einmal in Leipzig zu besuchen und Scarlet und Konrad, die uns dieses wundervolle Poesiealbum (?) geschenkt haben, versprachen wir eine Audienz in unserem Zentrum der Macht. Erfüllte Versprechen werden ausreichend dokumentiert, versprochen.

Ich habe mich auch sehr über den Besuch von Tigrib Wurbel und Lippi Cudm gefreut, die wieder einmal vorbeigekommen sind, ebenso wie über die  Familie Klammer, obwohl ich diesmal nur Augen für Karls freiliegende Nippelgates hatte. Es ist mir stets eine Freude, dich wohlauf und rehabilitiert zu sehen und es wird mir stets eine sein.

Fast hatte ich die beiden schon vermisst, aber glücklicherweise erschienen Dana und Thilo auch zum Treffen, denn wie ich bereits erwähnt hatte, ist ein Spontis-Treffen ohne Thilo kaum noch möglich. Mit Katharina Noire habe ich im Übrigen vereinbart, dass sie einen Button für das Spontis-Magazin 2024 machen sollte – ich bin gespannt, was daraus wird. Birte und Torsten von Dtorn konnte ich auch kurz begrüßen, mit Birte konnte ich mich glücklicherweise bereits am Donnerstag vor Pfingsten austauschen, was mir sehr gut gefallen hat. Das Artikel-Angebot habe ich übrigens nicht vergessen :) Meiner Lieblings-Archäologin Regin Leif konnte ich noch an Ort und Stelle einen weiteren – und bestimmt spannenden – Artikel aus den Rippen leiern.

Ich fand es auch toll, das Vanessa und Sascha vorbeigekommen sind, habe mich über den grün eingefärbten Martin gefreut, hoffe das Marc G. nicht vergessen hat, was wir ausgemacht haben, konnte ganz kurz Andreas und Matthias begrüßen und fand es auch toll, dass Lusi und Roy meiner kurzfristigen Einladung gefolgt sind. Kathrin und Detlev sind das sympathisch-unzertrennliche Paar von Batcave-Design, sind ebenso erschienen, genauso wie Franziska und mein rasender Leipzig-Reporter Reinhard.

Elizabeth und Oliver sind ein tolles Paar geworden und ergänzen sich augenscheinlich perfekt, dasselbe Gefühl habe ich Daniel und Carina von Young&Cold, mit denen ich in Zukunft ein bisschen enger zusammenarbeiten will. Es möge mich dringend jemand daran erinnern, einmal in Linz vorbeizuschauen, um mich im Laden „Chay – Die Welt des Tees“ von Christine und ihrem Mann für den jahrelangen Support zu bedanken. Ich glaube, ich solle mal eine Story über „Tee“ machen!

Tausend Dank auch an Annett und Frank, Cassandra und ihren Mann, Birgit und Peter, Karlsson vom Dach uns seine Frau, die alle wieder einmal vorbeigeschaut haben, um mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Danke auch an Stefan Wasmund für dieses kurze Video:

Meine persönliche Lieblings-Hexe „Linn Noire Goldmarie“ hat mich auch wieder mit ihrer Anwesenheit verzaubert, Christine aus Österreich hat ihr neues Tattoo am Hals präsentiert und Dismas musste sich für seinen neuen Arbeitgeber leider von ein paar seiner Haare trennen.

Eine ganze besondere Überraschung war dann der Besuch von Gatto und Steve vom Podcast „Schwarzgesagt„, die mit ein paar von ihren Fans nach ihrem eigenen Treffen im Park hinter der Moritzbastei, vorbeigekommen sind. Wir haben kurz Zeit gefunden uns auszutauschen und auch mal abzustimmen, dass man sich doch mal gegenseitig unterstützen sollte, was in Zukunft mal in Angriff nehmen werden. Bis dahin habe ich mir erlaubt, ein Bild von Instagram zu mopsen und neidisch auf das Banner zu blicken. Sowas sollten wir unbedingt auch mal machen:

Ich danke natürlich auch dem Wettergott, Ra, Ehecatl und Tlaloc, Iskur, Hadad, Taru oder auch einfach nur Petrus für das perfekte Wetter! Ich danke auch meiner Götter-Gattin Orphi Eulenforst für ihren unermüdlichen Support, obwohl ich langsam das Gefühl habe, dass sie mir den Rang abläuft ;-)

Ich bedanke mich bei allen Besuchern unseres kleinen Treffens und die Gelegenheit einigen von euch zum ersten Mal ins echte Gesicht zu schauen und so vielen lieb gewonnenen Wegbegleiter wieder einmal in Natura zu treffen. Einige von euch werde ich in meinem Bericht sicher nicht erwähnt haben, was meiner durchaus überforder Wahrnehmung geschuldet ist. Bitte fühlt euch frei, in den Kommentare auf euch hinzuweisen, euch bei Facebook mit einer Freundschaftsanfrage in mein Sichtfeld zu drängen oder sonstwie auf euch aufmerksam zu machen. Ich würde mich freuen!

Eulenforst: Orphi generiert Goth Musik mit KI – Top oder Flop?

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Vor ein paar Wochen berichteten wir darüber, dass Robert Smith – neben vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern – einen offenen Brief gegen den Einsatz von „KI“ in der Musikbranche mitzeichnete. In einem neuen Video auf unserem Youtube-Kanal Eulenforst greift Orphi die Frage nochmal auf und hat auch einige Beispiele „KI“-generierte Musik erzeugt, die bereits jetzt die erstaunlichen Fähigkeiten dieser Programme demonstrieren.

Rasante Entwicklungen unterstreichen Gefahren und Möglichkeiten

Wir müssen das Thema nochmal aufgreifen. Im oben erwähnten Artikel berichtete ich über einen offenen Brief vielen Künstlerinnen und Künstlern gegen den Einsatz von „KI“. Ich stellte die Frage, ob diese Art von Musik eine tatsächliche Gefahr für die Branche ist und letztendlich uns – die Hörer – vor nicht kaum noch zu unterscheidende Ergebnisse stellt.

Auch ich war der Ansicht, dass „echte Kreativität hier nicht zu erwarten sei„, doch meinen Ehegrufti hat dieses Thema nicht losgelassen und sie hat sich ausgiebig mit verschiedenen Programmen und Plattformen auseinandergesetzt. Orphi will keine Musikerin werden, sondern nur die Möglichkeiten ausloten und hat dazu einige Beispiele erstellt und hat auch mich im späteren Verlauf des Videos vor interessante Fragen gestellt:

Tatsächlich höre ich mich ein bisschen so an, wir ein Boomer, der alles verteufelt, was aus der Konserve kommt, dabei ist seit den frühen 80ern Musik, die von Computern und Synthesizern generiert wird, längst im Mainstream angekommen und passt auch in meine Hörgewohnheiten. Die Synthesizer befähigten damals tausende junge Menschen plötzlich, noch nie dagewesene Musik zu machen – Computer und Musiksoftware sorgten einige Jahre später für die nächste Revolution. Steht uns einfach die nächste Generation der Möglichkeiten ins Haus?

Auch das Thema „Künstler auf der Bühne“ hat Orphi ausgedribbelt, indem sie mich mit erfolgreichen DJs konfrontierte, die zwar Musik machen, aber nicht mehr selbst vor dem Mikrofon stehen und allerhöchsten im Hintergrund „Platten“ auflegen.

Die Möglichkeiten werden rasant besser, soviel steht fest. Einige Zuschauer in Orphis YouTube-Kanal, den man am besten abonnieren und liken sollte, haben selbst angefangen, mit solchen Programme zu experimentieren.

In einigen Monaten (?) könnte es sein, dass der Otto-Normal-Hörer keinen Unterschied mehr feststellt und zu „KI“-generierter Goth-Musik über die Tanzfläche schlurft. Ist eine Kennzeichnungspflicht für KI die letzte Rettung „echter“ Musik? Ich wäre ja vom Gefühl her immer noch sauer, wenn ich plötzlich KI-Musik gut finden würde, ich weiß nur nicht genau, warum.

WGT 2024: Emotionale Planlosigkeit auf meinem ersten Wave-Gotik-Treffen

What can the damned really say to the damned?“, fragt sich Louis, als er sich aufmacht, die Vampire der alten Welt zu finden, um das tiefste Geheimnis und den Ursprung aller vampirischen Existenz zu ergründen, in der Hoffnung, sein eigenes Dasein besser zu verstehen.

Auf meiner Fahrt zum WGT musste ich unwillkürlich an ihn denken: War ich doch auch auf der Suche nach weiterer gruftiger Existenz außerhalb meines eigenen dünn besiedelten Umfeldes. Was würde mich erwarten? Natürlich hoffte ich sehr, dass es mir nicht wie Louis ergehen würde und sich das, was ich finden würde als „mindless corpse“ entpuppte. Meine Gedankengänge wurden jäh von einer Gruppe von Pfadfinder-Kids unterbrochen, die in Frankfurt zustiegen. Eine von deren Betreuerinnen hieß auch noch Maren, sodass permanent mein Name durch den Zug gebrüllt wurde.

Schwarzer Gleichklang im Täubchenthal

Batboner im TäubchentalNachdem etwas Schlaf für Erholung von der Zugfahrt gesorgt hatte, begegneten mir auf dem Weg zur Bändchenausgabe am Bahnhof allerhand Gestalten in seltsamen Gewandungen, die in mir die Frage aufkommen ließen, welch seltsame Form von Schwarz darunter verborgen läge. Oder handelte es sich womöglich um Hüllen, die dazu dienten, um Nicht-Sein zu verbergen? Eine Art Fluchtimpuls befiel mich, und so setzte ich mich in eine Straßenbahn, Richtung Täubchenthal. An der Haltestelle stieg außer mir noch eine Frau in Schwarz aus. Wir wussten sofort, dass wir dasselbe Ziel hatten und zeichneten uns durch dieselbe Planlosigkeit aus. Wir mussten erst einmal lachen. Der Sympathiefunke sprang sofort über und wir beschlossen: „Wir verirren uns gemeinsam.“ Geballte Planlosigkeit hebt sich auf, und so erreichten Sandra und ich dann das Täubchenthal. Wir wurden vom düsteren Sound der norwegischen Deathrock Band Batboner begrüßt, der uns gleich einfing: „Hier sind wir richtig.“

In der Pause setzten wir uns draußen auf die Holzstufen und sogen die Atmosphäre des Ortes in uns auf. Wir fühlten uns wohl, denn wir spürten, dass wir uns unter Menschen befanden, die ihre Gefühle zur Musik auslebten, deren Äußeres dies unterstrich und nicht dazu diente, um Leere zu verbergen. Sandra und ich hatten uns viel zu erzählen: Lustiges, Trauriges, Schräges, sodass wir eine Band komplett verpassten und von einer anderen nur die Hälfte der Songs mitbekamen. Dies wurde jedoch dadurch aufgewogen, dass wir es als unglaublich bereichernd empfanden, so offen miteinander reden zu können, obwohl wir uns doch vorher nie gesehen hatten.

Sandra und Maren auf dem WGT 2024

Den Auftritt von Tragic Black verfolgten wir dann wieder komplett mit und beschlossen, jetzt unseren Platz vorne links von der Bühne nicht mehr zu verlassen, damit wir zum Auftritt der Sexgang Children unsere gute Sicht beibehalten konnte. Mir hatte die Band beim Reinhören ins WGT-Line up schon gut gefallen und Sandra war ein absoluter Fan. Andy Sexgang schaffte es, mit seiner Band die an sich schon gute Stimmung noch einmal bis zur Ekstase zu steigern. Was uns beeindruckte, war wie die Band trotz des Alters von allen die Düsternis am leidenschaftlichsten transportierte. Ihr Song Sebastiane klang mindestens genauso gut, wie in dem YouTube Video mit der Aufnahme aus den frühen 80er Jahren. Welche Ausdrucksstärke, welche Variationsbreite und welchen Zorn Andy Sexgang stimmlich an den Tag legte, besonders bei den langsameren Stücken! Der Bitte um eine Zugabe aus dem Publikum kamen sie jedoch nicht nach, was für uns absolut verständlich war. Sie hatten alles gegeben. Dafür gebührt ihnen mein Dank genauso wie Sandra für einen überragenden ersten WGT-Abend.

Zwischen Melancholie und Tanzfreude

Viele Wege führen ins Dunkel und es ist spannend, verschiedene davon zu beschreiten. Also zog es mich am nächsten Tag zu Klez.e in den Volkspalast. Über sie hat Robert ja schon einen wunderbaren Artikel geschrieben. Mir ermöglichte ihre Musik ein Abtauchen in Traurigkeit, das in einem starken Kontrast zu der wilden düsteren Feier am Vorabend stand. Cure Cover Band? Allen vorherigen Diskussionen zum Trotz muss ich nach dem Miterleben ihres Auftrittes sagen: Für mich nicht: The Cure klingt nach meinem subjektiven Empfinden eher nach November: milder Nieselregen, Nebel, Wald, während Klez.e frostiger rüberkommt: Schneegriesel, eisiger Wind und graue Straßenzüge in einem nicht enden wollenden Januar. Dieser Unterschied ist meinem Empfinden nach der Verwendung der deutschen Sprache und den Texten geschuldet.

Klez.e - Maren - WGT 2024
Klez.e – Maren – WGT 2024

Im Nachhinein denke ich auch, dass dieser kalte Hauch von Traurigkeit dafür verantwortlich war, dass ich nach dem Konzert plötzlich nicht mehr unter Menschen sein wollte, von denen sich in diesem Moment zu viele vor Ort befanden. Es war also an der Zeit, mich zurückzuziehen. Glücklicherweise wird einem dies durch die Konzeption des WGTs ermöglicht. Nicht auszudenken, wenn ich auf einem eingezäunten Festivalgelände hätte verharren müssen.

Doch diese Rückzugsphase währte nicht ewig, denn ich verspürte plötzlich den Wunsch, irgendwo zu tanzen, am besten irgendwo, wo ich zu Fuß hingehen konnte: Also Dark Flower. In der Warteschlange vor dem Club war ich dann wieder gesellschaftsfähig. Das heißt für die richtige Gesellschaft! Die hatte ich auch dann in Gestalt zweier sehr netter Australier, die eine 30-stündige Anreise auf sich genommen hatten, um nach Leipzig zu kommen und mir schilderten, wie schwierig Goth sein bei ihnen zu Hause sei. Als wir es dann ins Innere unseres Tanztempels gelangten, sorgten ziemlich ohrenbetäubender elektronischer Sound gleich einmal für einen Adrenalinschub zum Wachwerden. Und dann tönte es wieder ganz plakativ: „Angepasste Spießerschweine“. Zum Fremdschämen? – Nein, zum Mittanzen!

Dark Flower WGT 2024

Ungeachtet dessen, dass man eigentlich eine Bandage trägt und die Woche vorher massive Probleme beim Treppensteigen hatte und ohne Rücksicht darauf, dass man eigentlich gar nicht besonders gut tanzen kann. Was mir persönlich besonders auffiel, war das rücksichtsvolle Verhalten der Akteure, denn obwohl die vordere Tanzfläche zum Bersten voll war, kam es zu keinerlei Rempeleien und die Leute machten sich immer sehr behutsam bemerkbar, wenn sie durch die Menge von A nach B gelangen wollten. Nach einer Pause zog es mich dann zur hinteren Tanzfläche, die im wabernden Nebel in der Gruft des Clubs verborgen war. Dort hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mir drei der Gestalten auf der Tanzfläche bekannt vorkamen, doch ich hielt dies zunächst für eine Halluzination. Doch es war tatsächlich ein Wiedersehen mit Menschen, denen ich schon am Vortag begegnet war. Natürlich ein Grund, länger als geplant im Darkflower zu verweilen und erst zum Schlafen zu gehen, als der Club am Morgen zumachte.

Archaische Klänge versetzen das Schauspielhaus in Trance

Für mich war das Faszinierende am WGT schon beim Versuch mich im Vorfeld durch das Line up durchzuhören, die unglaubliche Bandbreite düsterer Musik, die man dort erleben konnte. Ganz besonders eigenwillige Klänge haben Eihwar aus Frankreich kreiert: Eine Mischung aus Folk, Wikingerkriegsgesängen und elektronischen Tönen, die sie selber Viking War Trance nennen. Damit lockten sie mich an meinem letzten WGT-Abend ins Schauspielhaus.

Eihwar WGT 2024

Ich fragte mich, ob das die richtige Location für dieses kriegerische Duo wäre, denn im Schauspielhaus – so mein Vorurteil – werden eher Dinge dargeboten, bei denen man aufpassen muss, nicht einzuschlafen, um keine missbilligenden Blicke zu ernten, wenn man dann geräuschvoll vom Sessel fällt. Kaum aber waren die Türen des Saals geschlossen, legten die beiden mit einer Zeremonie los, die das Publikum wortwörtlich vom Hocker riss. Zu den dumpfen Trommelklängen wurde vor der Bühne und neben den Sitzreihen getanzt. Auch den bei den Zuschauern auf den Sitzplätzen konnte man erkennen, wie sie von der Musik durchströmt und ergriffen wurden.

Der Gesang wechselte zwischen melodiösen und eher an Metalgrowls erinnernden Tönen. Während Marc sich als dunkler Krieger im Hintergrund hielt, nahm Asrun mit ihrem wilden Kriegstanz die komplette Bühne für sich in Anspruch. Mich erinnerte das zum einen an Jim Morrisons ekstatische Darbietung zu „Not to touch the Earth“ zum anderen an Tänze und Gesänge der amerikanischen Ureinwohner – die erst Musikschallplatte, die ich überhaupt besessen hatte. (Nun, meine offen bekannte Vorliebe dafür hatte nicht gerade zu meiner gelungenen Integration an der weiterführenden Schule beigetragen.) Für mich hat diese Musik allerdings nichts mit Krieg und Gewalt zu tun, sondern sie wirkt durch das Hervorrufen archaischer Kräfte befreiend. Am Ende standen dann auch alle im Saal und wiegten sich in absolut friedlicher Atmosphäre beinahe wie von Trance ergriffen zur Musik. Die Schamanin Asrun und ihr Begleiter hatten die von ihnen beabsichtigte Wirkung erreicht.

Epilog

Ein Freund hatte mir vor einem Jahr gesagt, als ich ihn bei seiner Rückkehr aus Leipzig nach seinen Erlebnissen auf dem WGT gefragt hatte: „Das ist der richtige Ort für dich. Ich kann dir nur Empfehlen, hinzugehen.“ Bewahrheitet hat sich bei meiner Reise zum Kern schwarzer Existenz die Weisheit eines alten Meisters im Dialog mit seinem Schüler:

„Was werde ich dort finden?“

„Nur was du mit dir nimmst!“

WGT-Guide: Was ist mit der beliebten App passiert?

Einigen Smartphone-Enthusiasten wie mir ist bereits vor dem WGT 2024 aufgefallen, dass der fast schon obligatorische WGT-Guide nicht mehr mit Updates befüllt wurde. Für dieses Jahr musste der Faltplan herhalten, der leider aufgrund seines farblichen Designs und der Anfälligkeit für Wind nicht wirklich gut nutzbar war. Doch was ist mit dem WGT-Guide passiert? Wurde die seit über 10 Jahren – in meinen Augen – beste App für die Festivalplanung in Leipzig eingestellt?

Wir haben mit Tobias, dem Menschen hinter dem Guide, gesprochen.

WGT-GuideTobias ist seit über 20 Jahren, mit Ausnahme der Corona-Jahre auf dem Wave-Gotik-Treffen unterwegs, arbeitet in einer Digital-Agentur und hatte in seiner Freizeit Lust, eine Smartphone-App zu entwickeln, mit der er beruflich nichts zu tun hat.

Spontis: Den WGT-Guide als Handyapp gibt es mittlerweile seit 2011. Wie kam es dazu, eine solche App zu entwickeln?

Tobias: Tatsächlich gibt es die App bereits seit 2011. Die Idee kam mir, als ich, wie so viele WGT-Besucher:innen damals versuchte, mir mit langen Listen und Ausdrucken einen Überblick über das Programm zu verschaffen. Das erschien mir schon damals unzeitgemäß – obwohl Smartphones, wie wir sie heute kennen, damals noch eine Rarität waren. Tatsächlich konnte ich die erste Version der App auf meinem eigenen Handy gar nicht nutzen, als ich anfing sie zu entwickeln und musste mir ein Gerät von einem Bekannten leihen, um sie zu testen. Ziemlich verrückt eigentlich, wenn man heute darüber nachdenkt :) Vielen WGT-Gänger:innen ging es damals ähnlich, daher war das Interesse an der App in ihrem Debüt-Jahr 2011 noch recht verhalten. Aber das sollte sich bald ändern.

Über die Jahre hast du die App stets weiterentwickelt und Userfeedback berücksichtigt, was mit über 10000 Downloads honoriert wurde. Wie lange sitzt man eigentlich an so einer App und seiner Befüllung?

Ich kann nicht mal grob einschätzen, wie viel Zeit über die Jahre in die Entwicklung geflossen ist. Aber da sind sicher einige tausend Arbeitsstunden zusammengekommen. Zum einen wurde die App von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und verbessert. WGT-Guide sollte mehr sein als nur eine Programm-App. Sie sollte auch zur Vernetzung beitragen. Über die Verbindung zu Facebook konnten App-Nutzer:innen sehen, für welche Veranstaltungen sich ihre Freund:innen interessierten und in welchen WGT-Locations sie zuletzt „eingecheckt“ hatten. Ich glaube, diese Funktion hat ganz wesentlich dazu zur Beliebtheit der App gegenüber anderen Lösungen beigetragen.

Hinzu kam die jährliche Befüllung der App mit hunderten von Künstler:innen und Programmpunkten. Es war schon immer mein Anspruch, einen kompletten Überblick über das schwarze Pfingstprogramm in Leipzig zu vermitteln, denn das WGT lebt ganz wesentlich von der Kreativität seiner Besucher:innen und gerade die vielen inoffiziellen Programmpunkte und Treffen machen meiner Meinung nach den Charme des Treffens aus. Daher wurden von Anfang an auch inoffizielle Events in die App aufgenommen, was allerdings für zusätzliche Arbeit und auch die eine oder andere Nachtschicht sorgte.

In diesem Jahr gab es überraschend keine Updates mehr für die App, was ist passiert?

Ich würde sagen, eine Mischung aus Zeitmangel und akuter WGT-Unlust.

Bereits in den letzten Jahren hast du dich immer wieder klar von (Zitat): „rechten und rechtsextremen Inhalten auf dem WGT“ distanziert und Acts, die einen entsprechenden Hintergrund hatten oder solchen Inhalten eine Bühne boten, aus der App entfernt. Immer, wenn man solche Dinge anspricht, werden die Rufe laut, man müsse das WGT boykottieren, wie siehst du das?

Das WGT hat eine lange, traurige Tradition rechter Vereinnahmungsversuche. Bands mit klarem Bezug zur rechten Szene sind dort über die Jahre ebenso zu einer Selbstverständlichkeit geworden wie der Bücherstand des VAWS-Verlags, der schon vor vielen Jahren vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wurde und dennoch Jahr für Jahr seinen Stammplatz in der Agra-Markthalle einnehmen darf. Vor dem Hintergrund sorgte die Ankündigung von Lisa Eckhart letztes Jahr zwar für kurze Empörung, sollte aber eigentlich keinen Menschen überrascht haben. Im Gegenteil: Von allen Comedians dieser Welt ausgerechnet, eine Künstlerin einzuladen, die ihr Geld
damit verdient, öffentlich gegen alles und jede:n zu hetzen, das dem rechtskonservativen BILD-dir-deine-Meinung-Publikum gegen den Strich geht, passte leider nur zu gut ins Bild.

Wenig überraschend warb letztes Jahr vor allem der VAWS-Stand mit zahlreichen Plakaten für Eckharts Auftritt. Dieses Jahr trat sie als einer der Haupt-Acts in der Agra-Halle auf. Viele WGT-Besucher:innen scheinen sich damit abgefunden zu haben oder schauen gezielt in die andere Richtung. Nach dem Motto: Mach dir nichts draus, so ist das eben hier im Osten. Mir fällt das zunehmend schwer. Vor dem Hintergrund steigender rechter Tendenzen in unserer Gesellschaft ist es heute so wichtig, klare Kante gegen rechts zu zeigen – auch auf einem Gothic-Festival, das immer wieder vorgibt, unpolitisch zu sein.

Die Frage, ob Menschen das WGT boykottieren sollten oder nicht, bleibt jeder und jedem selbst überlassen. Aber wer sich ein Ticket kauft, sollte sich zumindest bewusst sein, dass er damit eine Organisation unterstützt, die rechten Gruppierungen und Narrativen gegenüber alles andere als abgeneigt ist, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Du hast angesprochen, dass der Zeitaufwand für die Pflege einer solchen App enorm ist, wäre es eine Option das Projekt auf mehr Schultern auszulagern?

Tatsächlich war ich in den letzten Jahren schon mehrmals im Gespräch mit Menschen, die
Unterstützung angeboten hatten. Leider ging daraus bislang keine Zusammenarbeit hervor. Eine WGT-App ist eben ein zeitaufwändiges Hobby und nur wenige Menschen sind dazu bereit, dafür einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Freizeit zu opfern. Mitunter gab es auch kommerzielle Angebote, allerdings wäre es mir lieber, wenn WGT-Guide ein unabhängiges Community-Projekt bleiben würde.

Wie sieht die Zukunft der WGT-App aus? Wird es 2025 weitergehen?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen benötigt die App dringende Updates für deren Umsetzung ich bisher keine Zeit fand. Dann braucht es Unterstützung, denn aus eigenen Kräften will und kann ich das Projekt nicht mehr stemmen – was unter anderem der Tatsache geschuldet ist, dass der Großteil der vielen hundert Programmpunkte noch immer händisch zusammengetragen werden muss, da es keine zentrale Datenquelle gibt.

Am Ende bleibt aber die Frage, ob ich weiterhin meine Freizeit opfern will, um ein Festival zu unterstützen, das sich nicht klar nach rechts abgrenzt und dessen Inhalte teilweise äußerst problematisch sind. Zumindest dieses Jahr habe ich diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet.

Video: Orphis Rückblick auf das Wave-Gotik-Treffen 2024

In welcher Umgebung macht man den persönlichen WGT-Rückblick? Mir fallen eine ganze Menge Orte ein, die bestens geeignet wäre, um darüber zu sinnieren, wie ich mein Treffen empfunden habe. Ehegrufti Orphi hat sich dazu in ihre Wohlfühloase, den Kleingarten, zurückgezogen, um sich mit der völlig ungruftigen Sonne im Gesicht mit ihren Gedanken zum Wave-Gotik-Treffen zu beschäftigen.

Die sogenannte „Liegestuhl-Rezension“

Wir hatten ein tolles, aber anstrengendes WGT – soviel möchte vorwegnehmen oder besser gesagt ergänzen. Ich überlasse aber die inhaltliche Auseinandersetzung Orphi und ihrem Liegestuhl:

Ergänzen möchte ich allerdings den Eindruck, dass das WGT grundsätzlich ein wenig „leerer“ erschien (offiziell spricht man von etwas weniger als 20.000 Besuchern, was für einen leichten Rückgang spricht), die Stadt aber durchaus gut gefüllt erschien. An Veranstaltungsorten, die auch ohne Bändchen oder mit separatem Eintritt zu besuchen waren, bildete sich mitunter lange Schlangen, auch ist von temporären Einlassbeschränkungen die Rede, gerade bei der Gothic Pogo Party. Das spricht dafür, dass viele Gäste, die zum WGT nach Leipzig gekommen sind, ohne Bändchen angereist sind.

Mein persönliches Highlight war natürlich das Spontis-Treffen, das unter strahlendem Sonnenschein wieder im Park hinter der Moritzbastei stattfand. Wenn ich genug Bilder eingesammelt habe, erscheint dazu ein extra Rückblick. Ihr kennt das, so ein Rückblick, bei dem ich wieder ein Haufen Namen vergesse. Dazu aber später mehr.

Es würde uns sehr freuen, wenn ihr das Video anschaut, einen Like bei Youtube hinterlasst und den Kanal abonniert. Diese „bewegte“ Erweiterung macht Spontis moderner und jünger, sagte Ehegrufti Orphi bei einem Spaziergang auf dem Feld. Und offenbar scheint es zu funktionieren.

Denn einen kleinen Fan-Moment meines Ehegruftis will ich euch nicht vorenthalten. Selten habe ich meine Frau mit einem so strahlenden Lächeln gesehen, als ein junger Fan auf der AGRA sie auf die Videos angesprochen und dafür bedankt hat.

Siouxsie Sioux und Iggy Pop mit Coveraufnahme für einen Werbespot

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Siouxsie Sioux’s erster Song in neun Jahren ohne frisches Material ist ein erneutes Cover des Songs „The Passenger“ von Iggy Pop, den sie bereits 1987 gesungen hat, doch diesmal im Duett mit dem „Godfather of Punk“ selbst und in Balladen-Form. Alles für eine Eiscreme-Werbung.

Ja, die Zeiten sind hart für Musiker. Streamingdienste reichen offensichtlich nicht mehr für Punk-Opas und Gothic-Omas, zumal Siouxsie Sioux (66) in den letzten Jahren nichts mehr neues veröffentlicht hat und auch nur noch sporadische Live-Auftritte absolviert. So haben sich die beiden Künstler entschlossen, für die Werbung einer bekannte Eismarke den Song neu aufzunehmen. In einer Pressemitteilung zeigen sich beide begeistert voneinander:

Ich liebe diesen Song, und ich habe Iggys Stimme schon immer geliebt“, sagte Siouxsie in einem Statement. „Ich liebe es, wie instinktiv und spontan sich das alles anfühlt, und meine Stimme mit Iggys Stimme zu hören, ist so ein Traum.“ Iggy fügt hinzu: „Siouxsie kann singen wie ein Vogel. Ich habe sie immer für eine großartige Frau gehalten. Ihre Version des Songs war schon etwas Besonderes, aber was hier passiert ist, das gemeinsame Singen, ist wirklich einzigartig.“

Ganz so atemberaubend, wie die Beschreibung suggeriert, ist das Ergebnis dann wieder nicht. Es ist wirklich viel zu kurz und wird durch lästige Knackgeräusche – die angeblich vom durchbrechen der Schokoladen-Hülle der Eiscreme stammen sollen, gestört. Und zu sehen sind die Beiden auch nicht.

Schauspiel Leipzig forderte Absage des Konzerts von Camerata Mediolanense

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Die Mitarbeiter des Schauspiels Leipzig forderten am Freitag vor Pfingsten von der Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke den Auftritt der Band Camerata Mediolanense am Samstagabend abzusagen. Sie werfen der Gruppe Verbindungen in die rechtsextreme Szene vor, die sich allerdings nach Recherche der WGT-Verantwortlichen und der Stadt Leipzig nicht nachweisen ließen.

Jennicke sah „keinen Handlungsspielraum“ für die Absage des Konzertes. Doch auch wenn das Konzert wie geplant durchgeführt wurde, wünscht sich das Schauspielhaus ein generelles Umdenken beim Umgang mit dem Wave-Gotik-Treffen in der Stadtverwaltung.

Verbotene Symbole bei einem früheren Auftritt der Band?

Das Schauspiel vermietet seine Räumlichkeiten schon seit Jahren an das Festival, allerdings ohne im Vorfeld die Bands oder Künstler zu kennen, die bei ihnen auftreten werden. Gegenüber der LVZ teilte man mit: „Dem Schauspiel Leipzig wird durch das WGT erst sehr knapp vorher mitgeteilt, welche Bands hier auftreten werden.

Nachdem im April 2024 der Name der Band „Camerata Mediolanense“ öffentlich wurde, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schauspielhauses an die Geschäftsleitung herangetreten und haben Vorbehalte geäußert. Sie waren der Ansicht, „dass diese Band dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sei und bei einem Auftritt unter der vorherigen Intendanz vor über zehn Jahren ein Mitglied der Band ein verfassungsfeindliches Symbol (SS-Koppel) getragen habe„, schreibt die LVZ.

Am Freitag veröffentlichte dann auch die Gewerkschaft Verdi einen offenen Brief, der von der Belegschaft des Schauspielhauses gezeichnet worden war und sich an Leipzigs Kulturbürgermeisterin richtet. In diesem ist unter anderem von einem Interview mit der Neonazi-Organisation „Blood & Honour“ die Rede. Dem Magazin der in Deutschland verbotenen Gruppierung habe Camerata Mediolanense im Jahr 2000 ein Interview gegeben, später soll die Band auf einem Festival aufgetreten sein, das man ebenfalls dem rechten Spektrum zuordnet. Die Schauspiel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so heißt es in dem offenen Brief weiter, könnten das nicht ignorieren und empfänden es als problematisch, dass solch einer Band eine kommunale Bühne geboten wird.

Vorwürfe offenbar unbegründet

Camerata Mediolanense selbst bestritten bereits in der Vergangenheit, rechtsextreme Verbindungen zu haben. In einem Interview im Jahr 2014 mit dem belgischen Magazin „Peek a Boo“ bestätigt die Band zwar die Einladung zu solchen Festivals, streitet aber ab, daran teilgenommen zu haben: „Aber in unserem konkreten Fall stimmt es zwar, dass wir zu diesen Treffen und Zusammenstellungen eingeladen wurden, aber es stimmt auch, dass wir die Einladung nicht angenommen haben. Weil wir uns ursprünglich dafür entschieden haben, politische Kontexte zu meiden. Weder links noch rechts: Camerata Mediolanense ist ein rein kulturelles Thema.

Auch die Pressestelle des WGT stuft die Vorwürfe als unbegründet ein. Gegenüber der LVZ äußerte sie sich: „Die Band ist mehrfach beim WGT aufgetreten, darunter auch schon 2009 im Schauspielhaus. Und dort gab es keinerlei politischen Inhalte, die von der Band vermittelt wurden.

Man habe die Band mit den Vorwürfen zum letzten Auftritt im Schauspielhaus konfrontiert, heißt es weiter. Die Gruppe hat die Vorwürfe, eine SS-Koppel auf ihrem damaligen Auftritt getragen zu haben, abgestritten und konnte dies mit Bildmaterial vom Auftritt belegen. Auch wir fanden auf Archivaufnahmen, die uns vorliegen, auf den ersten Blick keine Hinweise.

Bereits Mitte April habe das Schauspiel Anzeige bei der Polizei „wegen einer möglichen Sicherheitsgefährdung“ gestellt, die inzwischen von der Staatsanwaltschaft Leipzig geführt wird. Kulturbürgermeisterin Jennicke erklärte am Freitag gegenüber der LVZ: „Eine Abfrage bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz in Bonn, welche für eine mögliche Indizierung zuständig wäre, verlief ohne Ergebnis. Es liegen also derzeit keine Erkenntnisse hinsichtlich eines strafrechtlich relevanten Handelns vor.

Das WGT bat um die Personalien der Mitarbeitenden, „um juristisch gegen diese vorzugehen„, heißt es weiter in dem Artikel.

Schauspiel fordert Umdenken beim Umgang mit dem WGT

Das Schauspiel Leipzig fordert ein Umdenken im Umgang mit dem WGT: „Dem Festival sollte die Verpflichtung auferlegt werden, sich an die gängigen demokratischen Normen zu halten und bereits weit im Vorfeld die geplanten Konzerte zu kommunizieren, um verfassungsfeindliche Ansätze bei diesem Festival zu vermeiden und im Vorfeld zu verhindern“, so das Schauspiel gegenüber der LVZ.

Wie denkt ihr über den offenen Brief des Schauspiels Leipzig und den darin geäußerten Vorwürfen? Sollte die Stadt Leipzig wirklich den Umgang mit dem WGT überdenken? Wie sollte man solche Dinge in Zukunft handhaben?