26 Juli

Amphi-Festival 2012: Little Amphi of Horrors!

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Amphi 2012Nach einem etwas stressigen Wiedereinstieg in den Alltag inklusive Geburtstag, kommt hier nun endlich der Amphi 2012-Bericht. Es war nicht so schrecklich, wie es die Überschrift vermuten lässt. Dennoch gab es einige Schock-Effekte, die noch auf dem Amphi selber zur Geburt der Überschrift führten. Der geneigte Leser dieses Blogs weiß, dass ich zunächst die grauenvollen, negativen, bösen, schrecklichen Erlebnisse schildere, weil es in meiner Natur liegt. Falls ich mich noch daran erinnere, das war schließlich vor drei bis vier Tagen… Robert kann ja dann die positiven Punkte nachtragen. Er wird sich Kommentare zu meinem Geschreibsel sicher ohnehin nicht verkneifen können. Doch lasst uns seriös werden und mit dem Bericht beginnen. Das Amphi war so:

Als wir am Tanzbrunnen eintrafen, kam es zu unserer ersten Begegnung mit „Glöckchen“ und „Leuchte“. Glöckchen war nicht die Schönste, nicht die Schlankste und auch nicht die Schlauste und sie bimmelte. Wahrscheinlich eine dieser Glocken am Schuh, die aus mir unverständlichen Gründen einst für schwarze Kleiderschränke zugelassen wurden. Glöckchen fummelte unentwegt an ihrem Oberteil herum, um die darunter liegenden Massen in Form zu baggern und „Leuchte“, ein wenig betrunken (war ja auch schon fast Mittag), versicherte unaufhörlich, dass sie toll aussieht. War natürlich gelogen, es sei denn, er war noch besoffener als wir dachten. Allerdings soll es ja Leute geben, die lieblos zusammengeklatschte, fettige, lila Girlie-Zöpfe toll finden… Ich erzähle das, weil die beiden symbolisch für die Stil- und Verhaltensauffälligkeiten auf dem Festival stehen. Außerdem sind sie uns gefühlte 200 Mal über den Weg gelaufen und wurden im wahrsten Sinne des Wortes zum „Running Gag“.

Almhütte auf dem Amphi 2012

Oktoberfest-Feeling auf dem Amphi

Wir betraten also das Amphi-Gelände und tauchten ein ins stilechte, schwarze Ambiente: Kirmesstand mit Zuckerwatte, Popcorn, Kokosnüssen und Lebkuchenherzen, Alm-Hütte mit Leberkäse-Semmeln und Krustenbraten, Strandbar mit Diskokugel-Deko und was man eben noch so braucht auf einem Fest der „Schwarzen Szene“. Über all dem schwebte ein großer schwarzer X-tra-X-Luftballon und drehte sich im Wind. Die Zeiten, in denen Gruftis sich vor Grabsteinen auf Friedhöfen fotografierten, sind übrigens auch vorbei. Im Trend liegen jetzt Fotos vor Sandburgen. Als Altgruftis haben wir allerdings vergessen, die Sandburg zu fotografieren. Sorry!

Wir kauften uns jeder ein klitzekleines Wasser für jeweils 4 Euro, teilten uns eine kleine Pommes und versuchten, den ersten Schock zu verdauen, der sich seit einigen Jahren beim Betreten eines Grufti-Festivals, speziell beim Blick aufs Publikum, unweigerlich einstellt. Allerdings stellten wir fest, dass erstaunlich wenige Cyber anwesend waren. Dafür gab es einen großen dicken Hund (?) mit „Alice im Wunderland“ im Schlepptau, Engel mit überdimensionalen weißen Flügeln, ein Teufel war auch noch vom letzten Karneval in Köln über, zahlreiche Soldaten marschierten über den Platz und offensichtlich gab es angesichts der vielen Frauen im Stewardess-Dress einen Flughafen in der Nähe. Einige Männchen wackelten an der Leine hinter ihren Weibchen her und immer wieder bimmelte „Glöcken“ Oberteil-zupfend hinter „Leuchte“ her an uns vorbei. „Nee, sieht gut aus, wirklich! Komm jetzt!“ „Bimmel bimmel, zupf, stampf“. Aber wir waren ja wegen der Musik da und deshalb machten wir uns auf zur Bühne. Keine Ahnung, wer da spielte, aber ich fand es doof.

Also beginne ich mit dem Highlight, weil ich mich an den Rest eh nicht mehr erinnere: Camouflage! Einfach großartig!  Nach den ganzen Techno-Beats, Unz-Unz-Songs und Grunzlauten, die man vorher so gehört hatte, endlich ein Sänger, der singt und eine Band, die nicht versucht, möglichst cool, böse oder wahlweise mystisch oder martialisch vor sich hin zu posen. Alle Musiker hatten offensichtlich großen Spaß am Zusammenspiel und als es gerade drohte, langweilig zu werden, hat die Band zusammen mit dem Publikum einen Song fürs nächste Album aufgenommen. Ich werde beim Management beantragen, dass mein grauenvoller Gesang rausgeschnitten wird, damit das Ding eine Chance auf Erfolg hat.

Amphi 2012 - Besucher im Hundekostüm

Die Schwarze Szene bietet Platz für so ziemlich alle Splittergruppen – jetzt auch für Plüsch-Hunde.

Amphi-Festival 2012 - Schwarzer Karneval

Karneval… ach neee.. Amphi in Köln

Danach verblasst die Erinnerung und wird erst bei den Sisters of Mercy wieder klar. Hätte ich allerdings nicht gewusst, dass die gerade auf der Bühne stehen, hätte ich auf eine Coverband getippt. Die Gitarren klangen wie stinknormale Rockgitarren, Herr Eldritch klang wie… jedenfalls anders, alles schien einen Tick zu schnell gespielt zu werden und außerdem… na ja… wir haben die Zeit genutzt und sind spazieren gegangen. Zu sehen gab es ohnehin nicht viel und hören konnte man ja von überall auf dem Gelände. Zwei bis drei Songs waren dann auch sehr gelungen und die weibliche Interpretation von „This Corrosion“ war großartig. Außerdem muss ich an dieser Stelle Herrn Andrew mal in Schutz nehmen. Er war angemessen gekleidet und wirkte keineswegs lustlos. Die Masse direkt vor der Bühne war jedenfalls begeistert und „Katastrophe“, wie es oftmals prophezeit wurde, kann man den Auftritt wirklich nicht nennen. Es war… okay. Ich höre mir trotzdem lieber die „Originalversionen“, der inzwischen antiken Songs an. Die sind mir lieber. Am späten Abend gab es dann den Auftritt, von dem der Wizard of Goth noch in 50 Jahren erzählen wird: DAF! Ich fand es toll. Allerdings war die Luft in der Halle so schlecht, dass ich nach der Hälfte des Konzerts raus musste. Während Robert wie ein Wilder tanzte, beobachtete ich die lustige Wirkung von Alkohol. Die Anschauungsobjekte tummelten sich vor der Halle und versuchten verzweifelt, auf einem Fleck stehenzubleiben, was nicht gelang, mich anzubaggern, was auch nicht gelang, oder sich zu unterhalten, was offensichtlich gelang, mir aber ein Rätsel blieb, weil ich nicht alkoholisch spreche.

Lustiger Ausklang des 80er-Jahre-Festival-Tags. Zum Sonntag kann ich nicht viel sagen, weil es da irgendwie keine Highlights gab, die mir in Erinnerung geblieben sind. Es war auch ziemlich voll auf dem Gelände, die Sonne brannte vom Himmel und es gab kaum Schatten. Getränke kann man sich ja auf dem Amphi nur leisten, wenn man vorher im Lotto gewonnen hat und an dem kostenlosen Trinkwasser-Hahn war eine zwei Kilometer lange Schlange. Kurzum: Wir fuhren so gegen 20 Uhr zurück gen Heimat. Gleich nachdem wir auf dem Parkplatz kochende Cola und kochendes Wasser getrunken hatten. Die Flaschen durften wir ja nicht mit aufs Gelände nehmen, also hatten sie den ganzen Tag im Auto gelegen. Und während wir so – kurz vor der Abfahrt – im Auto auf dem Parkplatz saßen und tranken, hörten wir es bimmeln. Um die Ecke bogen „Glöckchen“ (fluchend) und „Leuchte“ (besoffen): bimmel bimmel, stampf, stampf!“

# Robert fügt hinzu:

Marcus Meyn von Camouflage auf dem Amphi-Festival 2012

Marcus Meyn von Camouflage

Jetzt sitze ich hier mit Sabrinas Einleitung, über die positiven Dinge des Amphi 2012 zu schreiben. Das fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, denn Preise für Getränke und nahrungsähnliche Produkte sprengten den Rahmen jeder Festivalkasse, das anwesende Publikum feierte zu einem Meer aus Plastikbecher-Bier, das kulturelle Rahmenprogramm war äußerst dürftig und die typischen Szene-Dinge, die man an den zahlreichen Ständen erwerben konnte, waren meiner Ansicht nach im Preis explodiert. Womöglich, um die Kosten für Spesen auf dem Festival zu decken. Ich will es trotzdem versuchen.

Der Samstag begrüßte uns mit einem fast sonnigen Himmel, nach 2 Wochen Dauerregen eine wirkliche Belohnung. Mantel, Schal und Regenschirm – die wir angesichts des sommerlichen Julis mitgenommen hatten – wurden glückerlicherweise nicht benötigt. Es war bedeckt und nicht zu warm, eigentlich ideal für entspannten Musikgenuss. Ganz im 80er-Jahre-Feeling, für das sicherlich unser Alter verantwortlich ist, lockte uns dann auch Camouflage vor die große Bühne, die allen vorangegangenen Künstlern zeigten, wie man trotz gehobenen Alters noch ein Publikum für sich gewinnt und dass Gesang im Laufe der Jahre reift, aber nicht schlechter wird. Aus ihrem kommenden Album Greyscale stellten sie ihr Stück „Shine“ vor, für das sie das Publikum einluden, sich eventuell als Chor im Hintergrund zu verewigen. Im folgenden Video (nicht von mir) ist Sabrina übrigens ganz deutlich herauszuhören, ganz links, ganz laut. Hört mal genau hin. Und obwohl mir die Musik von Camouflage etwas zu poppig geworden ist und nicht ganz meinem Beuteschema entspricht, ziehe ich meinen Hut vor diesem gelungenen Auftritt, den sie mit „Love is a Shield“ und „The great Commandment“  würdig abschlossen.

Andrew Eldritch - Sisters of Mercy - Amphi 2012

Andrew Eldritch – Die kahlköpfige Schwester

Natürlich wartete alles ganz gespannt auf die Sisters of Mercy, die allein durch ihren Namen Massen vor der Bühne versammelten. Andrew Eldritch, der dann auch irgendwann aus dem Nebel kroch, hätte ich übrigens nicht wiedererkannt. Hätte er nicht das Mikro in der Hand gehabt und mit seinem Gesang begonnen, wäre mir die Identiät dieses Menschen schleierhaft geblieben. Gut zu sehen im Eröffnungsstück „First & Last and Always“. Nun haben es die Sisters of Mercy ja doppelt schwer, denn die Erwartungshaltung deckt sich immer noch mit den alten Stücken aus längst vergangenen Zeiten und auf neue Musik aus dem Hause Eldritch warten wir ja schon eine ganze Weile vergebens. So fühlten wir uns bei den Live-Versionen der alten Stücke Anno 2012 auch überhaupt nicht wohl, womöglich, weil wir durch jahrelanges konsumieren der Alben-Versionen gar nicht mehr anders können, als neue Interpretationen kritisch abzuschmettern. Die weibliche Version von „This Corrosion“ (Lisa Cuthbert) war dennoch großartig, wenn es nach mir gehen würde, könnten mehr Sisters-Stücke auf diese mehr als angenehme Art einen neuen Glanz erfahren. Die im Hintergrund pfeifenden Hohlbirnen müsst ihr euch wegdenken, um diese Uhrzeit war der Alkoholspiegel sicherlich höher als der des Rheins, der stoisch im Hintergrund vorbeiplätscherte.

Gabi Delgado - DAF - Amphi 2012

Wie immer mit stolzer Brust

Ich möchte festhalten: Manchmal unterscheiden sich Erwartungshaltung und Darbietung deutlich voneinander. Die Frage ist, wo das Problem liegt. Fakt ist aber, dass die Sisters den Eindruck erwecken, mit aufgewärmten Kamellen ein wenig Geld in die Kassen spülen zu wollen. Man könnte aber auch festhalten, dass die Sisters immer noch bereits sind, den Fans das zu geben, was sie sich wünschen. Man hat sich auf der Bühne zu mindestens Mühe gegeben, das zu liefern.

Den ganzen Samstag freute ich mich schon auf die Deutsch-Amerikanische-Freundschaft (in Fachkreisen auch DAF genannt), die ganz ähnlich wie die Sisters schon seit gefühlten Ewigkeiten nichts neues mehr auf den Markt geworfen haben. Ihre Live-Auftritte sind aber wie immer wieder großartig, nicht zuletzt wegen der Energie, die Frontmann Gabi Delgado auf der Bühne verströmt. Sicher, ein Großteil der Musik kommt aus der Konserve und von „Gesang“ kann man wirklich nicht reden, doch das war zu keiner Zeit anders. Ein glücklicher Zufall wollte, dass wir kurz vor Konzertbeginn Silvia und ihre Freundin Angela trafen, die ebenso neugierig wie gespannt auf die Darbietung waren. Es kam so, wie es kommen sollte. Ich habe das komplette Konzert durchgetanzt, denn glücklicherweise war vor der Bühne ausreichend Platz vorhanden. Beginnend mit dem Stück „Verschwende Deine Jugend“ (das Video stammt aus England, denn war der Auftritt bis auf „englische Jungs und englische Mädchen“ nahezu gleich), spielten sich die Beiden mit Leichtigkeit in die Füße der Anwesenden. 80er-Feeling auf dem Amphi 2012! Yeah! Und versprochen, von diesem Auftritt erzähle ich in 50 Jahren noch, vorausgesetzt, mein Körper ist einverstanden.

Der Sonntag verlief musikalisch unspektakulär und ertrank eher in gnadenloser Hitze. So huschten wir von Schattenplatz zu Schattenplatz und trafen die andere Sabrina und ihre Freundin im Beachclub (klingt komisch oder?), von der ich dann glücklicherweise etwas Haarspray für meine in Mitleidenschaft gezogenen Frisur bekommen konnte.  Dennoch schafften wir es, uns für den Auftritt der Crüxshadows aufzuraffen und vor der Bühne einzufinden. Leider sorgte das stark techno-lastige Set für kein wirkliches Gefühl zur Musik, auch wenn böse Zungen behaupten, die CxS hätten noch nie etwas anderes gemacht.  Ich war aber erstaunt über die Professionalität des Frontmannes Rogue, der in jeder Lage (wer die Auftritte kennt, weiß was ich meine) sang und mit dem Publikum spielte, was ich immer noch sehr erstaunlich finde, der Kerl wird auch nicht mehr jünger.  Insgesamt aber ein gelungenes Amphi, wenn ich mich auf die musikalischen Darbietungen beziehe, vom drumherum reden wir jetzt nicht weiter.

 

 

37 Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass ich viel der Kritik auch teilen muss. Die Preise auch für das Essen sind wieder gestiegen und der Umgang miteinander auf dem Festival ist auch eher mau. Vor allem als wir bei den Sisters recht weit vorn standen und plötzlich von hinten sieben Typen ohne Rücksicht reindrängten, so dass eine Freundin einen Asthmaanfall bekommen hat, ohnmächtig wurde und wir sie nur dank der Hilfe von jemanden, der auch mit da stand raustragen konnten. Camouflage habe ich leider verpasst, so dass insgesamt Henke für mich das Highlight war.
    Insgesamt sollten vielleicht einfach mal 1.000 Leute weniger rein können, damit diese ständige Überfüllung von allem aufhört. Das hat mich vor zwei Jahren am Blackfield schon gestört und wird beim Amphi gefühlt auch immer schlimmer…

    PS: Fat-Shaming ist oberflächlicher Scheiß und nervt

  2. Irgendwie bestätigt mich dieser Beitrag in meiner Entscheidung, dem Amphi wie schon im letzten Jahr fernzubleiben. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich zunehmend kritischer werde, aber ich kann mich dem Eindruck nicht verwehren, dass diverse Festivals, die unter dem Etikett „Gothic“ vermarktet werden, sich immer weniger von anderen Festivals unterscheiden.

  3. @gendalus Tut mir leid, dass Glöckchen keine tolle Figur hatte. Darum geht es aber auch nicht. Wäre sie spindeldürr gewesen, hätte das am Gesamteindruck nichts geändert. Mich nervt diese „Politische Korrektheit“, mit der Leute sofort bei Kleinigkeiten rumfuchteln, während sie zu Soldatenuniformen lieber mal nichts sagen, viel mehr. Was „oberflächlicher Scheiß“ ist, ist dann eben wohl Ansichtssache.

  4. Die Crüxshadows spielten tatsächlich einmal andere Musik, aber dafür nicht weniger belanglos. Ich hatte den Trubel um die Band jedenfalls nie verstanden. Abgesehen von „Black Heart and a Hammer“ blieb mir noch nie was im Ohr. Ansonsten guter Bericht mit einigen Stellen zum Schmunzeln. Glöckchen/Schellen sind aber eigentlich recht alt. Die machten sich manche Grufties damals schon an die Pikes.

    An dem Festival reizt mich, wie gesagt, nichts. Wahrscheinlich hätte ich mir LICTD oder mal die 18 Summers angeschaut. Klar, DAF, Camouflage, vielleicht noch Whispers in the Shadows. Den Rest kennt man ja schon oder man verkneift ihn sich besser. Das meiste im Line-up ist einfach verzichtbar.

  5. Ja also Lust auf das Festival macht ihr einem ja nicht gerade.Wie wäre es mit einem gothisch-korrektem „Spontis-Festival“?;)
    Dieser Riesenplüschhund gehört übrigens zu dieser seltsamen Szene der Furries.

  6. Das Festival ist eben reines, echtes Festival, dass muss man abkönnen- obgleich ich das überhaupt nicht auf die Kette bekommen habe ;)
    Vergleiche mit dem WGT finde ich nach meinem Amphierlebnis jedenfalls unhaltbar, obwohl es dort (besonders an der Agra) manchmal ähnlich zugeht.

    Oh! Ein Spontis-Festival? Einerseits stillheimliche Freude bei der Überlegung, welche Bands da spielen würden und die Aussicht auf ein recht angenehmes Publikum, andererseits ein leichtes Unwohlsein, weil mir solche (notwendigen?) Exklusivnischenveranstaltungen derzeit manchmal seltsam/eintönig vorkommen. Da feiern alle brav nach Strömung sortiert, jedenfalls bekommt man den Eindruck, wenn man sich Veranstaltungsflyer anschaut und auf dem WGT sucht man sich natürlich auch „seine“ Ecke, in der sich erstaunlicherweise dann ähnliche Gestalten tummeln ;)
    Eigentlich finde ich das bisschen schade, andererseits weis ich selbst, dass ich einen Abend im Connex oder eben den Besuch auf dem Amphi als Seltenheit/einmaliges Erlebnis betrachte: playlist nebst der meisten anderen Besucher sind nicht mein Fall.
    Nu ja, jetzt isses eben so, dass sich alle (un)möglichen Gestalten unterm Gruftibanner versammelt haben. Deal with it, sag ich mir da. Wobei diese militärisch gestylten Uniformtypis meinen Pragmatismus arg strapazieren. An Glöckchens kann man sich gewöhnen, aber diese Unformtypen lösen schlichtweg Unwohlsein in mir aus. Auch wenn die meisten wahrscheinlich nicht auch automatisch gewaltbereit sind (vielleicht sogar echt nette Leute sind) oder politisch fragwürdige Haltungen haben, was es aber auch nicht besser für mich macht…

    Die Lesung von Henke war für mich rückblickend am Samstag der beeindruckendste Programmpunkt (Sonntag sind wir um 14:00 früher als gedacht abgereist), die Sisters höre ich mir lieber an, als sie live zu sehen und …äh… irgendwie ein recht belangloses Festival. Tja, na ja. Andere werden nächstes Jahr garantiert unsere zwei frei gewordenen Plätze einnehmen ;)

  7. Ich muss ja zugeben, dass ich die Amphi-Besuche in den letzten Jahren sehr genossen habe: gute Band-Auswahl mit dem Schwerpunkt auf elektronischer Musik, gemütliches Sitzen und Bummeln rund um den Tanzbrunnen (ohne von einer Location zur nächsten rennen zu müssen, um ein ganz wichtiges Konzert nicht zu verpassen…), Kinderbetreuung direkt auf dem Festivalgelände.
    Wenn ich mir diese Berichte aber anhöre, dann bedauere ich es gar nicht so sehr, dass wir es in diesem Jahr nicht nach Köln geschafft haben. Insofern also „Danke“ an euch beide, ich fühle mich jetzt viel besser :-)

  8. Vom Amphi ist leider nichts zu erwarten. Genauso wenig von den Sisters heute. Waren vor 3 Jahren schon so schlecht live, dass ich früher raus bin und das obwohl ich vorallem die ersten 2 Alben liebe. Da bleibe ich weiterhin bei den Fields. Die schaffen es immernoch Stimmung zu verbreiten. Oder aber – wenns weniger bekannt werden darf – bei Nosferatu.

    Alle mehr oder weniger interessanten Bands wurden ja schon von Sabrina/Robert, sowie Death Disco erwähnt. Allerdings frage ich mich, wieso keiner Spiritual Front oder Haujobb erwähnt. Das sind auch noch Bands die ich durchaus für interessant halte, wenn natürlich nicht alles und die neueren Scheiben auch nicht jedermans Sache sind.

    Warum Uniformen immer so ein Aufreger sind wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Aber solange keiner behauptet, sie gehören nicht dazu, ist alles ok. Throbbing Gristle haben schon in den 70ern damit angefangen. Solange es nicht so eine billige Nachtmahr-Nachahme ist, habe ich damit kein Problem.

    Ich kann hier nur immer wieder Werbung für das diesjährige NCN machen;)

  9. Mich hätte Camouflage auch sehr gereizt und der Charme des Amphi liegt für mich in seiner Kürze und Kompaktheit. Es gibt allerdings ein „zu voll“ in zweierlei Hinsicht: Personenzahl und Alkoholkonsum. Über den Konsumquatsch kann ich locker hinwegsehen. Zu hohe Getränkepresie sind aber ein gefährliches Spiel, auf das sich die Veranstalter besser nicht einlassen sollten…

    Mir geht die Idee nicht mehr aus dem Kopf, Glöckchen & Leuchte sollten ein Comic oder ein Kurzgeschichtenband werden. Ethnologie ist nie oberflächlicher Scheiß und nervt immer, wenn sie ordentlich betrieben wird.

  10. gute Band-Auswahl mit dem Schwerpunkt auf elektronischer Musik

    Du meinst mit Schwerpunkt auf „Techno“-Musik. Aber das Thema hatten wir ja schon. ;-)

    Genauso wenig von den Sisters heute. Waren vor 3 Jahren schon so schlecht live

    Ehrlich gesagt glaube ich, dass altgediente Bands wie die Sisters nur noch als Versöhnungscombos eingeplant sind, um die Alten nicht gänzlich vor den Kopf zu stoßen und um eine mutmaßliche Zusammengehörigkeit zwischen Alt- und Neu-Szene zu propagieren. Reiner Taktik-Scheiß, wenn Du mich fragst.

    Haujobb. sind für mich überbewertet. Interessant (aber nicht herausragend) fand ich die ersten beiden Alben. Einen Gig-Drang verspüre ich bei denen aber nicht. ;)

    Die Idee, militärische Fantasie-Uniformen, die offenkundig einer bräunlich-roten Ära nachempfunden sind, auf dem Amphi mit Throbbing Gristle in Verbindung zu bringen, kann ich allerdings nicht ernst nehmen. Das werden eben genau solche Nachtmahr-Kasper sein. Für mich hat sowas auf einem Musikfestival nichts verloren. Ich sehe darin keine Notwendigkeit. Was soll das ausdrücken? Aus rein modischen Gründen ist soetwas ganz klar abzulehnen.

  11. Stichwort Haujobb: Ich erinnere mich gerne an ein grandioses Konzert beim WGT 2002, das in diesem Jahr mein persönlicher musikalischer Höhepunkt war und den dubiosen, wenn auch irgendwie amüsanten Frontline-Assembly-Auftritt mehr als gut ausglich. Ansonsten konnte mich Haujobb bisher allerdings auch nicht so richtig überzeugen.

    Das Festival ist eben reines, echtes Festival, dass muss man abkönnen

    Was macht ein reines, echtes Festival aus?

    Ich kann hier nur immer wieder Werbung für das diesjährige NCN machen;)

    Hier schließe ich mich voll und ganz an.

  12. @Marcus: Hab mich da zu einer Pauschalisierung hinreißen lassen. Durch die vielen Nebenschauplätze und Angebote über Konzerte hinaus hat das WGT nicht wirklich diesen „Festivalcharakter“: (zu) viele Menschen auf engem Raum und omnipräsente Musik. Klar, deswegen geht man ja auch hin, wenn man aber mal zwischendrin keinen Bock drauf hat, kann man dem nur sehr schwer ausweichen. Das hatten bisher jedenfalls das Full Force, Miroque und Amphi alle gemeinsam, zudem noch ein gewisser alkohlischer Ausfall.
    Die Formulierung ist daher vielleicht nur für mich bedeutend ;)

  13. Auch Altgrufties mögen Festivals. Die Festivals damals waren allerdings familiärer, fanden auf kleinen Bühnen oder in Clubs statt. Man kam problemlos mit fünf bis zehn Bands aus. Heute gibt es ja offensichtlich fast ausschließlich diese stressigen Massenveranstaltungen, die stets einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

  14. Hallo zusammen,

    das Amphi besuche ich eigentlich (mit Hand aufs Herz und so) nur, weil es praktisch direkt bei mir vor der Haustür stattfindet. Ansonsten wäre mir das jedes Jahr für 2-3 Bands die ich wirklich sehen will zuviel Aufwand und zu teuer für schwarzen Karneval.

    Apropos teuer: Die Cateringpreise sind wirklich an der Grenze. Das ist aber – soweit ich das mitbekommen habe – nicht in erster Linie die Idee des Veranstalters, sondern das ist das Catering was von der Location (Tanzbrunnen) zur Verfügung gestellt wird. In wie weit der Veranstalter für die wirklich schon grenzwertigen Preise für Speis und Trank mitverantwortlich ist, keine Ahnung. Das gratis Trinkwasser ist wie jedes Jahr löblich, nur hat diese Aktion mit nur einem Standort (und kilometerlanger Schlange) auch irgendwie was von Alibifunktion.

    Was ich auch interessant finde: Das Amphi ist wohl ausdrücklich kein Gothic/Schwarze Szene Festival. Wird nirgendwo so beworben. Das einzige was den Bezug zur Szene (oder den Szenen meinetwegen) herstellt, sind die Bands und die Shops die sich auf dem Gelände platzieren. Soweit ich das mitbekommen habe, war das auch einer der Voraussetzungen, dass die Sisters überhaupt aufgetreten sind.

    Im Endeffekt hatte ich zwei recht ruhige Tage, einige Leute wiedergetroffen, an den Merchandise- und Klamottenständen mit schlackernden Ohren (Preise, Qualität etc) vorbeigelaufen, und hier und da auch gute Musik gehört.

    Interessant fand ich dieses Jahr im Nachhinein auch, dass die Mittelalterfolklore Truppen und deren Anhänger sehr rar waren (oder habe ich was verpasst?). Trend vorbei?

    Wie auch immer. Ich finde das Amphi ist weder Fisch noch Fleisch, aber nett weil es vor der Haustür ist.

    Christian

  15. Nach dem lesen dieses Berichts kam ich gerade ganz spontan zu der Frage:
    Wer braucht eigentlich Festivals?
    Ist es nicht viel angenehmer sich mit einigen wenigen Leuten zu ner richtig schönen gemütlichen Party im kleineren Ambiente zu treffen (oder wahlweise auch ein Konzert), oder ist das zu „altgruftig“?
    Mich würden beim Festival allein schon die hohen Preise stören…

  16. Ich war bisher nur auf einem Festival (die umsonst und draußen mal nicht mitgezählt) Ende April auf „Rock in den Ruinen“, und das auch nur weil Killing Joke da auftraten und ich die günstiger wahrscheinlich nicht gesehen hätte (13€ die Karte).
    Und selbst da war es mir schon teilweise zu voll.

  17. DAF!
    Dieser Auftritt war wirklich gelungen, die Musik ging geradewegs bis in die Zehen.
    Und da ich sowieso zu klein bin, um viel davon mitzukriegen was auf der Bühne passiert, habe ich beim wiederholten Blick auf unsere Füße mal wieder festgestellt, dass mehrere dahin tanzende Paar Pikes ein ausgeprochen erbaulicher Anblick sind :)
    War schön euch zu treffen in all dem Gewühl.

  18. In meinem Kopf bastel ich gerade das Bild zurecht, wie eine kleine Fledermausmeute gediegen plaudernd am Mainufer im Schatten sitzt und mittels Baustellen-Akkuradio (die übrigens auch USB-Anschlüsse haben und teilweise echt lange Saft haben) dazu leise Musik hört. Doch, das würde ich gerne auch mal so machen.

    War eigentlich schon mal auf dem Regensburger Gothic Treffen? Das klingt so nett, ist aber gewiss inzwischen auch recht groß, oder?

    Ich für mich denke gerade darüber nach, ob mir Konzertabende nicht doch lieber sind (das WGT mal ausgenommen). Festivals haben halt bei einem ansprechenden line-up den Vorteil, dass man die Chance hat gleich mehrere Künstler mal live sehen zu können- das muss man wahrscheinlich sehr individuell abwägen…

  19. Meines Wissens nach ist das RGT dieses Jahr sehr ausgedünnt worden, und es gab irgendwie nicht soviel…

    wenn der Main nicht so weit weg wäre… ja, das ist ein nettes Szenario;)

  20. Gebt dem Eldritch so nen „Beanie“ oder wie diese Mützen heißen und er sieht aus wie der eine Typ von Mythbusters. Naja vielleicht ist er es auch sogar.

    Für nächstes Jahr sind ja die Fields bestätigt, na mal gucken ob es mich wieder dahin verschlägt. Mich schauderts ja schon eher vor den „Bier“ dort, nagut dann eben weniger trinken. Vorteil man muss nicht unnötig mit dem Kleingeld und den ganzen Pfandchips rumhantieren und vergisst vor dem Pfandchips rumhantiere die nächste Band nicht. ^^

    Das RGT war „ausgedünnt“ aber richtig gut. Zwar nicht persönlich vor Ort gewesen aber Berichte bestätigen dies. Und Festivals von der Größe wie das „Dark Spring“ in Berlin find ich stellenweise eh besser.

  21. Und Festivals von der Größe wie das “Dark Spring” in Berlin find ich stellenweise eh besser.

    Da stimme ich Dir absolut zu. Das Ganze hat Wohnzimmer- und damit Wohlfühlatmosphäre. Man ist nah dran an der Musik und an den Menschen. Was nützen mir Tausende um mich, die mir fremd scheinen? Wirklich Musik leben und erleben kann man nur mit Menschen, die gleich oder wenigstens ähnlich ticken. Und da selektieren Spartenfestivals wie das Dark Spring zu meinen Gunsten. Klares Pro für die Nische.

  22. Habt Ihr eigentlich nicht gewusst oder zumindestens geahnt, dass es sich um ein Kommerzfestival handelt? Bei allem Verständnis für Euer Übelkeitsgefühl – hätte man es sich nicht denken können? Die übliche sich wiederholende Zusammenstellung alternder Künstler, das im 2-Jahres-Rhythmus identisch erscheinende Line-Up? Die gehäufte Anzahl von „Wir-bedienen-niederes-Niveau“-Bands?

    Die wenigen Perlen von wirklichen Szene-Künstlern habt Ihr bis auf Henke nicht erwähnt, wie auch der Sonntag komplett unter den Tisch fiel. Wart Ihr so geschockt?

  23. @Soul262

    Das ist wirklich eine gute Frage, über die wir hier auch diskutiert haben. Natürlich haben wir gewusst, was uns erwartet.Was bewegt einen also dazu, aufs Amphi zu fahren? Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es erstens die „Nähe zum Veranstaltungsort“ war – wir wohnen ja fast um die Ecke – und zweitens die Musik. Die im Artikel erwähnten Bands haben uns einfach gelockt. Dass nicht alle relevanten Bands im Bericht erwähnt sind, liegt daran, dass es ein persönlicher Bericht ist, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Bands haben wir eben einfach – aus unterschiedlichen Gründen – nicht gesehen. Die „Perlen“ sehen ja nun mal für jeden anders aus und unsere haben wir für uns rausgepickt. Nichtdestotrotz hast du Recht. Das hätte man sich denken können und vielleicht die Konsequenz ziehen müssen, nicht teilzunehmen. Ich tendiere auch immer wieder dazu, die sogenannten Szene-Festivals zu meiden und Nischenveranstaltungen zu suchen. Dennoch schade, denn auch im nächsten Jahr interessieren mich einige Bands, die fürs Amphi angekündigt sind.

  24. In der Tat, die Frage haben wir ausgiebig diskutiert. Warum fahren wir auf ein Festival, von dem wir von vornherein wissen, dass es sich dabei um einen schwarzen Karneval handelt? Und vor allem, warum regen wir uns dann darüber auf?

    Wie schon in anderen Kommentaren angeklungen ist, war die lokale Nähe zum Festival ein Grund, es zu besuchen. Eine knappe halbe Stunde Autofahrt erspart Hotel und Zeltplatz. Letztendlich war es aber die Musik, die uns gelockt hat. Für mich hatte sich das Amphi mit dem Besuch von Camouflage und DAF bereits gelohnt, die Gelegenheit die Sisters einmal zu sehen um das was man gehört hatte bestätigt zu wissen, wollte ich mir auch nicht entgehen lassen. Ebenso die Tatsache ein paar gute Bekannte wiederzutreffen und das ein oder andere Wort mit Ihnen zu wechseln, hat mir auch sehr gefallen.

    Ich denke aber auch, dass man immer wieder durch Erfahrungsberichte wie diesen darauf aufmerksam machen muss, dass das ein oder andere nicht stimmt auf diesen Festivals und durch unsere Vorgehensweise, in Zukunft eher Nischveranstaltungen zu besuchen, den ein oder andere dazu animieren, sich auch darüber Gedanken zu machen.

    Der Sonntag hatte allerdings einen bitteren Nachgeschmack. Wir hatten einfach die Nase voll vom ganzen drumherum, von Menschen, die das ganze als Kostümfest verstehen. Von denen, die sich schon gegen die Mittagszeit unter Druckbetankung danebenbenehmen, die Getränkepreise und die Verpflegung stieß uns auf. Wir sind eher die atmosphärischen Menschen, bei denen auch das drumherum stimmen muss, damit wir uns wohlfühlen. Den Sonntag haben wir dann unter „den Tisch fallen lassen“ um nicht Gefahr zu laufen, unseren bitteren Nachgeschmack auf die dargebotenen Acts zu projizieren.

    In Zunkunft möchten wir alternative Festivals und Veranstaltungen vorstellen und besuchen, in der Hoffnung, neues kennenzulernen in einer Atmosphäre in der wir uns wohlfühlen.

  25. Die wenigen Perlen von wirklichen Szene-Künstlern habt Ihr bis auf Henke nicht erwähnt

    ???

    Ich dachte, die wurden hier alle genannt. Und Henke fand ich mal früher interessant. Früher vor 20 Jahren, bevor er Goethes Erben aus dem Gruft-Kontext riss… ;)

  26. Ohne Worte

    http://www.express.de/koeln/schriller-geht-s-kaum-express-clown-bei-den-amphis-in-koeln,2856,16681156.html

  27. http://www.express.de/koeln/schriller-geht-s-kaum-express-clown-bei-den-amphis-in-koeln,2856,16681156.html

    Wobei das ja schon wieder als Satire auf die Faschingsfraktion interpretierbar ist. Immerhin wird für offenbar diese Herrschaften ein neuer Begriff geprägt, heißt es am Schluß doch:

    … und Gruftis sind die Amphis schon gar nicht.

    Ein Schelm wer böses dabei denkt *hust*

    Aber Scherz beiseite … solche Berichte bestätigen weiterhin meine Meinung, solche Festivals zu meiden. Die an der Stelle genannten Bands hätten mich durchaus zwar auch interessiert, aber dazu kommt noch die Gefahr, in der Menschenmasse eh keine Chance zu haben, einen Blick auf die Bühne zu bekommen. Da bleib ich bei meinem bewährten Konzept generell konzertfaul zu sein und mir nur die kleinen, kuschligen rauszusuchen.

    Ich kann mir beispielsweise Spiritual Front nicht die Bohne auf dem Amphi vorstellen, die passen meiner Meinung nach einfach nicht auf so ein Festival. Wenn ich mir vorstelle daß dann eventuell angedüselte Zeitgenossen neben einem stehen und sich völlig daneben benehmen, wär sogar ich mit meiner Geduld recht schnell am Ende angelangt.

    „Glöckchen“ und „Leuchte“ fasse ich jetzt mal als Stereotypen des aktuellen Mainstream-Goths auf (ohne damit ganz gezielt bestimmte Personen zu meinen) – und damit ist das Bild sicher ganz gut getroffen – schließe mich dem Ruf nach einer Comic- oder Geschichtenreihe an, einfach weils eine treffsichere Satire ist und wäre :)

  28. Ich finde es schade, dass sowohl von Seiten vieler Veranstalter als auch von Seiten vieler Besucher so wenig Wert auf die passende Location und das Ambiente gelegt wird. Hauptsache eine Menge zahlender Gästen bzw. viele auftretende Bands. Der Tanzbrunnen beispielsweise hat sicherlich gute Voraussetzung, allerdings nicht für 16.000 Menschen. Und warum zieht eine hohe Anzahl an Bands so viel mehr Menschen an, wo es bei solchen Festivals dann in aller Regel doch erstens zu Überschneidungen und zweitens zu teils unbefriedigend kurzen Spielzeiten kommt?

  29. zu sagen, das der sonntag keine highlights hatte, und das unter dem aspekt, schon um 8 gegangen zusein halte ich für fragwürdig ! immerhin war combichrist ja nach 8 ! DAF fand ich bis zu dem amphi-auftritt immer gut…jetzt kann ich zwar meinen enkeln erzählen „die hab ich auch mal live gesehen“…werde das aber ergänzen um „leider“. in einem sind sich alle einig…und da schließe ich mich an: camouflage haben am besten gerockt…wirklich klasse. mir persönlich hat noch die after-show-party im theater sehr gut gefallen (zumindest bis eskil von covenant aufgelegt hat)…endlich mal wieder gute tanz-klassiker und keine cyber-animation-mucke….ach ja…in der tat waren tatsächlich weitaus weniger neon-zöpfe zu sehen als sonst…es besteht noch hoffnung :-) nächstes jahr dann alien sex fiend und kmfdm…ich bin wieder dabei…ohne zuckerwatte zu konsumieren (im ernst…den stand habe ich nicht mal gesehen).

  30. zu sagen, das der sonntag keine highlights hatte, und das unter dem aspekt, schon um 8 gegangen zusein halte ich für fragwürdig ! immerhin war combichrist ja nach 8 !

    Verdammt. Habt ihr doch was verpasst, Sabrina und Robert! ;-)

  31. Willkommen in der Faschingshölle. Ohne Mist. Ich hatte eigentlich ein 2-Tages-Bändchen, hab mir aber nur einen Tag gegeben, weil ich so dermaßen angepisst war, dass ich mir den zweiten Tag nicht auch noch geben wollte. Da hätte es sicher Tote gegeben. Über das Publikum hat man sich an dieser Stelle genug ausgekotzt, das werde ich nicht wiederholen müssen. Ich war eh nur ein paar Stunden da, Camouflage fand ich öde, Eisbrecher sind und bleiben indiskutabel und The Sisters of Mercy – Mein Grund zu fahren – haben nen tollen Gig geboten. Klingt zwar nicht mehr wie anno Schnee, aber wenn man sich vorher ein wenig mit der Band beschäftigt hat – tat ich vor meinem ersten Konzert – ist man auch nicht enttäuscht. Ich finde die neuen Versionen gut, aber das ist ja absolute Geschmackssache ;)

  32. Nicht nur auf Festivals sieht es so lustig aus.

    Am gestrigen Abend erst durfte ich erneut die bunte Vielfalt der „Gothic-Szene“ begutachten.
    Nicht nur dank den typischen Cyberoutfits, die mittlerweile (Gruft sei Dank) rapide abnehmen, erschließen sich mir immer neue Fragen bezüglich der derzeitigen Definition von „Gothic“.

    Nebst Waffenrock mit Turnschuhen sah ich diverse Spruchshirts, die mich regelrecht schockierten: Division Österreich. Bitte was?!
    Oder: Tradition – Ehre – Disziplin – Leistung

    Dieses besonders abwegige Shirt mal im Kontext einer Grufti-Veranstaltung analysiert, bringt folgende Erkenntnisse:

    Tradition:
    Die Gothic-Szene steht auf Traditionen. Klar. ASP, Subway to Sally und X-RX sind mittlerweile ja auch „Klassiker“ und gehören TRADITIONELL zu jeder Gruftiveranstaltung.
    Wo bleiben dann aber z.B. die Sisters, die Fields oder the Cure? Nicht ein Stück gehört den Abend …

    Ehre:
    Die Gothic-Szene besteht aus ehrvollen und ruhmreichen Menschen. Menschen, die keinen Kontakt zu ihren Mitmenschen aufnehmen, wenn das Outfit nicht stimmt. Menschen, die sich besinnungs- (und vorallem grundlos) betrinken. Menschen, die … ach, das wird jetzt zu lang!

    Disziplin:
    Die Gothic-Szene besteht aus disziplinierten Menschen. Okay, unterstütze ich. Es gehört eine gewisse Selbstdisziplin dazu, „gegen den Mainstream zu schwimmen“. Ebenfalls gehört Selbstdisziplin dazu, nach dem 28sten Wodka-Energie die Zähne zusammen zu halten und den Mageninhalt nicht über sein tolles Spruchshirt zu erbrechen. Toll!

    Leistung:
    Die Gothic-Szene besteht aus einer Leistungsgesellschaft. Ähm, moment mal? Was leisten die denn? Dem Kapitalismus (also dem, was sie ja eigentlich irgendwie mitsamt der Gesellschaft ablehnen, wenn ich mich nicht völlig vertue) leisten sie ihren Beitrag durch überteuerte Eintritts- und Getränkepreise. Respekt!

    Wie Ihr vielleicht merkt bin ich angewidert von dem, was heute als „Goth“ bezeichnet wird. Mal von der Musik ganz abgesehen. Auf Flyern heißt es „Mittelalter, Gothic, Gothic Rock, EBM“. = Saltatio Mortis (oder doch Subway to Sally? Klingt alles so gleich …), Rammstein, Marilyn Manson und System of a Down. Hä? Hab ich da was nicht mitbekommen?

    Ich jedenfalls habe beschlossen keine Party mehr aufzusuchen, die nicht explizit „80s“ oder „Oldschool Gothic“ anpreist. Dann weiß ich wenigstens GENAU was mich erwartet. Nicht diese undurchsichtige Genre-umher-Sch(m)eißerei!

  33. Während ich grundsätzlich nicht widersprechen möchte, eine – nein, zwei – kleine Anmerkungen hätte ich..

    1.) Alkohol
    Als grundsätzlicher (um nicht zu schreiben, militanter) Gegner (oder Feind?) von Alkohol fühle ich mich in dieser unserer Szene eigentlich nach wie vor sehr wohl, insbesondere, wenn man zur Reflexion den Blick über den tiefschwarzen Tellerrand in die bunte Außenwelt wagt.. die angesprochenen Zustände konnte ich zum Glück bislang eher selten beobachten, üblicherweise dann allerdings nicht in Vodka- sondern Absinth-induzierter Form..

    2.) Kapitalismus
    Auch hier kein grundsätzlicher Widerspruch.. die stetig steigenden (oder gar explodierenden) Einlass- und Erfrischungspreise unserer Zusammenkunften sind dem sparsamen Menschen selbstverständlich ein Dorn im Auge.. allerdings sollte auch nicht vergessen werden, dass hinter all diesen Ereignissen immer ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund steht, der sich in primitivester (und wohl auch naiver) Form als Einnahmen-/Ausgabenrechnung präsentiert. Und da sich das schwarze Volk meiner Erfahrung nach eben nicht als unglaublich trinkfreudig erweist, sondern sich viele Herr- und Damenschaften gerne mal längerfristig an einem einzelnen Glas (unterbrochen von mehr oder minder ausgedehnten Tanzeinlagen) festhalten, ist der wirtschaftliche Aspekt mit Sicherheit nicht immer leicht als positiv abzuschließen..

    Nichtsdestotrotz würde ich derartiges Geschreibsel auf dem Leibchen eher in die Richtung „hirnrissig“ interpretieren.. aber vielleicht ist das auch wieder anmaßend..

  34. Danke für Deine Reaktion! (:

    Ich bin ein wenig erstaunt über die Erfahrungen, die Du hier schilderst. Die angesprochenen Zustände laufen mir derzeit auf jeder „schwarzen“ Party über den Weg und unterscheiden sich nicht mehr von der bunten Außenwelt. Das mag regional unterschiedlich sein. (;

    Nun, die steigenden Preise, die natürlich auf einer betriebswirtschaftlichen Grundlage aufbauen, stehen m.E. allerdings nicht im Verhältnis zu steigenden Haltungs- und Personalkosten. Eher habe ich das Gefühl, es wird (in einigen Fällen zumindest) eine Erhöhung vorgenommen, da keine alternative Ausweichmöglichkeit für die Gäste vorhanden ist. Rein nach dem Motto: „Teurere Preise können wir uns leisten, die Leute gehen ja nirgendwo anders hin.“ Das alles steht natürlich auch wieder im Zusammenhang mit dem steigenden Konsumverhalten, wie eingangs beschrieben.

  35. Wieso fahrt Ihr ganzen Emos hier eigentlich jedes Mal auf eure megaploeden Kommerzfestivals, wenn Ihr sowieso wisst, dass euch dort nur pinke, fette Gloeckchenweiber, bunte voll ungruftige Zuckerwattestaende und Techno erwarten? Und danach rumheulen, wie doof die Szene doch geworden ist.. Steckt den Amphi/Mera/WGT- Veranstaltern halt noch mehr Kohle in den Allerwertesten, damit Ihr im Anschluss erneut rumjammern könnt, wie kacke doch alles ist. Gute Güte.

  36. Iris, hast du die restlichen Kommentare auch gelesen?
    Darin haben Sabrina und Robert nämlich schon erklärt warum sie trotz schlechter Erfahrungen und Vorahnungen gefahren sind.

  37. @Iris: Ja, diese Frage haben wir uns auch gestellt und in Kommentar #23 und #24 Stellung genommen haben. Letztendlich treibt uns die Hoffnung dazu, immer wieder darüber zu meckern. Wir versuchen natürlich auch parallel dazu andere und alternative Events vorzustellen. Das WGT und das Mera-Luna sind allerdings nicht Gegenstand dieses Artikel, zumal ich ganz persönlich das WGT trotz seines Kommerzes sehr mag. Zum Mera-Luna in diesem oder im letzten Jahr kann ich leider nichts sagen, bin ja nicht dagewesen. Hast du vielleicht Tipps für alternative Festivals?

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