Milk, ein Film im Paralleluniversum

Gestern Abend kam ich den Genuss einen großartigen Film über den schwulen, amerikanische Bürgerrechtler Harvey Milk (1930-1978) zu sehen, der im gleichnamigen Film von Sean Penn dargestellt wird. Dabei beschreibt der Film der Werdegang des Lokalpolitikers bis zu seinem Mord durch seinen Stadtratskollegen Dan White. Der Film zeigt dabei ein erschreckendes Bild der amerikanischen Gesellschaft, das so aber auch in jedem anderen Land hätte stattfinden können. Erst in den 70er Jahren schaffte man ein Gesetz ab, das homosexuellen Geschlechtsverkehr als Sodomie bezeichnete und unter Strafandrohung verfolgt wurde.

Der Film beschreibt das Bestreben des Harvey Milk in den Stadtrat gewählt zu werden um etwas zu bewegen und seinen Kampf für Anerkennung, Toleranz und Gleichberechtigung. Dabei ist der Film immer wieder mit historischen Aufnahme gewürzt, die ihm eine sehr authentische Stimmung verleihen. Sean Penn, den ich eigentlich als Bad Boy des amerikanischen Kinos in Erinnerung habe, spielt hier grandios und sehr glaubhaft die Rolle des schwulen Politikers und nagelt seine Kritiker an die Wand des Schweigens.  Wer mit Gedanken spielt sich diesen Film anzuschauen, sollte seine Zweifel verwerfen und einen Blick auf die Produktion und ein Stück amerikanischer Geschichte werfen. Doch für mich hat der Film noch einen ganz interessanten Hintergrund, den ich euch kurz erläutern möchte:

1977 spricht sich die Sängerin Anita Bryant in Dade County, Florida dafür aus, Homosexuellen Lehrern und deren Freunden und Bekannte den Zugang zu Schulen zu verwehren, damit diese nicht mehr in der Lage wären Kinder für ihre abartigen Praktiken zu rekrutieren. Anlass war eine Menschrechtsverordnung, die eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität verbot und Homosexuellen die gleichen Rechte einräumte. Ihre Kampagne „Save our Children“ führte dazu, das die Verordnung zurückgenommen wurde.

Als Mutter weiß ich, dass Homosexuelle biologisch nicht in der Lage sind, Kinder zu erzeugen; deshalb müssen sie unsere Kinder rekrutieren. Wenn Schwulen Rechte gegeben werden, werden wir als nächstes Rechte an Prostituierte und an Menschen, die mit Bernhardinern schlafen, sowie an Nagelbeißer geben müssen. 1

Später erreicht sie, das die Adoption durch Schwule und Lesben im Bundesstaat Florida verboten wurde und machte sie Landesweit für eine Abschaffung der Gesetze zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben stark 2. Erst 1998 wurde übrigens in Dade County das Gesetz zur Gleichberechtigung wieder eingeführt, offenbar lernte man dort erst langsam aus den eigenen Fehlern.

Paralleluniversum?

Genau wie Ursula von der Leyen bei dem Gesetz für die Internetsperren versuchte auch Anita Bryant auf dem Rücken der Kinder ihre verkorksten Vorstellungen von Moral und christlichem Glauben durchzudrücken. Frau von der Leyen benutzt die Kinder um ihr Gesetz nach vorne zu treiben und suggeriert damit einen Schutz, der dadurch nicht erreicht wird. Sie etabliert damit ein System, dem es ein leichtes ist über seinen Zweck hinaus den Zugang zu unzähligen Seiten einfach zu sperren. Was ist wenn Frau von der Leyen mit einer Biographie über sich nicht einverstanden ist? Kurz beim BKA angerufen und mit einer fadenscheinigen einstweiligen Verfügung die Seite sperren. Nieder mit der freien Meinungsäußerung im Netz.

Die Filmdokumente bei Milk verarbeitete wurden erinnern mich an die aktuellen Bilder. Populäre Schlagwörter wie Kinderpornographie werden dazu missbraucht eigene Interessen durchzudrücken und Wahlkampf auf Bildzeitungsniveau voranzutreiben. Breite Wählerschichten ansprechen und die bröckelnden Umfrageergebnisse aufzufangen. Glaubhaftigkeit erscheint sinnlos, Hauptsache Wähler.  Vielleicht möchte sich die beiden Damen bei einem Glas Orangensaft treffen und Erfahrungen austauschen?

Einzelnachweise

  1. Aus einem Interview 1977, Quelle: Wikipedia.de – Kampagne gegen Lesben und Schwule[]
  2. Aus der Biographie „Uncle Donald´s Castro Street – Save our Children“[]
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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