London

8

Seit ich Anfang der 90er Jahre einmal in London gewesen bin, geht mir die Stadt nicht mehr aus dem Kopf. Soviel Kultur und Leben auf einem Haufen hatte ich noch nicht gesehen und immer wieder kreisten meine Gedanken darum, noch einmal nach London zu reisen. Anfang 2008 habe ich die Gelegenheit dann am Schopfe ergriffen und bin mit meiner Freundin nach London geflogen.

Glücklicherweise hatten wir beide die üblichen  Sehenswürdigkeiten wie Wachsfigurenkabinett oder den Tower of London schon gesehen und konnte uns so auf die dunklere und aufregendere Seite Londons stürzen. Das Netz ist voll mit interessantem Inhalten über London und seine Sehenswürdigkeiten, deshalb möchte ich hier für die unbekannteren Ecken Londons Partei ergreifen oder von Orten erzählen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, denn London besteht nicht nur aus Big Ben und Madame Tussauds. Ich möchte mich in meinem Artikel auf persönliche Highlights beschränken, den Friedhof Highgate Cemetery, den Camden Market und dem Nachtleben für dunkle Gestalten. Letztendlich gibt es noch ein paar nützliche Informationen, damit aus dem Trip keine Horror-Trip wird.

Highgate Cemetery

Als im 19. Jahrhundert die Bestattungsmöglichkeiten in London knapp wurden, stimmte das Parlament zu, sieben private Friedhöfe nahe dem damaligen Londoner Gürtel zu eröffnen. Der im Norden Londons gelegene Friedhof Highgate besteht aus einem westlichen (1839) und dem östlichen Teil (als Erweiterung 1854), die durch eine öffentliche Straße, der Swain´s Lane, voneinander getrennt sind. Highgate West  wurde 1975 aus finanziellen Gründen geschlossen, es war den Betreibern nicht mehr möglich für die Pflege der Grabstätten zu sorgen.  Der Verein Friends of Highgate Cemetery (FOHC) kaufte in den späten siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts das kunsthistorisch interessantere westliche Gräberfeld und rettete es so vor der Einebnung durch Planierraupen, 1981 befanden sich schließlich beide Teile in vollem Besitz der FOHC. Um die Erhaltung des Friedhofs zu ermöglichen, ist der Besuch kostenpflichtig.

Die Tour mit dem Führer über den westlichen Teil ist aber mehr als lohnenswert. Für 5 Pfund (etwa 6,5 €) pro Person, erhält man eine einstündige Führung über den alten Teil des Friedhofes, in der viel über die Entstehungsgeschichte und die auf dem Friedhof befindlichen Gräber erzählt wird. Die zum Teil prunkvoll verzierten Gräber und Grabstätten beherbergen neben den Gräber von Geschäftsleuten und Aristokraten auch die Gräber einiger berühmter Persönlichkeiten. So finden sich auf dem westlichen Teil die Gräber von Charles Dickens, Michael Faraday, George Wombwell und Thomas Sayers. Den östlichen Teil des Friedhofes kann man auch ohne Führer besuchen, er ist aber lange nicht so eindrucksvoll wie der westliche Teil, kann aber mit der Karte von der Führung ebenfalls besucht werden. Wie komme ich dahin? – Mit der Tube (Nothern Line) bis Archway. Dann die Highgate Hill Street und weiter auf die Highgate High Street am östlichen Teil des Friedhofes vorbei und dann Links abbiegen und durch den Park laufen.

Weiterführende Links: Highgate Cemetery im Stadtplan, Fotostrecke bei Flickr, Highgate Cemetery

Camden Market

camden-market-fassade-2Obwohl der sicherlich kein Geheimtipp ist, so lohnt sich ein intensiverer Blick und ein ausschweifender Besuch. Dort gibt es auf jeden Fall die günstigsten Dr. Martens in ganz London, obwohl die ja mittlerweile in China produziert werden. Ein Vergleich, auch bei Shops in unmittelbarer Nähe lohnt sich, so konnten wir nach suchen innerhalb des Marktes nochmals rund 10€ sparen. Camden Market besteht aus 6 Bereichen, der Camden Lock Market, mit seiner grossen Markthalle, dem Stables Market im Norden, dem Buck Street Market im Süden, dem Electric Ballroom, der Inverness Street und dem Camden Canal Market der 2008 von einem Feuer verwüstet wurde.

Direkt an der U-Bahn Station ist der Electric Ballroom, der getarnt hinter einem unscheinbaren Durchgang, viel Platz für ungefähr 60 einzelne Stände bietet. An den Wochenenden finden hier auch regelmäßig Konzerte oder Events statt, selbst U2, Oasis, The Clash und die Red Hot Chilli Peppers waren hier schon zu Gast.  Der Camden Lock Market, der direkt hinter der Brücke über den Regents Canal beginnt, ist mehr auf kleine Schmuckläden spezialisiert, davon gibt es hier aber jede Menge. Im hinteren Bereich findet man dann so was wie eine Fressbudenmeile, bei denen es allerdings viele außergewöhnliche Spezialitäten gibt.

Geht man weiter Richtung Bahndamm wird es richtig interessant. Denn hier finden sie die Second Hand und Gothic Shops wie Fairygothmother, Burleska (Korsetts), After Dark (ehemals Black Rose), Darkside, oder auch das Elizium. Kollektionsware ist hier aber meist recht teuer, deshalb macht es viel mehr Spaß in den großartigen Second Hand Läden zu stöbern.  Die einzelnen Läden sind teilweise in den Bögen unterhalb der Bahn untergebracht und sehr verwinkelt, was dem ganzen einen ganz ungewöhnlichen Charme verleiht. Man findet auch reichlich kleine Modelabels aus London, die hier ihre Sachen anbieten.

So lernten wir zum Beispiel Nicola Quilter kennen, die nicht nur wunderschöne Röcke näht, sondern auch noch Musik macht und sich an einer Schauspielkarriere versucht, außerdem ist sie immer für einen Tip innerhalb des Camden Markets zu haben, erfuhren wir doch von Ihr wo es die günstigen Dr. Martens gibt.

Wie komme ich dahin? – Mit der Tube (Nothern Line) bis Camden Town und schon bist du mittendrin! Ein unbedingtes Muss ist aber die Sicherheit, denn hier sind überdurchschnittlichen Taschendiebe, deshalb möglichst alles wichtige im Hotel lassen und keine größeren Geldbeträge mitnehmen.

Weiterführende Links: Camden Lock, Camden Guide

Ausgehen

Leider ist neben dem umfangreichen Einkaufsbummel nicht viel Platz geblieben um auszugehen. Eine Perle für die Anhänger der schwarzen Szene konnte ich jedoch ausmachen. Das Intrepid Fox, das in unmittelbarer Nähe zum altehrwürdigen Asotria liegt, ist eigentlich eine Neueröffnung, den das alte Fox, das am Gargoile über der Tür zu erkennen war, gibt es nicht mehr.  Das neue Lokal ist den Machern aber dennoch gut gelungen und bietet im Inneren alles was einen guten Pub ausmacht.

Das Ambiente erinnert an eine 80er Wave & Gothicparty, Totenköpfe, Skelette und flackernden Kronleuchtern. Auf 2 Etagen ein gemütliches und uriges Pub mit prima Punkmusik (und allen Unterarten wie Gothic, Wave, Post-Punk). Von den Dropkick Murphys bis hin zu Alien Sex Fiend wurde uns an diesem Abend alles geboten. Das Intrepid Fox steht in wenig Reiseführer und das ist auch gut so. Denn die Preise für die Getränke sind so wie sie sein sollen, günstig. Das Publikum ist bunt gemischt, neben Metallern finden sich Punk´s, Waver und Gruftis. Alle sind irgendwie einfach und unkompliziert.

Gerne hätten wir Orte wie das Slimelight oder The World´s End besucht, leider hat die Zeit nicht gereicht. Was nicht ist kann aber noch werden, denn ein weiterer Trip nach London steht schon fest auf dem Programm.

  1. Mit dem Flugzeug kommt man am besten nach London (Stansted Airport), ein Expresszug bringt euch nach London selbst. Das kostet jeden 30€ für Hin und Zurück und sollte zur besseren Kalkulation in den Flugpreis mit eingerechnet werden, manchmal macht es Sinn einen teureren Flug zu buchen um in Heathrow zu landen um so den Mehraufwand zu vermeiden.
  2. Die einzig sinnvolle Fortbewegungsmöglichkeit in London ist die U-Bahn (Tube), mit einem 3-Tages-Ticket fährt man sehr günstig. Dabei wählt man die Ticketart Off-Peak, was bedeutet, dass man die Tube erst ab 9:30 morgens benutzen kann, wer früher aufsteht, ist selber schuld. Taxis sind reine Abzocke!
  3. Bezieht den letzten Tag mit in eure Planungen ein, meist kann man das Gepäck im Hotel für 2-3€ nach dem auschecken noch aufbewahren und dann erst kurz vor der Rückreise abholen.
  4. Bei London.de kann man einige Tickets schon im Vorraus buchen, der Reiseführer dort ist aber nicht so toll. Für einen guten Überblick über mögliche Reiseführer schaut mal beim WDR vorbei. Der offizielle Shop des britischen Fremdenverkehrsamtes Visitbritainshop.com verströmt die nötige Seriösität und bietet auch einen direkten Einstieg in die restliche Englische Kultur.
  5. Wenn es dann doch auch ein wenig touristischer sein darf, bietet der London Pass eine guten Einstieg in das kulturelle Leben der britischen Hauptstadt. In Verbindung mit der Oyster-Card, die man als Option hinzubuchen kann, kann man hier kräftig Geld sparen.
  6. Fernhalten von touristischen Ballungszentren schont den Geldbeutel! Beispiel: Toilette in Kensington: kostenlos, Toilette am Picadilly Circus: 1 Pfund (!).
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

8
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
Foto und Bilder Dateien
 
 
 
Audio und Video Dateien
 
 
 
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
shan_dark
Gast

Guter Bericht hier. Das „Intrepid Fox“ is wirklich ein sehr guter Tipp, musikalisch echt heavy (zumindest lief an dem Abend als ich da war nur Metal), die Deko echt schön düster ;o).
Slimelight naja…haste nix verpasst. Man kann es sich mal ansehen, ist aber nix, was schwarze Herzen höher schlagen lässt, sondern eher was für Cyberpunk, Knicklichter & Co. – mittlerweile.

Alli Galli
Gast
Alli Galli

Super, jetzt habe ich alles was ich brauche!!!

Ian von Nierenstein
Gast

Es gibt in London Cyber? :D Dachte, das wäre ein mitteleuropäisches Phänomen…

Axel
Gast
Axel

Äh nein, im Endeffekt komt Cyber sogar aus England. Cybergoth gab es dort schon mitte der 90er…

Ian von Nierenstein
Gast

Echt? Das ja mal schon interessant… aus was genau hat sich diese Richtung eigentlich entwickelt?

Axel
Gast
Axel

Eben aus der Rave & Technoszene, die in den 90ern so populär war und was damals als eine Art Gegenentwurf dazu darstellte.

Ian von Nierenstein
Gast

Quasi wie die Post-Punk-Szene sich aus der Punk-Bewegung entwickelt hat, weil ihr der politische Aspekt zu groß und der emotionale Inhalt der Musik wichtiger erschien… Sowie die „Magie“ der 70er in den 80ern stark durch graue Industrialisierung und den kalten Krieg verdrängt wurde. Man könnte Cyber im Grunde auch als künstlerische Ausdrucksform sehen. Ich selbst bin ja absolut keiner, der sich davon angesprochen fühlt, aber so ist das halt mit der Kunst: Ich bevorzuge einen Caspar David Friedrich auch vor einem Joseph Beuys. Hat halt immer was mit dem jeweiligen Geschmäckle zu run :)