Fehlfarben – Glücksmaschinen

Frei nach ihrem eigenen Motto „Es geht Voran!“ veröffentlichen die Prototypen des deutschen Punk Fehlfarben ihr neues Album Glücksmaschinen. Auf 34 Minuten geben sich die älteren Herren die Ehre. Ein Punkalbum in Punklänge, auf das wesentliche reduziert. „Diese siebzig-Minuten-CDs gehen mir sowieso auf den Sack. Man muss nicht immer alles ausreizen, was ein Medium hergibt.„, so Peter Hein in einem Interview bei Spiegel-Online. Und tatsächlich, noch bevor ich das Album in den Händen halten kann, verspricht das Preview und die digitale Version genau das, was in den letzten paar Jahren verloren gegangen zu sein scheint. Die Sympathie, die ich für die Fehlfarben empfinde, begründet sich eben auf dieser Art die Realität zu empfangen und zwar so wie sie ist. Auch musikalisch sind sie im Jetzt angekommen, denn sie zeigen sich deutlich elektronisch-moderner, ohne jedoch dem Punkrock abzuschwören.

Hein,Neues Album der Fehlfarben - Glückmaschinen dessen Leben erschreckend realistisch und „unpunkig“ abgelaufen ist, lebt jetzt in Wien nachdem er seine Stelle bei Rank Xerox dem Stellenabbau opfern musste. „Hartz IV wollte ich nicht, also bin ich aus Deutschland weggegangen, nach Wien. Ich habe nicht gesagt: Ich geh jetzt nicht mehr arbeiten, weil ich doch noch Popstar werde, auf die alten Tage.“ Nach der Entscheidung 2002 wieder Musik zu machen und einige glücklosen Alben hat man sich jetzt dem Produzenten Moses Schneider (Tocotronic, Beatsteaks) anvertraut und das neue Album eingespielt, eine Single ausgekoppelt, ein Video gedreht und eine Tour geplant. Das Konzept scheint gelungen, mir jedenfalls gefällt das, was ich vom neuen Album schon hören konnte sehr gut. Es scheint überraschend wie viel Energie frei wird, angesichts der älteren Herren in Style der 70er Jahre Tapeten. Doch alles andere wäre eine Lüge gewesen, die Lüge die eigenen Wurzeln auszublenden und die Lüge das Jetzt nicht als musikalischen Entwicklung zu akzeptieren.

Wir warten, ihr habt die Uhr – wir die Zeit„, passt so ganz zu der Stimmung die der Song verbreitet. Ein Leben seine Ideale anzustreben ohne das Leben selbst als Ideal zu sehen, ist genau nach meinem Geschmack. Auch die Texte der restlichen Lieder sind vielschichtig, ohne dabei ins lyrischen zu driften oder sich mit Polemik zu schmücken. Wer also mal wieder ein Stück deutsche und ehrliche Musik haben möchte, sollte sich das Album unbedingt näher anschauen, ehrlicher Postpunkrocksound mit wavigen Anleihen und extremer Tanzbarkeit.  Alles weitere gibt es auf der Internetseite der Fehlfarben oder auf der entsprechende Rubrik beim Label tapeterecords.

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