Kultur und Natur zauberhaft vereint: Der Heiligenberg über dem Bodensee

Kultur und Natur sind in der Bodenseeregion seit jeher eng miteinander verwoben, doch an kaum einem anderen Ort wird diese Harmonie so spürbar wie auf dem Heiligenberg. Der markante Höhenzug im nördlichen Hinterland des Sees ist weit mehr als nur ein grandioser Aussichtspunkt: Er ist ein Schmelztiegel aus prachtvoller Renaissance-Architektur, uralten Mythen und tiefen, geschichtsträchtigen Wäldern. Wer den Heiligenberg besucht, begibt sich auf eine Reise zu einem der faszinierendsten Kraftorte der Region – ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen heidnischer Kultstätte und christlicher Tradition auf zauberhafte Weise verschwimmen.

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Der Heiligenberg über dem Bodensee

Im nördlichen Hinterland des Bodensees liegt ein Höhenzug, der das großartige Kultur-Natur-Zusammenspiel der Region auf perfekte Weise repräsentiert. Die Anhöhe trägt den Namen Heiligenberg. Dort oben gibt es auch ein Dorf, das so heißt. Und am Südrand des Dorfs steht in exponierter Lage das Schloss Heiligenberg (730 m), ein eindrucksvolles Gebäude aus der Zeit der Renaissance.

Der Name Heiligenberg beschränkt sich nicht nur auf den Bergabschnitt, auf dem sich das Dorf Heiligenberg und das gleichnamige Schloss befinden. Vielmehr bezeichnet der Name einen langgestreckten Höhenzug, auf dem es mehrere kleine Dörfer gibt. In der Ost-West-Ausdehnung weist die Anhöhe eine Länge von 10 Kilometern auf. Der Berg liegt 12 Kilometer vom Bodensee entfernt.

Schöne Wälder, geschichtsträchtige Orte, grandiose Ausblicke

Im Süden fällt der gesamte Höhenzug steil ab. Die Südhänge und die angrenzenden Hochflächen sind vor allem mit wunderschönen Buchenwäldern bewachsen. In den Wäldern und Dörfern des Heiligenbergs, der an seiner höchsten Stelle 816 Meter hoch ist, befinden sich viele interessante historische Stätten. Der Berg überragt den See um 420 Meter. Kein Wunder, dass von dort oben die Sicht auf den See und die Alpen grandios ist.

Vieles an diesem Berg ist interessant, nicht zuletzt der Name: Kurt Derungs weist in seinem Buch „Magischer Bodensee. Reisen zu mythischen Orten“ (Verlag Edition Amalia, Grenchen bei Solothurn 2011) auf das erste schriftliche Zeugnis hin, das den Berg als „heilig“ benennt. Derungs schreibt: „Die erste schriftliche Erwähnung mons sanctus ‚der heilige Berg‘ erfolgte um 994 in einer Urkunde des Klosters Petershausen bei Konstanz.“

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über den „heiligen Berg“ beziehen sich auf einen Vorsprung des Höhenzugs, der heute Altheiligenberg (727 m) genannt wird. Möglicherweise stand hier bereits im 10. Jahrhundert eine Burg. Der erste schriftliche Beleg für die Burg stammt aus dem Jahr 1163. Schon im frühen 14. Jahrhundert begann der Verfall der Feste. Von ihr ist heute fast nichts mehr zu sehen.

Abendlicher Blick vom Gipfel des „Höchsten“ auf die Ostseite des Heiligenbergs
© Stefan Kubon

Grenzland zwischen Heidentum und Christentum

Karl Siegfried Bader und Christian Altgraf zu Salm betonen in ihrem Buch „Schloss Heiligenberg“ (Jan Thorbecke Verlag, Konstanz und Stuttgart 1963), dass der „Mons Sanctus“ bereits lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung als heiliger Berg bekannt war. Zudem weisen beide Autoren darauf hin, dass der Höhenzug in der Endphase der Antike und im frühen Mittelalter zwei Welten trennte – die Welt des Heidentums und die des Christentums: „So begegnet uns der ‚Mons Sanctus‘ denn auch erstmals für einen weiter westlich gelegenen Bergteil, auf dem die Burg Altheiligenberg stand. Aber der Name ist unzweifelhaft weit älter als diese erste Burg und führt in Zeiten zurück, da hier, an der Scheide zwischen dem Altsiedelland des Linzgaus und dem in späterer Zeit dicht besiedelten Oberschwaben, eine kultische Grenzlinie verlief. Unten am Gestade des Bodensees und in den sanften Tälern der ihm zufließenden Linzgauer Aachen waren Reste in römische Zeit zurückreichenden Christentums erhalten geblieben und konnten sich, da jenseits des Sees Konstanz Bischofssitz und die Insel Sindlazaue-Reichenau zur ‚Augia Sacra‘ wurden, erneuern. Nördlich des bewaldeten Steilhanges, auf der zum Schwäbischen Jura hinübergreifenden Hochfläche dagegen hielt sich lange alemannisches Heidentum. Und hier, an dieser Scheide, da sich geistige Welten trennten, bildete der Berg über vorchristlichen Heiligtümern ein natürliches Denkmal, das nun für den einen und einzigen Gott der Christen zeugte.

Bader und zu Salm gehen davon aus, dass sich der Name des Bergs dadurch erklären lässt, dass die Anhöhe schon in vorchristlicher Zeit eine besondere religiöse Bedeutung besaß und schon damals als „heilig“ bezeichnet wurde. Gleichwohl stellen beide Autoren fest, dass vom heidnischen Erbe des Bergs kaum noch Spuren zu finden sind: „Aber von diesem ältesten Heiligenberg haben sich außer dem Namen, außer Legenden, die an die Thebäische Legion und an Felix und Regula, die Heiligen der Großmünsterpropstei in Zürich, anknüpfen, außer dürftigen Resten von Fluchtburgen nur ein paar Einzelfunde erhalten; einiges davon liegt wohl auch unter den Fundamenten des heutigen Schlosses, noch unter der Gruft seiner hochadeligen Bewohner, begraben.

Zweifellos ist es schade, dass es auf dem Heiligenberg kaum noch Spuren der heidnischen Zeit gibt. Jedoch tröstet die hohe Anzahl christlicher Kulturdenkmäler über diesen Verlust hinweg. Im folgenden Text werden einige herausragende Sehenswürdigkeiten des Heiligenbergs vorgestellt. Kultur- und Naturdenkmäler werden gleichermaßen berücksichtigt.

Schloss Heiligenberg – auch der Standort ist großartig

Das wichtigste und schönste Kulturdenkmal auf dem gesamten Heiligenberg ist das gleichnamige Schloss. Wer sich dem Schloss von Osten, Süden oder Westen nähert, kann es schon aus der Ferne bewundern. Das Schloss ist großartig – und sein Standort ist es auch: Das Gebäude steht am Südrand des Heiligenbergs auf einem sehr exponierten Vorsprung. Von dort offenbart sich ein grandioser Ausblick auf das Alpenvorland, den Bodensee und die Alpen.

Es wird angenommen, dass der Ursprung des heutigen Schlosses im 13. Jahrhundert liegt. Vermutlich war es Graf Berthold von Heiligenberg, der an der Stelle des heutigen Schlosses um 1250 eine Burg errichten ließ. Nun besaß der Graf zwei Burgen auf dem Heiligenberg, denn zwei Kilometer entfernt von der neuen Burg stand schon eine andere Burg, die auch ihm gehörte. Diese Burg wurde ab jetzt Altheiligenberg genannt. Wie bereits erwähnt, begann der Verfall der Feste bereits im frühen 14. Jahrhundert.

Die neue Burg entwickelte sich hingegen prächtig, jedoch unter neuen Eigentümern: Noch im Mittelalter ging die Burg in den Besitz der Grafenfamilie von Werdenberg-Heiligenberg über. Diese Familie vergrößerte die Feste im Spätmittelalter. Im Jahr 1535 gelangte die Burg in den Besitz der Familie Fürstenberg. Von 1560 bis 1575 wurde die mittelalterliche Anlage in ein Renaissanceschloss umgebaut. Vor allem diesem Umbau verdankt das Schloss sein heutiges Aussehen.

Räume des Lichts und der Dunkelheit

Zwischen 1580 und 1584 entstand in dem Schloss ein großartiger Festsaal, der seit der Epoche der Romantik als Rittersaal bezeichnet wird. Besonders die feingeschnitzte Holzdecke ist eine künstlerische Meisterleistung. Der Saal gilt als einer der schönsten Prunkräume der Spätrenaissance in Deutschland. Weil sich der Saal im Südflügel des Schlosses befindet, hat man von dort einen famosen Blick auf den Bodensee und die Alpen.

In kunsthistorischer Hinsicht ist das Schloss auch deshalb bemerkenswert, weil es über zwei Sakralräume verfügt: die Schloss- und die Gruftkapelle. Die Kapellen sind durch einen Schacht und eine Wendeltreppe miteinander verbunden. Auch dieser Teil des Schlosses ist während der Zeit der Renaissance entstanden. Bezüglich der beiden Kapellen schreiben Bader und zu Salm:

In Wirklichkeit handelt es sich um zwei Sakralbauten stark verschiedenen Charakters: die oberirdische Schloss- und die mit dieser durch Schacht und Wendeltreppe verbundene, vom Schloßhof aus gesehen unterirdische, tief in den Hang eingegrabene Gruftkapelle. Die letztere dient, Nachfolgerin schon eines alten Burgfriedhofes, ganz dem intimen Anliegen der Familie. Grablege der Werdenberger Grafen war zunächst das 1398 errichtete Kollegiatstift Betenbrunn, in dessen Gruft auch noch die ersten Fürstenberger ihre Ruhestätte fanden. Schon im Bauplan des Grafen Friedrich d. Ä. war jedoch eine Gruft im Schloss Heiligenberg selbst vorgesehen, und Graf Joachim, der Bauherr, erlangte 1586 vom Kardinalbischof Mark Sittich zu Konstanz die Erlaubnis, die Leichen aus dem Hause Fürstenberg in der neu erbauten Kuratkapelle des hl. Papstes Felix im Schloß Heiligenberg zu bestatten. Seitdem ruhen hier zahlreiche Familienangehörige; unter einem Dach wohnen Lebendige und Tote, die miteinander das hochadelige Geschlecht darstellen.“

Verantwortlich für den großzügigen Umbau der spätmittelalterlichen Burg zum Renaissanceschloss war Graf Joachim von Fürstenberg (1538-1598). Als der Graf starb, wurde er in der Gruftkapelle beerdigt. Schließlich besaß die Familie Fürstenberg im Jahr seines Todes bereits seit 12 Jahren das Privileg, verstorbene Angehörige im Schloss zu bestatten.

An der Nordseite von Schloss Heiligenberg steht ein Denkmal für Graf Joachim von Fürstenberg.
© Stefan Kubon

Eine Art Dornröschenschlaf – zwei Jahrhunderte lang

Nach dem Tod des Grafen begann eine Zeit, in der das Schloss von der Familie Fürstenberg nur noch relativ selten bewohnt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten die Familienmitglieder zumeist an anderen Orten. Dass das Schloss in dieser Zeit zumeist in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hindämmerte, war aus heutiger Sicht ein großes Glück. Denn während an anderen Burgen und Schlössern im 17. und 18. Jahrhundert häufig Umbauarbeiten stattfanden, führte das geringe Interesse der Familie Fürstenberg an Schloss Heiligenberg dazu, dass der Renaissancecharakter der Anlage erhalten blieb.

Ein großes Glück war es auch, dass das Schloss im 30-jährigen Krieg (1618-1648) nicht zerstört wurde. Zum Beispiel wurde im Januar 1644 die Zerstörung des Schlosses nur durch einen seltenen Zufall verhindert: Französische Truppen wollten das Schloss in die Luft sprengen. Die Sprengladung war bereits im Kellergeschoss platziert worden, doch weil ein Zünder versagte, kam es nicht zur Explosion.

Im frühen 19. Jahrhundert nahm das Interesse der Familie Fürstenberg am Schloss wieder zu: Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg (1767-1822) fand zunehmend Gefallen an dem alten Prachtbau und der zauberhaften Umgebung. Ab dem Jahr 1807 wohnte die Fürstin zumeist im Schloss – und als ihre Zeit gekommen war, starb sie dort auch. Sie wurde in der Gruftkapelle beerdigt.

Ein Ort der Romantik

Bader und zu Salm vermitteln einen intensiven Eindruck davon, warum Elisabeth von Schloss Heiligenberg begeistert war. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft für die geistige Bewegung der Romantik nachgehen: „Ganz im aufklärerischen Geist des josephinischen Österreich erzogen, kam die Fürstin schon in Böhmen, dann erst recht nach ihrer Übersiedlung in das Gebiet des schwäbischen Hausgutes, in enge Beziehung zur Romantik. Für ihren Freund Lassberg erwarb sie während des Wiener Kongresses, der die von beiden ersehnte Wiederherstellung des Fürstentums nicht brachte, die berühmte Handschrift C des Nibelungenliedes, das man auf Schloss Heiligenberg zusammen las. Zahlreiche Zeugnisse mittelalterlichen Minnesangs und höfischer Dichtung des ‚gotischen‘ Zeitalters, Begegnungen mit Männern aus dem Kreise der Brüder Grimm und Korrespondenzen mit vielen Vertretern der deutschen Romantik erweckten Elisabeths Sinn für Geschichte und Literatur. Den Glanz mittelalterlicher Lebensformen sah man in dieser Umgebung gewiß übersteigert, jedenfalls aber, vom Rationalismus der jüngst vergangenen Epoche angewidert und von der Befreiungsbewegung angefeuert, Schönheiten von Natur und Kunst im neuen Lichte.

In ihrer Begeisterung für Schloss Heiligenberg unterschied sich Elisabeth übrigens stark von ihrer Verwandten Josepha Benedikta (1756-1809). Über sie schreiben die beiden Autoren: „So verzog eine Dame aus dem Fürstlichen Hause, die Fürstinwitwe Josepha Benedikta, nach zweijährigem Aufenthalt in Heiligenberg (1791/93) nach Böhmen, weil sie sich in den weitläufigen Räumen einsam und gelegentlich trotz aufgeklärter Denkensart – zu einem rechten Schloß gehört ja auch ein Schloßgeist – unheimlich fühlte.

Menschen mit einer romantischen Ader werden Elisabeths Begeisterung für das Schloss und seine wundervolle Umgebung nachempfinden können. Allerdings verbrachte die Fürstin ihre Zeit nicht nur damit, schöngeistige Ideen zu verherrlichen. Sie betrieb auch reaktionäre Machtpolitik: Immer wieder machte sie ihren Einfluss geltend, um die Privilegien, die ihre Familie und ihr Stand aufgrund der Umwälzungen während der napoleonischen Epoche verloren hatten, wiederzuerlangen.

Fernansicht von Schloss Heiligenberg auf einem Bergvorsprung über dem Salemer Tal am Bodensee.
Schloss Heiligenberg ist für Romantiker seit langer Zeit ein Sehnsuchtsort.
© Stefan Kubon

Wiederbelebung des Schlosses

Der politische Aktionismus der Fürstin führte nicht zum gewünschten Erfolg. Abseits des Politischen gelang Elisabeth jedoch etwas von Bedeutung: Nach der Aussage von Bader und zu Salm trug sie mit ihrem Handeln erheblich dazu bei, die Schönheit des Schlosses zu erhalten. Die Autoren notieren am Ende ihrer Ausführungen zum Leben Elisabeths: „Im Jahrzehnt zwischen 1807 und 1817 wohnte die Fürstin, auch die harten Winter nicht scheuend, überwiegend auf dem ‚Heiligen Berg‘. Das zum Sitz der Ahnengeister gewordene Schloß wurde zu neuem Leben erweckt. Als 1817 der junge Fürst für majorenn erklärt wurde, wählte die Fürstinmutter Heiligenberg als Witwen- und Alterssitz. Alter allerdings blieb ihr versagt. Schon 1822 starb die Fürstin auf Heiligenberg; in der seit langen Jahrzehnten nicht mehr belegten, nur notdürftig hergerichteten Gruft fand sie ihre letzte Ruhestätte. Ihre Büste steht, unweit der Stelle, da ihre sterbliche Hülle versenkt wurde, am Eingang der heutigen Gruftkapelle.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde dem Schloss von der Familie Fürstenberg im Vergleich zu den beiden vorherigen Jahrhunderten mehr Beachtung geschenkt. Seit 2013 bewohnen einige Mitglieder der Adelsfamilie das Schloss wieder dauerhaft. Im späten 20. und im frühen 21. Jahrhundert war es möglich, die schönsten Räume des Schlosses zu besichtigen. Leider ist dies zurzeit nicht möglich. Nachvollziehbare Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Es ist kritikwürdig, dass der Allgemeinheit der Zugang zu einem Kulturdenkmal dieser Bedeutung verwehrt wird. Zumindest der Besuch des Rittersaals und der Schlosskapelle sollte wieder erlaubt sein.

Die alte Linde in Heiligenberg

Im Zentrum des Ortes Heiligenberg, am sogenannten Postplatz, steht ein Naturdenkmal ersten Ranges. Es handelt sich um eine mächtige Linde, die sich trotz ihres hohen Alters bester Gesundheit erfreut. Dass der uralte Baum in seinem Inneren hohl ist, scheint seiner Vitalität nichts anhaben zu können. Doris Laudert hat in ihrem Buch „Mythos Baum. Was Bäume uns Menschen bedeuten. Geschichte. Brauchtum. 30 Baumporträts“ (BLV Verlagsgesellschaft, München 1999) dieses Phänomen erklärt: „Uralten, hohlen Bäumen traut man selten die Lebenskraft zu, die sie in vielen Fällen besitzen. Im Alter entwickeln nämlich manche Linden eine Vitalität, über die man nur staunen kann. Das Geheimnis ihrer Langlebigkeit sind neue Innenwurzeln, die vom greisen Stamm aus in Richtung Boden wachsen, sich dort verankern und eine junge Krone bilden, wenn der alte Baum abstirbt. Die Linde verjüngt sich also sozusagen von innen heraus.“

Manche Linden scheinen fast ewig zu leben. Daher verwundert es nicht, dass unsere Vorfahren insbesondere diese Baumart als etwas Heiliges wahrgenommen haben. Im Buch „Deutschlands alte Bäume. Eine Bildreise zu den sagenhaften Baumgestalten zwischen Küste und Alpen“ (Stefan Kühn, Bernd Ullrich, Uwe Kühn, BLV Verlagsgesellschaft, München 2002) wird die Linde als heiliger Baum der Germanen, Kelten und Christen beschrieben: „Nach der Vorstellung der Germanen, genauer der ackerbauenden Wanen, bewohnte die Göttin Freya die Linde. Freya, nach der unser Wochentag Freitag benannt ist, war die zaubermächtige Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit, daneben eine Stifterin von Frieden und Gerechtigkeit in Haus und Dorf. Im Verlauf der Christianisierung nahm Maria nach und nach ihren Platz ein. Auf Anraten von Bonifatius (672-754), dem ‚Apostel der Deutschen‘, wurden auf den alten heiligen Plätzen der kelto-germanischen Bevölkerung Marienlinden gepflanzt. Das helle, weiche, seidig schimmernde und daher wunderbar schnitzfähige Holz der Linde wurde zu ‚lignum sacrum‘ – zu ‚heiligem Holz‘, aus dem man sakrale Gegenstände und Heiligenstatuen schnitzte.“

Steht die Linde an einem ehemaligen heidnischen Kultplatz?

Die Bedeutung der Linde als heiliger Baum erklärt womöglich auch den Namen des Bergs. Vielleicht befand sich in vorchristlicher Zeit an der Stelle ein Kultplatz, an der heute die alte Linde steht. Diese Möglichkeit wird von Elisabeth Schnering in Betracht gezogen (Luftkurort Heiligenberg. Die Aussichtsterrasse des Bodensees. 700-800 m ü. d. M., Kurverwaltung Heiligenberg (Hrsg.), in der Broschüre findet sich kein Hinweis zum Erscheinungsjahr. Vermutlich ist das Heft in den 1970er Jahren erschienen): „Die Herkunft des Namens ‚Heiligenberg‘ ist unklar. Möglicherweise kommt der Name von einer vorchristlichen Kultstätte, die entweder bei der heutigen Gerichtslinde (auf dem Postplatz) war oder auf dem ‚Altheiligenberg‘, einem Hügel westlich von Heiligenberg, wo man allerlei tierische Knochen und Scherben aus der Pfahlbauten-Zeit (ca. 4000-2000 v. Chr.) fand. Vielleicht wurde der Name auch erst zur Zeit der Christianisierung (um 600 durch St. Gallus) gebräuchlich, als vermutlich ein christliches Heiligtum die germanische Opferstätte ablöste.“

Die Frage, wo sich der vermutete vorchristliche Kultplatz befand, ist bis heute ungeklärt. Relativ klar ist hingegen, dass die „Gerichtslinde“ den religiösen Wandel auf dem Heiligenberg vom Heidentum zum Christentum nicht „erlebt“ hat. Denn im Buch „Deutschlands Alte Bäume“ wird mehrheitlich angenommen, dass Linden maximal ein Alter von 900 Jahren erreichen können. Angeblich entspricht dies der Einschätzung des Volksmunds. In dem besagten Buch wird festgestellt: „Von der Linde, dem wohl geheimnisvollsten Baumlebewesen unserer Breiten, heißt es bereits im Volksmund: ‚300 Jahre kommt sie, 300 Jahre steht sie, 300 Jahre vergeht sie‘.“

Die alte Linde in Heiligenberg
© Stefan Kubon

Wie alt ist diese Linde?

Vor diesem Hintergrund kann die Aussage der Schrifttafel, die im hohlen Stamm der Linde in Heiligenberg angebracht ist, skeptisch betrachtet werden. Denn dort steht geschrieben, dass der Baum angeblich schon im 12. Jahrhundert gepflanzt wurde. Die Linde müsste sich also entsprechend der besagten Drei-Stadien-Regel im Zustand des fortgeschrittenen Verfalls befinden. Zum Glück ist davon noch nichts zu sehen – trotz des zweifellos sehr hohen Alters des wundervollen Baums. Vielleicht hatte diese Linde eine direkte, 900 Jahre alte Vorfahrin – sie könnte im frühen Mittelalter den religiösen Umbruch auf dem Heiligenberg „erlebt“ haben.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Linde in Heiligenberg um eine „Gerichtslinde“. Doris Laudert schreibt in ihrem Buch „Mythos Baum“ bezüglich der Gerechtigkeitssymbolik der Linde: „Das ‚Judicium sub tilia‘, das Gericht unter der Linde, ist in vielen alten Urkunden belegt. Man glaubte, die Linde, ein in früheren Zeiten als heilig verehrter Baum, könne bewirken, daß die reine Wahrheit ans Licht käme. Die Rechtssprechung unter Bäumen hat eine lange Geschichte, kommt in vielen Kulturen vor und wird auch im Alten Testament erwähnt: ‚Deborah, eine Prophetin, war Richterin in Israel. Sie hatte ihren Sitz unter der Debora-Palme zwischen Rama und Bet-El im Gebirge Efraim, und die Israeliten kamen zu ihr hinauf, um sich Recht sprechen zu lassen‘ (Richter 4,5).“

Mythologisch verbunden: Drache und Linde

Bemerkenswert ist auch, dass die Wörter Drache und Linde semantisch und mythologisch miteinander verknüpft sind: Ähnelt ein Drache einer Schlange, dann bezeichnet man diesen mitunter als Lindwurm. Zudem gehört in der Siegfried-Sage ein Lindenblatt zu den Machtinstrumenten des Drachen Fafnir. Das Blatt trägt letztlich sogar entscheidend zur Tötung Siegfrieds bei. Und dass Siegfried unter einer Linde von Hagen ermordet wird, verdeutlicht ebenfalls die besondere Verbindung der Begriffe Drache und Linde.

Im Buch „Deutschlands Alte Bäume“ wird die mythologische Verknüpfung zwischen dem Drachen und der Linde sehr eindrucksvoll beschrieben:

Die Linde ist sagenumwoben. Ihre älteste mythologische Wurzel führt uns zur Wesensgleichheit mit einem mächtigen mythischen Wesen: dem Drachen. Die Menschen der vorbewussten Zeit, jene fernen Schöpfer der von Generationen zu Generationen tradierten Mythen, empfanden die Natur und insbesondere die Bäume als belebt, von guten oder schädlichen Kräften beseelt. Mit intuitivem, phantasiebegabtem Blick muten alte, verformte und zerfallene Linden tatsächlich wie Drachen an. Die Wesensgleichheit erschloss sich unseren Vorfahren auch aus der scheinbar unerschöpflichen Lebenskraft der Linde. So wie beim unsterblichen Drachen ist ihre Lebensspanne nach menschlichem Ermessen ‚auf die Ewigkeit‘ ausgerichtet.

Vermutlich benötigt man keine besondere Phantasie, um beim Anblick der Linde in Heiligenberg zumindest drei typische Wesenszüge eines Drachen wahrnehmen zu können. Denn zweifellos ist der Baum sehr alt, sehr groß und sehr mächtig. In gewisser Weise hat man es also bei diesem eindrucksvollen Naturdenkmal tatsächlich mit einem Drachen zu tun.

Auf abenteuerlichem Weg zur Freundschaftshöhle

Von der alten Linde in Heiligenberg kann man in zehn Minuten zur sogenannten Freundschaftshöhle wandern. Der Weg dorthin ist ausgeschildert. Zunächst spaziert man auf dem Bürgersteig der Hauptstraße. Nach zwei Minuten ist der westliche Ortsausgang erreicht. Man lässt die Straße links liegen und wandert auf einem Pfad am Rand des steil nach Süden abfallenden Bergs entlang. Dem linksseitigen Waldrand folgend geht es bergauf. Nach zwei Minuten erreicht man eine Gabelung, an der man links abbiegt (wer hier geradeaus läuft, gelangt in fünf Minuten zum Bellevueplatz. Dorthin wird später ein Abstecher unternommen). Es geht auf einem Pfad bergab, direkt in den Steilhang und in den Wald hinein. Kurz bevor die Straße erreicht wird, biegt man rechts ab. Der 100 Meter lange Abstieg endet hier.

Auf einem steinigen und sehr exponierten Pfad geht es vier Minuten leicht bergauf. Dann führt der Weg wegen der zunehmenden Steilheit des Hangs 30 Meter über eine kunstvoll angelegte, ebene Holztrasse. Jeder Schritt auf dem abenteuerlichen Bauwerk erzeugt einen hohlen Klang – es gibt Töne, die vertrauenswürdiger klingen! Direkt nach der Überquerung der verwegenen Holzkonstruktion hat man die Höhle erreicht. Von dort ist die Aussicht überwältigend: das großartige Schloss, der riesige Bodensee, die gigantische Bergkette der Alpen – all das ergibt in seinem Zusammenspiel ein wahrlich episches Panorama.

Beim Blick über den See auf die Alpen sind es vor allem die beiden Schweizer Berge Altmann (2436 m) und Säntis (2502 m), die besonders markant in Erscheinung treten. Diese zwei Berge stehen so eng zusammen, dass sie wie ein Doppelgipfel aussehen. Das ist wirklich ein sehr schöner Anblick, denn die beiden Gipfel wirken wie zwei besonders einträchtige Beschützer des Sees.

Das Gestein, in dem sich die Höhle befindet, heißt Nagelfluh. Nagelfluh besteht aus zusammengebackenem Kies- und Schottergestein. Dieses Material stammt aus den Alpen, es wurde vom Rheingletscher während der letzten Kaltzeit hierher transportiert. Die letzte Kaltzeit wird als Würm-Kaltzeit bezeichnet, sie endete vor 10.000 Jahren. Als der Rheingletscher abtaute, blieb der Nagelfluh zurück.

Die Freundschaftshöhle liegt am Rand eines jähen Abgrunds.
© Stefan Kubon

Ab wann wurde die Höhle von Menschen bewohnt?

Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, dem stellt sich beim Anblick einer Höhle stets die Frage, ob sie einst von Menschen als Wohnstätte genutzt wurde. Obgleich es sich nicht mit Sicherheit beweisen lässt, ist es gut möglich, dass die Freundschaftshöhle schon bald nach ihrer Entstehung am Ende der letzten Kaltzeit Menschen als Unterkunft gedient hat. Wer jedoch eine klare Antwort hinsichtlich der Frage nach der Nutzung der Höhle durch den Menschen haben möchte, muss in der Geschichte sehr weit nach vorne blicken. Denn eindeutig beweisen lässt sich nur, dass Menschen ab der Frühen Neuzeit in der Höhle gewohnt haben.

Auf der Webseite der Gemeinde Heiligenberg steht einiges darüber, wie die Höhle in der Frühen Neuzeit als Wohnraum genutzt wurde. Bei ihren Ausführungen beruft sich die Gemeinde auf das Buch „Heiligenberg beim Bodensee“ von Eduard Berenbach (Feyel Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1935). Angeblich befand sich spätestens seit dem Jahr 1688 ein kleines Haus in der Höhle. Der Kamin dieser Behausung ist noch heute als Loch in der Felswand erkennbar. Der Mann, der damals in der Höhle wohnte, war ein Tagelöhner. Angesichts der damaligen ökonomischen Lage von Tagelöhnern ist anzunehmen, dass das sogenannte „Häuschen“ eher ein Holzverschlag oder bestenfalls eine Hütte war.

Untergebener haust in Höhle, Adeliger residiert im Schloss

Im 18. Jahrhundert lebte Hans Georg Sauter in der Höhle. Sauter war Bediensteter bei den Fürsten zu Fürstenberg. Im Jahr 1765 bat Sauter den Fürsten Joseph Wenzel zu Fürstenberg (1728-1783) darum, die Höhle als Wohnstätte aufgeben zu dürfen und an einer anderen Stelle eine Hütte bauen zu dürften. Sauter begründete dies vor allem damit, dass das Leben in seiner ärmlichen Behausung zu gefährlich geworden sei. Er sah sich der Gefahr ausgesetzt, mitsamt seiner Behausung ins Tal zu stürzen. Auch sei der Weg zu seiner Wohnstätte zu gefährlich. Der Fürst lehnte die Bitte seines Bediensteten ab. Nachdem Sauter schon fast 30 Jahre in der Höhle sein Dasein gefristet hatte, sah er sich nun gezwungen, nochmal 20 Jahre dort zu verbringen.

Erst im Jahr 1785 errichtete Sauter etwa 50 Meter von der Höhle entfernt eine neue Behausung. Auch diese Wohnstätte war armselig. Im Jahr 1802 drohte sie ins Tal zu stürzen. Erst jetzt wurde es Sauter erlaubt, sich im Ort Heiligenberg ein Haus zu bauen. Angeblich leben in dem Ort noch heute Nachkommen von Hans Georg Sauter.

An der Höhle befindet sich ein Infoschild des Heimatvereins Heiligenberg. Unter anderem steht dort geschrieben, dass auch König Friedrich Wilhelm von Preußen die Freundschaftshöhle besucht hat. Das Schild gibt leider keine Auskunft darüber, welcher König Friedrich Wilhelm von Preußen gemeint ist. Vermutlich bezieht sich das Schild auf König Friedrich Wilhelm I. (1797-1888), er hatte in Baden Verwandte und besuchte häufig den Bodensee. Beim Blick auf den Ort Heiligenberg soll der König gesagt haben, der Ort sei „ein Stück vom Himmelreich“. Trotz der Schönheit des Orts sei daran erinnert: Für die Menschen, die auf dem Heiligenberg unter der Adelsherrschaft gelitten haben, war der Ort kein Himmel, sondern eine Hölle.

Übrigens: Auch beim Lesen des Schildes erfährt man nichts darüber, wie die Höhle zu ihrem Namen kam.

Der „FriedWald Heiligenberg“ – ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit
© Stefan Kubon

Im Friedwald

Der Pfad endet nicht an der Höhle. Es lohnt sich, weiterzulaufen: Man passiert zunächst erneut eine Holztrasse, dieses Mal ist sie 25 Meter lang. Dann geht es 2 Minuten bergauf, dabei verlässt man das felsige Gelände. Schnell ist die Bergkante erreicht. Von nun an sind wir in einem Friedwald unterwegs. Auf dem Heiligenberg gibt es zwei davon. Beide umrahmen das Dorf Heiligenberg sehr malerisch. Hier befinden wir uns im „FriedWald Heiligenberg“ (manchmal auch als „FriedWald Amalienhain“ bezeichnet), der andere trägt den Namen „Elisenruhe“.

Um nach Altheiligenberg zu gelangen, wandert man 15 Minuten lang westwärts. Der Weg ist beschildert. Zuvor empfiehlt sich ein kurzer Abstecher zum Bellevueplatz: Entlang der Bergkante steigen wir ostwärts auf einem Pfad in zwei Minuten zu diesem wunderschönen Ort hinauf. Die Aussicht von dort oben ist famos, denn man steht am obersten Rand der hohen Felswand, in der sich die Freundschaftshöhle befindet. An diesem besonderen Platz gibt es auch eine Tafel, auf der eine beschriftete Panoramakarte abgebildet ist. Wer sich fragt, wie die Alpengipfel heißen, die bei guter Fernsicht zu sehen sind, erhält beim Blick auf die Karte die passenden Antworten. Bei mäßiger Sicht kann man zumindest das Schloss und den Bodensee betrachten. Und bei Nebel? Dank der Karte wird immerhin ein Eindruck davon vermittelt, welch großartige Aussicht versäumt wurde.

Der Aussichtspunkt ist zugleich der Andachtsplatz des Friedwalds. Hier befinden sich einige Bänke und ein schlichtes Holzkreuz. Am 11. Mai 2007 wurde der wundervolle Wald, der sich zwischen dem Ort Heiligenberg und der ehemaligen Burgstelle Altheiligenberg befindet, zum Friedwald erklärt. Hier ist die Buche die häufigste Baumart. Vertreten sind zudem: Ahorn, Douglasie, Esche, Fichte, Lärche und Tanne. Besonders malerisch ist, dass es in dem Wald viele große Holunderbüsche gibt. Sie stehen Ende Mai und Anfang Juni in voller Blüte.

Der Andachtsplatz des „FriedWalds Heiligenberg“

Wer sich für eine Bestattung in den Wäldern des Heiligenbergs entscheidet, kann sich einen Baum aussuchen, unter dem die Asche in einer Urne vergraben wird. Am Baum darf ein Namensschild mitsamt Geburts- und Todesdatum angebracht werden. Zudem kann auf dem Schild ein Sinnspruch stehen.

Verhältnis des Christentums zur Waldbestattung

Es ist in Deutschland erst seit der Jahrtausendwende erlaubt, Urnen in Friedwäldern zu bestatten. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit haben die christlichen Kirchen lange Zeit versucht, die Einführung dieser Bestattungsform zu verhindern. Doch seit einigen Jahren wird die Waldbestattung angeblich auch von den christlichen Kirchen positiver gesehen.

Nachdem man die großartige Aussicht genossen hat, geht es auf dem bereits bekannten Pfad zurück zur Abzweigung, die zur Freundschaftshöhle führt. Die Abzweigung lässt man links liegen und folgt geradeaus einem ebenen Pfad, der westwärts durch dichten Buchenwald führt. Bereits nach 100 Metern endet der Pfad an einem gekiesten Fahrweg. Dort biegt man links in einen ebenen Pfad ab. Nach 200 Metern endet der Pfad an einem geschotterten Fahrweg. Hier biegt man links ab.

Nach 100 Metern erreicht man eine Bank, an deren Lehne ein kleines Schild mit einem Zitat von Václav Havel (1936-2011) angebracht ist. Weil ich Havels Kampf für eine bessere Welt stets bewundert habe, freue ich mich jedes Mal, wenn ich diese Bank sehe.

Václav Havel: Der Glaube an eine bessere Welt

Der Menschenrechtler Havel saß wegen seiner politischen Überzeugung mehrere Jahre im Gefängnis. Von seinen vielen lesenswerten Texten haben mich besonders seine Briefe, die er aus dem Gefängnis an seine Frau geschrieben hat, sehr bewegt (Václav Havel: Briefe an Olga, Betrachtungen aus dem Gefängnis, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, erstmals veröffentlicht: 1983). Ich empfinde es als sehr sinnstiftend, dass in diesem Wald mit einem Zitat des Menschenfreunds Havel versucht wird, Trauernden Trost zu spenden. Das Zitat lautet: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

100 Meter nach der Bank steht auf der linken Seite des Wegs ein Gedenkstein für Josef Stötzler. Am 12. Januar 1928 ist Stötzler in diesem Wald tödlich verunglückt. Über die näheren Umstände erfährt man nichts. Nach dem Denkmal wird der Weg kurviger. Zudem geht es jetzt leicht bergab.

An den Bäumen sieht man immer wieder Namensschilder von beerdigten Menschen. Einer dieser Menschen heißt Thomas Rieker. Er hat darauf verzichtet, sein Geburts- und Sterbedatum anzugeben. Dafür findet sich auf seinem Namensschild ein Zitat aus dem Lied „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. Auf dem Schild findet sich die deutsche Übersetzung, sie lautet: „Jenseits der Tür gibt es Frieden, ich bin sicher. Und ich weiß es wird keine Tränen mehr geben im Himmel.“

Der Text dieses Songs gefällt mir. Eine ähnliche Textbotschaft wird von DRACONIAN im Lied „Death, Come Near Me“ auf eine grandiose musikalische Weise zum Ausdruck gebracht. Bei YouTube hier in der Studioversion und hier in einer eindrucksvollen Liveversion zu finden.

Kurz bevor man die ehemalige Burgstelle Altheiligenberg erreicht, geht es durch einen Waldbereich, in dem besonders viele Holunderbüsche wachsen. Danach steigt der Weg leicht an. Anschließend gelangt man auf einer ebenen Forststraße zum Karl-Egon-Platz. Der Platz liegt bereits außerhalb des Friedwalds, doch man ist noch immer von schönem Wald umgeben.

Die ehemalige Burgstelle Altheiligenberg

Direkt südlich des Platzes erhebt sich ein markanter Hügel, auf dem früher die Burg stand. Bei Wikipedia gibt es einen Artikel zu Altheiligenberg. Dort wird der bewaldete und zerklüftete Hügel anschaulich beschrieben: „Der annähernd dreieckige Burgrest liegt auf einem Sporn und war durch die Abhänge des Sporns und einen tiefen Halsgraben geschützt. Der südöstliche Teil des Halsgraben wurde im 19. Jahrhundert durch die Anlage des Karl-Egon-Platzes stark gestört, ist aber noch gut zu erkennen. Auf den Halsgraben folgt eine ebenfalls gestörte Fläche, die eine Art Vorburg bildet. An diese Fläche anschließend, erhebt sich ein Turmhügel, der sich über die ganze Breite der Anlage erstreckt. Der trichterförmige Turmrest hat eine grob rechteckige Form und ist etwa 15 Meter breit. Im Turmrest liegen Mauerreste frei. Um die gesamte Anlage ziehen sich jüngere Wege, so dass genaue Aussagen über die ursprüngliche Form derzeit nicht möglich sind.

Es lohnt sich, die Südspitze des Sporns aufzusuchen. Dazu muss man nicht über den zerklüfteten Hügel steigen. Zur Südspitze gelangt man auch auf einem Waldweg, der an der Westseite des Hügels entlangführt. Nach drei Minuten ist das Ziel erreicht. Dort steht ein Kastanienbaum, links daneben eine Holzhütte. Die Hütte ist frei zugänglich, in ihrem Inneren befinden sich Sitzbänke. An der Außenwand der Hütte ist ein Schild des Heimatvereins Heiligenberg befestigt. Dank des Vereins erfährt man Wissenswertes über die ehemalige Burg. Vor allem stehen auf der Tafel Sachverhalte, die ich bereits erwähnt habe. Eine zusätzliche Info ist diese: Im Jahr 1566 bestand die Ruine Altheiligenberg angeblich noch aus Trümmerresten „von beträchtlichem Umfang“. Von der einst großen Ruine ist leider nur ein kleiner Mauerrest übriggeblieben.

Zudem steht auf dem Schild: „Der Burghügel ist bisher archäologisch nicht erforscht.“ Trotz dieser Aussage ist davon auszugehen, dass auf dem Hügel bereits gewisse archäologische Aktivitäten stattfanden. Denn in der Broschüre von Elisabeth Schnering steht, dass auf dem Hügel „allerlei tierische Knochen und Scherben aus der Pfahlbauten-Zeit (ca. 4000-2000 v. Chr.)“ gefunden wurden. Und im Wikipedia-Artikel zu Altheiligenberg heißt es: „Aus dem Bereich der Burg sind Lesefunde u. a. mittelalterliche und vorzeitliche Keramikscherben, aber auch eine keltische Tüllenpfeilspitze bekannt.“

Altheiligenberg – wunderschön im Wald gelegen
© Stefan Kubon

Ein geheimnisvoller Kraftort

Vermutlich ist das Schild so zu verstehen, dass Altheiligenberg bislang noch nicht systematisch archäologisch untersucht wurde. Auffällig an dem Schild ist auch, dass keine Sachverhalte und Überlegungen, die die vorchristliche Zeit des Heiligenbergs betreffen, erwähnt werden. Folglich wird auch nicht die Frage gestellt, ob sich auf Altheiligenberg eine keltische oder germanische Kultstätte befand, wegen der der gesamte Höhenzug womöglich bereits in heidnischer Zeit seinen sakralen Namen erhielt.

Die Vergangenheit von Altheiligenberg scheint voller Geheimnisse zu sein – und vermutlich werden die meisten Rätsel dieser Anhöhe niemals gelöst. Dank seiner nebulösen Geschichte ist Altheiligenberg ein faszinierender Ort, der die Phantasie anregt. Der Zauber rührt auch daher, dass der Hügel abseits des Trubels unserer modernen Zivilisation liegt. Tatsächlich ist Altheiligenberg wegen seiner Abgeschiedenheit, Ruhe und Stille ein besonderer spiritueller Kraftort. Hier kann man sehr intensiv erleben, was typisch für den gesamten Heiligenberg ist: Das harmonische Zusammenwirken von Natur und Kultur.

Bei einer Wanderung von Heiligenberg durch den Friedwald nach Altheiligenberg wird die Seele des Menschen fast zwangsläufig von existenzialistischen Gedanken durchflutet. Und die magische Aura des Heiligenbergs ist wie geschaffen dafür, dass diesem Gedanken ihre bedrohliche Dimension genommen wird. Dieser Ort eignet sich bestens dazu, schwere Gedanken auf eine tiefgründige Weise zu betrachten. Dadurch werden diese Gedanken mitunter leichter. Denn Tiefe, also das Denken in größeren Zusammenhängen, ist kein Widerspruch zur Leichtigkeit – im Gegenteil! Im Idealfall verlieren schwere Gedanken durch diese Tiefenerfahrung ihr bedrohliches Gewicht. Es findet eine Katharsis statt, die zu einer seelischen Befreiung führt.

Aussicht genießen, Schutzengel schonen

Für die gewünschte Katharsis ist es womöglich hilfreich, dass Altheiligenberg nicht nur von dichtem Wald umgeben ist. Tatsächlich weist das Dickicht genau an der Hütte eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Lücke auf. Symbolisch gesprochen: Gedanken können durch die Lücke entweichen, hoffentlich nicht die falschen!

Dank der Lücke kann man den Blick ostwärts in die Ferne schweifen lassen: Durch eine tiefe, grüne Waldschneise blickt man auf das malerische Schloss Heiligenberg. An beiden Rändern der Schneise stehen viele schöne Bäume – auch deshalb ist die Aussicht wahrlich märchenhaft!

Altheiligenberg bietet eine großartige Aussicht auf Schloss Heiligenberg.
© Stefan Kubon

Von der Hütte führt ein Pfad nach Norden in den von Gräben und Wällen durchzogenen Kernbereich des Hügels. Wer dem Pfad folgt, gelangt nach 50 Metern an den bereits erwähnten Trichter. Das kleine Mauerstück des ehemaligen Burgturms befindet sich im östlichen Bereich der Vertiefung. Der Pfad endet hier. Wer es abenteuerlich mag, kann sich weglos nach Norden zum Karl-Egon-Platz durchschlagen. Bis dorthin sind es zwar nur 100 Meter, aber sie führen mitunter durch sehr steiles Gelände. Wer seinen Schutzengel nicht stressen will, wandert am besten nach der Betrachtung des Mauerstücks auf dem bekannten Weg zum Karl-Egon-Platz zurück.

Das einzige Mauerstück, das von der Burg Altheiligenberg übrigblieb.
© Stefan Kubon

Die Schwedenschanze

Vom Karl-Egon-Platz kann man noch zu einem anderen faszinierenden Bergvorsprung wandern. Der Vorsprung trägt den Namen Schwedenschanze (735 m). Zur Geschichte des Orts gibt es einen Wikipedia-Artikel. Angeblich stand auch auf diesem Sporn des Heiligenbergs im Mittelalter eine Burg. Sie wurde wahrscheinlich zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert errichtet. Bezüglich der Burg gibt es keine schriftlichen Quellen. Die Bauherren waren vermutlich die Grafen von Frickingen. Von der Burg ist heute nicht mehr viel zu sehen, Mauerreste sucht man vergeblich. Trotzdem ist davon auszugehen, dass hier einst eine sehr große Festungsanlage stand, denn die noch vorhandenen Wälle und Gräben sind sehr markant.

Ein Militärstützpunkt im 30-jährigen Krieg?

Der Artikel gibt auch Auskunft darüber, warum der Bergvorsprung Schwedenschanze heißt. Früher wurde angenommen, dass die Wälle und Gräben Relikte einer Festungsanlage sind, die im 30-jährigen Krieg von den Schweden gebaut wurde. Angeblich hat sich diese Annahme als Irrtum erwiesen.

Tatsächlich wurde früher die Schwedenschanze mit dem Grauen des 30-jährigen Kriegs in Verbindung gebracht. In einem Wanderführer aus dem Jahr 1979 (Erhard Koch: Rundwanderungen im Bodenseeraum, Band 2, Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen) heißt es bezüglich der Schwedenschanze: „Im 30jährigen Krieg, besonders in den Jahren 1632 und 1634, wurde der untere Linzgau von den Schweden schwer heimgesucht. Auf einem vorgeschobenen, gratförmigen Rücken hatten sie ein von Gräben und Wällen umgebenes Lager unter dem schwedischen Heerführer Horn. Drei Wochen belagerten sie vergebens die Reichsstadt Überlingen und verbrannten die Dörfer Frickingen, Altheim und Weildorf.“ Zudem wird in der Broschüre der Kurverwaltung Heiligenberg die Vermutung geäußert, dass im 30-jährigen Krieg auf der Schwedenschanze Kämpfe stattfanden.

Eine ehemalige Festung der Kelten?

Wikipedia bestreitet nicht nur, dass die Anhöhe im 30-jährigen Krieg von schwedischen Truppen genutzt wurde. Ferner wird ausgeschlossen, dass die Festungsanlage einen vorgeschichtlichen Ursprung hat: „Der volkstümliche Name Schwedenschanze bezieht die Anlage dagegen fälschlicherweise auf den Dreißigjährigen Krieg. Die ältere Forschung betrachtete die Anlage (ebenfalls zu Unrecht) noch als vorgeschichtlichen Ringwall.

Zurzeit deutet also nichts darauf hin, dass die Festungsanlage von Kelten oder Germanen gebaut wurde. Trotzdem steht auf der Homepage der Gemeinde Heiligenberg, dass sich an dem Ort einst ein keltischer Ringwall befand. Zudem wird die bereits erwähnte Vermutung geäußert, dass dort im 30-jährigen Krieg gekämpft wurde. Wer weiß, vielleicht findet man irgendwann noch Belege dafür, dass sich auf der Anhöhe nicht nur im Mittelalter, sondern auch davor und danach eine Festung befand.

Die Schwedenschanze ist ein ähnlich zauberhafter Ort wie Altheiligenberg. Beide Orte liegen tief im Wald verborgen. Die Schwedenschanze bietet sogar noch mehr Einsamkeit. Trotzdem ist der Weg dorthin leicht zu finden, denn er ist beschildert. Am Karl-Egon-Platz folgt man der gekiesten, leicht ansteigenden Forststraße 100 Meter nach Nordosten. Dann wird eine T-Kreuzung erreicht. Wir biegen rechts ab und wandern auf einer geschotterten Forststraße bergauf. Nach 200 Metern wird der breite Weg verlassen: Man biegt rechts ab, auf einem Pfad geht es einen steilen Hang hinauf. Nach 100 Metern wird ein anderer Pfad erreicht, wir biegen links ab. Dieser Pfad führt in 40 Minuten zur Schwedenschanze.

Man spaziert immer am oberen Rand des Frickinger Tobels entlang. Alte verwitterte Grenzsteine flankieren den Weg. Auch diese Steine verdeutlichen, dass in früheren Zeiten der südliche Steilabfall des Heiligenbergs regelmäßig dazu diente, Herrschaftsansprüche zu demonstrieren.

Ein zauberhafter Pfad führt zur Schwedenschanze.
© Stefan Kubon

Auf einsamem Pfad durch ein Märchenreich

Der Weg ist wunderschön. Während der ganzen Strecke wandert man auf einem naturbelassenen, weichen Waldboden. Der windungsreiche Pfad führt tunnelartig durch dichte, schattige Jungwälder, aber auch durch offene, lichtgeflutete Hochwälder. Stets ist die Buche die vorherrschende Baumart. Gelegentlich säumen Heidelbeersträucher den Weg, mitunter muss man stacheligen Himbeerranken ausweichen. An lichten Stellen blüht im Frühsommer der Fingerhut. Der Waldboden ist oft von wundervollen, grünleuchtenden Grasflächen bedeckt. Mächtige Farne wachsen entlang des Weges, Schmetterlinge schweben vorbei. Kein Zweifel: Der Pfad führt durch ein Märchenreich!

Der Wald ist zumeist dicht gewoben, nur selten sieht man über den Abhang hinweg in die Ferne. Dafür sind die wenigen Ausblicke grandios: Zunächst beeindruckt das riesige Waldgebiet des Frickinger Tobels. Dahinter erstreckt sich die epische Szenerie des Salemer Tals, des Bodensees und der Alpen. Es lohnt sich, den Tobel genau zu betrachten, denn über den Steilhängen kreisen oft Rote Milane, bisweilen auch Mäusebussarde. Mit etwas Glück kann man erleben, wie die wildromantische Stimmung der großartigen Landschaft durch die Flugkünste und Rufe dieser faszinierenden Vögel noch gesteigert wird. Falls keine imposanten Greifvögel zu sehen oder zu hören sind: Durch die zerklüfteten Hänge der tiefen Schlucht schallen regelmäßig wundervolle Singvogelrufe. Die magische Welt des Heiligenbergs ist wirklich sehr vielfältig, man kann kaum genug davon bekommen.

200 Meter vor der Schwedenschanze biegt der Weg nach links ab. 20 Meter nach der Linkskurve hat man einen bezaubernden Blick nach Südosten: Über die endlos wirkenden Wälder des Frickinger Tobels hinweg sieht man bis zum Schloss Heiligenberg. Bislang führte der Weg nahezu eben dahin, doch nun geht es zwei Minuten lang steil bergab. Dann hat man die Schwedenschanze erreicht.

Schloss Heiligenberg und die tiefen Wälder des Frickinger Tobels
© Stefan Kubon

Noch mehr Wissenswertes zur Schwedenschanze

Am Fuß des langgestreckten Hügels der Schwedenschanze steht eine Infotafel des Heimatvereins Heiligenberg. Der Verein bezeichnet die einstige Festungsanlage als Frickinger Ringburg. Die Burg soll angeblich im 9. Jahrhundert von den Grafen von Frickingen errichtet worden sein. Die Aussage entspricht im Wesentlichen dem Wikipedia-Artikel zur Schwedenschanze.

Der Tafeltext beinhaltet auch Sachverhalte, die nicht bei Wikipedia stehen. Zum Beispiel steht auf der Tafel: „Auf diesem Plateau stand sicher keine großartige steinerne Burg. Die Gebäude waren wohl als Blockhütten errichtet.“ Eine interessante Ergänzung ist auch diese Anmerkung: „Dieser in fälschlicher Weise im Volksmund als Schwedenschanze genannte Platz diente wahrscheinlich schon in der Spätantike (4.Jahrhundert) den Lentiensern (römischer Name der Linzgauer) als Rückzugsplatz bei Angriffen durch die Römer.“ Der Verein geht also auch nicht davon aus, dass die Anhöhe im 30-jährigen Krieg von den Schweden genutzt wurde. Dafür wird angenommen, dass der Platz in der Spätantike bei Kämpfen zwischen Römern und Germanen eine Rolle spielte. Zur Frage, ob der Ort bereits von den Kelten genutzt wurde, äußert sich der Text nicht.

Der Heimatverein und Wikipedia weisen darauf hin, dass der Bergvorsprung noch nicht archäologisch erforscht wurde. Trotzdem gibt es nach Wikipedia zwei Funde: Es gibt Scherben, die vermutlich aus dem Zeitraum zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert stammen. Zudem hat man ein Bruchstück einer steinzeitlichen Feuersteinklinge gefunden.

Sollte die Anhöhe irgendwann noch systematisch archäologisch erforscht werden, könnte das sehr spannend werden. Ein Schwertfund aus der Zeit des 30-jährigen Kriegs könnte möglicherweise die These untermauern, dass der Volksmund doch recht hat, wenn er den Ort als Schwedenschanze bezeichnet.

Kulturhistorisch noch bedeutsamer wäre es zweifellos, wenn man ein keltisches Schwert finden würde. Dadurch würde nicht nur die These vom keltischen Ringwall Auftrieb erhalten. Gleichzeitig würde ein derartiger Fund die Vermutung stützen, dass sich hier ein Kultplatz der Kelten befand. Denn zu den Opfergaben der Kelten an die Götter gehörten mitunter auch Schwerter.

Bislang hat man im Bereich der Schwedenschanze angeblich nur eine Scherbe aus keltischer Zeit gefunden. Ein derartiger Fund dient freilich nicht einmal ansatzweise als Beweis dafür, dass sich an dieser Stelle des Heiligenbergs ein Ringwall oder ein Kultplatz der Kelten befand. Als Resümee bleibt festzuhalten, dass die Schwedenschanze in kulturhistorischer Hinsicht vor allem ein mysteriöser Ort ist.

Über Wälle und Gräben

Der Bergrücken der Schwedenschanze ist 250 Meter lang und 50 Meter breit. Bei der Begehung des Geländes sollte man Vorsicht walten lassen! Zum einen sind die zahlreichen Wälle und Gräben mitunter sehr steil. Zum anderen bricht der südöstliche Rand des Bergrückens sehr jäh in den Frickinger Tobel ab. Weniger steil ist der nordwestliche Abhang der Schwedenschanze. Hier verläuft ein Pfad, auf dem man das ehemalige Burggelände gefahrlos durchqueren kann. Man kann den Bergrücken auch entlang seiner höchsten Punkte erkunden, jedoch ist dort nur gelegentlich ein Pfad erkennbar. Wer diese Route wählt, durchquert vier Gräben. Die Gräben sind nicht gleich tief. Die niedrigsten Grabenwände sind ein Meter hoch, die höchsten sechs Meter.

Auf dem Bergrücken der Schwedenschanze
© Stefan Kubon

Auch im Gebiet der Schwedenschanze wachsen vor allem Buchen. Zumeist wandert man durch Hochwald. Nur auf der oberen Route gibt es ein paar wenige Meter, wo man sich durch dichten Jungwald kämpfen muss. Bei dieser Route gelangt man an einen Platz, der eine schöne Aussicht nach Osten bietet. Der Blick reicht über den Tobel hinweg bis zum Schloss Heiligenberg. Allerdings ist die Aussicht in den letzten Jahren stetig zugewachsen. Auch hier gilt: Die Sichtverhältnisse am oberen Rand der Schlucht verändern sich ständig. Während die Waldlücken mancherorts kleiner werden, werden sie andernorts größer. Für Letzteres sorgen auch Erdrutsche und Stürme.

Zurück zum Ort Heiligenberg gelangt man am besten auf dem bereits bekannten Pfad. Nach 40 Minuten ist die Abzweigung erreicht, an der man von Altheiligenberg hinaufkam. Die Abzweigung wird ignoriert, es geht geradeaus weiter. Hier und im weiteren Verlauf folgt man immer dem Wegweiser nach Heiligenberg. Der Pfad schlängelt sich noch zehn Minuten durch den Wald. Schließlich endet der Pfad an einem geschotterten Fahrweg, der am Waldrand entlangführt. Dem Weg folgt man nach rechts. Nach 200 Metern erreicht man eine Bank, die sich an einer Gabelung befindet. Dort biegen wir rechts ab, die gekieste Straße führt sofort in den Friedwald Heiligenberg hinein. Man wandert noch fünf Minuten durch den Wald, dann ist der Ortsrand von Heiligenberg erreicht. Hier befindet sich ein Parkplatz. Eine große Schautafel erläutert das Konzept des Friedwalds. Zur Ortsmitte an der alten Linde sind es noch zehn Minuten.

Der zauberhafte Weg zur Klause Egg

Von der alten Linde am Postplatz kann man in 20 Minuten zur Klause Egg wandern. Der Weg dorthin ist beschildert. Die Eremitage liegt malerisch inmitten des südlichen Steilabfalls des Heiligenbergs auf einer einsamen Waldlichtung. Die Ursprünge des kleinen Klosters liegen im Mittelalter. Vom Postplatz geht man zunächst auf einem breiten, gekiesten Weg bergab zum Schloss. Die sogenannte Kastanienallee führt am östlichen Rand des Vorhof-Gebäudes entlang. Das wuchtige Bauwerk wurde im späten 17. Jahrhundert errichtet, es fungiert wie ein Sperrriegel zum eigentlichen Schloss. Nach 100 Metern ist die nordwestliche Ecke des Schlossparks erreicht (seit einigen Jahren ist der Park leider nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich). Hier biegt man links ab. Auf einem ebenen Fußweg wandert man am Nordrand des Parks entlang. Nach 200 Metern ist das nordöstliche Ende des Parks erreicht.

Das Schweizer Haus

Am Parkende kreuzen sich mehrere Wege. Man wählt den Weg, der nach rechts führt. Zunächst geht es 100 Meter leicht bergab. Nach einer Rechtskurve wird der Weg zum Hohlweg. Nun geht es steil bergab. Der ständig tiefer werdende Hohlweg endet nach 100 Metern am sogenannten Schweizer Haus – der Baustil dieses Gebäudes entspricht dem Berner Landhausstil. Auf der Homepage der Gemeinde Heiligenberg findet man Infos zur Geschichte des Bauwerks: Seit dem Jahr 1834 steht dieses große Holzhaus am Südhang des Heiligenbergs. Errichtet wurde das mehrstöckige Gebäude von der Familie Fürstenberg. Das Haus diente im Lauf seiner Geschichte nicht nur landwirtschaftlichen Zwecken. Von 1977 bis 2008 fungierte es als Wohnung und Werkstatt einer Geigenbauerfamilie.

Die Lage des Hauses ist sehr eindrucksvoll, es steht aussichtsreich am Rand prächtiger Buchenwälder. Nach Süden sieht man über die wunderschöne Landschaft des Linzgaus hinweg bis zum Bodensee. Wenn man nach Westen blickt, thront imposant das Schloss über der bezaubernden Gegend des Salemer Tals.

Efeu, Farne, Felsen – und ein verborgener Kreuzweg

Am Schweizer Haus verlässt man den geschotterten Fahrweg nach links: Ein ansteigender, wenige Meter langer Pfad führt zum Fuß einer Nagelfluh-Felswand. Hier biegt man rechts ab, nach wenigen Schritten beginnt der 500 Meter lange Kreuzweg zur Klause Egg. Der Pfad verläuft immer wieder am unteren Rand imposanter Felswände. In den Felsen befinden sich Relieftafeln, auf denen die klassischen Stationen der Leiden Christi abgebildet sind. Die Tafeln sind dezent gestaltet, sie fügen sich harmonisch in die Natur ein.

Eine Texttafel informiert über die Geschichte der Relieftafeln des Kreuzwegs: Die Tafeln wurden im Jahr 1882 fertiggestellt. Gestaltet wurden sie von Franz Xaver Reich und Paul Sayer. Der verwendete Stil ist neoklassizistisch. Zunächst befanden sich die Tafeln in der Schlosskapelle. Im Jahr 1927 befestigte man sie im Felsgestein entlang des Weges zur Klause Egg. Weil drei Tafeln gestohlen wurden, entfernte man die restlichen. Die Tafeln, die entlang des Weges zu sehen sind, sind Nachbildungen.    

Der Kreuzweg oberhalb der Klause Egg
© Stefan Kubon

Obwohl es ein Kreuzweg ist, weist der Pfad keine besonderen Steigungen auf. Manchmal geht es leicht bergauf, dann wieder bergab. Der Pfad ist nicht sehr windungsreich, trotzdem besitzt er einige markante Krümmungen. Die Richtungswechsel zaubern eine verwunschene Aura, denn man weiß ja nie, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt. Der Pfad wirkt sehr geheimnisvoll. Abgeschiedenheit und Stille zeichnen ihn aus. Die Felswände und die Relieftafeln sind oft malerisch von Efeu und Farnen überwuchert. Voller Anmut zieht sich der wildromantische Pfad durch den von prachtvollen Buchen bewachsenen Steilhang.

Über die Jakobsleiter ins Paradies

Der Kreuzweg endet an der sogenannten Jakobsleiter. Bei dieser “Leiter“ handelt es sich um einen sehr steilen Steig, der aus 95 Stufen besteht. Abwärts führt der Steig nach wenigen Metern zur Klause Egg. Aufwärts gelangt man an die obere Kante des Steilabbruchs des Heiligenbergs. Das obere Ende der Jakobsleiter markiert zugleich den Übergang in den zweiten Friedwald von Heiligenberg, der den Namen Elisenruhe trägt. Auch dieser Wald ist wunderschön. Er besteht vor allem aus Buchen, dort wachsen aber auch Ahorne, Linden, Lärchen und Douglasien. Dieser Friedwald existiert seit dem 8. Mai 2015. Nach dem Besuch des Walds kann man entlang eines aussichtsreichen Weges, der von imposanten alten Linden flankiert wird, zurück nach Heiligenberg wandern. Vom oberen Ende der Jakobsleiter bis nach Heiligenberg benötigt man 15 Minuten.

Führt nach oben ins Licht – die Jakobsleiter
© Stefan Kubon

Im Christentum wird die Jakobsleiter auch als Himmelsleiter bezeichnet. Die Bibelgestalt Jakob soll die Leiter in einer Traumvision erblickt haben. Die Leiter verbindet Himmel und Erde miteinander. Dank der Verbindung können gottgefällige Menschen nach dem Tod in den Himmel gelangen. Zudem können Engel über die Leiter zur Erde hinabsteigen. Nach der christlichen Mythologie haben wir es also auch der Jakobsleiter zu verdanken, dass Menschen mit Schutzengeln gesegnet sind. (Filmtipp: Der faszinierende Film „Jacob´s Ladder – In der Gewalt des Jenseits“ orientiert sich an der christlichen Vorstellung der Jakobsleiter.)

In der diesseitigen Welt des Heiligenbergs verbindet die Jakobsleiter den Friedwald Elisenruhe mit der Klause Egg. Eine Tafel bei der Klause informiert über die Geschichte des Orts: Die Ursprünge der Eremitage gehen auf das Jahr 1256 zurück. Die Kapelle wurde 1278 geweiht. Mönche des Zisterzienserordens lebten an diesem Ort bis 1637. Bis 1782 wurde das Gebäude landwirtschaftlich genutzt. 1919 zogen wieder Zisterziensermönche in die Klause ein. Seit 1971 wohnen dort Nonnen des Trappistenordens.

Auf der malerischen Lichtung der Klause befinden sich an mehreren Stellen imposante Nagelfluh-Felsbrocken. Sie sind zum Teil mit Moosen und Farnen bewachsen. Sogar im Garten der Klause liegen einige Felsbrocken. Am Südrand der Lichtung steht eine riesige Linde, östlich des Giganten stehen einige alte Apfelbäume. Im westlichen Bereich der Lichtung hat man eine bezaubernde Aussicht auf das Salemer Tal, den Bodensee und die Alpen. Die Lichtung ist von einer friedlichen Stimmung erfüllt. Auch dieser Ort des Heiligenbergs wirkt sehr magisch.

Auf einer Lichtung im Wald verborgen liegt die Klause Egg.
© Stefan Kubon

Ein schreckliches Ereignis

Es ist besonders verstörend, wenn an einem einsamen und friedlichen Ort Schreckliches passiert. Dies geschah am 2. Februar 2021 an der Klause. Ein 30-jähriger Mann schlug einer 80-jährigen Ordensschwester mit einer Glasflasche ins Gesicht. Bei seinem Angriff erklärte der Mann, er wolle sich umbringen. Durch den Angriff wurde die Frau so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus musste. Als die Polizei am Tatort eintraf, war der Gewalttäter bereits verschwunden.

Einige Stunden später versuchte er in Röhrenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Heiligenberg, eine Kirche anzuzünden. Dies gelang ihm nicht. Jedoch schaffte er es, einen Schuppen nahe der Kirche in Flammen aufgehen zu lassen. Als er ins Feuer gehen wollte, um sein Leben zu beenden, versuchten mehrere Polizisten, ihn daran zu hindern. Trotz Gegenwehr gelang es den Polizisten, den verzweifelten Menschen zu überwältigen. Ob der Mann aus religiösen Motiven handelte, ist unklar. Vermutlich litt er unter psychischen Problemen. Die Nonne hat sich von dem Angriff erholt, ihr Krankenhausaufenthalt war nicht von langer Dauer. (Barbara Baur: Mann schlägt 80-Jährige und legt Feuer bei Kirche, in: Schwäbische Zeitung, 4. Februar 2021, S.16.)

Durch herrliche Wälder nach Betenbrunn

Von der Klause Egg kann man in 40 Minuten zum sehenswerten Dorf Betenbrunn (766 m) wandern. Der Weg dorthin ist beschildert. Zunächst führt der Weg an den Ostrand der Lichtung, dann taucht man in einen wunderschönen Buchenwald ein. Der windungsreiche Weg führt durch abgeschiedene Wälder, deren Stille verzaubert. Obwohl man nicht auf einem schmalen Pfad, sondern auf einer gekiesten Forststraße unterwegs ist, offenbart der Weg ein intensives Naturerlebnis. Die Strecke verläuft knapp unterhalb der obersten Hangkante des Heiligenbergs.

Nach 35 Minuten verlässt man das tiefe Grün des Waldes und erreicht zugleich die Hangkante. Hier verläuft eine schmale, geteerte Straße, der man nach rechts folgt. Nach 5 Minuten ist das kleine Dorf Betenbrunn erreicht.

Christlicher Wallfahrtsort mit keltischen Wurzeln

Der Ort liegt malerisch in einer sanften Wiesensenke auf der Hochfläche des Heiligenbergs. Sehenswert an Betenbrunn ist besonders die Wallfahrtskirche St. Maria. Vor der Kirche steht eine alte Linde (vor wenigen Jahren stand hier noch eine zweite alte Linde). Neben dem eindrucksvollen Baum befindet sich ein Brunnen, in dessen Mitte auf einem hohen Sockel eine Marienfigur steht. Die Kirche ist von einer Mauer und einem Friedhof umgeben. Von außen wirkt die Kirche eher schlicht, gleichwohl präsentiert sich die Innenausstattung prunkvoll. Sie ist überwiegend in der Barockzeit entstanden.

Der Ort Betenbrunn hatte vermutlich schon zur Zeit der Kelten eine heilige Bedeutung.
© Stefan Kubon

Im Buch „Magischer Bodensee“ von Kurt Derungs steht einiges über den Ort Betenbrunn: Hier befand sich vermutlich schon zur Zeit der Kelten ein Brunnen, der als heilig galt. Der Ortsname deutet darauf hin, dass an dieser Kultstätte die drei Beten verehrt wurden. Die drei Beten waren weibliche Gottheiten, in der keltischen Glaubenswelt betrachtete man sie als die Betreuerinnen der Toten. Teilweise wurde die religiöse Bedeutung dieser Göttinnen ins Christentum integriert, nicht zuletzt an der Verehrung Marias zeigt sich dies. Dass hier eine Marienkirche steht, scheint also auch in den keltischen Wurzeln des Heiligenbergs begründet zu sein.

Derungs weist darauf hin, dass im Jahr 1275 in einer Urkunde erstmals eine Kirche in dem Ort erwähnt wird. Der Autor bezieht sich bei seinen Ausführungen auch auf den Kunstführer „Betenbrunn“ von Elfriede Schulze-Battmann (Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich 1983). Dank der Autorin erfährt man Folgendes: Bereits am Ende des 14. Jahrhunderts musste eine neue Kirche errichtet werden, weil die vorherige baufällig war. Zwischen 1414 und 1586 diente die Kirchengruft als Grabstätte der adeligen Besitzer von Schloss Heiligenberg. Während der Wirren des 30-jährigen Kriegs wurde die Wallfahrtsmadonna beschädigt und der Taufstein umgeworfen. Vermutlich im späten 17. Jahrhundert erhielt die Kirche eine barocke Ausstattung. In den folgenden drei Jahrhunderten erfolgten im Innenraum der Kirche einige Umgestaltungen. Glücklicherweise ist der harmonische barocke Grundcharakter des Raums erhalten geblieben.

Der Monolith von Betenbrunn – ein heidnischer Kultstein?

Faszinierend an der Kirche ist auch der sogenannte Monolith von Betenbrunn. Der Stein ragt aus der Wand einer Seitenkapelle der Kirche heraus. Wie groß der eingemauerte Teil des Steins ist, ist unbekannt. Der Monolith steht 20 cm aus der Wand heraus, sein Durchmesser beträgt 60 cm. Der Stein weist vor allem eine rötliche Farbe auf, zum Teil befinden sich auf ihm auch weiße Linien. Zu dem Stein gibt es einen Wikipedia-Artikel. In dem Artikel wird in Betracht gezogen, dass der Monolith ein Menhir sein könnte. Es könnte sich also um einen Stein handeln, der bereits in vorgeschichtlicher Zeit für die Menschen eine besondere Bedeutung hatte.

Kurt Derungs äußert die Vermutung, dass der Monolith vor der Christianisierung ein heidnischer Kultstein war. Nach Derungs könnte es zudem sein, dass dieser Kultstein in die Kirchenmauer integriert wurde, um auf dem Heiligenberg den Übergang vom Heidentum zum Christentum möglichst friedlich zu gestalten. Bei seinen Ausführungen weist Derungs auch auf die markante Kerbe des Steins hin. Die Kerbe ist so groß, dass man eine Hand hineinlegen kann. Bei seinen Überlegungen betont der Autor auch die rötliche Farbe des Steins: „Überhaupt ist ja der rötliche Kultstein viel älter als der Glaubenskrieg im 17. Jahrhundert oder die Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert. Ähnliche Steine mit roter Farbe wurden in Europa als Braut- oder Rechtssteine bezeichnet. Und nicht zuletzt weist die rötliche Kerbe darauf hin, dass es sich um einen weiblichen Kultstein mit einer Schoßöffnung handelt, in die das Volk die Hand hineinstreckte. Eine solche Berührung des Ahninnensteines bewirkt Segen und Glück. Vielleicht war es dieses mythische Ritual, das der Kirche nicht ganz geheuer war. Andererseits wurde der Stein in die Kirchenmauer eingelassen und nicht einfach zerschlagen, wie wir es von vielen Kultsteinen in Europa kennen. Das hätte wohl dem Frieden im Dorf geschadet. Zudem hat man ihn in der Weise eingemauert, dass die rötliche Öffnung sichtbar blieb.“

Der Monolith von Betenbrunn wirkt geheimnisvoll. Der Stein ist auch ein starkes Symbol für die faszinierende kulturhistorische Aura und den beeindruckenden Naturzauber des gesamten Bergs. Zudem veranschaulicht der Stein sehr deutlich: Die Magie des Heiligenbergs besteht vor allem darin, dass hier zwischen den Sphären der Kultur und Natur eine harmonische Verbindung besteht.

Über die Amalienhöhe zurück nach Heiligenberg

Man kann auf einem anderen Weg als dem Hinweg zum Ort Heiligenberg zurückwandern. Die Alternativroute dauert 45 Minuten, sie führt über den großartigen Aussichtspunkt Amalienhöhe (788 m). Der Weg ist beschildert, er verläuft auf der Hochfläche des Bergs. Die Landschaft besteht aus Wiesen, Feldern und Wäldern. Man spaziert zumeist auf relativ breiten, geschotterten Wegen. Der Weg zur Amalienhöhe ist nicht sehr anstrengend, es sind nur kleine Anstiege zu bewältigen. Die Anhöhe bietet eine wahrlich epische Rundsicht, wobei auch hier der Blick auf den See und die Alpen besonders beeindruckend ist.

Nachdem man das grandiose Panorama genossen hat, geht es noch 15 Minuten leicht bergab – dann ist der markante Endpunkt der Wanderung erreicht: die alte Linde am Postplatz in Heiligenberg. Die Amalienhöhe liegt übrigens nur 200 Meter von einer Straße entfernt, die die Orte Betenbrunn und Heiligenberg miteinander verbindet. Man kann also auch mit wenig Anstrengung zu dem famosen Aussichtspunkt gelangen.

Meine Faszination für den Heiligenberg

Mein Bericht über die Sehenswürdigkeiten des Heiligenbergs endet hier. Es wurde sicher auch deutlich, dass ich mich diesem Berg und dem dazugehörigen See sehr verbunden fühle. Wie lässt sich diese Verbundenheit erklären? Dass ich in dieser Region aufgewachsen bin, ist keine ausreichende Erklärung. Vor allem lässt sich meine Verbundenheit dadurch erklären: Die Kulturgeschichte und die Natur der Region sind äußerst interessant. Und viele Dinge, die es hier zu sehen gibt, sind nicht nur interessant – sie sind auch wunderschön. Sehenswürdigkeiten der Kulturgeschichte und der Natur haben mich schon immer angezogen. Die Bodenseeregion und ich – das passt einfach perfekt zusammen.

Wann begann meine Begeisterung für die Region?

Als Jugendlicher habe ich die Region zumeist mit dem Fahrrad erkundet. Bei meinen Ausflügen zogen mich vor allem Burgruinen an, besonders wenn sie tief im Wald lagen. Im tiefen Wald über die Frage „Was hat sich hier wohl früher alles ereignet?“ nachzudenken, empfand ich als faszinierend. Eine versunkene Welt tat sich auf – und diese Welt hatte eine mächtige Sogwirkung auf mich. Das „Eintauchen“ in die Vergangenheit fühlte sich magisch an. Insofern überrascht es nicht, dass ich mich bereits in meiner Jugend für den Heiligenberg begeistert habe. Denn ehemalige Burgplätze, die tief im Wald liegen, gibt es hier ja auch.

Aussicht auf den Bodensee und die Alpen nahe des Orts Betenbrunn
© Stefan Kubon

Im Alter von 12 Jahren habe ich beim Blick auf meine Radwanderkarte das Wort Heiligenberg entdeckt. Vermutlich war es die religiöse Wortbedeutung, die mein Interesse weckte. Als Kind und Jugendlicher verknüpfte ich mit dem Wort „heilig“ viele positive Dinge. Und obwohl „heilig“ ein Wort ist, das häufig von Psychopathen missbräuchlich verwendet wird, ist dieses Wort für mich noch immer positiv konnotiert.

Generell liegt die positive Konnotation des Begriffs „heilig“ sicher auch daran: Mit diesem Begriff wird die Vorstellung des „Heilwerdens“ assoziiert. Viele Menschen nehmen ihr Leben als leidvoll wahr, sie sehnen sich danach, „heil zu werden“. Auch ich hatte in meinem Leben oft das Gefühl, dass es viele Dinge gibt, die „heilwerden“ sollten. Das Gefühl des Weltschmerzes ist sicher ein Teil meiner seelischen Grundbefindlichkeit. Daher: Ortsnamen, die das Wirken einer „heilenden“ Kraft suggerieren, zogen mich vermutlich schon als Kind magisch an.

Worte voller Symbolkraft: „heilig“ und „Berg“

Das Wort „heilig“ besitzt eine große Symbolkraft, gleiches gilt für das Wort „Berg“. Beide Begriffe symbolisieren das Erhabene und das Göttliche. In ihrem Zusammenspiel wirken beide Wörter besonders stark, weil sie etwas sehr Mächtiges in zwei wichtigen Sphären symbolisieren: zum einen in der Sphäre der Kultur, zum anderen in der Sphäre der Natur. Insofern ist es verständlich, dass das Bild vom „heiligen Berg“ in der Symbolgeschichte der Menschheit eine sehr große Rolle spielt. (Musiktipp: Im Lied „Lyfjaberg (Healing Mountain)“ von WARDRUNA wird das Motiv vom heiligen Berg, der uns Menschen heilwerden lässt, sehr eindrucksvoll dargestellt.)

Offensichtlich führten viele Faktoren dazu, dass ich mich schon früh in meinem Leben für den Heiligenberg begeistert habe. Mit 14 Jahren war ich zum ersten Mal in den tiefen Wäldern des Bergs unterwegs. Es war wundervoll, eine besondere Kraft entfaltete sich dort oben. Diese Kraft war für mich wie ein Schutzschild gegen die zahlreichen Zumutungen der Welt. In den Wäldern öffneten sich mir Natur- und Kulturwelten, die zauberhaft und heilsam wirkten. Bis zum heutigen Tag ist der Heiligenberg für mich ein Sehnsuchts-, Zufluchts- und Heilungsort geblieben.

Abendlicher Blick vom Berg „Höchsten“ zum Heiligenberg
© Stefan Kubon

Beim ersten Besuch waren es vor allem abstrakte Impulse, die dazu führten, dass ich diesen „heiligen“ Berg besuchte. Danach sorgten eher die konkreten und schönen Kultur- und Naturerlebnisse dafür, dass es mich immer wieder dort hinaufzog. Ich hätte den Heiligenberg sicher kein zweites Mal besucht, wenn dies ein hässlicher Ort gewesen wäre. Daran hätte auch der magisch klingende Name nichts geändert.

Gedankenreise

Wenn ich heute den Heiligenberg besuche, reise ich noch immer gerne gedanklich in die Vergangenheit. Diese Gedankenreise ist eine Art Ritual für mich. Nach dieser Reise spüre ich ein Gefühl der Dankbarkeit in mir. Mein Dank richtet sich an alle Menschen, die sich im Lauf der Geschichte dafür eingesetzt haben, unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zudem ist am Ende dieser Gedankenreise mein Glaube daran gestärkt, dass es gewisse moralische Werte gibt, für die es sich zu leben und zu kämpfen lohnt.

Aussicht vom Gipfel des „Höchsten“: Hinter dem langen Höhenrücken des Heiligenbergs geht die Sonne unter.
© Stefan Kubon

 

Chronologische Geschichte der Bodenseeregion

14000 bis 8000 v. Chr.: Bereits am Ende der Altsteinzeit leben Menschen in den eisfreien Gebieten der Region. Die Menschen sind Jäger und Sammler, sie ziehen in kleinen Gruppen umher.

8000 Jahren v. Chr.: Ende der letzten Eiszeit (Würmzeit).

8000–6000 v. Chr.: Mittelsteinzeit. Die Menschen der Region leben noch immer vom Jagen und Sammeln. Und noch immer ziehen sie in kleinen Gruppen umher.

6000 bis 3000 Jahren v. Chr.: Jungsteinzeit (Neolithikum). Die Bewohner der Region werden sesshaft. Die Domestizierung von Pflanzen und Tieren beginnt. Am Bodensee entstehen zahlreiche Ufersiedlungen auf Pfählen: die sogenannten Pfahlbauten. Dolmengräber und Menhire zeugen davon, dass ein Ahnenkult existierte.

2200 bis 850 Jahren v. Chr.: In der Bronzezeit kommt es zu einem Bevölkerungswachstum. Der Ackerbau wird verstärkt. Die Schmuck- und Waffenherstellung intensiviert sich. Die Bestattungskultur wird vielfältiger.

850 bis 15 v. Chr.: In der Eisenzeit herrschen die Kelten am Bodensee. Auf Höhenzügen werden Festungsanlagen errichtet, sogenannte Fliehburgen. Die Schmuck- und Waffenproduktion wird gesteigert. Die keltischen Stämme bestatten ihre Anführer unter großen Grabhügeln in prunkvollen Kammern.

15 v. Chr.: Beginn der römischen Herrschaft am Bodensee. Drusus (38 v. Chr.-9 v. Chr.) und Tiberius (42 v. Chr.-37 n. Chr.), zwei Stiefsöhne von Kaiser Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.), erobern die Region. Der im östlichen Bodenseeraum ansässige Keltenstamm der Vindeliker wird bei einer Seeschlacht besiegt. Einzelne Gottheiten der keltischen Religion werden in den pluralistischen römischen Götterglauben integriert.

260: Das römische Reich zieht sich teilweise aus der Bodenseeregion zurück. Die Gebiete am Südrand des Bodensees bleiben weiterhin unter römischer Herrschaft. Die Nordgebiete des Bodensees werden den vorrückenden Germanen überlassen.

400: Die Römer ziehen sich aus dem gesamten Bodenseeraum zurück. Das germanische Volk der Alemannen siedelt von nun an in diesem Gebiet. Die Alemannen betrachten die Natur als ein vielgestaltiges göttliches Wesen (ähnlich wie es zuvor die Kelten getan haben). In dieser Vorstellung sind Gewässer göttliche Lebewesen, also auch der Bodensee.

Für die Kelten und Germanen war der Bodensee ein göttliches Wesen.
© Stefan Kubon

506: Der germanische Frankenkönig Chlodwig I. (466-511) besiegt die Alemannen. Die Bodenseeregion und die dort siedelnden Alemannen werden in das Frankenreich eingegliedert. Während seiner Herrschaft nimmt Chlodwig I. den christlichen Glauben an.

612: Der irische Mönch Gallus (550-640) gründet eine Einsiedlerzelle, aus der sich das Kloster Sankt Gallen entwickelt. Schon in den Jahrzehnten zuvor besuchten christliche Mönche aus Irland die Bodenseeregion, um zu missionieren.

700-800: Entwicklung des Orts Bodman zur Kaiserpfalz. Der Ort Bodman gab dem Bodensee seinen Namen.

719: Das Benediktinerkloster St. Gallen entsteht. Im selben Jahr wird dort eine Bibliothek gegründet. Schon bald verfügt die Stiftsbibliothek St. Gallen über eine besonders bedeutsame Büchersammlung. In dem Kloster befindet sich vom 9. bis zum 11. Jahrhundert auch eine Buchmalereiwerkstatt. Damals gehörte die Abtei wegen der Werkstatt und der Bibliothek zu den kulturellen Zentren des Abendlandes. Heute befindet sich die Bibliothek in einem Saal, der als der schönste profane Barocksaal der Schweiz gilt. Die Stiftsbibliothek St. Gallen gehört zu den wichtigsten historischen Büchersammlungen der Welt. Über der Eingangstür der Bibliothek steht eine griechische Inschrift, die ins Deutsche übersetzt „Heilstube der Seele“ bedeutet. Im Jahr 1983 wurde die Stiftsbibliothek St. Gallen in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

724: Der fränkische Wanderbischof Pirmin (670-753) gründet auf der Insel Reichenau ein Kloster. Im Jubiläumsjahr 2024 erinnert das Archäologische Landesmuseum in Konstanz mit einer Sonderausstellung an die 1300-jährige Geschichte der Klosterinsel.

Die Kirche St. Georg in Oberzell auf der Insel Reichenau
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800-1100: Dank eines Benediktinerklosters entstehen auf der Insel Reichenau herausragende Werke der abendländischen Kunst. Besonders die Arbeiten im Bereich der Wand- und der Buchmalerei sind bemerkenswert. Noch heute können in den drei romanischen Kirchen der Insel faszinierende Kunstwerke aus der Zeit des Mittelalters bewundert werden. Wobei die Fresken in der Kirche St. Georg in Oberzell besonders beeindruckend sind. Um die Jahre 825 und 826 wurde auf der Reichenau der „St. Galler Klosterplan“ gezeichnet. Der Plan ist nicht nur die älteste gezeichnete Darstellung eines Klosterbezirks, sondern auch die älteste Architekturzeichnung des Abendlandes. Heute befindet sich der Plan in der Stiftsbibliothek St. Gallen. Wikipedia: „Die Benediktinerabtei in Umberto Ecos Roman Der Name der Rose entspricht im Prinzip dem St. Galler Klosterplan.“ Im Jahr 2000 wurde die Insel Reichenau wegen ihrer Kunstschätze in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

840: Am Nordufer des Überlinger Sees, einem Teilbereich des Bodensees, wird die vorromanische Sylvesterkapelle errichtet. Die Kapelle enthält Wandmalereien aus der Mitte des 9. Jahrhunderts. Die Fresken gelten als die ältesten des Bodenseeraums. Gemalt wurden die Bilder von Künstlern des Klosters der Insel Reichenau. Die Kirche befindet sich in Goldbach, einem Stadtteil von Überlingen.

1147: Die Burg Meersburg wird erstmals urkundlich erwähnt. Heute gehört die Burg zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten am Bodensee.

1200: Im Ort Frenkenbach bei Hagnau wird die kleine romanische Wehrkirche St. Oswald und Otmar errichtet. Der romanische Baustil der Kapelle ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben.

Die romanische Kirche St. Oswald und Otmar in Frenkenbach
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1220-1240: Auf der Waldburg in Oberschwaben bei Ravensburg werden die Reichskleinodien aufbewahrt. Sie sind im Mittelalter und der Frühen Neuzeit die Herrschaftsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches. Die Ursprünge der Burg liegen im 11. Jahrhundert. Die Waldburg ist die Stammburg des Truchsessen- und Reichsfürstengeschlechts Waldburg. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Adelsfamilie ist Georg von Waldburg-Zeil (1488-1531). Als Heerführer kämpfte er im Deutschen Bauernkrieg (1524-1526) mit besonderer Grausamkeit gegen die aufständischen Bauern. Die Waldburg wurde mehrfach baulich verändert, ihren wehrhaften Charakter hat sie aber bis heute erhalten. Die Burg kann besichtigt werden. Zudem finden dort im Rahmen einer sogenannten „mittelalterlichen Erlebniswelt“ viele verschiedene Veranstaltungen statt. Die Feste steht auf einer markanten Anhöhe (772 m), die Aussicht von dort oben ist sehr eindrucksvoll.

1250: Auf dem Heiligenberg wird eine Burg errichtet. Die Burg wird im späten Mittelalter vergrößert. Von 1560 bis 1575: Umbau der mittelalterlichen Anlage zu einem Renaissanceschloss. Vor allem diesem Umbau verdankt das Schloss Heiligenberg sein heutiges Aussehen.

1267: Zum ersten Mal wird der Name Stein am Rhein in einer Urkunde erwähnt. Das Stadtrecht erhält die Siedlung 1385. Heute zieht die Altstadt von Stein am Rhein viele Besucher an. Auch die Fassadenmalereien an den alten Gebäuden sind sehr eindrucksvoll. Die Malereien am Haus „zum weissen Adler“ entstanden zwischen 1520 und 1525 – es sind die ältesten Fassadenmalereien der Schweiz. 1956 bemalte der Künstler Alois Carigiet (1902-1985) die Fassade am Haus „zum schwarzen Adler“ mit Bildern zum Thema „vom Schönen und Guten“. Fast 200 Meter über Stein am Rhein liegt auf einem Bergrücken die Burg Hohenklingen (594 m). Das äußere Erscheinungsbild der Burg hat sich seit dem späten Mittelalter nicht verändert.

1285-1420: In der Reichsabtei Salem wird ein gotisches Münster errichtet. Das Salemer Münster ist die drittgrößte gotische Kirche Baden-Württembergs. Vor der Kulisse der faszinierenden Architektur des ehemaligen Klosters finden heute im Sommer Open-Air-Konzerte statt.

1414-1418: Konzil von Konstanz. Durch eine Versammlung von Kirchenführern soll das sogenannte große abendländische Schisma, das seit 1378 besteht, beendet werden. Zudem sollen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ketzerei beschlossen werden. Martin V. wird zum alleinigen Papst gewählt. Diese Wahl war die einzige Papstwahl auf deutschem Boden. Endgültig gelöst wurde das Schisma aber erst 1429. Eine besondere Schandtat des Konzils war die Hinrichtung des böhmischen Geistlichen Jan Hus (1370-1415). Obwohl der deutsche König Sigismund (1368-1437) Hus freies Geleit zugesichert hatte, wurde dieser als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1524-1526: Deutscher Bauernkrieg. Im Februar und März 1525 bilden sich im schwäbischen Bodenseeraum drei bewaffnete sogenannte Bauernhaufen: der Baltringer Haufen, der Allgäuer Haufen und der Seehaufen. Der Seehaufen aus der Nähe von Lindau besteht aus annähernd 12000 Männern. Im März 1525 stellen die aufständischen schwäbischen Bauern mit den zwölf Artikeln von Memmingen Forderungen auf, die als eine frühe Form der Menschenrechte gelten. Nach der Magna Carta von 1215 gelten die zwölf Artikel von Memmingen als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa. Der deutsche Bauernkrieg endet mit der Niederlage der Bauern. Die Gewaltherrschaft des Adels dauert an.

Der Wallfahrtsort Maria im Stein
© Stefan Kubon

1550: Spätestens seit diesem Jahr existiert im nördlichen Hinterland des Bodensees nahe des Dorfs Lippertsreute ein Wallfahrtsort namens Maria im Stein. Die Namensgebung lässt sich dadurch erklären, dass die Marienkapelle am Fuß einer Felswand steht. Die Pilgerstätte erlebt im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit. Im frühen 19. Jahrhundert, während der Zeit der Säkularisation, verliert der Ort an Bedeutung. 1828 wird die Kapelle entfernt. In den nächsten 120 Jahren gerät die religiöse Bedeutung des Platzes fast in Vergessenheit, doch 1948 wird eine neue Kapelle errichtet. Seitdem wird der in einer Schlucht gelegene Ort, der nur zu Fuß erreichbar ist, wieder häufiger besucht. Auch Naturliebhaber fühlen sich von dem Platz magisch angezogen, denn er befindet sich im faszinierenden Naturschutzgebiet namens Achtobel.

Der Ethnologe Kurt Derungs äußert in seinem Buch „Magischer Bodensee“ die Vermutung, dass sich an dem Wallfahrtsort bereits während der Zeit der Kelten, der Römer und der Germanen ein Naturheiligtum befand. Derungs nimmt an, dass damals an dem Ort eine weibliche Gottheit verehrt wurde. Vermutlich knüpfte das Christentum an diesen Kult an, indem ein Marienheiligtum geschaffen wurde.

Zwei Kilometer von Maria im Stein entfernt, auf der anderen Seite der Schlucht, steht der Hohenbodmaner Aussichtsturm (658 m). Der 37 Meter hohe Bergfried ist ein Relikt der Burg Hohenbodman, die vermutlich bereits im 11. Jahrhundert entstand. Zerstört wurde die Burg im 30-jährigen Krieg vom Kommandanten der Festung des Hohentwiels, Konrad Widerhold (1598-1667). Die Zerstörung im Juli 1642 hat nur der Turm überstanden. Nach einer Legende hat der ehemalige Burgherr Albero von Bodman um das Jahr 1200 die Kapelle Maria im Stein aus Dankbarkeit errichteten lassen, weil ihm nach einem Kreuzzug die Flucht aus türkischer Gefangenschaft gelungen war. An der Stelle, an der sich heute die Kapelle befindet, soll Albero erstmals seine Heimatburg wiedergesehen haben. Im Dorf Hohenbodman (668 m), das wenige hundert Meter von dem alten Turm entfernt liegt, steht eine der ältesten Linden Deutschlands. Ihr Alter wird auf maximal 1000 Jahre geschätzt.

Blick auf den Hohenbodmaner Aussichtsturm und den Bodensee
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1618-1648: Im 30-jährigen Krieg kommt es in der Bodenseeregion zu großen Zerstörungen. Die zahlreichen Burgruinen der Region zeugen noch heute davon.

1700: Ab diesem Jahr entsteht auf einer Anhöhe (500 m) oberhalb des Dorfs Baitenhausen bei Meersburg die barocke Wallfahrtskirche Maria zum Berg Karmel. Die Kirche wird 1704 geweiht. Sie soll vom Konstanzer Fürstbischof Marquard Rudolf von Rodt (1644-1704) aus Dankbarkeit gestiftet worden sein, weil er bei einer Bootsfahrt von Konstanz nach Meersburg wegen eines Sturms in Seenot geriet und gerettet wurde. Die Kirche fasziniert vor allem durch ihre Deckengemälde, die um 1760 entstanden sind. Eines der Gemälde zeigt die Rettung einer Schifffahrtsgesellschaft aus Seenot bei der Fahrt von Konstanz nach Meersburg. Vermutlich ist das Bild eine Erinnerung daran, weshalb der Fürstbischof von Rodt die Kapelle gestiftet hat. Ein anderes Gemälde zeigt den schönen Ausblick von der Kapelle auf das landschaftlich reizvolle Salemer Tal.

23. Mai 1734: Franz Anton Mesmer wird als Kind eines Försters in Iznang bei Radolfzell am Bodensee geboren. Gönner ermöglichen es ihm, dass er ab seinem 12. Lebensjahr in Konstanz das Jesuitenkolleg besuchen darf. Dort macht er mit 16 Jahren seinen Gymnasialabschluss. Anschließend studiert er 16 Jahre lang an verschiedenen Universitäten. Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin gilt sein Interesse. 1766 besteht er sein medizinisches Doktorexamen. Danach arbeitet er als Arzt. Ab 1775 erzielt Mesmer spektakuläre Heilerfolge. Zunächst übt er seinen Beruf in Wien aus, später in Paris. Auch während seiner erfolgreichsten Zeit besucht Mesmer den Bodensee, um dort zu wirken.

Mesmer geht davon aus, dass seine Heilerfolge auf einem Wirkungsmechanismus basieren, den er als „Animalischen Magnetismus“ bezeichnet. Er nimmt an, dass zwischen allen Körpern eine magnetische Kraft wirkt, die zur Heilung eingesetzt werden kann. Das Medium dieser Kraft bezeichnet er als „Fluidum“. Um seiner Theorie des „Animalischen Magnetismus“ Plausibilität zu verleihen, verweist Mesmer auf das Phänomen, dass die Sonne und der Mond aufgrund ihrer Gravitationskräfte dazu in der Lage sind, Ebbe und Flut zu erzeugen.

Das Phänomen der Gezeiten verknüpft Mesmer mit der sogenannten Vier-Säfte-Lehre. Gemäß dieser Lehre, die aus der Antike stammt, wird die Lebensfähigkeit des Menschen von vier Flüssigkeiten bestimmt: gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim. Wenn diese vier Flüssigkeiten im Körper unausgewogen verteilt sind, ist ein Mensch krank. Es ist also notwendig, dass diese vier Flüssigkeiten ausgewogen verteilt sind, damit ein Mensch gesund ist. Und mit der Kraft des „Animalischen Magnetismus“ soll es angeblich möglich sein, die vier Flüssigkeiten (wieder) in ein Gleichgewicht zu bringen, damit der kranke Mensch geheilt werden kann.

Mesmer bedient sich verschiedenster praktischer Methoden, um die vermeintliche Kraft des „Animalischen Magnetismus“ steuern zu können. Zum Beispiel streicht er mit seinen Händen entlang der Körperstellen seiner Patienten, an denen sie Beschwerden haben. Oder er fixiert seine Patienten mit seinen Augen oder einem Magnetisier-Stab, wodurch sie in einen hypnotischen Zustand verfallen. Besonders eindrucksvoll ist Mesmers Methode, mehrere Patienten rund um einen von ihm entwickelten hölzernen Heilzuber zu versammeln. Der Zuber ist mit Wasser gefüllt. Diesen Trog begreift Mesmer als einen Speicher magnetischer Energie. In dem Behälter befinden sich verschiedene Gegenstände. Etwa Magnete, Eisenspäne und Glasflaschen. Durch Metallstangen sind die Patienten mit dem Zuber verbunden. Die Stangen berühren die Körperstellen, an denen die Beschwerden auftreten. Zudem sind die Patienten bei der Sitzung mit Schnüren verbunden, was den Energiefluss begünstigen soll. Wichtig bei dieser Sitzung ist auch die Verwendung der Glasharmonika. Das Instrument erzeugt melancholische Klänge, die heilsam wirken sollen. Zudem wehen Weihrauchschwaden durch den Raum.

Mesmer bietet seine Heilmethoden in einer brisanten geistesgeschichtlichen Situation an. Denn die Zeit der Aufklärung, in der er lebt, ist eine Zeit des Umbruchs. Dies zeigt sich auch an dieser Begebenheit: 1775 wird Mesmer nach Meersburg gebeten, um dort seine Heilmethoden zu präsentieren. Dass er nach Meersburg gebeten wird, hat einen speziellen Grund: Ein Jahr zuvor hatte der Wunderheiler und Teufelsaustreiber Johann Joseph Gaßner (1727-1779) in Meersburg mit seinen vermeintlichen Heilerfolgen für Unruhe gesorgt. Das Treiben Gaßners soll nun mithilfe von Mesmer als Humbug entlarvt werden. Er soll beweisen, dass Gaßners angebliche Heilerfolge nichts mit der Austreibung des Teufels zu tun haben. Und tatsächlich: Mesmer schafft es, Gaßners Wirken zu entzaubern. Denn auch Mesmer gelingt es, Menschen in ungewöhnliche Zustände (Ohnmacht, Schwindel, Zitteranfälle usw.) zu versetzen und sie davon wieder zu befreien – allerdings ohne Verwendung religiöser Beschwörungsformeln. Mesmer erläutert, dass Gaßner keine übernatürlichen Kräfte bei seinen vermeintlichen Teufelsaustreibungen verwendet, sondern natürliche Kräfte – eben die Kraft des „Animalischen Magnetismus“. Mesmers Präsentation trägt dazu bei, den Einfluss des Exorzisten Gaßner einzudämmen. Besonders im süddeutschen Raum hat er mit seinen Teufelsaustreibungen für Aufsehen gesorgt.

Ab 1794 lebt Mesmer wieder zumeist in der Bodenseeregion. Zunächst wohnt er einige Jahre nahe des Orts Stein am Rhein. Kurzzeitig lebt er auch in Konstanz. Später wohnt er noch mehrere Jahre im Ort Riedetsweiler bei Meersburg. Am 5. März 1815 stirbt er in Meersburg, wo er auch beerdigt ist.

Das Werk vieler bedeutsamer Autoren ist vom Leben und Werk Mesmers beeinflusst. Beispielsweise: Jean Paul (1763-1825), E.T.A. Hoffmann (1776-1822), Heinrich von Kleist (1777-1811), Arthur Schopenhauer (1788-1860), Edgar Allan Poe (1809-1849), Thomas Mann (1875-1955), Alfred Kubin (1877-1959).

Wie sind die Theorien und Heilmethoden Mesmers aus heutiger Sicht zu bewerten? Mesmers Lehre, der sogenannte Mesmerismus, wird heutzutage zumeist als Unsinn bewertet. Trotzdem hat Mesmer viele Heilmethoden erfolgreich verwendet, obgleich er sich ihrer tatsächlichen Wirkungsweise gar nicht bewusst war. Etwa diese Methoden: Hypnose, Suggestion, Placebo-Effekt. Insbesondere aufgrund der von ihm angewandten Hypnosetechnik wird Mesmer zugestanden, dass er einer der Mitbegründer der Psychotherapie ist.

Mesmers Methode der Gruppenbehandlung wurde gelegentlich als Séance bezeichnet. Also als eine spirituelle Sitzung, bei der versucht wird, eine übernatürliche Kraft zu aktivieren. Mesmer war jedoch davon überzeugt, dass bei seiner Behandlung keine übernatürliche Kraft wirkt. Er sah sich als Wissenschaftler. Seine Theorien wurden aber bereits zu seinen Lebzeiten von großen Teilen der Wissenschaft als Irrlehre verworfen.

Die Schönheit des Bodensees zaubert eine heilsame Aura.
© Stefan Kubon

Bei der Beschäftigung mit dem Mesmerismus wird vor allem deutlich: Nimmt ein kranker Mensch eine Aura als wohltuend wahr, kann diese mitunter heilend auf ihn wirken. Es gibt viele Möglichkeiten, diese potentiell heilsame Atmosphäre zu erzeugen. Menschen, Tiere, Klänge, Düfte, Orte, Gegenstände können diese Stimmung generieren. Die Begegnung mit einem freundlichen Menschen, Solidaritätsgefühle bei Gruppenerlebnissen, das Erleben von Schönheit in der Kunst und in der Natur – all dies kann heilend wirken. Die Wirkung ist aber in erster Linie psychologisch zu erklären, obgleich sie auch physisch positive Effekte haben kann. Fälschlicherweise nahm Mesmer an, dass es bei seinem Tun fast ausschließlich die physische Kraft des „Animalischen Magnetismus“ ist, die heilend wirkt.

Die Theorie des Mesmerismus hat übrigens auch in der englischen Sprache Spuren hinterlassen: Das englische Verb „to mesmerize“ bedeutet auf Deutsch „bezaubern“, „verzaubern“ und „hypnotisieren“. Zur Veranschaulichung: Von THE MISSION gibt es das Lied „Mesmerized“. Es befindet sich auf dem Album „Aura“.

1746-1749: Die barocke Wallfahrtskirche Birnau wird gebaut. Die Kirche liegt auf einer Anhöhe über dem Bodensee. Auch wegen ihrer malerischen Lage ist die Birnau eine der schönsten Kirchen der Region.

Die Silhouette der Wallfahrtskirche Birnau im abendlichen Licht
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1800-1801: Von Mitte Oktober bis Ende März wird die Festung Hohentwiel, die auf dem gleichnamigen Berg (696 m) liegt, aufgrund eines Befehls von Napoleon Bonaparte (1769-1821) zerstört. Die Zerstörung erfolgt nicht bei einer Schlacht: Französische Truppen zwingen die einheimische Bevölkerung dazu, die Festung zu demontieren. Die 900-jährige Festungsgeschichte des Hohentwiels endet hier. Trotz der damaligen Zerstörung sind die übriggebliebenen Mauerreste noch immer sehr eindrucksvoll: Der Hohentwiel ist heute die größte Festungsruine Deutschlands. Eine besondere militärische Bedeutung hatte die Festung im 30-jährigen Krieg. Damals war der Hohentwiel ein wichtiger Stützpunkt der protestantischen Kriegspartei. Ab 1634 war Konrad Widerholt Kommandant des Hohentwiels. Es gelang den katholischen Truppen im gesamten 30-jährigen Krieg nicht, den Hohentwiel zu erobern. Der Berg liegt in einer Gegend namens Hegau. Typisch für diese Landschaft sind steile und felsige Berge, auf denen Burgruinen thronen. Der Hegau, der im westlichen Bodenseeraum liegt, ist ein ehemaliges Vulkangebiet. Die Berge sind ehemalige Vulkanschlote. Der Hohentwiel ist einer der markantesten Berge des Hegaus. Am Fuß des Hohentwiels liegt die Stadt Singen.

7. Juli 1817: Der Wasserstand des Bodensees erreicht den höchsten Stand seit Menschengedenken (Pegel in Konstanz: 623 cm). Die meisten Uferstädte werden überschwemmt. Schon im Jahr 1816 war der Wasserstand des Sees ungewöhnlich hoch gewesen. Ein Grund für die hohen Wasserstände war der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815. Es war der größte Vulkanausbruch der Neuzeit. Der Ausbruch war auch dafür verantwortlich, dass der Sommer des Jahres 1816 in Europa kalt und verregnet war. Das regnerische Wetter dieses Sommers trug auch dazu bei, dass die Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851) Zeit dafür fand, die Idee für ihren berühmten Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ zu entwickeln. Shelley weilte damals gemeinsam mit anderen Schriftstellern in der Villa Diodati am Genfer See. Die Schriftsteller nutzten das schlechte Wetter dazu, Schauergeschichten zu schreiben.

20. Juli 1819: Franz Xaver Hohenleiter, geboren 1788 in Rommelsried bei Augsburg, stirbt als Gefangener im Sünderturm der Stadt Biberach – durch Blitzschlag. Der Blitz war in den Turm eingeschlagen, anschließend sprang der Blitz auf die Kette über, an die Hohenleiter gefesselt war. Im März und April 1819 war Hohenleiter Anführer einer Räuberbande, die insbesondere im nördlichen Hinterland des Bodensees Raubzüge unternahm. Bei ihren Beutezügen brach die Bande meist in einsam gelegene Bauernhöfe ein. Wegen seiner schwarzen Haare wurde Hohenleiter „Schwarzer Veri“ genannt. Die Taten des Schwarzen Veri wirken bis heute nach: Eine Ravensburger Narrengruppe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht hat sich nach ihm benannt („Schwarze Veri Räuber“). Zudem erinnern Theaterstücke und Lieder an sein Leben.

1831: Im Schweizer Kanton St. Gallen, der an den Bodensee grenzt, wird eine repräsentativ-demokratische Verfassung eingeführt. Die Verfassung enthält ein sogenanntes „Volksveto“. St. Gallen ist der erste Schweizer Kanton, der dieses politische Recht einführt. Bei diesem Recht handelt es sich um eine frühe Form des Plebiszits. Bei einem Plebiszit wird jede stimmberechtigte Person zu einer anstehenden Sachentscheidung befragt. Plebiszite sind das Kennzeichen einer direkten Demokratie. Im Vergleich zu anderen Demokratien ist die gegenwärtige Demokratie der Schweiz sehr stark von Plebisziten geprägt. Die Schweiz gilt heute als das Paradebeispiel einer plebiszitären Demokratie.

11. Juli 1840: Mary Shelley besucht den Rheinfall bei Schaffhausen. In ihrem Reisebuch „Streifzüge durch Deutschland und Italien“ beschreibt sie ihren Besuch auf sehr eindrucksvolle Weise. Offensichtlich hat sie dieses Naturerlebnis tief bewegt: „Welche Worte können die Empfindungen beschreiben – denn in der Tat sind viele Gedanken und Gefühle nicht in Worte zu fassen –, die der Tumult weckte, das Tosen und die beispiellose Schönheit eines Wasserfalls mit seinem ewigen, sich ständig ändernden Schleier aus nebligem Schaum? Das Wissen um seinen endlosen Strom, den es schon gab, bevor wir geboren wurden und der auch noch da sein wird, wenn unzählige Generationen ins Grab gesunken sind – seine Kraft zu spüren, die uns in Atome zerschmettern könnte, ohne dass sich sein Klang ändern würde, die seine Umgebung erzittern lässt, auch wenn wir aus sicherer Entfernung zuschauen, das Leuchten seiner Farben, die Melodie seines Donnergrollens – können diese Worte den Eindruck beschreiben, den der Geist hat, wenn die Wahrnehmung der Augen und Ohren nur allzu beschränkt ist? Nein! Denn ebenso, wie ein Gemälde keine Fortbewegung abbilden kann, sind Worte ungeeignet, seelische Bewegung auszudrücken. Sie wühlt – wie Leidenschaft – die Tiefen unseres Daseins auf; wie die Liebe, die mit Ruin verbunden, aber glücklich über ihren Besitz ist, füllt sie die Seele mit einer Mischung aus Aufregung und Ruhe.

1841-1848: Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) lebt in der Burg Meersburg in Meersburg am Bodensee. Sie gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie wird auch als Dichterin des Bodensees wahrgenommen. Die Ballade „Der Knabe im Moor“ aus dem Jahr 1842 verbreitet eine besonders schauerliche Atmosphäre. Das Gedicht hat sechs Strophen. Dies ist die erste:

„O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! –
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!“

1848-1849: Deutsche Revolution. In der badischen Bodenseeregion ist die deutsche Demokratiebewegung besonders aktiv. 12. April 1848: Um die Republik in Baden und in Deutschland durchzusetzen, rufen Friedrich Hecker (1811-1881) und Gustav Struve (1805-1870) in Konstanz zu einem bewaffneten Marsch zur badischen Landeshauptstadt Karlsruhe auf. Die revolutionäre Erhebung misslingt. Reaktionäre Regierungstruppen schlagen den demokratischen Aufstand von Hecker und Struve nieder. Gekämpft wurde vor allem an diesen drei Orten: Zunächst am 20. April 1848 bei Kandern im Schwarzwald (Gefecht auf der Scheideck). Dann am 24. April 1848 in Freiburg. Und schließlich am 27. April 1848 bei Dossenbach. Die Revolution scheitert in allen deutschen Ländern. Die Gewaltherrschaft des Adels dauert an.

1853-1856: Auf der Insel Lindau wird an der Hafeneinfahrt ein Leuchtturm gebaut. Heute ist der 36 Meter hohe Turm der südlichste Leuchtturm Deutschlands. Der Turm ist der einzige Leuchtturm am Bodensee.

Die Statue des Bayerischen Löwen und der südlichste Leuchtturm Deutschlands schmücken die Hafeneinfahrt von Lindau.
© Stefan Kubon

1855: Der Roman „Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert“ des Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel (1826-1886) wird veröffentlicht. Der Roman orientiert sich teilweise an historischen Fakten und ist geographisch in der Bodenseeregion verortet. Handlungsorte sind zum Beispiel die Burg Hohentwiel, das Kloster St. Gallen und die Klosterinsel Reichenau.

1856-1898: Ludwig Eberling (1823-1898) gestaltet als Hofgärtner von Friedrich I. von Baden (1826-1907) das Erscheinungsbild der Insel Mainau im Bodensee. Die beiden Naturliebhaber schaffen die Grundlage dafür, dass die Insel Mainau heute ein wahres Gartenparadies ist.

Im Rosengarten der Insel Mainau
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12. Februar 1864: An einem nebligen Tag kollidiert das Schweizer Dampfschiff „Stadt Zürich“ in der Nähe von Konstanz mit dem bayerischen Schaufelraddampfer „Jura“. Innerhalb von 4 Minuten versinkt das bayerische Schiff. Ein Besatzungsmitglied des Schiffs stirbt. Die übrige Besatzung und alle Passagiere können sich auf die „Stadt Zürich“ retten. Die „Jura“ wurde gekauft, weil 3 Jahre zuvor das gleiche Schweizer Dampfschiff durch eine Kollision das bayerische Dampfschiff „Ludwig“ versenkt hatte. Damals starben 13 Menschen. Die „Stadt Zürich“ war auch noch in andere Schiffskollisionen verwickelt, weshalb das Schiff den Beinamen „Teufelsschiff“ erhielt. Laut Wikipedia ist der Bodensee „der größte Schiffsfriedhof Europas“. Allein auf baden-württembergischem Gebiet sollen 300 Wracks liegen.

Nach Wikipedia ist der Bodensee „der größte Schiffsfriedhof Europas“.
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2. Juli 1900: In der Manzeller Bucht in Friedrichshafen erhebt sich zum ersten Mal in der Geschichte der Luftschifffahrt ein Zeppelin in die Luft.

1904-1912: Der Schriftsteller Hermann Hesse (1877-1962) lebt im Dorf Gaienhofen am Untersee, einem Teil des Bodensees. Während dieser Zeit schreibt Hesse Artikel für die Zeitschrift „März – Halbmonatsschrift für deutsche Kultur“. Die linksliberale Zeitschrift steht in der politischen und weltanschaulichen Tradition der demokratischen Märzrevolution von 1848. Hesse verfasst 1905 das Gedicht „Im Nebel“. Dort stehen auch diese Worte:

„Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.“

Schloss Heiligenberg im Nebel
© Stefan Kubon

1906 veröffentlicht Hesse den autobiographisch geprägten Roman „Unterm Rad“. Während seiner Zeit am Bodensee beschreibt Hesse in vielen Aufsätzen und Gedichten die Besonderheiten und Schönheiten der Region. Herausragend ist sicher auch die Schilderung eines Zeppelinflugs, den Hesse 1911 unternahm. Start- und Endpunkt des Flugs war Friedrichshafen. In Gaienhofen gibt es heute ein Hermann-Hesse-Museum.

Blick vom Aussichtspunkt an der „Gehrenbergrutsche“: Die stark ausgeprägte Föhnwetterlage sorgt für ein wahrlich phantastisches Panorama.
© Stefan Kubon

16. November 1911: Ein starkes Erdbeben, dessen Epizentrum auf der Schwäbischen Alb liegt, erschüttert die Bodenseeregion. Am Gehrenberg (754 m), einem markanten Höhenzug im nördlichen Hinterland des Bodensees, löst das Erdbeben einen großen Erdrutsch aus. Die Folgen dieses Erdrutsches prägen noch immer einen Teil der Landschaft des Gehrenbergs. Auch heute noch hat man von der oberen Kante des Erdrutschhangs eine fulminante Aussicht auf den Bodensee und sein Umland. Übertroffen wird dieser eindrucksvolle Blick nur noch von der Aussicht, die der 30 Meter hohe Gehrenbergturm bietet. Der Turm steht nur wenige hundert Meter von dem Erdrutschhang entfernt, der als „Gehrenbergrutsche“ bezeichnet wird.

Aussicht vom Gehrenbergturm: Eine mächtige Gewitterfront zieht über den Bodensee hinweg.
© Stefan Kubon

November 1918: Der Erste Weltkrieg endet. Die Novemberrevolution siegt. Deutschland wird eine Republik. Am 30. November 1918 verzichtet Wilhelm II. von Württemberg (1848-1921) auf die Krone. Auch am Bodensee ist die Arbeiterschaft revolutionär gestimmt, besonders in Friedrichshafen. Dort wird ein Soldaten- und Arbeiterrat gewählt, der die neue demokratische Ordnung sichern soll.

1921: In Württemberg wird die Schulpflicht für ausländische Kinder eingeführt. Das führt dazu, dass Bergbauernkinder aus Österreich, der Schweiz und Lichtenstein nicht mehr nach Oberschwaben geschafft werden, damit sie dort auf Bauerhöfen saisonal arbeiten. Diese Kinder wurden als sogenannte „Schwabenkinder“ bezeichnet. Auf „Kindermärkten“ wurden sie an ihre Arbeitgeber vermittelt. Die Märkte fanden zum Beispiel in Friedrichshafen und Ravensburg statt. Es ist belegbar, dass seit dem 16. Jahrhundert Kinder aus den Armutsgebieten der Alpen als billige Arbeitskräfte nach Schwaben geschafft wurden. Die Kritik daran nahm am Ende des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhundert stark zu. Bevor die Schulpflicht für ausländische Kinder eingeführt wurde, wurde viele Jahre darüber debattiert, ob diese Maßnahme ein geeignetes Mittel sei, um die Ausbeutung der „Schwabenkinder“ zu beenden.

1922: In Unteruhldingen am Bodensee eröffnet ein Pfahlbaumuseum. Es handelt sich dabei um ein archäologisches Freilichtmuseum, in dem Funde und Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit präsentiert werden. Im Lauf der Zeit wurde das Museum kontinuierlich erweitert. Nach Wikipedia gehört das Museum heute zu den größten und meistbesuchten Freilichtmuseen der Welt.

April 1925: Bei einer nächtlichen Bootsfahrt werden 400 Setzlinge der Weinsorte Müller-Thurgau vom Schweizer Bodenseeufer ans Deutsche Bodenseeufer geschmuggelt. In der deutschen Bodenseeregion befindet sich der Weinanbau in einer Krise, weshalb neue Impulse nötig sind. Der Müller-Thurgau ist eine neue Weinsorte, die seit 1903 mit zunehmendem Erfolg in der Schweiz angebaut wird. Johann Baptist Röhrenbach hat die Idee, die neue Weinsorte in der deutschen Bodenseeregion anzubauen. Nachdem sich Röhrenbach über die neue Weinsorte Müller-Thurgau genauer informiert hat, reift in ihm der Plan, Setzlinge dieses Weins aus der Schweiz nach Deutschland zu schmuggeln. Röhrenbach verwaltet und bewirtschaftet Schloss Kirchberg, das nahe des Dorfs Hagnau liegt. Zum Schloss gehören Weinberge und eine Gaststätte. Den Plan bespricht Röhrenbach mit seinem Freund Josef Ainser, einem Fischer. Letztlich kommt man zu dem Ergebnis, dass ihre beiden Söhne, Albert und Gottfried, den Schmugglerplan in die Tat umsetzen sollen.

Hildegard Nagler hat die Aktion in ihrem Zeitungsartikel „Wie Schmuggler vor 100 Jahren den Bodensee-Wein gerettet haben“ beschrieben: „Um zwei Uhr legen die beiden jungen Männer in einem sechs Meter langen Fischerboot von Hagnau ab. Sie haben Sturmlaternen an Bord, die sie sich aber nicht getrauen werden anzuzünden. Albert Röhrenbach ist 22 Jahre alt, der Sohn des Fischers drei Jahre älter. Ihre Väter sitzen von jetzt an wie auf heißen Kohlen, wagen an Schlaf nicht einmal zu denken. Die Jungen rudern am Ufer entlang, ändern kurz vor Meersburg ihre Richtung und steuern auf den See hinaus. Auf dem Boden des Bootes liegen Netze, die sie aber nicht zum Fischen, sondern zur Tarnung einsetzen wollen. (…) Jetzt heißt es erst einmal dreieinhalb Stunden rudern, um das Ziel zu erreichen. Albert und Gottfried haben Glück, passieren den Schweizer Zoll unentdeckt. Eilends nehmen sie bei Ermatingen die 400 Pfropfreben Müller-Thurgau in Empfang, die Schloss Arenenberg zur Verfügung gestellt hat, bedecken sie mit ihren Netzen und rudern, Schlag für Schlag gegen die starke Strömung im Seerhein, Richtung Heimat. Auch jetzt werden sie vom Schweizer Zoll nicht entdeckt. Nach mehr als 8 Stunden Ruderns treffen die Männer mit ihrer wertvollen Fracht wieder in Hagnau ein.

Diese Schmuggelaktion trägt dazu bei, dass sich die Rebsorte Müller-Thurgau auch in der deutschen Bodenseeregion zu einer weitverbreiteten Rebsorte entwickelt. Die Ursprünge des Weinanbaus am Bodensee liegen in der Römerzeit.

1927: Die Pfänderbahn in Bregenz am Bodensee wird in Betrieb genommen. Die Seilbahn fährt zu einem ganz besonderen Aussichtspunkt, denn der Pfänder (1064 m) ist von den Bergen, die direkt am Bodensee liegen, der höchste. Entsprechend spektakulär ist die Aussicht auf den See und die Alpen. Bei den Erdarbeiten beim Bau der Talstation der Pfänderbahn entdeckte man einen Stollen eines ehemaligen Kohlebergwerks. Aus Sicherheitsgründen wurde der Stollen mit Beton aufgefüllt. Die unterirdische Kohlegewinnung fand am Pfänder zwischen 1840 und 1948 statt. Jedoch wurde hier nicht die schwarzglänzende Steinkohle, sondern die im Vergleich dazu eher minderwertige Braunkohle abgebaut. Der Berg ist noch heute von zahlreichen Stollen durchzogen. Und im Wirtatobel gibt es noch Ruinen einer ehemaligen Kohleverladestation.

Alpensalamander (aufgenommen am Pfänder)
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Wer auf die Fahrt mit der Pfänderbahn verzichtet und sich den Berg erwandert, hat übrigens die Chance, unterwegs einem kleinen, faszinierenden, schwarzgefärbten Tier zu begegnen: dem Alpensalamander. Zum Pfänder gehört auch der geschichtlich bedeutsame Gebhardsberg (598 m). Hier steht die Ruine der Burg Hohenbregenz, die im späten 11. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Zerstörung der Burg erfolgte im 30-jährigen Krieg: 1647 wurde sie von schwedischen Truppen kampflos besetzt und noch im gleichen Jahr gesprengt.

Die Burgruine Hohenbregenz
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1933: Nach der Machtübernahme des Nationalsozialismus werden zehntausende Menschen verhaftet und in Konzentrationslagern inhaftiert. Dort misshandelt man sie, viele werden ermordet. Im April 1933 wird Gregor Gog (1891-1945) von der Gestapo verhaftet, er wird im KZ Heuberg inhaftiert. Gog ist bekannt als „König der Vagabunden“. Er hat 1929 an Pfingsten in Stuttgart Tippelbrüder und -schwestern zu einem Internationalen Vagabundenkongress versammelt. Wegen der massiven sozialen Ungerechtigkeiten rufen die Versammelten zum „lebenslangen Generalstreik“ auf. Um die Rechte von Obdachlosen zu stärken, hat Gog bereits 1927 die „Bruderschaft der Vagabunden“ gegründet. Die Gefangenschaft Gogs im KZ Heuberg ist nicht von sehr langer Dauer: Am 24. Dezember 1933 gelingt ihm die Flucht, er flieht über den teilweise zugefrorenen Bodensee in die Schweiz.

1936: Der Maler und Grafiker Otto Dix (1891-1969) lässt sich in Hemmenhofen (einem Ortsteil der Gemeinde Gaienhofen) am Untersee nieder. Kurz nach der Machtübernahme der Nazis hatte Dix seine Professur an der Kunstakademie in Dresden verloren. Viele seiner Werke wurden als „entartete Kunst“ diffamiert. Bis kurz vor seinem Tod lebte Dix in Hemmenhofen. Einige seiner Gemälde und Zeichnungen stellen die Bodenseelandschaft dar. In Hemmenhofen befindet sich heute ein Otto-Dix-Museum, das im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers untergebracht ist.

8. November 1939: Johann Georg Elser (1903-1945), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, wird vom Zollgrenzschutz in Konstanz beim Fluchtversuch in die Schweiz festgenommen. Elser wird in München und Berlin verhört, er wird auch gefoltert. Dann hält man ihn im KZ Sachsenhausen gefangen, später im KZ Dachau. Dort wird er am 9. April 1945 von Theodor Bongartz (1902-1945), SS-Oberscharführer, durch einen Genickschuss ermordet. Elser war für das Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler und andere Führungskräfte des Nationalsozialismus im Münchner Bürgerbräukeller verantwortlich. Hitler entging dem Anschlag nur knapp, jedoch wurden mehrere seiner Anhänger bei der Explosion getötet. Elser lebte von 1925 bis 1932 am Bodensee, vor allem in Konstanz. Zeitweise lebte er auch in Meersburg und Friedrichshafen. Elser war von Beruf Schreiner. Diesen Beruf übte er auch während seiner Zeit am Bodensee aus.

1940: Der Roman „Auf den Marmorklippen“ des Schriftstellers Ernst Jünger (1895-1998) wird veröffentlicht. Jünger hat den Roman 1939 geschrieben. Von 1936 bis 1939 lebte Jünger in Überlingen am Bodensee. Im Roman wird eine Kultur- und Naturlandschaft beschrieben, die auch das besondere Wesen der Bodenseeregion widerspiegelt. Die Erzählung gilt als eine Parabel über das Wesen des Bösen. Es wird geschildert, wie menschlicher Machtmissbrauch dazu führt, dass eine relativ heile Welt fast vollständig zerstört wird. Die Schrift wurde vielfach als Akt des Widerstands gegen die Nazi-Herrschaft interpretiert. In der Tat ist es nicht abwegig, den Roman so zu verstehen. Gleichwohl diente Jünger im Zweiten Weltkrieg als Offizier in der Wehrmacht, er war also ein Teil des wichtigsten Machtinstruments der Nazis.

1943-1945: Friedrichshafen, nach Konstanz die zweitgrößte Stadt am Bodensee, wird durch 11 Luftangriffe der Alliierten zu zwei Dritteln zerstört. Grund der Angriffe: Friedrichshafen diente den Nazis als wichtiger Rüstungsstandort.

Der KZ-Friedhof Birnau
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9. April 1946: Auf dem neu angelegten KZ-Friedhof Birnau werden die sterblichen Überreste von 97 Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bestattet. Die Opfer waren Zwangsarbeiter des KZs Überlingen-Aufkirch, einem Außenlager des KZs Dachau. Die Gefangenen mussten in den Molasse-Fels des Überlinger Ortsteils Goldbach eine Stollenanlage graben. Denn wegen der Luftangriffe auf Friedrichshafen verfolgten die Nazis das Ziel, die Waffenproduktion der Friedrichshafener Betriebe (Dornier Flugzeugbau, Luftschiffbau Zeppelin, Maybach-Motorenbau, Zahnradfabrik Friedrichshafen) zukünftig auch unterirdisch zu betreiben.

Das KZ in Überlingen existierte vom September 1944 bis zum April 1945. Mindestens 185 Gefangene starben. Die meisten Inhaftierten waren Italiener. Die anderen Gefangenen waren Deutsche, Franzosen, Litauer, Luxemburger, Norweger, Österreicher, Polen, Russen, Slowenen, Tschechen und Ukrainer. 55 Slowenen gehörten zur Partisanengruppe „Osvobodilna Fronta“. Zwei Gefangenen gelang die Flucht in die Schweiz. Wikipedia: „Am 21. März 1945 gelang zwei Häftlingen, dem Ukrainer Wassili Sklarenko und dem Österreicher Adam Puntschart, die Flucht nach Schaffhausen.“ Seit einigen Jahren können Teile der insgesamt 4 Kilometer langen Stollenanlage im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Der KZ-Friedhof Birnau befindet sich wenige hundert Meter von der Wallfahrtskirche Birnau entfernt.

1950: In Bregenz am Bodensee entsteht eine Seebühne. Sie gilt seither als die größte Seebühne der Welt. Vor der epischen Kulisse des Bodensees werden überwiegend Opern aufgeführt.

1962-1963: Der Winter ist so kalt, dass der Bodensee vollständig zufriert. Dies geschieht im Schnitt nur alle 100 Jahre. Dieses Ereignis wird im deutschen Bodenseealemannisch als „Seegfrörne“ bezeichnet.

25. Oktober 1976: In Friedrichshafen wird die Maskengruppe „Seegrendl“ gegründet. Die Gruppe gehört zur Friedrichshafener Narrenzunft Seegockel. Ernst Haller stellt in seinem Buch „Fasnachtszeiten. Brauchtum von Buchhorn bis Friedrichshafen“ zum „Seegrendl“ fest: „Einer der jüngeren Schöpfungen in der Friedrichshafener Fasnachtslandschaft ist der 1976 entstandene, von Joachim Fach entworfene Seegrendl. Oft fälschlicherweise als Teufel bezeichnet, stellt der ‚Grendl‘ ein Ungeheuer dar, dessen Namen in der nordischen Mythologie zu Hause ist. In einer angelsächsischen Dichtung ‚Beowulf‘ im 8. Jahrhundert wird der Sieg über das Ungeheuer Grendl beschrieben. Dieses Heldenepos wurde ins Deutsche übersetzt und gilt daher als das älteste größere Denkmal deutscher Volkspoesie und ist somit für die Entwicklungsgeschichte der gesamten deutschen Sprache, Poesie, Kultur und Volkstümlichkeit von höchster Wichtigkeit. Nach der heutigen Auffassung über Fasnachtsbrauchtum zählt der Grendl bei der Einteilung in freundliche und erschreckende Larven eindeutig zu der Gruppe der ‚Schrecklichen‘ ebenso wie die Hexe, der Wilde Mann oder die Teufelslarven. Viele Attribute dieser Figur berechtigen zu dieser Zuordnung. Zottige Behaarung, Hörner und Pferdeschweif gehören dem Volksglauben nach zur Ausstattung von Teufeln oder Dämonen. Im Gegensatz zu den Schutzengeln und guten Geistern galten in der alten Kirche Dämonen als geschaffene, aber freiwillig abgefallene Geister, welche die Heidenwelt beherrschten. Sie waren gewissermaßen Objekte des heidnischen Kultes, Symbole der Christenverfolgungen und gegen die Ausbreitung der Kirche.“

Der Name der Friedrichshafener Maskengruppe „Seegrendl“ erinnert an ein Ungeheuer der nordischen Mythologie.
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Der „Seegrendl“ ist eine von vielen Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte diese Form der Fastnacht einen enormen Aufschwung. Das große Interesse an diesem Brauchtum hält noch immer an. Die historischen Wurzeln der schwäbisch-alemannischen Fastnacht reichen bis in die Frühe Neuzeit und ins Mittelalter. Die Figuren sind sehr vielfältig. Zur Fasnacht gehören Teufel, Dämonen, Tiere, Kobolde, Narren, Räuber und noch viele andere Gestalten. Die am häufigsten vertretene Figur ist sicher die Hexe. Es spricht für die Vielgestaltigkeit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, dass die Hexe nicht zwingend als bösartiges Wesen in Erscheinung treten muss. Ein schönes Beispiel dafür ist die hilfsbereite Hexengestalt des Vereins „Brunnisach-Hexen Fischbach“. Die Brunnisach-Hexe wird bei ihren guten Taten von ihrem Raben „Wawitt“ unterstützt.

Abendlicher Blick vom „Höchsten“ auf die vom Nebel umwogte Bodenseelandschaft
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1978: Die Novelle „Ein fliehendes Pferd“ des Schriftstellers Martin Walser (1927-2023) erscheint. In der Erzählung begegnen sich zwei Paare am Bodensee. Die unterschiedlichen Lebensstile der beiden Paare prallen aufeinander. Der Roman veranschaulicht eindrucksvoll, welch ein Unglück es ist, wenn ein Mensch ein Leben voller Lug und Trug führt. Ihren Namen trägt die Novelle aufgrund einer Szene, die auf einem Berg spielt, der im nördlichen Hinterland des Bodensees liegt. Dieser Berg ist der höchste Berg Oberschwabens, weshalb er „Höchsten“ (843 m) heißt. Der Heiligenberg (816 m) und der Gehrenberg (754 m) liegen nur wenige Kilometer vom Höchsten entfernt. Walser ist in Wasserburg am Bodensee geboren. Er verbrachte sein ganzes Leben am Bodensee, zumeist lebte er in Nußdorf bei Überlingen.

1981: Max Rieple (Text) und Toni Schneiders (Fotographien) veröffentlichen das Buch „Bodensee. Herz Europas“. Rieple betont die besondere geschichtliche, kulturelle und geographische Bedeutung der Bodenseeregion für Europa. Zudem wird die herausragende Bedeutung des durch den Bodensee fließenden Rheins veranschaulicht. Diese Besonderheiten veranlassen Rieple dazu, den Bodensee als „Herz Europas“ zu bezeichnen.

1982: Die Schriftstellerin Maria Beig (1920-2018) veröffentlicht ihren autobiographisch geprägten Roman „Rabenkrächzen. Eine Chronik aus Oberschwaben“. Das Buch vermittelt einen drastischen Eindruck davon, wie rau das Leben der bäuerlichen Bevölkerung im schwäbischen Bodenseeraum während des 20. Jahrhunderts war. Beig lebte viele Jahre in Friedrichshafen.

24. April 1993: Die Imperia-Statue des Bildhauers Peter Lenk wird im Hafen von Konstanz aufgestellt. Die Statue erinnert satirisch an das Konzil von Konstanz (1414-1418). Lenk lebt in Bodman am Bodensee. Mit seiner Kunst möchte er auf gesellschaftliche Missstände hinweisen.

Konstanz: Die Imperia-Statue des Bildhauers Peter Lenk. Am anderen Ende des Stegs: Das Konzilgebäude. Hier fand 1417 die einzige Papstwahl auf deutschem Boden statt.
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1994: Nach mehreren tödlichen Unfällen wird das Tauchen am „Teufelstisch“ verboten. Der Teufelstisch besteht unter anderem aus einer 30 Meter hohen Felssäule, die sich vollständig unter Wasser befindet. Heute darf dort nur noch mit einer Sondergenehmigung getaucht werden. Der Felsen befindet sich im Überlinger See, in der Nähe des Orts Wallhausen.

2008: Der malerische Park von Schloss Arenenberg im Kanton Thurgau in der Schweiz wird wiedereröffnet. Das Schloss liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Untersees. Von dort oben hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Insel Reichenau. Die holländische Königin Hortense de Beauharnais (1783-1837) lebte zeitweise in dem Schloss. Ebenso ihr Sohn, der junge Napoleon III. (1808-1873). Seit 1906 beherbergen die Räumlichkeiten des Schlosses ein Museum zur napoleonischen Geschichte: das sogenannte Napoleon-Museum. Die sehenswerte Einrichtung besteht aus Gegenständen des frühen 19. Jahrhunderts. Arenenberg wurde zwischen 1546 und 1548 gebaut. Von 1817 bis 1820 fanden Umbauarbeiten statt. Vor allem damals erhielt das Schloss sein heutiges Aussehen.

1. August 2012: Bei der Stadt Meßkirch beginnt das Projekt „Campus Galli“. Bei dem Projekt soll der St. Galler Klosterplan, der um 825 und 826 auf der Insel Reichenau entstanden ist, im Sinne der experimentellen Archäologie mit zeitgenössischen Materialien und Baumethoden in die Tat umgesetzt werden. Das Bauprojekt soll ungefähr 40 Jahre dauern.

Juli 2019: Der Berufsfischer Franz Blum aus Fussach in Österreich fängt einen 2,72 Meter langen Wels im Bodensee. Der Fisch wiegt 100 Kilo. Vermutlich ist dies der größte Fisch, der jemals im Bodensee gefangen wurde. In der Presse wird der Fisch auch als „Monster-Fisch“ bezeichnet.

15. Oktober 2020: Der Naturfotograph und Umweltaktivist Markus Mauthe veröffentlicht das Buch „Allein kann ich die Welt nicht retten. Mein Leben für den Schutz unserer Erde oder warum wir jetzt handeln müssen“. In seinem Buch veranschaulicht Mauthe eindringlich, wie wichtig es für das Überleben der Menschheit ist, dass der Schutz der Natur weltweit massiv verstärkt wird. Das Buch weist auch darauf hin, welche menschlichen Fähigkeiten besonders nötig sind, damit die Menschheit ihre natürlichen Lebensgrundlagen erhalten kann. Über die Liebe schreibt Mauthe: „Ohne Liebe geht gar nichts. Sie ist das Fundament unseres Seins. (…) Liebe gilt als die tiefste Form der Zuneigung und Wertschätzung. (…) Ihr direkter Gegner ist der Hass. Im momentanen globalen Konflikt über die Deutungshoheit, welcher Weg in die Zukunft der richtige ist, wird Hass immer mehr zum wichtigsten Element derer, die grüne Ideen aus ideologischen oder wirtschaftlichen Gründen ablehnen. Doch wir brauchen dringend mehr Liebe, und zwar eigentlich überall. Wenn wir die Utopie einer globalen solidarischen Gesellschaft, die im Einklang mit der Natur lebt, Wirklichkeit werden lassen wollen, müssen wir dringend innehalten. Wenn ich in meinen Geschichten von der Liebe zur Natur gesprochen habe, dann war das keine Floskel. Ich fühle eine tiefe Verbundenheit zu alten Bäumen, klaren Flüssen, rauschenden Wellen und blühenden Wiesen, eigentlich zu jeder Form intakter Umwelt. Ich hatte das Privileg, dieses Gefühl entwickeln zu können. Immer mehr Menschen ist dieses Geschenk nicht vergönnt. Natur spielt im Alltag der allermeisten Menschen überhaupt keine Rolle mehr. Wie sollen wir auch in der Lage sein, etwas zu lieben, zu dem wir völlig den Bezug verloren haben? (…) Als wichtige Grundlage für die Zukunft sollten wir über einen gesunden Verstand hinaus auch die Liebe zur Natur (wieder)entdecken, denn das, was wir lieben, sind wir auch bereit zu beschützen.

Mauthe ist in Friedrichshafen geboren und aufgewachsen. Wenn er nicht unterwegs ist, wohnt er in Brasilien und in Friedrichshafen. Auch die Schönheit der Bodenseeregion inspiriert ihn dazu, sich als Fotograph für den Schutz der Natur zu engagieren. Er hat auch Bücher über den Bodensee veröffentlicht (zum Beispiel: „Bodensee: Drei Länder, ein See im Herzen Europas“). Seine Bücher und Diavorträge verdeutlichen, dass es möglich ist, dass wir Menschen in Harmonie mit der Natur leben können. Mauthes Buch „Lost. Menschen an den Rändern der Welt“ vermittelt einen besonders intensiven Eindruck davon, wie sich dieser großartige Fotokünstler für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt. In dem Buch erzählt er von seinen Reisen zu den letzten indigenen Völkern der Erde. Das Leben dieser Ethnien ist noch relativ stark von der Natur geprägt.

April 2021: Im Seerhein bei Konstanz wird mit der Bergung des ältesten bekannten Wasserfahrzeugs des Bodensees begonnen. Dabei handelt es sich um einen 8,56 Meter langen und bis zu 81 Zentimeter breiten Einbaum aus Lindenholz. Der Einbaum stammt vermutlich aus dem 23. bis 24. Jahrhundert vor Christus. Kulturgeschichtlich stammt der Fund also aus einer ganz besonderen Zeit des Übergangs: Damals endete die Steinzeit – und die Bronzezeit begann.

Mai 2024: Erstmals nach 400 Jahren brüten wieder Waldrappe am Bodensee in freier Wildbahn. Der Waldrapp gehört zur Familie der Ibisse. Der Vogel wird 60 cm bis 75 cm lang. Die Flügelspannbreite beträgt 125 cm bis 135 cm. Das Gefieder des Vogels ist vollkommen schwarz. Der Versuch, Waldrappe wieder in Überlingen am Bodensee anzusiedeln, startete im Jahr 2017. Der Vogel wurde im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa ausgerottet, weil das Fleisch als Delikatesse galt.

26. Mai 2024: Ein Versuch, das Wrack der „Säntis“ zu bergen, scheitert. Das Wrack liegt in 210 m Tiefe. Wikipedia: „Die Säntis war ein Seitenraddampfer, der ab 1892 als Passagierschiff auf dem Bodensee fuhr. Das Schiff wurde 1933 nach 41 Betriebsjahren ausgemustert und vor Romanshorn im See versenkt. Benannt war es nach dem Berg Säntis. (…) Da die geringen Preise für Schrott in keinem Verhältnis zu den Abbruchkosten standen, wurde es am 2. Mai 1933 im Bodensee versenkt. (…) Um dem Untergang eine besondere Dramatik zu verleihen, wurden die Bodenventile geöffnet und im Schornstein eine Rauchpatrone gezündet.

Die Burkhartslinde beim Höhengasthof Haldenhof
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27. Juni 2024: Die Burkhartslinde beim Höhengasthof Haldenhof (640 m) bei Sipplingen am Überlinger See wird von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft e.V. (DDG) zum Nationalerbe-Baum Deutschlands erklärt. Die DDG möchte damit zum Ausdruck bringen, dass diese Sommerlinde zu den 100 bedeutendsten Bäumen Deutschlands zählt. Vermutlich ist die Linde zwischen 400 und 500 Jahre alt. Benannt ist sie nach dem Minnesänger Burkhart von Hohenfels, der im 13. Jahrhundert lebte. 18 seiner Lieder sind erhalten. Die Ruine seiner Burg Hohenfels steht nur wenige hundert Meter von der alten Linde entfernt auf einem bewaldeten Vorsprung des Sipplinger Bergs. Die Burg entstand im späten 12. Jahrhundert. Im 30-jährigen Krieg wurde sie zerstört, seitdem ist sie eine Ruine. Bereits im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich der Haldenhof zu einem beliebten Ausflugsziel. Von dort hat man eine großartige Aussicht auf den Bodensee.

Blick vom Aussichtspunkt Haldenhof am Abend.
© Stefan Kubon

19. Mai 2025: Im ZDF wird im Rahmen der Krimireihe „Die Toten vom Bodensee“ die Folge „Das Geisterschiff“ ausgestrahlt. In der Folge geht es nicht nur um ein „Geisterschiff“, sondern auch um religiösen Wahn und um einen Grufti, der beschuldigt wird, einen Mord begangen zu haben. Unter anderem spielen ein Rabe und die Wasserqualität des Bodensees eine Rolle bei der Aufklärung des Falls. Die Krimireihe gibt es seit 2014. Die Reihe spielt in der Grenzregion zwischen Deutschland und Österreich. Oft fungieren die Städte Lindau und Bregenz als Drehorte.

Weiterführende Literatur

Archäologisches Landesmuseum Konstanz und Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.): Magisches Land. Kult der Kelten in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Konstanz 2021.

Karl Siegfried Bader und Christian Altgraf zu Salm: Schloss Heiligenberg, Jan Thorbecke Verlag, Konstanz und Stuttgart 1963.

Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Welterbe des Mittelalters. 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau, 2. Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2024, erstmals veröffentlicht: 2024.

Barbara Baur: Mann schlägt 80-Jährige und legt Feuer bei Kirche, in: Schwäbische Zeitung, 4. Februar 2021, S. 16.

Maria Beig: Rabenkrächzen. Eine Chronik aus Oberschwaben. Roman, in: Dies., Das Gesamtwerk in 5 Bänden, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2010, Band 1, S. 1-119, erstmals veröffentlicht: 1982.

Friedrich Beran, Thommy Gittner, Wilfried Löderbusch: Ein Paradies auf den zweiten Blick. Die Gehrenbergrutsche entwickelt sich zu einer Art Urlandschaft, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band VI, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1988, S. 81-87.

Eduard Berenbach: Heiligenberg beim Bodensee, Feyel Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1935.

Herbert Berner (Hrsg.): Bodman: Dorf. Kaiserpfalz. Adel, Band 1, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1977.

Casimir Bumiller: Hohentwiel: Die Geschichte einer Burg zwischen Festungsalltag und großer Politik, Stadler Verlag, Konstanz 1990.

Rudolf Büttner: Der 30jährige Krieg im Linzgau. Jahrzehnte des Elends im Spiegel der Akten des Konstanzer Spitals, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band VI, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1988, S. 288-305.

Albert Camus: Der Mensch in der Revolte, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1969, erstmals veröffentlicht: 1951.

Sabine Centner: Einsiedelei über dem Salemer Tal. Trappistinnen aus der Eifel in der Klause Egg, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 127-129.

Bea Davies und Patrick Spät: Der König der Vagabunden. Gregor Gog und seine Bruderschaft, avant-Verlag, Berlin 2019.

Kurt Derungs: Magischer Bodensee. Reisen zu mythischen Orten, Verlag Edition Amalia, Grenchen bei Solothurn 2011.

Timo Feldhaus: Mary Shelleys Zimmer. Als 1816 ein Vulkan die Welt verdunkelte, Rowohlt Verlag, Hamburg 2022.

Heinz Finke und Mathias Jung: Geliebter Bodensee, 5. Auflage, Harenberg Verlag, Dortmund 1989, erstmals veröffentlicht: 1987.

Diedrich Genth: Die Räuberbande unter Leitung des Schwarzen Veri, des schwarzlockigen Erzgauners, in: Ders., Mord und Todtschlag in Schwaben, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1990, S. 124-160.

GEO Epoche. Das Magazin für Geschichte, Nr. 131: Der Bauernkrieg 1524-1526, Verlag Gruner + Jahr, Hamburg 2025.

Ernst Haller: Fasnachtszeiten. Brauchtum von Buchhorn bis Friedrichshafen, Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1997.

Václav Havel: Briefe an Olga. Betrachtungen aus dem Gefängnis, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, erstmals veröffentlicht: 1983.

Arthur Hauptmann: Burgen, einst und jetzt. Burgen und Burgruinen in Südbaden und angrenzenden Gebieten, 3. Auflage, Verlag des Südkurier Konstanz, Konstanz 1987, erstmals veröffentlicht: 1984.

Arthur Hauptmann: Burgen, einst und jetzt. Burgen und Burgruinen in Südbaden und angrenzenden Gebieten, Band 2, Verlag des Südkurier Konstanz, Konstanz 1987.

Hermann Hesse: Unterm Rad, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1972, erstmals veröffentlicht: 1906.

Ernst Jünger: Auf den Marmorklippen, Ullstein Verlag, 13. Auflage, Frankfurt am Main und Berlin 1994, erstmals veröffentlicht: 1940.

Hermann Keller: Maria im Stein, Primo-Verlagsdruck, Stockach 1980.

Josef B. Kessler: Vor 40 Jahren: Die Zerstörung Friedrichshafens. Ein Flakhelfer von damals berichtet, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 109-115.

Thomas Knubben: Mesmer oder die Erkundung der dunklen Seite des Mondes, Verlag Klöpfer und Meyer, Tübingen 2015.

Erhard Koch: Rundwanderungen im Bodenseeraum, Band 2, Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1979.

Michael Kunze: Der Freiheit eine Gasse. Traum und Leben eines deutschen Revolutionärs, Kindler Verlag, München 1990.

Elmar L. Kuhn: „Von den Zinnen des Schlosses weht das Banner der Revolution“. Vor 70 Jahren: Revolution in Friedrichshafen, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band VI, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1988, S. 342-352.

Stefan Kühn, Bernd Ullrich, Uwe Kühn: Deutschlands Alte Bäume. Eine Bildreise zu den sagenhaften Baumgestalten zwischen Küste und Alpen, BLV Verlagsgesellschaft, München 2002.

Doris Laudert: Mythos Baum. Was Bäume uns Menschen bedeuten. Geschichte. Brauchtum. 30 Baumporträts, 2., durchgesehene Auflage, BLV Verlagsgesellschaft, München 1999, erstmals veröffentlicht: 1999.

Hildegard Nagler: Wie Schmuggler vor 100 Jahren den Bodensee-Wein gerettet haben, in: Schwäbische Zeitung, 3. April 2025, S. 3.

Paul Noack: Ernst Jünger. Eine Biographie, Alexander Fest Verlag, Berlin 1998.

Markus Mauthe: Allein kann ich die Welt nicht retten. Mein Leben für den Schutz unserer Erde oder warum wir jetzt handeln müssen, Knesebeck Verlag, München 2020.

Markus Mauthe: Bodensee: Drei Länder, ein See im Herzen Europas, Tecklenborg Verlag, Steinfurt 2003.

Markus Mauthe: Lost. Menschen an den Rändern der Welt, Knesebeck Verlag, München 2018.

Ulrich Mendelin: Waldrapp kehrt aus Andalusien an den Bodensee zurück, in: Schwäbische Zeitung, 4. Juni 2025, S. 2.

Volker Michels (Hrsg.): Hermann Hesse. Jahre am Bodensee: Erinnerungen, Betrachtungen, Briefe, Gedichte, 3. Auflage, Insel Verlag, Berlin 2016, erstmals veröffentlicht: 2010.

Eva Moser: Maler am Bodensee. Nach-Denkliches zu einer Sommerausstellung, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 199-207.

Adam Puntschart, Oswald Burger: Im KZ und auf der Flucht. Vor 40 Jahren entstand das Konzentrationslager bei Überlingen, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 116-126.

Max Rieple und Toni Schneiders: Bodensee. Herz Europas, Friedrich Stadler Verlag, Konstanz 1981.

Werner Rösener: Reformkloster Salem. Zur Gründungssituation und Frühgeschichte der Zisterzienserabtei, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 25-32.

Joseph Viktor von Scheffel: Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert, 2. Auflage, Hera Verlag, Wilhelmshaven 1949, erstmals veröffentlicht: 1855.

Renate Schettler: Ein Geigenbauer aus Passion. Die Werkstatt Arthur J.C. Bay im Schweizerhaus am Heiligenberg, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band VI, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1988, S. 213-216.

Elisabeth Schnering: Luftkurort Heiligenberg. Die Aussichtsterrasse des Bodensees. 700-800 m ü. d. M., Kurverwaltung Heiligenberg (Hrsg.), in der Broschüre findet sich kein Hinweis zum Erscheinungsjahr. Vermutlich ist das Heft in den 1970er Jahren erschienen.

Elfriede Schulze-Battmann: Betenbrunn, Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich 1983.

Elfriede Schulze-Battmann (überarbeitet von Rudolf Schatz): Wallfahrtskirche Maria zum Berg Karmel. Meersburg-Baitenhausen, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2004.

Seegfrörne 63. Das Tagebuch vom großen Eis, 4. Auflage, Verlag der Schwäbischen Zeitung, Leutkirch 1963, erstmals veröffentlicht: 1963.

Mary Shelley: Streifzüge durch Deutschland und Italien. In den Jahren 1840, 1842 und 1843. Band 1, Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017.

Otto Uhlig: Bis 1915: Markt der Schwabenkinder. Ein Spiegel sozialer Not in den Berggebieten, in: Leben am See, Heimatjahrbuch des Bodenseekreises, Band II, 2. Auflage, Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1985, erstmals veröffentlicht: 1984, S. 245-254.

Erich Viehöfer: Die Schwarzen Führer. Schwaben. Bodensee, 2. Auflage, Eulen Verlag, Freiburg im Breisgau 1996, erstmals veröffentlicht: 1996.

Johannes Graf Waldburg: Die Waldburg, Verlag Schnell & Steiner, Kunstführer Nr. 732, München und Zürich 1963.

Martin Walser: Ein fliehendes Pferd, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1978.

Anni Willmann: Der gelernte König. Wilhelm II. von Württemberg. Ein Porträt in Geschichten, 3. Auflage, DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 1996, erstmals veröffentlicht: 1993.

Norbert Zysk: Hohenbodman. Ein Beitrag über das ehemalige Schloß Hohenbodman, Primo Verlag, Stockach 1979.

Fan von THE MISSION und NEW MODEL ARMY. Sein Lieblingsmusikstil ist der klassische Gothic Rock. Zudem leidenschaftlicher Metal-Hörer. Interessiert sich für politische und historische Themen. Gerne in der Natur unterwegs. Bisweilen begegnen ihm dort Raben, „Brockengespenster“ und andere zauberhafte Wesen.

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Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Vor 23 Tagen

Schön, dass jemand auch über den Bodensee was schreibt. Das macht doch fast Lust da mal spazieren zu gehen. In der Gegend vom See bin ich eher selten.

Ja, hier gibt es viel Natur und alte Kultur, weil sich hier seit dem Altertum alles mögliche getroffen hat. Direkt am See gibt es auch vieles zu bestaunen. Wer aber etwas Ruhe will, sollte außerhalb der Saison an den See kommen, weil während der Saison sind schon etwas viele Touris hier. Fährt man von Heiligenberg ne dreiviertel Stunde Richtung Nordwesten, nach Messkirch, so findet er/sie dort alle vier Wochen eine dunkelschwarze Tanzveranstaltung. Ach und die Schweden. Ja die sind sind ziemlich frustriert durch die Landschaft gezogen und haben viel zerstört und geplündert, nachdem sie lange Zeit die Inselstadt Lindau belagert haben und die Lindauer bei einer Nacht- und Nebelaktion deren Kanonen am Ufer zerstört haben. Darauf hin sind sie dann frustriert abgezogen und haben die eine oder andere Stadt in der Umgebung gestürmt und geplündert, bevor sie die Heimreise angetreten haben, bzw andere lukrative Gegenden zum plündern ausgesucht haben.

Auf der Reichenau kann man eine der ältesten romanischen Kirchen nördlich der Alpen bestaunen. Bei Waldburg kann man eine noch intakte alte Ritterburg besichtigen. Vom Pfänder aus hat man einen herrlichen Ausblick über den Bodensee. Im Hinterland gibt es jede Menge Wanderwege, auch durch Schluchten hindurch. Im Kloster St. Gallen kann man die älteste Blaupause für den Klosterbau bewundern. Und wer eher moderne Dinge mag, dem ist das Dornier Museum und das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen zu empfehlen. Wer es kitschig mag und viel Gartenarbeit bzw Blumenrabatte bewundern will, der kann die Insel Mainau besuchen. Und wer ein altes spätsteinzeitliches Dorf sehen will, für den gibt es die Pfahlbauten in Unteruhldingen. Wer durch eine mittelalterliche Stadt schlendern will, für den gibt es Meersburg. Hab ich noch was vergessen? Na klar, aber das würde den Rahmen sprengen.

Maren
Maren(@maren)
Vor 22 Tagen

Es freut mich sehr, hier einen Artikel zu lesen über die Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Ich komme zwar nicht direkt vom Bodensee sondern aus dem Hinterland (Meßkirch), aber Heiligenberg ist mir nicht unbekannt. Das war in meiner Kindheit gelegentlich auch Ziel von Familenausflügen, gerade am Sonntag, wenn sich unten am See die Menschen gegenseitig auf den Füßen rumgetrampelt sind. So haben ich Heiligenberg auch als Ort der Ruhe und des stillen Rückzugs erlebt. Im Schloss waren wir auch einmal, aber leider ist meine Erinnerung daran sehr verschwommen. Dass man heute gar nicht mehr hinein kann, ist schade – ebenso, dass der Park nicht mehr zugänglich ist, den ich als sehr romantisch erlebt habe, da alte Bäume frei wachsen durften und Hecken nicht künstlich gestutzt wurden. Die alte Linde kenne ich natürlich auch.
Die Erfahrung die Du hier über Kraftorte in der Natur teilst, kann ich absolut nachempfinden, denn auch für mich gibt es solche Orte. Für mich ist das Aufsuchen solcher Orte ebenfalls eine der verschiedenen Wege, um Katharsis der Seele zu erlangen.
Vielen Dank für diesen schönen Artikel!

Durante
Durante(@durante)
Vor 19 Tagen

Wow, da hat sich jemand mal Arbeit gemacht… Respekt dafür, und danke für den Lesestoff in meiner Mittagspause (und für die tollen Schlussworte)!
Scheint wirklich eine wunderschöne Gegend zu sein, vielleicht verschlägt es mich dort ja mal hin…
(Eine „Amalienhöhe“ gibts hier in der Gegend tatsächlich auch (dort steht eine Bergkapelle die ein Sohn einst im Andenken an seine verstorbene Mutter Amalie errichten ließ, an ihrem angeblichen Lieblingsplatz – Schöne Geschichte irgendwie…), hat mich beim Lesen vorhin kurz irritiert. ;) )

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