Schulterpolster

Die 5 möglicherweise schönsten Modesünden der 80er Jahre

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Frohes neues Jahr! Der beste Vorsatz für dieses Jahr ist, wieder in die Vergangenheit zu blicken, um zu sehen, was 2014 wieder „in“ sein wird. Präsentiert werden heute, die 5 schönsten Modesünden der 80er Jahre. Mit dabei sind auch die „Punker“, wie der große Privatsender den vierten Platz tauft. Die Grufties werden gleich mit unter den selben Hut, oder besser, Haarschopf gesteckt. Frau Eulenforst protestiert übrigens im Hintergrund auf das Schärfste, weil die Video-Szene der Punker mit „The Cure“ unterlegt wurden!  Man hat hier einfach mal die Punker mit ein paar Grufties gemischt. Einige der Bilder stammen übrigens von Besuchern des „Wartesaals“ in Köln, die Filmemacher Thomas Schmitt 1985 für seine Reportage Cooltour interviewte. Doch der Reihe nach. Modesünden, wie man sie zurückblickend nennt, kommen wieder. Seit etwa 2010 drängen sich die 80er mit all ihren Merkwürdigkeiten wieder in den Vordergrund. Seien es knallige Neon-Farben oder bunte Sonnenbrillen. Es bleibt uns nichts erspart. 2014 in den Startlöchern:

Schulterpolster, der fünfte Platz der Modesünden. Meine Schwester hatte damals auch so einen Blazer mit Schulterpolstern und diese komischen Pullover, in denen man die Dinger mit einem Klettverschluss  befestigen konnte. Größe, Dicke und Anzahl waren flexibel und wurden immer so gewählt, dass die Silhouette zwischen Kopf und Schulter rechtwinklig erschien. Ich glaube, es ist überflüssig zu fragen, warum man das so gemacht hat. Es wurde so gemacht, irgendeine Modezeitschrift hat den Keim bestimmt gepflanzt. Doch die Dinger sind relativ schnell wieder verschwunden, ich weiß gar nicht mehr genau wann. Ich glaube, mit den 90ern, als kurze Radlerhosen in Mode kamen. Hört bitte nicht auf die Zwischentexte, die sind einfach furchtbar. „Frauen wollten die besseren Männer sein.“ Wenn ich so einen Unsinn höre.

Auf Platz 4 der schönsten Modesünden sind die „Punks“, obwohl ich das natürlich nicht als Modesünde betrachte, sondern als Heiligtum. Die O-Töne der Passanten sind übrigens erlesene Perlen der deutschen Bildungselite. Die gibt es heute auch noch, ihr müsst nur mal nach Asylbewerberheimen fragen,  die Zitate könnte man 1:1 übernehmen. Ich bin an dieser Stelle mal dafür, dass wir diese Sünde galant überspringen.

Platz 3 geht an eine Person, Gloria, Fürstin von Thurn und Taxis. Also besser gesagt, ihre Frisuren. In den Medien bekam sie damals die Spitznamen „Punker-Fürstin“ oder auch „Prinzessin TNT“ und wurde zum gefragten Party-Gast. Heute ist sie eher brav, streng katholisch und meint, die Schwarzen in Afrika würden zuviel „schnackseln“ und deshalb so oft an AIDS sterben. Ehrlich, Mariae Gloria Fernanda Joachima Wilhelmine Huberta Prinzessin von Thurn und Taxis, deine Frisuren waren mir lieber.

Platz 2, geht an die – fast schon logisch dass wieder eine Jugendkultur herhalten musste – Popper. Die Zwischentexte machen mich diesmal richtig aggressiv. Nachhaltig berühmt geworden sind die Popper eigentlich wegen ihrer berühmten Popper-Knigge, die als kopiertes Machwerk jahrzehntelang die Runde machte. Die Kids trugen reich, wollten reich werden, reich heiraten und reich aussehen. Sie gaben sich maximal arrogant und nutzten den schamlosen Wettbewerb in Sachen Outfit als Alleinstellungsmerkmal. Mitte der 80er soll es dann schon wieder vorbei gewesen sein. Ihre Frisur, die Popper-Tolle, ein Statement: Die Welt nur mit einem Auge sehen, das ist die Zukunft. Schönes Zitat: „Also Luxus möcht ick haben, richtigen Luxus. Schön, reichen Mann, keine Kinder und ein großes Haus mit Swimming-Pool draußen und drinnen.

Platz 1 – zum Glück kaufe ich meine Unterhosen selber – wird von der Männer-Unterwäsche regiert. Denn nachdem sich nun auch die Jungs schminken, emanzipieren sie jetzt auch ihre Unterhosen. Schluss mit Feinripp! Stattdessen Tangas, Strings, Boxershort, merkwürdige Ganzkörperunterhosen. Ich weiß an dieser Stelle nicht, was hier Sünde sein soll. Klingt ja fast so, als würde der Mann von heute immer noch dazu verdonnert sein, Unterhosen im 10er Pack zu kaufen. Ist er?

 

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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dion
Gast
dion

Ja geil Männerstrings! :D Kann mich noch daran erinnern, dass mein Vadder die Dinger immer getragen hat. Oh man…

Ian von Nierenstein
Gast

Hipster? Ist das nicht ’ne Jugendkultur? Und die heißen wie Unterbuxen? :D

Amalia Atramentum
Gast
Amalia Atramentum

Mich würde ja mal interessieren, ob sie in 50 Jahren immernoch über die 80er Jahre berichten…muss wohl eine sagenumwobene Zeit gewesen sein.

Death Disco
Gast
Death Disco

Die Bedeutung der 80er haben die meisten vermutlich erst erkannt, als sie in den 90ern angekommen waren. In Sachen Musik und Mode war das vermutlich die vielfältigste Dekade. Musikalisch revolutionär. Diese Fülle an Stilen gab es in keiner anderen Ära. Und wer hat’s ermöglicht? Synthesizer, Rhythmusmaschinen und Drumcomputer. Vorher gab es Synthesizer nur in der Filmmusik, im New Age oder im Krautrock. Die Dinger konnte sich in den 70ern kaum jemand leisten. Das waren schrankhohe Maschinen mit Dutzenden von Kabeln und Steckverbindungen. Um die transportieren zu können, brauchtest Du ’nen Lastwagen.

In den 80s hatte dagegen jeder Musiker ’nen Korg, Moog, Roland, Yamaha oder ’nen Oberheimer. Da wurden die klein und erschwinglich. Da konnte man was mit machen. Und vieles baut heute noch darauf auf. Hip Hop, Techno/House, Drum & Bass und vieles mehr, ja die halbe Welt der Popmusik würde es heute ohne die ’80s gar nicht geben. Während die Musikwelt derzeit deutlich stagniert, gab es damals beinahe im Zwei-Jahre-Rhythmus eine neue Musikrichtung. ElectroPop, Hi-NRG, EBM, New Beat usw.. Manche Stile entwickelten sich sogar gleichzeitig. Wo gibt es das heute noch? In der Rockmusik lief es nicht anders. Schau nur einmal in den Metal-Bereich. Die fruchtbarste Periode für den Metal waren sicher die 80er (viele Stilrichtungen, die ich als Basisstile bezeichnen würde, wurden damals schon „vordefiniert“).

Die Mode mag inzwischen abscheulich wirken. Lustigerweise wirkt der Punk-Look aber kaum angestaubt, während die alltägliche ’80s-Mode, der Schnitt der Kleidung, die geföhnte Löwenmähne bei den Frauen oder der Vokuhila bei den Männern Dir den Magen umdrehen. Auch diverse Waver-Oufits würde ich heute nicht mehr gutheißen. *g*

Amalia Atramentum
Gast
Amalia Atramentum

Ja, da ist schon was dran. Musikalisch kann ich das zwar nicht so gut einschätzen, aber mir scheint auch modisch gesehen die Bedeutung der 80er enorm groß. Die 90er waren ja eher ruhig was das anging und seitdem gibts im großen und ganzen kaum etwas neues, wenn man mal technische Entwicklungen ( Funktionstextilien)außen vor lässt. Beziehungsweise würden neue Richtungen, wenn es denn welche gibt, eh nie lange genug existieren, dass sie von Bedeutung für die kommende Generationen wären. Die Gesellschaft hat sich seit den 80ern eben verändert. Damals gab es noch „große“ Trendwellen, die alle (zumindest die meisten) mitgerissen haben. Das scheint mir heute nicht mehr möglich. Wahrscheinlich deswegen diese Mystifizierung der 80er. Das gibt es ja z.B. auch in Bezug zu den 50er oder 60er Jahren.

Und zum Thema Punk und Mode: Punk wird meiner Meinung nach nie angestaubt wirken. Schon seit Ende der 80er bzw. Anfang der 90er ist er zum Gestaltungsprinzip in der Mode geworden, das sich nur immer wieder in neuer Gestalt zeigt….passt auch zum Thema „Bedeutung der 80er“ ^^

Axel
Gast

In Sachen Musik war das vermutlich die vielfältigste Dekade.

Da muss ich als Kind der 90er aber mal zu sagen: gerade die erste Hälfte der 90er standen den 80ern in nichts nach! Das war damals mindestens genauso vielfältig. Dagegen werden mir die 80er häufig doch zu sehr glorifiziert. Denn auch damals gab es musikalisch Dinge, an die man sich lieber nicht erinnern sollte. :D

So vom Look/Mode gesehen sind mir die 80er und 90er viel lieber als wie die Leute heute so rumlaufen. Gerade Frauen waren damals doch noch um einiges natürlicher und nicht so übersexualisiert wie heute…

Ian von Nierenstein
Gast

Die 80er hatten modisch ja einen großen 60er-Einfluss mit einem seltsamen Hang zum Futurismus wenn man sich mal die grässlichen Schulterpolster anschaut. Bei manchen 80er-Normalo-Klamotten denke ich mir manchmal: „Aus was für einem Low-Budget-Science-Fiction-Film sind denn die da entsprungen?“

Axel
Gast

Zumindest waren die Normaloklamotten amals nicht so öde und langweilig wie heute.

Death Disco
Gast
Death Disco

Da muss ich als Kind der 90er aber mal zu sagen: gerade die erste Hälfte der 90er standen den 80ern in nichts nach!

Wie auch? Die 80er gingen bis in die 90er rein und waren erst ca. ’94 wirklich abgehakt. Deswegen stehen Früh-90er Düster-Wave, SynthPop oder EBM eben noch in der Tradition der 80er, während die Musik der zweiten Hälfte der 90er daran kaum noch anknüpft. ;-)

Klar, die 90er hatten durchaus interessante Entwicklungen, wie Drum & Bass, IDM und Trip-Hop (in dieses Album sollte übrigens jeder mal reingehört haben, der sich für elektronische Musik interessiert: Autechres „Incunabula“ von 1993), und im Rockbereich tat sich auch noch so einiges. Aber ab Mitte/Ende der 90er ging das IMO alles bergab. Auch die Stilvielfalt hielt sich in Grenzen.

Die 90er waren ja eher ruhig was das anging

Dank Techno trug man nun Frisuren, die keine waren. Millimeter-Schnitt über den gesamten Schädel. Bezogen auf die Kleidung tat sich da wirklich nicht viel, oder? Street- und Club-Wear, Trainingshosen, Basecaps, Sport- und Skater-Schuhe… das gab es auch schon in den ’80s im Hip-Hop-/House-Bereich.