Hey, Gothic! Bist du true oder untrue?

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund eine Begebenheit, die sich auf einem „schwarzen“ Festival zugetragen hat. Auf welchem weiß ich nicht mehr und ich habe auch vergessen, wie es zu besagter Situation kam, aber das spielt eigentlich auch keine Rolle. Mein Freund, seines Zeichens ein Gothic/Grufti der ersten Stunde, war nur mit einem schlichten, schwarzen T-Shirt, einer schwarzen Jeans und Doc Martens bekleidet – wenig Schmuck, kein Kajal, kein Schnickschnack. Auch das Haupthaar war mangels Masse eher zweckmäßig gestaltet. Er kam ins Gespräch mit einer Gruppe jüngerer Gothics, die allesamt im durchgestylten Gothic-Outfit erstrahlten und sich bestens mit der Szene auskannten – zumindest mit der, die sie in den einschlägigen Szene-Magazinen in Wort, Bild und Werbeanzeige präsentiert bekommen hatten.

Im Laufe des Gesprächs sah einer der jüngeren Gothics meinen Freund von oben bis unten an und sagte schließlich:

Du bist doch eh nicht true, so wie du aussiehst!

Die anderen stimmten zu und die kleine Versammlung löste sich dann auch bald auf. Zurück blieb ein nachdenklicher, schwarz gekleideter Mann mittleren Alters, der schon in den 80ern in den aufkommenden Szene-Clubs auf The Cure getanzt hatte, und der nun etwas verwirrt aus dem unechten, schwarzen Outfit blickte. Als wissensdurstige Alt-Gruftis schlugen wir im Internet nach, was denn „true“ und „untrue“ Gothics sind, fanden jedoch keine eindeutigen Antworten. Dafür aber viele eher scherzhaft gemeinte Tests zum Thema (einfach mal nach „True Goth“, „True Gothic“ oder „Real Gothic“ googeln).

Außerdem stellten wir staunend fest, dass das True-Untrue-Ding offensichtlich so wichtig ist, dass sich auch einige Musiker und Bands dieses Themas angenommen haben – wenn auch teilweise eher ironisch.

Hier drei der entdeckten Songs:

Mode Moderne – Real Goths

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Libitina – Gothic People
(Cover des Songs „Common People“ von Pulp)

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Sing along with the gothic people,
sing along and it might just get you through,
laugh along with the gothic people,
laugh along even though they’re laughing at you,
and the stupid things that you do.
Because you think Goth is so cool.

Santa Hates You – Feuerball

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Ich pflege meine Schattenhaut nur mit Schattencreme
Ich baue mir ein Ego aus kaltem Schattenlehm
Hinter meiner Schattenmauer lauert mein Schattenschmerz
Die anderen sind Pseudoschatten, sagt mein Schattenherz.

Ich persönlich habe nun noch immer nicht herausgefunden, was ein „True Gothic“ und was ein „Untrue Gothic“ ist. Ich stelle jedoch fest, dass es im Großen und Ganzen zwei Fraktionen gibt. Auf der einen Seite stehen die Abbilder der gestylten Gothics und Bands aus den Szene-Magazinen. Auf der anderen Seite stehen die eher schlicht gekleideten Szenegänger – viele davon der älteren Generation zugehörig. Beide Fraktionen halten die jeweils andere Fraktion für „untrue“.

Auch ich kann mich von dem Gedanken nicht ganz frei machen, dass diejenigen, die im kostspieligen Plastik-, Lack- und-Leder-Outfit auf Festivals gehen – schlimmstenfalls sogar zum Bäcker, um Brötchen zu holen – ziemlich „untrue“ sind.

Das Lustige/Traurige/Dämliche dabei ist: Keine der Fraktionen kann schlüssig erklären, was denn überhaupt „true“ ist. Ich auch nicht! Gibt es überhaupt ein „True Goth-Outfit“, eine „True Goth-Meinung“, True Goth Music“ oder eine „True Goth-Lebenseinstellung“?

Orphi
Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Orphi ist 1971 vom Himmel gefallen und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.
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Ricarda
Ricarda (@guest_15330)
Vor 10 Jahre

Ich kenn die „true“ und „untrue“ Sache nur aus dem Metalbereich. Beim Gothic hab ichs ehrlich gesagt noch nie gehört.
Und selbst beim Metal ist es meist immer ein bisschen scherzhaft gemeint, wenn es um Dinge geht, die irgendwie so gar nicht metal sind.

Maehnenwolf
Maehnenwolf (@guest_15331)
Vor 10 Jahre

Ich kannte diese Ausdrücke bis dato eigentlich auch nur aus dem Metal Bereich (hauptsächlich BM), aber ich kann mir gut vorstellen, dass es das in so ziemlich jeder Szene gibt, wahlweise mit wechselnden Bezeichnungen.
Für jüngere Generationen, die eine Fülle an Klamotten und anderem Material über Internet und Co. bestellen können, sind natürlich die Leute, die einfach in schwarzer Jeans herumlaufen natürlich völlig szenefremd, schließlich bekommt man es in den einschlägigen Läden anders vorgelebt.
Für ältere Generationen, die es sich mittlerweile leisten können ohne Kajal zum Briefkasten zu laufen, ist die junge Szene hingegen viel zu weit vom eigentlichen Ideal entfernt, die Betonung liegt nur noch auf Äußerlichkeiten und nicht mehr der Gesinnung.

Fazit einerseits: die Szene ndert sich, bleibt nur die Frage, ob sich die Bedeutungen von Begriffen wie „true“ und „untrue“ ebenfalls mitändern, je nach dem welche Gruppe im Augenblick in der Szene am dominantesten ist.
Fazit andererseits: sollten nicht grad die älteren Generationen sich von ebendieser Etikettierung loseisen können?

Persönliches Fazit: in welche der beiden Sparten gehöre ich eigentlich bzw. will ich mich da irgendeiner Altersgeneration überhaupt fest anschließen? Ich sage eher nein. Ich schwebe lieber zwischen den Dingen… ^^;

shan_dark
shan_dark (@guest_15332)
Vor 10 Jahre

Ich glaube, das ist eine aktuelle Szeneerscheinung, quasi neu aufgekommen. True ist ja heutzutage vieles.

Mir ist das sowas von egal, ich begebe mich nicht in einen Wettbewerb um die größte/beste/echteste Gothiness. Falls es sowas überhaupt gibt. Wer setzt die Maßstäbe bitteschön? Ich habe dafür keine, außer einem: True Goth is from the inside. Und das kann man einem nun mal nicht von außen ansehen.

Tobikult
Tobikult (@guest_15335)
Vor 10 Jahre

Oh ja, diese Frage nach dem „True Gothic“ kenne ich wohl. Gute Freunde, die Baujahr 198X sind, haben mich in dieses Schubladendenken eingeführt. Mir ähnelt es dem Versuch sich abzugrenzen, den wir in den frühen 90ern auch schon hatten. Zugrunde liegt dem Ganzen m.E. Arroganz als vermeindliche Szene-Attitüde. Die Kommerzialisierung trägt dazu vielleicht auch bei. Nur, wer sich die teuren Markenstiefel, Korsetts und Brokatstoffe leisten kann, ist „true“. Jeans und T-Shirt kann ja jeder!
Wir sind dazu übergegangen, immer wenn diese Schere im Kopf auftaucht lautstark zu proklamieren: „Alles Poser! Nur ich bin „true“!“

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

Diese beiden Kategorien, die, nebenbei gesagt, in meiner Liste der Erbärmlichkeits-Anglizismen recht weit oben stehen, kannte ich auch eher aus dem Bereich des Spottes.

Somit wurden alljene mit dem Prädikat »true« belegt, die auf Krampf sowie ohne Sinn oder Verstand sämtliche Klischees bedienen wollten.
Dafür werde ich die beiden Worte ja noch dulden. Doch sollte mir ein Pimpf dieses in ernsthafter Diskussion wirklich an den Kopf werfen, so sähe ich mich gezwungen, diesen laut lachend von mir zu schubsen.

Doch nachdenklich stimmt das einen schon. Vielleicht sollte man als alter Sack beginnen, derart »untrue« daherzukommen, dass dieses schon wieder »true« wird. Man will ja auch dazugehören…theoretisch. Vielleicht.
Oder um es mit den besser gewählten Worten von »Santa hates you« zu sagen: Hauptsache man ist eine »Schattensau in Schattenunterhosen«

Solitaire
Solitaire (@guest_15338)
Vor 10 Jahre

Wer hat’s erfunden?

Nicht die Schweizer, nein Manowar ham’s erfunden.

Und ich fand es schon damals, als ich noch vorrangig Metal hörte, bemerkenswert dämlich und peinlich.

Dass man nun den Begriff aus einem anderen Genre übernimmt, macht es noch einmal eine Nummer absurder.

parasita
parasita (@guest_15340)
Vor 10 Jahre

So wie die Geschichte hier geschildert wird und es auch in den Kommentare anklingt, scheint es sich bei der True-Untrue-Frage vor allem um ein Generationenthema zu handeln, über das man als 197X verwundert (erhaben?) den Kopf schüttelt.
Meines Erachtens ist sie Ausdruck von adoleszenten Suchbewegungen nach der eigenen Identität, um sich in Zeiten, wo man alle 1-2 Jahre den Musik-, Kleidungs- und Lebensstil (und oft auch den Freundeskreis) ändert, gegenüber Eltern, Mainstream und anderen Suchenden hin abzugrenzen. Nehmen wir es den Jüngeren also nicht übel…
Wenn man sich mit 30+ allerdings immer noch (ernsthaft) mit dieser Frage auseinandersetzt, könnte das auf ein Peter-Pan-Syndrom hinweisen :-)

Celina
Celina (@guest_15341)
Vor 10 Jahre

Sehr schöner Artikel! Denn irgendwie zeigt es das Problem, das ich mit der Szene habe. Ich selbst trage meist eher schwarz, aber natürlich nicht nur, interessiere mich zum Teil für bestimmte Literatur, aber nicht nur und höre dementsprechende Musik…aber eben nicht nur! Zwar bin ich jung und hab somit keine 80er Bewegung mitbekommen, aber ich frage mich immer, ob ich mich irgendwie als Gruftie bezeichnen könnte. Ich mache es nicht, weil irgendwie jeder das anders auslegt. Ich sehe nur immer Gothics, die mir so als reines Klischee erscheinen, die sich so geben, als würden sie sich NUR mit diesem Kram beschäftigen und jeder, der sich auch mit anderen Dingen beschäftigt ist somit „untrue“. Aber man ist doch nicht untrue, nur weil man nicht in irgendwelchen Szene-Shops seine Kleidung kauft oder auch mal Musik hört, die nicht gerade düstere Texte haben. Aber es gibt Gothics, die vermitteln mir das irgendwie. Ich persönlich weiß nicht, ob ich mich einer Szene zuteilen könnte, aber ich muss auch dazu sagen, ich hab – außer in einer kurzen Phase in der Pubertät, wo ja jeder rumspinnt – nie großartig drüber nachgedacht, ob ich in irgendeine Szene reinpasse. Denn im Endeffekt ist man ja immer noch man selbst und ich finde keiner hat irgendwie die Fähigkeit jemanden so zu kategorisieren.

Schatten
Schatten (@guest_15342)
Vor 10 Jahre

Lässt mich an die Situation denken, als mich mal jemand fragte, warum ich mich Gothic nenne obwohl ich noch nichtmal Blutengel höre…….
ähm genauuuu das sagt er einem Pikesträger der Cure, Fields, Sisters und Konsorten hört, also da läuft ja irgendwas falsch o.O

Also ich bin ja schonmal kein Pseudoschatten ;D

Arne
Arne (@guest_15343)
Vor 10 Jahre

Ohh, das kenne ich zu gut. Das erste Mal, als ich in einem normalen Outfit (BLUE Jeans, schwarzes T-Shirt) in einem meiner Stammlden war, den ich seit der Eröffnung besuche. Ich gebe ja zu, dass ich im Alltag nur noch sehr selten komplett schwarz geleidet bin und so auch mal in die Disco gehe, da ich viele Clubbetreiber und Türsteher seit 14 Jahren kenne und jahrelang Partyfotografie für Clubs gemacht habe.
Naja ich laufe halt so am Eingang vorbei, wo ein Türsteher ein paar aufgestylte Kiddies aufgrund ihres Alters nicht reinlässt. Naja, erstmal wurde der Türsteher beschimpft, dass sowas „untrue“es wie ich reinkomme, während den „true“esten und „evil“sten der Zutritt verweigert würde. Als ich es dann auch noch wagte zu lachen, wurd ich auch noch im Namen von Satan verflucht *g*.
Naja, ich muss mich jetzt halt damit abfinden untrue und auch noch verflucht zu sein.
Kann mir einer von euch helfen wieder true zu werden? ;)

Anita
Anita (@guest_15344)
Vor 10 Jahre

Ganz einfach: true sind nur die, denen es schnuppe ist, ob sie true oder untrue sind ;)

kleineraupe
kleineraupe (@guest_15345)
Vor 10 Jahre

Also ich persönlich bin Baujahr 1990 und habe somit (leider!!) nichts von der 1980er-Ur-„Grufti“-Bewegung mitbekommen. Dass ältere Szenegänger an dem klischeebeahfteten Nachwuchs Anstoß findet, kann ich durchaus verstehen. Auch ich finde diese Ich-bin-so-böse-und-trage-nur-schwarz-und-gehe-niemals-ungeschminkt-aus-dem-Haus-Teens ebenfalls lächerlich, aber was solls.(Ich persönlich beglücke meine Umwelt des öfteren mit Jogginghose und Augenringen) Es gibt immer eine Generation, die die andere belächelt und diese wiederum wird sich über die nächste lustig machen usw.
Ich persönlich lieeebe Shopping, aber das betrifft auch andere Lebensbereiche ;) Natürlich kaufe ich gern in speziellen Läden ein oder bestelle in Onlineshops.
Eine Freundin von mir, die um einige Jahre älter ist als ich und somit länger ein Teil der Szene ist, meinte neulich zu mir-ich öffnete gerade meinen übervollen Kleiderschrank- wie toll wir-also die junge Generation-es hätten, heutzutage so viele Einkaufsmöglichkeiten zu haben.
Zum Thema Musik und Lifestyle möchte ich mich nicht auslassen, da sonst mein Beitrag einem Roman gleichkommen würde, bzw. ich wahrscheinlich zu sehr vom Thema abschweifen würde :P Grundsätzlich möchte ich an die Alt-Gruftis (sorry, ich nenn euch einfach mal so) nur ein bisschen Toleranz gegenüber uns „Küken“ appellieren- die Szene befindet sich permanent im Wandel und ergo auch ihre Mitglieder. Die Ästethik ist mehr in den Vordergrund gerückt und einer ach so monotonen Zeit-die 80er waren ja verhältnismäßig bunt, wenn nicht sogar grell- kann ein hübsches Samtmieder oder ein wallender Tüllrock (und meinetwegen auch die ein oder andere Cyberbrille) ein erfrischender Anblick sein ^^

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

Eine interessante Frage. Im Grunde ist das doch nichts anderes, als die eigene Existenz oder die Idealvorstellung von dem was die Szene ausmacht, also „true“ zu sein, auf andere zu kopieren. Wer nicht in das Raster passt, fällt durch. Ich selbst kann mich auf von der Fragestellung, was True oder Untrue ist, nicht freimachen.

True oder Untrue darf sich nicht nur auf das Aussehen beziehen, das wäre fatal und beruht auf Schubladendenken. Ich denke, wenn die schwarze Fassade mit Hintergrund gefüllt ist, habe ich nichts dagegen einzuwenden einen „True“ Stempel draufhämmern, wenn es denn unbedingt sein muss. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Ausprägung man denkt, oder ob daraus eine Lebensweisheit entsteht. So ist ein Cyber, der sich mit Science Fiction, Endzeit-Romanen oder auch der Philosophie dahinter beschäftigt ebenso true wie der Gothic, der sich mit Mystik, Religion und Okkultismus beschäftigt. Leider gibt es mittlerweile in jedem Lager (das ist hier in den Kommentaren bereits angeklungen) Modeerscheinungen, die sich zum feiern einfach nur verkleiden wollen und das, ja das ist dann tatsächlich „untrue“.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59636)
Antwort an  orphi
Vor 10 Monate

Orphi, ich stimme Dir absolut zu! Vor allem in diesen Punkten:

„Es ist nämlich sehr schade, wenn nette Menschen mit Tiefgang der Szene fernbleiben, weil sie eine stinknormale Hose tragen und sich nicht eimerweise weiße Farbe ins Gesicht schmieren.“
=> mich persönlich irritiert mehr ein krampfhaft karnevalesker Aufzug als eine stinknormale Hose ;-)

„Wir sind alle unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben und Interessen. Das darf und muss auch innerhalb der Szene so bleiben, ohne dass irgendwer mit dem Label “untrue” vor die Tür gesetzt wird.“
„Du kannst mit einer fast 100prozentigen Sicherheit davon ausgehen, dass die älteren Grufties – sicher auch wegen des fortgeschrittenen Alters und der Lebenserfahrung – weit mehr Interessen haben als die “schwarzen” Klischee-Themen.“
=> So ist es.

„Wenn allerdings die Klamotten aus Szeneläden zum Statussymbol werden und alle anderen, die schlichte schwarze Kleidung tragen, ausgeschlossen werden, dann sind wir wieder mitten im Mainstream, weit weg von einer Szene, die sich einst als Subkultur eben gegen diesen oberflächlichen Konsumterror gestellt hat.“
=> genau, es ist doch ätzend, wenn einem jemand vorschreiben möchte, was man anzuziehen und wie man sich zu stylen hat. Das kennt man zur Genüge von Eltern, Arbeitgebern usw. Gerade die Szene ist doch für viele eine Art Schutzraum, um mal so sein zu können, wie man möchte, und sich auch stilistisch auszuleben und wohlzufühlen. Was man für sich selbst erhofft, sollte man auch den anderen zugestehen.

„Allerdings muss sich ein “schwarzer” Szenegänger nicht zwangsläufig mit Mystik, Religion und Okkultismus beschäftigen.“
=> Genau, weder Mystik noch Okkultismus hat mich je interessiert (Religion schon eher), und ich halte das wirklich für ein Klischee, das vor allem die Medien früher gerne bedienten. Auch gerade weil ich viele ältere Gruftis kenne/kannte, die auch schon in den frühen 80ern in der Szene herum spukten, meine ich da eine Einschätzung geben zu können. Da hat höchstens mal jemand Tartokarten gelegt, aber das war nicht anders als Horoskope lesen, weder wirklich ernsthaft betrieben noch weit verbreitet unter den Schwarzkitteln in meinem Umfeld.
Interesse an Philosophie, Geschichte und früheren Kulturen hingegen war da schon eher vorhanden.

Letzte Bearbeitung Vor 10 Monate von Tanzfledermaus
Epitaph89
Epitaph89 (@guest_15349)
Vor 10 Jahre

She is chlinched inside a corset
she is dressed to be deceived
all so perfect in her make-up
she believes to be unique
(Ordo Rosarius Equilibrio – Long lives and little men)

Das sind nunmal die echten Grufties, damit müssen wir uns abfinden. Pikes, Patchouli und toupierte Haare sind nunmal nix gegen die neueste Mode der schwarzen New Yorker, da kann man nicht mithalten. Die wahren Goths sind nunmal der Graf und Herr Pohl, da kommen auch Peter Murphy, Robert Smith und Carl McCoy nicht dagegen an. Ausserdem kennt die heute eh fast niemand mehr.

Zu düster darfs ja auch nicht mehr sein. Mir hat da mal jmd erzählt, dass ein DJ in nem selbsternannten Gothic Club kein Sopor Aeternus oder Joy Division spielen wollte, weil das zu düster sei. Ich glaube das sagt alles aus…. Leichtverdauliche, leichtkonsumierbare Ware will das Volk! Nachschminken statt Nachdenken!

kleineraupe
kleineraupe (@guest_15352)
Vor 10 Jahre

@Parasita Ja da gebe ich dir vollkommen recht. Das mit den Knicklichtgruftis wollt ich nicht so sagen, aber ja-es ist wirklich zu einem nervigen Hype ausgeartet. Solange sie, wie Robert meinte, sich enrsthaft mit Futurismus und auch Sozialkritik auseinandersetzen und das in ihrer Kleidung wiedergeben, dann ist das völlig ok. Aber leider verkleiden sich viele nur und sind eigentlich um keinen Deut besser als die ganzen Atzen-Party-Fraktion.
Und ich gebe dir ebenfalls recht, was den Markenterror betrifft. Ich meine, wenn mir von Xtra was geällt, dann kauf ich es mir. Aber genauso lass ich mich bei New Yorker und Co. blicken. Und zwar nicht, weil icherpicht drauf bin, ein bestimmtes Label zu tragen, sondern einfach nur, weils mir gefällt. Und „Brand-whores“, die sich nur durch ihre Klamotten definieren, sind mir sowieso schon immer suspekt gewesen. Die können einem echt leid tun, wahrscheinlich müssen sie was kompensieren ;)

Grabesmond
Grabesmond (@guest_15353)
Vor 10 Jahre

Wie ihr ja alle mehr oder weniger wisst, lege ich regelmäßig Musik auf, und komme dadurch auch viel mit den Gästen in Kontakt, darunter auch viele, die weit aus älterer sind als ich :) habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich mit meinen 24 Lenzen die Jüngste im Ballsaal bin?
Wie dem auch sei, auch wenn viele der Alteingesessenen sich, verglichen mit dem „Nachwuchs“ schlicht anziehen, würde mir nie im Traum einfallen, die als „untrue“ zu bezeichnen (schon allein wegen dem unglaublich hohen musikalischen Wissen, dass viele an den Tag legen), nur weil sie mal keine Lust auf Rüschenhemd oder Lederhose haben.
Viele von ihnen haben sich „ausgetobt“, treten jetzt legerer auf- also keine arschlangen, blauen Haare mehr oder ein Rieseniro bzw. Turm.
Und mal abgesehen davon, muss ein schickes/herausgeputztes Aussehen noch lange nicht bedeuten, dass die betreffende Person auch was im Kopf hat, bzw. für die Gothic mehr ist als „geile Lackklamotten“.

Mich werden sicherlich auch einige als nicht „true“ ansehen, weil ich keinen Undercut oder dergleichen habe (ich mag an mir volles Haar lieber ^^), nicht mehrfach gepierct bin, und weiß Gott nicht die teuersten und edelesten Stoffe am Leibe trage…und so richtig nähen kann ich auch nicht- abgesehen von ein paar Kleinigkeiten wie Umhänge, Taschen usw. Aber wisst ihr was? Damit kann ich gut leben ;)

Noch was zum Thema „Musikauswahl in Clubs“, weil das Epitaph89 erwähnt hatte: Ich hab keine Hemmungen Sopor Aeternus, Die verbannten Kinder Evas, uralte Lacrimosa-stücke (Der Ketzer lässt grüßen!), aber auch Lieder von Fields of the Nephilim (btw, einer meiner absoluten Favoriten), The March Violets, Love like Blood und Joy Division auf zulegen.
Wem das alles zu „düster“ und „gruftig“ ist: Da vorne ist die Tür *lach*

der_Roboter
der_Roboter (@guest_15362)
Vor 10 Jahre

Ich spreche hier mal lieber von Authentizität als von „Trueness“, das nimmt der Sache den doch etwas lächerlichen, teilweise ironischen Beigeschmack, ist zumal die Frage nach der „Trueness“ ja eigentlich nichts anderes als eine Frage nach Authentizität, was an sich auch ersteinmal nichts schlechtes ist. Das Problem ist nur, dass es hier keine allgemeinen Maßstäbe gibt, woran man das beurteilen könnte bzw. wie Robert schon gesagt hat jeder einfach seine eigenen Vorstellungen und Anforderungen auf andere überträgt. Für den einen ist es die Zustimmung zu bestimmten Ansichten oder Werten, für andere ist es der Preis der Klamotten, das Alter der Lieblingsbands, die Länge der Zugehörigkeit, die Höhe der Turmfrisur, alles mögliche und in allen möglichen Kombinationen.
Eigentlich ist das auch gut so, denn wer soll sonst entscheiden, welche Eigenschaften wichtig sind außer man selbst? Die Sache ist nur die, dass sich bei dieser Frage so mancher lieber auf diverse Hochglanz-Heftchen und Szene-Läden verlässt, die natürlich bevorzugt auf wirtschaftlich Verwertbares setzen. Zudem ist es ja auch wesentlich einfacher, jemanden anhand seiner Hülle zu beurteilen, schließlich braucht es dazu nur einen kurzen Blick, ansonsten müsste man sich ja mit dem Menschen auseinandersetzen…
Ich denke, dauerhaft glücklich wird man in diesem Fall nur, wenn man sich selbst true… äh treu bleibt anstatt irgendwelchen vorgegebenen Idealen hinterherhetzt, da diese in aller Regel sowieso von nur kurzer Beständigkeit sind.
Die enorme Diversität innerhalb der schwarzen Szene macht die Angelegenheit nochmal schwieriger, da einzelne Untergruppen unterschiedliche Anforderungen an „erwünschte Eigenschaften“ haben, die sich auf andere nicht übertragen lassen, aber eventuell trotzdem angewendet werden.

Es wurde hier bereits davon gesprochen, dass die ganze Trueness-Geschichte eine aktuelle Szeneerscheinung sei. Dazu kann ich nicht viel sagen, da sich ein Großteil der angesprochene Zeit meinem direkten Erleben entzieht, aber äußere die Vermutung, dass die Sache aus der gewachsenen Größe und Bekanntheit der Szene resultiert. Hat es früher vielleicht schon gereicht, sich allein durch schwarze Kleidung und ein paar musikalischen Vorlieben von der Allgemeinheit abzugrenzen, ist diese eigene kleine schwarze Welt inzwischen so groß geworden, dass manch einer das Bedürfnis hat, sich innerhalb dieser nochmals abzugrenzen um sich eine eigene Identität aufzubauen, indem eben bestimmte Maßstäbe angesetzt werden.

Ach übrigens, wer wirklich true ist, schreibt nicht „true“ sondern „trve“ :P

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

Nun, meine Erfahrungen decken sich mit denen die schon bemerkten daß die „true“-Rufe oft vonseiten ausgesprochen junger Szenegänger kommen, die dank oberflächlicher Beschäftigung nicht viel weiter kommen als die teuren Szenemarkenklamotten und irgendwie verpo(h)lter Mucke *dreckig grins* – ein jahr später ist die Phase dann meist vorbei und man wendet sich dem nächsten Trend zu.

So ist die Sache mit dem „true“ für mich auch gerne ein Begriff der äusserst ironisch benutzt wird.

„Authentizität“ finde ich hat damit wenig zu tun, sehe ich aber beileibe für das an was wirklich der wichtigere Aspekt ist – egal ob Grufti oder Hippie, es ist immer schade wenn Menschen sich verstellen müssen um irgendwo „dazu“ zu gehören oder sich irgendwie besser zu fühlen. Ist dann eher ein Zeichen von mangelndem Selbstwertgefühl oder geistiger Unreife.
Authentizität äussert sich nicht in der Marke die auf meinen Klamotten steht oder dem Preis dafür, es äussert sich mehr darin ob ich meine Klamotten danach wähle wie ich mich wohl fühle. Was mich in gewisser Weise ausdrückt. Da sind mir dann die optisch ach so langweiligen Träger von schwarzen Hosen und Shirts auch lieber als die selbsternannten Hobbyaristokraten die sich in meiner Szeneinternen Splittergruppe ärgerlicherweise genauso rumtreiben wie super Freunde mit gleichen Interessen und Vorlieben.
Ich habe schon viele Vertreter der schlichten Sorte kennengelernt weil sie dankenswerter Weise ebenso vorurteilsfrei auf mich zukamen und erstklassige Gespräche geführt über Musik und Goth und die Welt. Für mich ist das dann auch der Idealzustand.

Nein „true gothic“ gibt es nicht und keinem steht es zu über andere zu urteilen was „true“ ist und was nicht. Aber bei reiner Spaß- und Partymentalität und den Markenfetischisten tue ich mir dann einfach schwer so ein Individuum als „vom gleichen Schlag“ anzusehen. Keine Frage des true oder untrue sondern der Authentizität – wer krampfhaft versucht in seiner schwarzen verkleidung „true“ aus der Wäsche zu gucken, erreicht mit seiner Ausstrahlung oft doch das Gegenteil.

der_Roboter
der_Roboter (@guest_15388)
Vor 10 Jahre

Nur um das vielleicht etwas klarer darzustellen: Mit Authentizität meinte ich in meinem vorhergehenden Eintrag zunächst nicht die Authentizität eines Menschen an sich, sondern wollte erst einmal versuchen klarzustellen, was mit „Trueness“ gemeint sein könnte und wollte damit einen Begriff finden, der eben nicht so häufig nur ironisch gebraucht wird. Denn schließlich meint derjenige, der sich durch die Worte „Du bist untrue“ meint über andere erheben zu müssen im Prinzip ja nichts anderes als „Du bist kein authentischer Goth (oder was auch immer)“. Aber dass das objektiv gesehen aufgrund von fehlenden Maßstäben (und nicht nur deswegen) Unsinn und dazu oftmals noch oberflächlich ist wurde ja schon zu genüge dargestellt.

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

Die Auffassung von „True“ und „Untrue“ sind überraschend vielfältig, ebenso wie die Szeneauffassung selbst. Interessant finde ich den Ansatz, das „True“ den Szenegänger vom Fashionvictim unterscheidet, als die Wochenendgrufties von denen, die sonst auch so rumlaufen, wobei sich das natürlich wieder auf äußere Merkmale beschränkt.

Wie jemand die beiden Begriffe auf unterscheidet, es bleiben Schubladen. Das ist jetzt nicht etwas pauschal negatives, sondern nur die Reaktion auf Reizüberflutung, die mittlerweile auch innerhalb der Szene stattfindet. „Kann ich mir das als Szenebestandteil vorstellen?“ – „Würde ich das auch so kombinieren?“ – „Gefällt mir die Musik?“ Was einem gegen alle Striche geht, wird in die Schublade „Untrue“ gesteckt, da wo es auch hingehört. Niemand muss sich dafür schämen Menschen zunächst so zu beurteilen, man sollte lediglich davon Abstand gewinnen, die eigenen Ansichten als „True“ Maßstab anzusehen, ohne den Blick ständig neu zu schärfen und Dinge die „Untrue“ gewesen sind, weiterhin kritisch hinterfragt.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59637)
Antwort an  Robert Forst
Vor 10 Monate

Den Gedanken mit der Antwort auf Reizüberflutung finde ich recht interessant!

Ja, wir sind es gewohnt, auf den ersten Blick zu urteilen, sollten uns aber nicht allzu zu selbstsicher darauf ausruhen, denn der erste Eindruck und auch der zweite können durchaus trügen…

unkraut
unkraut (@guest_15901)
Vor 10 Jahre

Hm…

Naja, ich muss sagen, gerade auch seit ich diesen Blog lese hab ich häufig das Gefühl, dass diejenigen als „true“ empfunden werden die Pikes und Vogelnest tragen, am besten aus den 80ern kommen, usw.

„Untrue“ die durschnittliche Glühwurmfraktion.

Mag sehr vereinfacht ausgedrückt sein, ich weiß dass der eine oder andere durchaus differenzierter hat, aber das ist das Bild, was sich bei mir im Kopf bildet.

Denn jede Diskussion darüber, ob z.B. Cybers überhaupt Goth sind, und nicht doch eher übrig gebliebene Raver, ist doch im übertragenen Sinne eine Diskussion um „trueness“, selbst wenn man sie nicht mit diesem Wort betitelt.

Vermutlich gibts keine wirkliche Antwort, nur Meinungen die zurückbleiben und irgendwas hinterlassen.

Und ja, ich geb zu, ich grübel leider auch oft genug ob ich überhaupt ein Teil des Ganzen bin, oder nicht doch in meiner eigenen Schublade umhersegel.
Naja…gut, theoretisch ist jeder ein Individuum, aber auch ein soziales Wesen dass sich irgendwo dazugehörig fühlen möchte….ob das nun ne Subkultur ist, ein simpler Freundeskreis, die Familie…was auch immer.

Selbst wenn man weiß, dass auch das Grübeln darüber zu keinem Ergebnis führt kommt gelegentlich diese Rastlosigkeit wieder zum Vorschein. Jetzt könnt ich sagen: „Als Rastloser kann man sich in der schwarzen Szene vielleicht doch perfekt ne kleine Nische suchen“… aber das wäre zu einfach.

Kathi
Kathi (@guest_17215)
Vor 9 Jahre

Hey zu dem Thema mal eins.
Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt “ Bist du ein Gothic?“ Hat mich doch sehr zum nachdenken gebracht.
Dazu müsste man doch erstmal definieren können was ist Gothic?
Kann mir die Frage jemand explizit beantworten?
Ich denke nicht! Außer, dass viel sich irgendwo auch über die Musik definieren, kreativ sind udn sich mit Themen beschäftigen über die ein „Normalsterblicher“ nicht nachdenken will. Im Endeffet ist es doch immer eine Auslegungssache und eine der Lebenseinstellung.
Also kann man abschließend sagen true und untrue sind größtenteils Quark. Ich gehöre nun auch zu der jüngeren Generation kleide mich auch ab und an mal gern schick heißt:
-Korsage
-langer/kurzer Rock
-shirts mit Korsagenoptik
-Stiefel
Geht, aber auch gern gemütlich.

Höre sehr gerne ältere Sachen wie the Cure und bin auch dankbar für jeden, der mir schöne Musik zeigen kann *mit dem Zaunpfahl wink* ;D.
Außerdem bin ich ein Schreiberlein aus Leidenschaft. Andererseits mag ich auch „Szeneuntypische“ Sachen und geh auch gern mal mit meinen „Normalos“ schlittschuhlaufen.

Letztendlich ist es doch eigentlich wichtig, dass man sich mit sich selbst wohlfühlt und das auch zeigen kann… was die ganze Disskusion true oder untrue schon wieder vollkommen sinnlos macht!

Death Disco
Death Disco (@guest_17216)
Vor 9 Jahre

Ich behaupte, dass dieses True-/Untrue-Ding damals viel ausgeprägter war. Die Szene war viel kleiner, da achtete man noch viel pingeliger auf die äußere Erscheinung. Natürlich nannte man das nicht „trve“, aber die Form der Ablehnung war dieselbe. Früher war nicht zwingend alles besser. Aber vielleicht hatte das die Szene „sauberer“ gehalten. Heute gibt man sich zwanghaft tolerant. Das finde ich kaum annehmbarer. Sonderlich positive Aspekte kann ich daraus nämlich auch nicht ziehen.

Dazu müsste man doch erst­mal defi­nie­ren kön­nen was ist Gothic? Kann mir die Frage jemand expli­zit beant­wor­ten? Ich denke nicht!

Es gibt in traditionellen Szenen zumindest gewisse Orientierungspunkte, etwas das ich Basismerkmale nenne. Grundhaltungen neueren Datums, wie „Gothic ist, was du draus machst“, sind diesbezüglich eher weniger förderlich und haben aus der ursprunglichen Gothic-/Wave-Kultur nur einen undefinierbaren Rummelplatz gemacht, aus dem kein sinniges, homogenes Szenebild mehr ersichtlich wird.

Wenn du heute jemandem vermitteln würdest, dass du der „Schwarzen Szene“ angehörst – was sagt das denn letztlich noch aus? Die Grundpfeiler, auf denen sich das Ganze stützte, wurden schon vor Ewigkeiten weggesägt.

Kathi
Kathi (@guest_17217)
Vor 9 Jahre

Wie du sagst @Death Disco
Was sagt es heute aus wenn du der Szene noch angehörst. Wirklich nur auf die heutige Szene bezogen. Die Grundpfeiler fehlen und, dass ist der idiotische Punkt. Was ist eine Szene ohne Grundpfeiler? Das ist verdammt schade! Gut ich geb zu ich bin erst seit letztem Jahr „dabei“, aber ich finds schon interessant und sauge gierig auf was ich an Informationen und Hintergründen bekommen kann. Deswegen ist der Dialog mit alten Hasen echt interessant.

ASRianerin
ASRianerin (@guest_17218)
Vor 9 Jahre

Kathi, bei unserem Gothic-Friday findest du vielleicht ein paar Anregungen, um diese Frage zu beantworten :)

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 9 Jahre

Beschnitten, aber noch vorhanden. Die Grundpfeiler existieren auch heute noch, gehen aber in der Vielzahl der Splittergruppen einfach unter. Das Problem ist heutzutage noch viel größer.

Ich möchte Death Discos Zitat „Gothic ist, was du draus machst“ einmal aufgreifen. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass etwas weiterentwickelt wird und zum Teil auch mit Dingen angereichert wird, die einfach nicht kompatibel sein können. Ich halte das für eine ganz normale Entwicklung, in der auch die viel besagten (und immer noch schwer zu definierenden) Grundpfeiler existieren können. Auch ich habe das Zitat an mehreren Stellen benutzt, denn ich denke, Gothic ist (oder entwickelt sich zu) eine reine Kosumentenkultur, in der es nicht darum geht zu erschaffen, nachzudenken oder mitzuwirken, sondern nur darum, ein Motto für ein Party zu haben. Daher ist es für mich wichtig, zunächst einmal dazu aufzufordern, „etwas daraus zu machen“, sich also mit dem was ist und war zu beschäftigen um für sich selbst Rückschlüsse zu ziehen.

Wenn wir uns hinstellen und sagen, die Grundpfeiler gibt es nicht mehr und früher war alles anders, dann hilft das niemanden. Es klingt auch stellenweise so, wie die hinterherheulen an eine verlorene Zeit. Wir können auch keinen Rahmen vorgeben, in der Gothic zu existieren hat, denn seit der Entstehung sind nunmal einige Dekade ins Land gezogen. Das, was die Jugendlichen heute zu verarbeiten haben, passt nicht mehr zu dem was früher verarbeitet werden musste.

Ich glaube, dass eine Verbindung von dem „alten“ und dem „mach was draus“ immer noch die hoffnungsvollste Möglichkeit ist, das zu schützen, was einem wichtig ist. So freut man sich vielleicht über wissbegierigen Nachwuchs, der sich nicht in alte Muster fügen muss, sondern einen Leitfaden erhält um etwas für sich daraus zu machen.

Kathi
Kathi (@guest_17231)
Vor 9 Jahre

 ElisaDay
Danke für den Tipp

 Robert Forst Deine aussage unterschreib ich sofort. War von meiner Seite zumindest etwas ungünstig ausgedrückt. Du hast also meine Gedanken eigentlich auf dne Punkt gebracht.
Mit dem Zusatz das man heute halt seltener Leute finden kann die einem ein bisschen erzählen können. Über ebenjene „alte Zeit“

Toriah
Toriah (@guest_28511)
Vor 9 Jahre

@Death Disco: Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Ich empfinde das auch so. Damals (Mitte/Ende der 80er, als ich in der Szene aktiv wurde) war es aus meiner Sicht auch so, dass da noch viel penibler drauf geachtet wurde. Die „Wochendendgrufties“ wurden bei uns immer „Fraggles“ genannt. ;) Die Optik spielte eine riesengroße Rolle- Trends wurden gesetzt und verfolgt und alleine die Haarpracht… was da für Aufwand betrieben wurde! Da wäre keiner ohne gestellten Kopfputz in die Disco gegangen, zumindest nicht ohne Ausrede. ;)
Von daher war das sicher nicht anders, nur etwas verlagert. Da waren es zumeist die, die wirklich mit allem hinter der Szene standen. Heute sind es die, die ihr Wissen darüber aus den einschlägigen Magazinen haben.
Die Pfeiler sind aus meiner Sicht auch immer noch da und ich habe das Gefühl, dass diese auch wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Die Cyberwelle ebbt langsam ab und ich habe in letzter Zeit viele kennengelernt, die zum „Nachwuchs“ gehören und sich wieder mehr auf die Ursprünge besinnen, sich damit auseinandersetzen und das sowohl musikalisch als auch generell Szenebezogen. Auch beim Auflegen merke ich immer mehr, dass Oldschool immer gefragter wird.
Erfreulich, wenn sich das weiter so durchsetzt. :)

Ian Luther
Ian Luther (@guest_28512)
Vor 9 Jahre

Das heißt nicht Oldschool :-) Es gibt ja auch kein „Newschool“ :-) Die Ursprünge werden eben endlich wieder freigeschaufelt.

Toriah
Toriah (@guest_28513)
Vor 9 Jahre

Ian, das ist nur ein gebräuchlicher Begriff dafür. Ich denke, jeder weiss, was ich meine….

Ian Luther
Ian Luther (@guest_28516)
Vor 9 Jahre

Klar, ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ich die Leute jener Generation nicht als „oldschool“ im körperlichen oder geistigen Sinne sehe :-) Habe ich wahrscheinlich etwas missverständlich ausgedrückt :-)

DS
DS (@guest_39943)
Vor 8 Jahre

^^ im hiphop is es real und unreal … wobei man gerade durch markenscheiß unreal wird

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_39949)
Vor 8 Jahre

True im Oldschool-Bereich: Rasierte Seiten, Turmfrisur, Tellermine oder Krähennest (schwarz oder wasserstoffblond). Dazu schlabbrige übergroße Hemden (schwarz), Aladin- oder Röhrenhose (schwarz) und Pikes. So einfach geht das.
Mit den Frisuren ist das heute halt so eine Sache, da in den 80ern der Großteil der Szenegänger noch in die Schule ging und man dort machen und rumlaufen konnte, wie man wollte. Außer man war auf der Nonnenschule. Darum laufen die Leute halt heute alle mit Business- und Spießerfrisuren rum, weil der Zeitgeist uns zu mehr Aufmerksamkeit auf das Berufsleben zwingt. Von „Trueness“ kann heute kaum noch eine Rede sein. Ich hatte nie Probleme damit. Ich laufe stets in schwarz rum und gut ist. Solange man nicht in Bluejeans und weißen Turnschuhen in den Clubs unterwegs ist, schaut einen doch eh keiner schief an, weil jeder doch nur in seiner eigenen schwarzen Parallelwelt lebt. Und mal ganz ehrlich: Holzfällerhemd und Bluejeans tragen nicht wirklich besonders zu einer „gruftigen“, sondern viel mehr zu einer Art „Country-Konzert“-Stimmung bei. So gesehen kann schwarze Kleidung durchaus für den ein oder anderen als Kostümierung gelten, für die meisten doch hoffentlich als Unterstreichung ihrer selbst.

kleine Eule
kleine Eule (@guest_39978)
Vor 8 Jahre

Würde mich auch zwar freuen wenn der „Trend“ mehr zu den „oldschool“ Sachen geht, (…mal abgesehen dass ich nix auf Trends gebe und es mir egal ist was grad „en vogue“ ist…) da es sicher angenehm wäre wenn es noch mehr Leute gäbe die die gleichen Dinge mögen und man sich austauschen kann :)
Das ist allerdings auch wieder so eine zweischneidige Sache, weil es dann sicher wieder auch so Leute geben wird, die die alten Sachen nur mögen weil sie grade „angesagt“ sind, und erlich gesagt kann ich auf sowas dann auch gut verzichten. Lieber weniger Leute, die dann aber dahinter stehen was sie mögen, als viele Leute und dafür halt so halbherzige Sachen. Gut, ich lerne auch noch was Musik angeht immer noch dazu, aber ich mag etwas oder ich mag es nicht – und ob es grad „true“ ist oder nicht interessiert mich überhaupt nicht im geringsten.
Was die Klamotten betrifft, so habe ich an anderer Stelle schon (viel zuviel?!) dazu gesagt, dazu lasse ich mich nicht mehr aus. Ich mag das was ich mag und gut. Ob es true ist oder gefällt ist mir da auch egal. Im Job wird es weitesgehend akzeptiert.

Mal nebenbei geht mir diese true oder untrue Sache sowieso auf die Nerven – warum können die Leute nicht einfach sie selbst sein und fertig?!

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_39990)
Vor 8 Jahre

Das sehe ich auch so, kleine Eule… „Oldschool“ ist nicht alles. Warum können die Leute nicht einfach sie selbst sein? Im Idealfall schwarz, das wär‘ doch was :)

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 8 Jahre

Komischerweise reduziert sich „true“ immer nur auf Äußerlichkeiten. Offensichtlich kräht niemand mehr nach inhaltlicher „Trueness“, was ich persönlich sehr schade finde. Die ganze inhaltsreduzierte Musik eignet sich wohl ganz prima dazu, auch sich selbst von der Beschäftigung mit der „Gothic-Thematik“ zu distanzieren. Literatur, Kunst, Okkultismus, Mythologie, Astronomie – Wo bleibt die Wahrhaftigkeit. Junge Gothics können teilweise der Todesästhetik nichts mehr abgewinnen und laufen beim Anblick eines Totenschädels schreiend davon. Überspitzt gesagt. Ganz so wie Robert Smith schon einmal sagte: „Diese ganze Romantisierung des Todes! Jeder, der einmal selbst mit dem Tod konfrontiert wurde, weiß, dass daran überhaupt nichts Romantisches ist.

Ostgruft
Ostgruft (@marco)
Antwort an  Robert Forst
Vor 10 Monate

Goth war und ist mehr als Musik und Mode.

Goth für mich ist: Die Suche nach dem abseitigem, die Abgrenzung vom Profanen und die Verweigerung mit dem Strom zu schwimmen.

DS
DS (@guest_40042)
Vor 8 Jahre

seid den 20000ern geht es doch nirgendwo in der gesellschaft mehr um inhaltliche “Trueness”

Elric
Elric (@guest_52527)
Vor 5 Jahre

Uff, fertig gebuddelt… … den Spaten zur Seite gelegt, die Kiste geöffnet und verzückt den seelenverzehrenden Geruch der drei jahre alten Threadleiche eingatmet…

…worum ging es gleich… …ah ja Trveness. Ein alberner Begriff, nur leider gibt es seit geraumer Zeit gute Gründe, damit zu hantieren. Weil nämlich der etablierte „schwarze“ Mainstream die eigentliche Goth/Grufti/Postpunk Szene weggefegt hat (Nicht komplett, aber der Schaden ist immens). Das ging mit einer Vermarktungsindustrie los, die sich in den mittleren Neunzigern gebldet hat: Klamottenläden,Zeitschriften,Festivals. Das Ergebnis waren und ich komprimiere an diser Stelle, konsumierbare Presets, verbunden mit der Vorstellung von „Gothic“ oder „Schwarzer Szene“ als leicht exzentrischem Hobby, das man gefälligst am Wochenende zu pflegen hat…

…mit dem Endzustand schlagen sich die „anderen“ herum; oder auch nicht: Mich kümmert schlicht die Innenwelt dieser Tortenkleider und Trippants tragenden Kostümfestler nicht und goth sei Dank machen solche in der Regel einen Bogen um mich^^

Was bleibt also zu tun? was erprobte grufti ohnehin immer schon tun und getan haben: den lausigen Teil der Welt ignorieren und mitnehmen, was sich lohnt… …und im Idealfall selbst etwas lohnendes auf die Beine stellen.

Lia
Lia (@guest_56204)
Vor 3 Jahre

Leider ist mir persönlich eine gewisse Spaltung innerhalb der Szene ebenfalls aufgefallen.
Ich beobachte dabei immer häufiger, dass sogenannte „Szeneneulinge“ sehr auf das Äußere bedacht sind. Direkt din teuren Klamotten von Aderlass und Co., daß krasseste StylIng, alles in allem von oben bis unten perfektioniert.
An sich spricht da natürlich auch nichts gegen und ich staune immer wieder über den Einfallsreichtum und die geschmackvoll ausgewählten Stücke.
Allerdings scheint sich für viele es auch NUR darum zu gehen:
-Styling
-Musik
-Accessoires
-Deko
Hat man das nicht ist man „untrue“.
Kennt man nicht gerade immer due neuesten Alben und die neuesten Artikel aus Zeitschriften wie dem Sonic Seducer, wird einem schnell vorgeworfen, dass man ja eigentlich kein Interesse an der Szene hat, ja dort sogar eigentlich gar nicht rein gehört.
Die Szene verändert sich.
Wird etwas, dass sie nie sein wollte:
Oberflächlich.
Bei vielen fehlen mir die alten Werte. Wohl generell ein „Problem“ unserer Gesellschaft.
Eine kleine Geschichte hierzu:
Ich war auf einem Gothictreffen,nicht zum ersten Mal.
An sich ist es immer sehr schön um neue Leute kennen zu lernen und sich unter seines gleichen auszutauschen.
Auch diesmal waren wieder viele nette Leute dort. Ich unterhielt mich gerade sehr nett mit einem 19 jährigen, der eher aussah, als käme er gerade vom einem Mittelaltermarkt, als sich ein ungefähr gleichaltriger top gestylter Gothic dazu gesellte, meinen Gesprächsparter anschaute und meinte:“ Das soll also Steampunk sein, oder was?“
Daraufhin erfolgte eine Diskussion in der der „Gestylte“ versuchte dem anderen zu erklären, wie er sich zu kleiden hätten. Ich war dann so unhöflich das Gespräch zu unterbinden indem ich ihn dezent darauf hinwies, dass die GothicSzene eines nie getan hat :
Menschen aufgrund ihres Aussehens einzuteilen.
So etwas ist mir persönlich nie untergekommen.
Gerade diese Vielfalt (und das in einer Szene, die farblich nicht allzu viel her macht 😉) war etwas, was mich stets fasziniert hat.
Jeder wie er möchte, jeder er oder sie selbst.
Es ging nie darum, wer welche Klamotten trägt oder wer welches Tattoo hat.
Es ging darum sich wohl zu fühlen und zu such selbst zu finden.
Sich mit anderen auszutauschen, gleichgesinnte zu finden, mit ihnen Spaß zu haben, zu philosophieren, zu feiern, sich gegenseitig zu unterstützen, das Leben zu genießen und nicht darum miteinander zu wetteifern, zu buhlen und andere auszugrenzen. Wir sind die Ausgegrenzten, die Außenseiter.
Ob gewollt oder nicht.
True oder nicht ist eine Frage, die einer solchen Subkultur eigentlich nicht vorkommen sollte.
Ich hoffe nur, dass die Szene wieder zu einander findet. Das die „Alten“ die „Neuen“ wieder unter ihre Flügel nehmen können und alle voneinander profitieren.
Es gibt immer welche, mit denen man mal nicht so gut klar kommt.
Aber diese wundervolle Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Szene geht immer mehr verloren. Etwas wichtiges, was uns auszeichnet:
Die Menschen für das zu schätzen, was sie sind.
Es wäre schön, wenn wir alle gemeinsam dafür sorgen würden, dass der Spalt wieder kleiner wird.
Ich fände es sehr schade und es macht mich traurig eine solche Entwicklung feststellen zu müssen…

Zeraph
Zeraph (@guest_59633)
Vor 10 Monate

Ich fühle mich erwischt. Auch ich frage mich ob mein meist schlichtes schwarzes outfit true genug ist und verhöhne innerlich gleichzeitig jene die sich meiner Meinung nach zu sehr um die äußerliche gothic Erscheinung kümmern und dabei gefühlt meist relativ oberflächlich bleiben. Klar haben manche style davon eine gewisse Ästhetik… aber die Entwicklung der Szene zu einer schillernden kostümschau ohne tatsächlichen Inhalt erschreckt mich oft mehr und scheint eine größere Präsenz innerhalb der Szene einzunehmen als inhaltliche Auseinandersetzungen über vermeintliche Ideale und Konzepte…

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59635)
Vor 10 Monate

Ich hab mir jetzt mal ein paar der ganz alten Kommentare durchgelesen, wo sich der Eindruck abgezeichnet hat, die Kategorisierung in true und untrue gäbe es erst seit einigen Jahren und käme aus dem Metal-Bereich herüber. Das würde ich so nicht unterschreiben. Bereits Ender der 80er, Anfang der 90er, als ich in die Szene kam, wurden manche als „Pseudo“ oder „Wochenend-Grufti“ betitelt – je nachdem, ob jemand zu brav aussah oder die „falschen“ Bands hörte oder sich nur am Wochenende dunkel gestylt hat. Und ältere Freunde/Bekannte von mir hatten auch von weitaus früheren Zickereien erzählt, die innerhalb der Szene herrschten. Es gab ja auch scheinbar schon immer ein (mehr oder weniger heimliches) Wetteifern um die coolsten Klamotten/Haare usw. Alle wünsch(te)n sich Friede-Freude-Eierkuchen und Zusammenhalt, aber dann siegt oft die Natur des Menschen nach einer Art Hackordnung.

Letzte Bearbeitung Vor 10 Monate von Tanzfledermaus
Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 10 Monate

Hi! Diese true/untrue Nummer gibt es in jeder Subkultur/Jugendkultur. Es gibt immer Menschen, die das alles superbierernst nehmen und mit Verachtung auf andere gucken. Und es gab schon immer „Mitläufer“ (Wochenend-Gruftis).

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59642)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 10 Monate

Auch ich kenne den Begriff Pseudo auch aus den 90ern. Und denke ebenfalls das hat diesselbe Bedeutung wie heute „true/untrue“. Im Großen und Ganzen scheint mir das nichts weiter als eine Praxis zu sein, sich über Andere zu stellen indem man diese abwertet. Eigentlich total traurig, da ist man als (junger) Mensch auf der Suche nach Gleichgesinnten – weil man sich mit dem Mainstream nicht identifizieren kann – und dann wird man unter Umständen in der Szene zu der man sich hingezogen fühlt als „untrue“ bezeichnet oder ausgegrenzt.
Zumal in vielen anderen Artikeln und Kommentaren ja immer wieder klar wird wie unterschiedlich jeder den Begriff Szene für sich begreift.
Ich persönlich möchte in „meiner idealen“ Szene nicht den gleichen Idioten begegnen, wie sonst im Alltag. Das heißt für mich z.B. Menschen die andere nur nach Äußerlichkeiten und Status bewerten. Solche Leute sind für mich „untrue“.

Yorick
Yorick (@guest_59638)
Vor 10 Monate

Ich bin inzwischen ernsthaft der Meinung, dass es der „Szene“ heute gut zu Gesicht stünde, sich eine Scheibe bei den Doomern abzuschneiden. Der Doomer-Look geht ganz einfach: Schwarze Hose, schwarzer Kapuzenpulli, schwarze Mütze, zack fertig. Das wäre endlich mal ein richtiges Gegengewicht zu den Schminktutorialisten und Festivalkarnevalisten. Ich meine, versteht mich nicht falsch: Das Streben nach Schönheit liegt in der DNA der schwarzen Romantik. Was sich allerdings in den letzten Jahren on-wie offline an oberflächlichem Zirkus breitgemacht hat und öffentlich die Szene (welche eigentlich?) repräsentiert, geht doch auf keine Kuhhaut mehr. Mit derlei assoziiert zu werden, berührt mich unangenehm. Eine Orientierung an jenen, die bescheiden und demütig in Sack und Asche gehen, wirkt da wie eine wahre Wohltat und ist vor allem absolut angebracht.

Relevant ist der Doomerismus für mich aber noch aus einem weiteren Grund: Er hat zwar einen wahrnehmbaren Musikbezug (unter Doomern favorisiert ist die russische Post-Punk-Band Molchat Doma), ist aber keine Musik-Subkultur. Keine Szene, kein Genre, kein Stil. Sondern Inhalt. Das Gegenteil von style over substance. Doomerismus gibt es nicht ohne Inhalt. Zudem repräsentiert die pessimistische Weltanschauung der Doomer so ziemlich genau das, was mir an der heutigen Goth-Szene fehlt. Naja, jedenfalls wenn man von dem Rechtsradikalismus absieht, den es im Doomerismus leider auch gibt. Ich denke jedoch nicht, dass das eine notwendige Konsequenz pessimistischer Philosophie ist.

Ach ja, und um die titelgebende Frage zu beantworten: Ich bin definitiv untrue. Aber sowas von.

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59643)
Antwort an  Yorick
Vor 10 Monate

Von dem Begriff „Doomerismus“ höre ich heute zum ersten Mal.
Ich hab jetzt nur kurz den Wikipedia Beitrag überflogen, das klingt zwar interessant. Aber sowas kann schnell kippen und zu ideologischen Dogmen führen, du sagst ja es gibt wohl auch rechte Ausläufer dieser Strömung. Das macht mir das ganze wiederum unsympathisch.

Aber ich finde auch ein bisschen mehr Pessimismus in der Weltanschauung würde der heutigen Szene tatsächlich ganz gut tun. Und zwar in dem Sinne das sie dem toxischen Positivismus in der Mehrheitsgesellschaft was entgegensetzt! Diese „good vibes only“ Mentalität wie ich sie schon öfter erlebt habe, finde ich alles andere als gesund. Und natürlich einfach nur nervig.

Die Band klingt allerdings sehr vielversprechend! In einem Onlineartikel des „Tagesspiegel“ wird ihr übrigens viel Kredibilität, also sozusagen „trueness“ zugesprochen.

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Antwort an  Yorick
Vor 10 Monate

Wenn es einen typischen Look gibt, gibt es auch Doomer ohne Inhalt. Das ist kein Hexenwerk und verläuft genauso, wie bei allen anderen Subkulturen. Irgendwer definiert in einem Meme möglicherweise den „typischen Look“, den greifen sich die Leute auf und kleiden sich so, weil es eben cool und anders ist,

Allerdings sind die Doomer eine sehr spannende Entwicklung, die wieder Menschen „vereint“, die man wohl in den 80ern als „Goths“ eingeordnet hätte. Ich glaube, darüber werde ich mal einen Artikel verfassen. Deswegen sag ich schonmal Danke für diese Anregung und führe diesen Kommentar erstmal nicht weiter aus.

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59648)
Antwort an  Robert Forst
Vor 10 Monate

Ja, cool. Über den Artikel würd ich mich freuen!

TRIALON
TRIALON (@guest_59658)
Antwort an  Robert Forst
Vor 10 Monate

Ich finde es wirklich interessant, das das Thema Doomer hier zur Sprache kommt. Vor gut einem Jahr bin ich über Youtube Mischalben, die mir vom Algorithmus als „Doomer-Musik“ vorgeschlagen wurden, darauf gekommen. Angesprochen hat mich dabei die Auswahl der Interpreten und, was soll ich sagen, seitdem habe ich mir die zwei Alben der Band Molchat Doma sowie das schon länger aus Sowjetzeiten bekannte „Schwarze Album“ von der Band Kino zugelegt.
Beides hat einfach gepasst.

Auf reddit (r/doomer), konnte ich direkt noch mehr zum Kern der Sache in Erfahrung bringen, was mich dann eben stark an die Post-Punk Zeit erinnert hat. Interessanterweise gab es auch den einen oder anderen Post, in denen ein Doomer ebenfalls derartige Parallelen in der Denkweise sowie im Musikstil festgestellt hat und daher die Frage an die Community richtete, ob die Doomer deswegen irgendwie „Goths“ sind, zumindest was die Anfangszeit der Szene betrifft.

Ebenfalls interessant war, dass auch einige Kritiker in der Gruppe anwesend waren und u.a. mit Verweis auf Nietzsche meinten, dass die Doomer bloß das Rad neu erfinden.

Meiner Meinung nach geht das allerdings Hand in Hand mit den obigen Feststellungen. Die Szene hat sich eindeutig verändert seit der Anfangszeit und ursprüngliche zentrale Themen haben ausgedient. Zumindest vorläufig, wie sich hier andeutet.
Der Rest der Welt hat sich nunmal ebenfalls verändert, insofern erscheint es mir nicht unplausibel, dass dadurch auch alte Bewegungen in veränderter Form neu entstehen können.
Klar, die Gedanken waren schon immer frei, nur so etwas wie eine Szene (bzw. ein Vorläufer) ist dann doch nochmal eine andere Nummer.

Eine klare Unterscheidung ist natürlich, dass alles irgendwie mit einem Meme anfing. Bis einigen Leuten, die sich davon angesprochen gefühlt haben, klar wurde, dass es da doch ein paar tiefergehende Gemeinsamkeiten gibt.
Eine typische Art von Kleidung für Doomer gibt es meines Wissens nach tatsächlich nicht. Um sich wie auf dem Abstellgleis der Gesellschaft zu fühlen, braucht man sich schlicht und einfach nicht wie ein Meme zu kleiden.
Des Weiteren wird sich ohne eine physische Versammlungen der Gleichgesinnten wohl kaum ein richtiger Dresscode entwickeln.
Mein Gedanke dabei war, dass es noch richtig spannend werden könnte, falls es dann doch einmal richtige Treffen gibt. Sofern das nicht durch Internetforen ausgehöhlt wird.

Dann gibt es noch „Nightwalk“ und Outfit Posts, die (keine Gewähr auf Aktualität) innerhalb dieser reddit Gruppe alleine gar nicht mehr zugelassen werden, da das nach Auffassung der Moderatoren an den eigentlichen Themen mehr vorbeigeht als irgendetwas beizutragen.

Damals hatte ichs sogar wirklich mit dem Gedanken gespielt, einen Artikel darüber hier bei Spontis anzuregen. Gut, dass das jetzt sowieso in den Fokus geraten ist.

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 10 Monate

Trueness, wenn man sie so nennen möchte, entwickelt sich meiner Meinung. Dabei geht sie zwei Wege in die Szene. Von Außen nach Innen und von Innen nach Außen. Klamotten und Ästhetik können ein Anfang sein, ebenso wie die Liebe zur Musik und Melancholie.

Es gibt einfach keine gültige Definition, die zwischen True und Untrue unterscheiden kann. Es ist eher so eine verbale Äußerung für lästern oder loben, für Sympathie oder Unsympathie. Was da oft als True oder Untrue bezeichnet wird, ist völlig beliebig und abhängig vom eigenen Status, will ich meinen.

Ist man „Doomer“, wie Yorick erwähnte, dann sind die „Durchgestylten“ untrue, weil es ihnen möglicherweise an Inhalt fehlt..Andersherum werten die Durchgestylten, die sich in ihren Roben Luft zuwedeln, die Doomer als Untrue, eben weil sie lediglich mit schwarzer Hose und T-Shirt bekleidet sind.

Wie Tanzfledermaus und  Wichtlhexe völlig richtig anführen, gab es diese gegenseitige Bewertung schon immer und wird auch immer weiter so praktiziert. Liegt wohl in der Natur des Menschen, sich über Andere stellen zu müssen, um sich selbst besser zu fühlen.

Allerdings ist es meiner Ansicht nach die Aufgabe der Älteren und „cooleren“, denen ebendieses Gehabe immer mehr am Arsch vorbeigeht, nicht einfach unkommentiert zu lassen, sondern aktiv aufzuklären, gegenzusteuern und Gleichgewicht herzustellen. Denn sonst wird aus „True/Untrue“ schnell Mobbing und verbale Gewalt. Und eben diese Aufgabe geht auch nie zu Ende.

Man verstehe mich nicht falsch. Es geht nicht um Beliebigkeit und eine Szene ohne Inhaltliche und/oder äußere Abgrenzung, sondern um den Schutz „seinesgleichen“: Jemand, der sich – übertrieben gesprochen – mit Blue-Jeans, schwarzen Pumps und Helene Fischer Bandshirt über das WGT bewegt, bleibt einfach untrue :-) Jemand, der sich alle zwei Wochen in sein einzig schwarzes Outfit hüllt, um „böse“ in der nächsten Dunkel-Disco zu tanzen, bleibt untrue. Denn ohne Abgrenzung, die auch nach außen hin sichtbar ist, löst sich das Gemeinschaftsgefühl in Luft auf.

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