Musikperlen – Nicht nur so ein bisschen tot, sondern total tot (Tauchgang #24)

Lebanon Hanover – Totally Tot

Wave lebt! Es ist faszinierend. Kaum beginnen die ersten Takte von „Totally Tot“ schleicht der eiskalter Wave den Rücken hinunter und hinterlässt feine Haare, die sich nach Luft ringend in die Höhe strecken. Großartig!  Cover und Titel des jüngst erschienen Albums „The World is getting colder“ hätte auch nicht passender gestaltet werden können. Lebanon Hanover? Die Band, die sich im Juli 2010 zwischen London und Berlin gründete, hat sich dem Wave verschrieben. Jedenfalls würde ich sie so einordnen, auch wenn Minimal Elektronik oder Synth-Pop ebenfalls treffende Kategorisierungen sein könnten. Doch so richtig einordnen lassen wollen sich Laurissa Iceglass und William Maybelline eigentlich nicht, spannen sie in ihrer Biografie einen weiten Bogen durch vielen Musikrichtungen. Ist aber auch egal, der Inhalt zählt. Unterkühlt und sarkastisch der Gesang, melodisch und bestechend die Melodie. „Totally Tot“ besticht durch die Mischung aus subtilem Humor und treibenden Sound, bei dem wohl kein paar Pikes nicht die Tanzfläche streichelt.

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Bloodygrave & Die Lust – Tscher-no-Bill

Wer es gerne noch minimalistischer möchte, sollte sich bei Bloodygrave & Die Lust einmal umhören. Die Band, die sich 2010 aus der Asche von Berlin erhob (so behaupten sie jedenfalls), bringt zwei ganz unterschiedliche und doch erstaunlich artverwandte Charaktere zusammen. Ben (Bloodygrave), der seine ersten musikalischen Schritte im Punk unternahm, entdeckte 2009 die elektronische Musik und begeisterte sich für die „Flexipop“ und „Shock Waves“ Sampler, aus denen auch die Motivation entstand, etwas eigenes zu machen. Wie es der Zufall wollte, traf er Frasco (Die Lust), der sich ebenfalls in einem Solo-Projekt versuchte, in dem er seine Leidenschaft für Synthesizer in Form von New Wave und No Wave umsetzte. Ein Schmunzeln entlockte mir das Video zu ihrem Stück „Tscher-no-Bill“, dass mich visuell sofort in die frühen 80er beamt, als man NDW zur neuen Musikrichtungen der Musikrichtungen empor hob. Und genau dieses Feeling verströmt die Combo auch, minimal Wave zu einem kritisch-humorvollen Text im NDW-Style, irgendwie passt das. (Vielen Dank an Anja für den Tipp via E-Mail!)

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Petra Flurr – Schnell Schnell

Stichwort abgedreht. Dieses Video legt noch einen drauf. Doch wer steckt dahinter? Petra Flurr, der/die bürgerlich Ivan Sacha Mannina genannt wird, wächst bei seiner Mutter in der Hausbesetzer-Szene von Berlin und Madrid auf und sieht sich mit seinem Alter Ego als Hommage an die Persönlichkeiten, die ihm während dieser Zeit begegnet sind. Eigentlich war Ivan mal Sänger der spanischen Rockband Krakovia, doch seit 2003 versucht er sich in der Minimal-Szene und sorgt mit seinem Erscheinungsbild und den abgedrehten Videos stets für Aufsehen. Wave, Punk, Techno? Ich weiß es nicht, ich gebe es einfach auf diesen Kerl in eine Schublade stecken zu wollen, in der er partout nicht passen will. Criminal Wave nennt er es selbst. Ich finde es einfach nur gelungen, wenn auch ein wenig befremdlich. Zwei Dinge, die für mich gut zusammen passen.

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Ian Luther
Ian Luther (@guest_24042)
Vor 10 Jahre

Lebanon Hanover hat es mir echt angetan! Gerade „Die World“ wirkt richtig schön eisig kalt… Sowas liebe ich einfach.

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia(@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

Huih, ich bin enorm begeistert von diesen neuen Musiktips – besonders genial fand ich beim ersten reinhören jetzt Bloodygrave & Die Lust, da muss ich mich mal näher schlau machen und die Musiksammlung aufstocken damit :D – aber auch die anderen beiden Projekte sind super, Petra Flurr will musikalisch noch nicht ganz so in den Gehörgang Einzug halten, aber das muss kein schlechtes Zeichen sein – auf jeden Fall hat er den Freak-Bonus bei mir – ich mag solche abgedrehten Charaktere einfach :D
Danke auf jeden Fall fürs bergen dieser Musikperlen :)

Nachtrag: der Keyboard-Schlips ist geil, ich brauch sowas *lach*

Death Disco
Death Disco (@guest_24045)
Vor 10 Jahre

Hmmm, auf Anhieb gefällt mir der letzte Track am besten. Flott und groovy. So mag ich’s. *g*

Ich hätte die Tracks genau andersherum gelistet. Den ersten Track finde ich persönlich nicht so gut. Wahrscheinlich stören mich die gewählten Elektronik-Sounds. Daraus hätte man mehr machen können. Der Wechselgesang gefällt mir hingegen sehr gut.

Katrin
Katrin (@guest_24061)
Vor 10 Jahre

„Die World“ finde ich wunderbar… danke für die Perlen! Mr(s). Strange Flurr gefällt und ist notiert. :-)

Katrin
Katrin (@guest_24070)
Vor 10 Jahre

httpv://www.youtube.com/watch?v=OnudO2kBFTs

*zum fraß vorwerf ;-)

Chaosalbtrauma
Chaosalbtrauma (@guest_24108)
Vor 10 Jahre

Klasse Tipps.
Besonders Lebanon Hanover und Bloodygrave & Die Lust haben es mir echt angetan.

Anja
Anja (@guest_24133)
Vor 10 Jahre

Hui, mit so einer schnellen Reaktion hätte ich nicht gerechnet ;) Es freut mich, dass es gefällt.

Endlich bin ich auch mal dazu gekommen, ein Lied von Petra Flurr zu hören – gefällt mir gut!

Flauers
Flauers (@guest_24394)
Vor 10 Jahre

Darf man hier einfach so seine eigenen kleinen Musikperlen reinschmeißen? Wenn nicht, einfach löschen :D

Vielleicht kennen es ein paar …

httpv://www.youtube.com/watch?v=LxHqXy6CS4I

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