Fauns neues Album „Von den Elben“ von den Fans Unheilig gesprochen

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Seit Januar 2013 schlägt der bayrischen Pagan-Folk Gruppe Faun ein rauer Wind entgegen: „Ausverkauf!„, „Ihr verratet eure Ideale!“ oder „Was habt ihr euch dabei gedacht?“ hagelt es in den Kommentare auf ihrer Facebook-Präsenz. Das neue Album „Von den Elben“ und ein Wechsel zum Major-Label Universal entpuppen sich als Steine des Anstoßes. Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor.

Wir erinnern uns, 2001 gab ein Band namens Unheilig ihre Premiere auf dem Wave-Gotik-Treffen. Die Art der Musik trifft den Zeitgeist der schwarze Szene, ihr Stück „Sage ja!“ avanciert zum Underground Klassiker. Der „Graf“ prägt zu dieser Zeit gemeinsam mit anderen Bands das aus dem Boden gestampfte Genre „Neue deutsche Härte“ und erarbeitet sich in den folgenden Jahren eine breite Hörerschaft innerhalb der Szene. Doch die Band entwickelt sich. 2010 erscheint das Album „Große Freiheit“, dass durch seine poppige, seichte und massenkompatible Art eine völlig neue Hörerschaft anspricht. Das neu gewonnene Major-Label Universal vermarktet das Album massiv und verschafft Unheilig eine unglaublich hohe Medienpräsenz die das Album innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 der Albumcharts katapultiert. Vielen eingefleischten Fans der Band ist das zuviel Kommerzialisierung, sie „trennen“ sich von Unheilig und werfen dem Grafen einen Verkauf seiner Authentizität vor und stempeln ihn zum Schlagersänger. In einem Interview mit dem Stern1 äußert sich der Graf zu den Vorwürfen: „Es ist seltsam, jahrelang haben mir die Menschen vermittelt, wie wichtig ihnen meine Musik ist, und dann ändere ich ein wenig mein Äußeres, lasse den schwarzen Nagellack und diese weißen Vampirkontaktlinsen weg, und plötzlich zählt meine Musik nicht mehr. Plötzlich sagt man: Der singt jetzt kommerzielle Balladen. Der ist keiner mehr von uns. Ich verstehe das bis heute nicht. Wenn du die Akzeptanz der Leute nicht mehr hast, die du so lange kennst, dann tut das weh.“ Was das mit Faun zu tun hat? 

Musikalische Entwicklung und Erwartungshaltung

Seit 1999 spielen Faun ihre Art der Musik, die sie selbst „Pagan Folk“ nennen. Zu Beginn noch als klassische Mittelalterband, die sich mit Musik, Sprachen und Instrumenten aus den verschiedensten Epochen und Regionen beschäftigte, eröffnen sie sich 2003 mit ihrem Album „Licht“ durch den Einsatz von Synthesizern und Elektronik eine ganz neue Hörerschaft und die Herzen der Gothic-Szene. Stücke wie „Egil Saga“ zeigen im Wechsel mit dem Stück „Isis“ die ganze Bandbreite der Band und begeistern auch mich.  Jedes Album der Band ist eine Stufe ihrer Entwicklung, die bis jetzt von vielen sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Während ihr Debüt-Album „Zaubersprüche“ mit ruhigen Balladen aus Mittelalter und Romantik begeistert,  zeigt man durch das zweite Album „Licht“, wie Elektronik das angestaubte Genre bereichern kann. 2005 erscheint „Renaissance“, das sich mit Tod und Wiedergeburt beschäftigt und das die Stärken der Band eindrucksvoll verbindet. „Satyros“ steht im sprachliche und musikalischen Gegensatz zu „Rosmarin„. Mit „Totem“ überwinden Faun 2007 ihre Abgründe und schaffen es wieder einmal, sich mit „2 Falken“ oder „November“ in mein musikalischen Langzeitgedächtnis zu spielen. 2011 widmet sich „Eden“ der mythologischen Vorstellung des Paradieses und zeigt deutlich, dass Entwicklung und Abwechslung ein stetiger Begleiter der Band sind. „Zeitgeist“ prägt die musikalische Linie.

Tanz mit mir - Faun
Bildschirmfoto vom aktuellen Song „Tanz mit mir“ im Duett mit dem Schlagersänger Santiano

Als sich 2012 die Veröffentlichung von „Von den Elben“ abzeichnet, ist die Erwartungshaltung groß, doch die Entwicklungen im organisatorischen Umfeld der Band werden kritisch beäugt. So sehen viele Fans bereits den Wechsel zum Major-Label Universal“ als Anfangs vom Ende. Auch innerhalb der Band gibt es Veränderungen, so ergänzen Sonja Drakulich und Stephan Groth  die Band und lassen mit Spannung erwarten, was das neue Album bringt. Mit der Veröffentlichung wird dann offensichtlich, dass man sich klanglich und musikalisch in eine massenkompatiblere Richtung bewegt. Schon der Sprachgebrauch, der bislang durch Ausflüge in viele Sprachen älterer Epochen abwechslungsreich gehalten wurde, spricht deutliche Bände und scheint darauf abzuzielen, von wesentlich mehr Menschen verstanden zu werden. Die Lyrik alter Zeiten, verschwindet mit der Textzeile „Und später Schöne teil das Bett mit mir, dass ich nicht so frier“ aus dem Stück „Tanz mit mir“ völlig im Nirvana. Dieses Duett mit Schlagersänger „Santiano“ ist zentraler Reibepunkt der Diskussion um die neue Marschrichtung von Faun. Offenbar ist es der Band jedoch ein Anliegen, ihre Beweggründe zu erklären, so heißt es im Booklet dazu: „[…] haben wir uns hier auf Wunsch der Plattenfirma einem weit verbreiteten Thema des Mittelalters gewidmet„. Das erscheint mir eher wie Öl in das Feuer der Kritiker, als eine Rechtfertigung für eine Neuorientierung. Stücke wie „Andro II“ oder „Bring mich nach Haus“ zeigen unterdessen die alten Qualitäten der Band und knüpfen an alte Traditionen an. Coverversionen wie „Schrei es in die Winde“ (Omnia) oder das „Minne Duett“ (mit Subway to Sallys Eric Fish) runden die Sache ab.

Willkommen bei Carmen Nebel!

Die musikalische Qualität hat jedoch nicht gelitten und ist – wie gewohnt – auf höchstem Niveau, der Klang hat viel von seiner „Andersartigkeit“ eingebüßt und fühlt sich für die meisten Fans fremd und glattgebügelt an. Doch das bleibt Geschmackssache, subjektiver Eindruck und wird an zahlreichen Stellen im Netz intensiv diskutiert. Als Faun jedoch am 16. Februar einen Auftritt in der Schlagersendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ absolvieren, scheint das virtuelle Fass zum überlaufen zu bringen. Unzählige Kommentare auf der offiziellen Präsenz auf Facebook waren ein für die naturverbundenen Musiker ein völliger neuer Sturm der Entrüstung. Man warf der Band vor, ihre Ideale zu verkaufen und die Musik kommerziellen Interessen zu unterwerfen. „Bei einigen Lieder höre ich ihn – diesen Klang von Schlips und Krawatte.2 Das aktuelle Video zu „Diese kalte Nacht“ unterstreicht den „glänzenden“ Eindruck:

Die aufkochenden Emotionen, Meinungen und Unterstellungen bewegten sogar Frontmann Oliver Pade zu einem Statement. Mit so starken Gegenwind hatte er nicht gerechnet und obwohl es ihn schmerze, wie manche Dinge gesehen würden, so würde es ihn dennoch freuen, dass sich noch so viele Menschen mit der Musik beschäftigen.

„VON DEN ELBEN“ – EIN NEUER WEG? – […] Wie auch bisher ist die Welt viel zu farbenfroh und wir zu begeisterungsfähig, um uns einschränken zu lassen. […] Eine Veränderung heißt nicht, dass alles anders wird und anders bleiben muss, aber gewisse Schritte auszuprobieren, war für uns immer der richtige Weg. Schlimmer wäre es, glaube ich, über viele Jahre genau das gleiche Ding zu machen und still zu stehen, ohne sich überhaupt weiter zu entwickeln.

Eine Entwicklung – egal in welche Richtung – ist immer eine Entscheidung der Künstler, die ganz bewusst getroffen wird. Man sollte tatsächlich nicht erwarten, dass etwas so klingt, wie man es wünscht, sondern dass es sich bei Faun um Menschen mit eigenem Geschmack handelt, der sich in ihrer Musik äußert. Viel schwerer wiegt für die meisten Fans jedoch, dass man sich durch den Schritt zum Major-Label Universal einer Maschinerie unterworfen hat, die bei vielen anderen Bands bereits zu einem Ausverkauf geführt haben. Oliver Pade dazu:

Wir glauben aber auch, dass wir mit unserer Musik und mit FAUN eine größere Aufgabe haben, wie nur zu unterhalten. Wir haben eine klare Botschaft und glauben, es ist in diesen Tagen wichtiger denn je diese weiterzureichen. Von daher war dies für uns eine klare Chance, um mehr Menschen gerade für unsere Themen zu sensibilisieren. Um diese Chance wahrzunehmen, mussten wir gerade beim Erstlingswerk für Universal musikalische Kompromisse machen […] Und doch ist es glaube ich sinnvoll, dass wir jenes was wir gemeinsam seit vielen Jahren wissen und erlebt haben an dieser Stelle mit einer grösseren Öffentlichkeit teilen. Wir können etwas verändern, da sind wir uns sicher. Allein das allgemeine Interesse für Themen wie „der Herr der Ringe“, „Game of Thrones“ aber auch für Schamanismus und Naturreligion zeigt doch, dass in unseren Tagen eine große Hinwendung stattfindet zu Mythen, Märchen und dem Animismus einer lebendigen Natur.

Man fragt sich schon, ob hier unbeschwerte Naivität auf knallharte Realität trifft. Ich bin mir unsicher, ob man sich und seine Ziele der Veränderung, auf diesem Wege erreichen kann. Es ist sicher ein großes Ziel, der Welt auf diesem Weg ein Stück „Faun“ einzupflanzen. Einer Plattenfirma wie Universal sind diese Ziele in der Regel völlig egal, hier zählen der Profit und der Umsatz, die von einem „Produkt“ abgeworfen oder erzeugt werden. Ob sich Faun dem auf Dauer unterordnen kann, bleibt abzuwarten. Immerhin gibt er zu, dass das Gefühl, seinen Song im Schlagerradio zu hören nicht „prickelnd“ war, obwohl der Diplomat sich auch hier die erwünschte Wirkung erhofft. Den Auftritt im Fernsehen nimmt man ebenso wahr:

Ich glaube an dieser Stelle ist es wichtig, nicht in einer Gollum-Attitüde seinen Schatz zu verstecken, sondern gewisse Inhalte nach Außen zu tragen. Die Tatsache, dass wir nun im Fernsehen in Erscheinung treten, heißt ja nicht, dass wir unsere Ideale aufgegeben haben, im Gegenteil, wir versuchen mehr Menschen für unsere gemeinsamen Ideale zu gewinnen. […] Wir werden hier absolute Außenseiter sein, darauf sind wir stolz und das wird so bleiben. Aber dies ist auch eine riesen Chance, keine andere Band würde sich solch eine entgehen lassen.

Ob es an Ehrlichkeit mangelt oder die nötige Courage fehlt, um zuzugeben, dass man mit seiner Musik Geld verdienen möchte, sei einmal dahingestellt. Ich glaube, das wäre doch der verständlichste Punkt. Wenn man 10 Jahre seinen Lebensunterhalt in einer kleinen Szene verdient und im Sommer über Mittelaltermärkte tingelt, kann jeder den Wunsch, von seiner Musik zu leben, mehr als nachvollziehen. Die Verkaufszahlen des letzten Albums sprechen offensichtlich eine deutliche Sprache, denn die waren – so unterstelle ich einmal – nicht so berauschend, obwohl hier mehr Faun drinsteckte als man vermuten würde.

Ein Bildschirmfoto der Universal-Seite. Ein Zufall, welche Künstler hier als "ähnlich" präsentiert werden.
Ein Bildschirmfoto der Universal-Seite. Ein Zufall, welche Künstler hier als „ähnlich“ präsentiert werden.

Ideale und Risiko

Es ist ja nicht zwangsläufig so, dass man mit kommerziellem Erfolg seine Ideale verliert, seine Musik verändert und dem Geschmack der breiten Masse anpasst. Vielmehr geht es doch um Glaubwürdigkeit, die nun mal darunter leidet wenn Songs die Menschen zu Mythen, Märchen oder einer lebendigen Natur tragen sollen, zwischen den üblichen und oberflächlichen Schlagern gespielt werden und als Reihenfolge im Programm wahrgenommen werden. Im weiteren Statement-Verlauf spricht Oliver Pade davon, dass Universal ein großes Risiko mit Faun eingegangen wäre, als man die Band verpflichtete. Das halte ich für ein Gerücht, Firmen wie Universal gehen wenig Risiken ein, hier herrscht Kalkül und vielleicht möchte man sein Mittelalterprogramm, dass mit Subway to Sally und In Extremo sehr rockig bestückt ist, mit Faun um eine etwas ruhigere Spielart erweitern. Ein Platz 7 in den deutschen Mediacontrol Albumcharts ist jedenfalls kein Risiko.

Und ja, ich wünsche mir sehr, dass Faun sich nicht einfangen lässt von der Gier nach mehr. Ich wünsche mir weiterhin kleine Konzerte auf Mittelaltermärkten und kleinen Veranstaltungsorten. Ich wünsche mir, dass sich Faun treu bleibt, der aktuelle Erfolg sei ihnen gegönnt. Leider zeigt das Beispiel Unheilig in eine andere Richtung und macht nicht gerade Mut auf das, was kommt.

Wer Lust bekommen hat, sich mit Faun zu beschäftigen und im Augenblick des Lesens überdrüssig geworden ist, sein dieses Interview zum aktuellen Album ans Herz gelegt. Es unterstreicht die Ideale, die Faun mit ihrer Musik verfolgen und zeigt, wie man den Schritt zum Major-Label und einem professionellen Produzenten-Team erklärt. Wer lieber lesen möchte, was andere zu dem Album „Von den Elben sagen“, sei die Reviews auf metal.de, Himmelsnetz oder laut.de empfohlen.

 

Einzelnachweise

  1. Aus dem Artikel „Der Menschenfischer“, der am 21. Oktober 2010 in der Ausgabe #43 des Stern erschienen ist.[]
  2. Aus einem Kommentar von Martin Fellmann aus den Kommentare zum Statement von Oliver Pade[]
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Axel
Gast
Axel

Das schlimme ist: das die Musiker an sich verdammt geil sind!

Es ist in der Tat so, dass dieser Mainstreamsound 1:1 auf das Label zurückgeht. Mir kann die Band nicht erzählen, dass die Hinwendung zum Carmen Nebel Schlager von ihnen kommt.

Aber mir soll das egal sein. Entweder sie sehen, wie beispielsweise Omnia, dass der Weg mit Majors zusammenzuarbeiten falsch ist – und brechen damit (wie es eben Omnia getan haben), oder sie machen halt weiter Gute Laune Schlager ohne Ecken und Kanten.

Gibt ja noch genügend andere Bands, die man hören kann – beispielsweise:



Ich kann verstehen, wenn man enttäuscht ist über die Entwicklung der Musik von Faun. Aber es gibt noch sooo viele andere Bands in der Welt. Man muss eben nur gucken. :-)

kleine Eule
Gast

Mit diesem Album hat die Band sich – meiner Meinung nach – wirklich keinen Gefallen getan. „Diese kalte Nacht“ ist viel zu mainstreamig vom Sound her und gehört wirklich zu Carmen Nebel – um es mal ganz provokativ zu sagen….

Theo
Gast
Theo

Dieses Album zeigt einmal mehr wie subjektiv Musik doch wahr genommen wird. Für mich war „Von den Elben“ endlich mal wieder ein szeneaffines Album, welches mich seit gefühlten Ewigkeiten absolut überzeugt hat.
Die Weiterentwicklung zu mehr Griffigkeit und Eingängigkeit ist in meinen Augen durchaus positiv zu bewerten, statt dies als plumpe Kommerzialisierung abzutun.

Ich wünsche Faun auf jeden Fall viel Erfolg mit dieser neuen Richtung, aber wünsche mir auch, dass sie ihre Wurzeln in Zukunft nicht fallen lassen und weiter ihren eingeschlagenen Weg verfolgen.

Axel
Gast
Axel

Für mich war “Von den Elben” endlich mal wieder ein szeneaffines Album

Bei dem Schlager, der da in letzter Zeit in die Szene geschwemmt worden ist, stimmt das sogar. Auch Unheilig hat ja seinen Stil nicht großartig verändert.

Aber mal ehrlich: Früher war die Musik von Faun richtig naturromantisch, verträumt, angereicher tmit vielen Sprachen und Einflüssen. etzt ist da nur noch deutscher Schlager übrig mit Sauftexten. Ne danke!

Irmin
Gast
Irmin

Ich habe mir das neue Faun-Album bisher noch nicht angehört und weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will. Schließlich mag ich Faun und will sie in guter Erinnerung behalten… Auf der anderen Seite sollte man natürlich wissen, worüber man spricht. Ich habe mich also überwunden, „Diese kalte Nacht“ anzuhören.

Und weil ich Faun so mag, halte ich mich mit einem Urteil mal zurück… Hilfe, was für eine Pop-Hymne! Vielleicht sollten sie, wenn ihnen ihre Botschaft so wichtig ist, nächstes Jahr beim ESC mitmachen. Natürlich auf englisch. Klanglich passt es und musikalisch sind sie dann wohl deutlich die besten bei der Veranstaltung. Nein, selbst, wenn auch auf dem neuen Album ein paar gute Stücke dabei sind, das kann mir gestohlen bleiben.

Echt schade um Faun, aber dann „behilft“ man sich eben mit den alten Alben. Vielleicht gelingt ihnen ja noch eine Kehrtwende (was ich bezweifle), wenn nicht, ignoriere ich sie eben ab sofort… wie ich das mit zwei weiteren, von dir genannten Bands (In Extremo und Subway to Sally) mache. Die haben ein paar gute alte Lieder, die man sich immer mal wieder anhören kann, und das war’s dann eben.

Der Vergleich mit Unheilig ist hoffentlich nur auf die Kommerzialisierung und nicht die Musik an sich bezogen. Das war bei Unheilig doch schon immer Schlager, auch am Anfang :>

@Axel: Witzig, das von dir verlinkte Lied von Ordo Funebris lief gerade, als ich den Kommentar verfasste. Wirklich zu empfehlen ;)

Ian Luther
Gast

Schöner Artikel. Nur zu Unheilig eine kleine Anmerkung: Der erste Auftritt von UH war das Doomsday Festival im Jahr 2000. Zuvor wusste Bernd der Graf nicht einmal, was die „Gothic“-Szene eigentlich sein sollte. Zum Thema „Mainstream“-Musik verweise ich nur auf The Cure oder Depeche Mode, die haben es richtig gemacht, da meckert heute auch keiner mehr. Außerdem sollte man das hören, was man hören will. Und wenn eine Band Kommerz im großen Stil betreibt, wie Unheilig es heute tun, dann hat man immer noch die Entscheidungsfreiheit, selbst zu bestimmen, ob man den mitmacht oder nicht. Ich könnte im Filmbereich Star Wars als Kommerzgeier bezeichen, was es alles allein an Merchandising gibt. Trotzdem finde ich die Filme geil und kaufe mir nach wie vor alle paar Jahre einen neuen Darth Vader als Action-Figur :)

Ne, es ist auch ein stilistisches Problem. Für die meisten muss eine Band immer harrrrt oder düüüüüüster klingen. Wenn sie einmal heiter und sanfter daherkommt, dann wird man im deutschsprachigen Raum schnell als Schlager gehandelt. Würde man jetzt englische Lyrics benutzen, allenfalls Pop. Schlager ist für mich etwas anderes. Ich nehme nur die Alben „Pornography“ und „The Top“ von The Cure: Zwei völlig unterschiedliche Alben, bei denen man als Außenstehender glauben könnte, sie kämen garantiert nicht von ein und der selben Band. The Cure erfinden sich mit jedem Album neu. Unheilig oder eben jetzt Faun entwickeln sich mit jedem neuen Album fließend weiter. Ob der Sound für die Hörgewohnheiten der „Altfans“ ansprechend ist, hängt von einem selbst ab. Ich stelle nur fest, dass Bands wie Subway To Sally seit ihrer Entwicklung zur deutschsprachigen Folk-Metal größere Fankreise aufbauen konnten, zuvor waren sie ja eher die Marktmusiker. Aber ich habe bei denen das Gefühl, dass sie seit dieser „neueren“ Ausrichtung immer und immer das selbe machen. Und das gefällt den Fans. Weiterenticklung scheint der Holzpflock im Herzen von uns „Untoten“ zu sein :) Aber wie Axel es sagt: Es gibt doch noch so viele Alternativen. Und dank dem Internet finden sich einige Perlen, die man so in den großen Mediamärkten und Saturnen nicht ganz so einfach fände…

Ian Luther
Gast

Im Übrigen: Wenn ein Musiker auf einmal keine Kontaktlinsen oder Nagellack trägt, wieso muss man dann gleich den Koller kriegen oder mit dem Wort „Szene-Verräter“ rumschmeißen? Soll doch jeder so machen, wie er will. Aber es gibt doch auch noch ein Leben abseits der „Szene“ :)

Perdito von Wegen
Gast
Perdito von Wegen

Klar tut es weh erkennen zu müssen, dass man zum Zielpublikum von Carmen Nebel gehört, aber daran ist doch Faun nicht schuld. Meiner Meinung nach nur ein weiterer Beweis dafür wie ignorant die „Szene“ geworden ist. Uniformfetischischmus ist OK, aber Majorlabel geht gar nicht. PAH!
Aber zurück zu Faun: Einzig der Weggang von Lisa schmerzte – aber das ist auch schon viel länger her und längst verziehen.

Sheik Yerbouti
Gast
Sheik Yerbouti

Nur ein paar Stichpunkte.

1. Faun ging schon 2007 mit Lisa’s Ausstieg langsam aber sicher den Bach runter. Sie war meiner Meinung nach die treibende Kraft, was musikalischen Anspruch und das Wissen hinter den einzelnen Liedern angeht. Totem ist für mich das finale Faun-Album.

2. Die aktuelle Veränderung hat nichts mit Kommerz zu tun. Jeder, der mit seiner Kunst Geld verdient, ist kommerziell. Hier geht es ganz klar um Wertigkeitsbrüche. Billigste Tanzlieder, wie sie auch von Schandmaul & Co. stammen könnten haben mit den alten Faun nicht mehr das geringste zu tun. Kurz und knapp: Das hier ist schleimigste Anbiederung an den Mainstream – wie bei Unheilig: Um jeden Preis.

3. Meine Vorhersage: Die Zeit der beschaulichen kleinen Faun-Konzerte ist vorbei. Jetzt kommen die Massen. Das war seinerzeit bei Unheilig auch so.

Abschluss: Was haben sich damals die „Die-Hard“-Unheilig-Fans zu Grosse-Freiheit-Zeiten gewünscht und gehofft, dass die Konzerte immernoch so familiär bleiben, dass das nächste Album wieder Back-to-the-roots geht, dass die penetrante Medien-Anwesenheit beendet wird usw.

Was tatsächlich kam, wissen wir: Lichter der Stadt. Dagegen war die „Freiheit“ geradezu anspruchsvoll. Und wenigstens – zumindest offiziell – noch vom Grafen selbst geschrieben. Wie wir sehen, haben Faun und Unheilig neben CN auch noch das mittlerweile gemeinsam. Fremdgeschriebene Songs.

Tja, gewinnorientierte Unternehmen überlassen nun mal nichts dem Zufall.

Death Disco
Gast
Death Disco

Diese Combo zog an mir unbeachtet vorüber, sicherlich auch deshalb, weil ich sie stets als eine weitere Band des modernen Zillo-Universums wahrnahm. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass man mit einer Vorliebe für Wave/Goth gar nicht oder nur zufällig damit in Berührung kommt. Albumcover und Musikclip sagen mir allerdings überhaupt nicht zu. Das ist wie die Kelly Family auf LSD, verbunden mit dem Bombast von Blackmore’s Night.

Irmin
Gast
Irmin

@Ian / Perdito: Die Kritik am Aussehen (bei Unheilig) oder am Wechsel zu einem Majorlabel ist meiner Meinung nach in den meisten Fällen nur eine Kritk an Begleiterscheinungen, nicht der Kern des Ganzen. Schließlich geht es letztendlich immer um die Musik und nicht das Beiwerk. Oder zumindest sollte es so sein. Es wird sicherlich Leute geben, für die besagte Veränderungen außerhalb der Musik wichtiger sind. Das ist aber eben nicht der Teil der Kritik, mit dem man sich eingehender beschäftigen sollte, auch wenn ich euch beiden zustimme, dass das prinzipiell kein Problem ist.

Beim Wechsel zum Majorlabel zeigt sich allerdings, dass auch pauschale Kritik daran den Kern der Sache treffen kann: Faun beschäftigt sich „auf Wunsch des Labels“ mit bestimmten Themen? Okay, das mag auch bei kleineren Labels vorkommen und ich sehe das vielleicht zu rosig, aber ganz ehrlich, das ist, wie Robert schon schreibt, in der Tat eine Erklärung, die die Sache nur noch schlimmer macht.

Und Ian, so lange du nur die einzig wahre Trilogie von Star Wars magst, ist alles okay ;-)

Faun klang eigentlich noch nie düster oder hart, aber wie Sheik richtig anmerkt, eben auch nicht nach „billigen Tanzliedern“. Auch solche Lieder (und Bands) haben ihre Daseinsberechtigung, nur gibt es davon schon genügend, und von Faun erwarte ich eigentlich „Besseres“. Mag vielleicht ein wenig unfair sein, aber so ist das nun mal.

Der Begriff „Kommerz“ wird ja eher zur Unterscheidung genutzt, ob Künstler Musik machen, mit der sie auch Geld verdienen, oder Musik machen, um Geld zu verdienen. Gerade im Bereich der Musik gibt es doch eher wenig (mehr oder weniger bekannte) Künstler, die wirklich gar kein Geld mit ihrer Kunst verdienen.

Ich befürchte, dass Sheik auch mit seinen letzten Zeilen Recht behalten wird, so unschön der Gedanke auch ist. Eine kleine Hoffnung erhalte ich mir, aber ja, „gewinnorientierte Unternehmen überlassen nun mal nichts dem Zufall“.

Ian Luther
Gast

Irmin: Da stimm‘ ich dir völlig zu :)

Bei Star Wars kann es so wie im Gothic nur die 80er-Szene geben, hehe :)

Axel
Gast
Axel

Gerade im Bereich der Musik gibt es doch eher wenig (mehr oder weniger bekannte) Künstler, die wirklich gar kein Geld mit ihrer Kunst verdienen.

Aua! Dann wißt Du leider nicht wie es zugeht. Schau Dich einfach mal auf folgender Facebookpage um:
http://www.facebook.com/Kuenstlergagen

Irmin
Gast
Irmin

Nee, so habe ich das gar nicht gemeint. Ich wollte nicht andeuten, dass jeder Künstler gut von seiner Musik leben kann oder auch nur „anständig“ bezahlt wird (wie auch immer man das bemisst). Dass das meist nicht so ist, ist ja ein offenes Geheimnis. Auch, wenn ich glaube, dass Künstler abseits des Mainstream im Gothic-Umfeld noch bessere Chancen haben, zumindest ein wenig zu verdienen, als in anderen Nischen (ohne das jetzt irgendwie belegen zu können).

Mir ging es mehr darum, dass, wenn man den Begriff „Kommerz“ so weit auslegt, wie Sheik das getan hat, nicht so viele Künstler findet, die ihre Musik gar nicht für Geld feilbieten – wie gut das dann funktioniert, ist noch mal eine andere Frage. Aber „kommerzielle“ Kunst muss ja nicht übermäßig erfolgreich sein. Zumindest, wenn ich Sheik da richtig verstanden habe (das mit dem „Geld verdienen“ ist nicht so ganz eindeutig, wie man auch gerade wieder sieht).

Nur, wie gesagt, ich persönlich würde den Begriff „Kommerz“ gar nicht so weit fassen.

Axel
Gast
Axel

Auch, wenn ich glaube, dass Künstler abseits des Mainstream im Gothic-Umfeld noch bessere Chancen haben, zumindest ein wenig zu verdienen, als in anderen Nischen (ohne das jetzt irgendwie belegen zu können).

Dem ist nicht so. Du musst schon ne absolute Größe in der Szene sein (Größenordnung: Blutengel, VNV Nation, Lacrimosa), um davon leben zu können. Alle anderen Musiker arbeiten nebenbei in zivilen Brotobs. Sei es die Beiden von 18 Summers, sei es die Jungs von Mystigma, usw. Es ist ja eher im Gegenteil: Überall wird einem gesagt „ist ja Werbung für Euch, wenn ihr hier auftretet, warum Euch also bezahlen?“ Oder diese ganzen beschissenen pay 2 play Verträge. In den Zeitschriften muss man sich teuer Einkaufen, viele Webzines bringen auch nur denselben Mist von den Labels,… Echte Förderung von Kunst und Musik findet doch kaum mehr statt…
Da muss man sich auch nicht wundern, dass die Szene hierzulande so am Boden liegt.

Ian von Nierenstein
Gast

Das stimmt. Es ist auch kein Wunder, dass derzeit sich so einige Bands auflösen, weil es einfach keinen Sinn mehr macht, denn von Luft und Liebe zur Szene kann man nun mal einfach nicht leben. Im Grunde haben Bands wie Faun oder Unheilig es richtig gemacht, man muss aber dazu sagen: Charts kommen und gehen! Da muss man penetrant dran bleiben, ansonsten hockt man wieder bei 0, wo man quasi ganz am Anfang angefangen hat. Ein sehr zwiespältiger Weg, den sich manche (nicht ganz freiwillig) aussuchen. Aber wie gesagt, wenn man irgendwann um die 35 oder 40 ist, macht man sich schon so seine Gedanken, wo man auch privat finanziell später einmal stehen möchte. Daher finde ich viele Unkenrufe mittlerweile einfach nur Hanebüchen, denn die meisten von uns bereitet die generelle wirtschaftliche Lage Bauchschmerzen, ganz egal, ob man in der Kreativ-Branche ist, sozial engagiert oder im Handwerk. Und das ist auch das Problem: Da gehen die Meinungen viel zu sehr auseinander. Denn egal, ob einer musisch tätig oder mit dem Akkuschrauber auf die Welt gekommen ist: Jeder ist ein Dienstleister. Und dafür möchte man auch entlohnt werden und nicht extra dafür bezahlen. Zeitschriften beispielsweise finanzieren sich über Sponsoren, also sollte auch genügend Geld vorhanden sein, um einen Song auf die Heft-CD zu pressen (natürlich in Absprache mit dem Magazin, sonst könnte ja jeder daherkommen, Grenzen muss es geben). Ich behaupte: Eine Szene-Größe zu sein, bedeutet, viele potentielle Zuschauer anzulocken. Doch wie kann man sich zu einer Szenegröße erheben? Indem man kleinere „Festivals“ veranstaltet und fördert. Der Bekanntheitsgrad entsteht nicht, weil man auf dem WGT gespielt hat. Da spielen 400 andere Bands und man geht leicht unter. Es muss mehrere kleine Veranstaltungen im Independent-Stil geben, wo man die Möglichkeit hat, auch mit den potentiellen Fans auf Augenhöhe zu stehen. Nur sieht da die Gage etwas gering aus, wenn diese Festivals am Anfang stehen. Bands wie Unheilig oder Faun werden wohl solange sie in den Charts rumdaddeln, nicht mehr unter 1000 € spielen. TV-Auftritte sind noch viel einnahmefördernder. Pro Stunde bekommt man bei den öffentlich rechtlichen Sendern etwa 80 € und das auch nur als Statist. Zwischen einem Schlagerstar aus der Volksmusik-Szene und einem Star der schwarzen Szene wird da kein Unterschied gemacht.

Irmin
Gast
Irmin

Moment, ich sprach nie davon, allein von der Musik leben zu können, sondern nur davon, überhaupt damit Geld zu verdienen.

Dass bei der Vergütung von Künstlern einiges schief läuft, sehe ich auch so – auch abseits von Festivals (oder Treffen ;)). Allerdings bin ich ein wenig vorsichtig, wenn es darum geht, dass Von-der-Musik-leben-Können als Normalfall anzustreben. Ja, es wäre schön, wenn dem so wäre, aber selbst bei „vernünftiger“ Bezahlung durch CD-Verkäufe, Festival- und Konzertauftritte etc. pp. ist das doch einigermaßen unrealistisch – dafür ist, besonders bei Musik fürs zweite Untergeschoss im Underground, die Zielgruppe dann doch zu klein.

Und ich mache mich da jetzt vielleicht bei anwesenden Künstlern unbeliebt, aber ich sehe erst mal auch gar kein (großes) Problem darin. Vielleicht sieht man das anders, wenn man selbst Musik macht, aber aus meiner reinen, öhm, „Konsumentensicht“ ist allein von der Musik leben können so etwas wie das Hobby zum Beruf machen. Das kann funktionieren, aber eben nur für einen Teil der Leute. Und wenn nicht, naja, dann bleibt das Hobby halt Hobby. Die meisten Leute dürften ja bei ihren Hobbys eher noch Geld reinstecken.

Nur zum Verständnis: Das soll nicht „Seid gefälligst zufrieden mit dem, was ihr habt und jammert nicht!“ bedeuten. Nur, dass „nicht von der Musik leben können“ aus meiner Sicht nicht das eigentliche Problem ist.

Elei
Gast
Elei

Anfang Februar spielte mir ein Freund Musik vor, ich fragte ihn wie die Band hieße und als er mir sagte das dies Faun mit einen Neuen Album seien war ich sehr perplex.
Ich bin ein von diesen langwierigen Fans, von den man immer spricht und ICH habe in dieser Musik sie nicht wiedererkannt!
Dieses Album ist definitiv keine Neue Spielerei die an den alten Sound anknüpft, viel mehr erscheint es mir als ob sie ihre Musik komplett Neu erfunden hätten!
Für mich war und ist dieser neue Sound ein Einheitsbrei von belanglosen, hin produzierten Popopliedchen, gleich den vielen Liedern wie man sie schon seid vielen, vielen Jahren aus den Radio kennt, wo das Eine mit wenig Nuancen Abweichung so klingt wie das Andere.
Ich mache den Musikern keine Vorwürfe!, ich kann ihre Beweggründe verstehen – das einzige was mich nur wirklich traurig macht ist das wieder ein Stück Vielfalt verschwindet in ein graues Einerlei – nur weil man annimmt das die Masse (aber wer ist den die Masse?, der durchschnittliche Konsument?, bin ich nicht auch ein Teil davon?, gehören Ich und Du nicht auch da zu?) keine komplexen Melodien, tiefergehende Texte die weit davon entfernt sind Plattitüden zu sein verstehen und verarbeiten zu können oder was eigentlich noch trauriger ist, und mich persönlich ziemlich wütend macht, das man uns als Konsument nicht zutraut die Muße und den Willen zu haben uns mit vielschichtigen Thematiken auch tiefgründiger auseinander setzen zu wollen und vor allem zu können. So kommt es jedenfalls bei mir an.
Für mich war die Musik von Faun immer etwas besonderes, weit weg von den üblichen „mittelalterlichen“ Marktmusiken. Ihre Musik hatte eher etwas von historisch angehauchter Weltmusik auf sehr hohen Niveau, mehr auf einer Linie mit Loreena McKenned und Dead Can Dance stehend.
Die Musik war auf Romantik im eigentlichem Sinne ausgerichtet, mit starken mystischen Elementen.
Ich hoffe für sie das sie mit diesen Weg ihr Glück finden, für mich, wie schon erwähnt ist die Welt dadurch ein wenig Farbloser geworden, aber so ist es nun einmal im Leben alles wandelt sich, nichts ist statisch …
Das Manche ihre Trauer dadurch Ausdruck verschaffen das sie wütende Briefe und Kommentare schreiben oder Diskussionen entfachen ist denke ich einfach menschlich, die andere Seite sind jene Menschen die dies verstummen lässt – und das dürfte in diesen Fall sogar, wie ich stark vermute, einfach die Mehrheit entsprechen (Leise Musik für leise Menschen) – schließlich hat diese Musik ihren Lebensweg, von den Lauten und von den Leisen, eine Weile begleitet.
Die Musiker aber zu beschimpfen und zu Verantwortung zu ziehen wofür sie keine tragen (die Wünsche und Sehnsüchte ihrer Fans) finde ich aber persönlich Falsch.
Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben aber dies würde diesen Rahmen sprengen.
Mein Gefühl dazu: Trauer – auch diese Musik hat schließlich fast 10 Jahre meines Lebens begleitet.
Elei

Ian von Nierenstein
Gast

Videos sind heutzutage schnell gemacht. Ich habe schon viele Musikvideos selbst gemacht, da braucht man auch keine großen Budgets für. Die Kamera ist oft das teuerste. Von einem „glatt polierten“ Musikclip gleich auf eine „Kommerz“-Kiste zu schließen, halte ich für ungerechtfertigt. So professionell sieht der Clip auch nicht aus, wenn man z.B. mal den Mond fixiert, erkennt man, dass er von Hand eingesetzt wurde und nicht per „Motion Tracking“ an den Himmel geklebt wurde. Ich finde das Video schön gemacht, das einzige, was ich kritisiere, ist die in den Charts leider auf knapp drei Minuten beschränkte Laufzeit des Titels. Man geht wohl davon aus, dass „lieber etwas kurz und knackig statt lang und dappig“ sein soll. Finde ich nicht. Aber gut, ich mache ja auch nicht die Regeln der Massenunterhaltungsindustrie.

Dennoch: Ein bisschen arg bescheiden wirkt das neue Album schon auf mich. Aber sie können mehr, wenn sie wollen. Oder dürfen. Naja, ich war von ihrem M’era Luna – Auftritt auch nicht soooo sehr begeistert, dennoch finde ich ihre Musik nicht übel. Ich kenne sie allerdings erst seit etwa 2006, damals habe ich einen CD-Sampler-Beitrag von ihnen gehört. „Zwei Falken“ muss das gewesen sein. Jedenfalls hat mich dieses Lied sehr angesprochen. Ich finde es immer noch sehr atmosphärisch.

mauerunkraut
Gast

Die Diskussion geht regelmäßig von neuem los, wenn ein Geheim-Tipp kommerziell erfolgreich wird, die am längsten zurückliegende an die ich mich erinnern kann, war damals HIM. Ich möchte da keine allgemeingültigen Aussagen treffen, letztendlich muss man das im Einzelfall und natürlich auch nach dem eigenen Musikgeschmack entscheiden.
Man sollte zudem wenigstens so fair sein, sich das Album wenigstens anzuhören, bevor man darüber urteilt. (Im Falle von Unheilig hat es mir übrigens meine Mutter vorgespielt, die das so irre romantisch fand :3)

Klar ist, dass sich die Bands verändern (ob schon vor oder durch den Massenerfolg sei mal dahin gestellt) und es muss nicht zwingend immer zum Schlechten sein. Allerdings ist der derzeitige Mainstream tendenziell immer etwas weichgespült und nun ja schwiegermuttertauglich (meine hat den Grafen ja neulich im Schlagerfernsehen gesehen).

Der Zwiespalt, dass man seinen Lieblingsmusikern natürlich wünscht, dass sie von ihrer Musik so gut leben können, dass sie für den Rest ihres Lebens „nur“ Musik zu machen brauchen, andererseits geht das familiäre und doch etwas „undergründige“ (versteht jemand was ich meine?) verloren, wenn plötzlich die eigene Schwiegermutter von genau dieser Band schwärmt. Und nicht zuletzt sorgt auch der Pakt mit der dunklen Seite für einen leicht faden Beigeschmack.

Andererseits, in ein paar Jahren interessiert sich niemand her und hin und wieder höre auch ich noch ein paar alte Songs vom Herrn Grafen :-)

Ian von Nierenstein
Gast

So. Ich habe mir das neue Album nun doch gekauft. Und ich finde es richtig geil! Mir gefällt es sehr und für viele weitere Hörer wird es eine sehr gute Einstiegsdroge sein. Da bin ich mir sicher.

Dem einen gefällt es, dem anderen gefällt es nicht. Und man muss wegen irgendwelcher „Mainstreamigkeiten“ nicht den Untergang des „kultivierten Abendlandes“ an die Wand malen. Sagt schon der Herr Pohl: „Hört was ihr wollt und sch…. auf die Meinung anderer!“ :D

Ronya
Gast
Ronya

Als langjähriger Faunfan bin ich, ehrlich gesagt, von dem neuen Zeug ein wenig enttäuscht.

Wenn aber Künstler in den Mainstream abdriften, dann liegt das meiner Meinung nach nicht unbedingt an reiner Geldgier und Egoismus, sondern daran, dass man von der Kunst kaum leben kann.
Überlegt einmal wie viele CDs gebrannt werden, wie viel Musik gezogen wird.
Professionelle Kunst/Musik/Literatur ist kein bisschen Hobbygeplänkel, sondern harte Arbeit, die Geld frisst.
Vielleicht sollten wir überlegen, wie können wir als Szene unsere Musiker unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mainstreammusik zu machen. Und nicht erwarten, dass Musik ein kostenloses, allen zur Verfügung stehendes Gratis-Produkt ist.

Axel
Gast
Axel

Wenn aber Künstler in den Mainstream abdriften, dann liegt das meiner Meinung nach nicht unbedingt an reiner Geldgier und Egoismus, sondern daran, dass man von der Kunst kaum leben kann. […] Vielleicht sollten wir überlegen, wie können wir als Szene unsere Musiker unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mainstreammusik zu machen.

Zum ersteren: genauso ist es. Ich bin gerade dabei für die Anfangsphase vom „Sakona“ Webzine, welches ich zum Mitte des Jahres mit einigen Mitstreitern gründe, eine PDF zusammenzustellen für Bands, die ich dafür interviewen möchte. In dieser PDF sind u.a. mit die schönsten Interviews aus meinen letzten zwei Jahren Dark Feather zusammengefasst (insgesamt sind über 100 Seiten zusammengekommen), um zu verdeutlichen, dass „Sakona“ kein Anfängerprojekt wird.
Na, auf jeden Fall: da ist mir folgendes Interview aufgefallen, (habe ich schon ein wenig verdrängt) nämlich mit Liederlicher Unfug:

Heute spielt der Kopf der Unfugler, Stephan Groth, bekanntlich bei Faun.
Wenn man sich anschaut aus welcher musikalischen Ecke er kommt, dann weiß man, dass seine Wurzeln sicher nicht im Schlager liegen. ;-) Nun haben die Unfugler damals ein grandioses Mittelalter-Folk Album aufgenommen, auf Festivals wie das TFF usw. gespielt. Aber überleben kann man damit nunmal nicht, geschweige denn reich werden.

Und das bringt mich zu Deinem zweiten Punkt und das was ich gebetsmühlenartig fordere:
Vermehrt Musik bei kleineren Künstlern kaufen, auf Konzerte gehen, die Bands empfehlen, darüber berichten und einfach diese Bands aktiv unterstützen, DJs auffordern ebensolche Bands zu spielen, usw. statt sich von großen Labels alles vordiktieren zu lassen. Nur wenn Mitglieder einer Szene aktiv um Musik und Kunst kämpfen, können die Musiker auch ein Stück weit von leben (kein Musiker den ich kenne fordert reich zu werden). Aber dazu würde es natürlich auch gehören, dass man den Leuten Erfolg gönnt und diese Künstler nicht nur „für sich alleine“ haben will.
Dazu zitiere ich eine ehemalige Szene-Musikerin (wenn alles klappt, wird mit ihr dann im „Sakona“ ein Interview über ihre Zeit in der schwarzen Szene erscheinen):
„Ich kenne keine andere Szene, wo Dir der Erfolg als Musikerin so sehr missgönnt und als Verrat angedichtet wird, wie in der Gothic-Szene.“

Und das ist das Problem; neben der veränderten Mediennutzung natürlich.
Wenn man also Musiker ermuntern möchte ihren Stil treu zu bleiben, dann sollte man aktive Unterstützung zeigen. Doch das ist leider häufig nicht der Fall.

Dazu noch Zitat von Ralf Jesek (Ex – In My Rosary, Ex – Derriere le Miroir und derzeit Kopf von I-M-R), der seit 1987 musikalisch aktiv ist. Mit ihm habe ich für die Dark Feather #24 (VÖ wohl morgen, wird leider für unbestimmte Zeit unsere letzte Nummer werden) ein sehr lange, persönliches Interview geführt. Daraus ein Auszug, der ein Stück weit passt:

Du hast Euren Auftritt in Madrid angesprochen. Du bist in Deiner Zeit als Musiker sicherlich schon viel rumgekommen. Wo liegen Deiner Meinung nach die Unterschiede beim Publikum in Deutschland und dem anderer Länder?

Schwierig, weil man das sicherlich nicht verallgemeinern kann und wir jetzt ja auch keine ausgedehnten Touren hinter uns haben, die uns eine Art Erhebung erlauben würden. Aber aus unserer Erfahrung heraus ist es wohl die in Deutschland zur Schau getragene Coolness. In anderen Ländern war bisher alles ein bisschen, nun ja, sagen wir mal herzlicher. Nach Auftritten gibt es nette Gespräche und wir sind dort tatsächlich auch mal auf der Tanzfläche zu finden, weil eben die Atmosphäre entspannter ist. Hierzulande ist dieser direkte Kontakt eher schwieriger. Da herrscht mitunter eine irgendwie seltsame Distanz, so eine „ätsch, ich bin viel cooler als du“-Stimmung. Wobei wir das aber auch schon völlig anders erlebt haben, gerade letztes Jahr in Köln. Aber prägend war für uns sicherlich ein Auftritt in Bayern, bei dem wir während des Konzerts tatsächlich dachten, die Leute würden uns nicht mögen. Der Applaus war träge und man hatte das Gefühl, dass jeder nur mit sich selbst beschäftigt war. Nach dem Auftritt kam dann aber der Veranstalter ganz aufgeregt in den Backstageraum und fragte, warum wir denn nicht nochmal wegen einer Zugabe auf die Bühne gekommen wären, weil, wie man am Abschlussapplaus doch hätte hören können, es den Leuten wirklich gut gefallen habe. Offensichtlich hatten wir da also die Szene-Spielregeln nicht verstanden, beziehungsweise falsch gedeutet.

Und das sagt, wie angedeutet, kein Newcomer, sondern ein Urgestein unserer Szene. Vielleicht leidet die Szene tatsächlch unter einem „Coolness“-Gehabe? Das kann man natürlich nicht verallgemeinern, aber solche Tendenzen sind sicherlich da. Und genau das trifft Musiker. Mit Herzlichkeit, Engagement und solche Dinge kann man da sehr viel mehr erreichen. Das wiegt gerade bei vielen langjährigen Musikern wichtiger als der Verdienst. Aber diesen Engagement muss man eben auch zeigen.

Ich denke, dass viele Musik als etwas selbstverständliches nehmen. Und genau das ist es nicht.

Ian von Nierenstein
Gast

Ich mochte dagegen „Eden“ nicht besonders… Ich bin ein Freund von „Licht“, „Totem“ und dem „Buch der Balladen“.