Video 1994: Wie die Gruftis Schwermut und Tristesse zum Kult erheben

Anfang der 90er Jahre erlebt die Gothic-Szene eine Renaissance. Bruno Kramm und Stefan Ackermann von der Band “Das Ich” beeinflussen mit ihrem Debütalbum die wiedervereinigte Szene maßgeblich in ihrer musikalischen Wahrnehmung. Auch den Medien entgehen diese Strömungen nicht, neben den Berichten in Zeitungen und Zeitschriften wird auch immer wieder im etablierten Bildungsfernsehen der öffentlich-rechtlichen Sender über die Gothics gesprochen. Ackermann und Kramm werden zur Speerspitze der Bewegung gekürt, die bereitwillig über sich und die Szene philosophieren. Was dann aber in diesem Bericht des SWR dabei herauskam, darf durchaus als amüsant durchgehen.

Tod! Verwesung! Verdammnis! Einsamkeit! Krieg! Bei den Gruftis werden Schwermut und Tristesse zum Kult erhoben.

Allein diese erste Zeile bringt die Lautsprecher zum Beben. Mit tief empfundener Ernsthaftigkeit beginnt der Sprecher seinen Bericht. Trotz entsprechender Inhalte ihrer Musik, können sich Ackermann und Kramm nicht mit Todessehnsucht und Weltuntergangsstimmung identifizieren. Sie spiegeln in ihren Texten, so Ackermann, nur ihre Wahrnehmung der Gesellschaft, die sie eben manchmal depressiv stimmt. So weit, so gruftig. Bis auf die peinliche Verwechslung der Namen. Die Ähnlichkeit der Musiker ist allerdings auch frappierend.

Schwarz ist zum Symbol der Szene geworden, Mystik zum Aushängeschild. Konformität oder Protest?” Jetzt dreht Bruno Kramm den philosophischen Regler voll auf: “Diese schwarze Kleidung, die in der Gesellschaft eigentlich nur als etwas mit dem Tod verbundenes assoziiert wird, ist der Grundtenor des Existenzialismus der sich sehr stark beschäftigt mit den Randbereichen, mit dem Tod, mit den Schmerzen, die das einzelne Individuum gerade in unserer modernistischen Gesellschaft hat.

Kramm bleibt neben seiner musikalischen Ausdrucksform auch inhaltlich dem “Mystischen” treu. Was er meint, bleibt im Nebel aus Fremdwörtern und Unklarheiten auf der Strecke. Seit 7 Jahren, so der Sprecher, würden Bruno und Stefan zusammenarbeiten. “Ob Religion, Umwelt oder Krieg, ihre Texte sind nach wie vor düster, es lebe die Sinnlosigkeit.

Wäh? Ich komme mir vor wie in einer Kunstausstellung, in der Experten vor einem Bild fachsimpeln, was der Künstler womöglich zu vermitteln versucht hat. Offenbar bin ich weder dem Bildungsanspruch des SWR noch der Philosophie von Kramm gewachsen. Ich bin ein unwürdiger Grufti. Glücklicherweise lässt sich der Prophet erweichen, das auf mein Niveau herunterzubrechen. Er erklärt, das sie als Musiker eben die Möglichkeit hätte, alles Negative, das in ihnen vorgeht, in der Musik zu kanalisieren, wozu der “Normalbürger” eben nicht die Möglichkeit hat. “Entsprechend sind wie auch sehr ausgewogene Menschen“, merkt er zu Abschluss an.

“Gruftisein. Ein Weg zur Selbstfindung oder ein Alibi?” 

Gerade noch, als ich mir eine Beantwortung auf diese Frage des Sprechers zusammenbaue, stört er gleich wieder mit einer nahezu skandalösen Behauptung: “Heute distanzieren sich Bruno und Stefan von der schwarzen Szene.” Da habe ich dann wohl was verpasst in der Darstellung der Band und kann vorwegnehmen, das die Band auch nach diesem Bericht noch sehr erfolgreich und in der Szene unterwegs sind. Ihr Einfluss ist zwar geringer geworden, aber als Mit-Begründer der 90er-Grufti-Szene haben sie auch ewig eine Niete im Gürtel.

Kramm schließt zwar die globale Apokalypse aus, was den Sprecher offenbar zur Behauptung drängt, man habe sich von der Szene abgewandt, dafür prophezeit er aber wie Nostradamus dem neuen Jahrtausend im ersten Drittel gesellschaftliche und globale Veränderungen. Was für ein Prophet! Ich war 1994 noch fest in dem Glauben, dass die Zeit stehenbleiben würde und alles so bliebe, wie es war und das wir mit der Aufrüstung, den Atommeilern und der Zerstörung der Umwelt endlich Ruhe hätten, nachdem wir uns in den späten 80ern so lautstark empört hatten. So Kinder, ich muss jetzt los und Platten von “Das Ich” hören, um neue und schreckliche Prophezeiungen als Erster zu erkennen. Mal sehen, vielleicht spiele ich die ein oder andere Platte auch rückwärts.

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Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Yorick
Yorick (@guest_59262)
3 Monate her

Sehr schön, danke dafür!

Aber was genau ist an dem Satz von Bruno jetzt so schwer zu verstehen?

Armin Reimer
Armin Reimer (@arminr)
3 Monate her

Warum Renaissance? Die Szene war Ende der 80er / Anfang der 90er nicht tod? Es bedurfte daher auch keiner Wiederentdeckung dieser. Eher ist es so das “Das Ich” in Verbindung mit der Zillo zu den Totengräbern der Szene gehörten. Denn durch die Kooperation Danse Macabre / Zillo kam es zur Schrottschwemme an Veröffentlichungen. Alleine was Danse Macabre raushaute war absoluter Müll, aber alles wurde auf CD gepresst. Jede Band meinte nun eine CD rausbringen zu müssen. Und es kam was kommen musste, Mitte der 90er war der Markt mit 08/15 Bands überschwemmt und die Szene wandte sich ab.

Bruno Kramm wusste schon damals nicht was er wollte und das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Siehe auch seine politischen Aktivitäten. Ich finde dieses Geschwätz sogenannter Szenegrößen oder Kenner war damals schon nervig und ist es heute noch. Amen!

The Drowning Man
The Drowning Man (@guest_59265)
3 Monate her

Danse Macabre Totengräber der Szene? Schrottschwemme? Mmh..ich glaub das kann ich da nicht so wirklich unterschreiben. Auch wenn ich zu Das Ich (und allgemein zu NDT) nie den wirklichen Bezug hatte (obwohl..als “Die Propheten” erschien, erinnerte mich die Platte tatsächlich ein bisschen an “Haus Der Lüge” von den Neubauten..nur eben rein elektronisch. Und weil das Ganze auch neu war, war es für eine kurze Zeit auch faszinierend..ich verlor jedoch schnell das Interesse an der Band) kann ich jetzt auch nicht sagen das Bands wie Placebo Effect (Galleries Of Pain), Endraum, Printed At Bismarcks Death, All Fools Day (mit nem Pink Turns Blue Mitglied) oder Yelworc jetzt Schrott sind..im Gegenteil! An der Kommerzialisierung der Szene war das Label meines Erachtens nur bedingt (wenn überhaupt) beteiligt. Da waren andere Faktoren ausschlaggebend.

Bruno
Bruno (@guest_59268)
3 Monate her

Hihi, habs gerade zum ersten Mal ever gesehen. Wo distanzieren wir uns eigentlich und ja “Klimakrise vorherhesagt” :-))))

Bruno Kramm

Yorick
Yorick (@guest_59276)
3 Monate her

 Robert
Der Existenzialismus ist eine philosophische Bewegung, deren Hauptthese man dahingehend zusammenfassen könnte, dass das Leben objektiv sinnlos ist und jedes Individuum sich seinen Sinn selbst schaffen muss. Es handelt sich möglicherweise um die individualistischste Philosophie, die es gibt. Folglich war sie stets attraktiv für die Außenseiter der Gesellschaft, jene also, die sich in den Randbereichen bewegen.

Fantôme noir
Fantôme noir (@guest_59280)
3 Monate her

1994… das müßte doch noch der SWF gewesen sein, den SWR gibts doch erst seit… ’98?

Bruno Laß mich raten – vermutlich haben die Macher einfach verzweifelt einen für den damaligen Durchschnittszuschauer “positiven” Abschluß der gar grausig verstörenden Bilder gesucht und daher das Märchen mit der Distanzierung von der Szene in den Beitrag gebastelt. Erstaunlich, daß die sowas damals überhaupt gesendet haben… vermutlich aber erst nach zehn Uhr abends…

Gut – “Das Ich” hat unter dieser Ente erfeulicherweise nicht gelitten, ich entdecke da immer wieder mal die eine oder andere alte Sache neu. Aktuell läuft “Reanimat” im Auto rauf und runter, das ich damals völlig verschmäht habe – frag mich mal jemand, warum…

Daß Danse Macabre ein “Totengräber der Szene” gewesen sein soll, halte ich allerdings auch für ein Gerücht. Da kommen bei bei  ArminR. wohl eher die ewigen Animositäten hoch, welcher Musikstil denn nun der einzig wahre sei ;-)

BlueLotus
BlueLotus (@guest_59281)
3 Monate her

Erstens, Mal Danke an Bruno & Stefan, dafür, daß sie die Schwarze Szene seit vielen Jahren mit ihrer Kreativität bereichern und auch maßgeblich mitgeprägt haben bzw. ihr immer treu geblieben sind! Ich habe euch Anfang der 90er live gesehen und auch 2019, ihr rockt immer noch :D Als damals die Satanische Verse rauskam, habt ihr die Tanzflächen aufgemischt und auch die anderen Veröffentlichungen ( Fahrenheit 451,…) waren super!
Zweitens, Danke an Claude, daß er jetzt einen coolen TV- Mitschnitt nach dem anderen raushaut!
Drittens, der unfundierte & niveaulose Kommentar von ArminR. ist echt entbehrlich, was hast denn Du für die Szene geleistet, daß Du Dich hier so aufplusterst?

ArminR.
ArminR. (@arminr)
3 Monate her

@Fantôme noir

Ich habe und hatte gar keinen präferierten Musikstil. Von Darkwave, Gothic-Rock bis zu EBM oder Industrial habe ich fast alles gehört. Mein Platten/CD Sammlung war damals schon sehr groß mit über 1000 Tonträgern.

Schau Dir mal bei Discogs die Danse Macabre Sampler an und was da für tolle Bands veröffentlicht wurden. Natürlich war es nicht Danse Macabre alleine, auf den Zug der schwarzen Szene sind auch andere aufgesprungen. Fakt ist das Mitte/Ende der 90er der Markt übersättigt war und viele Bands sich auflösten.

Und angefangen hat es nunmal mit der Aktion von Zillo und Danse Macabre damals als Newcommer Bands gesucht wurden. Die Qualität der Veröffentlichungen vor dieser Aktion war einfach höher. Aber richtig, ist halt Geschmacksache und das ist halt meine Meinung.

@BlueLotus
Auf dein unterirdisches Niveau lasse ich mich mal nicht herab. Du kennst mich gar nicht und kannst mal so gar nichts beurteilen.

Nossi
Nossi (@guest_59333)
2 Monate her

Man darf Dinge kritisch sehen, man darf Leute nicht leiden können. Immer zu allem JA und Amen sagen, ganz nach dem Motto Gleichschrittmarsch, ich hab immer recht, wenn H toll ist darf niemand was dagegen sagen sonst …. GÄHN!

Was daran jetzt niveaulos ist, weil man seine Meinung sagt, auch gern mal drastisch, verstehe ich jetzt nicht wirklich, Ellie auch nicht.
Wir schütteln gerade beide den Kopf.
Meinungsfreiheit.
Ich selbst besitze kein Produkt aus dem Hause Danse Macabre. JA, dies hat Gründe. Ich kann Armin da ganz gut verstehen. Was ich an dem Label auf Anhieb furchtbar finde, sind diese Werbeslogans und, jenes Label kann auch nicht mit Kritik nicht umgehen!
Als Künstler muss man aber auch mal Kritik einstecken.

Ob Armin R übers Ziel hinaus geschossen ist oder nicht, er hat eine klare Meinung und die darf man sagen, auch mit schmackes, wer weiß vielleicht hat er einen guten Grund dafür.

Durante
Durante (@guest_59339)
2 Monate her

Bruno Kramm wusste schon damals nicht was er wollte und das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Siehe auch seine politischen Aktivitäten.

Mit der Aussage tut man ihm objektiv unrecht, eigentlich war er doch immer sehr konsequent in seiner Haltung (auch die Sache mit den Grünen & dem sog. “GEMA-Hack” – völlig unabhängig davon ob man die Aktion pers. jetzt so richtig findet oder nicht – folgte konsequent seiner politischen Linie/seinen Zielen, “vorgetäuschter Parteiwechsel” hin oder her ;) ).

PS: “Relatives Menschsein” z.B. = Schrott? Tz tz tz, wie kann man nur… oO
Und dass man ausgerechnet einem Label das zu großen Teilen Heimat der NDT war “Schuld an der Kommerzialisierung der Szene” gibt…? NDT ist natürlich Geschmackssache (ich pers. steh drauf), aber “zugängliche, poppige, sich dem Kommerz anbiedernde Musik” war sie DEFINITIV nicht. ;)

Nossi
Nossi (@guest_59348)
2 Monate her

@Durante, dem möchte ich entgegen halten, keine Kritik geschieht grundlos. Die Personen die damals an diversen Diskussionen beteiligt waren, wo auf eine sachliche Kritik herablassend und besserwisserisch hähmisch diffarmierend und niveaulos reagiert wurde, kritisieren so etwas nun einmal, aus ihrer Sicht, gerechtfertigt.

weiterhin gebe ich an die Personen die sich scheints nicht dafür interessieren, warum eine Kritik geschieht sondern nur darauf bedacht sind auf jemand herum zu trampeln dessen Beweggründe man nicht versteht, folgendes zu bedenken:
Die frage darf gestattet sein, wenn man einen Personenkreis kritisiert, der auf eine sachliche Kritik mit Hähme und besserwisserischer Belehrung reagiert, wie dies einst in einer Diskussuion geschah, ich kann mehrere Zeugen aufführen, ist solch eine Kritik gerechtfertigt, da gleich mit demTotschlagargument nievaulos zu kommen, ohne die Hintergründe zu kennen, was soll das? Dies würde ich dringlichst überdenken, dies ist keine Diskussionsgrundlage, nehmt euch mal ein Beispiel an Robert, wie man diplomatisch mit einem Kritiker umgeht.

In diesem Fall, bin ich ganz bei besagtem Armin, denn ich war damals in diesen Diskussionen dabei und kann seine Abneigung, SEHR gut verstehen. Und jetzt soll mir mal bitte jemand sachlich erklären, warum man keine Kritik üben darf UND warum man nicht von selbst auf die Idee kommt, eine so harsche Kritik wie die des Armin R. hat dies 100% einen Hintergrund. Aber anstatt darüber nach zu denken und zu hinterfragen, diffarmiert man lieber eine Minderheit, warum auch immer, es spielt keine Rolle, aber in dem Moment, wo eine Kritik nicht mehr hinterfragt wird, sondern nur noch verurteilt wird, OHNE die Hintergründe zu kennen, sind wir im Totalitarismus. Angenommen jemand spuckt mich an, glaubt irgendwer ich würde noch ein einziges gutes Wort über diese Person verlauten lassen. Dies ist nur ein Beispiel. Es geht doch überhaupt nicht darum, eine Kritik gut oder schlecht zu finden, es geht um die Hinterfragung, nicht um die Verurteilung. Da ich mich selbst IMMER hinterfrage, habe ich diese Diskussion gleich mehreren Personen gezeigt. Keiner konnte verstehen, weshalb der Kritiker hier mit dem Argument “niveaulos” bedacht wird und allseits runtergemacht wird ohne das man weiß, ob seine Kritik eine Ursache hat.

Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
2 Monate her

Ob es Totengräber der Szene gab? Vielleicht. Man sollte allerdings mal kurz überlegen, was es sonst noch so gab.
Die Plattenlabels haben in den 90er mit Geld nur so um sich geworfen. Da gab es ja total schreckliche “Musikvideos”, die auf MTV oder VIVA gelaufen sind. Das hat man gemacht, ja weil man das Geld dafür hatte. Da wurde Talent nicht mehr groß geschrieben, sondern Lookism. Da wurde alles, was brauchbar aussah zum Star gemacht. Jede Woche zig Newcomer. In allen Musikrichtungen!
Im Zuge des Internets wurde es anders. Die Musikindustrie hat den Anfang verpennt und musste feststellen, das sie das Geld für was anders ausgeben hätten können.

Nossi
Nossi (@guest_59357)
2 Monate her

Ich glaube zuerst muss man davon abkommen, die Gruftieszene/Gothicszene der Jahrtausendwende als einheitliche homogene Masse zu sehen.
Wenn ich an Zeiten um die Jahrtausendwende denke, da gab es ganz verschiedene Interessen, sei es künstlerisch, musikalisch oder bekleidungstechnisch. Es gab ja sogar junge Deathrocker, mit wilden Punkfrisuren und zerfetzter Bekleidung. Man darf meiner Ansicht nach nicht den Fehler machen, eine einheitliche Szene zu sehen.
Beide hier vorgestellte Sichtweisen machen den Fehler, von einer homogenen einheitlichen Szene auszugehen. Ich bin sicher, viele der älteren fanden einige Strömungen der jungen Generation ein bisschen komisch.
Um dies deutlicher zu formulieren, die romantischen Deine Lakeien/Sopor Fans trafen sich nicht gezielt mit den wilden DeathRocker Punks oder den EBM Fans.
Es gab Hybriden, aber auch solche die klar in eine Richtung gingen.
Und die älteren? Manche fanden es cool und mischten mit, andere rümpften die Nase.
Also kann man nicht von einer homogenen Masse ausgehen.
Ich liebte ja Gothic Rock als Musik, aber viele in meinem Alter eben nicht.

um bei den besagten Totengräbern zu bleiben, ich glaube hier haben viel mehr Faktoren eine Rolle gespielt als die Rolle der Plattenfirmen.

Die Medien wendeten sich ab, ja auch Zillo, verlagerten sich auf andere musikalische Schwerpunkte. Das beliebte
Gothic Magazin schwenkte von Darkwave / Gothic Rock auf symphonic metal und Fashionkult um, hier könnte man schon hinterfragen, ob sich hier eine Oberflächlichkeit abzeichnete, die vielleicht nicht den Nerv von jedem traf.
Die Medien begannen Musikrichtungen zu puschen, die für jemand der noch mit den Musikrichtungen der 80ger aufgewachsen war, sicherlich sehr befremdlich wirkten.

Ich erinnere mich an cradle of filths, die aus Sicht der Medien dazu gehörten. Doch wie empfand dies jemand, der noch mit Specimen, Play Dead und Alien Sex Fiend aufgewachsen ist? Sicher befremdlich. Mancher fand es cool, ein anderer schrecklich.

Gleichzeitig begannen zaghaft die ersten Shops extra nur für Gothic Bekleidung.
Wie viele Ältere beklagten, war dies schon ein Ansatz die nachfolgenden jüngeren Generationen zu kritsieren.

Wie fühlten sich wohl die Älteren damit, die noch mit selbsgemachten Klamotten und ominöser Undergroundmusik aufwuchsen? Einige fanden es sicher interessant, andere nicht, einige lächelten bemitleidend.
Wer noch mit Bauhaus, Christian Death und Depeche Mode aufwuchs, sah Teenies die lieber Deine Lakeien in Dauerschleife hörten, nicht mehr liefen sondern schwebten und vom punkigen Gedanken der Ursprünge nicht mehr viel wissen wollten.

Um / Ab der Jahrtausendwende begannen die Medien Gothic Rock und Darkwave zu meiden, nicht grundlos, den viel gutes neues wurde nicht mehr veröffentlicht. In Viva 2 begann man irgendwann Goethes Erben etc zu zeigen. Ich registrierte dies damals mit Stirnzunzeln. So etwas wollte man nicht. Das Nest wurde beschmutzt. Kein Viva2 nicht, niemals, bleibt bitte weg^^ so empfanden es manche.
Läden und Mailorder begannen dir dein vollständiges Gothic Outfit zu verkaufen.
Einige ältere Grufties konnten eben mit metal, kalter elektronischer Musik und Spielmansmusik nichts anfangen. Wo ist das Problem? Kann man hier Intoleranz als Vorwurf benutzen? Hmmm
Hier setzt mein Hinterfragen an:
Wenn jemand eine Musikrichtung nicht gefällt, liegt dies an mangelnder Toleranz oder weil es ihm nicht gefällt?
Muss man alles mögen? darf man nicht sagen “so ein scheiß”? ^^

Zurück zu den Totengräbern. Nach meiner Einschätzung, Beobachtung, Recherchen, Befragungen, spielten hier also viele Faktoren eine Rolle. Medien, Plattenfirmen, TV und auch die Künstler selbst, die anstatt neue Impulse zu setzen, lieber auf sinkende Schiffe setzten.

Aber ich finde, man darf von niemand verlangen, das er dies mögen muss. Von South of no north zu metal mit keyboards und sägenden Gitarren oder kalter harter Elektromusik eine Brücke zu schlagen, fällt nicht jedem leicht und wer diese Brücke nicht gehen kann oder will, muss nicht intolerant sein, vielleicht gefällt es ihm einfach nicht.
Manch einer nahm es dankend als willkomene Abwechslung an, mancher nicht, es war aber nur ein Nebeschauplatz.
Man darf nicht vergessen, die Gothicszene war schon beinahe 20 Jahre alt. Mancher war dankbar über neue Impulse, aber es musste auch passen. Um beim metaleinfluss zu bleiben, da gab es schon damals heftige Kontroversen. Manche mochten metal, manche nicht, manche mochten theatre of tragedy, manche mochten lieber ominöse fiese Sachen wie darktrhone um mal die bekanntesten Vertreter zu nennen.
Jetzt frage ich mich gerade, wie empfanden dies die älteren? Da dachte sich doch sicher der ein oder andere : “bin ich jetzt im falschen Film” ^^

Ich selbst hatte damals den Eindruck, viele, ob Künstler oder Fans, wollten weg von diesem Standartding. Um die Jahrtausendwende erlebte die Gothic/Gruftieszene einen immensen Zulauf an jungen Leuten. Ich glaube man kann einen gewissen Teil dieser Generation schon als “die Romantische” bezeichnen. Ich glaube, Gothic Rock war nicht die Essenz dieser jungen Generation. Da waren eher Künstler beliebt, die andere Impulse setzten, ich nenne es mal abgekürzt Post Darkwave (damit meine ich deine lakaien, sopor aeternus, goethes erben usw). Einigen älteren die noch mit Gothic Rock aufgewachsen waren, passte dieses teilweise natürlich nicht, wofür ich auch ein gewisses Verständnis habe. Da war bei den jungen Generaion schon ein immenses Verlangen nach verklärender Romantik einerseits und harten tanzenden elektronischen Beats andererseits (die Rolle von Wumpscut wird hier unterschätzt) oder richtig fiesem black metal. Hier begann schon die Spaltung.
Aber ich sehe in dieser Spaltung nichts negatives, kann aber verstehen, wenn manche diese Spaltung als den Untergang schlechthin bewerteten.
Darin kann man positives als auch negatives sehen.
Eine Subkultur hat sehr viel Platz für Nebennischen. Auch muss diese eine Weiterentwicklung erfahren um am Leben zu bleiben.
Diese Weiterentwicklung blieb seit dem Zerfall der romantischen Generation aus.

Wer diesen Untergang(?) – wollen wir es lieber Verlagerung nennen? einleitete, kann man eigentlich niemand in die Schuhe schieben, ich sehe es eher als einen Prozess, der aus sehr vielen Faktoren bestand und von den meisten stillschweigend mitgetragen wurde.
Doch kann ich durchaus verstehen, wenn nicht JEDER darin nur gutes sah, doch finde ich es nach eingehender Überlegung auch seltsam, dies mit Intoleranz in Verbindung zu bringen. Es ist sehr warm, unangenehm warm und ich leide unter Zeitnot, auf eine Kürzung und Rechtschreibprüfung habe ich gerade keine Lust, man möge mir dies nachsehen

Yorick
Yorick (@guest_59360)
2 Monate her

Nossi
“ich nenne es mal abgekürzt Post Darkwave (damit meine ich deine lakaien, sopor aeternus, goethes erben usw)”

Na ich würde schon noch sagen, dass das Wave-Bands sind. Ebenso Untoten, Die Form etc. pp. So hart wie manche tun ist der Bruch in diesem Fall also nicht. Zumal Darkwave ja von vornherein eine sehr breit angelegte Kategorie ist.

Klar ist allerdings, dass die eigentliche Goth-Musik (die eine Unterkategorie von Darkwave ist) in den frühen 2000ern tatsächlich ziemlich wenig vorkam. Vermutlich sogar noch weniger als in den späten 90ern. Klar, Cinema Strange haben den Neo-Batcave losgetreten. Das hat aber erst in den späteren 2000ern richtig an Fahrt aufgenommen, bis dahin standen die damit ziemlich allein da. Das einzige, was es sonst noch gab, waren ein paar sehr obskure (im Sinne von unbekannt) Bands wie Kiss the Blade und Beyond the Wall of Sleep.

Nossi
Nossi (@guest_59363)
2 Monate her

Yorick ich wollte damit nur unterstreichen, meine Generation hörte weniger klassichen Darkwave der 80ger sondern eher die Bands, die das in eine akustisch romantische Richtung trugen.
Recherchiert man, findet man natürlich heraus das zu Beginn sehr viel, fasst alles- als Darkwave bezeichnet wurde. So fand ich Artikel, welche -so steht es dort- sogar die Fields of the N. als Darkwave bezeichnet werden. Mir selbst gefällt es verschiedene Strömungen in Genres zu unterteilen.
Mit solchen Suchbegriffen finde ich einfach leichter die Musik die ich gerade suche.
Zwischen 2000 und 2005 blieben die Veröffentlichungen im Gothic und Darkwave Genre weitestgehend aus oder aber man verlagerte sich endgültig in andere Richtungen.
Dennoch muss man ich Nachhineien sagen, es gab noch nennenswerte Veröffentlichungen.
Sopor Aeternus zelebrierten ihre obskure Kammermusik, Rosa Crux waren auf dem Höhepunkt ihres Schaffens (auch wenn dies damals an mir vorbeizog), es gab einige eher unbekannte neue Bands die zaghaft begannen oder ältere, die noch einen Grabgesang von sich gaben bevor sie verschwanden:
The Eternal Fall,
D.R. Arthur Krause,
Darc Entries,
Voices of Masada,
Violent Stigmata,
Septima Sima,
Frank The Baptist,
Dryland,
Bloody Dead And Sexy,
Ain Soph Aur,
Burning Gates- die gerade ihr Meisterwerk veröffentlicht hatten….

sicher würde man hier noch einiges beitragen können und einige ältere waren ja auch noch aktiv.


(Da damals dieser Umschwung einsetzte, den ich persönlich als oberflächlich empfand, beschäftigte ich mich aber immer weniger mit der Szene, Musikalisch war ich durchaus zufrieden, mir stand ja ein Fundus aus 20 Jahren zur Vefügung, der second Hand Shop im Nachbarort war hier eine beliebte Fundgrube. Zudem entdeckte ich damals Orgelmusik und gregoranische Gesänge, ruhige Musik ala Sol Invictus etc und auch eine Band namens Sunn o))) die ich rauf und runter laufen lies…usw… mein Interesse an aktuellen Veröffentlichungen lies also sehr stark nach da ich die meisten Sachen als aufgesetzt empfand, schwand mein Interesse an der Gothic Szene. Ich wollte auch nichts mit Leuten zu tun haben, die in meiner Wahrnehmung oberflächliche Partymusik mochten, da ich die Erfahrung gemacht hatte, das man kaum auf einen gemeinsamen Nenner kommt, wenn man total unterschiedliche Auffassungen von kreativer Musik hatte, den langsam einsetzenden Boom der NDH und der Sackpfeifemusik fand ich übrigens verachtenswert)

Durante
Durante (@guest_59364)
2 Monate her

Nossi: Wenn jemand eine Musikrichtung nicht gefällt, liegt dies an mangelnder Toleranz oder weil es ihm nicht gefällt?
Muss man alles mögen?

Natürlich nicht! :)
Intoleranz bedeutet ja nicht dass man nicht alles mag, es heißt eher dass man auch den ANDEREN vorschreiben will was sie zu mögen/hassen haben, selbst wenn es einen persönlich gar nicht betrifft.
(Wobei eine Aussage wie z.B.: “Das hat für mich nichts mit Gothic zu tun” imho trotzdem völlig legitim ist, denn Begriffe – wie eben z.B. Gothic – haben nur irgendeinen Wert wenn sie auch für irgendetwas stehen, so vage das im Einzelfall auch sein mag. Und wenn auf den “eigenen” Parties z.B. plötzlich nur noch NDH gespielt wird, ist man ja leider irgendwie schon Betroffener… ;) )

Nossi: Ich wollte auch nichts mit Leuten zu tun haben, die in meiner Wahrnehmung oberflächliche Partymusik mochten, … den langsam einsetzenden Boom der NDH und der Sackpfeifemusik fand ich übrigens verachtenswert)

Da stimm ich dir zu, NDH schlägt mich insbesondere schnell in die Flucht (wobei ich was Sackpfeiffen angeht zwar durchaus auch Mittelaltermarkt-Besucher bin, aber Mittelalter is halt Mittelalter & Goth is Goth).

Ich würde das “Schrumpfen der Szene”* einerseits auf die zunehmende Oberflächlichkeit der Post-2000er-Szene schieben (nur Klammotten und Party-Musik alleine schweißen Menschen jetzt halt nicht wirklich langfristig zusammen ;) ) – und an dieser Mode-und Party-Fixierung haben denke ich tatsächlich die “Szene”-Magazine einen gewisse Mitschuld) – andererseits auch auf das generelle Schwinden von klassischen Sub- und Jugendkulturen in unserer Gegenwart (das Thema und die möglichen Gründe wurde hier auf spontis ja aber schon an anderer Stelle ausführlich diskutiert deshalb mach ich das Fass nicht nochmal auf).

( *Hier in der Region würde ich das was in den… frühen 2010ern(?)… passiert ist kein Schrumpfen sondern sogar eine völlige “Implosion” nennen. Mein Kontakt zur Szene beschränkt sich auf Spontis-Lesen und ein paar Konzertbesuche im Jahr (für die ich mindestens 2,5 Std. nach München fahren muss, wenn nicht noch weiter). )

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