Die Gothic-Kollektion von IKEA – Mit Bea Åkerlund auf düsteren Pfaden

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Die selbsternannte Fashion-Aktivistin Bea Åkerlund, die sich als Stylistin von Beyoncé, Rihanna oder Lady Gaga profiliert hat, inszeniert sich und das schwedische Möbelhaus als vermeintliche Kenner des Gothic-Styles. Mit der neuen Kollektion „Omedelbar“, was soviel heißt wie „unmittelbar“, versuchen Designerin und Möbelhaus zu interpretieren, was Gothic für sie bedeutet. Ab März können sich also Konsumenten beim schwedischen Riesen auch noch gruftig einrichten.

Wo wir schon bei Interpretationen sind: dass die Kollektion wenig mit Gothic zu tun hat und eher wie eine Hommage an Alice im Wunderland (mit Johnny Depp natürlich) oder auch Beetlejuice erinnert, sei nur am Rande erwähnt, denn es bleibt ja nun mal Auslegungssache, oder wie gesagt, Interpretation. Genauso wie die Produktbeschreibung, die sich auf der Internetseite findet:

Die OMEDELBAR Kollektion erfasst das Wesentliche von Beas ganz persönlichem Stil – einer Mischung aus Gothic-Style und Hollywood-Glamour. Die Produkte schaffen eine exklusive Atmosphäre in Schlafzimmer und Garderobe – so entstehen Räume, in denen man sich einfach für immer aufhalten möchte […] So kannst du zeigen, was wirklich wichtig ist: nämlich, dass du dir selbst treu bleibst.

Manchmal wünscht man sich, der Begriff „Gothic“ wäre geschützt. Von so einem dunkel-schwarzen Geheimbund der darüber wacht, das nur Dinge so betitelt werden, die es auch verdient haben. Dinge die true und echt sind, und ein Gremium von seiner Melancholie und dem schwarzen Lebensgefühl überzeugt haben. Ist er aber leider nicht und so definiert IKEA als Marktführer in Sachen Inneneinrichtung flugs mal einen gruftigen Einrichtungsstil. Manche Medien stürzen sich begierig auf die Pressemitteilung und schon scheint festgelegt, was „Gothic-Style“ in Sachen Möbel ist und wie man sich damit einrichtet.

Zugegeben, seit Ratte aus der Bravo ihre Zimmerwände schwarz strich und angeblich in einem gemieteten Sarg schlief, scheint unterschwellig ein Idealbild einer schwarzen Behausung zu existieren. Särge hat IKEA (leider) nicht zum zusammenbauen, dafür aber ganz andere Dinge aus besagter Kollektion, wie lustige Kussmund-Kissen, Vasen in Hutform und überdimensionale Taschenuhren.

Mag das für gruftig halten wer will. Ich hör sie schon, die Einrichtungsshows im deutschen Privatfernsehen: „Hier ist ihr neues zu Hause, total Gothic eingerichtet.“ DAS ist gruselig. Für mich ist Gothic jedenfalls kein Einrichtungsstil, sondern vor allem ein Lebensgefühl. Und das Gefühl richtet sich so ein, wie es sich wohlfühlt – auch wenn sicherlich Teile aus schwedischen Design-Zentren dabei sind :-).

 

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
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Vor sehr vielen Jahren (gefühlt eine Dekade her) gab es schonmal eine gruftig eingerichtete „Modellwohnung“ bei Ikea zu bewundern. Ich hab die leider nicht mit eigenen Augen gesehen, kann daher also leider keien Details liefern. Aber mir wurde von Freunden erzählt, dass sie das gesehen hätten und das fand ich schon ziemlich befremdlich. Keine Ahnung, warum das damals schon aufgegriffen wurde, da war Gothic zwar schon etwas salonfähiger gewesen – aber so richtig trendy? Muss denn heutzutage wirklich alles kommerziell ausgeschlachtet werden? Das ist wirklich viel gruseliger als so manches dunkle Outfit ;-)
Die „dunklen“ Wohnungen, die ich bislang zu sehen bekam (und auch meine eigene, hier am Ende des Beitrags zu sehen: https://www.spontis.de/schwarze-szene/gothic-friday/gothic-friday-do-goth-yourself-2/) haben so gar nichts von diesem „Popart“-Style, der hier propagiert werden. Da sind keine auffälligen Kontraste, eher gedeckte Farben, viele ältere Stil-Möbelstücke zu finden. Da wird, wenn schon etwas von der Stange gekauft wurde, oft viel daran herumgewerkelt oder dekoriert, so dass es eine eigene Note bekommt. Obwohl keine Wohnung der anderen wirklich ähnelt, so erkennt man doch meist an der Einrichtung, ob es sich dabei um die Wohnung eines Gothic/Grufti handelt oder nicht. Nur ganz wenige haben einen total „stinknormalen“ Einrichtungsstil.

Flederflausch
Editor

Hat sie es denn explizit „Gothic“ genannt?
Mich erinnert es auch sehr an Beetlejuice und gewisse Jhonny Depp besetzte Filme. Ich erkenne hier aber teilweise durchaus einen sehr düsteren Touch. Ob etwas dadurch Gothic wird? Ich denke es gibt genügend nicht-Gothics, die dunkle Ikeamöbel (die es schon Jahrelang im Angebot gibt) haben. Werden die dadurch zu Gothics? Ich denke nicht…Mich irritiert die Vermarktung als explizit (halb-)düster. Nach dem Motto: „Das ist der neuste Schrei, voll cool! (Aber denkt bitte dran, ansonst sind die ganzen schwarzgekleideten WallaWalla-Gewändertragenden komisch, nicht hipp, bis unästhetisch sind. Auch der ganze andere Kram, den diese klischeehaft natürlich alle mögen)“ Zumindest kommt es oft so bei mir an, als würde diese Werbeschiene gefahren. Ich denke es ist auch hier wieder eine Frage der Kombination und Intention. Wie gesagt, IKEA hatte schon immer mal wieder dunkle Dinge, denen man gut mit anderen einen düsteren Touch verleihen kann. Hier stößt ja nicht die Tatsache, dass es das gibt auf, sondern die Art und Weise der Vermarktung. Zumindest mich lässt sie ebenso vor mich hin grummeln, wie dich, Robert…

Alsuna
Gast
Alsuna

Ikea hatte imho schon immer sehr schöne Sachen, die sich für eine gruftige Wohnung eignen…wir haben sogar noch besagtes eckiges, schwarzes Geschirr und schwarze Billys aus den 80ern…damals waren die Dinger aber noch besser gebaut.
Egal ob Gothic oder nicht..die Vase in Stiefelform, die Wanduhr, den Wandspiegel und die „Hände“ werde ich vielleicht kaufen…eigentlich den Sessel auch..wenn ich Platz hätte.. :(

Lesfleursdumal
Gast

Oh jaaa, das achteckige Geschirr von Arcoroc! Angeblich unkaputtbar, aber bei mir sind auch nur noch ein paar Einzelteile übrig.

Le_lys_noire
Gast
Le_lys_noire

Also erst einmal finde ich die Werbung extrem schrill und kann dem was es eigentlich bezwecken sollte, nämlich individuell zu sein, auf dieser Interpretation schwer folgen. Diesen Trend beobachte ich aber schon länger: Das Zuhause ist kein „Drei Zimmer, Küche, Bad- Privatraum“ mehr, sondern eine Plattform, die dazu auserkoren wurde sich zusätzlich darzustellen. Eine Küche ist heute kein schnöder Raum mehr mit einer Küchenzeile sondern eine Kochlandschaft um mal wie Mälzer und Co. loslegen zu können (natürlich nur mit Smeg und so). Wichtig dabei aber ist, dass man auch dabei so individuell wie möglich vorgeht! Kein Wunder, dass Gothic als „Phänomen“ sich dazu bestens eignet. Da muss nicht gefragt werden, wie und ob da etwas zusammenpasst. Ich könnte da noch einiges mehr sagen, aber vorerst hält mich mein Nachwuchs davon ab. Vielleicht ein anderes Mal mehr…

Mone vom Rabenhorst
Autor

Ja ja…. das eckige schwarze Arcoroc…. hält bei uns schon über 25 Jahre! Und letztens hatte eine Bekannte einen ganzen Karton davon gefunden (war wie neu) und uns gegeben….. Gruftigeschirr bis ans Ende unserer Tage! :-)

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Habs grade meiner Frau gezeigt…. sie sagte… und ich dachte gleichzeitig: „ein bisschen kitschig“. Wir beide haben das „Problem“, ob nun hier bei Ikea, oder bei Festival (etc) Ständen, dass wir nicht wenig sehen, was uns zu kitschig erscheint für die eigenen vier Wände. Ich persönlich würde lieber einen selber gemachten Trockenstrauß in meinen alten Capeau Claque oder italienischen Strohzylinder stecken…. gut dann kann ich sie nicht mehr tragen naja… oder in einen echten Stiefel… als son Glaspott von Ikea zu kaufen. Gleiches glit für viele andere Artikel. Umarbeiten anstatt fertig so kaufen. Flohmarkt und Secondhandshop vor Neuwaren. Die Brüche im Styl und das alte/ abgenutzte der Gegenstände darf man dabei ruhig sehen. Und wenn man was geerbt, geschenkt, gefunden, benutzt und/ oder umgewerkelt hat, hat das Ganze eh einen Wert, den man an neuen Artikeln nicht mitkaufen kann. P.S. Geschirr haben wir maln Schwung von Ikea vor zwei Jahren gekauft. Das Schwarz/Olive war nach zwei Tagen verkratzt…. zurück gegeben deswegen… jetzt benutzen wir unser Bunzlauer weiter.

Ronny Rabe
Gast
Ronny Rabe

Von dem das eckige schwarze Arcoroc – habe ich auch noch ein paar Teile . Aber ich fand es halt damals schön und „gruftig“ unabhängig von IKEA . Meine anderen Teller mit Fledermaus Motiv finde ich da „gruftiger “ .
In dem Video wird ja viel Kitsch gezeigt – das eine oder andere Teil ist zwar ganz nett , aber auch schon mal da gewesen – nur an anderer Stelle .
Ich muß gerade lachen , wenn ich daran denke , dass es bestimmt manche gibt die am Inf0 IKEA Stand nach Gothic Möbeln fragen . Naja , jeden das seine .

Ps.: Ich habe auch nee schwarze Couch von IKEA und schwarze Regale von IKEA – voll true ^^V^^

fwolf
Gast

Naja, wenn sie meinen .. dabei gibbet doch viel schöneres Zeug bei Ikea, das viel „gruftiger“ wäre, z.B. vieles aus der Hemnes- und besonders Undreal-Serie (primär die Kommoden + Nachtschränkchen). Über letztere bin ich erst kürzlich wieder gestolpert, auf der Suche nach einem guten „Unterschrank“ für meinen künftigen „geschrumpften“ Kopierer (aka HP Officejet 872x).

Hm .. nach kurzem Durchsuchen der Ikea-Website gibbet da soviel, dass man glatt einen Gegenvorschlag zur „Grufti-Buden-Einrichtung“ machen könnte .. :D

Shan Dark
Gast

Ich vermisse den schwarzen Schädel mit Strass-Steinen in der Kollektion …